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ttgfett des Arveit geber Verbandes habe. 'Ser Ber- tretet der Vereinigung, Dr. Voßberg - Rekow, hat denn auch in der mündlichen Verhandlung! keinen triftigen Grund für die unterschiedliche Belastung der Mitglieder anzugeben vermocht. Soll vollends, wie die Lauterbacher Damenhut­fabrik erklärt und was nicht fernliegt, mit dieser Differenzierung ein Druck aus die Mitglieder zu dem Stoecfe ausgeübt werden, sie in den anderen Verband hineinzunötigen, so ist ein solches Ver­fahren wiederum als rechtlich und wirtschaftlich unzulässig zu bezeichnen. 3m vorliegenden Falle hat, wie der Vertreter der Vereinigung in der mündlichen Verhandlung bestätigt hat, die Ver­einigung noch im letzten Quartal 1923 erneut be­schlossen und versucht, den doppelten (bei der heutigen Wirtschaftslage nicht unerheblichen) Be­trag des Milgliederbeitrages von jenen Mitglie­dern zu fordern, die dem Arbeitgeberverbande nicht angehören. Bei dieser Sach- und Rechtslage tr-ar die Lauterbacher Damenhutfabrik im Sinne des § 8 der Verordnung vom 2. November 1923 gegen Mißbrauch wirtschaftlicher Machtstellungen berechtigt, ihre Mitgliedschaft fristlos zu kündigen. Daß die Vereinigung, Dr. Vohberg- Rekow, kurz vor dem letzten Verhandlungstermin die ungerechtfertigte unterschiedliche Behandlung aufgehoben hat, kann auf die Berechtigung der imDezember 1923 ausgesprochenen Kündigung rück­wärts keinen Einfluß ausüben. Auf die weiteren Beschwerden der Lauterbacher Damenhutfabrik braucht nach dem Gesagten nicht eingsgangeft zu werden.

*

* Die Roggenrente nbankgibt auch Goldrentenbriefe aus. Nachdem das von der Roggenrentenbank-Aktiengesellschaft in Berlin zuerst eingeführte wertbeständige Realkredit- Geschäft im Laufe des Iahres^von den verschie­densten Kreditanstalten durch Zursgabe von Gold- psandbriefen weiter ausgebaut morden ist, hat sich die Roggenrentenbank nunmehr ebenfalls ent­schlossen, neben ihren Roggenrentenbriefen auch fünf- und achtprozentige Goldrentenbriefe aus­zugeben. Da unserer Volkswirtschaft nach dem Dawesabkommen nunmehr auch wieder aus­ländische Kredfte zufliehen werden, bestehen gute Aussichten dafür, daß Goldrentenbriefe im Aus­lande mehr Absatz finden werden, als Roggen­rentenbriefe. Der Reichsrat hat die Satzungs­änderung der Roggenrentenbank ab 9. Oktober 1924 genehmigt, so daß noch im Laufe des Monats mit der Aufnahme des Golöbeleihungs- geschäftes der Roggenreatenbank zu rechnen sein dürste. 3n Zukunft wird also der Darlehns­nehmer nach seiner Wahl bei der Roggenrenten­bank Darlehen in Roggenwert oder in Feingold erhallen können.

* Beteiligung des Hugo-Stinnes- Konzerns an der D elf o sse°G r up pe in Köln. Die Verhandlungen wegen einer Be­teiligung des Hugo-Slinnes-Konzerns bei in Köln ansässigen Firmen der Delsosse--Gruppe sind erfolgreich zu Ende geführt worden. Der Stinnes- Konzern hat sich u. a. an der Helios-Automobil­bau A. G. und an den Kölner Industriewerken G. m. b. H. (beide in Köln-Ehrenseld), in einem Ver­hältnis beteiligt, das eine erfolgreiche Zusammen­arbeit dieser Werke mit den übrigen bereits tm Stinnes-Konzern mit der Herstellung von Auto­mobilen befaßten Unternehmungen ermöglicht. Die Pläne des Stinnes-Konzems dürften dahin gehen, durch die Herstellung von Automobilen in größe­ren Serien eine Verbilligung der Fahrzeuge deut­schen Ursprungs herbeizuführen. Insbesondere scheint die Herstellung der kleinen Helios-Wagen in arühtem Umfange geplant zu sein,

z Buntes Allerlei.

Zoo und Niagara im Rundfunk.

Der Rundfunk schreckt in der Auffindung neuer Sensationen für seine Mithörer vor keinen Schwierigkeiten zurück. Das Neueste auf diesem Gebiete ist, daß zum erstenmal die Insassen eines Zoologischen Gartens ein drahtloses Konzert ge­ben werden. Die Aufnahmen werden im Londoner Zoo gemacht, die Konzertgeber werden in der Hauptsache eine Lachhyäne, ein Seelöwe und ein jugendliches Walroß sein. Zur Auf­nahme ist eigens ein Apparatder drahtlose Prahm" konstruiert worden, eine kräftige kleine Aufnahmestation auf Rädern, die mit einem trag­baren Mikrophon versehen ist und von Käfig zu Käfig transportiert wird, um die akustischen Aeuherungen der Insassen aufzunehmen. Die Stunde des seltsamen Konzerts wird natürlich ge­nau bekanntgegeben. Wenn sich die Engländer von diesem Genuß erholt haben werden, so werden sie bald das Donnern der Niagarafälle mitanhören können. Die Vorbereitungen, dieses grandiose Naturschauspiel wenigstens akustisch durch die ganze Welt zu verbreiten, hat die eng­lische Rundfunkgesellschaft schon seit einiger Zeit getroffen, aber es wird nötig fein, eine Zeit zu wählen, in der feine atmosphärischen Störungen auftreten, und auch die Stationen in den Ver­einigten Staaten und Kanada dürfen nicht da­zwischen kommen. Die Niagarafälle sind etwa 4500 Kilometer von London entfernt.

Eine neue Girafsenart.

Dem Briefmarkensammellport verdanken wir die Kenntnis einer neuen Spezies der Gattung Camelopardalis, die bisher als monotypisch an­gesehen und allein durch Camelopardalis Giraffa, die Giraffe, repräsentiert wurde. Die Gelehrten vom Fach scheinen das interessante Tier noch nicht zu kennen: es ist aber deutlich auf der Serie 1901 der Marken von Myassaland a-bgebildet, und unterscheidet »sich vom Typus durch den Besitz eines stattlichen Schweifes, wie ihn ein edles Roh aufweist, während, weit bekannt, die gewöhn­liche Giraffe einen Schwanz trägt, der größtenteils kurzhaarig und nur am Ende mit einer lau ab - rri« gen Quaste versehen ist, mit anderen Worten, eher einem Kuhschwanz gleicht. Irren wir nicht, so wurden diese Marken in London gedruckt: es sollte also nicht schwer fallen, zu eruieren, wo der Zeichner die neue Art von Giraffe gesehen hat. Eine kritische Durchsicht der jetzt so beliebten

Briefmarken 'mit n aturgeschichtlichen Bildern dürfte noch manche Novität ans Licht bringen. SelbstverständLich müssen dabei rein heraldische Gebilde, als da sind zweigeschwänzte Löwen, Adler mit viel zu langer Zunge usw., unberück­sichtigt bleiben.

Der Pharao mit den Zahnschmerzen.

Lieber ägyptische Mumien ist soeben ein umfangreiches englisches Werk von Dr. Elliot Smith und R. Dawson erschienen, das die Tech­nik der Einbalsamierung bei den alten Aegyptern einer genauen Llntersuchung unterzieht und dabei auch über die ärztlichen Befunde an den Mumien eingehende Mitteilungen macht. Bei allen Unter- suchungen, die Aerzte in neueren Zeiten an Mu­mien angestellt haben, sind viele Spuren von Krankheiten festgestellt worden, an denen die Menschheit heute noch leidet. Während in­dessen kein Fall von R h a ch i t i s oder von venerischen Leiden beobachtet worden ist, finden sich bei den Mumien aus den verschiedensten Perioden zahlreiche Fälle von Steinen: Blasen­steine sind bereits bei Mumien der prädynasti­schen Zeit festgestellt worden. Einer der inter­essantesten Fälle zeigt ein unverkennbares Bei­spiel von echter Gicht: der Kranke war ein älte­rer Mann mit langem weihen Haar und Bart, der in einer Christengemeinde in der Nähe des Tempels von Philae lebte: seine Füße und be­sonders die großen Zehen zeigten die Merkmale des Leidens sehr deutlich. Am verbreitetsten war in alten Zeiten augenscheinlich die rtjeuma- tische Gicht, an der Männer und Frauen von allem Anfang an gelitten haben. Besonders aus­führlich beschäftigen sich die Forscher aber mit den Zahn leiden: sie stellen fest, daß viele von den Pharaonen sogar an ganz schrecklichen Zahn­schmerzen gelitten haben müssen, ganz besonders der Vater des jetzt so viel genannten Tutanchanon, Amenophis III. Aus dem Zustand seiner Zähne geht deutlich hervor, daß dieser Pharao einen akuten Anfall von schweren Zahnschmerz^ gehabt haben muh, als er sein Leben beschloß, da er ausgedehnte Abszesse an seinen Zähnen hatte.

Büchertisch.

Verlorenes Paradies. Roman von Ludwig Antv-n. (Verlag Georg Westermann, Braunschweig.) Ein außerordentlich fesseln­des Buch, dessen Handlung in der Nachkriegszeit, insbesondere in den Wochen nach dem Ruhr­einbruch der Franzosen wurzelt. Die Erzählung, die schließlich stark in das Gebiet des Llebersinn- lichen einmündet, zeigt eine meisterliche Gestal­tungskraft des Züchters, dessen Werk man gerne feine Stunden schenkt. Der Verlag hat das Buch vortrefflich ausgestattet, so daß man es also nach jeder Richtung hin mit gutem Grund als Zierde des Bücherschranks bezeichnen kann.

Aus der Fnesland-Dücherei. De Reis' nach Hamborg, Das Lübecker Wunder­kind, Die Foau des Obersten Carpiho. (Verlag Fnesen-Verlag A. G., Dremeii-Wilhelmshaven) Drei reizende kleine Büchlein in knappem Taschenformat, Deren Erzählungen rechte Freuds bereiten. Man darf den Schriftchsn weite Ver­breitung wünschen.

Alle Welt stiehlt. Ein Zeitroman von Arthur Zapp. (Verlag Gebrüder Enoch, Hamburg). In frischer, bilderreicher Schreib­weise geht der Autor mit der Verwilderung der Sitten in dem Deutschland der Nachkriegszeit ins Gericht. Die Gier nach dem Mammon, die bei Leuten einer höheren Kultur so gut sichtbar ist, wie in der Niedrigkeit der Verbrecher vonBe­ruf", aber auch das Llnmovalische der Volks ver­giftenden Inflationswirtschaft des Staates wird ohne Erbarmen in der Form des nur allzu wahr­heitsgetreuen Zeitromans gebührend an den Pranger gestellt, damit die rechtlichdenkende Dvlksgemeinschäft ihre Lehren daraus ziehe. Man mag der unterhaltenden Erzählung zugeneigt sein, man beherzige aber auch die weise sich gebiete­risch aufdrängenden Schlußfolgerungen.

Der Brief des Kaufmanns. Aus­führliches Lehrbuch auf logischer Grundlage von Dr. P. Feldkeller. Preis 4 Mk. Hanseatische Ver­lagsanstalt, Hamburg 36. Dieses besonders für den Selbstunterricht gedachte Werk will dazu bei­tragen, Logik und Stil des durchschnittlichen Han­delsbrieses zu verbessern und zu heben. In an­sprechender Weise hat der Verfasser den über die so zahlreichen Gebiete der Kaufmanns- und der damit eng zusammenhängenden sonstigen Wissen­schaften sich erstreckenden Stoff auf 17 Lehrstunden verteilt. Eine kurze Einführung gibt genaue An­leitung, wie dieses Buch zu benutzen ist. Die hier geleistete Arbeit wird allen Korrespondenten, die Gesichtskreis und Kenntnisse erweitern wollen, überaus wertvolle Fingerzeige geben.

Das Saargebiet jenes seltsamen Länder- konglomerates um die ehemalige Grafschaft Saar­brücken, das unter dem umfassenden Namen des Saargebiets" eigentlich der weiten Oesfentlich- keit seit dem Versailler Vertrag als Ganzes bekannt geworden ist, hat in derGeschichte des Saargebiets" von Professor Albert Ruppersbura (in 2. Aufl. mit sehr vielen inter­essanten Abbildungen und gutem Kartenmaterial im Verlag der Saarbrücker Druckerei u. Verlag A. G.) eine sehr eingehende und gründliche histo­rische Darstellung erfahren. Das Land an der Saar, der stets begehrenswerte Zipfel zwischen Pfalz, Luxemburg und Lothringen, das Land des Weins und der Kohle, hat eine außerordentlich wechselceiche Geschichte durchmachen müssen, bis es schließlich, ein Raub der Sieger des Welt­krieges, unter das Mandat des Völkerbundes kam, unter dessen Aegide Frankreich nut allen Mitteln, die ihm die zahlreichen Hintertüren und Auslegungsmöglichkeiten des Versailler Vertrages gegeben haben, seine eigene Herrschaft vorbereitet. Gerade in diesen Tagen haben die lauten, und berechtigten Klagen der bedrückten Saarländer wieder einmal bei ihrem Souverän in Genf taube Ohren gefunden. Lind das wird so, weiter­gehen, bis das tapfere Volk für die Abstimmung mürbe gemacht ist, denn auch dieser Länderraub wird unter der heuchlerischen Maske des Selbst-

destimmungSrecytS organtflert. Welch kerndeutsches Land das Saargebiet ist und von Anbeginn an war, das lehrt dies Buch Ruppersburg in ein­dringlichster Sprache. Die vielverschlungenen Pfade der Geschichte Saarbrückens werden mit großer Liebe und Treue aufgezeigt, gut erläutert durch viele Abbildungen und Stammtafeln. Das Buch kann für die Heimatgeschichte als Vorbild dienen. Interessant ist auch die Darstellung der letzten Jahre blühender Entfaltung des Saargaus unter preußischer Herrschaft, vornehmlich der Ge­meinden St. Johann, Saarbrücken, Malstatt, Bürbach, zu der Großstadt Saarbrücken. Auch der kulturellen Entwicklung ist große Beachtung ge­schenkt.

Goethes Briefe an Frau von Stein, vielleicht für die große Schasfensperiods des Meisters die aufschlußreichste der vielen Dob r- mentensammlungen neben dem Briefwechsel mft Schiller, liegt in einer neuen Ausgabe des Volks ver'bands der Bücherfreunde (im Wegweiser-Verlag, G. m. b. H., Berlin W50) vor. Müller-Freienfels hat ihr eine Psycho­logisch tiefgreifende, seinempfundene Einleitung vorangestellt, aus der hier nur feine Charakteri­sierung der Briefe selbst wiedergegeben fei. Aufs Ganze hin angef chaut, ist's ein Roman von einer Tragik, die um so erschütternder wirkt, als aus ihrer Verhaltenheit nur selten die offene Leidensckmft hervorbricht: und darüber hinaus ist's die Selbst Offenbarung einer ringenden, kämpfenden Menschenscele, nicht zurechtgerückt für die Oeffent- lichkeit, bestimmt für eine einzige Frau, deren Bild jedoch nur in zarten Llrnrissen hinter diesen erschimmeit." Der guten Tradition des Verlages gemäß ist auch diese Veröffentlichung aif das sorgfältigste ausgestattet. Besonders dankenswert sind die zahlreichen Bildbeilagen nach Silhouetten und Goetheschen Zeichnungen.

Ein ausgezeichneter Grundriß der Kunstgeschichte, besonders wertvoll wegen seiner Handlichkeit, der Dielen Abbildungen und den guten Orientierungsmöglichdeiten ist der von Professor Albert Kuhns, im Verlag Benziger & Co. A. ©., Einsiedeln. Dem Mittelalter ist allerdings bei weitem die liebevollste Behand­lung zuteil geworden. Der Stil ist nicht immer gut. die Auswahl der Bilder oft anfechtbar

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Fahrplanbeschwerden gegen die Bntzbach-Licher Cifenbahn.

Wir werden um die Aufnahme der folgenden Erwiderung auf das Ein gesandt vom Freitag gebeten.

D. Red.

Vor allen Dingen bin ich der Schriftleitung desGießener Anzeiger" dankbar für die wohl­wollende SchluhbemeZung zu den Ausführungen des Eingesandts in Nr. 239. Ich nehme sie als emen Beweis, daß eine objektive Würdigung meiner Tätigkeit doch zu einem andern Schlüsse kommen muß, als die in Verstimmung and Er­bitterung geschriebenen Zeilen des Einsenders, wenn ich auch dessen Erregung über die Dahn- zustände verstehe und sogar besonders nach anderer Richtung hin teile. Ich habe jahre­lang den Kampf gegen die großen Mißstände unseres Bahnbetriebs geführt, fand auch erst vielseittge Llnterstützung, bis man nur zuletzt die Aufgabe allein überließ.

Die Hauptbeschwerde des Einsenders geht dahin daß am Sonntag auf der Strecke Lich Grünberg keine Züge laufen, und er verlangt gleich zwei Sonntagszugpaare in sehr ultima» tiver Weise. Er beruft sich da auf- den (Sonntags­verkehr auf der Strecke LichButzbach bzw. Bad- Nauheim. Er scheint mir nur zu übersehen, daß gerade auf dieser Strecke zwei Orte liegen, die den Sonntagsverkehr anziehen und das ist die Hauptsache rentabel machen. Das sind Bad-Nauheim und Münzenberg. Etwas Aehnliches haben wir leider hier oben nicht. Linser Verkehr am Sonntag würde der Beförde­rung von Personen dienen, die gelegentlich einen S on n tagsbesuch machen. Es ist ja bedauerlich und ich habe das selbst -schon sehr empfunden daß unser Sonntagsbefach stets einen besonders unleidlichen Weg zur näch­sten Bahnst alion hat. Aber ich bin doch der lieber» zeugung, daß es nicht za verantworten wäre, deshalb Der Dahnleitung, die doch auch sparen muß, die Einlegung von gleich 2 Zagpaaren an­zusinnen. Der Einsender soll sich doch nur einmal die Rechnung aufmachen lassen, was ein Zag- fllometer kostet. Dann kann er sich ausrechnen, wie teuer eine einzige Zugfahrt aas der 19 -Kilo­meter bangen Strecke LichGrünberg kommt. Da. er 2 Zugpaare verlangt, muß die Samme vier­fach genommen werden. Was an Fahrgelderlös einginge, wäre nur ein verschwindender Bruchteil dieser Summe. Denn schon vor dem Kriege war unser Sonntagsverkehr ganz unbedsatend. Wenn der Einsender das vergessen hat, so erkundige er sich nur einmal bei dem Fahrpersonal, das seit 1909 die Züge bedient. Es kann heute wirklich nicht die Aufgabe sein, unerfüllbare Forderungen zu stellen. Dadurch werden wohl die Gemeinden beunruhigt, aber ihren wirklichen Interessen ward nicht genützt. Es wäre meiner festen Ansicht nach der schlimmste Gefallen, den die Eisenbahn­leitung unseren Gemeinden tun könnte, tvenn sie die Forderungen des Einsenders erfüllte, viel­leicht ein Vierteljahr die Sonntagszüge führe und nachher durch Zahlen bewiese, welch unmögliche Forderungen man gestellt habe, und Rückschlüsse zöge, die Err un g en schasten, die doch ohne Zweifel gemacht wurden, in Frage stellten. Lins hieroben mußes darauf ankommen, daß wir einen günstigen Werkt agsverkijhr haben. Ich bin nicht der Meinung, daß der Fahrplana der Butzbach- Lichec Dahn in der Beziehung gerade ein Ideal sei. Aber .wenn ich bedenke und der «Einsender weiß das auch, daß wir fahrplanmäßig

am Vormittag vier Verbindungen ntrr eneoen liTtUC haben, daß tote abends bisher leider nur bk- Ettingshausen, hoffentlich aber bald auch baS QueiÄorn eine Rückfahrtgelegenheit habens so halte ich es für eine Entgleisung, vonarm­seligen" Werttagszügen zu reden. Armselig scheint mir etwas ganz anderes zu fein, aber das will ich hier nicht ausführen, um der Betriebs­leiterin, als deren Anwalt ach mich noch nto gefühlt habe, kein Wasser auf ihre Mühlen zu leiten. Wenn sich der Einsender einmal die -Mühe nimmt, die Züge genau zu beobachten, ward er bald erkennen, was ich meine. Aber eins darf ich doch auch hier öffentlich sagen: Ich halte es füx eine entgegenkommende Leistung der Betriebs­führung, daß sie den Arbeiterfrühzug, den wir aus keinen Fall entbehren kön - n e n, führt, obwohl er nicht stark benutzt wird. Lieberhaupt mühte unsere Einwohnerschaft die Züge z. D. die Schülerzüge viel mehr be­nutzen. Sie würde für den Kamps um einen-gün­stigen Fahrplan unsere Stellung sehr stärken. Wenn der Einsender mich einmal besuchen wollte, könnte ich ihm da reichliches Aufklärungsrnate- rial geben. Er sott nur wirken, daß die Dahn auch reichlich benutzt wird und Dahin aafklären, daß Schuhsohlen heute auch Geld kosten. Dem Ver­langen, daß der Abendzug bis Queckborn geht, stimme ich völlig zu und habe dahinbisher leider ohne /Erfolg zu wirken gesucht. Hoffentlich unterstreicht die demnächstige Generalversammlung diesen Wunsch.

Aber sehr gewundert habe ich mich, daß der Einsender den größten Mißstand unseres Eisen­bahnbetriebs scheinbar gar nicht kennt, ihn wenigstens nicht erwähnt. Ich bin schon die ganze Zeit über dahin tätig, daß unser Fahrplan nicht nur auf dem Papiere steht, sondern auch einiger­maßen eingehalten wird Die Butzbacher Dahn- Verwaltung wird das bestätigen. Zug 9, der am 7,07 vm. in Grünberg sein müßte, um den An­schluß nach Gießen zu erreichen, hat gerade in den letzten Wochen oft eine solche Verspätung gehabt, daß Reisende, die zu Terminen usw. ftihren, den Anschlußzug nicht erreichten. Bei Zug 1, der 10,50 vm. in Grünberg eintreffen mühte, kommt es bisweilen aber sehr selten vor, daß er den Anschluh an den Zug 11,19 nach Gießen bekommt. Oft hat er eine Verspätung 1/2 bis 11/4 Stunden! Der Zug von Grünberg, der 8 33 vm. in Lich sein sollte, erreicht fast nie den Anschluß an den Zug, der 8,44 von Lich nach Gelnhausen fährt. Hier liegen die Haupt- mihstände unseres Eisenibahaverkehrs. Es ist unter der Bevölkerung eine solche Llnsicherhett eingerissen, daß die Leute, die zu einer bestimmten Zeit in Gießen sein müssen, zu Fuß nach der nächsten Staatsbahnstativn war dem, weil sie eben nicht mit der Sicherheit eines Anschlusses rechnen. Dadurch vertreibt man tatsächlich das reisende Publikum von der Bahn. Es ist erfreulich, daß bie Verwaltung auf dringliche Vorhalte hin zage- sagt hat, hier Remedur eintreten zu lassen. Dann erst wird der Fahrplan für unsere Gemeinden brauchbar.

Eben lese ich noch, daß auch imGrünbevgsr Anzeiger" das Eingesandt veröffentlicht worden ist. Hier ist noch ein Zusatz zu lesen, den die Schriftleitung desGieß. Anz." anscheinend weg- gelassen hat, weil sie wohl in ganz richtiger Beurteilung eine Llnzulässigkeit in ihm sah, daß nämlich derVertrauensmann" deshalb ver­sage, weil erdie Sonntagszüge nicht nötig hat". Durch diese Bemerkung verliert das Eingesandt viel von seiner Sachlichkeit und Vornehmheit. Aber es war mir doch ein willkommener Anlaß: 1. vor unmöglichen und deshalb schädlichen Forderungen zu warnen, 2. aber mit allem Nachdruck unsere berechtigten Wünsche zu vertreten. Ich. bernuite, daß der Einsender auch einsehen wird, daß sein Vorwurf unschön ist.

Ettingshausen, 10. Oktober 1924.

Nies, Pfarrer.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Kommunistische Sprengstoffdiebe.

Nach einer Meldung desLvkalanzeigerS" aus Halle wurden zwei der Einbrecher, die auf den Groebener Tonwerken eine größere Menge von Dynamit und Spreng­stoffen gestohlen hatten, nunmehr verhaftet. Es handelt sich um die Kommunisten Tietze und Bernstein aus Merzdorf bei Liebenwerda.

Seinen Herrn ermordet.

Unter dem dringenden Verdacht, auf dem Gutshof Ferdinandsfeld bei Eberswald« den Gutsbefiher Hey mann zur Nachtzeit er­schossen und dann in der Scheune ver­brannt zu haben, wurde nunmehr der fett Jähren auf dem Gutshof beschäftigte Gutskut - scher verhaftet. In seinem Ve-itz fand nu*i einen geladenen Revolver, aus dem in letzter Zeit geschossen worden sein muß.

Geschäftliches.

Im Butter land Holland wird be­kanntlich auch viel Margarine konsumiert: man hat dort Qualitäten in den Handel gebracht, die von feinster Butter kaum zu unterscheiden sind und sich deshalb die Gunst der Bevölkerung im Sturm erobert haben. Neuerdings wird eine solche Margarine auch in Deutsch and unter der Marke Schwan im Blau band" hergestcllt, welche durch ihre vorzügliche Beschaffenheit tatsächlich über­rascht. Ein Versuch kann deshalb nur dringend empfohlen werden.

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