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Aus Stadt und Land.

©leben, den 13. Oft. 1924.

Schützt unsere deutsche Heimat!

Der Naturschutz eine Lache des öffentlichen Gewissens.

Don Pfarrer Wilhelm Kornmann. Ulrichstein (Vogelsberg).

Die Lüneburger Heide diese Worte haben einen ganz besonderen, eigenen Klang, wer »efe Heide durchwandert hat, dem ist sie unver- gehlich. Natürlich ist dabei nicht die Heide ge­meint, die 5 Minuten von der Dahn entfernt liegt, sondern die. wo die Dörfer stundenweit auseinander liegen, wo es kaum Aderbau gibt wo HeidschnuckenHerden ganz allein der weiten LaMchaft lebendiges Gepräge geben Heide, Wacholder, Tannenwald und ein paar Dirken - das ist alles: aber der Raturfreund weih, vaß das einen überwältigenden Zaube^ bedeutet - dah hier die Seele atmen und ruhen kann lind gerade den schönsten Teil hatte man, vor Jahren schon, zum Naturschutzpark erklärt. Wirklich eine Tat!

Doch: was ist heute dort geworden? Ach. die Schuhverordnungen hatten manche Lücken, und durch sie ist man allmählich durchgeschlüpft. Die Städter" haben es vorgemacht: ein Berliner Dau- rat lieh seinen Pridatbesih, cm urattes nieder­sächsisches Forsthaus,modernisieren": in die Stille der Heide setzte er ein schreiend buntes, neäes Haus. Um sein Land zog er einen Stachrldraht- zaun: Wege, von alter Historie geheiligt so | einen Weg, den schon Karl der Große zur Be­gründung von Hamburg gezogen sein soll, lieh er, kraft seines Besihrechles, sperien. Gr sand natürlich bald Rachahmer: Schlechtes steckt immer an! Der eine baute eine Mauer um seinen Hos: i er holte grohe, schöne Findlinge aus der | Heide und sprengte lustig drauf los Der | andere lieh die besonderen Wildverord- I nungen au her Acht und jagte in dem Schutzgebiet, f Die 3bee des Naturschutzes wurde sabotiert. Man I kümmerte sich nicht mehr um den Äaturschcchpark, I man schaltete und waltete, wie es einem in den I Kops kam. So ist heute das Naturschutzgesetz in I der Lüneburger Hüde, soweit es nicht in der Hand | les Staates oder des Bereins Ratursch ihpart ist, I längst nicht mehr das, was es fein sollte: mit IseinemBerlustmuhgerechnetwerden.

Aach der Lüneburger Heide kommt der I H o h e n st o f f e l n. Er ist nicht g radr der aller- I bekannteste der Dasaltkegel in Hegau, drunten, I nach dem Bodensee zu. Man kennt v.elleicht I nrehr den Hohentwiel, von ScheffelsEkkehart" I her. vielleicht noch den Hohrnträhen oder den I 5>ohenhöwen. Es sind ein paar ganz prächtige i Gesellen, die dort aus der Ebene ihr Haupt I t-ußig in den Himmel hinein recken: ein unver- ß Weichlich gewaltiges, in der Linienführung ber I Bergrücken selten eindringliches Landfchaftsbtld! I Hier spinnt die Romantik noch ihre Sch..ier, j Adelsräulein gehen um, Mönche stehen in Kloster- t* qävten und schauen Schmetterlingen in di F er- ' bett nach, reisige Heer lassen dasMedra in rita" erschallen, fahrende Sänger ziehen durch die Lande. Das ist das Hegau!

Aber diemoderne" Zeit, mit all ihrer Cnt- I ledung und Entartung, hat schon den Hohentwiel mit einem Steinbruch angenagt; jetzt hat der Berg wieder Ruhe. Wieder, wie seit fast einem i Jahrzehnt schon wiederholt, kommt der Hohen- \ flofjeln an die Reihe, nach einer Ruhepause. Auch hier müssen jetzt wieder Steine gebrochen I llxrden, als ob es die sonstwo im deutschen | lRüerland nicht gäbe! Die Hegauberge sind die deutschen Grenzlandwahrzeichen gegen die Schweiz; und der, der sie antastet, sollte verfehmt und verachtet sein. Haben wir überhaupt ein echt. uirsere Berge so zu verunstalten, zu ver- Drinden, und das ganze Landschaftsbild zu ver­ändern? Haben wir keine Verantwortung gegen- über unseren Rachkommen? Wollen wir sie vor I Snimmer und Reste ehemals prächtiger Berge I* siallen, vor Steinbrüche?!

Die wandernde Jugend ist sich mit allen Ra- I iLtfreunden eins: Hier muh Einhalt g e = I toten werden! Schützt unsere Berge, I-)deutsche Behörden! Was bat es für einen Hßinn. Kriegerdenkmäler oder Kirchen unter Denk- I rialschntz zu stellen, wenn im großen, auf dem | Miet des Raturschutzes, gesündigt werden darf? B An Musterbeispiel in unserer Gegend ist der ] stoherodskopf. wo jemand, der Lust und j >eld hatte, sich eine Billa bei den Klubhäusern i hat hinbauen lassen. Man kann ihn fast beneiden 4 urn den Ausblick, den er oft haben mag; niemand I ti»iri> ihm Ruhe und Erholung mihgönnen. Aber !l wogegen man ankämpfen muh, das ist, dah sol-

cyermatzen allmahtich oas 1/andschaftsbild ver­schandelt wird: wenn einem das Daurecht er­teilt wird, warum nicht auch einem oder meh­reren anderen? Eines Tages stehen wer weih wieviel Dillen da oben, und du, armer Wan­derer, kannst sehen, wie du ein Stückchen Aus­blick ergatterst, da wo man noch etwas für dich übrig gelassen hat.

Ich glaube zu wissen, dah man weitere Dillen- bmiten dort zu verhindern wissen wird; ich kann mein Dedauern darüber, dah das nicht schon bei dem ersten Villenbau geschah, nicht unter­drücken. Anscheinend ist es bei uns üblich, dah immer erst bann ein Brunnen zugedeckl wird, wenn das Kind ßineingef allen ist.

3m Ramen der wandernden Jugend, der Raturfreunde und des Raturschutzes verteidigen wir die Ratur vor dem - Menschen! Bedenken wir doch einmal, dah wir hier nur ein Erde verwalten das wir getreu zu übergeben haben! Hier geht Gemeinwohl vor Einzelwohl, und darum rufen wir auf gegen alle Verschandelung.

. . Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien . .!"

* Herrliches Frühherbstwetter war uns am geflr gen Sonntag beschieden. Rach den miserablen Wetterbescherungen dec letzten Monate wirkte dieser selten schöne Tag doppelt angenehm. Zu Tausenden zog alles hinaus ins Freie, um sich nach der langen, langen (Stuben- haft, die das ewige Regenwetter uns auferlegt hatte, in Feld und Wald mal ordentlich auszu­laufen oder auf dem Fahrrad auszustrampeln. Aber nicht nur weit drauhen au£ dem Lande, sondern auch vor den Toren der Stadt herrschte Großbetrieb der Sonntagsausflügler. Hier waren es vor allem die Sportplätze, die von groben Zuschauermengen dicht umsäumt waren; einen ganz besonders starken Zuspruch hatte dabei der Wiesecker Sportplatz Philosophenwald aufzuwei­sen. In den Gastwirtschaften der Ausflugsorte war reger Verkehr der zu erquickender Rast ein- gekehrten Wanderer uni) Radler zu beobachten. Den Gastwirten der Rachbarschast ist das gestrige gute Geschäft aufrichtig zu gönnen, denn von dem Sommer sind sie, wie wir alle, auch schwer genug enttäuscht worden. Hoffen wir, dah uns in den paar Herbstwochen noch zahlreiche so schöne Tage, wie der gestrige beschieden sein mögen, und dann tr-erben wir nicht dem Sommer, sondern dem Herbst 1924 ein freundliches Andenken bewahren.

Einforderung von Auswertungs­beträgen und Verzugszuschlägen bei der Lohnsteuer 1 92 3 und b i ter Ar - beitgeb er abgab e. Der Reichsmimster der Finanzen hat unter dem 30. September 1921 (1 I v.2 1800) nachstchendl'n Erlah an di' Landes­finanzämter hwausg hm lassen: In Ie;ter Zeit ist bei mir immer w eder Klage darübe. gef hrt worden, dah Ne Firanzämter, besonders süd­deutsche, noch jetzt Aufw rLmgäbeträge und Der - zugszuschlägc bei der Lohnsteuer 1923 und bei d.r Arbeitgeberabgabe einfordern. Es wird dabei dar­aus hingew'.escn, das' die Arbeitgeber in Cer Zeit rasch fertsch eilender Seidentwerüurg bei ter Härtung der Zahlungstermine (dreimalig" Ab­führung im Monat), den Mangel an <Nhlu> gs- m t ein, den fortg setzten Loh rnachzahlu gc : und w.gen der Verzog rung in de Gel . übe trei ung durch die Banken trotz aller Dork h u g.m n ch immer in der Lage g wesen seien, die Zahiun ä-- termine genau innezuhalten Da es hne.)in er­wünscht ist, dah die Rachprüfungsarbeiten ,ür 1923 möglichst bald zum Abschluß kommen, er­mächtige ich die Finanzämter, von der Einfor- berung von Aufwertungsbetragen zur Lohnsteuer 1923 und zur Arberig berab abe s wie von de Erhebung von Der.ugszusch ägen drnn abz is h i, wenn ;:er Zah'u -gst rmin nur um weni > e Tage überschritten worden ist und ei re absicht iche Der zögerunq durch Ne Steuerpf ich.igei n cht vor­liegt. Eine Crftaltung bereits g za hl ter Aus- werlurgsbeträge und Verzugszuschläge fin.et nicht statt.

E Ein schwer er Autounfall ereignete sich gestern nachmittag auf der Marburger Straße in der Rähe der Karlsruhe Das Auto wollte einem über die Straße laufenden Kinde aus- weichen und fuhr dabei in den Chausscegraben. wobei es schwer beschädigt wurde. Von den In­sassen wurde die Frau Klara M i h e aus M a c b u r g aus dem Wagen geschleudert und so erheblich verletzt, dah die Sanitätswache zur Hilfe herboieilen muhte. Die erste ärztliche Be­handlung lieh Dr. Geyer der Frau angc» deihen, darauf wurde sie mit dem Sanitäts­auto der Klinik zugeführt, von wo sie abends mit einem Auto nach Marburg geholt wurde. Der bedauerliche Vorfall mahnt erneut alle

«item und Erzieher, oic xmucr aui ote vseiaprcu der Strafte und Einhaltung der Strahendisziplin aufmerk'am zu machen.

* Zum Schutze der Kreisst rahen er­läßt das Kreisamt im neuesten Amlsverkündi- gungsblatt die folgende Bekannimachung: Häufig fahren die Fuhrwerkslenker auf etraftenftreden mit stärkerem Gefälle zur Verminderung der De- schwindigkeit mit einer Radseite auf dem Bankett neben den Wandsteinen. Wir weisen außer dem Sttaftencu ff ch speis.nal i i? G n)arrnerie-Sta- nonen ntermtt an, Derartigen Unfug zur Anzeige zu bringen.

Sperrung des Erdkauterwegs. Dorn Polizeiamt wird uns mitgeteilt: Wegen Aenderung des Anschluhgleises wird der Srd- fautertoeg auf die Strecke entlang der Fittings- sabrik Dänninger G. m. b H. vom 13. Oktober bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt.

* (Sin Jubiläum, das heutzutage zu den groften Seltenheiten gehört, konnte am Frei­tag die Haushälterin Auguste Dörr, ge­bürtig aus Rixfeld, begehen Sie blickte an die­sem Tage auf eine 2öjährige ununterbrochene Tätigkeit im Haushalt des Generalleutnants a. D. Klingelhöffe r, jetzt in unserer Stadt wohnhaft, zurück. Im Verlaufe der Jahre hat sie manche Garnisonstädte, insbesondere an der West- grenze, mit der Familie des Hauses in treuer Gemeinschaft durchschritten, ein ehrenvolles Zeug­nis für beide Teile.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Gießener Eisverein, 6 Uhr: Hauptversammlung in der Gewerbeschule. Lichtspielhaus, Bahn- hofstrahe:Schuldlos gerichtet". Hessische Dil- derbühne:Die letzte Fürstin". Astoria-Licht- spielc:Der Puppenmacher von Kiangiung".

Derkehrsverein. Die heutige außer­ordentliche Generalversammlung im Postkeller (8 Uhr) sei den Mitgliedern nochmals besonders in Erinnerung gebracht. Bekanntlich soll über die Abhaltung eines Flugtages am 26. Oktober in Gießen entschieden werden.

Kreis Friedberg.

ss. Friedberg. 12. Ott. In dies r Woche sind zwei angesehene Bürger Fried­bergs zur letzten Ruhe bestattet wor­den: Herr Heinrich Ubrich (:in geborener Siebener, früher Teilhaber L:. bekanntem Holz- Handlung Bender & Schwarz) war ein tapferer Mitkämpfer des Feldzi ges 1870/71; Her Ed. Oppenheimer, eine durch ihr liebenswürdiges Wesen und ihre vornehme Dentuagsart all­gemein geachtete Persönlichkeit, der an dem ofi ent sichen Leben unserer Stadt als langjähriges Mitglied der Stadtverordnetenv.^sammlung lind der Handelskammer regen Anteil genommen hat und besonders für alle wohltätigen Elnrichtan »e i ein großes Interesse und eine stets offene Hand hatte. Ein langgehegter Wunsch der hiesigen T u r n g e m e i n b e ist nun endlich in Erfüllung gegangen; anstoßend an die im Jahve 1862 er­baute Turnhalle ist ein stattlicher Bau ent­standen, der einen Raum für fce.i geselligen Ver­kehr außerhalb der Tumstunoen uns einen Mittelpuntt der geistigen Testrebungen des Vereins bieten soll. Danl der Opferwilligleit der Mitglieder, die teilweise das Material stif- > teten, teilto ife die Arbeiten umsonst leisteten, ist die ganze Ausführung mit verhältnismäßig ge­ringen Unkosten verbunden gewesen. Gesiecn abend wurde der Raum mit einer einfachen Feier in Benutzung genommen. Sem narlehre: Thierolf begrüßte die Erschienenen. Dann hielt der erste Sprecher des Vereins, Studienrat Schuch­mann, einen kurzen Vortrag über das Thema Was wir wollen" und gab darin einen inter­essanten Ueberblick über, den Wert des Tur­nens und der turnerischen Sache. Vor­träge der Gesangsabteilung des Vereins und des Salonorchesters, lowie humoristische Vorträge sorgten für ein unterhaltendes Programm und eine fröhliche Stimmung. Heule vormittag begann das 21 b t u r n e n des Vereins mit bzn Jugend« und Schülerabteilungen, um 3 Uhr nachmittags schloß sich dann das Turnen der Qltännerncgem an. Alle Abteilungen zeigten, welch ein vorzüg­licher turnerischer Geist in dem ganzen Vereine lebt. Die Prcisoerteilung fand um 8 Uhr in der Turnhalle statt, anschließend war noch eine ge­sellige Vereinigung, bei welcher auch die tanz­lustige Jugend zu ihrem Rechte kam. Die hiesige Turngemeinde ist im Jahre 1845 gegründet, blickt also nächstes Jahr auf ein achtzigjähriges Be­stehen zurück. Mit dieser Jubelfeier des Vereins wird auch gleichzeitig das Gauturnfest des Gaues Hessen, welches Friedberg übernommen hat, ver­bunden sein.

Heheu-Utasjuu.

bl. Aus dem Dilltale, 12. Ott Tik Kartoffelernte ist in vollem Gange. Soweit man bis heute sehen kann, ist einigermaßen günstig auÄflr'.'Ilen. 8m Durchschnitt tragen die roten Kartoffeln stärker wie die weißen.

S. Frankfurt a. M., 12. Oktober. Die Frankfurter S t ä d e 1 s c) u l e, die d. Aus­bildung junger Künsiter dient, i't in finanzieller Hinsicht schon immer ein Schmer-,ensttud der Stadt gewesen. ES kam soweit, daß ein Be­schluß der Derwaltun.' den v? . betrieb auf he.'. Cs setzte eine Selbftßilf. iliior, der Lehrer und Schuler ein, die aber auch vergebens war, denn jetzt ist durch einen neuerlichen Deichluft de. 210- miniflcation auch die Räumung der bisher be nutzten Unterrichtsräume ver,ügt worden Aus einen Protest der natüilid) schwer betroffenen Schüler ist bisher noch nichts ciim.it, tcn chem die Schüler nur die Ucberla'ju.ig der Räume for­dern. Da aber die Frankfurter Oeffentlichkeil an dieser Schule, die immer anerkannt gute Kunst­gewerbler unter ihrem Leiter Dr. D i ch e . i ausgebildet hat, sehr starkes Interesse nimmt, ist das Schicksal der Schule wohl noch nicht end­gültig entschieden. Der Stab ner hat im Auftrage der Arbeit»..unersrattion eine Anfrage an den Kaaistral ge­richtet, in der es u. a. heißt:In der letzten Zeil wird versucht, die Preise für die wich­tigsten Lebensmittel zu erhöhen. In einer vom Regierungspräsidenten in Wiesbaden cinbe- rufenen Versammlung erklärte der Geschäfts­führer des Konsumvereins, daß der Verein das Brot mit 53 Pf. verlaufe und dabei noch solche Summen verdiene, daß man sich scheue, sie in der Oeffentlichkeit zu nennen." In der Eingabe wird gefragt, was hiernach die Frankfurter Bäcker verdienen müßten, und der Magistrat ersucht, eine Untersuchung vorzunehmen

spd. Frankfurt -a. Dl, 12 O't. In her Kunsthandlung HeIbing fand dieser Tage die Versteigerung der (S b i n a - S a m m » lung Sprosser statt. Für ältere Porzellane aus der Tag-Zeit wurden die Preise von 820 bis 2620 2Nk. erzielt. Auch einige chinesische Bron­zen fandet', für recht erhebliche Preise Kiobbabet Die verkauften Gegenstände verblieben meistens im Inlande. Infolge des Mangels an ge­eigneten Heizstofsen während der letzten Jahre griffen Gesch.sisleute, besonders solche, die Zen­tralheizungen hatten, zu allerlei Rot behelfen und stellten Oefen auf, deren Rauchrohre aus den Fenstern und Wänden unmittelbar ins Freie führten, die das Straßenbild wahr­lich nicht verschönten und deren Qualm gar oft dem lieben Rachbarn arg in die Fenster schlug. Zugleich bedeuteten aber die Rotheizungen eine große Feuersgefahr. Runmehr hat die Baupolizei die sofortige Entfernung aller dieser Vorrichtungen angeordnet, da eine Brenn­st offnot nicht mehr vorliegt. Als am Freitag in der Kleinen Seestraße ein Schuljunge von einem Torweg auf die Strafte trat, löste sich am Hause ein Stück Verputz ab und fiel so un­glücklich auf das Kind, daß ihm das linke Auge ausgerissen wurde.

Die Sd)itlb an dem Mainzer Eisenbahnunglück.

Berlin, 11. Okt. (Wolfs.) Don uniercich- tetet Seite hören wir: Als Ursache des Eisen- bahnunsalls in Mainz wurde in meh­reren Rachrichten, die aus französischen Quellen stammen, angeblich das fch.ech.e Funk io- Nieren der Kunze-Knorrbremse angege­ben. Diese Rachricht ist falsch und kann nur so erklärt werden, daß gelri se Stellen unter allen Umständen versuchen, die Schuld abzuwäl- z e n , um gleichzeitig deutsche Einrichtungen in Mißkredit zu bringen Tatsache ist näm ich a r in dem aus cor Lokomotive und dreizehn vie.achsigen Wagen bestehenden O-Zuge kein einziges Fahrzeug mit der Kunze -Knorr­bremse ausgerüstet war; zwölf Wagen hatten die auf den französischen Dah'en aus­schließlich verwendete Druckluftbremse der Bau- ari Westinghouse. Da die Lokomotive und die vorderen fünf Wagen des Zugea die Fahrt als­bald nach dem Unfall ohne weiteres forisetzten, so muß, wenn wirklich die Druckluftbremse schl.cht funktioniert haben soll, die Ursache bei bei letzten mit derWestinghvusebremse ausgerüäcten Wagen gesucht werden Es ist wohl anzur.chmen, daß die anscheinend falsch unterrich eten amtliljen französischen Stellen die unzutreffenden Meldun'- gen berichtigen werden. *

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