"Utzt toortxsijM, wär« nicht geeignet, die Befriedung zu fördern. Immer noch erlasse sie
Ordonnanzen zur Bedrohung und Unterdrückung der rheinischen Bevölkerung.
Wenn auch die im Jahre 1923 von dem französischen und belgischen Oderkommissar allein erlassenen Ordonnanzen ungesetzlich feien, so dürfte deswegen die britische Regierung nicht untätig beiseite stehen und ihre Hände in Unschuld waschen Sie trage vielmehr für die R ü ck- gängig machung der nach ihrer eigenen Auffassung ungültigen Anordnungen, insbesondere der Ausweisunge n. eine rechtliche undrno- ralische Mitverantwortung. Alle Geldstrafen, Gefängnisstrafen und Ausweisungen seien unter der Firma „Interalliierte Rheinlandkommission" sowohl im Ramen Frankreichs w i e a u ch Englands verhängt worden. So habe ja der Provinzdelegierte für die Pfalz, General de Metz, ausdrücklich erklärt, auch der Der- treterdesKönigsGeorgin derPfalz zu sein. Damit suche der General für die Fortsetzung seiner auf Lostrennung der Pfalz von Bayern und Reich gerichteten -Stele eine Deckung durch die englische Regierung vorzutäuschen und alle Proteste Deutschlands mit diesem Hinweis abzutun. Das Herz des ganzen Problems sei die Rheinlandkommissivn.
Die Stellung Englands fei zu einer demütigenden Farce geworden.
Es fei |$u hoffen, daß die Regierung Macdonalds jetzt auf dem Stimmrecht Englands in der Kommission besteht. Eine strenge Linie der englischen Politik in dieser Richtung würde auch den De- friedungsabsichten Herrrots dienen, da er grobe Schwierigkeiten habe, die französischen Generäle, die bisher die französische Politik geführt hätten, zur Vernunft zu bringen.
Neue Uebergriffe.
Der Kampf gegen das deutsche Lied.
Barmen, 13. Juli. (WTD.) Die Mitglieder eines hiesigen Louristenvereins, die einen Ausflug ins besetzte Gebiet unternommen hatten, sangen bei ihrer Rückkehr im Eisenbahnabteil auf dem Bahnhof Vohwinkel ein Lied nach der Melodie „Heil dir im Siegerkranz". Die auf dem Bahnhof anwesenden Franzosen sahen in dem Gesang eine Herausforderung und nahmen die Sänger fest- Der Vorsitzende des Vereins Schneudt und die Mitglieder Dingel und Schmitz wurden vom französischen Polizeigericht zu 15 bzw. 20 Tagen Gefängnis, ein weiteres Mitglied zu einer Geldstrafe von 100 Goldmark verurteilt.
Das Militär beschlagnahmt weiter.
Landau, 13. Juli. (WB.) Hier sind wiederum 6 neue Wohnungen beschlagnahmt worden, dagegen stehen leer rund 40 beschlagnahmte Zwei- und Drei-Zim- merwvhnungen in den militärischen Gebäuden. Äußerem wurden zur Vergröberung der Militärwäscherei wieder neue städti- scheGebäudebeschlagnahmt. S_,
Neue Zeitungsverbote.
Koblenz, 13. Juli. (WTD.) Die Rheinlandkommission hat die Veröffentlichung „Deutsche Erneuerung", sowie die Sonderausgabe der „Woche" „Tutankhamen im besetzten Gebiet" endgültig und für immer verboten. Das „Völkische Echo" in Nürnberg, die „Mannheimer Rundschau" in Mannheim wurden für einen Monat verboten.
Die schwarze Landplage^
- Höchst a. M., 12. Juli. (Wolff.) Gestern «bend gegen 11 Ähr überfielen auf der Land- Krabe von Höchst nach Mainz in der Nähe von Sindlingen z we i Marokkaner, die sich ün Chausseegraben verborgen hatten, einen nach Hause gehenden Arbeiter, verhinderten ihn, durch Vorhalten der Hände, nach Hilfe zu rufen, zogen ihn in den Graben und begingen an ihm ein schweres Sittlichkeitsverbrechen. Die Täter konnten wegen der herrschenden Dunkelheit unerkannt entkommen.
Man „requiriert“ Laienrichter.
Derlin, 12. Juli. (WTD.) Nachdem die auf Antrag der Interalliierten Rheinlandkommission von der Handelskammer Mainz als Dei- sitzer und stellvertretender Deisitzer beim gemischten Eisenbahnschiedsgerrcht vorgeschlagenen deutschen Laienrichter die Ueber- nahme dieser Aemter abgelehnt hatten, ist beiden Herren französischerseits eröffnet worden, dab sie sich als „requiriert" za betrachten hatten und dab die Entscheidung der Rheinland- kommission als Befehl aufzufassen sei. Dieser neue französische Äebergriff findet weder in den Verordnungen der Rheinland.ommission noch
Das Ende vom Lied.
Don Julius Knopf.
Professor Emil Seelachs, eine bekannte Autorität auf dem Gebiete der Insektenkunde, sab an seinem Schreibtisch, bequem in einen Lehnsessel zurückgelehnt, und rauchte. Mit (Behagen gab er sich dem Genuss« der geliebten Zigarre hin. Da plötzlich wurde er seiner Ruhr entrißen. Die Türe zum benachbarten Schlafzimmer flog auf und herein stürzte seine Frau, bleich, aufgeregt, mit verstörtem Gesicht. In der Hand hielt sie ein leichtes, wollenes Frühjahrskleid, das sie erst im vergangenen Jahr« für teures Geld erstanden hatte.
Sie jammerte: „Emil, ich bin sprachlos!" „Das höre ich," sagte der Professor, der sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen lieh. „Loch setze dich, liebe Johanna, und rege dich nicht so auf, denn das ist schädlich."
Die liebe Johanna warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Da soll man sich nicht aufregen! Aber so seid ihr Männer! Wenn ihr eure Zigarren raucht, so kann euretwegen nicht nur die Welt untergehen, sondern« auch eure arme Frau!"
Der Professor erhob sich, tat noch einen kräftigen Zug aus der Zigarre, legte sie auf die Aschenschale, streichelte seiner Frau d e fleischigen Wangen und sagte: „Aber Johanna, wie ich sehe, steht die Welt augenblicklich noch, du aber auch. Seh' dich, bitte, das besänftigt die Nerven."
Mit leichter Gewalt nötigte er die Gattin tn seinen Lehnstuhl: „Also, nun schiebe los! Sage mir, was hat dich denn so aufgeregt?"
„Eine Motte!" flüsterte sie.
Befremdet sah der Professor die Gefährtin seiner Tage an. „Wenn's weiter nichts ist. Motten sind doch ganz niedliche Tierchen."
im Rheinlanoavlommen irgend welche Rechtstitel. Das Verhalten der französischen Desahungsbe- hördc in Mainz ist ein weiterer Beweis für die planmässige Sabotierung der Defriedungs- absichten der neuen französischen Regierung durch ihre Funktionäre im besetzten Gebiet.
„Zwischenfälle" in aller Welt.
Japan gegen Amerika.
N eu York, 13. Juli. (WB.) Nach einer Meldung aus Mexiko hat die japanische Regierung die Vereinigung der mexikanischen Handelskammern in einem Schreiben ersucht, ihr Produzenten namhaft zu machen, bei denen Rohmaterialien bestellt werden könnten, die früher aus den Vereinigten Staaten von Amerika bezogen wurden.
Pöhner dienstentlassen.
München, 12' Juli. (Wolff.) Das heute von der Disziplinarkammer München in dem Verfahren gegen Oberlandesgerichtsrat Pöhner verkündete .Urteil lautet auf Dienstentlassung.
Ein Attentat gegen Zaglul Pascha
Kairo, 12. Juli. (WTD.) Zaglul Pascha, der ägyptische Ministerpräsident, ist bei seiner Abreise nach Alexandrien auf der Eisenbahnstation durch einen Revolverschub in die Brust leicht verwundet worden. Der Täter wurde verhaftet.
Nach einer Reutermeldung aus Kairo ist der Attentäter ein 20jähriger Student, der im letzten Monat von Derlin nach Kairo zurückkehrte. Nach dem Attentat versuchte die Menge den Täter zu lynchen, wobei er verletzt wurde. Die Polizei muhte gegen die Menge einschreiten. Ein Zusammenstoß in Indien.
Hindus gegen Mohammedaner.
London, 13. Juli. Reuter meldet aus Delhi, daß es in der Stadt zu einem Z u s a m - menst ob zwischen Mohammedanern und Hindus gekommen ist, wobei mehrere Personen getötet wurden. Die Ordnung ist zwar wieder hergestellt, doch sind die Läden noch geschlossen. Die Unruhen sollen darauf zurückzuführen sein, dah ein mohammedanischer Knabe aus einem (Brunnen geschöpft hatte, wogegen sich die Hindus widersetzten und den Knaben tvtschlugen.
Die Revolution in Brasilien.
Das Ziel: Eine Militärdiktatur.
Paris, 13. Juli. (WTD.) Nach einer Havasmeldung aus Duenos Aires verliehen die Rebellenführer Sao Paolo, um sich nach Santos zu begeben. Sie hatten den Gouverneur von Sao Paolo gefangen genommen. Die Regierung sei gezwungen worden, das Regierungsgebäude zu räumen. Der Führer der Rebellen, General Lopez, erklärte, die (Belegung richte sich gegendieBundesregie- rung. Er sprach den Wunsch aus, dah die anderen Staaten sich ihm anschliehen möchten. Der Präsident der Republik hat eine Botschaft an das Volk erlassen, worin er dieses zur Ruhe auffordert.
Deutschlands Aufwendungen für die Kriegsbeschädigten.
München, 13. Juli. (WTD.) Der Reichsverband der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen ist heute zu seiner ersten ordentlichen Tagung zusammengetreten. Die Verbandstagung wurde von Geheimrat Kerschen st einer namens des Reichsarbeitsministeriums und von Ministerialrat Gersler vom Sozialminrstenum namens der Staatsregierung begrübt. Ministerpräsident Dr. Held hatte schriftliche seine Wünsche übermittelt. Der Terbandsvorsitzende Decker- Leipzig erläuterte die Forderungen, die der Verband an die Regierung stellt. In der Aussprache nahm Geheimrat Kerschensteiner das Wort und wies die gegen das Reichsarbeitsministerium in der letzten Zeit erhobenen Vorwürfe zurück. Insbesondere wandte er sich gegen die Behauptung, dab im letzten Jahve ein Rentenabbau erfolgt sei. Ec stellte vielmehr fest, dah die Bezüge durchweg höher sind als im Jahre 1920. In Erläuterung der Leistungen dec Kriegsbeschädigten- und Hinter- bliebcnenfürsorge betont er, dab die gesamten Ausgaben nach dem Stande vom 1. Juni dieses Jahves 7100 Millionen Goldmark betragen und dah dies ungefähr ein Achtel der Einnahmen des Reichshaushaltes ausmache.
„Auch wenn sie mein gutes Wollkleid zerfressen, diese gemeinen Bestien?"
„Mutti, Motten wollen doch auch leben," meinte Joachim, der jüngste Sproh des Hauses Seelachs, der in diesem Augenblick in das Zimmer getreten war und den letzten Teil der Unter- haltung mit angehört hatte.
Für diese edle Anwandlung, di» er feinem Sohne hoch anrechnete, schien die Mutter kein Verständnis zu besitzen. Eie versetzte ihm einen Dackenstreich, worauf sich Joachim krampfend entfernte.
„Mer Johanna," meinte der Professor vorwurfsvoll, „warum hast du denn den Jungen geschlagen? Er hatte doch ganz recht. Der Zweck aller lebenden Wesen ist nun mal, zu leben. „Warum also sollen Motten nicht auch leben wollen?“
Sein Belehrungsversuch prallte an ihrem Zorn ab. „Gut, mögen sie leben, aber nicht ausgerechnet von meinem Wollkleid."
Er suchte zwischen feiner Frau und den Motten zu vermitteln. „Liebste, dafür kann doch di« arme Motte nichts. Tierische Wolle ist nun eben ihre Leibatzung."
„Das merk ich: ganz zerfressen ist das teure Kleid von diesen elenden Bestien."
Nun hielt es der Professor für geraten, die entomologischen Kenntnisse seiner Frau zu bereichern. „Liebe Johanna," belehrte er sie, „sage nicht Bestien. Du hast dieses ebenso häßliche wi« unzutreffende Wort schon einmal gebraucht. Du irrst, Motten sind keine Bestien. Motten gehören zum munteren Volk der Schmetterlinge und bilden eine eigene Familie der Grupp« Mikrolepi- doptera. — Ich als Lepidvptervloge sage dir—"
Frau Professor Seelachs, die für die Gelehrsamkeit ihres Mannes kein Interesse zeigte,
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 14. Juli 1924.
Georg Michaelis.
Don der Gießener Theologenschaft wird uns geschrieben:
„Deutschlands Aufgabe und Zukunft!" Wer hoffte nicht doch, trotz allem, was geschehen ist? und noch immer geschieht, auf die Zukunft, auf Deutschlands Zukunft? Wer glaubte nicht zugleich an seine Aufgabe? Mer — wen sähe man nicht gleichzeitig dl« Achseln zucken und hörte ihn resigniert sagen: Wozu das Reden? Man hat sich schon zuviel, allzuviel schön« Worte, blendende Ideale, wunderbare Programme und oft genug phantastische IlMsionen anhören müssen. Wer kann leugnen, daß das Heer der unberufenen Propheten ins llfertof« wächst?
(216er, wenn nun am kommenden Donnerstagabend der ehemalige Reichskanzler D. Dr. M i - chaelis über „Deutschlands Ausgabe und Zukunft" zu uns sprechen wird, so redet da nicht ein Schwätzer, nicht ein wohlmeinender, aber doch weltfremder Idealist, sondern ein Mann, der die tiefe und eindrmgende Erfahrung eines ganzen Lebens „Für Staat und Volk" — so überschreibt er das Buch! seines Lebens — hinter sich hat, ein wirklich (Berufener.
Als Sohn einer einfachen Warntenfamilie 1857 in Schlesien geboren, hat er schon in seinem Eltern hause den Geist eingeatmet, der später fein ganzes Leben bestimmt bat, den Geist des hm- gebenden und aufopfernden Dienstes für Volk und Staat. Damit war von vornherein die Richtung seines Berufes bestimmt. Nachrseinen juristischen Studien in Leipzig, Würzburg und Breslau und nach seiner ersten Staatstätigkeit als Referendar und Assessor erging an ihn der ehrenvolle Auftrag, als deutscher Hochschullehrer nach Japan zu gehen. In dieser Stellung wirkte ec von 1885—89. Die Tätigkeit im Ausland schärft« ihm den Blick für die großen Zusammenhänge des Völkerlebens. Dort 'erlebte er überzeugend, was deutscher Geist im fernen Osten geschaffen hatte. Dort lernte er aber auch scharf erkennen, was oft eine falsche Politik wieder verdarb. Und gerade dieser unbestechliche Blick für die Wirklichkeit der Tatsachen ■ rückt diesen Mann aus dem Schwarm der Nur-Theoretiker heraus. Es entspricht seinem tiefsten Wesen, daß er seinem Buch „Für Staat und Volk" die Worte voran- gesetzt hat: „Die Wahrheit macht mich frei!“, die Wahrheit, die Licht und Schatten in gleicher Weise zu sehen lehrt, und die sich weder zum oberflächlichen Schönsärben noch zum entmutigenden Schwarzsehen verleiten läßt. Das gerade brauchen wir heute. — !
Nach Deutschland zurückgekehrt, zog es ihn in die staatliche Derwaltungstätigkeit: Rheinland. Westfalen und Schlesien waren die Etappen seines auf steigenden Derufsweges. Nicht Streben nach Ansehen und Ehre, sondern wahrhaft soziale Gesinnung und Drang zu tätigem Helsen waren die treibenden Kräfte seines gesamten Wirkens. Die Ueberwindung der furchtbaren Folgen der Oder-Hochwasser-Katastrophe 1903 und die großzügig« Regulierung des Oderstroms war die groß« Tat für seine Heimatprovinz. 1909 berief man ihn ins Finanzministerium. So reifte er heran für die gewaltige Aufgabe, die er während des Krieges im Dienst« des ganzen Volkes leisten sollte: die Organisierung der Abwehr der Hungerblockade. Man muß das betreffende Kapitel seines Buches gelesen haben, um einen Eindruck zu erhalten von dem ungeheuren Maß an Schwierigkeiten und Entsagungen, di« solche Arbeit mit sich brachte. Sv wurde er z. D. der Schöpfer der vielbeschimpften und doch vor der Hungersnot rettenden Brotkarte. Im Juli 1917 berief ihn der Kaiser auf den Kanzlerposten. Nicht aus Ehrgeiz, wie er selbst sagt, nahm. er dieses verantwortungsreiche Amt an, sondern weil er zu der Ueberzeugung kam: „Cs muß einer in den Riß springen." Es lag in seinem geraden, offenen», zur Tut drängenden Wesen tief begründet, dah er mit dem nur auf fruchtloses Reden und Kritisieren eingestellten Parlament keine innere Fühlung gewinnen konnte. So blieb er nicht lange in diesem Amte. Noch einmal diente er dem Volke als Oberpräsident von Pommern in den gärenden Jahren 1918/19, in schlichter Hingabe und verständnisvollem — wahrlich nicht leichtem — Eingehen auf di« Schwierigkeiten der Lage.
Aus dem Staatsdienst ausgeschieden, konnte er dennoch nicht rasten. Von nun an galt sein Wirken der deutschen Studentenschaft. Er hat die Hilfe des Auslandes für die Not der studierenden Jugend großzügig zu organisieren gewußt.
Niemand wird sich dem Urteil entziehen können, dah dieser Mann, der die staatsmännische Erfahrung eines ganzen Lebens hinter sich hat. der mit der Weite seines Blickes einen unbestechlichen Wahrheitssrnn verbindet, der ein so
wurde ungehalten. „Lah doch die geschwollenen Ausdrücke, Lipi — Lapid —"
Sie gab den Kamps mit dem holperigen Wort aus, galant half er aus. „Lepidopterologe, was soviel bedeutet, wie ein Schmetterlingskundiger, und unter diesen ist die Tinea farcitella. die fatale Kleidermotte, dein spezieller Feind."
Seiner Frau schienen die wissenschaftlichen Aufklärmrgsversuche durchaus nicht zu imponieren. „So lah mich doch endlich mit dem dummen Zeug zufrieden! Die Hauptsache ist, dah deine sogenannten Schmetterlinge mir das Kleid ruiniert haben."
„Oa, mein« Liebe, hättest du den Rat der Weisesten der Weisen befolgt, so würde dir das nicht passiert fein.“
8rau Johanna sah ihn verständnislos an. „Drücke dich gefälligst deutlicher aus."
„Wie heiht es doch! Sammelt euch nicht Schätze, die der Rost und di« Motten fressen und denen die Diebe nachgraben."
Der Herr Professor hatte eine wunde Stell« berührt. Wie jede Frau, so war auch sie der Meinung, nur das Allernotwendigst« an Kleibern zu besitzen. Sie öffnete die Tür zum Schbas- zimmer, zerrte ihren Mann hinein und zeigte auf den geöffneten Kleiderschrank, der vollgepfropft mit Kleidern hing. „Sind das etwa Schätze — .die Paar Fähnchen? Oder soll ich im Badekost üm umher laufen?"
Kühl erwiderte der Professor: „Ich habe nichts dagegen, vom Billigkeitsstandpuntt billige ich das vollkommen. Aber ich fürchte, di« Sipo wird es nicht erlauben."
Die Frau Professor schien mit ihren Gedanken schon wieder bei den Motten zu sein, denn ganz unvermittelt klagte sie: „Da habe ich nun alles getan, zur Vertreibung dieser Bestien —" 1
warmes Herz und eine so tatfrohe Hand für all« Volks not hat, uns allen etwas zu sagen hat.
Werner Kehler, stud. theol.
*
** Ernennung. Der Oberregierungsrat bet dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft G u st. Decker zu Darmstadt wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1924 an zum Ministerialrat bei diesem Ministerium ernannt.,
** Sparprämien bei den Spar-« .k a s f e n. Der Hessische Sparkassen- und Giroverband hat aus seinem Gewinnanteil bei der Hessischen Girozentrale Darmstadt 52 000 Goldmark für 1007 Sparprämien zur Verfügung gestellt, deren höchste 2000 Goldmark, deren niedrigste 40 Goldmark beträgt. Mit den Prämien sollen noch vor Weihnachten diejenigen hessischen Sparer bedacht werden, die bei irgendeiner hessischen öffentlichen Sparkasse, also beispielsweise bei der Bezirksspar- kasse Giehen, am 1. Oktober 1924 ein Guthaben von mindestens 50 Goldmark, am 1. Dezember 1924 ein solches von mindestens 80 Goldmark besitzen. Es genügt also Öfe Einzahlung von etwa 4 Mk. pro Woche, von etwa 17 Mk. pro Monat, um die gestellte Bedingung zu erfüllen. Die Einlagen werden in der gleichen Weise wie alle übrigen Spareinlagen verzinst; außerdem wird ihre Wertbeständigkeit garantiert. Es handelt sich also nicht um eine Lotterie, bei welcher der eingezahlte Betrag für die meisten Loskäufer verloren ist. Hier bleiben die Beträge mit Zinsen in jedem Falle den Sparern erhalten. Sie haben aber außerdem die Chance, mit einer Prämie bedacht zu werden. Diese Chance ist ganz erheblich größer, als sie bei Lotterien zu sein pflegt. Wenn man annimmt, daß, 20 000 Sparer für die Verteilung in Betracht kommen, dann würde schon jedem 20. Sparer eine Prämie zufallen. In dem Werbeblätt heiht es mit Recht, daß alle Enttäuschungen nicht zu dem gänzlich verfehlten Entschluß verleiten dürfen: Ich spare nicht mehr. Sparen ist für jedes Kulturvolk eine Naturnotwendigkeit. Eine Volksgemeinschaft ohne Sparer ist dem (Untergang geweiht. Wir müssen eben wieder von vorn anfangen, wenn wir uns nicht selbst aufgeben wollen. Die Auslosung wird Anfang Dezember vor einer auS Mitgliedern des Vorstandes des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes gebildeten Kommission in Gegenwart des Staatskommis- sars der Hessischen Girozentrale und von Pressevertretern stattfinden.
** Zirkus Mark. Für di« Eröffnungsvorstellung am Samstag abend hatte der Zirkus Mark ein gutes Programm vorgesehen. Die Leistungen waren durchweg gut, namentlich zeigten die Dressuren des Pfeichematerials und die Hundedressuren eine gute Schule. Hervorragend waren die turnerischen Leistungen. Der dreifache Drahtfeilakt der Geschwister Mark, Athe Barbers Kunst und Komik am dreifachen Reck und die vier Bentos als Schleuderbrettakrobaten boten außergewöhnliches. Als komischer Jongleur zeigte Petersen fein Bestes. Den humoristischen Teil besorgten die Clowns in bester Weise und fanden den üblichen starken Beifall. Den Freunden der zirzensischen Kunst kann der Besuch des Unternehmens empfohlen werden.
Bornotizen.
— Lageskalender für Montag. Vortrag von Dr. h. c. Meesmann: „Volkswirtschaft und Ertragswirtschaft" nachm. 5^4 Uhr im großen Hörsaal der Universität. — Rundfunk- Haus, Löberstraße: Musikabend. — Lichtspielhaus, (Bahnhofstraße: „The Kind" und „Taras Du Iba".
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Kreis AlsfeW.
fpd. Alsfeld, 13. Juli. Ein junger Mann brandschatzt augenblicklich oberhessische Finanz- und Gemeindebeamte dadurch, daß er ihnen ein in einem Frankfurter Verlag erschienenes Buch über Buchführung und Steuern, angeblich im Auftrage des Finanzamtes Lauterbach für einen ungewöhnlich hohen Preis aufdrängt. Der Schwindler übergibt den Beamten das
— feine zoologischen Belehrungen waren auf unfruchtbaren Boden gefallen — „aber es hat nichts genutzt, weder Kampfer noch Pfeffer, noch Terpentin, noch Naphtalin, sogar mit Knoblauch habe ich es versucht! Und du — da stehst dabei, als ob dich die ganze Sache nichts angeht. Cs ist zum Verzweifeln.'
„Verzweifle mcht, Johanna," erwiderte der Professor Seelachs mit Würde. „Cs gibt zwei historische Mittel gegen Motten. So sagt Plinius, man brauche die Kleider nur auf einen Sarg zu legen, um sie für immer vor den Zähnen der Motten zu schützen. Doch diese Prozedur wird 'dir wenig synrpathisch sein. Dagegen die zweite vielleicht, die der Araber Rases empfiehlt. Er meint nämlich, daß di« Motten nicht in di« Kleider kämen, wenn man selbige in di« Haut eines Löwen wickele. Gut, damit du meine Liebe erkennst, werde ich auf der Stelle nach Afrika gehen, um Löwen zu jagen, und dir deren Haut bringen. Mehr kann ich wahrlich nicht für dich und deine Garderobe tun! Also bist du nun beruhigt?"
Die Frau feiner Liebe sah ihn prüfend an, mit einem Blick, der bedeutete: „Bei dir ist's mcht ganz richtig, mein Lieber, man wird dich auf deinen Geisteszustand 'untersuchen müffen!" Und in dieser Voraussetzung erwiderte sie: „Ja, ich bin beruhigt. Das Kleid hier" — verächtlich warf sie es in di« Ecke — „ist ja sowieso schon unmodern. Gestern ist das Honorar von deinem Verleger gekommen Ich werde mir davon dreihundert Goldmark für ein neues Kostüm nehmen." Der Herr Professor Seelachs machte ein verdutztes Gesicht, runzelte die Stirn, kratzte sich hin'-' term Ohr und sagte mit starker Stimme: „Kriegst die Motten!"


