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Bevorstehende Aushebung der Wohnungszwangswirlschast?
Schon vor einiger Zeit wurde in gut unter- richteten Kreisen behauptet, daß die Wohnungszwangswirtschaft ihrem Ende entgegengehe. Es scheint nun in der Tat, als ob sich die Reichsregie- rung mit dem Gedanken trägt, diese Einrichtung der Nachkriegszeit wenn auch nicht mit einem Schlage zu beseitigen, so doch allmählich ab« zubauen. Das in letzter Zeit immer reichlicher werdende Angebot einzelner Zimmer hat den Reichsarbeitsminister veranlaßt, den Regierungen der Länder nahezulegen, die Wohnungs- izwangswirtschaft für möblierte Räume au lockern oder ganz aufzuheben.
man dort mit heißem Herren für daS Leiden der proletarischen Märtyrer. rinb tobe wir notgedrungen in unserer Wcchrlvsigfeit Ungeheures von den Möglichkeiten des Geistes gegenüber materieller Macht ertoarten, so lebt dort das proletarische Siegesbetouhtsein. Mag all dieses geistig Kraftvolle von unserem Standpunkte aus auch anfechtbar fein, hier jedenfalls haben wir, um richtig zu rechnen, uns nur das vor Augen zu halten, dah eben für die anderen Kvast und Schwung in all dem liegt.
Hochgezüchtet, fanatisiert und vertieft aber wird dieses eigene Dolksbewußtsein durch eine psychologisch so scharf ausgeklügelte Taktik der sozichistisch-kommunistischen Führer, daß toir vor diesen Fähigkeiten nur mit Erstaunen stehen können. Wan weih sehr toohl, daß doch genug Leute in den eigenen Reihen sind, die, sei es aus Veranlagung, sei es, weil ihnen unbewußt hoch noch geistige Reste vergangener Zeilen inne- vohnen, an biefer politischen Schlächterstimmung rllein auf die Dauer keine Befriedigung finden können, und so hat man auch „fürs Gemüt" gesorgt, hat sich ein anheimelndes Gewand angelegt, so daß man auch beim Äaffeettatfdj und beim Ausflug ins Grüne sich kommunistisch haben kann, ohne seiner Seele Zwang anzutun. Man ist „gemütlich" geworden unb freut sich an blüm- Henreicher Poesie, lernt in den einzelnen Arbeitsgruppen neben allem Haßgesang doch auch hübsche, ioehmutsvolle ßieblein, unb man mochte nicht sstauben, blutgierige KlasseEmpfer vor sich zu Ixiben, als man es beispielsweise nach dem Hallelchen Tag in getragenen Waisen singen hörte: „Am Waldessaum die Blümlein blühn. Wenn Rotgardisten nach Halle ziehen . . Auf den ersten Blick hat das für uns etwas unsagbar Lächerliches. Aber dieses Lächerliche schwindet, wenn wir uns das vor Augen halten, dah man an nichts deutlicher das Eigenleben eines besonderen Volkes erkennen kann als in dem Entstehen einer eigenen Poesie und einer eigenen Art von Verehrung und Opfergeist.
Demgegenüber stelle man sich nun die Taktik vor, die von Hunderten von Bewegungen und Vereinen, die zu deutscher Einheit strebten, geübt worden ist urtb die sich allenthalben darin erschöpfte, wenn auch in den verschiedensten Formen, so doch immer in einer Richtung vorzu- gehen: nämlich unmittelbar die Hand zum Frieden zu bieten. Zugendvereine, Volksfeste, Volkshochschulen, alles drängte sich um die Seele der sozialistischen, schreienden Massen: toer Sozialist oder gar Kommunist war, der wurde zum von tausend Seiten betätschelten Baby, und man vergaß darüber das stille Leiden derer, die duldeten und nicht schrien, sondern weiterlitten und leiden bis auf den heutigen Tag. Die aber, um deren Freundschaft man bettelte, hatten daftir kein Verständnis, konnten kein Verstärä>nis dafür haben: denn sie standen geistig und seelisch bereits außerhalb des deutschen Volkes, und so sahen sie in all dem nichts weiter als ein Zeichen der Schwäche, und so trug all das im besten Sinne Gemeinte nur dazu bei, den schon durch die Revolution zur höchsten Spitze getriebenen Dünkel des Sozialismus zu einer wahren lleberhebungsbetrunken- beit zu steigern, tote sie uns denn bei allen Sozialistenfesten in der an die Wand gemalten heroischen Dummheit zum Ausdruck kam: „Das ganze Räderwerk steht still, wenn dein starker Arm es will!" Wenn heute der Mittelstand, leidet, wenn der Akademkier nichts mehr gilt, dann dürfen wir getrosten Mutes hierfür ein gut Teil Schuld jener falschen, zur Einigkeit um reden Preis drängenden Taktik zuschveiben, und toir dürfen weiterhin durchaus überzeugt sein, daß gerade der tüchtige deutsche Arbeiter, daß vll die Massen des deutschen Volkes, in denen ein gesundes Empfinden für die dem einzelnen Ankommende soziale Stellung lebt, am allerwenigsten es haben verstehen können, wie man sich hier jedes eigenen Ansehens jenen unbelehrbaren Massen gegenüber entäußern konnte.
Wer Frieden will, muß zum Kriege rüsten, und toer mit Fanatikern zu Versöhnung gelangen will, farm das nur, wenn er neben aller Friedfertigkeit im Ziel doch für den Weg dorthin das Motto nicht vergißt: Auf einen groben Klotz gehört ein noch dreimal gröberer Keill Das ist fein dummes Freuen an lustigen Bürgerkrieg- raufeveien, sondern das ist die bit'ere Lehne, die uns der Sozialismus selbst gegeben hat. Wer andrer Meinung ist, toer vor allem vom Sozialismus im Gegensatz zum Kommunismus bessere Einsicht ertoariet, der betrachte sich nur noch einmal die Reden des jüngsten Parteitages der DSPD., wo man es mit tönenden Worten und mit schwellenden Kämmen verkündet hat: Weniger denn je denke man heute daran, für den Sozialismus ein Moratorium zu nehmen.
Diese Geistesverfassung des Sozialismus, jene von uns begangenen taktischen Fehler werden wir uns vor Augen zu halten haben, wenn toir unter dem ungeheuren Druck des un3 Bedrohen- den nach innerer Geschlossenheit suchen. Gerechtigkeit, menschliche und soziale, wird uns zu fei en haben, gleichgültig ob in der Person des industriellen Unternehmers und des Gutsherrn oder lediglich in der des nicht in unmittelbarer wirtschaftlicher Verbindung stehenden Mitbürgers, aber die Liebebettelei vor Leuten, die vor Selbstüberhebung verblendet und geistig und seelisch Fremdtörper im Volke geworden sind und die selbst bei Behebung ihrer wirtschaftlichen Röte um ihres sozialen Phantoms willen Staatsfeinde bleiben, soll nicht zum zweiten Male wiederholt werden. Die übertriebene Ach ung vor einem einzelnen Stand, die von seinen gesunden Teilen selbst als unnatürlich empfunden wird, darf nicht zur Selbsterniedrigung führen, unb unser Streben nach deutscher Einheit soll uns nicht dadurch zum Frevel am deutschen Staats wo hl werden, daß -toir es in Formen betätigen, aus denen die unversöhnlichen Feinde deutscher Einigleit und Erlösung nur neue Kraft gewinnen können für ihr Zerstölungswerk am Deutschen Reiche.
Diese Anregung des Reichsarbeitsministers dürfte in weitesten Kreisen der Bevölkerung allgemeine Billigung finden, zumal sich doch aus ihr ergibt, daß man innerhalb der Regierung sich etwas mehr als bisher mit unserer Wobnungszwangswirt- schaft beschäftigt. Es darf Wohl angenommen werden. daß wir von einem raschen Abbau der Wohnungszwangswirtschaft nicht mehr weit entfernt sind und daß nach der zu erwartenden Belebung auf dem Daumarkt die Reichsregierung sich endlich bereit finden wird, den Inhabern der Wohnungen und den Hauswirten das freie Verfügungsrecht über ihre Räume zurückzugeben.
Das wahre Gesicht des Dawesgutachten.
Die Auffassung Professor Cassels.
Lübeck, 12. Sept. (Eig. Meldg.) Einer der besten Kenner des Reparationsproblems und seiner Bedeutung für die einzelnen Staaten unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands, der schwedische Professor Gustav Cassel, hielt in Lübeck einen Vortrag, in dem er sich sehr eingehend mit dem Dawes-Gutachten beschäftigte. Mit wenigen, aber treffenden Worten gab er einen kurzen rieberblick über die ungeheure, Belastung desReiches durch den Londoner Pakt, die Gefahren, die unserem Wirtschaftsleben drohen, die falschen Voraussetzungen, von denen die Sachverständigen ausgegangen sind, und schließlich bezweifelte er, ob es über- ha upt gelingen werde, diesen Plan zur Durchführung zu bringen. Das deutsche Volk wird dem schwedischen Sachverständigen für feine Ausführungen, die durchaus sachlicher Ratur waren, außerordentlich dankbar fein. Leider hat es aber keinen anderen Weg mehr gegeben, als dieses Gutachten zur Grundlage der künftigen Reparationspolifi? zu machen. Will Deutschland die ungeheuren Leistungen ausbringen, bann wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als da s Ausland mit seinen Waren zu über» chwemrnen, damit es die erpreßten Tribute hereinbriommt. Schon heute macht sich vornehmlich in England eine starke Bewegung gegen die zu erwartende deutsche Exportpolitik geltend. Aber gerade die Engländer werden zuallererst erfahren, wie schwer ihre eigene, Wirtschaft unter der auf Grund des Sachverständigengutachtens erzwungenen außerordentlichen Ausdehnung des deutschen Exportes zu leiden haben wird. Die schwere deutsche Konkurrenz wird aber schließlich int Auslande zu der Erkenntnis führen, daß auch der jetzt gewählte Reparationsweg nicht der richtige ist und daß es schließlich das beste fein wird, gän zlich auf Dar- und Sachleistungen zu verzichten, damit die einzelnen europäischen Wirt- chaften sich wieder normal entwickeln können.
Die Abrüstungsfrage im Völkerbund.
Der Plan eines Weltwirtfchaftsrats.
Genf, 12. Sept. (WB.) Die Dritte Kommission hat die allgemeine Aussprache über die ihr zugewiesenen Paragraphen der Resolution Herriot-Macdonald fortgesetzt. Guani (riru- guay) erklärte zum Garanfiepaktsentwurf. daß hierfür die südamer iranischen Staaten nicht in Betracht kamen, weil sie für sich bereits die wesentlichen Probleme der Aufrechterhaltung des Friedens durch Schiedsverträge geregelt hätten. Duca (Rumänien) stimmte dem Schiedsverfahren zu, das aber unbedingt durch militärische Sanktionen ergänzt werden müsse. Den Garantiepakt habe Rumänien wegen ungenügender Sicherheiten abfefy’.en müssen. Munch (Dänemark) sieht als wichtigstes Ziel die Abrüstung an. Die größte Gefahr für den Frieden feien die Heere und Flotten. Das Ziel der Kommission müsse daher die Abrüstung sein. Für die Landheerr müsse der Friedensvertrag von St. Germain maßgebend sein, d. h. 5000 Soldaten auf eine Million Einwohner. Für die Flotte sollte man sich auf den Versailler Vertrag stützen, aber die dort vorgesehene Ton- nenzahl auf 4000 für je 1 Million Einwohner erhöhen. Dranting (Schweden) erklärte die Abrüstung für wesentlich, ist aber gegen den Garantiepakt. weil er den Rahmen des Völler- bundes überschreitet, stimmt aber den wirtschaftlichen Sanktionen zu. Gr von (Australien) ist aus lokalen Gesichtspunkten gegen den Garan- tiepakt. wünscht aber Aufrechterhaltung be3 obligatorischen Charakters des Dölkerbundspaktes. Iouhaux (Frankreich) wendet sich gegen die Auffassung daß der Garantiepakt zu neuen Rio- stungen führen müsse, geht aber vor allem auf die Wirts cha f t l iche Seite des Fr ebenspro- blems ein. Alle Abrüstungen und Sicherheiten könnten den Frieden nicht getoährleisten. wenn die wirtschaftlichen Kvnfliktsmöglichkoiten weiter bestehen. Es sei daher notwendig, vor allem wirtschaftliche Garantien gegen den Kri^g zu geben. Man dürfe sich nicht darauf beschränken, die politischen Verträge beim Völkerbund cinzutragen. sondern auch die Wirtschafts- und Handelsabkommen. Er riet ferner die Schaffung einet Kommiss ion für wirtschaf t- liche Zusammenarbeit an von der Art der Kommission für geistige Zusammenarbeit, aus der ein Weltwir tschastsrat erwachsen könnte. Um die Arbriiermassen für das Werk des Völlerbundes zu intevessieren, sei kine engere Zusammenarbeit zwischen diesen und dem Internationalen Arbeitsamt notwendig.
Schwierige Lage in Marokko.
Paris, 12. Sept. (WTD.) In Madrid wird folgender Bericht über die Sage in Marokko veröffentlicht: Die drei Kolonnen haben in dem Abschnitt von Tauen operiert. Sie sind auf starke feindliche Abteilungen gestoßen, die unter Mithilfe der Artillerie und der "Flieger bekämpft wurden und die zahlreiche Verluste erlitten haben. Die Spanier verloren 16 Spanier und 14 eingeborene Soldaten. — Wie das „Petit Journal" hierzu noch mit^uteilen weiß, sind die von General Primo de Rivera unternommenen Versuche, Tscheschuan zu befreien und die Lau-Linie sicher zu befestigen. nicht glücklich gewesen. Gegenwärtig hätten die Spanier die Stellung, die sie auf den den Laufluh beherrschenden Höhen beseht hielten, geräumt. Auf der Straße von Tetuan nach Tscheschuan hätten sich die Rifieute der Schlüsselstellung von ©ub^I-arba bemächtigt, und die spanische Garnison von Tetuan, ungefähr 8000 Mann stark, sei augenblicklich vom Feinde vollkommen umzingelt: sie werbe fich zwei
fellos bemühen, die Linien der Rifleute zu durchbrechen, um sich nach der Küste zurückzuziehen, bevor der Regen den Rückzug unmöglich macht.
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Die Pariser Radio-Agentur hat heute mittag gemeldet, daß infolge des Rückzuges der Spanier an der marokkanischen Aordfront der französische Generalstab in Marokko vom Kriegsminister die Entsendung bedeutender Verstärkungen verlangt habe. Das Kriegsministerium erftärt, daß diese Nachricht völlig unrichtig sei.
DerAusstand derGeorgier
Kampf gegen Moskau. — Hilfe des
Völkerbunds?
Aach toieberhotten, aber stets wieder blutig niedergeschlagenen kleineren Putschen in Georgien, hat es jetzt den Anschein, als ob der diesmal aus- gebrochene Auf stand sich über das ganze Land ausgedehnt hat. Aach unkontrollierbaren und bisher auch unbestätigten Meldungen scheinen die Aufständischen gute Fortschritte gemacht zu haben. Die Kämpfe Wickeln sich aber auf beiden Seiten mit namenloser Grausamkeit ab, da einerseits die Georgier wohl wissen, was sie von den Bolschewisten zu erwarten haben und infolgedessen keine Milde walten lassen und die Sowjettruppen andererseits die ihnen verhaßten Georgier mit aller Rücksichtslosigkeit niederz u werf en versuchen. Bedeutende Verstärkungen rollen aus dem inneren Rußland nach dem Kaukasus, um die Lage möglichst rasch toie«' der zugunsten der Moskauer Regierung herzustel- len. Das dürste allerdings bei diesem Aufstand längere Zeit dauern, zumal die Aufständischen über reiche Waffen- und Munitionslager verfügen und sich ihnen auch mehrere bolschewistische Regimenter angeschlossen haben sollen. Daß aber trotzdem auch dieser Aufstand von der Moskauer Regierung niedergeschlagen werden wird, liegt auf der Hand. Eine Wendung zugunsten der Georgier tonnte höchstens der Völkerbund bzrbeifüfjten, an den ein Hilferuf der Aufständischen ergangen ist. Wie weit aber Rußland, das doch noch immer nicht zu diesem Bund gehört, auf eine Intervention deS Völkerbundes reagieren wird, bleibt abzuwarten, zumal darüber noch keine Klarheit besteht, ob es sich bei dem georgischen Aufstand um einen solchen ohne fremde Hllfe handelt oder ob hinter den Aufständischen eine interessierte europäische Macht steht, p <—<
Die Kämpfe vor Schanghai,
Schanghai, 12. Sept. (WB.) An der Westfront haben die Tschekiangtruppen Ishing erobert. Westlich vom Taihu-See haben fie dadurch die Kiangsu-Truppen gezwungen, bis nach Tschang- tschou zurückzuweichen. Die Behörden versichern, daß für die Sicherheit der ausländischen Kolonie nichts zu befürchten sei. Em Aeh von Stacheldrahtverhauen schütze die Wege. Das Verteidigungssystem könne leicht weiter aus- gebaut werden. Das am 9. September mobilisierte Freiwilligen Heer umfasse 2000 Mann, und ungefähr 450 ehemalige Soldaten hätten füt den Notfall ihre Dienste angeboten.
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Aach einer Pekinger Meldung hat das Parlament Dr. Ben zum Premierminister gewählt. 2Zen ist in Amerika erzogen, war 1920 Außenminister, von Dezember 1921 bis Juni 1922 stellvertretender Premierminister. Er wurde auf verschiedenen diplomatischen Posten verwandt.
Aus aller Welt.
Die Unwetterkatastrophe iti Skandinavien und Norddeutschland.
Hamburg, 12.Sept. (WTB.) Die jetzt hier vorliegenden Berichte geben ein Bild von den schweren Verheerungen, die das Sturmwetter der letzten Tage im Gebiet der Unterelbe angerichtet hat. In der Gegend von Stade, besonders am linken Elbufer, wurde das Land v'on den Wellen überflutet und die ganze Korn- und Grummeternte fortge- schwemmt. Bei Glückstadt wurde ebenfalls viel Getreide fortgeschwemmt und die Obsternte vollständig vernichtet: auch Vieh ist umgekommen. Auf der Elbinsel Krautsand wurden sämtliche Telephvnleit ungen zerstört. In Cuxhaven war der Pier zur Hälfte überflutet,! die ausfahrenden Schiffe mußten umkehren, die Militärbadeanstalt mußte wegen Sturmes abgebrochen werden. Das Feuerschiff „Elbe II" wurde abgetrieben. Schiffsunfälle werden nicht gemeldet, auch scheinen Menschenleben nicht verloren gegangen zu fein. Die telephonische Verbindung mit Helgoland ist unterbrochen.
Die „Voss. Ztg." erfährt aus Kopenhagen, daß die mit Hagelschlag und Gewittern verbundenen Stürme der letzten Tage ganz Dänemark und Südschweden verwüsteten. Die Obsternte ist vernichtet worden. Die Ernte auf den Feldern wurde teilweise vollkommen z e r ft o 11. In Dänemark allein wurden bisher 40 T o t e gemeldet. Die Krankenhäuser der Städte sind m i t V e r- wundeten überfüllt. Auch auf dem Meere ist die Zahl der Menschenverluste sehr groß.
Kommuniftifches Attentat auf einen fasziftifchen Abgeordneten.
Der Arbeiter Jean C o r v i hat auf den faszisfischen Abgeordneten und stellvertretenden Generaffekretär der faszisfischen Derbäiide Casa- Iini in der (Stra&enbahn vier Revolverschüsse abgegeben von denen zwei den Deputierten schwer am Kopfe verletzten. Der Awgreifer, der verhaftet wurde, erklärte, er sei Kommunist und habe für die Ermordung Mat- teotis, dessen Photographie er bei sich führte, Rache nehmen wollen. Casallni ist im Krankenhaus den Folgen der Verwundung erlegen.
Angehörige der Organisation Consul in Budapest verhaftet.
Wie die Blätter melden, hat die Polizei drei Mitglieder der Organisation Consul, Abri Werner, Arnold Barth und Karl T h e u e r- mann, die vor einigen Tagen von München nach Budapest gekommen waren, um hier Fühlung zu suchen, in Haft genommen. Die Untersuchung ist im Gange. Aach einer weiteren Meldung wurde auch der aus München stammende 26jährige Otto Braun verhaftet, der von den deutschen Behörden wegen zweifachen Mordes verfolgt wird.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 13. Sept. 1924.
Liebes Publikum!
Wer die Menschen erziehen will, der darf nicht verraten, daß er es will, sonst verfehlt es seine Wirkung, denn kein Mensch will gern erzogen werden, weil es ja sonst aussehen tonnte, als ob er bislang „ungezogen" gewesen wäre. Sv wird sich jeder schönstens bedanken, toerai man ihm mit noch so fein erwogenen vädagoglschen Maßregeln kommt. Es liegt mir also garn» fern, hier irgendwelchen Einfluß auSübea zu toollcn; im Gegenteil, liebes Publikum, du g c f ä II ft mir, wie du bist, und kannst so bleiben.
Indessen gibt es doch hin und wieder c t - was, was anders sein könnte, denn es sind ja immer einige da, die gerade das andere von dem wollen, was sie sollen. Jeder Mensch weiß zum Beispiel, wann das Thraker. beginn», es steht in der Zeitung, cs beginnt immer zu e n und derselben Zeit, wenn nicht gerade eine Aus- nahmevorstellung gegeben wird. Unb doch können sich viele Leute, liebes Publikum, nicht daran gewöhnen, wenigstens eine halbe QKinuie vor beginn des Gongzeichens auf ihrem Pslltze zu sein. Tas Theater hat für sie nur Reiz, wenn sie in den dunklen Raum hineintappen, andere Leu le auf die Füße treten, ihnen über die Köpfe tasten, Rufe der Entrüstung hervorlocken und anderen Menschen den Genuß störe nkönnen. Solches Theater ist für sie erst richtiges Theater.
Dun will ich dagegen noch nicht einmal so« viel sagen: die Dichter und Komponisten wissen schon, dah es solche Leute gibt, und schreiben die erste Szene des Schauspiels und das Vorspiel der Oper danach, daß beides zur Aot verloren gehen darf. Diese rinfitte richtet fich auch „nur“ gegen die Kun st, und Kunst ist für die meisten schließlich nicht das Wichtigste am Leben.
Aber ich meine, für eine andere Eingezogenheit einiger ringezogenen werden alle lieben Mitbürger Verständnis haben: dafür, daß man Hunde nicht mit in den Meßger laden nimmt, auch an der Leine nicht, rind daß klagen unsere Hausfrauen darüber, daß vielfach Hunde mitgebracht werden, die in allen Ecken herumschnuppern und die Ware unappetitlich machen. Der Metzger kann natürlich nur höflich ersuchen, das zu unterlassen: er kann es auch noch einmal tun, aber schließlich will er seine Kundschaft nicht verlieren, und wir andern müssen ja das Fleisch essen.
Weniger schmerzlich, aber doch auch betrüblich ist es, dah die Menschen an Landstraßen keine Früchte hängen sehen können. Sie glauben, was an der Straße wächst, sei vogelfrei, und benehmen sich nun wie bte Vögel, plündern die niedrig hängenden Zweige und tun dann so, als ob es keinen Oebster gäbe, der die Straßen gepachtet hat. Merkwürdigerweise find da Leute dabei, die dre Veruntreuung von einem Renten- pfennig sich nie und nimmer verzeihen könnten, hier alkr messen sie mit anderem Maß.
Das ist es eben, llebes Publikum: diese „ringezogenen" meinen es gar nicht so schlimm, sie denken sich nicht viel dabei und lassen sich nur gehen, wie es gerade ihr Herz begehrt.
Glücklicherweise sind sie in der Minderzahl, denn du, liebes großes, braves, guterzogenes Publikum, tust doch so etwas nicht! Ha
Die Reichs-Tcrrerungsziffer.
Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statisfischen Reichsamts für den 10. September auf das 1116- billionenfache der Vorkriegszeit. Sie erhöhte sich gegenüber der Vorwoche (1115 Billion) um 0,9 v.H.
GieHerier Wochenrnarktprelse
am 13. September 1924 (Händlerpveise).
Es kosteten: Butter Pfd. 220 Pf., Matte 30, Käse 60, Eier Stück 15, Wirsing Pfd. 12, Weißkraut 8—10, Rotkraut 15—20. gelbe Rüben 8, rote Rüben 8, Spinat 30, Römischkohl 10. Dohnen 15—20, Blumenkohl Stück 50—200, Salat 5, (Salatgurten 10—50, Einmrchgupfen 3—4, Endivien 10, Ober-Kohlrabi 6, rin ter-Kohlrabi Pfd. 5, Tomaten 15—30, Zwiebeln 15—20, Lauch Stück 5—10, Sellerie 15-25, Kürbis Pfd. 10, Pilze 15—20, Kartoffeln 4—5, Falläpfel 5, Aepfel 8 bis 12, Brombeeren 50, Preiselbeeren 80, Zwet- scheu 15—20, Mirabellen 25, Reineklauden 25, junge Hahnen 100, Suppenhühner 80 bis 90, Aüsse 60, Birnen 8—15, Rettich, Stück 10 Pf.
Vornotizen.
— Tageskalender für Samstag. Hubertus: VerbandsgebrauchShundeprüsung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ilona". — Afio- ria»Lichtspiele: „Der 3. Alarm".
— Tageskalender für Sonntag. 4. Herbstregatta, vvrm. 9 rihr: Vorrennen, nachm. 21/2 rihr: Hauptrennen, Bootshaus Verein Rudersport Meßen. — 3. Landesverbunds tag hessischer Schreinermeister u. verw. Berufe. Vorm. 10 rihr Hauptverjammlung in der Turnhalle am Oswaldsgarten. — V. H. C.: Wanderung. Abfahrt 6.42 rihr vorm. — Hubertus: Derbands- gebrauchsHundeprüfung. — Filmvortrag vorm. 11 rihr im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die Fahrt der „Möwe". - Lichtspielhaus Bahnhof sfiaße: „Ilona". — Astoria-Lichtspiele: Siehe Samstag. x
— Der Kathvl. Deutsche Frauenbund hat, toie man »ms schreibt, Frau Maria H e fj b e r g e r, Mitglied des Preußischen Land- lages, zu einem Vortrag für Montag abend 8 ribv im Kat hol. Vereinshaus gewonnen. Frau Heß- terger, die als ganz bedeutende Rednerin bekannt ist, toirb über das zeitgemäße Thema sprechen: „ Frauenfragen der Gegenwart".
Wettervorausfage.
Meist heiter, südliche bis westliche Winde, wärmer, höchstens geringe Viederschläge
Das neue nördliche Tiefdruckgebiet über Island wird zunächst auf dem Kontinent noch feint Störungen Hervorrufen. Meist trockenes, hetteret Wetter ist daher zu erwarten.
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** Stadttheater. Die Abonnements-Ei^ ladung für die Spielzeit 1924/25 ist im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes enthalten. Inter- effenten mögen-chie Ankündigung nicht übersehen.
*’ Fallche Rentenbankscheine. In der letzten Zeit sind in der Rheinprovin-,. Hessen- Aassau, Heffew-Darmstadt, Bayern, Tad.n und der Pfalz Aachbildungen von Rentendank chfinen zu 10 Rentenmark aufgetaucht. Der Versuch, das Wasserzeichen durch Aufdruck auf der Rückseite, bei einigen Scheinen auch auf der Vorderseite, nachzuahmen, ist erkennbar. An Stelle des Stoff-
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