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Die Krisis des Faszismus.

Itallen befindet sich feit Wochen in einer heuen Krise: Unzufriedenheit mit saszistischen Auswüchsen und glühende Vaterlandsliebe wei­tester Devöllerungslreise haben sich zu einer Opposition gegen den F a szismus überhaupt zusammengefunden. Ihren Höhepunkt hat diese Krise bisher noch nicht erreicht, obwohl als sehr bedenkliches Anzeichen für die Zustande im faszistischen Laaer der Rücktritt des lei­tenden Ausschusses der Regierungs­mehrheit in der Kammer angesehen werden muh. In diesem Ausschuh sind nicht nur Faszrsten, sondern auch Liberale vertreten, die auf Die nationale Liste gesetzt worden sind. Der Rücktritt des leitenden Ausschusses läßt nur die eine Deu- 'ung zu, dah die Gegensätze jetzt unüberbrückbar geworden sind. Eine besondere Roe erhält die na­tionale Krise noch durch das Auftreten Peppino Garibaldis, des Erben und Vertreters der noch immer machtvollen Garibaldinischen lleber- (ieferung. Garibaldi, der vor kurzem an einer vaterländischen Kundgebung teilnahm, wurde da­bei von Faszisten überfallen und tat» sich angegriffen. Jetzt hat auch er dem Faf- ziSmus den Kampf angesagt.

Es wäre verfehlt, aus dieten Vorgängen Ichlieften zu wollm, dah Mussolinis Stel- lung ernstlich erschüttert und der Faszismus aus dem besten Wege sei, unpopulär zu werden. Ganz so liegen die Dinge allerdings nicht, ob­wohl Mussolini die antisoszistische Bttoegung in Italien nicht unterschältt und durch ein soeben erlassenes Verbot Po Irischer Kundgebu ge, ver­bucht seine fasz'stifch.m Verbände von der Strohe semz'uhalten und somit Ausschreitungen zu ver­meiden. Gerade das Auftreten der faszistischen Organisation hat im wesentlichen die antifaszi- sftsche Ctrömung gefördert. Es handelt sich aber, wie gesagt, lediglich um eine Krise im nationalen Coger die' ein Anwachsen der sozialistischen Be- vegung in Italien noch keineswegs bedeutet.

Mussolinis Programmrede.

Rom. 11. Rov. (Agenzia Stesani.) An ©teile bet für gewöhnlich bei dem Wiederzusammentritt des Parlaments abgegebenen Regierungserklä­rung hielt Mussolini in einer Versammlung von Abgeordneten der Mehrheit eine Rede, in der er hinsichtlich der Lage im Innern betonte, dah die Ordnung trotz einiger im übrigen schnell beendeter Streiks, trotz einiger sporadischer Zwischenfälle und trotz des Feldzuges der Oppo- sit onsprefse nichtemstlich gestört worden sei. Die öffentlichen Dienstzweige seien in ihrer Tätigkeit nicht unterbrochen worden; die Ration arbeite zähe weiter. Die Miliz habe dem König den Treueid geleistet, was eine wichtige Tatsache auf dem Wege zu einem nor­malen Zustand darstelle. Die Regierung beab­sichtige, rasch ununterbrochen auf diesem Wege fvrtzuschreilen. Mussolini wandte sich gegen die Auslegung de8 Wo.lesR v r m a I i f i e r u n g durch feine Gegner, für die es einfach eine Ministerkrise bedeute. Die Mehrheit könne nicht das Spiel der Opposition unterstützen. Die Kammer könne und werde trotz der Manöver seiner Gegner arbeiten. Die Abwesenden hätten unrecht und würden unrecht behalten, denn wäh­rend sie scheinbar für die Achtung vor der Verfassung einträten, hätten sie

in Wirklichkeit eine verfassungsfeindliche Haltung eingenommen; sie hätten sich freiwillig iso­liert. Die Mehrheit habe nicht die Pflicht, sie einzuladen. Der Druck des Faszismus würde le.cht durch die Z.ftrmmmeh in i der Partei g^ Snbcrt Se.k mH e c i Men te:i hätten d e spora­dischen und ungesetzlichen Gewalttaten an Zahl abgenommen, ilebr gens würde jede Mn- gcfetzttchkeit, selbst wenn sie sich in ^n Re hen des Faszismus offenbarte, streng bestraft. Der Redner empfahl das Aufhören der F e st z ü g c und anderer öff mtl che Kandg Waa­gen aller Art; dafür solle man sich bei einfachen alltäglichen Arbeiten und guten Werten widmen. Dah der Faszismus einige unveiantworttiche Ele­mente ausgestohen hab:, fe. der Vereis dah man dem W unsche des Volkes nach Ruhe Rechnung trage. Rach zehn Iahren der quälenden Spannung fe eine Rerreideruhi- gung notwendig. Mussolini sprech über, die Teuerung als über e n: Erscheinung, die sich in der ganzen Welt bemeribav mache Das Vorgehen der Reg'erung gegen die Teuer mg war energisch und schnell. Um der gefährl chen Sp l lation einen Damm cntgegenzusezen h be d e Regieru ng die zur Reugestaltung und Verdes e.ung des Grundeigentums ins Leben gee iferten Organi a- fionen unterstützt, den Ge r.iöcbiu und die Brot- fabr.Iation beaufsichtigt, die Der org in, des Lan­des mit Lebensmitteln gesiche.t uno für der Ge- trc.dchandtt eine günstige Zvllp littk eia^esuh t. Alsdann ging Mussolini zur auswärtigen Politik über und zählte die Pakte, Abkommen und Frcundschaftsver träge auf. die von der Regie­rung abgeschlossen werden sind. Dies alles seien die Veweiie, dah dir Auhenpolitik der Regierung den Richtlinien vom Oktober 1922 treu bleibe, die lie politische Verwirklichung des Friedens und zugleich eine fe,:.:. ununterbrochene Verteidigung der politischen, wirtschaftlichen und moralischen

Intereisen der Ration

vorsehen. Man dürfe sich in Hinsicht auf die wirtschaftliche Zukunft der Ration einem gewissen Optimismus bingeben. Ste Reform des Äechtsw esens und die Reform, die die ge= verblichen Stände betreffe, hatten bemerkenswerte Ergebnisse. Das Ministerium des Innern brachte

eme Reform der Verwaltung der Gemeinden und Prnvrnzen zustande. Dor kurzem erwiesen einige Kreuzfahrten den glänzenden Zustand der italienischen Flotte, die allgemein bewundert wurde. Während der beiden letzten äahre ent­wickelte sich das Flugzeugwesen großartig. Mussolini betonte die Wichtigkeit der in den Kolonien geführten Arbeiten, wie z. D. die Aus­nutzung der Wasserkräfte im Iubaland und die Regelung der tripolitanischen und kyrenaiischen Fragen. Zum Schlüsse sagte er einfach, dah die Regierung ihre Pflicht getan und der Ration treu gedient habe, und forderte die Abge­ordneten der Mehrheit auf, das selbe zu tun. Alle zusammen sollten stets an Italien denken. Minister und Deputierte dankten dem Redner mit einer begeisterten Beifallskundgebung.

Der Beschluß der Opposition.

Ausschluß vom Parlamcut.

Rom. 11. Rov. (WB.) Die Abgeordneten der Opposition versammelten sich in der Kammer unter dem Vorsitz des Dolksparteilers R o d i n o. Dieser hielt eine Rede, in der er die Festigkeit und iln- abhängigkeit der Opposition hervorhob und das Bündnis der monarchistisch gesinn­ten Liberalen, Demokraten und Dolksparkeiler mit den Republi­kanern und Sozialisten. Der Bund der Oppositton wolle den Italienern die Sicher­heit wiedergeben, um nebeneinander ein friedliches bürgerliches Leben zu führen; er ver­lange das Aufhören der Gewalttaten, die Entwaffnung der Bürger, die Wiederherstel­lung der Disziplin und der Autorität und die Gleichheit vordem Gesetz, das nicht mehr den Parteien und Cliquen unterworfen werden soll. Es wurde einftimmig durch Zuruf em lan­ger Beschlich gefasst, der das Land in Kenntnis setzt, dah die Opposition den parlamen­tarischen Arbeiten fernbleiben werde, da die politische Lage die gleiche sei, gegen die sie sich am 27. Imtt ausgesprochen habe. Es fei nicht Sache der Oppositton. eine Lösung der Probleme festzustellen, die durch die Lage, die sie selbst nicht geschaffen habe, entftanb. Es fei aber natürlich, diese endgültige Lösung in einem Appell an dasVolkzu suchen und zu ftnden, der unter der Bedingung einer vollkommen verwirÜichten Gesetz­lichkeit und mit allen politischen und moralischen Garantien vor sich gehen solle. Zrun Schluß wird betont, datz nicht nur die Opposition, sondern auch alle Länder und Parteien, die am politischen Le­ben teilnehmen. verpflichtet seien, ihre Meinung genau zu formulieren und die klare Verantwort­lichkeit der gegenwärtigen Lage gegenüber zu über­nehmen.

Mussolini zu allem entschlossen.

Rom, 12. Rov. (TU.) Mussolini hat in einer Unterredung mit dem römischen Bericht­erstatter derChikagv Tribüne" seiner Absicht Ausdruck verliehen, wenn nichts andere- übrig bleiben sollte, zum äußersten Mittel zu schreiten, d. h. zur Auflösung des Parlaments und zur Verkündigung der Diktatur. Mussolini sagte:Ich halte die Faszisten im Schach; wenn ich ihnen die Zügel schießen lassen würde, dann wäre es mit der Opposition aus. Sie zittert vor Furcht. Die Vertreter der Opposition wenden sich um Schuh an mich."

Schwarzhemden gegen Nothemden.

Von unserem römischen ^-Korrespondenten.

Rom, 6. Rovern der.

Mussolini yat wirklich Grund dazu, m sein tägliches Morgen- und Abendgebet den Stvh- seuszer einzuschl testen: Gott schütze mich vor mei­nen Freunden! Rach dem dummem Mord an Matteotti erfahre er das Problem in seiner ganzen Schwere und rief anklagend aus, nur sein grimmigster Feind habe ihm derartiges antun können, aber in der Folge fand er nicht den Mut oder er bat die Kraft nicht mehr, das Gestrüpp, in dem er sich mit jedem Tag tiefer verliert, auszuroden. Konnte er bei den faszistischen -Uebcrgriften in der Provinz bisher einigermahen zur Entschuldigung anführen, er könne eben nicht überall zugleich sein und nach dem Rechten sehen, so muh er nun erleben, wie der rasismo, die Willkür Herrschaft der Unterführer, sich sogar in den Hauptstädten brettmacht, ja in Rom selber einbringt. Keine faszisttsche Feierlich­keit mehr ohne einen bösen Ausllang. immer das Rohe dicht neben dem Hohen. Uebergrisfe ohne Zahl, rauchende Zeitungshcmsen. Stürme auf Ge­bäude der Oppositton und Schlimmeres. Der Duce muh es erleben, dah die pompöse Jahresfeier der Revolution in einen Mord aus läuft und seine eigene Miliz ihre eigenen Kameraden verhaften muh. Und ein paar Tage später wird der Ratio­natteiertag des 6tege5 über Oesterreich durch den schweren Zusammenstoh auf der Piazza del Popolo getrübt.

Rach der Darstellung des BundesItalia I i b e r a wurde der Zug aus Lautenden feiner Mitglieder, die sich zur Siegesfeier begeben woll­ten, von Faszisten überfallen, wobei es eine Reihe Verwundeter, in der Hauptsache frei­lich Faszisten. gab. Dieser BundFreies Italien" ist zwar national bis auf die Knochen, bestreitet aber dem Faszismus das patriotische Monopil. Er setzt der Gewaltherrschaft den Gedarrten der

Freiheit entgegen und man muh zugeben. dah er damit bei den heutigen Umständen viel Zu­lauf findet. Eine seiner zugkräftigsten Erwerbun­gen war das niinbusumstrahlle Häuflein der Rothemden, der alten Garibaldianer. Und nun will es der Unstern Mussolinis, dah der faszistifche Angriff gerade dieses verhimmelte le­bendige Symbol der Ration traf. Dec General Peppino Garibaldi hat daraufhin ein Mani­festAn die Italiener" erlassen, in dem es heiht: Tausende von Frontkämpfern wurden heute, am Jahrestag des Sieges, in Rom. in Erfüllung ihrer heiligsten Pflicht, feiger®, i ; mit Revolverschüssen in einem von Soldaten der faszistischen Miliz vor­bereiteten und durchgeführten Hinterhalt ange­griffen. Wir, Erben der garibaldianischen Tra­dition und Vertreter der Freiheitskämpfer, brin­gen dem Volk diesen feigen, die Ration entehren­den Hinterhalt zur Kenntnis. Das Rote Hemd hat sich immer auf allen Schlachtseldem für die Erhebung der Völker geschlagen, fünf gegen zwan­zig. Heute aber widert uns der Gedanke an, dah die auf ihre Unbest ras bar kett zählenden und uns völlig waffenlos wissenden Reaterungsbanden alle vergangenen Tyranneien an Rtedrigteit Überboten haben. Für das Vorgefallene halten wir bireft verantwortlich den Chef der Regierung."

Das ist starker Tabak, wie man ihn augen­blicklich in Italien liebt. Es gibt Leute, die schon eine garibaldicrnische Freiheitsbewegung wider den FasziSmus Heraufziehen sehen.

Äundgebungderitalienischen Kriegsteilnehmer.

Rom, 12. Rov. (TU.) In einer Kundgebung, die der Hauptvorstand der Vereinigung ehemaliger Kriegsteilnehmer an das italienische Volk ver­öffentlicht. heiht eS u. a.: Die ehemaligen Kriegs­teilnehmer wollen eine neutrale Haltung einnehmen, die über dem wechtelnden Glück der Parteien steh!. Berichte an die beiden Kammern und an alle Mitglieder der Regierung enthalten eine formelle Einladung, auf die Stimme des Landes zu hören und die nötigen Mahnahmen> zu ergreifen, den Gewalttaten ein Ende zu be­teilen und das Gesetz zu seiner Qlneriennung zu verhelfen. Die Erklärung be'chäfligt sich wei'er mit der Tatsache, dah dieRegierungweder den Willen noch die Kraft haben werde, um dem Lande den Frieden wieder­zugeben. Die italenttche Beoölke u g und i s- besondere das Parlament mögen ihren Einfluh auf die Machthaber ausüb n Zum Schluß ent­hält das Manifest eine sehr bedeutsame Anspie­lung auf die Aufgaben des Herrschers. Die Erklärung ist jedoch nicht als eine Kriegs­erklärung der ehemaligen Kriegsteilnehmer an di» Regierung auszufassen. In politischen Kreisen wird vielmehr das Ma-nifest als di: letzte Auf­forderung an die Regierung beurteilt, die schwere Lage, in der fid) das Land befinde!, zu ändern. Tie politisch» Si uatton müsse als ä u h e r st kri­tisch angesehen werden. Die Kam rer geh? unter sehr ungünstigen Dedingun,e i für die Regierung an die Arbeit. Die faszistische Majorität sei ernstlich erschüttert.

Die Kriegsverstümmellen zu den Vorgängen des 4. November.

Rom, 12. Rov. (WTB. Funkspruch.) Der leitende Ausschuh der Kriegsverstümmelten stellt fest, dah die Kriegsverstümmelten am 4. Ro- vember unmittelbar vor dem Grabe des unbe­kannten Soldaten und vor dem sog. Altar des Vaterlandes angegriffen und dadurch dar­an verhindert worden seien, einen Kranz nieder- zuiegen. Besonders aber bedauere es der lei­tende Ausschuh, dah die faszistische Partei bis heute kein offenes Wort des Be­dauerns übet diese Angriffe ausgesprochen habe. In Anbettacht der ernsten Lage des Lan­des unterdrücke der leitenbe Ausschuh feine Bit­terkeit, um nur die Regierung ein letzlesmal daran zu erinnern, ihren Anhängern strengste Disziplin aufzuerlegen, die sich die ganze Ra­tion schon lange auferlegt habe.

Der sozialistischeAvanti" wurde gestern aus bisher noch unbekannten Gründen be­schlagnahmt.

Faszistische Verteidigung.

Rom. 12. Rov. (WTB. Fankspruch) Das Presseamt ter faszisttschei Partei erklärt, dah de Anklage der Kriegsteilnehmer treei der Vorgänge am 4. Rov zu allgemein und auch über4 rieben sei Gerade die F s'ung der Anklage im Komm mique der Kriegsteil­nehmer b:tre"te, dah die Totgänge nur von geringer Bedeutung Lien. Der F sttsmus h be dagegen ar diesem Tag: des 4. Rov 4 T-te und viele Verwundet: im gingen Lande geh ibt. Die3talia Liberia sei eine umstürzle­rische Vereinigung, geg.-n die sich allein und ausschl estlich die Angriffe einzelner Faszisten gerichtet batten.

Wechsel im Auswärtigen Aus- schutz des amerikanischen Senats

Reuyork. 11. Rov. (TU.) Der bekannte amerikanische Senator Lvdge, eure der mar­kantesten Persönlichkeiten der Republikanischen Partei im Senat, ist nach längerem schweren Lei­den geft orben.

Frankfurt a M. 11 Rov. (LU.) Senato' B o r a h wird automatisch sein Rach ?lgev in Vorsitz des Auswärtigen Senats- au s fchu sses. Dorah, der für eine An­erkennung der Sowjetreqierung etn- tritt. wird voraussichtlich in Konflikt mit S a ts» fefretär Hughes kommen, dessen Rücktritt man vielfach voraussagt. Eine Anerkennung d- Vo.v- jetregierung durch die Vereinig n Staaten ist aber unwahrscheinlich, da das Wahlresul at das Rückgrat des Präsidenten C o o 1 i d g e sehr ge­kräftigt hat.

Abbruch des österreichischen Eisenbahnerstreiks.

Vercinbarnttgeit zwischen Rcgicrnno und (Gewerkschaften.

Wien, 12. Rod. (TA.) Der Streik der Eisenbahner ist in den gestrigen Abendstun­den abgebrochen worden. Der Dienst ist be­reits heute nacht wieder ausgenom­men worden.

In den Verhandlungen zwischen den Dertre« tern der Eisenbahnerorganifationen und der Gene­raldirektton der Bundesbahnen nahmen die Der» treter der Eisenbahner den Vorschlag deS Präsi­denten der Bundesbahnen an und erklärten, ihn heute in den Ei'enbahnerdersammlungen zur Be- schluhfassung vorzulegen. In diesem Vorschlag geht die Generaldirektion der DundeLbchnen über die vor AuSbruch deö Streiks gemachten Zuge> stündnisse für dieses Jahr nicht hinaus, erklärt sich jedoch bereit, für das kommende Iahr in der Frage der Besoldungsreform wei­tere Zugeständnisse zu machen.

Dor einem zweiten Kabinett Seipel.

Wien, 11. Rov. (WTB) Die mit Spannung erwartete Sitzung des Rattonalrats nahm einen kurzen ruhigen Verlauf. Die Abgeordneten waren fast vollzählig erschienen. Die Ministerbank war leer. Bundeskanzler Dr. Seipel und die übrigen Minister hatten Sitze bei ihren Parteien einge­nommen. Die Tribünen waren überfüllt Präsi­dent Miklas verlas das Schreiben he3 Bundes­kanzlers, in dem von der Demission der Gesarntregierung und ihrer Betxruung mll der vorläufigen Weiterführung der Ge haste Mit» teHung gemacht wird. Er berief darauf für heute eine halbe Stunde nach Schlust der Sitzung ton Hauptausschust, damit dieser seiner versassungs- mästigen Pflicht entspreche.

Im Hauptaussckuß erfiärte dann Bundeskanzler Seipel sich bereit, den Auftrag zur Bildung der Regierung zu übernehmen,

um mitzuholssrt, eine möglichst rasche Beendigung der Krise herbeizufirhren. Er müsse jedoch darauf aufmerksam machen, dah die M lglieder der bis­herigen Regierung enfichlossen säen, sich zu der Frage, ob sie ihr Amt wieder übernehmen kön­nen. erst dann zu üuhern, wenn gewisse Vor­aussetzungen geschaffen seien. Es handle sich nicht nur um die Beilegung des Streiks, sondern um die gröhere Frage, ob die Sanierungspvlitik, d.-ren T äger die jetzige Regierung fei, ihre Fortsetzung finden solle, und zwar mit jener Zielsetzung auch in zeitlicher Beziehung, die sich aus den Ver­handlungen der jüngsten Vergangenheit ergeben habe, oder ob durch ein Rachgeben gegen­über den Wünschen von Einzelgruppen über die durch das Budget gezogene Grenze eine Verlängerung bet Aebe.rgangszeil bis zur Vo lenbung des San e ungswerkes herbei- geführt werben dürfe. Er müsse daher erst durch eine Aussprache mit den Parteien des Hauses und auch durch Beobachtungen auster- halb dieses Kreises, was bub fon'terc rom Aus­gange des Eisenbahnerstreiks gelte, die lieber- zeugung gewinnen, dah er die Verantwortung für die weitere Führung der Staatsgeschäfte über­nehmen könne.

Die Arbeiterpartei und Macdonald.

Der Vxpremier in die Ferien geschickt. Reinigung der Partei.

London, 12. Rov. (TU ) Der Vollzug-' rat der Arbeiterpartei bz chloh um die Spaltung in ter Arbeiterpartei n cht zu rerg ö- stern, Macdonald weiter als Führer zu be­halten. Gleichz i ig wurde jedoch be ch'_o ser, rast der Ge undh.itszustand be: ch malig: r Mi­nisterpräsidenten lange Ferien no wend g macht Daher wird man in etwa 14 Tagen 'Illa do ald auf eine Reite nach Südamerika schilen de etwa 3 Monate beanspruchen dürste. Es heiht, man habe Macdonald ferner das Ve sprech rn abgezwungen. ( ine Entschei u g zu treffen, oh e andere Führer wie Cleynes. Sn-Wden. He^dcr- son zu Rate zu ziehen. Während be 21 e ei- ff eit Macdonalds wird Snowden als st U v.v- trötender Parteiführer am icren. De Dol zuzs- rat beschloß ferner, die Inte lige ä bteiui ] er Partei zu beauftragen, verschie e e prli ttche Pläne zu entwickeln, und zwar uiter De nick ich- tigung der Frage, pb die Arbei erpar'ei mit den Liberalen au r am men gebe n soll. Ferner wurde noch be ch'o te.i so or i i ch sämtlicher kommunistischen Elemente zu entledigen. Der Gewerk cbaf e ko g eh wird jetzt eine ausgedehnte Prepagartda e rnte, en, um den Industriekampf in andere Bahnen zu

I lenken.