/et In einem geordneten Staate könnte es aber nur eine bewaffnete Macht geben. Diese mühte in der Hand des Staates fein. Stützet schloh: Wir sind Föderalisten, aber keine Parti k u l a r i st e n und noch weniger Separatisten. Wir wollen ein Grobdeutschland, dem aber auch unsere österreichischen Brüder angehören. Wir wollen dem Reich geben was des Reiches ist, wir wollen aber den gleichen Grundsatz auch auf uns amgewendet wissen.
Sozialminister Oswald wandte sich scharf gegen die kulturkämpferischen Bestrebungen. Für uns, sagte der Minister, gibt es keinen Fall Hitler, sondern nur die Frage, ob der Grundsatz: „Dor dem Recht ist jeder gteich", immer beachtet wird. Man hat nicht immer den Eindruck gehabt, dah bei dem Verfahren gegen die Hochverräter vom November 1923 dieser Grundsatz genau beachtet wurde.
Dr. Wirth gegen Rechtsschwenkung und Bürgerblock.
Offenburg , 13.Ott. (Tel.-Un.) Reichskanzler a.D. Dr. Wirth führte am Sonntag auf dem Parteitag e des badischen Zentrums u.a. aus: Die Erkenntnis von der einzig möglichen Politik der Mäßigung beginne sich überall durchzusetzen und dürfe nicht durch eine neue Rechtsschwenkung in Gefahr gebracht werden. Der Gedanke eines Bürgerblockes sei der unglücklichste, den man hätte erfinden können. Die große Aufgabe der Partei sei die, zu versuchen, die Brücke zwischen Besitz und Arbeit zu schlagen. Der Staatspräsident Köhler legte Verwahrung dagegen ein, daß der „Republikanische Tag" in Mannheim ein „R o t e r T a g“ genannt worden sei.
Eine kulturpolitische Rede Stresemanns.
Die Aufgabe
des deutschen Liberalismus.
Berlin, 12. Oft. (Sei.»Union.) Auf der Kulturtagung der Deutschen Volks- Partei ergriff Samstag mittag Reichsauhen- minifter Dr. Stresemann das Wort zu längeren Ausführungen. Er erinnerte eingangs daran, daß ein Mann, der sicherlich hochbedeutend als Persönlichkeit war, nämlich der verstorbene Dr. Walter R a t h e n a u , einmal den Ausspruch getan habe, die Wirtschaft allein sei unser Schicksal. „Ich habe damals," so erklärte der Außenminister, „als dieses Wort erschien, mich mit aller Energie gegen diese Formulierung gewandt. Ich halte es falsch, auf außenpolitischem Gebiete, und ich halte es auch falsch auf innerpolitischem Gebiete. Die Wirtschaft ist noch niemals das Schicksal eines Volkes gewesen.
Das Schicksal eines Dolles war immer bestimmt durch die Politik im weitesten Sinne des Wortes. Es war bestimmt durch die Einstellung des Volkes zu den großen Ideen und,. Idealen, und von diesem seelischen Aufbau eines Dolles hängt es ab, dah es den Weg zum Wiederaufstieg findet oder nicht.
Daß es dabei dafür sorgen muh, die Grundlage materieller Entwicklung sicherzustellen, ist selbstverständlich. Man darf wohl das eine sagen: Die Wirtschaft allein ist nicht unser Schicksal. Aber faugi jemals waren die großen weltpolitischen Fragen so durchsetzt mit Fragen der Weltwirtschaft wie geenwärtig. Wenn ich an die Ereignisse erinnere, die seit August vori- gerf-Iahres vor sich gingen und die bei den Wahlen zu einer schweren Niederlage unserer Partei geführt haben, so war die Politik, die wir betrieben, eine Politik auf weite Sicht, und ich bin der Ueberzeugung, dah wir besser daran täten, einen Teil unseres Einflusses quantitativer Art aufzugeben, um diese Politik auf weite Sicht zu treiben, anstatt die Kurzsichtigkeit des Tageserfolges zu treiben, die andere Parteien trieben. Solange jemand Führer einer Partei ist, solange hat er zu führen und nicht den anderen nachzulaufen! Ich bedauere, daß die Fragen der Sozialpolitik angesehen werden als Fragen, die auf der einen Seite die Arbeitgeber und auf der anderen Seite die Arbeitnehmer angehen. Die Frage, welche Anforderungen an den einzelnen gestellt werden können, dürfen oder müssen, ist nicht eine Frage der Interessenten, sondern des Staatswohles und der sittlichen Einstellung des einzelnen zu dem Problem.
Was den kulturellen Niederbruch so unerträglich macht in der Geschichte, ist nicht die Niederlage auf dem Schlachtfelde. Das, worüber ich nicht hinwegkomme, ist der sittliche Niederbruch des Volkes nach der Niederlage gewesen. Man kann aber eine Niederlage zum Siege machen, wenn man den Stolz aufbringt, sie so zu tragen, wie man sie tragen muß.
Statt dessen sahen wir einen moralischen Niederbruch in jener Zeit, in der das Volk hätte trauern müssen, was uns vielleicht weit mehr geschadet hat als die Niederlage. Diese Entwicklung der letzten Jahre hat in dem Mähe die Grundlagen des sittlichen Empfindens des einzelnen belastet, daß man sich nicht darüber wundern kann, dah vieles ins Schwanken gekommen ist. Ich meine damit den Zusammenbruch derjenigen Existenzen, die dem Staate das Beste gegeben hatten.
Ich habe die Empfindung, dah, nachdem die ersten Jahre dieser Verwilderung vorübergegangen sind, wir jetzt zu einer ganz anderen Stellung im Volke kommen. Wir haben oft nach den Siegen Zeiten der Verflachung gehabt, bie einen schwer erschrecken formen, und dann haben wir in tiesster Not gesehen, wie der lauterste Brunnen deutscher Volksgesundung in einer Weise rauschte, wie sonst niemals vorher. Wir wären über die Kinderkrankheiten des P a r- lamen t ar ismus längst hinweg, wenn man nicht das Volk zurückgehalten hätte von der wirklichen Teilnahme an dem Staatsgeschäft. Wir leiben noch heute unter den Erlernungen der damaligen Zeit. Nie waren die sittlichen Kräfte unseres Volkes stärker als nach dem Frieden von Tilsit. Ich finde es viel richtiger, wir merkten in unseren Schulbüchern noch etwas davon, wie schwer es gewesen war, das Deutsche Reich zu begründen. Man sollte auch die Schüler von den schweren Kämpfen Bismarcks um die deutsche Einheit unterrichten.
Die Vermählung zwischen deutschem Liberalismus »nd Dismarckscher Realpolittk hat das Deutsche Reich geschaffen.
Wenn ich die durchschnittliche kulturell" Cbib bvug des heutigen Deutschlands mit dem früheren
3tulruricben vergleiche, dann habe ich die Empftm- dung von dem Niedergangunserer Kultur, und dah man sich darüber hinwegtäuscht, daß sie im Niedergang begir.ffen ist. Ich glaube, dah wir eine große Aufgabe haben nach zwei Richtungen. Die eine ist die, dah man vielleicht das große Problem der Zeit nur als malert e l l ansicht und das andere gering ach.et, die zweite ist aber das Thema, das Minister Dr. Dölitz soeben erörterte: D i e Jugenderziehung der Gegenwart. Ich glaube mich mit ihm ganz in Xlebercinftinrmung, trenn er gesprochen hat vom verständigen Wandern und verständigen Sport. Ich habe ja noch zu der Generation gchi-rt, die an vier Na tmittagen in der Woche Unterricht hatte. Aber ich wa ne davor, so weit zu gehen, dah das Geistige leidet. Ich wünsche Sport und Dil.ung. Ich wünsche den Menschen, Ler waalert, der ru ert, der aber, trenn er abends zurückkommt, in stiller Studierstube sich mit den großen Ge stern der (Segen toari und der Vergange heil in Ve bindung seht. Der Liberalismus al3 kirchliche Bewegung hat weder rechts noch links zu stehen Er hat für Duldung und freie Forschung cin- zutreten. Wenn wir nicht das Volk t/leiben, das strebend s i ch bemüht, rann wer e wir auch nicht das Volk des sisilich-en Fortschrittes ble ben. Ich mochte, daß die Jugend in die Welt dieser Ideale und dieser Kämpfe einmal eingeführt wird.
Die ühcer der Jugend haben die Pflicht und Schuldigkeit, nicht das Zeichen zu geben für eine Illusionspolitik auf nationalem Gebiete, die dem Vaterland schadet, und wir dürfen in einer Zeit der Machtlosigkeit, in der wir allmählich erst auf dem Boden der Kompromisse versuchen müssen, uns in eine gewisse Machtstellung als Großmacht wieder hineinzuringen, nicht gestört werden durch Bewegungen, die in der Treibhauöhihe ihres Gemütes immer erst den zweiten Schritt tun, ehe der erste getan ist,
wie Friedrich der Große einmal von Joseph ll. gesagt hat. General Ludendorff, von bzm ich so auherordxentllch bedauere, dah er jetzt der Reichs.agLabgeordnete Ludendorff ist, hat gesagt, b:e Deutsche Volkspartei sei die Partei ohne Id ale. Wenn b s ülnerre'ch are, wenn Luft- b über Idcattol.tik sein sollen, dann habm Sie allerdings viele Idealpolitiker in Deutschland, nur daß dabei das Deutsche Reich in Scherben gehen toüibe. (Lebhafte Zustimmung). Die Zeil ist jetzt so, dah lediglich mit kühlem Verstand Pol tik getrieben werden muh. Wenn wir dann den Grund geschaffen haben füc ein besseres Deutschland, so wird de,er Dank dafür vielleicht wen ger lärmend sein, aber er wird mehr übereinst immen mit den Tatsachen.
Die Jubiläumstagung der christlichen Gewerkschaften.
Eine Nede Stcgerwalds.
Köln, 12. Oft. (WTD.) Die 25jährige Iu- biläurnstagung der christlichen Gewerkschaften Deutschlands wurde heute vormittag durch eine Kundgebung in der großen Halle auf dem Messegelände eröffnet. Nach einer Reihe Eröffnungsund Begrüßungsansprachen H elt der erste Vorsitzende des Gesamtverband^ der christlichen Gewerkschatten Deutschlands, der ehemalige preußi- sche Ministerpräs bent Stegerwald die Festrede, in der er aus führte, daß die christlichen Gewerkschaften in ihrer Grundanschauung den vom kapitalistischen Geist einerseits und den von der sozialistischtM Idee andererseits beherrschten Volksgruppen gegenüberstünden. .Unter kapitalistischem Geist sei nicht die Wirtschaftsform, sondern der verderbliche Geist, der sich die- ser Form bemächtigt habe, zu verstehen. Der Kampf gegen ihn bedeute nicht eine Vernachlässigung der Technik und der Arbeitsintensität. Unter dem Kampf gegen die sozialistische Idee sei nicht die Bekämpfung der sozialdemokratischen Arbeitskollegen zu verstehen. Für die Sozialdemokratie sei der Ausgangspunkt für das Ge- sellschafts- und Wirtschaftsleben die Klasse, für die gelben Gewerkschaften das Werk, für die christlichen Gewerkschaften dagegen der Beruf. Letztere lehnten infolgedessen den sozialistischen Klassenbegrsif überhaupt ab und setzten an dessen Stelle den Berufs - und Standesbegriff. Nachdem in den vergangenen 20 Jahren die christlichen Gewerkschaften in der Defensive kämpfen mußten, sei jetzt die Stunde zur Offensive gekommen.
Nach der Annahme der Londoner Abmachungen stehe nicht nur die christliche Gewerkschaftsbewegung, sondern auch das deutsche Unternehmertum vor einer großen Stunde. Letzteres habe jetzt durch die Tat zu beweisen, ob ihm die Arbeitsgemeinschaft von 1918 bei dem Ausbruch der Revolution das Mittel für eine neue Epoche in der Gestaltung des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit sei. Von den christlichen Gewerkschaften müsse der Arbeitsgemeinschaft s g e b a n f e trotz aller Rückschläge vorwärts getrieben werden. Der Redner betonte, daß die christliche Gewerkschaftsbewegung die wahre Demokratie wolle und dies heiße: Besorgtsein aller um Volk und Staat. Sie sei berufen, Drücken auf den verschiedensten Gebieten zu schlagen.
Im treUeren Verlauf der Tagung betonte Reichsarbeitsminister Dr. Drauns die besondere Dedeutung des Tages und übermittelte das Dedauern des Reichskanzlers, dem Iubiläumsfest nicht beiwohnen zu können. Er hob hervor, daß durch ihre idealen Ziele den chrich- lichen Gewerkschaften ein hoher kultureller Wert zukäme. Die Arbeit sei noch nicht getan, es solle aber alles geschehen, um das Los des Arbeiters weiter zu erleichtern. Die Reichsregierung sei entschlossen, die gegenwärtigen Lasten gerecht zu verteilen und sei überzeugt, in den christlichen Gewerkschaften eine wertvolle Stütze für denWiederaufbau der deutschen Wirtschaft zu finden.
Hinausschiebung der Schutzzollvorlage.
(Eigener Informationsdienst.)
Derlin, 13. Oft. (Drahtmeldung.) Wie wir Horen, beabsichtigt die Reichsregierung, die Schutzzollvorlage vorläufig noch nicht zur Verabschiedung zu bringen. Da infolge des un- g.ünstigen Crnteausfalles die Notwendigkeit einer erheblichen Lebensmitteleinfuhr besteht, wünscht die Reichsregierung, die Schuhzollvorlage so lange zurückzustellen, bis ftch die Ernährungsverhältnisse im kommenden I Jahr genügend übersehen lassen.
Die Räumung Dortmunds.
Der Abzug der Franzose» auf den 20. Oktober festgesetzt.
Dortmund, 12. Oft. (Tel.-Anion.) Die Städtische Nachrichtenstelle gibt bekannt, daß laut Mitteilung des Generals Marty an den Oberbürgermeister von Dortmund vom 11. ds. Mts. die Räumung der Stadt Dortmund durch die Besahungstruppen im Laufe des 20. Oktober erfolgen wird.
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Der Abzug der Franzosen aus Dortmund bedeutet unzwe folhaft die Räumung der gesamten Zone Dortmund-Hörde, die seinerzeit nach Abschluß der Londoner Verha^- lungen der Reichsregierung durch Herrn Herriot in Aussicht gestellt worden ist. Wir begrüßen diese Maßnahme um so mehr, als sich in den letzten Tagen angesichts der Hinauszögerung der Anleihe-Verhandlungen eine ziemlich starke Nervosität der Bevölkerung dieser Zone bemächtigte, da sie glaubte, die in Aussicht gestellte @efte Herriots werde nicht zur T a t werden. Die Räumung Dortmunds wird aber auch im gesamten Ruhrgebiet einen sehr günstigen Eindruck hinterlassen, da noch immer die Möglichkeit besteht, das Industtiegebiet Mitte Januar 1925 gleichzeitig mit der Kölner Zone von der Fremdherrschaft befreit zu sehen. Es wäre jedoch verfehlt, allzu große Hoffnungen auf eine solche Möglichkeit zu setzen, da man nicht weiß, welche Wendung die Diiage in Frankreich bis zu diesem Termin genommen haben und ob die neue französische Regierung über diese Angelegenheit nicht anderer Ansicht ist. Die traurigen Ersah rangen, die wir in den letzten fünf Jahren gemacht haben, können auch durch die Räumung Dortmunds nicht hin- woggewischt werden, das Mißtrauen auf deutscher Seite wird solange bestehen bleiben, bis Frankreich und Belgien ihrerseits die etngegangenen Verpflichtungen restlos erfüllt haben.
Wechsel im Oberkommando der französischen ,,Rheinarmee".
Paris, 12. Oft. (WTB.) Der Ministerrat hat beschlossen, General Guillaumet, der während des Krieges die Orientarmee vor Saloniki kommandiert hat und sich augenblicklich in 211 b e n aufhält, zum Oberbefehlshaber der Rheinarmee an Stelle von General D e g o u t t e, der auf seinen Wunsch eine andere Verwendung finden wird, zu ernennen.
Die Pariser Handels- vertragsverhandlungen.
Berichterstattung der deutschen Handelsdelegation in Berlin.
Berlin, 13. Oft. (Dr'h'Meldung.) Die dou^chen Bcvollmäch igten, Lie ege w rtig in Paris über den d ut ch französische i Hand lsv:r- trag unterhandeln, w.rdea im Laufe d s he ttzen Tages nach Berlin kommen, um d r Reichsregierung über die bisher erziel en Resultate Bericht zu erstatten. Es sind bereits gewiße Erfolge zu verzeichnen. Man hat sich vorläuf g aut ein Kompromiß geeinigt, de s n Einzelheiten noch nicht b:Earmtgeg ben worden sind. Es steht mir fest, daß Deutschland Weier die unumschräntte Meistbegünstigung gewährt, wie diese von Frankreich ursprünglich re - langt wurde, noch aber auf der anderen Ssi'e Frankreich das von ihm verlangt: Zug stän n s macht, daß gewisse franz o sis che Ind u- st r i e n , besonders die elsaß-lothringischen, ihr: Waren zolls rei nach Deutschland einführen dürfen. Man glaub' in politischen Kreisen zu toi fen, daß die eo K mpr miß die Billigung der Re.chsregierung finden w rd und daß nach der Rückkehr der deutschen Bevollmächtigten nach Paris die weiteren Verhandlungen bald zu einem Abschluß führen werden.
Die türkisch-englische Krise.
London, 13. Oft. (T. U.) Die Antwortnote der Türkei auf die beiden letzten Noten Englands ist, wie von amtlicher Seite gemeldet wird, Samstag an den englischen Geschäftsträger in Konstantinopel überreicht worden und gestern nachmittag in London eingefroren. In unterrichteten Kreisen betrachtet man die Antwort als ein Ultima» t u m und sieht die Lage s e h r e r n st an. Die in den gestrigen Morgenblättern verbreitete Nachricht von der Entsendung englischer Truppen an die türkische Front soll anscheinend nur eine Beruhigungspille sein. Der englische Oberkommandierende im Irak verhandelt mit den Türken über die Wiederherstellung des Status quo. Er hat einen Dries an das türkisch? Kommando gerichtet mit der Aufforderung, die Festsetzung des Status quo vorzunehmen. Der Rat der Vertreter der Kammern hat darüber beraten. Wegen des Ernstes der Lage hat er dem Präsidenten der Republik vorgeschlagen, die Nationalversammlung ei n zu be ru f en. Der Präsident hat diesen Vorschlag gebilligt. Der Kommissar hat die Deputierten zu einer Sitzung einberufen. Aus Mossul wird berichtet, daß alles ruhig ist. Kemql Pascha kehrte eilig nach 2tngora zurück.
Die türkische Note war die Antwort auf ein br itis ches Ultimatum, das der türkisch?n Regierung am Donnerstag überreicht und in der eine Frist bis Samstagmiltiag für die Zurückziehung der türkischen Truppen hinter Die Linie des status quo und die Einstellung weiterer Truppenzusammenziehungen gewährt worden war, widrigenfalls Großbritannien seine volle Handlungsfteileit wieder einnehmen werde. Das Kabinett in Angora, beriet über das Ultimatum in einer die ganze Donnerstagnacht dauernden Sitzung, und nachdem man sich mit dem in Erzemm weilenden Must a p h a Kemal in Verbindung gesetzt hatte, wurde die Antwort Freitagnacht übermittelt.
Der Wahlkampf in England.
London, 13. Oft. (TU.) Die Liberalen und Konservativen haben gestern ihre Wahlaufrufe veröffentlicht. Sie bieten inhaltlich nichts von wesentlicher Bedeutung. Beide Parteien sind
oaoon uoerzeugt, daß die areuwahten Im ganzen Land unpopulär wären. Sie wären durch die Ablehnung des Untersuchungsausschusses durch Macdonald und die Arbeiterregierung herbeigeführt worden. Man betont, daß die Regierung in den wichtigsten Fragen unentschieden und uneinig gewesen ist. Das Wahlmamfest der Arbeiterpartei erhebt den Vorwurf, daß die Regierung durch das Parteikomplott der Liberalen und Konservativen im Unterhaus gestürzt worden ist
Der Bürgerkrieg in China.
Paris, 13. Oft. (Tel.-Un.) United Preß meldet aus Schanghai, daß die Ehekiang- truppen sich fluchtartig zurück- ziehen. 3000 Mann wurden abgeschnitten. Amerikanische Zerstörer haben Marineabteilungen gelandet, um zu verhindern, dah die sich zurückziehenden Truppen die Fremdenniederlassungen bei Schanghai betreten. Nach drahtlosen Meldungen aus Mulden ist die Stadt Ehih-Feng in Nordchili vom Gegner eingenommen. Die Stadt zählt 500 COO Einwohner und hat eine Garnison von 60 000 Mann. Es ist nicht ersichtlich, ob es der Garnison gelungen ist, sich zurückzuziehen. Die Moral der Chilitruppen soll schwer erschüttert sein. Eine Meldung aus Osaka bestättgt die Einnahme von Schang- haikwan durch die Truppen Chang- Tso-lins. Die 2. Chiliarmee, die aus der 9. und 13. Division bestand, ist aufs Haupt geschlagen. Der Oberbefehlshaber der Chilitruppen, W u - P e i - F u, hat die 3. Division an die Schlachtfrvnt gesandt.
Aus aller Welt.
Anatole France
Paris, 13. Oft. (T.-A.) Anatole France, einer der größten Schriftsteller der modernen Weltliteratur, ist gestern nacht 11.50 Ahr nach langem Todeskampf in Tours verschieden.
Eine Basch-Versammlung in Stuttgart verboten.
Stuttgart, 12. Oft. (TU.) Die von der „Deutschen Liga für Menschenrechte" auf Diens- tag eingesetzte öffentliche Versammlung mit dem Vortrag: „Die europäische Lage und die deutsch französische Verständigung" ist wegen der öami. verbundenen Gefahr du ng der öffentlichen Ruhe und Sicherheit verboten worden. In der Versammlung sollte u. a. Pros. Basch aus Paris sprechen.
Nach sechs Jahren zwei schwere Mordtaten ausgedeckt.
Berlin, 12. Oft. (WB.) Berliner Kriminalkommissaren ist es gelungen, zwei Verbrechen auf- zuflären, die die Behörden seit 1918 beschäftigen. Im April 1918 verschwand der Besitzer Müller aus Gommern bei Magdeburg, einige Zeit später der mit der Familie des Müller verschwägerte Besitzer Hoppe. Die Familie des Hoppe wollte Briefe von ihm aus Holland erhalten haben. Müller sollte nach Amerika ausgewandert sein. Die drei Tochter Hoppes haben nunmehr gestanden, daß ihr Bruder den Vater, als dieser Kienäpfel pflückte, miteinemIagd- gewehre vom Baume herunter= geschossen habe und, da er nicht gleich tot war. noch einen Schuß durch den Kops gegeben habe. Auch Müller ist auf die gleiche Weise von seinen vier Söhnen im Walde erschossen worden. Seine Leiche ist auf einem Acker aufgefunden worden. Es besteht die Vermutung, daß auch ein jüdischer Fellhändler namens Zweifler aus Leipzig, der, nachdem er zuletzt in Gommern gesehen worden war, ebenfalls vermißt wird, den Verbrechern zum Opfer gefallen ist. Es ist festgestellt worden, daß Zweifler 22 000 Goldmark bei sich hatte.
Wie hoch war der Zinsfuß im Altertum?
Wenn wir heute, in der Zeit der Geldknapp» beit, über die Hohe des Zinsfußes zu klagen geneigt sind, so wird uns ein Blick in die alte Zeit, wie ihn die „Omnia“ in einer Zusammenstellung eröffnet, belehren, daß es auch damals nicht viel anders in der Welt ausgesehen hat. Der arme Landmann mußte auch im Altertum in den Zeiten, da es galt, den Acker zu bestellen und Samen zu kaufen, Geld a-ufnehmen, das ihm vom Handelsmann gegen Interessen geliehen wurde. Die mittlere Höhe der geforderten Zinsen betrug in Babylonien 20 Proz., in Assyrien lag sie noch etwas höher, etwa um 25 Proz. und stieg, wie wir aus alten Dokumenten wissen, bisweilen auf 33 Proz., also ein Drittel des Kapi tals. In Assyrien wurden die Darlehen für ein Jahr gewährt in Babylonien auf Bkonate, wie dies bann auch in Griechenland üblich war. Diese Verschiedenheit hängt mit den grundsätzlich verschiedenen Lebensbedingungen in beiten Ländern zusammen: der rein landwirtschaftliche Charakter Assyriens erforderte Darlehen von einer Ernte bis zur nächsten, also auf Jahresfrist: wä hr nd in Babylonien mit seinem blühmdrn Handel Gelb zu den verschiedensten Zeitpunkten benötigt wurde. Wenn die Zinsen in Naturprodukten zu zahlen waren und die Ernte durch aöyu heftige Regengüsse oder große Dürre vernichtet worden war, so waren die Gläubiger nach einem bestehenden Gesetz in diesem Jahr zur Zahlung der Zinse t nicht verpflichtet. Als Sicherheit für das geliehene * Kapital stand es dem Gläubiger zu, ein Pfand zu nehmen. Obwohl wir fein bei ben Babylon ern geltendes Gesetz kennen, das diesen wie den G necken oder den Hebräern verboten hätte, die zum Leben uiu> zur Bestellung des Feldes notwendi en Dinge als Pfand zu nehmen, so finden sich doch in einem um das Jahr 2000 v. Ehr. entstanden, n Codex gewisse Klauseln, die den Landmann in diesem Sinne einigen Schutz gewähren.
Wettervoraussage.
Meist heiter, Winde aus südlrcher Richtung, tagsüber wärmer, nachts kühler, Morgennebel, nur stellenweise leichte Niederschläge
-Unter dem Einfluß eines augenblicklrchen Hochdruckgebiets ist zunächst auf Fortdauer der herrschenden Witterung zu rechnen.


