Mittwoch, <2. November 1921
Nr. 267 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Gberheffen)
Die letzten Stationen vor dem 5
1V.
eltkriege.
Das letzte Gelingen des Kriegsplanes Iswolskis und Poincares.
Don Friedr
Der Herausgeber der neuen Akten- publikation des Auswärtigen Amtes, der Vortragende Legationsrrit im Auswärli- gen Amte, Dr. Friedrich ©liehe, gibt zu den vier Dokumenten bänden selbst gleichzeitig mit diesen einen Ergänzungshand Heraus'), in dem ec in schlüssiger Weise die Folgerungen aus der Rach- prüfung des gesamten Schrittwechsels 3$- wolskis mit dem Petersburger Außen- minlflcrtuni zieht. Wir entnehmen dem Werke die nachstehenden Schlußbe- trachtungen, bereit sachlicher Inhalt sich lückenlos an die hom Verfasser au8 den Dokumenten gezogenen Folgerungen anschließt und damit das Bild des ver- hängnisvollen Zusammenwirkens der beiden grasten Kriegsverschwörer ISwolskt und Poincare bis unmittelbar an den Weltkrieg Heran zu einem hollkommenen Gesamtbilde abschließt
Die Entscheidung über das Schicksal Europas tm Sinne der Unvermeidlichkeit des Weltkrieges siel um die Jahreswende hon 1913 zu 1914. Das ist das unwiderlegliche Ergebnis der Dokumentensammlung. Schon im Dezember 1913 waren alle Ges-chren, die der Durch- sührung der gemeinsamen Ziele der russischen and der französischen Politik drohten, durch das plan- mähige Zusammenwirken Iswolskis als russischen Botschafter und Poincarös als sranzösischen Präsidenten beseitigt. Das künstige Schicksal Europas war besiegelt Was nun folgte, war das zwangsläufige Hineingleiten Europas In de n Weltkrieg auf den Gleisen, die Iswolski und P o i n c a r ö gelegt hatten.
Die beiden Grossmächte mit positihen Aspirationen. die slawische im Osten und die gallische im Westen, waren sich im Dezember 1913 in dem einen entscheidenden Punkte einig, das) die Verwirklichung dieser Aspirationen nur durch Ueber- windung des beiderseitigen Hindernisses zu vollziehen war. das die Mittelgruppe Deutschland-Oesterreich darstellte. Unb biefe Mittelgruppe war zur selben Etunbr hon einem burch- aus geschlossenen Reh feinblicher Absichten umgeben, in bem sie sich, ohne es selbst zu ahnen, jeden Augenblick herstricken konnte, sobald sie den lauernden Gegnern den Vorwand zur Realisierung ihrer geheimen Destrebungen lieferte. Das ist bas Bild ber Gesamtlage, bas sich am Enbe bes 3uni 1914 aus ben Akten ergibt.
Am 28. 3uni hallten bie Schüsse hon Sarajewo in bie hon kriegerischen Tendenzen her- Siftete Atmosphäre unseres Weltteiles. Mit der trmorbung des österreichischen Thronfolgers beginnt bas unmittelbare Vorspiel der Katastrophe hon 1914, das nicht mehr In den Rahmen unserer Darstellung gehört. Die Einzelheiten dieses Vorspieles sind bereits durch zahlreiche überaus wertholle Arbeiten blvhgelegt. Beachtenswert erscheint. daß in den Papieren Iswolskis seit Anfang Juli auch heute noch eine große Lücke Hattt. Hat hier schon früh eine horfiebtig fäu- bernde Hand eingegriffen? Wir wissen das nicht mit Bestimmtheit, aber wir sind angesichts des plötzlichen Versagens der Dokumente zu der eben gestellten Frage berechtigt.
Hinsichtlich der Vorgeschichte des Attentates auf Erzherzog Franz Ferdinand hat die Forschung bisher ergeben, bah es vorn Chef der Rachrichtenabteilung des serbischen Generalstabes. Oberst Dimitriewitsch, nor bereitet und heran labt wurde. Rach Angaben des österreichi-
•) »Iswolski und der Weltkrieg". Auf ®rjnb ber neuen Dokumenten-Veröffentlichung des Auswärtigen Amtes hon Friedrich Stieve. Deutsche Deilagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W 8.
i ch Stiehe.
schon Historikers Mandl arbeitete dieser Mann im Einhernehmen mit dem russischen Militärattache in Belgrad. Ardamonow Sollte sich bie letztere Behauptung bestätigen, so würde damit ber Beweis erbracht sein, das) es sich um einen Anschlag Rußlands auf die Donaumonarchie handelte und dah damit ein wichtiger Teil des Programmes hon Sasonow für bie grobe Lösung ber Meerengenfrage zur Durchführung gelangte, wobei immerhin dahingestellt sein mag, ob bie militärischen Kreise nicht etwas früher zur Tat schritten, als bie p o l i t i s ch e n wollten. Aber wie bem auch sei, bie Schreckenstat wurde allgemein als furchtbare Provokation der Habsburger Monarchie empfunden, was Joga; das englische Blaubuch über die Entstehung des Weltkrieges zugibt.
Wir wollen uns nun lediglich darauf beschränken, kurz zusammenzustellen, was unmittelbar vor den letzten Krisenlagen nach den hör- liegenden Zeugnissen zwischen Paris und Petersburg vorging. um getoilfermähen bie Probe auf bas Exempel unserer bisherigen Ergebnisse zu machen unb zu untersuchen, ob bie einschlägigen Geschehnisse unseren Beobachtungen über bie Zeit seit 1910 entsprechen ober nicht.
Dom 20. bis 23 Juli weilte ber Präsibent ber französischen Republik, Poincar 6, zusammen mit bem neuen Ministerpräsidenten Viviani in Russland, um dort dem Za ren einen zweiten Besuch crbzustatten, Die Reise war längst geplant, denn bereits am 5. Januar 1914 wird sie von Iswolski in einer Depesche angefünbigt. Heber ben äußeren Verlauf des Besuches sind wir durch bie Aufzeichnungen hon Poincare unb Palevlogue, bem französischen Botschafter am Zarenhofe, unterrichtet, bie immerhin einige Schlüsse auf die inneren Hergänge erlauben. Wir wollen zunächst ganz kurz zusammenslelien, was sich aus ben beiden erwähnten Darstellungen ergibt:
Rach dem, was bisher oorgefallcn ist, erscheint es nicht verwunderlich, wenn der Zar anläßlich des Frühstücks in Peterhof am 20. Juli, bas noch vor ber Ankunft Poincares ftattfanb, zu Pa- teologuc sagte: „. . . es gibt eine Frage, bie mich vor allem beschäftigt: unsere Entente mit C n g l a n b. Wir müssen es veranlassen, in unsere Alliance einzutreten."
Rach der Ankunft von Poincares Kreuzer „La France" besteigt der Präsident die Pacht des Zaren ,.Alexandria", und es kommt zur ersten Unterteilung zwischen beiden, wobei nach Poincare „nur reichlich allgemeine Erwägungen, unb ich bin sogar gezwungen, hinzuzufügen, reichlich banale, über bie Rotwenbigleil bet Erhaltung unserer Alliance angestellt wurden". Paleolvgue schreibt jedoch:
„Auf dem Backbord sitzend, begannen ber Kaiser unb der Präsident sofort eine Unterhaltung, oder besser gesagt, eine Konferenz: denn man kann sehen, daß sie von Geschäften sprechen, daß sie sich gegenseitig fragen, daß sie diskutieren. Wie es sich gehört, dirigiert Poincare den Dialog. Bald spricht et allein. Der Kaiser stimmt nur zu, aber seine ganze Physiognomie beweist, daß er aufrichtig bi llig t, daß et Einverständnis und Sympathie fühlt."
Ganz gleichgültig scheint also das Gespräch, das geführt wurde, nicht gewesen zu sein. Am Abend des 20. Juli fand bann um ein halb acht Uhr ein Galabiner statt, bei bem der Zar Poin- care wieder zuhört, „mit einerernsten, gelehrigen Aufmerksamkei t“. Der Präsident hatte also jedenfalls viel zu sagen.
Am 21. Juli vormittags suchte der Kaiser Poxncarös im Palais des Peterhofs auf und verweilte beinahe eine Stunde bei ihm. Rach Poin- car^s eigener Schilderung wurden nur einzelne Fragen besprochen, keineswegs bie Möglichkeit
eines Krieges. Ganz allgemein wirb jeboch weiter zugegeben, baß ber Präsident in seinen Unterredungen mit dem Zaren sich bemühte, die damals herrschenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Englanb und Rußland «wegen Persien) zu beseitigen. Um einhalb ein Uhr besichtigt Poincarö Petersburg. Um 3 Uhr empfängt ber Präsibent bie Delegierten ber französischen Kolonie. Um hier Uhr sprechen im WinterpulaiS bie Diplomaten bei ihm vor. Die Gespräche mit ben einzelnen Vertretern ber fremben Länber sinb sehr charakteristisch:
Mit bem beutschen Botschafter, Grafen P o u r t a l e s , wirb kein Wort über Po l i- tif gesprochen. Die Besprechung mit bem japanischen Botschafter, Baron M o t o n o , kennzeichnet Palevlogue mit folgenden Worten: „Mit einigen Sätzen würbe bas Prinzip bes Anschlusses an bie Tripleentente formuliert unb gegenseitig gebilligt.“ Dem Engländer Buchanan versicherte Poincatö, ..daß ber Kaiser entschlossen ist, sich möglichst versöhn- l i ch hinsichtlich ber persischen Angelegenheit zu zeigen unb er bringt barauL baß bie englische Re- ?|icrung endlich bie Rotwendigkeit einer Umwand- ung der Tripleentente in eine Triple- a Ilia nee begreift“. Hieraus folgt bei Paleo- logue bie sehr intereffanlc Schilberung ber Unterteilung zwischen Poincare unb bem Botschafter von Oesterreich-Ungarn, dem Grafen Szapary: ..Rach einigen Wo. .en des Bedauerns über die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand fragt der Präsident Szapary: ..Haben Sie Rach- richten von Serbien?" „Die gerichtliche Untersuchung nimmt ihren Laus", antwortet kühl Szapary. Poincare erwidert: „Die Ergebnisse dieser Untersuchung können nicht umhin, mich zu beunruhigen, Herr Botschafter: denn ich erinnere mich zwei früherer Untersuchungen, die Ihre Beziehungen zu Serbien nicht gebessert haben . . . Sie erinnern sich, Herr Botschafter .. bie Angelegenheit Friebjung unb bie Angelegenheit Prochaska." Szapary entgegnet trocken: „Wir können nicht bulben, Herr Präsibent, baß eine frembe Regierung auf ihrem Territorium Attentate gegen unsere Souveräne vorbereiten läßt." Im versöhnlichsten Ton bemüht sich Poincare, ihm auseinanderzusehen, bah bei der jetzigen geistigen Verfassung Europas alle Regierungen ihre Vorsicht verdoppeln müssen. Mit ein wenig guten Willen läßt sich diese serbische Angelegenheit Leicht regeln. Aber leicht wird sie sich auch gefährlich entwickeln. Serbien hat sehr warme Freunde im russischen Vol k. Und Rußland hat einen Alliierten, Frank rei ch. Welche Verwicklungen sind da zu befürchten!" Im Saale nebenan warten die anderen ausländischen Vertre'er, die Poincarck bloß durch einen Händedruck begrüßt. Rur vor dem serbischen Minister, Spataikowitsch, bleibt er stehen, den er mit zwei ober drei Sähen ber Sympathie tröstet.
Wir erhalten hier doch allerhand A sschlüsse, die auf das Auftreten Poincares ein Licht tirrfen. Auf ber einen Seite beobachten wir fern Streben, Japan für die Entente zu gewinnen, und feine Ungeduld, mit der er versucht. England an das französisch-russische Bündnis zu fesseln. Hier begegnen wir somit der Fortsetzung seiner bisher mit eiserner Konsequenz durchgesührten Arbeit an ber Isolierung unb Umzingelung ber Mittelmächte. Ans ber anderen Seite sehen wir die sellsame Stellungnahme des Präschenten zu ber akuten Frage bes Tages, zu bem Konflikt zwischen Oesterreich unb Serbien teeren der Ermordung bes Erzherzogs Franz Ferdinand, feine offene Drohung an ('ten Vertreter Oesterreich- Ungarns und seine Sympathi Kundgebung für ben Serben Poincare selbst berichtet barüber nicht, Palevlogue plaudert also aus ber Schule unb verrät uns, in welchem Sinne Poincare in Petersburg angesichts ber äußerst gefährlichen Krise wirkte . . .
Rach bie)en unb anderen Ginzelhmten ist nicht anzunehmen, daß bie geheimen Besprechungen des Le.ters bet französischen Politik mit ben führenden Männern Rußlands so gar keinen Bezug auf bie augenblickliche Lage nehmen, wie
Poincarö uns einreden möchte Wir hatten bisher e.ne indirekte Andeutung dafür, daß diese Belpvr- chungen in ber Tat nicht so harmlos gewesen sein tonnten, dran im englischen Blaubuch fehlt der Text dcS Teiegrammes 6 aus ber Zeder des britischen Botschafters in Petersburg, Buchanan, dessen Inhalt aber im Register kurz angegebene .st. unb |to . »IS
Resultate von Pomcar^'-s D lud) Wir sind jedoch in ber Lage, daS wohl absichtlich ausgelassene Stück hier wiederzugeben Es lautet in deutscher Uebersctzung:
»Minister der Auswärtigen Angelegew beiten unb französischer Botschafter sagten mir vertraulich, Ergebnis des Besuchs des Präsidenten der französischen Republik ser gewesen, bi? folgenden Punkte sestzu egen:
1. Volllommene Gemeinsamkeit der Ansichten über die verseoiedcnea Fragen, Ibenen Die Mächte gez en überstehen. i'.mS die Aufrechterhaltung des ahgane nm F ledenS und Gleichgewichts der Kräfte in Europa, und besonders im Osten, anlangt
2. Entschluß, in W i en Schritte zu unternehmen, um ein Tk.langen nach Aufkläri: ng ober irgcnblv labe Aufs ■ de- rung zu ver h irdern, die eincr Einmischu i । in bie inneren Ang lcgmhe.ten Serbieno g eichkämen, welches bi ses berechtigter.reise als e n *'-. Angriff auf feine Souveränität und Unabhängigkeit ansehen könnte.
3. Feierliche De st ä t i g u n p der durch das Bündnis den beiden ßänbera auferlegten Der- pflichtunge n."
Man muß bedenk.n, ba!) solche Abmachungen vor Ueberreichung des österreichischen Ultimatums an Serbien getroffen wacoen. Angesichts dieser Tatsach' gewinnt die in Punkt 3 angeführte ..feierliche Bestätigung der durch d s Bündnis den beiden Ländrn auferlegten 'Verpflichtungen" eine besondere Bedeutung Läßt s c uns doch unwiderleglich flar erkennen, daß man sich genau im Einklang mit der von uns bisher f'stgestellten Stellung der französ scheu unb ber russisdxm Regierung gegenseitige Waffenhtlfe aj- sicherte, bevor ein solcher Schein durch den Gang ber Ereignisse noch irgendwie berechtigt war. H.er trafen sich der französische und der russische Kriegswille im entscheidenden 21 genb ick. und das Zarenreich wußte von dieem 2iugenbiick an. daß es bie 2Ivmec seines Verbündeten hinter sich hatte, wenn es in dem akuten österreichisch-serbiscken Konflikt zur Anwendung von Gewalt üb rgeben wallte. Die Blankovollmacht für ben We11kri eg, die zuerst 1912 von PoincarL erteilt worben war, wurde also sitzt wiederholt
Danach ergibt sich alles weitere beinahe zwangsläufig, und wir können hier darauf verzichten, bie bekannten Daten unb Ereignisse ber Reihe nach aufzuzädien. Der Konflikt zwischen Oesterreich und Serbien war für Rußland unb Frankreich ein günstiger Anlaß zur Verwirklichung ihrer Pläne. Gelang es, ben lokalen Streit allgemein zu machen, so mußte Deutschland mit hineingezogen werden, wie Poincarö eS wünschte. Unb bas würbe denn auch burch bie russische M obil machung vom 30. Juli erreicht. Auf ber anderen Seite vermied man die Berührung englif che r Interessen, txe bei der direkten Lösung ber Meerengenfrage bekanntlich immer zu Bedenken Anlaß gab. Behält man alles, was vorher geschehen war, im Auge, fo begreift man erst ganz, warum bei ber Katastrophe sich an ber Rewa unb an ber Seine baS ereignen mußte, was sich tatsächlich ereignete.
Man hat sich bisher vielleicht zu sehr daraus beschränkt, bie Krise als solche, gewissermaßen herausgehoben aus bem Fluß des historischen Werdens, unter bie Lupe zu nehmen unb damit ein Verfahren angewandt, das ben Historiker nicht vollauf befriedigen kann. Ein so gewaltiger Prozeß in der Geschichte der Menschheit, wie der Weltkrieg, darf, wenn man seine Ursachen entdecken will, nicht nur an ber Explosion selbst studiert werben. Es ist vielmehr eine genaue Durchforschung jener Elemente nötig, die in bie
Meine Hand, meine Frau und die Dienstmädchen.
Dvn Fritz Müller, Partenkirchen.
Heute ist ber 23. Mai. 2km 15. April haben wir geheiratet, am 30. April unser neuas Heim bezogen, und am 1. Mai hat meine junge F.xru daS erfte Dienstmädchen engagiert Bei dem Engagementsabschluß war ich nii>t zugegen. Erst nachher wurde ich zugezogen. Meute Frau kam nämlich in mein Arbeitszimmer und sagte:
, Fritz, ich habe die Marie engagiert. Komm heraus."
„3a“, sagte ich. „aber was soll ich noch?"
„Run, es gehört sich doch dah du ihr die Hand gibst"
Da ging ich hinaus und gab der Marie bie Hanb
Am 5. Mai ging die Marie wieder fort Infolge gütlicher Vereinbarung mit meiner Fcaa. Meine Frau streitet nätnlich nicht gern. (Sie tarn in mein Zimmer unb sagte:
„Fritz, komm heraus."
„Was soll ich?"
„Die Marie geht fort, gib ihr bie Hand.
„Ja, warum denn?" .
„Ach Fcitz, weiht du, damit man in dm eben auseinanderiommt." „ .
Da ging ich hinaus und gab der Marie die
Am gleichen Tage, gegen Abend, tarn bas neue Dienstmädchen. Cenzi hieß sie. Ich machte felbft bie Türe auf.
„Sie wünschen?" sagte ich.
„Ich g'hör daher," sagte sie.
Darauf gab ich ihr die Hand. Meine Frau sah es unb war sehr zufrieden mit mir.
„Siehst du", sagte sie, „das macht gleich
einen guten Eindruck auf die Mädchen. Da bleiben sie."
Am 10. Mai war es wieder vorbei Es gab ein ganzes Bündel von Gründm dafür, warum die Cenzi wieder ging. Sie weinte in der Küche.
„F.ttz", sagte meine Frau, „geh in die Küche und gib ihr noch die Hand."
Da ging ich in bie Küche unb gab ber Cenzi die Hand.
Am 11. Mai trat die Johanna ein. Sie war sehr resolut unb hatte eine Riesen Hand. Es war fdjon mehr eine Tatze. Ich sah unschlüssig zwischen meiner Frau und b'r Tatze hin und her.
„Ra", sagte me ne F au ermunternd.
Da gab ich auch der Johanna die Hand. Ich habe es einen unb einen halben Tag lang gespürt.
Dann brach eine Schonzeit an für meine Hand, bie bis gestern gedauert hatte. Gestern, am 22. Mai, erklärte mir meine F.au, die Johanna müßte unbedingt fort. Sie sei zu herrisch. Sie,' meine flcine F au» getrau; sich schon gar nicht mehr in die Küche.
„Hm," sagte ich und meine Hand zuckte, „in Gottes-Ramen, bann künb-ge ihr hall."
„Ich?" sagte meine Frau, „das geht doch dich an.“
„Mich?"
„Ja, wen denn sonst? Du bist doch der Herr im Hause, nicht?"
„Gewiß, gewiß," sagte ich. „aber . . .“ „Ra, du wirst doch keine Angst haben?" „Rein, das nicht, aber . . .“
„Ra also, geh hinaus. Ich räume inzwischen deinen Schreibtisch hier auf.“ Der Schreibtisch war schon aufgeräumt Aber es kann nie schaden, wenn e'n Schreibtisch zweimal aufgeräumt wird.
Also ging ich hinaus. Ganz allein hinaus unb gab der Johanna die Hand. Gs war sehr
schmerzhaft, und die Johanna sah mich erstaunt an Dann ging ich wieder in mein Zimmer. Dort hatte meine Fcau das Tintenfaß umgeworfen. Sie schien sehr aufgeregt.
„Run?" fagte sie, „was hat sie gesagt?
„Gesagt? Richts.“
„Das wundert mich aber.“
Gegen Wend sagte meine Frau:
„Denke dir, Fcitz, sie macht noch gar keine Anstalten. Roch nicht einmal ihren Koffer hat sie gepackt."
„-Iber?"
„Die Johanna, natürlich.'
„Run", sagte ich, „merkwürdig, sehr merkwürdig." , . ,
„Du hast ihr doch gesagt daß sie gleich gehen kann, nicht?"
„Ich habe ihr bie Hand gegeben, sagte ich. „Wie immer," fügte ich hinzu. „Vielleicht hat fu es nicht ganz verstanden?"
Darauf sagte meine Fau ganz unvermittelt „Fritz, du bist ein . . ." Hier verwendete sie ein Wort, das sie vor ber Ehe nie gebraucht hatte.
„Ditte", sagte ich. „ich habe noch nie anders gekündigt hier, als indem ich die Hand gab.“
Darauf schoß meine Frau in bie Küche, und es war ein großer Skandal.
Heute ist die Luise bei uns ein getreten. Weine Frau ist nicht in mein Zimmer gekommen, um es mir zu sagen, unb ich habe ber Luise nicht die Hanb geben müssen.
Ich glaube, baß ich es künftig überhaupt nicht mehr tun muß.
Anekdoten.
Der Feldmarschall W r a n g el sagte. „Et is jana eefaL ob ick mir ober mich 'fage ob;H schreibe." Er lud zum Beweise zwölf Herren ein;
an sechs schrieb er: „Wollen Sie mir die Ehre geben“, und an sechs: „Wollen Sie mich die Ehre geben." Unb alle zwölf kamen.
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Eine Dame der Gesellschaft in Berlin mtl allerhand teils eingebildeten, teils wirklich vor- handenen körperlichen Leiden hatte bie freundliche Gewohnheit, wenn sie einen ihr bekannten Arzt auf der Straße ober sonstwo zufällig traf, viese schöne Gelegenheit zu einer Äonfultation au benutzen. Als sie auch einmal anfing, bem berühmten Kliniker Frerichs ihre KrankheitS- erscheinungen vorzutragen — es war im glän» zeud erleuchteten Foyer des Opernbauses während einer Pause der Vorstellung — sagte Frerichs tiefernst: „Ziehen Sie sich aus, gnädige Frau, ich werde nachsehen“.
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Alexander v. Humboldt war im hohen Alter einmal tot gesagt worden. Daraufhin richtete jemand an Humbc lds intimsten /jreu ib, den Bildhauer Rauch, die brieftiche Anfrage, ob er wohl den Schädel des berühmten Gelehrten erhalten könnte. Rauch zeigte dem alten Freunde ben Brief Humboldt antwortete selbst, indem et schrieb: für einige Zeit brauche er seinen Schädel noch selbst, später stehe dieser aber gern zu Diensten. *
Der berühmte Leipziger Jurist Albrecht — einer der vom König Ernst August von Hannover vertriebenen Göttinger sieden Professoren — war verbittert und schwer zugänglich geworden. Als 1866 seine Frau an der Cholera gestorben war und man ihm sein Beileid ausdrückte. bemerkte et achselzuckend: „Sie hat Gurkensalat gegessen und darauf Buttermilch ge- trunfen."
- . 4, * A Oeim emtortn öfc te fefort mfl btt« »en bem btrOfrt*»
Bemerken Sie, daß Ihr Haar ans fällt umagsola


