Einzelbild herunterladen

/veD *>en von der xöerranung ^.ungeschlagenen und geforderten unparteiischen Schiedsrichter gewählt.

Gaston Doumergue.

«st? n Doumergue ist am 1. August *863 ui Aigues-ViveS im Departement Gard ge­boren. Er studierte Rechtswissenschaft und war bann zunächst Advokat in Rimes (1885 bis 1890) Dann war er einige Jahre als Beamter in den Kolonien, zuerst in Cochinchina, dann Friedens­richter in Algerien. Im Jahre 1893 wurde er für Rimes in die Kammer gewählt und war hier in den Jahren 1895 bis 1896 deren Sekretär. Zum ersten Male Minister wurde er 1902 im, Kabinett Combes, wo er das Portefeuille der Kolonien inne hatte. Unterdessen war er im Departement Gard gewählt worden. Dem fol­genden Kabinett Rouvier gehörte er nicht an. Dagegen war er in den Jahren 1905 bis 1906 Vizepräsident der Kammer und dann in Sarriens Kabinett vom 13. März 1906 zusammen mit Poincarö, der die Finanzen hatte, Handelsmini­ster, ebenso in Clemenceaus Kabinett vom 26. Oktober 1906. Hier sattelte er später auf das Ministerium des Llnterrichts und der schönen Künste um. Als Clemenceau im September 1909 Sirüdtrat und Driand Platz machte, trat auch oumergue zurück und hat seither in keinem Kabinett mehr gesessen. Doch wurde er unterdessen in den Senat gewählt.

Anfang Dezember 1913 fiel das Kabinett Darthou über die Frage der 1300-Millionen- Anleihe. Zuerst der alte Ribot, dann Jean Dupuy bemühten sich vergeblich, ein neues Kabi­nett zustande zu bringen. Hierauf erteilte Präsi­dent Poincare Doumergue den Auftrag zur Ka­binettbildung. Das Kabinett Doumergue kam am 8. Dezember 1913 zustande. Doumergue selbst übernahm darin das Aeuhere, weil er nieman­den dafür finden konnte. Caillaux, der vielfach als das eigenlliche Haupt des Kabinetts ange­sehen würde, übernahm die Finanzen, der frühere Ministerpräsident Monis die Marine, der Devu- tierte Roulens, bisher Budgetberichterstatter, das Kriegsministerium.

Anfang Juni 1914 demissionierte Doumergue mit dem gesamten Ministerium im Zusammenhang mit dem Gesetz über die dreijährige Dienstpflicht. Doumergue motivierte feinen Rücktritt damit, daß der Vorsitz im Ministerrat zusammen mit dem Ministerium des Aeuheren auf die Dauer unver­träglich sei.

i Im Februar 1923 wurde er zum Präsidenten ">es Senats gewählt.

Englisch-belgische Hoffnungen.

London, 13. Juni. (Qßolff.) DieTimes" berichtet aus Brüssel, man sei dort der Ansicht, das) H e r r i v t sofort nach der Bildung des fran­zösischen Kabinetts eine Llnterredung mit dem Premierminister Theunis und dem Austerr- minister Huhmans mrchsuchen werde, worauf dann eine Unterredung mit Macdonald fol­gen würde. Diese Erörterungen würden die Prä­liminarien für eine interalliierte Kon­ferenz sein, die wahrscheinlich noch vor Ende I dieses Monats in London stattfinden würde.

Der diplomatische Korrespondent desDally Telegraph" schreibt, er verlaute, daß Herriot nicht allein die Besorgnis bekannt ser, die so­wohl in London als auch in Brüssel empfunden gnd diskret zum Ausdruck gebracht werde, daß keine Zeit verloren werden sollte, um das not­wendige Llebeveinkommen zur

Durchführung des Dawes-Planes

pu erzielen, sondern daß er diese Besorgnis auch voll teile. Aus diesem Grunde beabsichtige er, falls er die nächste französische Regierung bilde, mit Macdonald und anderen alliierten Staats­männern sobald wie möglich Beratun­gen zu pflegen. Soweit der britische Premier­minister in Frage komme, würden Verhandlungen gegen Ende der nächsten Woche möglich sein. Herriot habe den Mann, der sein intimster Mitarbeiter im französischen Auswärtrgen Amt sei und der die sehr wichtigen Verände­rungen überwachen werde, die im französischen diplomatischen Dienst sowie rn der französischen Außenpolitik angekündigt werden, so gut wie aus- geedählt. Die geplanten Personalverändrrungen umnähten, wie es heißt, die stä ndige Lei­tung des Quai d'Orsay und verschiedene Botschaften. Veränderungen im Pers onal sowie auch in den Verwa ltungs Metho­de n der

besetzten Gebiete, auch außerhalb des Ruhrgsbietes, würden wahr­scheinlich folgen. Die Ratsam'eit einer Amne­stie für deutsche politische Beschuldigte würde auch zu den ersten Fragen gehören, die ge­prüft werden würden. Auf diese Frage werde

Das Kind itzt nicht.

Don Dr. W. Schweisheimer.

Die Mutter weih sich nicht mehr zu helfen: Das Kind iht nicht! Sie hat es mit Güte versucht und mit Strenge, mit Äeberreduirg und äleberlistung, hat ihm Geschichten erzählt und Belohnungen versprochen, hat 'cs gesch.'agen und in anderer Weise gestraft, hat ihm Lieblings­speisen zubereitet, viel Zucker dazu gegeben, hat die Mittagsmahlzeit auf Nachmittag verschoben, bat eine Mahlzeit überhaupt ganz ausfallen lassen: bas Kind iht nicht. Ein paar Löffel nimmt es zu sich, dann sträubt es sich, auch nur einen Bissen mehr zu nehmen. Dabei ist es vergnügt und luftig, spielt und singt den ganzen Tag, sieht gar nicht schlecht aus, nur ein bihchen schmal vielleicht. Aber es iht nicht.

Der Vater hat sich eingemischt: wirklich be­gann das Kind schön zu e sm dann hörte es wieder auf. Väterliche Konsequenz, Energie und Strenge blieben erfolglos. Das Familienleben wurde höchst ungemütlich. Immerhin verlor der Vater die Geduld eher als das Kind und zog sich nach einigen Mißerfolgen von der Ange­legenheit zurück. Er gibt indes den Rat, die Sache mit Konsequenz du rchzu führen. Die Groh- mutter, die erfahrene Nachbarin versagen gleich­falls. Luftveränderung bleibt erfolglos.

Mehrere Wochen geht das so fort. Es kann keine Rede davon fein, daß das Kind krank ist. Dazu ist es viel zu munter und vergnügt. Der Arzt wird befragt, ob eine Krankheit vorliegt. Durchaus nicht! Er verschreibt appetitanregende Tropfen. Das Kind nimmt sie mit Vergnügen. Die Mutter ist erfreut, wie brav das Kind die Tropfen nimmt. Aber das Kind iht doch nicht!

älnd eines Tages die Mutter weih schon gar nicht mehr, was sie beginnen soll sagt das Kind:Roch mehr Gemüse." älnd nach dem Gemüse will es noch Brot haben. Das Kind iht wieder! Am nächsten Tag iht es für zwei.

Herriot im Verlauf feiner rommenoen -Unterre­dung mit Macdonald über den Dawcs-Plan Be­zug nehmen. Beide Staatsmänner würden wabr- scheinlich keine Zeit haben, das Problem Der Sicherheit eingehend zu behandeln, sowie die Mittel, durch die es unter der Aegide des Völker­bundes behandelt werden könnte. Ganz sicher aber würde die Frage der

Zulassung Deutschlands durch die nächste D Llke rbundsve rsammlun g

Berichterstatter fährt fort, es sei, offen gesagt, im Völkerbunds rat erörtert werden. Der Berichterstatter fährt fort, es sei offen gesagt höchst erstaunlich, dah, nachdem in Frankreich die Mehrheitsgruppe zur Macht gelangt ist, die von dem Wunsche nach europäischer Befriedung und Zusammenarbeit erfüllt sei, was den Wünschen der britischen Regierung durchaus entspreche, die Deutschnativnalen so besonders schlecht beraten seien, dah sie ihre Haltung des rücksichtslosen Widerstandes fortsetzen, nicht nur gegen den Dawesplan, sondern auch gegen eine angemessene Deendigu ng der alliierten Militärkontrollkom Missionen vor einer ilebertragung an den Völkerbund in Hefter- einstimmung mit dem Wunsche Deutschlands selbst.

Wenn bei derartigem Widerstand beharrt werde, so beweise dies ebensowenig Pa­triotismus wie Weitblick, denn dies würde die einzige Gelegenheit fein, die sich bis jetzt für Deutschland biete, sich politisch und wirt­schaftlich wiederherzustellen oder irgendwelche Lasten, die seine Leistungsfähigkeit wirklich über­schreiten, zum Scheitern zu bringen. Die deutschen Diehards mühten klar sehen, dah jede Entschul­

Die Machrausüduug im besetzten Gebiet.

Frankfurt a. M, 13. Juni. (Wolff.) Der hiesigeGeneralanzeiger" bringt heute eine Siel» düng, wonach Regierungspräsident Dr. Hani sch mit feinen Beamten beabsichtige, den Sitz der Re­gierung wieder nach Wiesbaden zu verlegm. Der Präsident werde schon in der nächsten Woche nach Wiesbaden übersiedeln. Wie wir hierzu von zuständiger Seite erfahren, entspricht die Meldung in dieser Form nicht den Tatsachen. Zur Vor­bereitung der Wiederherstellung normaler Ver­hältnisse hat vor etwa 2 Wochen in Wiesbaden eine Besprechung stattgefunden, an der im Auf­trage der preußischen Regierung auch Dr. H ä nisch teilgenommen hat. Einzelheiten über diese Besprechung können im staatlichen Interesse vor­erst nicht mitgeteilt weichen. Die hiesigen amtlichen Stellen bedauern lebhaft, dah durch eine von ihnen nicht verschuldete Indiskretion diese Dinge vorzeitig in die Oeffentlichkeit gelangt smd. Es sei kein Geheimnis, dah sich als unmittelbare Folge des politischen Umschwunges in Frankreich erfreulicherweise auch eine

Entspannung der Verhältnisse im besetzten Gebiet

angebahnt habe. Als erste Folge dieser Entspan­nung sei die Rückkehr einer Reihe von ausge­wiesenen Kommunalbeamten zu verzeichnen. Auch einzelne Verurteilte seien von der Desahungsbe- hörde in Freiheit gesetzt worden. Von höherem Beamten sei als erster bereits vor einer Reihe von Wochen Regierungspräsident R o m b a ch aus Aachen in sein Amt wieder eingesetzt worbens

Für die zweite Iunihälste

bezieht man den Gießener Anzeiger für 1 Goldmark nebst

10 Goldpfennig Tragerlohn in Gießen bei der Geschäfts­stelle und bei den Trägerinnen, auswärts bei der Post und bei den Zweigstelleninhabern.

digung, die für den Widerstand des Reiches gegen die militärischen Klauseln des Versailler Ver­trages wegen der Ruhrbesehung bestanden haben oder nicht bestanden haben, in den britischen Augen ebenso wie nach Ansicht der öffentlichen Meinung der Welt vonselb st verschwinde, von dem Augenblick an, wo in Frankreich eine Regierung ans Ruder komme, die für Ver­söhnung eintrete und selbst bereit sei, eine allgemeine Herabsetzung der Rüstungen zu er­wägen, wenn sie angemessene Sicherheitsgaran­tien erhalte. Dies wird nach Ansicht des Bericht­erstatters von der

Marx-Stresemann-Regrerung

llar erkannt, die nicht nur in London, sondern auch in anderen alliierten Hauptstädten ein beträcht­liches Mah von Vertrauen und Wohl­wollen erworben habe.

Ter Berichterstatter desManchester Guar­dian" ist der Ansicht, dah durch den Beschluß des Völkerbundsrates, die Beratung der letz­ten Rote der deutschen Regierung über die Saargendarmerie bis zum August zu verschieben, Herriot Gelegenheit gegeben werde, von der bisherigen O p p v s i t i o n s p o- litik Frankreichs abzugehen und ein Kapitel des besseren Einvernehmens bezüglich des Saargebietes zu eröffnen.

Barthou weicht aus der Repko?

Paris. 13. Juni. (Wolff.)Reveil da Nord" veröffentlicht folgende Mitteilung: Wir glauben zu wissen, daß im Laufe nächster Woche Louis Barthou seine Demission als französischer Delegierter in der Reparationskommis­sion geben wird. Barthou soll der Rachfolger von Lhauthey als Generalresident von Marokko werden. Barthou werde in der Re­parationskommission ersetzt werden durch den ehe­maligen Minister L o u che u r.'Durch diese Er» llärung so erklärt das Blatt, wolle das Ministe­rium Herriot zu erkennen geben, dah es zu einem praktischen Abkommen mit Deutschland zu kommen gedenke auf der Grundlage der Methoden, die im Abkommen von Wiesbaden fest­gelegt worden sind.

Es sei mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß, neben anderen Beamten demnächst auch Rrgie- runaspräfident Hänisch sein Amt in Wiesbaden werde übernehmen können.

Bon einer solchen Entspannungsatmosphäre bemerkt man aber wenig, wenn man die folgenden Meldungen liest:

Einer Blättermeldung aus Köln zufolge hat die Desatzungsbehörde die Einreiseerlaub­nis für den Oberpräsidenten der Rheinprovinz Fuchs zur bevorstehenden Tagung des rheini­schen Provinziallandtages nicht erteilt. Die Einreiseerlaubnis für den Reichsminister des Innern Dr. Jarres, den Präsidenten des Pro­vinziallandtages, wurde zurückgezogen. Die Tagung des Provinziallandtages dürfte nun­mehr in Barmen stattfinden.

Rach einer Mitteilung des Prvvinzdelegierten für die Pfalz, General de Metz, sind zwei Oberregierungsräte und ein Regie» rungsassessor die aus dem rechtsrheinischen Bayern zur pfälzischen Kveisregierung in die Pfalz verseht worden sind, von den Befatzungs- behörden in der Pfalz nicht zugelassen worden. Diese Ablehnung wurde ebensowenig be­gründet wie das Delo gegen die Ernennung des Rechtsrates Dr. G e n t h e in Mannheim zum Schlichter für die Pfalz. Die

planmäßige Ablehnung der rechtsrheinischen Beamten,

die General de Metz immer noch nicht aufge­geben hat, bezweckt offenbar außer einer ver­waltungstechnischen Trennung der Pfalz von Bayern auch, eine politische Trennung der Pfalz von Bayern herbeizuführen, obwohl weder der Vertrag von Versailles noch das Rheinlandab- kvmmen eine Veränderung des staatsrechtlichen Verhältnisses der Pfalz zum rechtsrheinischen Bayern enthält und obwohl auch in dem soge­nannten Speyerer Abkommen diese Rechtslage ausdrücklich betont worden ist. Das Dorgehen des Generals de Metz stellt insofern einen

Bruch des Speyerer Abkommens

dar, als die im Speyerer Abkommen gewähr­leistete Wiederherstellung der ordnungsmäßigen bayrischen Verwaltung in der Pfalz durch die Ablehnung der rechtsrheinischen Beamten unmög-

Die Mutter sttahlt. Der Vater triumphiert:Rur tmnter konsequent bleiben!" Die Großmutter sagt: ^Das ist die Rachwirkung der Luftveränderung " Die erfahrene Rachbarin stellt befriedigend fest, daß ihre Methode der Lieblingsfpei e r ten Sieg errungen hafte. Der Arzt lobt seine Tropfm. älnd alle sind glücklich, weil das Kind wieder iht.

Ist es nun wirklich gerechtfertigt, das Richt- effen oder vielmehrRichtgenüg ndefsen" des kleinen Kindes mit solcher Anteilnahme und solch gieriger Aufmerksamkeit zu verfolgen? Oder werden hier künstlich Schwierigkeiten geschaffen de rn Wirklichkeit gar nicht vorhanden sind?

Es gibt Kinder, bei denen ein läng res Nicht­essen gar nicht vorkommt. Sie essen, für5 ge agt immer und alles. Aber andere Kinder sind anders, und da müssen sich auch die Eltern und Erzieher anders einstellen. Es ist freilich angenehm und bequem, wenn das Kind pünktlich alles aufiht, aber Kinder sind keine Maschinen. Sie brauchen genügend Nahrung, mehr im Ver­hältnis zu Körpergröße und Gewicht, als der Erwachsene, denn sie müssen mit der Nahrung ihren Körper nicht nur erhalten, sondern die wachsenden Teile aufbauen. Sehr häufig gibt man den Kindern aber aus guter Aft icht zu viel zu essen, mehr als ihnen zuträglich und erwünscht ist. Man braucht sich da nicht zu wun­dern, wenn das Kind auf einen Teil des Dar- gebotenen verzichtet.

Es gibt bestimmte Ursachen, die am Nicht- effen her Kinder bei einzelnen Mahlzeiten schuld sind. Mit ihrer Abstellung schwindel auch der Mangel an Appetit. Wenn die Kinder zuviel Zwischenmahlzeiten machen, in der Küche immer etwas finden können, wenn sie Schokolade und Süßigkeiten ohne älnterlah schlecken, dann neu sie zu den Hauptmahlzeiten nicht richtig essen. Andere Kinder wiederum spielen auch während des Essens mit einem Lössel, einer Puppe usw., und vor lauter Spielen vergessen sie gan) darauf, richtig zu essen, ülnerzogenheit spielen beim Nicht­

essen der Kinder zweifellos eine große Rolle. Das Kind, das nur ißt, wenn die Mutter eine Geschichte erzählt oder wenn jeder Löffel, den es zu sich nimmt, einem anderen Familienmitglied gewidmet" ist (noch ehren Löffel für die Mutter, einen für den Onkel Fritz" usw.), kann sich leicht zum Haustyrannen auswachfen. Die älrsache sol- chen Verlangens, das sich gerade bei geistig auf­geweckten Kindern häufig findet, ist darin zu suchen, daß dem Kind das Essen zulangweilig" ist, d. h. daß der angeborene Spiel- und Be­tätigungsdrang dabei nicht genügend Befriedi­gung findet.

Eine andere Frage ist das Nichtessen bestimm­ter Speisen. Im allgemeinen ist es ganz richtig, daß Kinder alles, was auf den Tisch kommt, essen können und sollen. Die Taktik, ihnen so­lange nichts anderes vorzusehen, bis sie die ver­schmähte Speise gegessen haften, beruht auf einem richtigen erzieherischen Grurcdfatz. Diese Regel ist aber nur im allgemeinen richtig, und es wer­den sich immer Fälle finden, in denen sie nicht anwendbar, ist. Es ist kein Zweifel, daß Kinder von der Geburt an gegen bestimmte Speisen einen Widerwillen haben: sie verlieren ihn durch ihr ganzes Leben nicht. Werden sie trotzdem dazu gezwungen, so können sie Erbrechen bekommen oder einen Ausschlag, Kopfschmerzen usw. Nicht selten vererb! sich fter Widerwille gegen eine bestimmte Speise von den Eltern auf das Kind 3n derartigen Speisen ist, so wird man anneh- «et£>V t enthalten, den der Körper nicht braucht oberuicht vecträgt, wie ja auch manch­mal Erwachsene bekanntlich keine Erdbeeren ver­tragen tonnen oder keine Krebse usw ohne xu sanken- Sn solchen Fällen die Kinder?u der Betreffenften Speise zwingen zu wollen, ist eine t>etgeo[iq>e Quälerei. Immerhin sind der^ artige Vorkommnisse nicht so sehr häufig. Lind auf keinen Fall ist es gerechtfertigt, daraus eine Staatsaktion zu machen. Die Eltern werden wenn sie einmal das Widerstehen eines Kindes gegen

Iicy gemacht tmrv, Da eine hinreichende Zahl in der Pfalz gewünschter Beamter nicht für alle Verwaltu ngszweige zur Verfügung steht.

Die fremde MiliLärkonIrove.

Paris, 14. Juni. (WTD.) Nach demPetit Parisien" haben die alliierten Regierungen von der interalliierten Militä rkommis- si 0n in Berlin einen Bericht über die ge­genwärtige Entwicklung der deut­schen Rüstungen erhalten, den das Blatt als sehr wichtig bezeichnet. Die Dotschafterkonfe- renz werde in Kürze darüber zu beraten haften.

Die Micumsrage.

Berlin, 14. Juni. (Priv.-Tel.) Wie die Blätter Mitteilen, haben gestern nachmittag die Be­sprechungen der Sechserkommission der Rhein- und Ruhrindustrie mit der Reichsregierung über die Frage der Mög­lichkeit einer Verlängerung der Micurn- verträge begonnen. Vor dieser Besprechung fand eine Sitzung des Präsidiums und des Vor­standes des Reichsverbandes der deut­schen Industrie mit der Sechserkommission statt. Es wurde die ungeheure Last der Micum- berträge für die Industrie des besetzten Gebiets hervorgehoben und erklärt, dah man eine Ver­längerung des Abkommens für beinahe unmöglich halte. Die Verhandlungen der Sechferkommission mit der Reichsregierung wer­den heute fortgesetzt werden.

Polnischer Wortbruch»

Genf, 13. Juni. (WTB.) Wie man er­fährt, wird der Völkerbundsrat sich voraussichtlich in seiner Sitzung vom Montag mit einer deutschen Beschwerde über das Vorgehen der polnischen Behör­den zu befassen haften. Entgegen den Versprechungen, die der polnische Dele­gierte AlSminski auf der Völkerbundsrats­tagung in Bern abgegeben hat, sind noch

zahlreiche Liquidationen und Ausweisungen von Deutschen

vorgenommen worden, obgleich diese Falle in den Bereich der zwischen Deutschland und Polen stattfindenden Derhandlunhen fallen. Der Rat wird daher ersucht, dafür einzutreten, daß keine weiteren Verletzungen jenes Ver­sprechens mehr stattfinden, daß die bisherigen Maßnahmen zurückgezogen und die betroffe­nen Personen entschädigt werden, da andern­falls eine Fortführung der Verhandlungen ge­fährdet sei.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 14. Juni 1924.

Falsche Rentenbankscheine.

In verschiedenen Gegenden Deutschlands sind in der letzten Zeit mehrere Sorten Nach­bildungen von Rentenbankscheinen zu 5 0 Ren­tenmark aufgetaucht, die auf photographi­schem Wege hergestellt sind und die Vorder-, und Rückseite der echten Scheine mehr oder weniger entstellt und ungenau wiedergeben. Namentlich in der Wiedergabe des Unter« grundmusters und in der Farbentö­nung weichen sämtliche Falschstücke von den echten Scheinen ab. Das wichtigste Merkmal der falschen Scheine aber besteht in der ab­weichenden Papierfteschaffenheit. Während das Papier der echten Scheine in der ganzen Ausdehnung von einem natürlichen Wasser­zeichen durchzogen ist, ist dieses bei den Falsch­stücken meist durch Druck oder Farbenauftra­gung auf dem helleren Rand der Scheine nach­gebildet; außerdem sind die bei den echten Scheinen im Papier eingebetteten Fa­sern bei den Falschstücken nur durch Striche in roter, blauer und dunller Farbe oder Tinte angedeutet. Hält man die Falschstücke gegen das Licht, so ist die Anechtheit des Wasser­zeichens und der Fasernnachbildungen leickss zu erkennen.

eine bestimmte Speise erfarrrrt haben, stillschwei­gend darüber hinweggehen schon auf Rücksicht auf die Erziehung der anderen Kinder.

Gerade im Anschluß an solche Vorkommnisse gewöhnen sich manche Kinder das Erbrechen nach dem Essen an, das die Eltern -oft sehr beunruhigt. Erbrechen kann natürlich mit einer Magenerkran­kung oder einer .sonstigen Krankheit zusammen­hängen. Aber oft ist es so, daß Kinder, die man gegen ihren Willen immer zum Essen zwingt, einmal gemerkt haben, daß man sie nach Erbrechen in Ruhe läßt. Sie wenden es daher an, um dem lästigen Zwang zu entgehen. In solchen Fällen liegt weder eine Erkrankung des Magendarm­kanals vor, noch eine hochgradige Nervosität, wie man oft sagen hört. Man darf die Kinder nur nicht zum Essen zwingen, muß sofort aufhören, wenn sie genug haben, und vor allem lein Wesens aus dem Erbrechen machen. Rach kurzer Zett hort das beunruhigende Anzeichen gänzlich *auf.

Was soll man also tun, wenn das sonst ge­sunde Kind nicht ißt? In Ruhe warten! Es wird schon wieder essen. Man wird dem Kind zur richtigen Zeit die Mahlzeit an bieten, aber es nicht zwingen wollen, nicht anflehen, nicht Belohnungen versprechen. Man muh auch etwas Vertrauen zur kindlichen Ratur haben. Sie wird, wenn man sie recht versteht, nicht falsche Wege führen. Cs ist ja zum Glück so, daß die kindliche Ratur so widerstandskräftig ist, dah sie den vielen gutgemeinten, aber recht oft schlechtangebrachten Deeinflussungsverfuchen erfolgreich trotzt. Darum hat es keinen Sinn, mit'Cift und Zwang etwa im Augenblick jür den kindlichen Körper wahrschein­lich ^.icht Förderliches durchs )en zu wollen, meistens ist die Bemühung auch vergeblich. Wenn man die Kinder nicht zum Essen zw ngen wollte, sondern mehr ihrem eigenen Bedürfnis nachgeb«!, dann würden viel unnötige Tränen und über­flüssige Aufregung gefpart, beim K.nd und erst recht bei ,ber Mutter.