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Präsident Galvanauskas ihre 3ufttmmung erteil« (

hatten.

Verti

l<5«n Ärdeiterpartei, zum Schein getrennt hat. dann jeder aber eine Nachfolgepartei der Separa­tisten ins Leben gerufen hat, liegt der Verdacht nahe, daß sie zwar getrennt marschieren, aber vereint schlagen wollen. Schmidt-Epper soll sich übrigens nach Paris begeben haben, um beim Völkerbund in Genf Beschwerde zu führen gegen dieUnterdrückung republikanischer Frei­heiten".

nach höheren Sphären geistiger Freiheit, edler Humanität, ech.er, verinnerlichter Moral.

Ich gestehe, die vorgesehene Vollenbesetzung hatte mir Kopfzerbrechen gemacht. Die von Karl V o l ck mit Umsicht und feinem Verständnis ge­leitete Aufführung zeitigte Ueberraschungen, die den Plan der Spielleitung erfreulich rechtfertigten. Einmal zeigte sich Karl Lambert in von einer ganz neuen Seite. Eine schon in derDenkmals- Weihe" fein anklingende Kunst der Charakterisie­rung kam in der Darstellung des Leonhard voll zur Entfaltung. Der Charakter dieses banausischen Strebers, der. beschränkt, kleinlich, wie die ganze Atmosphäre des Stückes, ja niedrig, aber noch lange kein Bösewicht ist, wie sein Gegenstück Wurm, dieser Charakter ist auch heute noch alltäglich, aber darum noch lange nicht leicht. Lambertin er­schöpfte die durcheinander wirbelnden Motive in Mimik und Sprache bis zur Aeige. Wenn er und die meisten anderen Darsteller nicht immer gleich gut verständlich wurden, lag das vielleicht an der ebenso unbegreiflichen wie überflüssigen Unruhe des Hauses. Auch Paul Schuberts Meister Anion war für mich offengestanüen eine Uebcr- raschung. Denborstigen Igel", den biederen, grundehrlichenkleinen Mann", der nichts sein Eigen nennt als seinen guten Namen, diesen mit zähem, grausamen Starrsinn verteidigt und dar­über zum Sklaven seines Familienstolzes, zum Tyrannen feiner Kinder wird, wußte Schubert in einer Weise zu verinnerlichen, daß seine

Der russische Volkskommissar des Auswär­tigen Tschitscherin hat in einer Bote an Litauen festgestellt, daß die von Litauen dem sogenannten Völkerbund unterbreiteten Statuten­entwürfe in der Memelfrage, namentlich in den Bestimmungen der Hafenverwaltung. im Falke ihrer Verwirklichung die Interessen der Sowjetunion verletzen würden. Die Svw- jetregierung erflärt ausdrücklich daß sie keines­falls die Erteilung irgendwelcher Vorrechte in Memel, im Memelhafen und auf dem Rymen an dritte Mächte zulassen werde. Angesichts der Versuche einiger Mächte, die Memelfrage und Den Grenz st reit mit Polen in einem der nationalen; Selbstbestimmung widersprechenden Sinne zu lösen, drückte die Sowjetregierung ihre lebhafte Besorg­nis um das Schicksal des litauischen Volkes aus. welches sie unabhängig im Rahmen seiner natio­nalen Grenzen wissen möchte. Die Versuche, diese Selbständigkeit einzuengen, gefährdeten den Frieden Osteuropas. Gleichzeitig richtete Tschitscherin eine Rote an die im Völkerbund vertretenen Mächte, in der jede Lösung der Me­melfrage ohne Beteiligung der- Sowjetunion für null und nichtig erklärt wird Die Sowjet­regierung sehe in den Plänen. Litauen in der Memelfrage einen Beschluß aufzuzwingen und seine Staatsgrenzen durch die Beschlüsse dritter Mächte festzulegen, auch eine Verletzung der Selbstbestimmungsrechte und eine Gefährdung der litauischen Unabhängigkeit.

Der Hamburger Hafenarbeiterftreik.

Hamburg, 15. Märzz. (Priv.-Tel.) Infolge deS Hafenarbeiterstveiks liegt bereits einte ganze Anyahl von neu angekommenen Schiffen an den Kais und im Strom, die nicht gelöscht wer­den fiyrvnen. Es handelt sich um ungefähr vierzig Dampfer und Motorboote. Der ausgehende Schiffsverkehr ist sehr schwach. In den letzten Tagen haben kaum 10 Schiffe mit Ladung den Hafen verlassen. Bisher fünD insgesamt 539 Mit­glieder der Technischen Nothilfe zum Löschen leicht verderblicher Lebensmittel eingesetzt worden.

Aachdem bereits am Mittwoch Dir: Sitzung der Hamburger Bürgerschaft bei der Be­ratung einer Anfrage über den Hasenarbeiterstreik wegen fortgesetzten LLrmenS der Kommunisten abgebrochen

werden mußte, fechten- dir Kommunisten in der gestrigen Sitzung ihre Obstruktion fori. Die ge­samte kommunistischr Fraktion in Stärke von sieben Manu muhte durchPolizeiaus demSaal entfernt werden, um eine Fortsetzung der Beratung zu ermöglichen. Das Parlament ge­nehmigte dann einen HauSrech'.sparagraphen, der den Vorsitzenden auch für künftige Fälle zur ge­waltsamen Entfernung von Stören­frieden ermächtigt. In Bremen ist es zwischen demonstrierenden Hafenarbeitern und Polizei zu Zusammenstößen gekommen.

MoebiuS ferne frühere Aussage vor, wona<y Zeigner ihm den Auftrag gegeben habe, Trommer auszuhorchen, was eine Llnuvand- bmvg seiner Strafe wert sei.

MoebiuS erklärt, damals die Unwahrheit gesagt zu haben,

weil Staatsanwalt Fiedler ihm gejagt habe: ..Zeigner läßt Sie sitzenI" Ebenso habe er ge­logen, als er ausgesagt habe, Zeigner habe ihn auf der Straße getroffen und ihm gesagt, über den Fall Trommer alles zu leugnen, auch wenn ihm zehn Zeugen gegenübergestellt würden.

Auf die Frage, wie Möbius $ur Aenderung seiner Aussage gekommen sei, erklärt er, als die Untersuchung sich dem Ende genähert habe, sei sein Gewissen erwacht. Gr sei von keiner Seite bearbeitet worden. Der Vorsitzende hält Möbius die Aussage des Rechtsanwalts Mel­zer vor, nach der Möbius diesem erklärt habe, er würde von Judenbekeilt", er solle seins Aussagen ändern Möbius erklärt, Melzer habe sich an ihn herangemacht und ihm Vorteile ge­boten: er sollte nur Zeigner belasten, der hält« sich in Sicherheit nach der Schweiz gebracht und liehe ihn sitzen. Melzer habe dabei auf Zeitungs­notizen verwiesen, daß Zeigner das Opfer eines Zuchthäuslers sei. Melzer würde seine Verteidi­gung übernehmen und dafür sorgen, daß er eine Bewährungsfrist erhalte. Möbius erklärt weiter, allmählich habe er erkannt, daß es Melzer nur daraus anfäme, Zeigner zu beseitigen, nicht aber ihn selbst zu schützen.

Der Parchimer Mordprozetz.

Leipzig, 14. März. (Wolff.) Am heutigen dritten Derhandlungstage wird dec Angeklagte Landwirt Bruno Fricke aufgerafen: Der Deutschvölkischen Freiheitspartei anzugehören be­streitet er, nachdem er m der Voruntersuchung die Zugehörigkeit zugegeben hat. Als er von der Ermordung Kadows erfuhr, erklärte er sich be­reit, den Angeklagten Hurisch und Zerrz die Mög­lichkeit zu geben, zu verschwinden. Auch den anderen Angeklagten half er weiter. I u r i > ch bestätigt im Wesentlichen die Angaben Frickes, erklärt aber weiter, Fricke habe seinen Unmut über die Ausführung der Tal ausgedrückt und dies als dumm bezeichnet. Der Angeklagte Iurisch schilderte seine Begegnung mit dem An­geklagten Leutnant a. D. Thomsen und dem Leutnant a. D. Hoffmann, die nach seiner Ansicht über die Tat unterrichtet waren. Später habe er von dem Anyckl.rgten Gutsselre.är W u l - brede, dem er über die Tat berichtet hat, das Fahrgeld erhalten, am nach Berlin fahren zu können. Don dem Angeklagten Kaufmann Richter habe er in Berlin ebenfalls 30 000 Mark bezogen und die Weisung erhalten, sich nach Hannover zum Verlag des ..Sturm" za be­geben, wo er eine Stelle erhalten würde. Er sei jedoch nicht gefahren, da er gefürchtet habe, von den Rotzbach-Anhängern beseitigt zu werden. Der ülntersuchungsrichter Landgerichts­direktor Dr. Richter äußert sich über die Deutsch. völkische Freiheitspartei in Mecklenburg. Sämt­liche Angeklagte hatten sich ihm gegenüber mit einem gewissen Stolz als Mitglieder der Deuts chvölkischen Freiheitspartei bekannt. Auch habe vvn Gräfe seine Par­teifreunde im Unter)uchungsgefängnis besucht.

** Ablauf en de Steuer-Schon» fristen. Am Montag. 17. März, endigen die folgenden Steucr-Schonfristen: für die Voraus­zahlung auf dirEinkommen-undKörper- schastssteuer für Gewerbetreibende (nicht Landwirte), die 1922 einen ilmfatj von mehr als 1,5 Millionen erzielt haben und für die Vor­auszahlung auf die Ülmsatzsteuer für alle Steuerpflichtigen, die 1922 mehr als 1,5 Millionen

Gietzener Stabttlieater,

Hebbel: Maria Magdalene.

Man wird der Theaterleitung Dank wissen müssen, daß sie uns in derselben Spielzeit nach Schillers bürgerlichem Trauerspiel, derLuise Millerin" HebbelsMaria Magdalene" bietet, das die Drücke schlägt von Schiller zu Ibsen und seinen deutschen Epigonen. Aber ist es bei Schiller noch der Kampf zwischen zwei verschiedenen Ge° sellschaftsschichten, zwischen Bürgertum und Adel, so schildert Hebbel dies Bürgertum, im Kampf mit sich selbst, dies Bürgertum, das an der Be­schränktheit feiner Moral zerbricht, sich aufreibt an den engen, harten Mauern, die die herrschende bürgerliche Weltordnung Tugend. Familienstolz, Ehre nennt. Eines b: oberen Sch-n c ide r mmsters Tochter glaubt sich von ihrem Iugendgeliebten verlassen und verlobt sich einem niedrigen, strebe­rischen Gesinnungslumpen, dem sie sich hinqibt, als er einen Beweis ihrer Liebe verlangt. Klaras leichtsinniger Bruder wird eines Diebstahls - be­zichtigt, der Bräutigam hebt die Verlobung aus. um seine bürgerliche Reputation nicht in Gefahr An bringen. In Wahrheit, weil er erfahren hat daß Klaras grundgütiger Vater mit ihrer Mit­gift einmal seinem alten Meister und Wohltäter wieder auf die Beine geholfen hat. Der Streber laßt die verführte Braut im Stich und' wendet ilch der häßlichen Richte des Bürgermeisters zu.

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Deutscher und französischer Militarismus.

Berlin, 14. März. (WTD.) In den fran- I Sösischen Blättern findet sich die Behauptung, die deutsche Regierung fordere für 1924 einen Kredit von vier Milliarden Franken für die Reichswehr und damit mehr, al 3 Frankreich für die Zwecke feiner Wehrnracht ausgegeben habe, ülm zu diesem Ergebnis zu kommen, Hal man in Paris die Aus­gaben für die Polizei mit denen für die Reichs­wehr zusammenaddiert und so bei dem geringen Werte des Franken die Summe von Milliarden | errechnet. Tatsächlich hatte der Voranschlag für den Haushalt von Heer und Marine, wie er den Konrmissionen der Sachverständigen vorgelegt wurde, die Ausgabe von 453 Mil ionen Mark vor­gesehen, die inzwischen um 20 Millionen gekürzt wurden. Der französische Voranschlag für die Aüstungsausgaben war auf sechs Milliarden Papierfranken veranschlagt zu einer Zeit, wo sich der Dollar zum Frinlen wie 15:1 verhielt, also der Gvldfvank drei Papiersranken entsprach. Dem­nach gibt Frankreich für feine Rüstungszwecke Zwei Milliarden Goldfranken aus, also etwa das Vierfache wie Deutschland.

Bei dem Vergleich ist überdies noch m Rech­nung zu stellen, daß Deutschland durch den Dertraz von Versailles gezwungen ist, das so unvergleichlich teuere Freiwilligenhrer zu rrn- trrhLlten, während Frankreich sein Heer auf Grund der ZwangSdienstpsUcht ergänzt, und außerdem ein sehr großer Sdil der französi­schen Armee in den besetzten Gebieten auf deutsche Kosten lebt.

Frankreichs Bestand an LI n t e r of f iz i eren und Mannschaften beträgt etwa ZOO000 gegen 94 8OZ Mann in Deutschand. Frankreich hat 14 2 Generalleutnants, Deutschland 13, Frankreich hat 299 Generalmajore, Deutschland 25, Frankr-eich hat Z 48 Obersten, Deutschland 105, Frankreich hat 1296 Oberst­leutnants, Deutschland 190, Frankreich hat 4986 Maj o re, Deutschland 380, Frankreich hat 21040 Subalternoffiziere, Deutsch­land 3080. Die Behauptungen der französischen Blätter sind also ein durchsichtiges Spiel mit bem gesunkenen Wert des französischen Fran­ken, das ossensichtlich dazu bestimnu ist, die gegen­wärtige Offensive dieser 3eitungen in der Repa- rations- und Sicherheitsfrage zu unterstützen, das aber die Tatsachen nicht aus der Welt schaffen kann.

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Ostfragen vor dem Völkerbund.

Genf, 14. März. (WTB.) Im Völker» bundSrat wurde über die Danziger Frage ein Antrag des Berichterstatters angenommen, der entgegen den Wünschen der Danziger Be­völkerung einen Lagerplatz für polnische Munition auf der Westerplatte vorsieht. Außerdem genehmigte der Rat den Vorschlag des Berichterstatters, der Polen gestattet, in der Ülebergangszeit sechs Menate lang auf der Insel Holm nichtexplosives Ärtegämaterial zu landen. Der polnische Vertreter Admiral Zw4erzkowskh verlangte, daß Polen das Recht zugrstanden würde, gegebenenfalls nach Ablauf der sechs Mo­nate eins Verlängerung stir die Benutzung der Insel Holm zu erhalten, was der fran­zösische Vertre ter Im Rat dadurch unter­stützte, daß er erklärte, der Rat solle zu gegebener Zeit zu dieser Frage Stellung nehmen. Ange­sichts dieses Ansinnens des polnischen Vertreters, das die Gefahr einer weiteren Benutzung der Insel Holm durch Polen heraufbeschwört, verwies der Präsident des Danziger Senats, Dr. Sah m, auf die ganze Gefahr des neuen Antrages.

Cs bestehe kein Grund, Polen für sechs Mo­nate ein Recht zuzubilligen, von dem es in den, letzten zwei Jahren keinen Gebrauch gemacht habe. D r a n t i n g , dem Lord Parmooc bei- stimmte, stellte seinerseits fest, daß er dem An­trag nur dann zustimmen könne, wenn eine Ver­längerung nack sechs Monaten ausgefchlos- s e n sei. Der Antrag wurde angenommen, worauf Dr. Sahm noch einmal eindringlich namens der Regierung der freien Stadt Danzig jede Ver­antwortung aus dem Beschluß des Völkerbunds­rats ablehnte.

Das durch den Memelausschuß des Völker­bundes und der litauischen Abordnung ausgear­beitete

Abkommen Über die neue Memelsatzung wurde vom Völkerbundsrat genehmigt, nachdem noch eine längere Debatte über verschiedene Ein­zelfragen wie die Entschädigung für die Be­satzungskosten stattgefunden hatte, und nachdem die Vertreter der vier alliierten Hauptmächte im Rate sowie der anwesende litauische Minister-

Der Ieignerprozetz.

Leipzig, 14. März. (Wolff.) Dor dem Landgericht begann heute der Prozeß gegen den hoc Bestechlichkeit angef tagten ehemaligen svzia- listifchen sächsischen Ministerpräsidenten Dr Zeigner. Die Verteidigung lehnt durch R.-A Dr. Frank den Dorsihenden von Miaskowski und die Beisitzer Landgerichts­räte Störl und Rauck aus Besorgnis der Befangenheit im älnterbewußtsein ab, da die Ab- gclehnten vollkommen deutschnational orientiert seien. Hinzukomme, daß ^eigner den Abgelehnten als Dorgesetz ter'Vorhaltungen gemacht habe. Wei­ter sei die Sache anstatt gegen Zeigner und Ge­nossen gegen den nebensächlichen Möbius irnd Genossen gerichtet. Sonst müßte die Verhandlung stattfinden vor der dritten Kammer, deren Mit­glieder wesentlich anders orientiert seien. Außer­dem habe der Vorsitzende entgegen aller Hebung d i e Akten studiert und den Termin anbe- raumt, bevor das Hauptverfah en eröffnet war. Er habe auch Einfluß auf die Verteidigung Und die Zuhörerkarten genommen, ixa nur rechts eingestellten Personen solche zugeteilt wor­den seien. Zum Schluß gibt der Verteidiger die Anregung, die Sache dem Landgericht Dresden zu überweisen, weil gerade die Leip­ziger Jur ist en kreise eine starke Antipathie gegen Zeigner empfänden. Werde dies nicht genehmigt, so halte er den Ableh'rungsanlrag aufrecht.

Die durch drei Richter einer anderen Straf­kammer ergänzte Kammer trat in die Beweis­aufnahme über die gegen die drei abgelehnter Richter vorgebrachten tatsächlichen Beschwerden ein. Kurz nach hilb zwölf Ahr verkündet der leitende Richter als Abschluß, daß das Gesuch auf Ablehnung der drei Richter als unbegründet abgelehnt

wird. Das Gericht sei auf Grund der dienstlichen Aeutzerungen der drei Herren zu der ileber- zeugung gelangt, daß kein Grund zu einem Miß­trauen gegen die Unparteilichkeit der Richter vor- liege. Aus einer andersartigen politischen Ein­stellung könne eine solche Besorgnis nur beim Hinzutreten besonderer älmftänbe gerechtfertigt erscheinen. Solche ilmftänbe lägen aber nicht vor. Auch bezüglich der beiden der abgelehnten Land­gerichtsräte habe das Gericht das Dorgebrachte nicht für genügend erachtet, um eine Befangen­heit annehmen zu fönnen.

In der Rachmittagsfihung wird m die Der - nehmung der Angeklagten eingetreten. Der Angeklagte M v e b i u s lernte den Ange­klagten Zeigner anläßlich einer Mehlgeschrchte kennen. Es wurde ihm gesagt, er solle zum Ge- richtsoffizier kommen. Er wurde zu Dr. Zeigner berufen, der ihn vernommen und darüber eine Riederschrift angefertigt habe. Später sei die Sache im Sande verlaufen, ohne daß ihm Mitteilung von der Anstellung des Deriahrens gemacht worden sei. Don drei Sack Mehl, die Mvebius von Dauer für eine Derkaufsvermitt» hing erhalten habe, habe er einen an Zeig­ner auf dessen Verlangen geliefert. Er habe den richtigen Preis dafür erhalten. Der Angeklagte Zeigner erklärt zu diesem Falle, er habe in der Schreibstube alle Arbeiten mtt juristi- töem Einschlag zu erledigen gehabt. Mvebius fei freiwillig zu ihm gekommen, um zu erfahren, was für Mehl beschlagnahmt worden sei. Da er selbst die Vorgänge nicht gekannt habe, habe er sich Rvtizen gemacht. Mvebius sei öfters in die Kaserne gekommen. Da habe er, Zeigner, ihn gefragt, ob er ihm nicht auch mal Mehl ver­schaffen könne. Das gelieferte Mehl sei aber schlecht gewesen. Er habe anderes verlangt, von Mvebius aber wieder einen gleichen Sack Mehl L erhalten und bezahlt. Zu Weihnachten habe er in ,dei Kaserne erfahren, daß von Mvebius Mehl ^gestohlen worden sei.

, In einer raschen und unbesonnenen Handlung £sbe er dann die Mt-rn Mvebius hn Ofen ver­brannt aus der Absicht heraus, nicht mit einer unangenehmen Geschichtr in Zusammenhang gebracht zu werden.

Don Hehlerei oder Beschaffung eines Vermögens- Vorteils könne nicht die Rede sein. Hierauf wird der Fall Trommer besprochen. Der Angeklagte Mvebius hat einmal für einen gewissen Mueller ein Gnadengesuch an Zeigner übermittelt. Dies wiederholte er, und aus diesem Verkehr entwickelte sich überhaupt em persönlicher Verkehr. Als Zeigner Iustizminister geworden war, hat Mvebius ihn ausgesucht. Zrigner war ab­wesend. Er wurde in das Zimmer geführt, wo er in den 20ten geblättert und eine Notiz über dir Jlmttanblung derGefängnisstrafe Trommersin eine Geldstrafe von 18 000 Mark gefunden haben wttl. Als er vom Vor­sitzenden aufgeforbert wird, diese Notiz jetzt zu suchen, kann er sie nicht finden. Moebius ist bann, fcie er angibt, an Trommer herangetreten. Auf einem alten Steucrzettel habe er ein Schreiben angefertigt, in dem Trommer von der Umioanh- lang Mitteilung gemacht wird. Gr habe damit Trommer eine Freude machen wollen in der Er­wartung, daß Trommer ihm dafür ein Geschenk wachen werde. Moebius bestreitet, damit gedroht zu haben, daß Trommer andernfalls seine Strafe werde verbüßen müssen. Der Vorsitzende hält

durch und durch echte und lebenswahre Dar­stellung eine reine Freude war. A lguste M a r ck s, Karl Juhnke und Karl Dolck gaben in ihren kleineren Rollen ihr Bestes. P P. Schmitz zeigte Ansätze zu einer tieferen Verarbeitung feiner Rolle, die aber noch nicht genügten, um übeti das fast Peinliche seiner eckigen, holprigen, un­harmonischen Bewegungen hinweg Zusehen. Karl Holl zeigte bislang nur Handwerksmäßiges und darin auch nur Mittelmaß. Sein Gerichts- diener erhob sich im Gegensatz zu feinem Kollegen Stichel nicht über das bisherige Niveau.

Wer ist Maria Magdalene? ' horte ich hinter mir eine Frage. Stürmisches Suchen auf dem Zettel blieb ohne den gewünschten Erfolg. Fretza SturmfelS gab gewiß auch hier unzweideutig Antwort. Sie hatte ihre Klara durchlebt durch- bangt, durchzitteri, sich tief hineingefühlt in dieses Mädchenschicksal, das so sejn mußte, unabwendbar, unerbittlich, wie es nun einmal in diese soziale Welt hineingestellt war, das aber auch eigene Schuld zu sühnen hatte, die Schuld des törichten, ungläubigen Mädchenherzens, das sich um sein Gluck betrogen wähnt, sich einem Ungeliebten an den Hals wirft. Klaras Schicksal, Schuld und Sühne wurden in der durchgeistigten, bis ins Feinste kultivierten Darstellung von Frau Sturm- fels zu einem erschütternden Erlebnis, das uns den Wunsch nahelegt, die Künstlerin auch in Zu- funft unserer Bühne erhalten zu sehen.e

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 15. März 1924.

Vorbeugungsmassnahmen gegen die Tollwut.

Das Kreisamt Gießen erläßt hn Amts» verkündrgungsblatt mit Rücksicht auf baä ge­häufte Auftreten der H u n d e - T o l l w u t in Darmstadt, Frankfurt, Kelsterbach, im Kreise Fvankenberg und in anderen naheliegenden Orten vorbeugende Anordnungen für den ganzen Kreis Gießen, denen wir folgen­des entnehmen:

Alle Hunde Im Kreise Gießen sind fest- zu legen oder so e i n z u s pe r ren, daß sie nicht entweichen können.

Dem Festlegen ist das Führen mit einem das Beißen sicher verhindermden Maulkorbt und mit einer Leine gleichguachten.

Hunde, die den bevorstehenden Bedingungei» zuwider frei um h erlaufend betroffen wer­den, sind einju fangen und in polizeiliche Verwahrung zu nehmen; sie können getötet werden.

Jagdhunde und Schäferhunde sind wahrend ihrer Verwendung von dem Zwang befreit, sind aber außer dieser Zeit ebenfalls festzulegen ozw. mit Maulkorb an der Gerne zu führen.

Hunde, bei denen die Tollwut amtlich fest- gestellt ist, sind sofort zu töten. Verdächtige Tiere sind bis zu polizeilichem Einschreiten tun­lichst nicht zu töten, sondern abgesondert in einem sicheren Behältnis, wenn möglich unter Ankettung, einzusperren. Insbesondere wenn ein Mensch gebissen wurde, ist der betr. Hund, wenn dieS ohne Gefahr geschehen kann, ,richt zu toten, sondern zur amtstierärztlichen ülntersuchung ein­zusperren.

Ist ein Mensch gebissen worden, sv soll ei alles tun, was dazu beitragen kann, den Hund zu ermitteln und festzulegen und in pock.zeiliche und amtstierärztliche Beobachtung zu bringen; mindestens soll er sich den Hund nach Größe, Rasse und Ken nzeichen so merken, daß er ihn genau be­schreiben tonn.

Alle Hunde müssen mit einem, auf dem Hals­band zu befeftigonhen Schild mit Angabe des Namens und Wohnorts des Be s i tze r s versehen fein.

Jede gebissene Person soll sich sofort in ärzt­liche Behandlung begeben und dem Kveisgesund- h.ütsamt Nachricht geben. Es gibt einen durch Impfung zu errcichenden sicheren Schutz gegen die Tollwut, der aber nur bann sicher ist, wenn die Impfung möglichst frühzeitig zur Anwendung kommt.

Eltern und Lehrern empfehlen wir. die Kinder hierauf besonders aufmerksam zu machen.

Alle Vorkommnisse, die den Verdacht be­gründen, daß ein Fall von Tollwut vorliegen könnte, sind alsbald (auch mittels Fernsprechws dem KrciZamt-zu melden.

Schlichlich verweist das Kreisamt noch aus das auftlärende Merkblatt überdie Toll­wut, das wir in unserer Nr. 53 vom 3. ÖHaoA Abdruck gebracht haben.

der Fo Eietze M Dienst, vor Lenz'sch, ganz«» ! Sd)tilttl)oij- f 553 Hn, I tQUW. (Ei SonltlgtB $i k 13|

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Sei ben 0nr s'ärkeM. Wlmeien be 3ln feiner

Separatistische Taktik.

Speyer, 14. März. Der frühere Sepaixr- tistensührer Sch mi d t-Eppe r hat eine Rhei­nische Dauern- und Mittelstands­partei (Bezirk Pfalz-Rheinhessen) gegründet offenbar eine Art Wurmfortsatz der Heinz- Orbi Ischen Gruppe der Baur mchast. Nachdem sich Schmidt von Kunz, dem Gründer der R.)rini-

Auch nachdem der vermeintliche Fehltritt ihres Bruders sich aufklärt, gelingt es Klara nicht, den Verlobten zur Pflicht zurückzafüheen. Der Zugen^geliebte, dem sie sich in ihrer Herzensnot anvertraut, kann sie nicht aufrichten.Darüber - re? krin Mann weg," sagt er, gleich be, engen in den Vorurteilen seines Standes wie die an­dern. Klara sucht und findet den Weg aus e'-ner Wett, die in der dünkelhaften, selbstüber- hLbachen Deg -enztheit ihrer Moral für ein armes verlassenes Mädchen nur Schande und Terach nng ^atcc keine SHande zu machen, ßel?t sle in den Brunnen. Sein Tugendstolz sein g.ader Rechtssinn, dem die hei-rschende Weltord- ming, die Vorurteile seines Standes eto^e Nor­men stick», zerbricht tyrannisch das Schick,äl seines Kindes Dem Ingendgeliebten dämmern die Zu­sammenhänge, als er auch- er ein Opfer der bürgerlichen Moral von der Knoel des treu­losen Verlobten hingestreckt von Klaras selbst- gewähltem Tode erfährt. Der,Alte aber beharrt in seinem Starrsinn auf dem, was ihm sein Le'e- lang für Recht gegolten hat. Die Locher hat er von sich gestoßen, doch auch seine Weltan- schauung hat einen Knacks bekommen Er versteht die Welt nicht mehr. Düster, pessimistisch, nieder- drückend entrollt eine Sftene nach der andern das von unerbittlichen sozialen Gesehen dib tierte Schicksal einer Familie. Gleich dunkel die Zukunft, keine versöhnenden Lichtblicke, keine Hvss- nung fiuf ein Durchringen dieses Bürgertums

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