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Weitere Erntekredite.

Einer ParrlamentskorrHpondely zufolge fol- ten in allernächsten Zeit weitere 25 Millionen Mark Ksredite zur Einbringung der Ernte zu mäßigem Zinssatz bereitgestellt werrden. Der ge­samte Erntekredit werde im Laufe der nächsten Woche auf rund 170 Millionen Mark gebracht werden.

Das Urteil im Reichs- wehrsoldaten-Prozetz.

Leipzig. 13. Aug. (WB.) Zn dem Pro­zeß wegen der Wasfendiebstähle bei der Potsdamer Reichswehr tourte hcute das Urteil verkündet. Fiedler erhält 7 Jahre Zuchthaus und 700 Mark Geldstrafe, Groß­mann und Schah je 6 Zähre Zuchthaus und 500 Mark Geldstrafe, Mehlhvrn und Burkhardt je 8 Jahre Zuch'haus und 820 Mart Geldstrafe sowie Berlust der bürger­lichen Ehrenrechte auf 8 Zahre, Entfernung aus dem Heere. Krause 3 Zahre Gefängnis und Dienstentlassung, Fehling 4 Zahre Gefängnis und 5 Zahre Ehrverlust sowie Entfernung aus dem Heere, Frau Burkhardt 1 Zahr Gefäng­nis, Frank und Gerhard Freckmann je 7 Zahre Zuchthaus, 700 Mk. Geldstrafe und 7 Zahre Ehrverlust.

Zur Begründung des Arteils

führte der Vorsitzende aus:

Zm Herbst vorigen Zahres ist, wie gerichts- nvtarisch festgestellt ist, die K v m m u n i st i s ch e Partei dazu übergegangen, mit Gewalt ihr Ziel zu verwirklichen, nämlich die gegenwärtige Staats- Verfassung zu stürzen und an ihrer Stelle eine Sowjetrepublik aufzurichten. Rach der Verkün­dung des Ausnahmezustandes hat eine vermehrte AMonstätigkeit eingesetzt, nämlich durch Einrich­tung eines geheimen Kurierdienstes und durch Versuche, die Reichswehr zu zersetzen und sich Waffen zu beschaffen Alm eine solche Waffenbeschaffung in großem Stil in Verbindung mit Zersetzung der Reichswehr han­delt es sich im vorliegenden Falle, der der schwerste ist. der dem Staatsgerichtshof in dieser Richtung bisher beschäftigt hat, Fied­ler hat

auf Befehl der kommunistischen Partei

in seinem Siedlungsgrundstück ein Waffenlager eingerichtet. Diese Waffen wurden beschafft durch Diebstahl beim Reiterregiment 4 und beim Zn- fanterieregiment 9 in Potsdam. Wie sehr dieses Waffenlager die Zentrale der Kommunistischen Partei interessierte um) wie sehr die Fäden dieser Verschwörung in das Zentrum der K.P.D. hinein­spielen, beleuchtet zum Erschrecken

die Ermordung des Friseurs Rausch, der der Polizei die er st en Mitteilungen über dieses Waffenlager gemacht hatte und dafür durch MitgliederdergeheimenTscheka auf bestialische Weise ums Leben ge­brachtwurde. Zm einzelnen ist festgestellt, daß Mehlhorn gemeinschaftlich mit den Gebrüdern Freckmann fortgesetzt mittels Einbruchs die Muni­tionsbestände des Reiterregiments 4 beraubt hat. Der Angeklagte hat vielleicht nicht selbst Hochver­rat treiben wollen, aber diejenigen, von denen er wußte, daß sie Hochverrat trieben, unterstützt. Da­mit hat er sich der Beihilfe zum Hochverrat schul­dig gemacht. Das gleiche trifft für den Angeklag­ten Burkhardt zu. Die Angeklagten Krause und Fehling haben die Pläne und Handlungen Burkhardts unterstützt, ebenso Frau Burkhardt. Die Angeklagten Franz und Gerhard Freckmann haben eine Vermittlertätigkeit ausgeübt und ge­meinschaftlich mit Mehlhorn einen schweren Dieb- fftahl begangen.

r Bei Großmann spricht besonders der Almflanb, daß er im Besitze einerr Pistole mit 30 Schuß Munition war. Diese Pistolen, ein Erzeugnis der Deutschen Werke in Erfurt, sind in umfang­reicher Weise von der Kommunistischen Partei aufgekauft und an Mitglieder verteilt worden, die man für besvnders aktions­fähig hielt. Dies hat der Staatsgerichtshof in vielen Fällen fest gestellt. Was das Strafmaß anhmgt, so ist zu erwägen, daß es sich um

einen äußerst schweren Fall

handelt und daß die Fäden der Verschwörung bis in die Zentrale der K.P.D. hi nein- rei chen, daß in Verbindung mit diesem Falle der Tscheka ein Menschenleben zum Opfer gefallen ist und daß Angehörige der deutschen Reichs­wehr sich zu dieser schimpflichen und ehrlosen Handlungsweise haben hin- reißen lassen. Die Drahtzieher der K.P.D. haben sich nicht gescheut, um ihre verbrecherischen Pläne zu verwirklichen, die jungen Leute zum E i d - Bruch und Treubruch zu veranlassen. Diese Handlungsweise kann nicht genug als verwerflich gebranntmarkt werden.

Ger Alte auf Topper.

Roman von Hanns von Zvbeltitz.

42. Fortsetzung. (Rachdruck verbaten.)

Zeht erkannte ihn Frau Beate. Marzanke Aufspringen sie, ihm entgegen. Großer Gott, wie schaut der Mann aus. Das Gesicht mit Blut und Ruß beschmiert, tief die Augen in den Höh­len, wirr das Haar, die Zacke zerrissen, daß das blutige Hemd hrraus hängt. Kaum sprechen kann er. Stiert und stiert, von einem zum andern.

Sie sind fort?

Er nickte nur.

Der gnädige SyzrrT

Er stöhnt.Haben ihn fortgeschleppt, nach Zielenzig. . . zum General . . . hab' ich ver­standen . . .

Warum denn? Sv red' doch. . .

Wieder stiert er, vom einen zum andern, mit Kuckendem Gesicht.Well er den Offizier würgen wollt' . . .

Warum?! Alm Gott! Marzank!"

Weil . . . weil . . . der hat den Herrn Ma­gister erschollen Laut schreit die Frau Pasto­rin <8tf, laut, herzzerreißend die Ruth. Beate nimmt beider Hande. Der Stabskapitän fragt weiter. Mühsam, schwer kriegt er Auskunft.

Zn der Stube... ich weih nichts Rechtes .... hatten mich an die Linde geschnürt und blutig gepeillcht und da kam der Herr Egid . . . den hon sie erstochen ... die Hunde. han das Dorf halb niedergebocwrnt . . . auch uw- sere Scheune ... den Krause ins Feuer geschmissen .. . . ich weiß nichts mehr . . , fann nicht mehr."

Kritische Lage in Spanisch-Marokko.

Paris, 13. Aug. Rach einer H avas - m eldung aus Madrid veröffentlicht das Direktorium eine Rote, in der erklärt wird, daß die aus Marokko kommendem Rachrichten nicht befriedigend seien. Die Rebellen hätten eine neue Stellung an der Linie nach Ellau umzingelt. Cs sei deshalb eine Verstärkung der Truppen in der Westzone notwendig, ohne daß die Truppen in der Ostzone vermindert wer­den dürften. Cs habe deshalb eine anda­lusische Reservebrigade Befehl er­halten, sich nach Marokko einzuschif -- fern. Zwei weitere Brigaden würden bereitgestellt werden. Die Rote erSärt weiter, daß sich eine allgemeine Erhe­bung der Stämme in Marokko bemerk­bar mache und daß diese Bewegung unterdrückt werden müsse, während man im Augenblick auf wettere Plane verzichten müsse, deren Ausfüh­rung imoernünftig und nutz los sein würde.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 14. Aug. 1924.

Die Sornmerfterblichkeit der Säuglinge

Die erhöhte Sterblichkeit der Säuglinge im Sommer, die zuerst in Amerika, dann in den 60er Zähren auch in Deutschland beobachtet wurde, ist in dem letzten Zahrzehnt, Wohl infolge der Still­propaganda und der intensiven Tätigkeit der Säuglmgsfürsvrgestellen, erheblich zurückgegangen. Künstlich genährte Kinder sind im heißen Sommer besonders stark bedroht. Aleber die Airsache. die sicherlich nicht bakterielle Infektion der Milch, auch nicht Säuerung derselben, dagegen der physika- lische Einfluß der hohen Temperatur auf das Kind ist, bringt ein Aufsatz derMedizinischen Klinik" von Prof. Rietschel interessante Ausfüh­rungen. Es handelt sich um eine Aleberhitzung des Säuglings durch wochenlang andauernde, übermäßig hohe Wohnungstemperatur, besonders wenn der Säugling eingewickelt in Kissen und Gummi neben dem Herd steht. Die auslösende Airsache ist eine der vielen kleinen auch im Sommer vorkommenden Znfettionen. wie Schnupfen, leichte Grippe, die unter Temperaturerhöhung vielfach zu Lurchfall führen. Trifft ein derartiges infek­tiöses Fieber ein durch chronische Hitzeschädigaag geschwächtes Kind, so kommt es schnell zum Zu­sammenbruch Warum ist aber das Brustkind widerstandsfähiger? Werl es in der Mutter­milch arteigene Rahrung zu sich nimmt und bei ihm daher keine Besiedelung des Dünndarms mit Bakterien eintritt; weil das Brustkind den Bedarf selbst reguliert und somit eine Aleber- fütterung vermeidet und weil es sich mit der Muttermilch genügend Fälligkeit zuführt, ohne ein so hochwertiges Eiwnßgemisch, wie es die Tiermilch Larstellt, zu sich zu nehmen. Die Ver­hütung der Wärmestauung beruht in Verbringung der Kinder in kühle Räume, in zweckmäßiger leichter Bekleidung und in Verabreichung von reichlich Flüssigkeit an künstlich genährte Kinder.

** Mondfinsternis. Die bereits ange­kündigte völlige Mondftnsteriris steht heute abend gegen 1/28 Alhr gleich nach Sonreermntergang zu erwarten. Aller Voraussicht nach wird sich das interessante Schauspiel hinter den Kulissen von dichten Wolkenschleiern abspielen.

** Erinnerungsfeier der Hessi­sch en Regimentsvereine. Wie uns vom Verband Hessischer Regimentsvereine mttgeteilt wird, findet am 16. und 17. August in Darmstadt im Bessunger Herrengarten (Orangerie) die dies­jährige Augusterinnerungsfeier des Verbandes statt, dem alle in Hessen bestehenden Regimentsvereine angeschlossen sind. Zm Hinblick auf die zehnjährige Wiederkehr des Ausmarsches in den großen Krieg und unserer Feuertaufe wird die Feier besonders ausgestaltet; der Verband weiht außerdem seine gestiftete Fahne. Der Groß­herzog hat ebenfalls sein Erscheinen zugesagt.

** Keine Lohnzahlung Bei Teil­st r e i k s. Zn der Frage, ob der Arbeitgeber bei Teilstreiks den an sich Arbeitswilligen, durch den Teilstreik aber an produttiver Arbeit behinderten Arbeitern Lohn zahlen muh, hatte be­reits das Reichsgericht mit Airteil vom 6. Februar 1923 zugunsten des Arbeitgebers entschieden. Zetzt hat in einem ähnlichen Falle auch das Landgericht Halberstadt als Berufungsinstanz gegen das Air­teil des Gewerbegerichts Aschersleben entschieden, daß arbeitswillige Arbeiter keinen Anspruch auf Lohn haben, wenn sie infolge schuldhaften Teilstreiks anderer Arbeiter nicht mehr in der Lage sind, produktive Arbeit zu leisten.

** Kurzarbeiterunter st ützung. Wie das anttliche Wolffbureau mitteilt, hat der Reichs- arbettsminister eine Anordnung erlassen, wonach

Alnd fällt schwer nieder und heult, der harte Bauer. Vor Schmerzen und Wut. Beide Arme reckt der Stobskapitän gen Himmel.Gottes Fluch über die Mörder!"

Still und stumm steht Beate zwischen der Frau Magister, der Wttib, und der jungen Waise, hält immer noch ihre Hände, hat keine Tränen, sie allein. Schaut drüben auf den schwelenden Rauch, schaut auf den blauen Himmel. Sagt end­lich, und es klingt seltsam ruhig in dem Zammer der anderen:Kommt! Der Wagen mag folgen!"

Was willst du dorten?" ruft der Stabs­kapitän.Za, wenn ich Kräfte hätte!"

Helfen!" sagt sie. Richts weiter.

So sind sie heruntergeschritten über die wü­sten Felder in die zerstört« Heimat, zu den Toten.

Das Feuer war im Vergehen. Die Gehöfte standen weit auseinander, und es war kein Wind gewesen. So brannte jedes für sich aus. Die Kirche und das Pfarvhaus waren wie durch ein Wunder verschont geblieben. Aber Beate führte die Frau Magister schnell vorüber.Kommt nur mit uns."

Dann, als sie ins Schloß trat, unten ins Zimmer, vor die Toten, wäre die starke Aufrechte doch beinahe zusammengebrvchen. Hart am Fen­ster lag da der Magister, fast wie ein Lebender, mit dem Frieden Gottes auf dem Angesicht. Den Zunker Egid hatte MarzanLe hereingetragen, als die Alnholde abgezogen. Er lag an der Kossäten­scheune, blutüberströmt, mit zerrillenem Rock, das gute, alte Gesicht zerkratzt und zerschunden, um den halboffenen Mund noch verbissene Wut des letzten Ringens.

Die Frau Magister mit der Tochter knieten schluchzend neben dem Gatten unp Vater. Beate

den Dezircksfürsorgeverbänden durch die Arbettsnachweise oder die Landesarbeitsäm­ter zur Alnterstühung besonders hilfsbedürftiger Kurzarbeiter in bestimmtem Almfange Mittel aus dem Bettragsauflommen der Erwerbslosenfür­sorge überwiesen werben können. .

* Erledigte Lehrer st ellen. Erledigt sind je eine Qchrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule zu Reichelsheim, Kreis Erbach Dienstwohnung ist nicht vorhanden, Mietwohnung kaum zu beschaffen; an der Dolks- schule zu Olfen, Kreis Erbach. Eine Wohnung für einen verheirateten Lehrer ist vorhanden; an der Volksschule zu Ober-Kainsbach, Kreis Erbach Dienstwohnung ist vorhanden und frei; an der Volksschule zu Vielbrunn, Kreis Er­bach. Mit der Stelle war früher Organistendienst verbunden. Dienst Wohnung ist vorhanden; an der Volksschule zuSteinbuch Kreis Erbach. Dienst­wohnung ist vorhanden; an der Volksschule zu Momart, Kreis Erbach Dienstwohnung ist vor­handen; eine Lehrer stelle für eine katholische Leh­rerin an der Volksschule zu Zügesheim, Kreis Offenbach Schöne Dienstwohnung wird in nächster Zeit frei; eine Lehrerstelle für einen katholischen Lehrer an der Volksschule zu Eppertshau- s e n, Kreis Dieburg. Dienstwohnung ist vor­handen. Erledigt ist ferner eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule zu Butzbach Dem Zn Haber der Stelle kann das Amt eines Rettors übertragen werden.

SSt) mutigen.

-TageskalenderfürDonnerstag. Gewerkschaftsbund der Angestellten, Ortsgruppe Gießen: 8 Alhr Monatsversammlung bei Hopfeld. Artillerie-Verein Gießen: 81/2 Alhr Mitglieder­versammlung. Haus und Schule: abends 8 Alhr im Zohannessaal Familienabend. Rundfunk­haus: 8V2 Alhr Volkslieder. Lichtspielhaus, Bahnhofstr.:Ein Traum vom Glück". Astoria- Lichtspiele: Eddie Polo in Kapitän Kidd, 3. Teil.

DerRe-ichsbundder Zivildienst­berechtigten lädt im Anzeigenteil zu seiner Monatsversammlung ein.

Die Radio kvn ^erte der Hersv, Lese- und Radiohalle finden wieder allabendlich statt. (Siehe Anzeige.)

Wettervoraussage

AlnBeftänöig, zunehmende Temperaturen, Winde zurückdrehend, auch Riederschläge (teils Gewitter).

Der Witterungscharakter bleibt unbeständig, da die Reihe der sich von Äordwesten her folgen­den Fallgebiete noch nicht abgeschlossen ist. Zm Rordmeer fällt der Luftdruck erneut stark, so daß der heute morgen von Südwesten her an unser Fallgebiet heranreichende Hochdruckleil sich nicht wird erhalten können.

Landkreis Gics;en.

* Klein-Linden, 14. Aug. Vergangenen Sonntag fand hier das Zahresfest der Klein­kinderschule statt. Friedrich Lenz von den Zeppelinwerken in Friedrichshafen hielt zwei* Lichtbildervorträge über Zeppelins Werk. Der Kollekteertrag kam der Kleinkinderschule zugute. Beide Veranstaltungen wurden durch Ansprachen von Pfarrer Ackermann eingeleitet.

* Reiskirchen, 13. Aug. Hier fand am vergangenen Sonntag in den Lokalen des Gast­wirts Ferd. Gundrum ein öffentliches Sänger- konzert des GesangvereinsEinigkeit" statt, zu dem der Quartett-Verein Barmen-Langerfeld- Deheröde als herzlich willkommener Gast schon am Sonnabend erschienen war. Alnter persönlicher Leitung des verehrten Dirigenten, Musikdirektor D e r e s, ließ der Quartettverein seine herrlichen Rhein- und Volkslieder erflingen, welche von der aus nah und fern herbeigeeilten Zuhörerschar mit stürmischem Beifall ausgenommen wurden. Zm Mittelpunkt der ganzen Veranstaltung stand die in jeder Hinsicht vollendete Leistung der Konzert­sängerin F.äulein Riemann-Barmen-Langer- feld. Reben einigen hier wenig bekannten Gesän­gen, die die junge Künstlerin vortrefflich zu Ge­hör brachte, bildete die Arie a. d. OperFrei­schütz" den Höhepunkt ihrer Leistungen. Mit großer Gewandtheit und Leichtigkeit bewälttgte sie die schwierigen Koloraturen. Besonders Lob gebührt auch dem Dirigenten Beres, der sich nicht nur als vortrefflicher Chormeister, sondern als ebenso tapferer Begleiter erwies. Der Verein hofft seine Barmer Sangesbrüder und nunmehrigen Ehren­mitglieder recht bald wieder in Reiskirchen zu sehen.

h. Ru t ters Hausen, 14. Aug. Am Sonn­tag fand hier ein kleineres Sängerfest, vom Wetter Begünftigt, statt. Vertreten waren acht Vereine, die alle von dem Dirigenten Rikolai - Gvvßen-Buseck, der auch den hiesigen Gesangver­ein dirigiert, geleitet wurden. Die Leistungen waren sehr erfreulich Mit dem Fest war zugleich die Kirchweihe des Ortes verbunden worden.

+ Göbelnrod, 13. Aug. Alnfer Sta­tionsgebäude wird gegenwärtig hergerichtet, auch sind die üblen Bretter, womit Fenster und Türen vernagelt waren, entfernt worden. Siche-

lehnte matt an der Türpsoste, hatte die Augen geschlossen, die Hände vor der Brust gefaltet, wollte Beten. Aber die Lippen versagten, und ihr war's, als schwänden ihr die Sinne.

Doch gleich kam die alte Kraft wieder. Sie hatte ja zu sorgen für die Toten und die Lebenoen und für Haus und Hof. Denn mit dem StaBskapitän war nicht zu rechnen. Er war am Zusammenbrechen, als er die Toten gesehen. Er, der üBer so viele Schlachtfelder gegangen.

So betreute sie ihn; Bettete, nachdem die Mägde mit dem Wagen nachgekommen, den Pfar­rer und Egid in Ehren, eilte hinüber zur Scheune, wo die Knechte eben das kohlende Gebälk ausein- anderrissen, fand Zeit, dem alten Marzanke einen Heilbalsam für den zerfleischten Rücken zu bringen, schaffte im Haus notdürftigste Ordnung. Was nicht niet» und nagelfest war, schien's, hatten die Moskowiter mitgehen heißen, und verdorben, was sie dagelassen. Fast schämte sich Frau Beate, daß ihr die Tränen schießen wollten, als sie vor ihren Leinenschränken stand und dem Haufen zer­tretener Linnen. Du mein Gott, das war das geringste.

Denn über allem stand doch die Sorge um den Vater. Rach dem jammerte ihr Christel, nach dem schrie ihr Herz. Alnd nur leise und weh dachte sie kx^wischen: .Das hier ist nun deines Sohnes Erbe! Alnd er ist fern'

Dann kam Wohl auch, stoßweise, der gerechte Zorn über sie; daß sie recht aus Herzensgrund wünschte, dem König und dem Zunker möcht's vergönnt sein, Rache zu üben und Vergeltung für das, was hier geschehen! Äug' um Auge, Zahn um Zahn. Die ganze Rächt hindurch hat sie geschafft und geschafft. Ruhelos, rastlos, bis der

rem Vernehmen nach wird in aller Kurze Da Wiedereröffnung des Haltepunktes erfolgen. )

+ Wir berg, 13. Aug. Am Sonntag fand unser diesjähriges M i s s i 0 n s f e st statt. Be- günftigt vom Wetter hatte sich aus nah und fern eine stattliche Anzahl von Festgästen eingefunden.' Der gemischte Chor von Burkhardsfelden und der Posaunenchor von Bersrod stellten sich in den Dienst der Sache. Beide Feiern fanden im Freien neben der Kirche im sogenannten Sandgarten statt. Missionar Sparch aus Frankfurt war der Festredner. Zn der Rachversammlung sprach der Ortspfarrer das Degrüßungs- und Schluhüwrt. Die Bewirtung der Gäste geschah, wie jedes Zahr, durch die Bewohner des Wir Berges. Die Mis­sionskollekte ergab 110 Mk., ferner wurden für 40 Mk. Missionsschriften verkauft. Auch in unserem Kirchspiel fanden am 3. August in allen Kirchen ©eben ff eiern für 1914 und der Kriegsopfer statt, die von den Gemeinden und den Vereinen sehr gut besucht waren. Zn Belters­hain fang der Gesangverein, in Göbelnrod ver­anstaltete der Gesangverein und Kriegerverein noch eine besondere Feier auf dem Friedhof am Denkmal für die Gefallenen.

fpd. Trais-Horloff, 13. Aug. Der Berg' mann Ernst Appel aus Langd wurde in der hiesigen Draunkohlengrube von. ^abstürzenden Kohlenmassen verschüttet und tofrhte nur als Leiche geborgen werden.

Kreis Friedberg.

. * Friedberg, 13. Aug. Die Frage eine- Saalbaues erörterte der Beigeordnete Dr. Leuchtgens in einer von ihm einberufenen Ver­sammlung. Der Referent schlug die Gründung einer G. in. b. H. vor, die die mit 280 000 bis 400 000 Mk. veranschlagten Baukosten zur Hälfte aus opferfreudigen Kreisen der Bürgerschaft und daran interessierten Vereinen aufbringen soll. Für den Rest würde voraussichtlich die Stadt die (Sa­ran tie einer Hypothek übernehmen. Ein von der Versammlung gewählter Ausschuß soll den Plan weiter bearbeiten und Borbereiten.

fpd. Vilbel, 13. Aug. Seit dem Kriege zum erstenmal wird hier am 17.19. August wieder ein größerer Vieh- und Krammarkt ab­gehalten. Auf der Frankfurter Straße wurde das dreijährige Kind des Arbeiters Z a ck e l an seinem Geburtstage von einem Auto über­fahren und auf der Stelle getötet.

Starkenburg unv Rheinhessen.

* Darmstadt, 13. Aug. (Eigener Bericht.) Zn einer Zuschrift an die Presse stellt sich die Stadtverwaltung auf den Standpunkt, daß die Ermäßigung der staatlichen Gewerbesteuer auf 60 Prozent nicht ohne weiteres die gleiche Wirkung auf die städtische Steuererhebung hat. Rach dem bisherigen Steuerergebnis in Darm­stadt sieht sich die Stadtverwaltung nicht in die Möglichkeit versetzt, der Stadtversammlung und dem Ministerium die Herabsetzung des Steuer­satzes auf 60 Prozent vorzuschlagen, da sie noch nicht übersehen kann, wann die Alnterlagen für die endgültige Steuerveranlagung 1924 von der staatlichen Veranlagungsbehörde geschaffen wer­den können und ob alsdann noch eine einträg­liche Racherhebung für 1924 erfolgen kann. Der Steuersatz von 80 Prozent bleibt daher für die städtische Gewerbesteuer nach wie vor bestehen. Der Verbandder oberen Finanzbeam­ten Hessens veranstaltete in den letzten Tagens für seine Mitglieder zwei recht interessante Ex­kursionen. Die erste fand am 7. August statt und galt der Besichtigung der umfangreichen Drauereianlagen Wilhelm Rummel. Am Dvr- mtttag des 11. August fand eine Besichtigung der Zündholzfabrik Ehr. Büttel in Pfungstadt statt. Mit diesen Besichtigungen erstrebt der Verband, daß die Beamtenschaft, die ja doch aus allen; Kreisen des Volkes hervorgegangen ist, Vermitt­ler zwischen den verschiedenen Volksschichten fein soll. Darum wird der Verband seinen Mitglie­dern noch weitere Exkursionen ermöglichen, ein­mal, um das allgemeine Wisien zu erweitern, und zum andern, um die Berufsarbeit anderer Stände sowie die Fortschritte der Technik und Wissenschaft kennen zu lernen.

Hesscn-piassau.

fpd. Frankfurt a. M., 13. Aug. Der an­gebliche Fürst Rikolai Kobulaschwili aus Tiftis hat verschiedene Geschäfte dadurch betrogen, daß er ihnen schwergoldene Zigarettenetuis, die mit mit Goldstempeln versehen waren, verkaufte. Rach- träglich stellte es sich heraus, daß die Stempel gefälscht waren. Der Fürst konnte noch nicht ergriffen werden. Viele Radfahrer aus Frank­furt, Offenbach und anderen Orten, die am Sonn­tag vormittag nach der Gehspitze hart an der Grenze des befetten Gebietes fuhren, wurden von französischen Militär st reifen über­rascht und mußten ausnahmslos ihre Räder abgeben. Die einzelnen. Marokkanerposten waren auf allen Waldwegen so versteckt, daß sie von den Wegen aus nicht gesehen werden konnten. Znsgesamt wurden etwa 50 Personen die Räder weggenommen. Leute, die keine Ausweise bei sich

letzten Magd die Augen vor Müdigkeit zuge­fallen sind. Gegen Morgen ist plötzlich der Ge­strenge vor ihr gestanden. Wie ein Gespenst fast, daß sie laut aufgeschrien hat vor Schrecken:Herr Gott der Vater I

Zerschlagen und todmüd' hat er ausgeschcml und gleich gesagt:Gib mir Wasser, Beate. Alnd so du's hast, einen Schluck Branntwein. Oder Kaffee. Zch komme zu Fuß von Zielenzig her." Alnd hat sich schwer auf den nächsten Schemel gesetzt.

So ist sie gelaufen, was die Füße sie tragen konnten. Erst zum Christel, daß der jubeln mochte. Dann eilends in die Küche. Als sie zurückkam, mit einem Krug Wasser, war der Vater fest ein» geschlafen. Lehnte mit dem Rücken an der Wand und schnarchte tief und schwer. Da hat sie den Krug neben ihn gestellt und ihm ein Kissen ins Rückgrat geschoben und hat ihm ganz leise und leicht und zärtlich über das weiße Haar gestrichen.

Rachher, als sie den Kaffee brachte, war er schon wieder wach und trank durstig. War ganz ruhig, sah aber finster vor sich hin, die weihen Augenbrauen dicht zusammengezogen und gab nut kurz und knapp Auskunft. Wie sie ihn mit sich geführt, zwischen zwei Pferden gebunden, die Hunde; daß er hält' vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen wcrden sollen; daß daraus aber der General Tottleben, der Russe, als er seine Verteidigung deklariert, gegen die Kirgisen auf» begehrt, die Schimpf und Schande allerorten über die Armee der Kaiserin brächten. Alnfec Alnge- ziefer, hätf er gesagt. Alnd Hütt' ibn daraus in Gnaden entlassen.

(Fortsetzung folgt)