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m. Jahrgang
Erster Blatt
Dienstag, (5. Mai 192$
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhesten
vr»ck imd Verlag: BrätjIW UiüverMts-v»ch- und Aeindrmkerei R. Lange in Gießen. Schriftleitnng und SeschSftrfteSe: SchulMatze 1.
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Hannover.
Don Dr. Paul Ostwald-Berlin.
Nutzend auf dem unglückseligen Artikel 18 der Aeichsversassung, ist es den Deutsch-Hannv- vevanern gelungen, zu erreichen, datz am 18. Mai Darüber abgestimmt werden soll, ob Hamwver fkt> aus dem preuhischen Staat als selbständiges Land herauslösen darf ober nicht. Wirklich ein trauriges Zeichen für unsere innerpolitische Zerfahrenheit, für das Heberwuchern aller möglichen doch nur egoistischen M)- tiven entspringenden politischen Interessen, für Den Mangel an einem starken, alle Stammesunter- schiede überbrückenden nationalen Gefühl! Man sollte meinen, mehr denn je erforbert gerade die Gegenwart festeste innere Geschlossenheit, und man sollte sich hüten, die parteipolitischen Gegensätze, die schon zur Genüge vorhanden sind, noch durch neu ausgepeitschte und in jeder Weise auch unberechtigt wieder ins Leben gerufene Stammes- gegensätze zu vertiefen. Denn seitdem Hannover eine preuhische Provinz geworden ist, hat gerade der preußische Staat alles getan, um es wirtschaftlich und kulturell so eng wie möglich mit den anderen preußischen Gebieten ziz verknüpfen, Um der neuen Provinz dadurch die .Segnungen zuteil werden zu lassen, die eben nur die Zugehörigkeit zu einem Grvhstaat geben kann. Kulturfordernd hat Preuhen in Hannover gewirkt, wie das Hannover selbst aus sich heraus niemals vermocht hätte. Ganz abgesehen davon, Latz die hannoversche Industrie sich nur dadurch so glänzend entwickeln konnte, datz das ßanb zu Preutzen gehörte, hat dieser Staat seine großen finanziellen Kräfte sehr bald nach 1871 in den Dienst der Moorkultivierung gestellt, denn 14 Prozent in Hannover sind Moorland. Allein für die Kultivierung des Dvur- tanger Moores hat Preuhen 20 Millionen Mark ausgegeben, und es hat im ganzen 48 000 Hektar Acker- und Wiesenland, 82 000 Hektar Forstwirtschaftsland gewonnen. Großes hat Preuhen im Ausbau der hannoverschen Wasser st ratzen, der Eisenbahnen geleistet; 624 MUlionensind ausgegeben worden Für die Kanalbauten und Fluhregulierungen, 580 Millionen für die Dahn- bauten. Das alles sollte doch versöhnend wirken und hat ja auch in weitesten Kreisen so gewirkt. Die Träger der 52vslösungsbestrebungen sind ja auch entweder nur nicht zu überzeugende, aus Tradition welsisch gesinnte, starrköpfige adlige Großgrundbesitzer und Gei stliche, oder sonstige Unzufriedene, Dauern und Handwerker. Was die welfische Bewegung aber zur gefährlichen macht, ist die Tatsache, datz sie durch geschickte, allerdii^s eben auch skrupellose Propaganda sich ein starkes Mitläufertum zu sichern gewußt hat. Man redet der kritiklosen Masse vor, daß gerade die Loslösung Hannovers von Preuhen eine nationale Tat sei. Die alle Mär, datz der Hatz Frankreichs sich in der Hauptsache nur gegen das militaristische Preuhen richte, nicht gegen Deutschland, wird immer 'Wieder und in allen Tonarten ausgetischt — die Zertrümmerung Preußens, die mit der Selbständigkeit Hannovers ihren Anfang nehmen müsse, fei eine nationale Notwendigkeit, ein Weg zur nationalen Rettung. Dabei ist das Gegenteil der Fall, denn gerade die Zertrümmerung Preußens wäre die schwer st e Gefahr, die für den Bestand des Reiches überhaupt her- ausbeschworen werden konnte. Was es heihen würde, wenn in der heutigen Zeit sich nach Hannover auch Rheinland-Westfalen, Oft- preuhen, Schleswig-Holstein, Kur - Hessen selbständig machen würden — und mit Sicherest würden dahingehende Schritte dieser Provinzen nach einem hannoverschen Erfolg zu erwarten sein — darüber sollte sich in der Tat kein Deutscher mehr im unklaren sein.
Wir wollen hoffen, daß das „Los von Berlin" nicht mehr die Zugkraft ausübt, wie es die Deutsch-Hannoveraner erhoffen, daß sie die etwa 600 000 Stimmen, die sie zur Vorabstimmung über ihren Antrag am 18. Mai nötig haben, doch nicht zusammenbekommen. Mag jder Hannoveraner darüber nicht im Zweifel sein, welche schweren außenpolitischen Gefahren er für das gesamte Vaterland herauffuhren hilft, wenn er den Deutsch-Hannoveranern seine Unterstützung leiht, und daß er sich selber auch als Steuern zahler nur schwer schädigt. Denn selbstverständlich bedarf ein selbständiges Hannover eines ganz anderep Verwaltungsapparates, dessest Kosten nur durch erhöhte Steuern gedeckt werden können. Sache der wirklich Deutschland liebenden Hannoveraner muß es sein, zu verhüten, daß der 18. Mai zu einem verhängnisvollen Schicksalstag unseres schwer geprüften Vaterlandes wird. Das Wort eines Freiherrn vom Stein, der auch kein Preuße war, der aber zu einem Preuhen wurde, weil er in schwerster Rotzeit Deutschlands den nationalen Beruf dieses Staates erkannte, das Wort: „3d> kenne nur e i n Vaterland, und das heihtDe utsch- l a n d", sollte allen Hannoveranern am 18. Mai lebendig in ihren Herzen sein.
Ein „nationaler Block der Mitte" ?
Berlin. 12. Mai. (WTD.) Wie das Wolffbüreau erfahren haben will, sind bei den Mittelparteien Bestrebungen im Gange, aus dem Zentrum, der Deutschen Dolkspartei und de« Demokraten eine Fraktion zusammenzuschlietzen, die vielleicht den Namen „NationalerDlockder Mitte" führt, und in der die einzelnen Par-
Pomcares Niederlage.
Der Wahlsieg der Linken in Frankreich. - Vor einem Regierungswechsel - Die Besprechungen über die Reparattonsfrage abgesagt.
Paris, 12. Mai. (WTD.) Um 6 Uhr abends sind sämtliche Wahlresultate bekannt, mit Ausnahme von 9 Sitzen in den Kolonien und einem unbestimmten Sitz im Departement Du Nord. ES sind gewählt:
Konservative 11 (gegen 25),
Republikaner (Nationaler Block) 137, LinkSrepublikaner 92,
Unabhängige Radikale 34,
Radikale und Radikalsozialisten 127, Sozialistische Republikaner 35, Vereinigte Sozialisten 109, Kommunisten 29.
3m ganzen 574.
Der „Ternps" berichtet, in gewissen Regierungskreisen gebe man das Resultat von 564 Wahlsitzen bekannt. Da diese Statistik von der von Havas veröffentlichten abweicht, sei sie hier angeführt: Konservative 19, Gruppe Ara- go 118, LinkSrepublikaner 87, Nationalradi- kale 49, Sozialistische Republikaner 19, Radikale und Radikalfozialisten 137, Sozialisten 111, Kommunisten 24. — Die Gewinn - und Verlustliste bei den bekanutgegebenen 574 Wahlergebnissen ist die folgende: Konservative Gewinn 2, Verlust 17; Republikaner (Nationaler Block) Gewinn 24, Verlust 88; LinkSrepublikaner Gewinn 17, Verlust 77; Dissidierende Radikale Gewinn 9, Verlust 23; Radikale und Ra- dikalsozialisten Gewinn 66, Verlust 16; Sozialistische Republikaner Gewinn 15, Verlust 16; Sozialisten Gewinn 58, Verlust 10; Kommunisten Gewinn 24, Verlust 7,
Da» „Echo De Paris" will von einer be» sonders gut unterrichteten offiziellen Persönlichkeit erfahren haben, daß man in der Umgebung des Ministerpräsidenten Poiacarä die durch die Neuwahlen geschaffene Lage wie folgt beurteilt: Man könne sagen, datz 200 bis 300 Stimmen der Opposition geschaffen worden seien, obwohl man der Ansicht sei, daß diese Ziffer auf 250 reduziert werden könne, wenn man die Erklärungen der Radikal- fozialiste« wahrend der Wahlperiode für Die Politik Poincaräs in Betrach t ziehe. Trotzdem könne man sicher fein, daß Poincarä und seine Mitarbeiter die Ansicht vertreten, daß daS gegenwärtige Kabinett seine
teien ihre politische Selbständigkeit behalten würden. Das Zentrum wurde mit seinen 65 Stimmen die stärkste Gruppe sein und könnte also den Reichskanzler Marx auch für den neuen Reichstag präsentieren. Es wird damit gerechnet, datz die neue Fraktion die wohlwollende Neutralität der Sozialdemokraten finden werde. Käme die angestrebte FraktionSbilduug zustande, so würde sich folgende Gruppierung ergeben: Block der Mitte 137, Deutschnationale 105, Sozialdemokraten 100, Kommunisten 62, Deutschvölkische 32. Die volksparteiliche „Zeit" erklärt allerdings, daß die Frage einer Frakttonsgemsin- schast in obigem Sinne in der Deutschen Dolkspartei bisher überhaupt nochnicht erörtert worden sei.
Die Einberufung des Reichstages dürfte für den 27. Mai erfolgen. Die Vorstände /der alten Reichstagsfrattivnen treffen bereits die Vorbereitungen Jür die ersten Fraktionssitzungen. Am 14. Mai tritt als erste Fraktion die Deutsche Vollspariei zusammen, der am 20. Mai die Deutschmatiomllen folgen. Als Alterspräsident, dem in der neuen Wahlperiode die Eröffnung des Reichstages obliegt, dürste der 79- jährige Sozialdemokrat Dock (Gotha) in Frage kommen.
Die Regierungsbildung in Bayern.
München, 12. Mai. (WTD.) Wie die »Münchener Allgemeine Zeitung" meldet, werden zwischen der Deutschnationalen Volks- Partei und der Bayerischen Dolkspar- tei zur Zell trregen der Neubildung der bayerischen Regierung Verhandlungen geführt. Die Deutschnationalen beständen daraus daß Dr. v. K n i l l i n g wieder das Amt des Mimsterpcäsi- dcnten übernähme. Für das Ministerium des Innern werde Ministerialrat Stützet in Vorschlag gebracht. An Stelle des Ministers Oswald solle als Sozialminister der Abgeordnete Funke treten. Der Posten Kahrs solle mit dem Minister Schweher beseht werden. — Pollleioberst von Seitzer ist von der Reaieruna seines
Semiff ton geben müsse. Allerdings müsse man berücksichtigen, daß die gegenwärtige Kammer bis zum 1. Juni legal am Ruder sei. Das jetzige Ministerium habe also bis zu diesem Zeitpunkt die Führung der Geschäfte zu übernehmen. Aus die Frage, wer der Nachfolger Poincaräs werden könne, habe die gleiche Persönlichkeit geantwortet, es gebe gar kein Schwanken, das müsse der Abgeordnete H e r r i o t sein. Poincartz, der einen hohen Begriff von den parlamentarischen Notwendigkeiten habe, werde der Letzte sein, der eine gegenteilige Ansicht über die Lösung der durch das Ergebnis der Kammerwahlen geschaffenen Lage haben werde.
Zum Ergebnis der Wahlen schreibt das„E ch v de Paris": Die Niederlage der Rechten sei eine harte Lehre. Man habe das allgemeine Stimmrecht benutzt, um sich ungerecht und undankbar gegen eine Mehrheit zu zeigen, die vielleicht zwar ihr gut Teil Fehler begangen habe, aber doch dem Wohl des Landes gedient und eine feiner Würde entsprechende Außenpolitik getrieben habe. Diese Mehrheit habe die Last der älnzufriedenheit auf sich genommen, für die sie von Rechts wegen durchaus nicht die eigentliche Verantwortung trage. Man habe diese Unzufriedenheit bewußt gegen sie ausgebeutet und der Wähler habe sich dadurch beeinflussen lassen. Wenn man unter den gegebenen Umftänben die Männer im Parlament wechsele, dann bedeutet das einfach eine Rückkehr zu einer mühseligen schmerzensreichen Vergangenheit mit einem Personal, dessen weitgehende Unzulänglichkeit man bereits habe erkennen können, eine Unzulänglichkeit, die heute noch erschwert werde durch neue Elemente der gesellschaftlichen Einordnung und der Gewalttätigkeit. — Das Ergebnis der Wahlen wird auch vom »Temps" mit merklichem Miß- behagen aufgenommen. Nach dem 1. 3uni, so schreibt das Blatt, werde man sehen, wie die Wahlverbündeten des gestrigen Tages es anstel- len würden, vier Zähre zusammenzuhalten und welche Außen-, Innen- und Steuerpolitik sie ins Werk sehen würden. In welcher Form würden sich die Kommunisten, die ihr Bündnis mit Moskau offen *ur Schau trügen, die Sozia- listen, denen die französischen Forderungen an Deutschland immer noch übertrieben erschienen, und die R a'b ikalsozia- list en, die in der letzten Kammer eine nationale Politik getrieben hätten, miteinander verständigen? Welche Mihhelligkeiten würden zutage treten ?
ES frage sich, ob man Deutschland gegenüber eine Politik derVertragsdurchführung einschlagen werde, wenn es Widerstand leiste oder eine
Politik der Schwache, wenn es sich seinen Verpflichtungen entziehe. Wenn diese Politik eine Politik der Starke sein solle, so werde sich nichts geändert Huben. Sollte es eine Politik der Schwache fein, so werde es keinerlei Zahlungen geben.
Damit sei die Frage der Steuerpolitik aufge- toorfen. Die Franzosen würden Laim zu bezahlen haben, da Deutschland nicht zahlen werde, und die lieberlaft, die das anhallende deutsche Versagen den französischen Steuerzah'ern aufnötige, wyrde noch größer werden. Wenn man bei der vollständigen und wohlüberlegten Zer- glteberang der Wahlergebnisse den Eindruck gewinne, daß die Kräfte der Linken einer Mehrheit und darnll der ilebernahme einer Regierung nahekärnem so dürfe man Voraussagen, daß für si-L die Qtera der Schwierigkeiten beginne. — Das „Journal de s Debats' versucht dem Ergebnis der Wahlen die für den Augenblick beste Seite abzugewinnen. Es scheint, so schreibt das Blatt, daß man schon heute drei Feststes-- hingen machen könne:
1. datz das Anwachsen der Linken nicht der kommunistischen, sondern der sozialistischen und der radikalsozialistischen Partei zugute komme, die den revolutionären Anschein vermieden, die stets Anspruch darauf erhoben hatten, die Regierung wieder zu übernehmen und die sich immer anheischig gemacht hätten die groben nationalen Interessen zu wahren,
2. daß die Linksparteien, die die Kommunisten gingen sich hätten, genötigt sein würden, sich den weiter rechts stehenden Republllw nem zu nähern und den gemäßigteren Elementen Rechnung zu tragen.
Die „Liberte" schreibt: Als die Arbeiterpartei in England die Regierung übernommen habe, h-oVe man eine Schwenkung in der britischen Politik das Ende der französisch-englischen Entente und den Triumph der Demokoatie an- gekündigt.
Nichts habe fich geändert.
Die neu ans Ruder Gekommenen hatten die Politik chrer Vorgänger fortgesetzt. Das Schicksal eines Landes werde zumeist von Kräften beherrscht gegen die der menschliche Wille nicht viel ausrichten fönjte. Frankreich sei an einem jener Wendepunkte angekommen, an denen man, um zum Ziel zu gelangen, die Pferde wechsele. — Der „Intransigeant" sucht seinen Trost darin daß Paris dem Nationalen Block treu geblieben sei. Dafür müsse man ihm Dank wissen. In der Provinz aber scheine der Block der Linken eihebllchen Vorsprung zu haben. — Der linksradikale „Paris Soir" schreibt, noch nie in der Geschichte Frankreichs habe eine Mehrhell eine derartige Niederlage erlitten. Wenn Millerand begriffen habe, müsse er gehen. Wenn Poincars Sinn für die Beredsamkeit der Zrs-
Amtes enthoben worden. Ein Rücktcitts- gesuch hat er vorher nicht eingereicht.
Der Ruhrcmsstand.
Berlin, 12. Mai. (WB.) Nachdem die Verhandlungen der Parteien im Ruhrkohlenbergbau über den Nkrnteltarif am 9. und 12. Mai in Essen zu keinem Ergebnis geführt haben, hat der Reichsarbeitsmini st er die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Ruhrbergbaues auf den 14. Mai zu Schlichtungs- Verhandlungen nach Berlin eingeladen. Diesen Verhandlungen soll eine Besprechung beim Re ichs kanzler voraufgehen. Gelegen- hell der heute fortgesetzten Rahmentarifver- handlungen hat der Zechenverband auf Grund einer Anfrage der Arbeitnehmervertreter folgende Erklärung abgegeben: Der Zechenverband erblickt »lediglich in der Deachturrg der Verbindlichkeitserklärung der in Hamm für den Monat Mai geschaffenen Rechtsverhältnisse die Möglichkeit, zu einer
Beendigung der im Rührbergbau obwaltenden Schwierigkeiten
zu gelangen. Es kann nicht Sache deS Zechenverbandes sein, in Besprechungen einzutreten, welche über die in dem Hammer Ergebnis festgelegten Verpflichtungen H i n a u s g e h e n. Eben) oroenig ist es Aufgabe des Zechenverbandes, über die den Maßnahmen der Arbeitnehmer zugrunde liegende ablehnende Stellung gegenüber der Verbindlichkeitserklärung zu verhandeln. Zu einer Fwrtsetzung der R ahmentarifVerhandlung ist der Zechenverband nach, wie vor bereit, um unter Einhaltung der in Hamm von dem llkeichSarbeitsminister gesetzten Forst die Verhandlungen zwischen den Parteien zu beenden. Bekanntlich sieht die Verbindllchkeitserklärung für den Monat Mai einerseits die •
Beibehaltung der April-DrbeitSzeit und andererseits die Weitergeltung deS bisherigen Rahmentarifs und eine Lohnerhöhung von 15 Prozent ab 1. Mai
vor. Der Zechenverband hat die ihm auf erlegten Verpflichtungen erfüllt.
Der Zechenverband teilt ferner mit: Aas zahlreichen Pressemeldungen der leisten Tage geht
hervor, daß Verhandlungen zwischen dem Zechenverband und den CBergarbetterorganifa» Honen über die bestehenden Streitigkeiten geführt worden seien. Dem muh mit aller Bestimmthell entgegengetreten werden. Bisher haben keinerlei Verhandlungen stattgefunden, an dem der Zechenverband beteiligt gewesen wäre, außer der von den zwei Verttetern des Zechenverbandes am vergangenen Samstag geführte» Aussprache mit Reichskommissar Me hlrch. Der Zechenverband vertritt de» Standpunkt, daß
angesichts der absoluten Klarheit der Rechts- läge,
wie sie durch die in Hamm erfolgte Derbind- lichkettserklärung der bekannten Schiedssprüche über die Lohne und die Arbellszell geschaffen wurde, zu irgendwelchen Verhandlungen keinerlei Anlaß besteht; er kann es nur der Belegschaft überlassen, sich dieser durch Recht unö Gesetz geschaffenen Lage zu fügen. Der Zechenverband legt Wert darauf, in diesem Zusammenhang festzastellen, daß die heutigen Durchschnittslöhne, einschließlich der Svziallöhne höher find als die Friedenslöhne, trotz der am eine halbe Stunde verkürzten Arbells- zell unter Tage. Es ist also nicht zutreffend, daß die Löhne, wie vielfach in der Tagespresse behauptet worden ist, um 8 Prozent hinter den Friedenslöhnen Zurückbleiben.
Die kommunistische Streikhetze.
Essen, 12.Mai. (WD.) Die bereinigten vier Dergarbeiterverbände erlassen einen Aufruf, in dem sie sich gegen die kommunistisch-syndikalistische Zentral« der Streikleitung wenden, die mll politischen Forderungen der K P. D. auf den Plan trete und den Ruf erhebe, in den Kampf für dic Diktatur des Proletariats einsutreten. Eine verantwortungslose Gruppe irgendwelcher Führer versuche, die schwer um ihre Existenz ringenden Ruhrbergarbeiter vor den kommunistischen Parieikarren zu spannen, um die Arbeiter in den Abgrund einer blutigen AuS - einanb ersehnng zu treiben. Der Aufruf schließt mit einem Appell an die 'Bergarbeiter, der Seneralstreikparole der Kommunisten jetzt ebenso die Gefolgschaft zu verweigern wie am 6. Mai.


