llr. 241 äweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vverheflen)
Montag, (3. GNover (924
Wiener Brief.
Mm unserem ständigen Berichterstatter. (AaLprruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
H. K-k. Wien, 7. OEt. 1924.
Der gemütliche österreichische Beamte Pflegt itn gewissen Intervallen ungemütlich zu werden Dann gibt er sich einen Ruck und sagt: Es muh jhxto g'schehn! ilni> es geschieht allemal ein Mal- weur. Rach vielen flagranten Misterfolgen der »Methode hätte man erwarten dürfen, dast die Herren in sich gehen. Es ist ja so wenig, was man von ihnen verlangt: man will nur wissen, woran man ist. Sie hätten sich nach freier Wahl und nach -eigenem Gutdünken entscheiden können, für die Gemütlichkeit oder für die Ungemütlichkeit, ob sie ^Eatos werden oder Dworatscheks bleiben wollen. !Rur die Mischung beider Typen, des Eatonischen unb des Dworatschelschen, hat man satt.
Gleichwohl ist alles beim alten geblieben. Die Herren haben nicht gewählt, haben sich nicht entschieden und der zitternde Bundesbürger weih auch wie vor nicht, woran er ist...
Dor bald einem halben Iahre ist die Depositenbank verkracht und seither beschnüffeln iln- tersuchungsausschüsse, Bankenkommissionen oder ähnlich benannte Brüderschaften den Kompost- Haufen, der noch da ist. Aus solchem Trümmerfeld steigen keine Wohlgerüche auf und die untersuchenden Rasen mögen von den übelsten Düften gekitzelt worden sein. Da sie sich aber die ganze Zeit hindurch nicht entschliehen konnten, laut zu niesen, durfte man annehmen, dah, nach alt- vsterreichischer Art, der Unrat durch die Kanäle der Gemütlichkeit werde abgeleitet werden. Da ereignete sich das Unerwartete, ein Hofrat spürte den bekannten Ruck und beschloh, den letzten und vorletzten Präsidenten der Bank mitsamt ihrem Wichtigsten Helfershelfer verhaften zu lassen. Run ist zwar der letzte Präsident ein armes Wa° serl, dessen Wohlstand sich mit dem der ver- kvachten Bank verflüchtigt hat, aber der vorletzte ist niemand anderes als Eamillo Castiglion i. der eine Zeitlang die Rolle eines österreichischen Sttrmes gespielt hat. Gewih hat die „Krise" auch seine Machtstellung schon gehörig reduziert, aber es sind ihm immer noch eine stattliche Reihe von Unternehmungen verblieben. Wenn der Arm der Justiz nach so fetter Deute greift, so geschieht das mit Blitz, Donner und Hagelschlag. Das muh man vorher wissen und man muh sich auch stark genug fühlen, jedem Unwetter standzuhalten.
Unsere Behörde scheint sichs aber doch nicht recht überlegt zu haben, und wenn nicht alles trügt, so möchte sie den heroisch ausgestreckten Arm der Gerechtigkeit am liebsten still und unbemerkt wieder zurückziehen. Kein Mensch weih wirklich, was dem Verfolgten eigentlich zur Last gelegt wird. Man munkelt dies und jenes und toartet vergeblich auf die bündige Erklärung: Er hat das und das angestellt.
Wir möchten stolz sein auf unsere Unter» suchungsrichter: möchten sie preisen, dah sie fortan Mannesmut auch vor den Thronen der Kapitalisten bewähren, dah sie den alten Grundsatz, nur die kleinen Diebe zu fassen und die groher, laufen zu lassen, kurz entschlossen verabschieden wollen. Mindestens ebenso wichtig aber wie Mannesmut ist die männliche Umsicht, die das Werk der Gerechtigkeit geleiten und begleiten soll. Es darf nicht gesck-ehen. dah einem solchen Eklat, der weit über die Grenzen unseres Landes widerhallt, Sage des dunklen Munkelns, des Gerüchtemachens und des Rätselratens vorangehen. Es darf nicht den Anschein haben, dah Derfügungen, die die Oeffentlichkeit so stark impressivnieren, bloh einer gleichsam nervösen Temperamentsaufwallung entflossen sirü>. Wenn die Behörden gegen eine so exponierte Persönlichkeit vorzugehen beabsichtigen, müssen sie sich gleichzeitig bequemen, eine Mitteilung des Tatbestandes zu geben, an der es nichts zu rütteln und zu deuteln gibt. Wenn die Castiglronis zur Derantwortung gezogen werden, so muh das ein reiner Triumph der Gerechtigkeit fein, den keine Blamage der Taktik verdunkelt.
Die hysterische Derfasscmg von gewissen Beamten, die einmal vom Minderwertigbritsgefühl geplagt, dann wieder vom Machtkvller ergriffen werden, die friedlich hinter ihren Akten dämmern bis zu dem Augenblick, wo ihnen die innere; Stimme das verhängnisvolle: es muh was g'schehn, zuflüstert. — diese unstete Derfassung hat es zur Folge gehabt, dah oft die besten Absichten unerwünschte Wirkungen haben: sie ist auch daran schuld, dah in das Rochtsbewuhtsein unseres Staates — und zwar nicht nur dort, wo es sich um die Angelegenheiten von Schiebern und Geldverdienern handelt — eine bedauernswerte Unsicherheit kommen konnte.
Der Fall Eastiglioni liegt ungefähr so, dah der Expräsident der verkrachten Depositenbank im
Begriffe war. sein ganzes Vermögen einschliehlich des Privatbesitzes, beä Palais in Wien, des Landhauses am Grundlsee, der Kunst- und Wert- vbjekte, gegen einen Betrag von einigen hundert Milliarden der Danca commcixiale in Mailand zu verpfänden. Rach der Darstellung aus seiner Umgebung sei damit eine Sanierung des durch die Wirtschaftskrise immobilisierten Geldmannes beabsichtigt gewesen und die Transaktion, die der österieichischen Wirtschaft ausländisches Kapital zuführen wolle, müsse geradezu als patriotische Tat gelten. Andere witterten dagegen so etwas wie Kapitalflucht und glaubten eine Verschiebung zu sehen, die den Zweck hatte, das Vermögen vor den Ansprüchen, die noch aus der Depositenbankaffäre gestellt werden könnten, in Sicherheit zu bringen. Vielleicht haben beide recht: uid> dem kühnen Konquistador wäre der Plan schon zuzu- trauen, dessen Gelingen ihm Geld in die Kasse und gleichzeitig ins Portefeuille die Pfändungs- urkunde gebracht hätte, die den Geschädigten aus alter Zeit mit bedauerndem Achselzucken vorge» wiesen worden wäre. Jetzt ist toieber alles in Schwebe. Die Angestellten einiger Unternehmungen zittern um ihr Brot und die Gläubiger aus alter Zeit sind noch keineswegs überzeugt, dah sie etwas bekommen werden.
Die Moral der ganzen Geschichte ist leider sehr nüchtern und sehr trivial. Darum kann man auch über den Gesang der Moralisten, die den lieben Gott preisen, dah er die Bäume nicht in den Himmel wachsen läht, keine rechte Freude haben. Allzu deutlich klingt aus ihrer Melodie der Ton pharisäerhafter Selbstgefälligkeit durch. Die Musik ihrer Sittensprüche hätte besser und tiefer gewirkt, wenn sie zu einer Zeit angestimmt worden wäre, als der Daum, an dem ihre Rechtschaffenheit Anstoh nimmt, noch nicht entblättert, ja beinahe schon zu Falle gekommen war. Immerhin mag es als moralischer Gewinn gelten, dah die Stürme, die so verheerend in die Zweige des Baumes gefahren sind, auch allerlei romantische Legenden endgültig zerstört haben; Legenden, die nicht bloh die Erscheinung Castiglionis mit dichterischer Phantasie verklärten. In der Inflationszeit und im folgenden Iahr der Kvnjunktur- gewinne wuchsen die Finanztalente wie die Pilze aus dem Boden. Und jeder aus dem nördlichen oder südlichen Osten zugewanderte Faiseur, der alles riskierte, weil er nichts zu riskieren hatte, wurde über Rächt ein grober Herr und wenn ihm zwei, drei Börsencoups gelungen waren, ernannte man ihn taxfrei zum Finanzgenie. Der Rimbus dieser Genies erhielt den ersten gewaltigen Schock, als men die groben und kleinen Herrschaften ausnahmslos in der Falle der Frantemonternrine, zappeln sah. Da glichen sie einer Schafherde, die einem Phantom wie einem Leithammel gefolgt war, um sich von den amerikanischen und französischen Schafzüchtern scheren zu lassen. Und dann gings rapid bergab: schneller und tiefer, als es sich die Schadenfreude der weniger elastischen Zeitgenossen jemals erträumen durfte. Immer deutlicher zeigte es sich, dah die „Genies" nur dann genial fein konnten, wenn sie sich übers Strafgesetz hinwegsetzten. Run ist über die Geldmacher und Luftzauberer aus der letzten Vergangenheit der grobe Katzenjammer gekommen und man läht fies fühlen, wie unpopulär sie geworden sind. Man läht ihnen nicht bloh ihren QKangcl an Ethik entgelten, fonber.t auch die Tatsache. dah sie die volkstümliche Legende ihrer Unfehlbarkeit zerstört haben. Aber, wie gesagt, im Triumphgesang der Reinen, Braven und Recht- schaftenen klingt ein falscher, pharisäerhafter Ton mit, der die Syarnronie der ausgleichenden Gerechtigkeit empfindlich stört und der entern den sonst so sympathischen Ausgang des wirtschaftlichen Prozesses beinahe verleiden könnte. Und irgendwo regt sich dann ein bitteres Gefühl über die Zerstörung der Legende und über die Rotwendigkeit, dah auch der kühnste und letzte Recke aus der romantischen, aber ach, so flüchtigen modernen Raubritterzeit dran glauben muhte.
Iurnen,/5port und Spiel.
Turnfest in Wieseck
£ Wieseck, 12. Oft Im Draunschen Saale hielt am Samstagabend die Freie Turnerschaft ein Werbeturnen ab. nachdem vorher ein Verciirswefturnen der Schüler und Schülerinnen ftattgefunben hafte. Wenn es richtig ist, dah mit solchen Veranstaltungen neue Kämpfer und Streiter für die Turn fache gewonnen werden, so ist dieser Abend auf diesem Wege ein Schrift vorwärts gewesen. Alle Darbietungen ftanben auf bemerkenswerter Hohe und legten Zeugnis von der rntenflDen Vereinsarbeit ab. Als Gast war die Bezirksmusterriege anwesend, die an Reck, Barren und Pferd glanzende Leistungen zeigte.
Seltsame Mttewochen.
Roman von Arnold Fredericks.
18. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Folgendes. Wir müssen den Wagen zeichnen, der Ihnen mit 'dem blauen Licht das Zeichen gibt. Er wird langsam und nah) an ^hnen vorbeifahren. Sie müssen den Wagen so zeichnen, dah wir ihn wieder erkennen."
„Und wie soll dies geschehen?
Ich werd) auf dem Boden wahres Wagens eine "kleine Vorrichtung anbringen, tie aus einen Gummrball mit Riundstück besteht ras durch die Wand des Wagens geht. Der Ball.trieb nut unauslöschlicher ivter Farbe g.ftlll: lern. Werrn Sie dann auf stehen, um den Räubern das ^act- chen Geld zuzuwerfen, treten ove mit dem <yal3 auf den Gummiball. Die zwei Wagen s.n> dann nebeneinander. Der Druck auf den Ball waw bte rote Farbe gegen Seite und Rader des Wagens spritzen. Dann ist cs leicht, ihn hwauszufri'.den.
„3a, ja. Gut. Aber was dann?
"Der Wagen fährt in der Rich ung auf P«ris ttn Ihnen vorbei. Zweifellos teolfea die Burschen in die Stadt. Ich werde an der Porte de Versailles aufpa'fen und Geheimpr>'niste an den benachbarten Toren aufftellcn. Alle 'Wagen b e in die Stadt wollen, werden angehalten. Derjenige der auf der Seite oder an den Rädern rote Farbspritzer hat, wird festgehalten und die Insassen verhaftet."
„Aber nehmen Sie an, sie hatten ihre Heller nicht verständigt, mir den Knaben zuruckzureben'.
„Dann ist das Kind gewih im Auto bei ebnen. Betrachten Sie die Sache von ihrem StanO- punft aus. Sie müssen sehr rasch y<>ndeln. Dann ergibt sich folgendes: Wenn sie durch Licht- oder
andere Zeichen Helfer, die an der Strohe stehen, benachrichtigen, so können Sie fest darauf rechnen, den Knaben bei Ihrem Haus zu haben, ehe Sie zurück sind. Sie wissen, dah Sie nach 'Ablieferung des Geldes mit höchster Geschwindigkeit eiligst heimfahren. Was wäre einfacher, als dah sie den Knaben bei sich haben, an einen im voraus bestimmten Platz führen und ihn von dort aus zu Ihrem Haus bringen lasten? Das ist, meiner Ansicht nach, der wahrscheinlichste Fall."
„Und toerm das Kind nicht bei ihnen ist?" „Dann gibt es noch zwei Möglichkeiten. Die erste wäre, ihre Helfer vor der Einfahrt nach Paris durch Lichtzeichen oder sonstwie zu benachrichtigen. In diesem Fall erhalten Sie Ihren Iungen und wir fangen die Räuber. Die einzige andere Möglichkeit wäre natürlich, dah sie ihre Helfer innerhalb der Stadt zu treffen beabsichtigen."
„Und wenn Sie sie dann vorher anhalten, so ist dies den Gaunern nicht möglich, und ich bekomme meinen Iungen nicht zurück."
„Das ist wahr, aber diesen Fall halle ich für ausgeschlossen."
„Warum, Herr Duvall?"
„Erstens wegen der Gefahr, in den belebten Straften von Paris b.mrrkt zu werden. Zweitens, weil ich durchaus nicht annehmen fam, dah der Knabe in Paris ist. Die Frau, die Ihnen die 27ach richt von den Räubern brachte, sah das Kind ziemlich weit auherhalb der Stadt. Cs ist nicht anzunehmen, dah diese Männer es wagen würden, das Kind bei Tageslicht in die S:adt zu bringen. Wenn sie den Knaben im Wagen haben, entgehen sie jeher Gefahr, entdeckt zu werden. Sie zählen einfach das Geld, fahren nach Paris hinein, wo sie sich sicher wähnen, führen das Kind an einen bestimmten Punkt,
Mit ihr wetteiferten die Schüler- undSchülern mren- Abteilungen, die Aftiven und eine Abteilung Iugendftcrner, die das von den Tschechen übernommene Hammerschwingen verführten. Den Be- schirrst des reichen turnerischen Programms bildete die besonders von den Kleinsten mit Spannung erwartete Preisver.eilung vorn Schülerwetturnen, von dem wir folgende Resultate nennen:
1. Schü lerinnen: 1. Klara Bremer, 236 Punkte. 2. Hilde Bremer, 232 P., 3 Anna Schäfer, 223 P., 4. Erna Seibert, 213 P.. 5. Ottilie Becker 212 P., 6. Anna Benner, 205 P_, 7. Anna Wagenbach 203 P, 8. Anna Seibert und M. Schnabel 202 P., 9. Lina Böh, 200 P., 10. Lina Haas und Miima Seibert, 194 P., 11. Anna Dogelhöfcr, 188 P.
2. Schüler, Oberstufe: 1. Otto Balser, 247 P., 2. Karl Doigr. 246 P„ 3. W. Weller. 243 Punkte, 4 Hugo Kreiling, 240 P., 5. Ernst Schöffin ann, 239 P , 6. Rud Andermann, 238 P.. 7. Hch Schnabel, 236 P., 8. Richard Dörr, 231 P., 9. Karl Hofmann. 229 P., 10. Wilhelm Pausch. 222 P
3. Schüler, Unterstufe: 1. Rudolf Wacker, 247 P. 2. Adolf Schmitt, 246 P., 3. Wil- Helm Voglh f r, 241 P., 4. Otto Simon. 235 P., 5. Willi Seibert, 234 P., 6. Ernst Bellos ?32 P., 7. Karl Balser, 222 P., 8. Emil Lr.ud n. 221 P, 9. Willi Sinowski, 220 P, 10 Karl Benner. 218
Im ganzen beteiligten sich gee.e i 60 Sch der und Schülerinnen an dem Wet.iiampf. Anschl.e- hend an die mit viel Freude bei den Klei'en aufgenommene Preisverteilung w ndr unte diese eine Kiste Magenbrot verteilt, die ein Sumfreunb für diesen Zweck gestiftet hafte. Ein „gemüili-cr Teil" hielt die „Alten" noch einige Zeit zusammen — hoffentlich hat die 'Werbeveranstaltung ihren Zweck erreicht und neue Anhänger für der Turnsport gewonnen — Am gestrigen Sonntag fand bei äuherst zahlreichen Zurichtern ein Gesellschaftsspiel der 1. Mannschaft der Freien Turner schäft Wieseck gegen die Turn- und Sportgemeinde Wetzlar haft. Das prächtige Sonntagswetter gestaltete den Aufenthalt auf dem herrlichen Platz bei dem gebotenen guten Sport zu einem G«muh Wchiar bedrängte zunächst das Wiesecker Tor, der vorzüglich arbri* lende Tormann aber war in Verbindung mit der Verteidigung jeder (Situation gewao. sen Ach Verlauf einer Viertelstunde stand das Spiel fast ausnahmslos im Zeichen Wiriecks, das mit zwei Mann Ersatz spielen muhte. 'Wetzlar muhte sich, abgesehen von einigen gut gelungenen uni) dann mit Schneid borg. trag nen Durchbrüchen, auf die Abwehrarbeit beschränken, die die. Hintermannschaft auch vorzüglich leistete Bei einem solchen Durchbruch gelang cs auch Wetzlar, in Führung zu gehen, d.m Wieseck bald darauf den Ausgleich entgegensetzte Bei Halbzeit stand das Spiel 0.0. Das Endergebnis 1: 1 hätte eigentlich für Wie eck günstiger sein müssen, wenn der Sturm mehr Glück im Schiehen gehabt hätte Das Eckender- hältnis betrug 7:2 für Wies ck, ein Beweis seines überlegenen Spills — Zu begrüßen ist Die überaus zahlreiche Teilnahme der Wiesecker Bevölkerung b. i allen derartigen sportlichen Veranstaltungen, die einen Aufenthalt in freier Ratur einem öden Wirtshaus leben vorzieht.
Reue Bahnrekorde im Radsport.
Beim gestrigen Radrennen auf der Olympia- Dahn in Berlin wurde im 20-Kilometer-Ren- nen der Franzose Erassin erster,' im 30-Kilo- meter-Rennen siegte Sawall in 24 Minuten 1,1 Sek. und im 50-Kilvmeter-Rennen Saldow in 40 Min. 29,1 Sek. Die beiden letztgenannten Zeiten stellen neue Da hnrekorde dar.
Gerichtssaal.
Amtsüberschrettung eines Gießener Polizeiwachtmeisters.
Darmstadt, 12. Oft. (Eigener Bericht.) Der Verwaltungsgerichtshof hotte am Samstag eine Vorentscheidung m einer Klagesache gegen den Pol izeiwachftneister Georg Schneider!, in (Ziehen wegen Körper- verletzung zu fällen. Im Sommer dieses Iahres war der Student Beutel in Giehen, ohne dah ihm ein Grund befannt war, nach der Wache des.3. Polizeireviers gebracht worden. Dort hat nach Aussage des Studenten Polizei- Wachtmeister Schneider ihm, Beutel, zweimal mit der Faust auf die Rase geschlagen. Polizelwachtmeifter Löffler teilte in der Verhandlung als Zeuge mit, dah das aus Anlaß dieses Vorfalls eröffnete Strafverfahren gegen Polizeftvachtmeister Gg. Schneider 1. noch nicht beendet sei. Polizeiwachtmeister Rau bekundet, dah Student Beutel das Taschentuch vor die Olafe gehallen und diese geblutet habe. Der Verwaltungsgerichtshof bejahte in feinem Urteil die Frage der Amts
verteilen die Beute, und jeder geht in sein Versteck. Verbrecher dieser Art sind sich wohl klar darüber, dah sie in einer großen Stadt besser aufgehoben sind, als wenn sie in einem Kraftwagen über Land fliehen. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dah sie das Kind bei sich haben."
„Aber wenn es noch auf dem Land ist und sie warten, bis sie in Paris find, um ihren Helfern Olachricht zu geben?"
„Dann mühten diese das Kind auherhalb der Stadt erst holen, um es zu Ihnen zu bringen, was ziemlich viel Zell erfordern würde. Das farmten sie vor Ihrer Rückkehr nicht tun."
Stapleton überlegte de Sache lange stillschweigend. „Ihre Annahmen scheinen richtig, Herr Duvall, bemerkte er dann. Es liegt, wie Ihnen, so auch mir daran, die Schurken -u fangen. (Ser Gedanke, sie könnten entwischen, bringt mein Blut in Wallung. Ratürlich mag es sein, dah Ihre Folgerungen falsch sind---
„Dann haben wir wenigstens de Räuber gefangen, und es wird wohl schließlich einer derselben zur Einsicht kommen und den Aufenthalts- ort Ihres Sohnes verraten."
Stapleton erwog die Sache sehr sorgfältig. Offenbar fürchtete er irgendein Mißlingen der Ausführung, das die Rückkehr des Kindes fraglich machen würde.
„Es scheint mir. Herr Stapleton,' ergriff der Detektiv wieder das Wort, „dah Sie es der Olllge mein hell schuldig find, mich so Versucher zu lassen, die Burschen zu fangen. Es ist für die Allgemeinheit eine große Gefahr, wenn solche Schurken frei benrmlaufen. Lasten Sie mich meinen Plan ausführen! Mißlingt er, so sind Sie nicht schlimmer dran als ^etzt. Der Versuch kann ja keineswegs Ihnen zugeschrieben werden."
Überschreitung. In der Okrb.mblung kam auch zur Sprache, dah Pol izciwacht meist er Schneider wegen einer Sem ctub.nte i G u t h- mann zugefügien OÄi st Handlung chon einmal vor dem Verwaltungsgerichtsb.n g standen bat. Damals bat das Gericht die Frage einer Amtsüberschreitung ebenfalls bejaht.
Verurteilung eines Heiratsschwindlers.
Darmstadt. 12 Oft. (Eigener Bericht.) Das B e z i r ksschös f e n g e r i ch t verurteilte einen Heiratsschwindler, den 22iäh.igcn Landwirt Friedrich Ziegler aus Hochstadt, trogen Betrugs zu 1 Iahre 6 Monaten Gefängnis Er und sein Vater wohnten in den letzten Iahren in Eich in Rheinhessen, dann kamen sie nach Gernsheim, wo fic sich als Flüchtlinge audgaben und der alte Zieglo sich als Oberstleutnant aussptelle. Der junge Ziegler fand Aufnahme in einer Familie und trat in Be
ziehungen zu der Tochter Er hatte sich dort wochenlang unterhalten lassen, bis man ihn erkannte. Er kam dann nach Darmstadt, wo er sich
als Student der Medizin ouSgab. Der 23ia'.nagen Tochter einer Bürgersantil e in Danns'.. dl xir einmal von einer Kartenschläqerin ge. ■ issagt worden, sie werde einen Arft heiraten. Als sie Ziegler kennenlernte, glaubte sie, dieser fei der Zukünftige. Er behandelte dann a:s A r z t deren Mutter mehrere Wochen b:s diese starb. Der Hausarzt hatte zwar den Schwindler crtaimt, konnte aber mit seiner Warnung nichts erreichen. Ziegler erschwindelte sich u. a. 1000 Clin., aufterdem hat er noch beträchtliche Summen beim Ankauf von Madizin und Wein unterschlagen. Dem Vater dos Fräuleins kam erst Verdacht, als er wahrnahm, dah das Geld in seiner K vsette sich auffällig verminderte: da Ziegler in seinem Hause wohnte, konnte niemand anders als Dieb in Frage kommen. Bei der Sftafzuinessting wurde dem Schwindler nichts von der ä-lnterfuchungshast
angerechnet.
Wirtschaft.
Kartellgcricht und Konventionen.
Man teilt uns folgende interessante Entscheidung mit, die namentlich die Anfmerllamkeit der Geschäftswelt finden dürfte:
Kartellgerichtssache K. 74. 23.
i. S. der Vereinigung der Damenhut- fabrifanten E. V. Berlin \V 35, Lützow- strahe 107, vertreten durch den Vorsitzenden Dr. V o h b e r g - Retow gegen die Lauterbacher Damenhutfabril Konrad Feick in Laute rbuch (Hessens hat das Kartellgericht am 1. September 1924 wie fotgt entschieden:
Die Kündigung genannter Firma wi cd als zu Recht erkannt. Die Vereinigu.ig der Damenhutfabrikanten E. V., Berlin, Dr. Voh- berg-Rekow, hat eine in die Reichskasse fliehende Gebühr von 1000 Goldmark zu Zahlen und die den Beteiligten erwachsenen Kosten des Verfahrens zu tragen.
Begründu ng: Es haben sich feit dem Ende des vorigen Iahres die Verhältniffe der deutschen Wirtschaft entscheidend geändert: die Zahlungsmittel sind knapp geworden, der Staat und die Allgemeinheit sind wesentlich an einet Senkung aller Preise interessiert, und ein Verband handelt grob fehlerhaft und diesen Interessen zuwider, wenn er zugunsten eines anderen Verbandes seine Mitglieder an dem Versuch hin- dern Witt, ihre Produktion zu verbilligen. Die Lauterbacher Damenhutfabrik Konrad Feick, lrauterbach ist daher im Recht, wenn sic erklärt, einen solchen Druck in dieser Zeit nicht länger ertragen zu wollen und ertragen zu können Dazu kommt nun aber — und diesen Limit an) hat das Gericht für durchschlagend erachte! dah die Vereinigung dazu übergegangen ist, ihre Mitglieder in der Veranlagung zu den Mit- glieberbeiträgen ganz unterschiedlich zu behandeln, je nachdem ein Mitglied gleichzeitig auch Mitglied eines anderen Verbandes -- des Arbeitgeberverbandes — ist oder nicht. Das ist eine so unbillige und überdies rechtswidrige Mahnahme, dah es der Lauterbacher Damenhutfabrik Konrad Feick-Lauterbach schlechterdings nicht zugemutet werden kann, der Vereinigung weiterhin anzugehören. Es ist ganz allgemein fein Grund dafür einzusehen, dah dem Mitglied eirres wirtschaftlichen Interessen Verbandes besondere Lasten auferlegt werden sollen, weil es einem zweiten Verbände, dessen Aufgaben auf anderem, nämlich auf sozialpolitischem Gebiet liegen, nicht angehören will. Glaubhaft versichert die Lauterbacher Damenhutfabrik, dah sie bei der Art ihrer Ar- beiterverhällnisse gar kein Interesse an der Tä-
„Gut," sagte der Bankier erregt „Cs ist ein Glücksspiel, Weller nichts. Da es nicht als 6in- griff meinerfeitS erscheint, so willige ich ein.“
„Gut. Ich werde die Dorrichiung, von der ich sprach, morgen an Ihrem Wagen anbringen. Ich nehme an, dah Francis Sie führt?"
„3a.“
„Vertrauen Sie ihm?" fragte Duvall.
„Ich habe feinen Grund, es nicht zu tdn. Unb zudem wird er nichts von der Sache erfahren. Er wird mich nur an das Ziel zu führen haben, das ich ihm an geb?.“
Du voll überlegte ein wenig „Ratürlich tagen Sie ihm nichts vor dem letzten Augenblick - vor Ihrer Abfahrt!"
„Rein, das wird wohl das beste sein"
„Zweifellos. Lind um j gliche Einmischung zu verhindern, ist es besser, wenn ich die Vorrichtung erst morgen spät gegen Abend, gerade vor Ihrer Abfahrt, anbringe. Soll e Ihr Chauffeur Mitwisser der Entführung sein, f? hätte er dann keine Möglichkeit mehe zu einer Warnung."
„Schön! Iedoch hcfsc ich, dah Ihre Vorsicht unnötig ist. Es liegt nichts vor, was Francois als Helfer verdächtigen konnte"
„Zugegeben — es ist aber besser, wir sind vorsichtig Sie fahren also morgen abend ad>t Ähr hier weg?"
„Ia. Schlag acht."
„Vermutlich nehmen Sie jemarrd mit — einen Polizisten vielleicht?"
„Die Vorschriften verbieten es ausdrücklich, antwortete der Bankier.
„Ach ja! Diese Schurken sind schlau. Du« vall erhob sich. „Mo auf morgen abend! Gute Rächt!"
„Gute Rächt!"
(Fortsetzung folgt.)


