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Erstes Blatt
U4- Jahrgang
Donnerstag, 15. Mai <92$
SietzenerAmeiger
General-Anzeiger für Gberhesten
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Linksruck
und Frankensturz.
Aus dem heftigen Meinungsstreit über die Ursachen des großen Linksrucks in Frankreich schält sich allmählich die Wahrheit heraus: Richt außenpolitissche Beweggründe, nicht der Blick auf Deutschland, nicht die engstirnige Reparativns- pvlitit 'Poincares haben die Linksschwenkung der französischen Wählerschaft hervorgerufen, sondern die fast unheilbar erscheinende Erkrankung des Franken. Die innerpolitischen Folgen der immer neuen Frankenstürze, nämlich die unpopulären Steuererhöhungen und die dittatvrisch ausgegebenen Finanzgesetze haben jene An- zufriedenheit der Kleinbürger geschaffen, die nun den Sieg der Linken sicherstellte. Wie eine tragikomische Verkettung mutet es an, daß der Linkssieg erst recht einen neuen überraschenden Frankensturz in Reuyvri und London auslöste. RKrn kann diese Erscheinung nur darauf zurückführen, und in Finanzkreisen ist dies auch geschehen, daß die englischen und amerikanischen Großbanken befürchten, eine linksgerichtete französische Regierung, in der die Sozialisten vertreten sind oder doch maßgebenden Einfluß ausüben, werde die zur Gesundung des Haushalts Und der Währung nötigen Beschlüsse (Steuern, Ersparnismahnahmen, Schuldentilgung) nicht durchsetzen. Das ist eine Annahme, ein Verdacht. Alan kann aber auch anderer Meinung sein. Der Harrdelsredakteur der Londoner „Times" z. D. warnt vor solchen Schlußfolgerungen, da nach sseiner Auffassung alle französischen Parteien sich bewußt sind, daß der Frank nur durch umfassende finanzpolitische Maßnahmen stabilisiert werden kann. Der Streit gehe in Frankreich überhaupt jnicht darum, ob man Steuern zum Zwecke der Stabilisierung aufbringen soll, sondern darum, welche Schultern diese Steuern zu tragen hätten.
Diese Erkenntnis des Engländers trifft den Aagel auf den Kopf. Wer auch am 1. Juni an die Spitze der politischen Geschäfte Frankreichs tritt, ob Briand oder Her riot oder ein anderer, seine einzige Sorge wird sein, Frank- sveich vor dem finanziellen Bankrott zu bewahren iund dabei den kleinen Rentner nicht zu vernichten. Wir wollen den Leser nicht mit den Zahlen der Frankenbewegung in den letzten vier Rachkriegsjahren langweilen. Das Problem wurde brennend am 14. Januar dieses Jahres, als Poincare die denkwürdige Rede hielt, die sich nur mit jener anderen während des Krieges vergleichen läßt, die von Elemenceau nach jedem Satze mit dem Schreckens wort unterbrochen wurde: „And die Deutschen sind in Rohon!" Diesmal lautete der Einwurf: „And das Pfund steht .auf 96 FrankenI" Klüger als damals Briand hütete sich Pvincare wohl, auf die Anterbrechung zu antworten. Er hat zu allen Zeiten am liebsten mit einer Kammer gearbeitet, der ein wenig Schreck in den Gliedern sah.
Poincarß begann die Reform durchaus folgerichtig damit, daß er die Gefahr im Innern beschwor. Sie bestand darin, daß die kleinen Sparer, die Inhaber der Dons de trßsor, durch die Geldentwertung beunruhigt, in immer wachsender Zahl anfingen, ihre kurzfristigen Dons am Verfalltage nicht mehr zu erneuern, sondern deren Auszahlung zu fordern. Das konnte zur Katastrophe führen. 60 bis 70 Milliarden Dons de tresor befinden sich in den Händen der Kleinsparer. Wurde die Panik allgemein, so war der Bankrott unausbleiblich. 3n aller Eile wurde vom Finanzministerium die Vorlage über die Befreiung der Bons von jeglicher Einkommensteuer ausgearbeitet, die denn auch ihre Wirkung nicht verfehlte. Dann setzte die große Finanzaktion ein. Anter Führung der Bangue de Paris warfen Morgan, Hartjes und die Westminsterbank Ungeheure Beträge in Pfund und Dollars auf den Markt. Die Spekulation ging mit und die Besserung des Franken machte Fortschritte Aber feder denkende Franzose weiß, daß es nur eine künstliche Besserung war. Am den Franken wirklich vor dem Schicksal anderer europäischer Währungen zu bewahren, sind neben dem Haus- haltsglerchgewicht drei große Reformen notwendig: Erstens die Konsolidierung der schwebenden Schuld im Innern. Zweitens die Konsolidierung der schwebenden äußeren Schuld (die sich auf mindestens 35 Milliarden Franken beläuft und besonders von den ungünstigen Handelsbilanzen tn den ersten Rachkriegsjahren herrührt). Drittens die Tilgung der Staatsschulden an England und Amerika. Die Abtragung des Schuldenberges — man munkelt von der Abtretung gewisser Kolonialbesitze an England oder Amerika — konnte vor der Kammer des bloc national nicht in Angriff genommen werden. Rur ein Linksblock kann den Knoten lösen.
Aus dem britischen Unterhaus.
London, 14. Mai. (WTB.) Macdonald kündigte im Anterhaus ein umfassendes Programm für Forschungen und Versuche zur Entwicklung des Luftschiffahrtswesens an. Zunächst soll eines der vorhandenen britischen Luftschiffe umgebaut werden, ferner würden zwei neue Luftschiffe mit einem Gehalt von 5 Millionen Kubikfuß erbaut werden. Diese Luftschiffe seien bestimmt, den Dienst nach Indien zu übernehmen. Zu diesem Zwecke müsse eine Zwischenlandungsstelle geschaffen werden. Die Durchführung des Gesamtplanes unterliege noch her Kontrolle der Regierung. Eines der neuen Luftschiffe werde von einer privaten Gesellschaft für die Regierung erbaut; die Regierung werde daS Recht haben, das Schiff zu besonderen Be-
Keine Fraktion der Mitte.
Ein ablehnender Beschluß der Deutschen Volkspartei: Die Notwendigkeit einer Sammlung der nationalen Kräfte.
Berlin, 14. Mai. (WTD.) Die Re'.chs- tagsfraktion und der Parteivorstand der Deutschen Dolkspartei billigten in Anwesenheit der Reichsminister Dr. Stresemann und Dr. Jarres nach dem von der Partei ausgegebenen Bericht die grundsätzliche Stellungnahme der Reichsregierung in der Behandlung der Sachverständigengutachten. Sie erwarten, daß die Reichsregierung in der Ausführung des Gutachtens die deutschen Interessen tatkräftig wahre, insbesondere die Wiederherstellung der finanziellen und wirtschaftlichen Einheit des Reiches gegen den Versuch irriger Auslegung durchsetzt und daß die Forderungen deutscher Ehre und Freiheit erfüllt werden. Rach einem Rücktritt der R e i ch s r e g i e r u n g sei für die R e g i c s rungsneubildung die Stellung der Deutschen Dolkspartei durch den nach wie vor maßgebenden Beschluß vom 12. Januar 1924 gegeben. Außen- und innerpolitische Gründe erfordern eine Zusammenfassung der staatsbejahenden bürgerlichen Parteien. Dieses Ziel sei nicht zu erreichen durch die Schaffung einer sogenannten Fraktionsgemeinschaft der nationalen Mitte, die die Deutsche Dolkspartei für unausführbar hält. Richt die Taktik, sondern die sachliche Aebereinftimmung in den außenpolitischen Lebensfragen der Ration stehe hn Vordergrund der demnächst beginnenden parlamentarischen Verhandlungen. Die Dorstandswahl wurde bis nach Eröffnung des Reichstages verschoben.
Die Auffassung der Demokraten.
Berlin, 15. Mai. (Priv.-Tel.) 3m Berliner Demokratischen Klub sprach am Dienstag abend der 1. Vorsitzende der Demokratischen Partei, Reichsminister a. D. Koch, über die Reichstagswahlen. Rachdem er sich gegen das gegenwärtige Wahlrecht gewandt und als eine der wichtigsten Aufgaben der Demokratischen Partei im neuen Reichstag bezeichnet hatte, hier eine Besserung herbeizuführen, gab er auf die Frage, welche Sicherheiten bei der neuen Regierungsbildung erzielt werden müßten, folgende Antwort:
1. Beibehaltung der bisherigen Auslandpolitik,
2. Schutz der DeHassung und der Republik, 3. Erhaltung unserer Währung.
Das Wahlergebnis zeige, daß, toer sich zu diesen drei Tatsachen bekenne, die Mehrheit des Volkes hinter sich habe. Hinsichtlich der Bildung einer FraktionsgemeinschaftderMit e erklärte Koch, daß dieser große und bedeutungsvolle Zukunftsgedanke nicht ad hoc aus taktischen Erwägungen verwirklicht werden dürfe, sondern nur, wenn prinzipielle Momente für eine dauernde Zusammenarbeit de r Mitte sprechen. Die Demokratische Partei würde einem solchen Gedanken schwere Opfer bringen müssen. Wenn, sie sich trotzdem zu Verhandlungen bereit finden lassen würde, so könnte das nur geschehen, um endlich einmal eine starke Macht zusammenzubringen, die dem außen- und innerpolitischen Kurs der Regierung die erforderliche Kraft verleihe.
Eine Spaltung in der deutschen Industrie.
Berlin, 15. Mai. (Priv.-Tel.) Wie die Blätter mitteilen, hat sich gestern eine Gruppe von Industriellen in einer in Berlin abgehaltenen Sitzung von der Politik des Reichsver- bandes der deutschen Industrie, der
sich für das Sachverständigengutachten ausgesprochen hatte, losgesagt und beschlossen, sich als Deutsche Industriellen-Ver- einigung selbständig zu machen. Die Vereinigung beabsichtige noch vor dem Zusammentritt des Reichstags eine Industriellen-Verfamm- lung nach Berlin einzuberufen, tn der zu dem Sachverständigengutachten Stellung genommen werden soll. Wie die Blätter bemerken, wird sich bei dieser Gelegenheit zeigen, wieviele Anhänger die neue Vereinigung aufweisen kann.
Amerika und die Gutachten.
Reu York, 14. Mai. (Wolff.) Funkspruch. Rach einer Meldung aus Washington erklärte das Kuratorium des Federal Reserve Board (der amerikanischen Zentralnotenbank), es sei dringend nötig, daß die amerikanischen Bankiers bei der Errichtung der neuen deutschen Notenbank, wie sie im Dawesbericht borge» schlagen wird, mitwirkten und stellte gleichzeitig die Mitwirkung des Federal Reserve Board in Aussicht. Das Kuratorium verlangt von dem Federal Reserve Board, möglichst sorgfältig zu prüfen, wie das Problem des finanziellen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus Europas in hilfsbereitem Geiste zu lösen sei, in gleicher Weise wie es von der Bank von England den anderen Zentralnotenbanken gegenüber schon geschehen sei. Weiter schlägt das Kuratorium vor, daß, sobald die neue deutsche Rotenbank gebildet fei, die Federal Reserve Dank die nötigen Schritte unternehme, um das Rediskontieren der genügend geschützten Goldnoten zu erleichtern. Das Kuratorium äußert den Wunsch, der auch kürzlich von Präsident Cvolidge ausgesprochen wurde, daß
das Privatkapital und die Initiative der Amerikaner diesem Plane ihre Unterstützung leihen möchten, als Zeichen des Wunsches der Ration, ihren vollen Anteil an der wirtschaftlichen Herstellung der alten Welt zu übernehmen. Es sei klar, daß das Federal Reserve Dank-System als solches nicht durch eine eigene Aktion die Ausgabe und Verkeilung der neuen deutschen Anleihe übernehmen könne, deren reichliche Unterbringung in den Vereinigten Staaten eine der Voraussetzungen des Dawesgutachtens sei. Auch sollte eine solche direkte Hilfe durch das gebeval Dank-System nicht notwendig fein. Es sollte nicht schwierig sein, eine Anleihe unterzubringen, vorausgesetzt, daß sie genügend Sicherheiten biete, um das. Vertrauen des Publikums zu erlangen, und daß der Schuldner Lasten übernommen habe
im guten Glauben, frei zu werden und ohne Hinderung an die Arbeit gehen zu können. Solange er die größtmöglichsten Anstrengungen mache, deren er nur fähig fei, seien es jedenfalls sehr wichtige Dienste, die das Federal Reserve Bank-System in bezug auf die Errichtung einer deutschen Rotenbank leisten könne.
Wenn Amerika nicht Wege findet, die es ihm ermöglichen, feine wirtschaftliche Aeberlegen- beit über die anderen Länder zur Wiederherstellung der Ordnung einzusehen, so kann der Dollar seine Stellung in der Welt und im amerikanischen Dank- und Geschäftswesen als Wechsel» slandard nicht behaupten und das Ausland wird in noch höherem Maße abhängig vom Pfund Sterling. Sobald Deutschland zur Goldbasis zurückgekehrt sei, könne auch Eng- l a n d ehre Einschränkung zurGoldwährung zurückkehren, während es, wenn Deutschland die Pfundwährung einführe, bei der Rückkehr zur Goldbasis nicht nur sein eigenes Gewicht, sondern auch das Deutschlands zu tragen haben würde. Wenn die deutsche Goldnotenbant sich auf Sterlingbasis aufbaue, dann müsse sich die Welt darauf gefaßt machen, daß diese Basis und die daraus erbaute Währung unstabil bleibe, während die Annahme der Dollarbasis die Währungsstabilisierung in der ganzen Welt beschleunigen werde.
dingungen anzukaufen, wenn e8 seine Probefahrten befriedigend erledige. Macdonald betonte, daß für die künftige Organisation einer Luftflotte eine Reserve an Personal und Material gebildet werden solle, was bedeutungsvoll sein würde, vorausgesetzt, daß die Luftschiffe sich für
gewisse wichtige Derteidigungsfunktionen eigneten.
Macdonald teilte ferner mit, daß die britische Regierung das Tangerabkommen ratifizierte; die Ratiftkation sei noch nicht em» gereicht worden, dies werde aber geschehen, sobald die ftanzösische und die spanische Regierung bereit seien, es zu tun.
Auf eine Anfrage, ob er ein Exemplar des deutsch-türkischen Vertrages auf den Tisch des Hauses legen werde, erklärte Macdonald weiter, es sei gegen den bisherigen Brauch, dem Parlament Verträge zwischen dritten Parteien zu unterbreiten, außer wenn derartige Verträge britische Interessen wesentlich berührten Der deutsch-türkische Vertrag gehöre jedoch nicht in diese Kategorie. Auf eine Zwischenfrage, ob es ein Geheimvertrag fei, erwiderte Macdonald verneinend.
Auf die Anfrage eines Mitgliedes, ob der Premierminister eine Amerika etnschlrehende Konferenz für die interalliierten
Kriegsschulden einberufen wolle, antwortete Macdonald verneinend. Bevor Beschlüsse über die durch die Cachverständiaenberichte aufgeworfenen Fragen erzielt seien, sei es verfrüht, einen solchen Vorschlag anzunehmen.
Der deutsch-russische Konflikt.
Berlin, 14. Mai. (WTB.) Ein Berliner Spätabendblatt meldet: Die in der Angelegenheit der Durchsuchung der russischen Handelsvertretung in Berlin von Rußland gestellten Forderungen wurden heute in einer Rote der deutschen Regierung zugeleitet. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, hat die deutsche Regierung bis jetzt eine derartige Rote noch nicht erhalten. Von zuständiger preußischer Stelle erfahren wir ferner, daß der Leiter der politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums, Oberregierungsrat Weih, bis zur völligen Klärung der Angelegenheit beurlaubt wurde. *
Am Sonntag traf die deutsche Delegation für die deutsch-russische Verkehr skvn- f e r e n z mit 5>r. Simons an der Spitze in Moskau ein. Angesichts des Konflikts zwischen den beiden Ländern wurde die Eröffnung der Konferenz auf unbestimmte Zeit verschoben. Die deutsche Delegation bleibt bis zur Klärung der Lage tn Moskau.
Verhandlungen im Ruhrausstand.
Berlin, 15. Mai. (Wolff.) Mittwoch vor- mittag traten unter dem Vorsitz des Reichskanzlers und unter Beteiligung der zuständigen Reichs- und preußischen Ministerien die Vertreter des Zechenverbandes und der Der g- arbeiterverbändezur Einleitung von Der- ^handsungen über die schwebenden Arbeitsverhält- nisse an der Ruhr zusammen. Der Reichskanzler betonte, daß die Reichsregierung volles Verständnis für die Rotlage der beiden Parteien, die sich teils aus den Rachwirkungen beS Ruhr- kampfrs, teils aus den Belastungen durch die Micumverträge und der Kreditnot, teils aus den Teuerungsverhältnissen und den Schwierigkeiten der Lebensverhältnisse ergäben. Demgegenüber ständen aber die wichtigen Interessen außen- und inner politischer Ratur die einen baldigen Abschluß des Kampfes zur dringenden nationale^ Pflicht für beide Teile mache.
Jede Verlängerung des Kampfes vermehre die Schwierigkeiten der Wirtschaft, steigere die Kreditnot und bringe außenpolitische Gefahren mit sich in einem Augenblick, da die Frage des Gutachtens und die Wiederaufnahme der Reparationsverhandlungen Frieden und Geschlossenheit in Deutschland zue Pflicht machen. Auch speziell für den Bergbau würde ein längerer Kampf die Heilung der gegenwärtigen Röte nur erschweren. Rach dem Reichskanzler sprachen im Ramen der Dergarbeiterverbände die Abgeordneten H u s e m a n n vom Alten Verband und Rott Häuser vom Geweriverein christlicher Bergarbeiter sowie im Ramen des Zechenverbandes Generaldirektor Wiskottin allgemeinen Ausführungen über den Streitfall. Im Anschluß an die Aussprache stellte der Reichsarbeitsmini st e r die Bereitwilligkeit der beiden Parteien fest, im Anschluß an die Verhandlungen über den Manteltarif ein Schlichtungsverfahren über die schwebenden Streitfragen zu eröffnen. Er schlug vor, daß sich die Führer der beiden Parteien sofort zum Reichsarbeitsmmtste- rium begeben möchten, um dort über die Formalitäten dieses Verfahrens Beschluß zu fassen. Die Anwesenden stimmten dem zu.
Anter der Leitung des Reichsarbeitsministers wurden beide Parteien einig, daß der Dor» sitz im Schlichtungsausschuß von dem Vizepräsidenten des Oberpräsidiums zu Magdeburg, dem früheren Ministerialrat im Reichsarbeitsministerium Hausmann, übernommen werden soll.
Hausmann, der auch im Juni 1922 die Manteltarifverhandlungen für den Ruhrbergbau erfolgreich leitete, hat die Wahl angenommen. 2118 weitere unparteiische Vorsitzende wurden auf Vorschlag der Arbeitgeber Ministerialrat K r a l i ck, auf Vorschlag der Arbeitnehmer Direttor Lofs- l e r vom Reichstohlenverband ernannt. Außerdem sollen dem Schlichtungsausschuß je fünf von den Parteien zu benennende Beisitzer angeboren. Die Schlichtungskammer tagt im Reichsarbeitsministerium. Die Verhandlungen haben bereits am gleichen Rachmittag begonnen. — Wie die „Voss. Ztg." mitteitt, haben die Verhandlungen die bis gestern abend 8 Ahr dauerten, bisher einen befriedigenden Verlaus genommen. Sie sind auf heute vertagt worden.
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Die „Kölnische Volkszeitung" meldet, daß der Erzbischof von Köln, Kardinal Sch ulte, stch telegraphisch zur Herstellung des sozialen Friedens im R u hr berg bau ko ns litt an das Reichsarbeitsministerium gewandt hat.
Verschärfung der Streiklage in Oberschlesien.
Hindenburg, 14. Mai. (WTB.) Die Streiklage in Oberschlesien hat eine neue Verschärfung dadurch erfahren, daß nunmehr auch die einzige noch arbeitende Grube, die Hedwig- wunschgrube, tn den Streik getreten ist. Auch die Oberschlesische Eisenbahnbedarf s- A. -G. und die Oberschlesische Gisenindustrie°A.°G. haben sich dem Stteik angeschlossen. In R i ch o w i tz bei Beuthen suchten Streikende Arbeiter, die tn der Preußen» grübe Rotstandsarbeiten verrichteten, gewaltsam von der Arbeit abzuhalten. Es entstand eine große Schlägerei, so daß Polizei anrüden muhte. Die Polizei wurde vom Felde her beschossen. Sieben Rädelsführer wurden festgenommen. 2luch die Arbeiter der Glei- witzerHütte haben die Arbeit niedergelegt.
Die Deutschen in Polnisch-Oberschlesien.
Berlin, 14. Mai. (WB.) Die deutsche Regierung ließ durch ihren Gesandten in Warschau der polnischen Regierung eine Rote überreichen, in der auf die infolge der sich ständig wiederholenden Ausschreitungen gegen die deutsche Minderheit in Polnisch- Oberschlesien auch für di ebortigen deutschen Reichsangehörigen bestehenden Gefahren aufmerksam gemacht wird. In Beantwortung der Rote äußert sich nun die polnische Regierung dahin, daß in der Republik Polen die Sicherheit aller Einwohner ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit verfassungsmäßig gewährleistet sei. Im übrigen bemängelt die polnische Regierung, daß in der deutschen Rote keine


