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14.7.1924
 
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Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesfen)

Montag, U. Juli (924

Vas Schicksal der deutschen Sprachminderheiten in romanischen Ländern.

Unter dieser Aleberschrift hat der Profes­sor an der Alniv ersiiät Basel Dr. W. Bruckner eine kleine Broschüre veröffentlicht, die eine Zusammenfassung verschiedener Aufsätze darstellt, die Professor Bruckner in letzter Zeit über dieses Thema in Schweizer Zeitungen ver­öffentlicht hat. Das kleine Büchlein aus der Feder des Schweizer Gelehrten must um so mehr be­grübt werden, als es ein Angehöriger eines neu­tralen Staates ist, der diese für das ganze Grenz­landdeutschland so austerordentlich brennende Frage behandelt. Professor Bruckner hat es sich zur Aufgabe gemacht, die systematische Alnter- drückrmg der deutschen Sprache in romanischen Ländern an drei Beispielen zu erörtern und zwar im Elsaß, in Südtirol und in Siebenbürgen. Wir geben heute die Stellen der Brucknerschen Bro­schüren wieder, die sich auf das Schicksal der deut­schen Sprache im Elsah beziehen.

Das El sah.

21m frühesten ist das Elsah von den Deutschen besiedelt worden: hier find auch die Vorgänge im allgemeinen am genauesten bekannt. Schon vor Christi Geburt waren einzelne Germanenscharen über den Rhein in Gallien eingedrungen: frier fei mir an Arivvist erinnert, den Eäsar bekanntlich irgendwo im Elsah vernichtend geschlagen hat. jahrhundertelang hatten dann die römischen Pro­vinzen Ruhe. Aber im 3. Jahrhundert beginnen £>ie Einfälle der Alemannen über den Rhein in römisches Gebiet, und im 5. Jahrhundert haben sie die Lande links vom Rhein in dauernden Besitz genommen. Es ist bekannt, wie Chlodwig im Jahre 496 die Alemannen besiegt und nach Süden zu­rückgedrängt hat. In der Folge bewohnen sie dann im großen und ganzen dieselben Teile Oberdeutsch- lanh" .rte heute noch alemannisch reden. Zu diesem Gebiet das seit fast anderthalb Jahrtausenden von Alemannen bewohnt wird, gehört auch das Elsah Die weite Rheinebene bis zum sutz der Vogesen ist seit jener Zeit deutsch. Dieses aus den geschichtlichen Berichten erschlossene Ergebnis wird durch sprachliche Beobachtungen bestätigt, verhältnismäßig wenige alte keltische oder römis^ Ortsnamen haben sich hier erhalten, wie Membä, Dreifach, das ursprünglich auf dem linken Alfer lag, Kolmar und Zabem: die meisten sind unter­gegangen, so auch der alte Rame Straßburgs Ar- gentoratus. Das läßt uns erkennen, daß die alte Bevölkerung, deren Zahl in den unruhigen Zeiten wohl schon überhaupt angenommen b^, vor den neuen Eindringlingen im allgemeinen das öelö geräumt und sich ins Gebirge zuruckgezogen hat.

Es kann hier, wo es gilt, das Ganze ins Auge zu fassen, nicht unsere Aufgabe fein, des genauem zu verfolgen, wie sich in einzelnen Vogesen-Talern Das Französische noch gehalten und wie fia? tne Sprachgrenze im Laufe der Zeit hin und her etwas verschoben hat. Im allgemeinen kann man sagen, daß das Elsaß ein paar kleine Grenzgebiete ab­gerechnet seit mehr als einem Jahrtausend deutsch ist. Was es unter diesen Umstanden heisten will Land und Volk im Elsaß zu französieren, die Elsässer, auch das Landvolk zum Gebrauch der französischen Sprache zu nötigen das vermögen wohl wir Deutschschweizer am besten nachzufuhlen. Denn wir sind seit ebenso langer Zeit auf dem Doden des alten Römerreiches heimisch geworden und auch die Sprachverhältnisse sind bei uns we­nigstens im 18. Jahrhundert und im Beginn des 19 Jahrhunderts ähnlich gewesen wie im dama­ligen Elsah, insofern auch bei uns dank der Ent­wicklung der politischen Verhältnisse die führenden Familien in den Städten mit Vorliebe französisch sprachen und schrieben. Was mühten aber wir heute bei einem solchen sprachlichen Zwang ver­lieren!" ....

Der schönste Beweis aber dafür, dah das Elsaß ein durch und durch deutsches Land und dah das Deutsche die Muttersprache des Elsasters ist, liegt darin, dah das Land seit alter Zeit am deutschen Geistesleben hervorragenden Anteil ge­nommen hat und dah seine Söhne die deutsche Literatur mit ihren herrlichen Werken bereichert haben. Em paar Andeutungen mögen hier genü­gen. Da ist Otfried von Weißenburg, der erste deutsche Dichter, dessen Ramen wir ken­nen, der zu einer Zeit, wo allein die Geistlichen Träger höherer Bildung waren, seine deutsche Evangeliendichtung aus dem Kloster im Alnter- elsah hat ausgehen lassen. In der Blütezeit höfi­scher Dichtung dichtete Meister Gottfried von Straßburg sein berühmtes EposTristan und Isolde" in elegantestem Deutsch, freilich tote es damals Mode war in Anlehnung an ein französisches Vorbild reichlich rntt franzosilchen Brocken gespickt. Es ist aber bezeichnend, daß der Dichter in der Regel den sremden Worten und Re­densarten ganz unauffällig die Alebersehung bei­fügt, offenbar, weil er nicht darauf rechnen kann, daß sein Französisch ohne weiteres verstanden wird Aus der groben Zeit des 15. und 16. Jahr­hunderts find Männer zu nennen wie der volks­tümliche Prediger Geiler von Gaiser s- b e r q und der ihm befreundete Sebastian Drantaus Straßburg, der Verfasser des Rai ren- schiffs, ferner Thomas M urner, der große Satiriker und Gegner Luthers, auch der sprach­gewaltige Fischart nennt Straßburg feine Hei­mat. Roch aus dem 18. Jahrhundert, ^er Seit ber Franzosenherrschaft, ist etwa der gabelWer Pseffel aus Kolmar zu nennen, dessen Gedicht »dir Tabakspfeife" bis heute lebendig geblieben ist. Endlich darf wohl noch daran erinnert werden, dah der Student Goethe gerade in Straßburg sich für deutsche Art und Kunst begeistert hat ..

.Besonders interessant ist es, die französischen Assimiliernngsversuchr im Elsah, das ia vor 1870 etwas länger als 200 Jahre französisch war, zu ^^l^^st Endlich sind die obersten Beamten von Anfang an Franzosen: wer vorwärts kommen und einen gewissen Einfluß gewinnen will, lernt darum, wie im römischen Gallien, die Sprache des Landesherrn So entsteht jene Oberschicht unter der elsässischen Bevölkerung, besonders tn Den größeren Städten, die beide Sprachen spricht, bet der aber in Augenblicken gemütlicher Erregung die deutsche Muttersprache oft mit Macht wieder durchbricht. Der Mann aus dem Volk aber hat vom Wechsel der Herrschaft an sprachlichen Vor­gängen im allgemeinen wohl wenig gespurt eine allgemeine Volksschule gab es ia damals noch nicht: die königliche Regierung hat sich rehgioje Fragen ausgenommen vor harten Eingriffen tn

die Eigenart des Landes weise gehütet. So ist die Sprache des Volkes deutsch geblieben. Alnd daß die scharfe Tonart der Revolutionsmänner, die am liebsten alles gleich gemacht und die deutsche Sprache im Elsaß völlig verdrängt hätten, auf die Dauer nicht vorgehalten hat, dah die Bevölkerung, auch wenn die Zahl derjenigen gröber geworden, die nebenbei Französisch sprachen und schrieben, doch auch vor 1870 im ganzen an der deutschen Muttersprache festgehalten hat, das braucht in einer Basler Zeitung nicht genauer ausgeführt zu wer­den."

Wir haben den außerordentlich wertvollen Ausführungen des Schweizer Gelehrten kaum noch etwas hinzuzufügen, es sei denn die Feststellung, daß es wohl nicht angängig ist, von einer beut» chen Sprachminderheit im Elsaß zu spre­chen. Daß die beutsche Sprache von ber weit über» wiegenben Mehrheit der elsässischen Bevölke­rung als Muttersprache gesprochen wird, geht ja chliehlich auch aus den Ausführungen bes Pro- essors Bruckner hervor.

Die Denkschrift für die Neichsgründung vonl 870

So viel auch schon über die Geschichte der Gründung des Deutschen Reiches geschrieben worden ist, so war doch bisher das wich­tig st e 21 ktenstück, das die Grundlage für die Verhandlungen Preußens mit den Süd­deutschen Staaten und für die von Bismarck entworfene Reichsverfassung bildete, bisher unbekannt. Es ist dies die Denkschrift, die der damalige Präsident des Bundeskanzleramtes Rudolf Delbrück, Bismarcks rechte Hand, auf seine Veranlassung am 13. Septem­ber 1870 zu Papier brachte. Wir wußten dar­über bisher nur aus denLebenserinnerun- gen" Delbrücks, in denen es heißt, dahdie Denkschrift im ganzen ein Bild dessen enthielt, was durch die Versailler Vertrage geworden ist. Der Schluß der Denkschrift gab dem alle Geister erfüllenden Gedanken zum erstenmal einen offiziellen Ausdruck: ich begründete die unabweisbare Notwendigkeit für den König, sich zur Annahme der Kaiserwürde zu ent­schließen". Dieses so überaus bedeutsame Do­kument wird nun von Wilhelm Stolze in den Preußischen Jahrbüchern" zum ersten­mal veröffentlicht; eS wurde ihm vom Auswärtigen Amt zur Verfügung gestellt und enthält auch die Unterstreichungen und Rand­bemerkungen, mit denen Bismarck selbst ein­zelne Punkte und Gedanken hervorhob.Was erreicht werden soll, ist abstrakt in wenigen Worten auszudrücken", heißt es in diesem Schriftstück, das zugleich die Instruktion der preußischen Unterhändler mit Bayern bildete. Anstelle der Alliance-Verträge Preußens mit Bayern, Württemberg und Baden, welche zwar unkündbar, aber unter gleichberechtigten Paziszenten geschlossen sind, und an Stelle des Zollvereinsvertrages, welcher zwar eine po­litische Organisation geschaffen hat, aber künd­bar ist, soll ein dauernder bundesstaatlicher Organismus treten. Darüber, daß dieses all­gemeine Ziel im Interesse Deutschlands zu erreichen sei, ist heute, soweit die Äußerun­gen der Presse und sonstige Wahrnehmungen ein Urteil gestatten, die Nation fast einhellig einverstanden." Des weiteren wird dann die neue Gestaltung des bundesstaatlichen Or­ganismus eingehend erörtert.

Es würde sich also handeln um ein Deut­sches Reich", heißt es zusammenfassend,be­stehend aus dem Norddeutschen Bunde und den süddeutschen Staaten, bestimmt zum Schutze Deutschlands und zur Pflege der Interessen des deutschen Volkes, ausgestattel mit der Gesetzgebung und Aufsicht über Land­heer und Seemacht, über Zölle, Verbrauchs­steuern und Schiffahrtsabgaben, über das Maß-, Gewichts- und Münzwesen, über das Eisenbahnwesen, über Handels- und Wechsel­recht und Gewährung der Rechtshilfe und über den Schutz des deutschen Handels im Auslande. Die Gesetzgebung würde durch einen Bundesrat und ein Parlament ausgeübt wer­den; der Oberbefehl über Land- und See­macht sowie sonst die Exekutive, letztere je nach Umständen unter Beteiligung des Bundesrats, würde der Krone Preußen zustehen. Die Ver­bindung des Namens: .Kaiser von Deutsch­land' mir dieser Exekutive würde die Würde der erlauchten Träger der preußischen Krone nicht erhöhen, wohl aber die Aufnahme der neuen Gestaltung bei Fürsten und Völkern för­dern."Der gegenwärtige Augenblick," heißt es weiter,wo die Nation gehoben ist durch die Erfolge, welche Deutschland als solches zum erstenmal seit Jahrhunderten und glän­zender als jemals erlangt hat, ist der gün­stigste, der gedacht werden kann. Der natio­nale Aufschwung, welchen der Krieg hervor­rief und jede gewonnene Schlacht steigerte, hat alle partikukaristischen Elemente zum Teil mit fortgerissen, zum Teil zum Schweigen gebracht. Die zentripetalen Kräfte sind in Deutschland niemals mächtiger gewesen als heute. So er­freulich dieser Aufschwung auch ist, so wird man sich doch über seine Natur nicht täuschen dürfen. Je plötzlicher und energischer er sich entwickelte, um so gewisser wird ihm eine Re- aktion folgen. Diese Gewißheit fordert auf, rasch zu handeln und vorsichtig zu handeln."

Ein neues Studentenheim in Metzen.

Auf der Schönen Aussicht, dem höchsten Punkt der Stadt, der, tote schon sein Name sagt, einen weiten Rundblick in unsere herrliche Umgegend gestattet, hat der Verein Gießener Stu­dentenhilfe den wirtschaftlich sehr hart rin­genden Kommilitonen unserer Landes-Universität ein gediegenes und außerordentlich preiswertes Heim hergerichtet. Er hat damit das sei gleich vorweg betont eine soziale Großtat geleistet, bei deren Vollbringung ihm die opfer­freudige Unterstützung von warmherzigen und weitblickenden Männern und Körperschaften der Industrie die Schwingen beflügelte.

Das Studentenwohnhaus, so ist seine offizielle Bezeichnung, zur Linderung der großen Wohnungsnot und zur Vermeidung der leider auch zur Tatsache gewordenen Bewucherung dec Studenten bestimmt, bietet 48 Kommilitonen einen freundlichen Aufenthalt für wenig mehr als 6 Mk. monatlich einschl. Morgenkakao. Wahrhaftig eine Unterkunft, die auch dem ärmsten Studio zusagen

die Baracke wurde uns liebenswürdigera-erse von den Herren Generaldirektoren Dr. Möhring und Dr. Schlapper in Butzbach gespendet.

3m September wurde mit dem Bra begannen. Es waren umfangreiche Erdarbeiten nötig, da ein großer Keller ausgehoben werden matzte. Die Ungunst der Witterung ließ den Dau in der ersten Zeit nicht recht vorwärts kommen. Es kam weiter hinzu, daß der Ankauf der Mate­rialien und die laufend zu zahlenden Lohne die knappen finanziellen Mittel des Ve ems in einer Weise in Anspruch nahmen, daß die Fertigstel­lung des Baues zeitweise sehr in Frage stand. Es waren damals gerade die Wochen der stärksten Inflation. Die Preise für Materialien, sowohl wie für Lohne schnellten to:it über die Dorkrrcgs- preise hinaus. Die Devise nlürsie aber erfuhren durch die Intervention der Reichsbant einen Still­stand. Der kleine Devisenbestand des Vereins wurde daher rasch aufgebraucht, obwohl die ge­samte Studentenschaft freiwillig an dem Bau

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StudentenheimSchöne Aussicht": Gesamtansicht,

wird, noch 'dazu, wenn er im Handumdrehen fest» stellen kann, dah man hier mit wirklich liebevoller Fürsorge für ihn sorgt. Ueber den Dau dieses Wohnhauses berichtet Dr. Schneider, ber 2. Vorsitzende und Geschäftsführer des Vereins, in einer sehr lesenswertenDenkschrift anläßlich der Eröffnung des Studentenwohnhau es" folgen­des:Wir konnten an die Verwirklichung dieses Planes nur denken, da uns auf derSchönen Aus­sicht" genügend eigenes Gelände zur Errichtung des Baues zur Verfügung stand, und da uns die Stadtverwaltung durch Vermittlung des Herrn Stadtverordneten Winn eine Baracke des ehe­maligen Gefangenenlagers für einen ermäßigten Preis zur Verfügung stellte. Der Kaufpreis für

mitarbeitete und dadurch erhebliche Kosten für Lohnausgaben erspart werden konnten. 3n dieser Stunde der höchsten Rot nahm Herr Hütten- direktor Humperdin ck an unseren Arbeiten lebhaftes Interesse und seiner persönlichen Aln= terstützung und der großzügigen des Arbeitgeber­verbandes für Lahngau und Oberhessen, die durch ihn vermittelt wurde, verdanken wir letzten En­des die endgültige Fertigstellung, und zwar nicht nur eine notdürftige, tobe sie Der Verein allein nur hätte vollbringen können, sondern die Fertig­stellung tn einer Weise, daß auch eine wirkliche Bequemlichkeit in weitem Almfange gewähr­leistet ist."

Zu dem Studentenwohnhaus gehören noch mehrere andere Gebäude. 3mHaupt- ha u s" befinden sich zunächst einmal alle Vorrichtungen zur Beköstigung der Kom­militonen. Hier ist ein schöner Speise- f a a l mit weihgedeckren Tischen, der außerhalb der Essenszeit auch gemeinsamer Aufenthaltsraum der Hausinsa'sea und am zwei Tagen der Woche Musiksaal des Hauses ist, eine gut eingerichtet, große Küche mit den erforderlich _n Rebenräum­lichkeiten, sämtlich in peinlichster Sauber­keit gehalten. Durch Anbau an das Haupt­haus hat man eine Wäscherei geschaf­fen, die den Kommilitonen Dort oben zur Verfügung steht. Alnter der Leitung einer Schwester wird da nicht nur gewaschen, sondern auch geflickt und gevügelt, so dah der Bruder Studio sein Alnterzcug in wirk­lich tadellosem Zustand erhalt. Alnd wenn er gelegentlich mal seineBuxen" auf­gebügelt haben toiII, damit der Kniff tadel­los ist, so hat die Schwester auch dafür Verständnis und freundliche Erfüllung sei­ner Bitte. Für die Beschuhung sorgt die studentische Schuhmacherei, die im Oberstock des Haupthauses ihre Buden hat. Dort betätigen sich zur Zeit 2 Mei­ster, 8 Gesellen, 1 Lehrling, 1 Laufbursche und 1 Buchhalter. Die unruhigen Kwpfgei- ster sorgen bei mäßigen Preßen natürlich nicht nur für das Schuhwerk der Studen­ten, sondern auch noch für die Rentabilität des Betriebs. Diese stellen sie dadurch sicher, daß sie zum weitaus größten Teil für auswärtige Abnehmer auf Fabrcka ion arbeiten. Dem Betrieb steht der Schuh­machermeister Frener vor. der erst stu­dierte, dann die Schuhmacherei erlernte und sich hierin den Meistertitel erwarb, und jetzt neben feinem Handwerk wieder ftutK jur. ist. Sein lobenswerter und gut eingerichteter Handwerksbetrieb müßte jedoch räumlich erweitert werden, das wäre allerdings nur dann möglich, wenn er in ein Rebenhaus ziehen könnte und der jetzt dort noch wohnenden Familie von der Stadt eine andere Wohnung zu»

StudentenheimSchöne Aussicht": Settenansicht (Wäscherei, Bügel-Flickzimmer und Küche).

Desgleichen: 3n der Mitte Haupthaus.

gewiesen würde. Auch im 3nteresse der Führung und des Aufenthalts im Haupthaufe wäre dieser Vokalwechsel der Meister von Knieriemen und Pech zu wünschen, denn sie bringen jetzt allerlei Lärm in das stille Wohn- und Speisehaus. Die Gemüsemengen für die Studentenspeisungen wer­den von einer eigenen Gärtnerei in vollem Almfang geliefert. Auch dieser Betrieb steht unter ter Leitung eines umsichtigen Fachmannes, der jetzt noch nebenbei Landwirtschaftsstudent ist. Die Anlagen machen auf den Besucher einen sehr guten Eindruck. Man hofft sogar, Idemnächst so viel Gemüse zu ziehen, daß man neben der Deckung des studentischen Küchenbedarfs noch an­sehnliche Mengen auf den Gießener Wochenmarkt tiefem kann. Ein Tennis- und Turnplatz ist gleichfalls vorhanden, nur fehlt es hier noch an ben erforderlichen Geräten. Alnd nun das <5 t u» dentenwohnhaus selbst. Wie oben schon berichtet, ist es aus einer Baracke hergerichtet wor­den Was man aus dieser Baracke gemacht hat, ist 'einfach bewundernswert. Es ist hieraus ein richtiggehendes einstöckiges Wohnhaus mit

vortrefflichen sanitären Anlagen samt Badezimmer erstanden, und die Bewohner des Hauses haben ganz recht, daß fte jeden mit einer Geldbuße zum allgemeinen Bestem bedrohen, der ihr Haus künftig als Baracke zu bezeichnen wagt. Die einzelnen Zimmer, die von zwei Kommilitonen gemeinsam bewohnt werden, sind zweckmäßig und heimelig eingerichtet, und unterscheiden sich vortrefflich von manchen Buden in der Stadt, in denen der Bru­der Studio für viel mehr Geld weit weniger gut untergebracht ist. Als sorgsame Hausfrau wal­tet hier, tote überhaupt im ganzen Heim dort oben, eine emsige Oberschtoester. der mehrere Schtoestern und das entsprechende Hilfspersonal zur Seite stehen. Daß zur Erstellung und Einrichtung dieses Hauses von zahlreichen Firmen Gießens, Ober- Hessens mkb weit darüber hinaus Spenden zur Verfügung gestellt wurden, ist aus der oben schon zitierten Denkschrift im einzelnen zu ersehen.

Mit dem berechtigten Gefühl stolzer Genug­tuung konnte der verdienstvolle erste Vorsitzende unserer Gießener Studentenhilfe, Prof. Dr. Eger, am Samstag einem großen Kreis geladener Gaste