mmb nad) Kräften erleichtern urto ihm Qxi= rontien geben sollen, daß Deutschland nicht gezwungen wäre, ein erneutes Schuldbekenntnis abzutegen oder auf einen Sitz im Völkerbundsrat zu verzichten. Man rechnet nicht darauf, daß diese Derrntttlungsaktion bereits in der nächsten Zeit Tatsache wird, aber man weih aus Paris, daß dort schon von amerikanischer Seite die ersten Fühlerausgestreckt sind, und glaubt, daß noch im Laufe des Winters die amerikanischen Bankiers zur Verwirklichung ihrer Pläne schreiten werden. Die Haltung Deutschlands gegenüber einer solchen 2lnregung würde in erster Linie davon abhängen, welche Erfolge die Amerikaner in Paris mit ihren Vorbedingungen erreichen würden.
pariser „Mdensftimmung".
Neue Hetze gegen Deutschland in der
Kontrollfrage.
Paris, 12. Stzpt. (Eig. Meldung.) Die Militärkontrvlle in Deutschland und die Genfer Debatte über Abrüstung und Sicherheit gibt der französischen Presse wieder einmal den allerbesten Stoff für eine neue Heye gegen Deutschland. Namhafte Generale und Politiker, in der Hauptsache aber nur solche, die zu der Gefolgschaft Poincarss gehören, müssen heran, um in allen bedeutenden Blät- tem lange Leitartikel über Deutschlands Rüst ungen, seine neuen Erfindungen auf dem Gebiete des Flugwesens, seine Vorbereitungen für einen Aeberfall aus D äne- mark und ähnliches loszulassen. Diese 2lr- ttkel sind natürlich in der allerinteressantesten Weise mit aus den Fingern gesogenen Einzelheiten ausgeschmückt, so daß sie recht glaubhaft klingen. Man -merkt aber doch, daß sich die Pariser Hetzpresse nicht ganz wohl in ihrer Rolle fühlt, da die Militärkontrvlle in Deutschland bisher zukeinenDeanstandungen geführt hat und auch ein angeblicher und in den Zeitungen groß aufgemachter Dresdener Zwischenfall widerrufen werden muhte. Nichtsdestoweniger wird lebhafte Stimmung gegen die Freigabe des Ruhrgebietes und für die Annexion des Rheinlandes gemacht. 3n der Tat, in Frankreich herrscht eine wahre und echte Friedensliebe, und in kürzester Zeit wird Frankreich alles getan haben, um noch bestehende Unstimmigkeiten mit Deutschland zu beseitigen. Die Abrüstungskonferenz
England und der Seekrieg.
Genf,' 11. Sept. (WTD.) Der Erste Aus- 'chuß, der die juristische Sette der sich aus der Resolution Herriot-Macdonald ergebenden Fragen zu prüfen hat, hat die Generaldebatte ab- leschlossen. Fernandos-Brasilien legte dar, dah Ser Schiedsvertrag. nicht ju eng gefaßt werden dürfe, da es zahlreiche internationale Streit- sälle, die nicht unter die Regeln des intern Otto» •raten Rechts fallen, gibt. Es wäre die Einsetzung pon SchlichtungSkomnnsfionen zu begrüßen, die Sie beiden streitenden Staaten vor sich berufe, am eine Lösung des Streitfalles zu suchen. Sir SectI Hurst - England legte dar, warum die bisherige Klausel über den obligatorischen Schiedsspruch von England nicht unterzeichnet werden könne, vor allem deshalb, well es kein inter- rationales Recht gibt, auf das man sich stützen könne und das die angelsächsische und die koittinentale Auffassung überbrücke. Das gelte für den Seekrieg vor allem. Es könnten Fälle Eintreten, bei denen England auf Grund des Dmkerbundpattes und auf Wunsch jedes Völker- buKdsmitgliedes diesen seine Flotte zur Verfügung stellen müßte und gleichzeitig vor dem Schiedsgericht zu erscheinen hätte.
Loucheur - Frankreich führte aus, daß die Forderung der Resolution nach einem Schiedsverfahren und nach nicht im Völkerbundspakt vor- gc-srhmen anderen friedlichen Teileru^gs möglich- ketten von Konflikten den Krieg ausschalten solle. Er betonte, daß für Frankreich das Schiedsverfahren, die Sicherheit sowie die Abrüstung e i n Ganzes bilden. Zu den Ausführungen Hursts erflärt er, daß Frankreich angesichts der Ereig- nftse von 1914 bis 1918 keine Ar fache habe, sch über die englische Seehrrrschaft zu beklagen. Erschließe sich dem Wunsche nach Abänderung an. Neben den Schiedsverfahren biete vor altem A - tikel 12 des Paktes wichtige Schlichtungsrnoglich - teilen sowie Artikel 15. Hier aber b: finde sich auch die erste wichtige Lücke des Pattes, der einen einstimmigen Ratsbeschluß für die Schlichtung eines Konfliktes verlange. Es sei aber unannehmbar, daß die von der Welt Xxx- langte friedliche Lösung, so erklärte Loucheur unter starkem Beifall, daran scheitern sollte, weil ein Ratsmitglied sie nicht wünscht.
Der Fall Leinert.
Die „Pensionierung" des sozialistischen Oberbürgermeisters von Hannover.
Der Fall Leinert ist, von welcher Seite man ihn auch bettachtet, höchst unerquicklich. Die Beamtenaboau-Verordnung der Reichsregierung, die sinngemäß auch von den Ländern und Gemeinden anzuwenden ist, bezweckt die Erzielung von Ersparnissen durch eine „Deflation" des in der Kriegs- und Nachkriegszeit ungeheuerlich angeschwollenen Be- omtenkörpers. Cs ist nun menschlich und poli- ttsch verständlich, wenn die Gemeinden mit Hilfe der Abbau-Verordnung sich der ihnen aufgczDungenen Revolutionsgröhen zu entledigen versuchen. So, wie es das hannoversche Stadtparlament aber getan hat, geht es nun doch nicht. Zunächst wollte man den sozialdemokrattschen Oberbürgermeister „abbauen", da er durch seine parlamentarische Tätigkeit als preußischer Landtagspräsident verhindett sei, die Amtsgeschäfte ordnungsgemäß zu versehen und es sich in den letzten, Zähren gezeigt habe, daß es auch ohne ihn gehe. Die Aufsichtsbehörde hat den Ab- baubeschluh wegen formaler Verstöße gegen die Verordnung der Reichsregierung beanstandet. Nun lieh sich die Stadtverordneten-Mehr- heit auf Verhandlungen mit Herrn Leinert ein und erzielte einen Vergleich, wonach Herr Leinert zum 1. Oktober zurücktritt und dafür
das volle Oberburgermei st ergehalt auf Lebenszeit erhält. Das nennt ich dann Sparpolttik! Der Beschluß des Bürgerschaftskollegiums ist umso erstaunlicher, als nach den gesetzlichen Bestimmungen die Höchst- rension eines Beamten nur dreiviertel seines Gehaltes beträgt. Bisher haben die Gemeinden nur ganz besonders verdienten Männern ehrenhalber das ganze Gehalt als Pension gewährt. Es ist zu erwarten, daß die Aufsichtsbehörde dem sauberen Abkommen die Genehmigung versagen wird.
Auch vom Standpunkt des Herrn Leinert wirkt der abgeschlossene Pakt recht peinlich. Dah er, der einen vorgeschobenen Posten der Sozialdemokratie zu vetteidigen hatte, sich dem ersten Abbaubeschluh mit allen Mitteln wider- etzte, war zu erwarten. Wenn Herr Leinert jetzt aber gegen gute Bezahlung kampflos das Feld räumt, so drängt sich der Verdacht auf, dah nicht politische, sondern persön- : i cf) c Rücksichten ihn zum Widerstand veranlaßten. Das scheinen auch seine engeren Parteifreunde gefühlt zu haben, denn sie haben sein Verhalten aufs Schärf st e mißbilligt. Leinert ist eine der Größen der Partei. Er war Vorsitzender der verschiedenen Rätekongresse und ist jetzt Präsident des Landtages. Wenn seine Fraktion ihn jetzt von diesem exponierten Posten nicht zurückziebt. fällt seine Blamage auf sie zurück.
Eine Entschließung des Neichs"- landbundes.
Wie- die „Deutschs Tagesztg." berichtet, hat der Vorstand und die Vertteterversamm- lung des Reichslandbundes erneut eine Entschließung gefaßt, in der auf die Notlage der gesamten deutschen Landwirtschaft, die durch die vernichtenden Witterungsschäden teilweise bis zum drohenden Untergang gesteigert sei, hingewiesen wird. Die von der Regierung getroffenen Maßnahmen (Steuerstundung und Kreditbeschaffung) seien ungenügend. Cs wird Verlängerung der bisherigen und Scha ffung weite rer Kredits gefordert. Es wird die umgehende Durchführung von Lokalbesichtigungen durch Beauftragte der Zentralstellen für geböten gehalten.
Der Aufstand in Georgien.
Konstantinopel, 12. Sept. (Havas.) Die Aufstandsbewegung im Kaukasus hat einen großen Umfang angenommen. Es fanden mehrere blutige Kämpfe statt, bei denen die Aufständischen blutige Niederlagen erlitten hätten. Die Aufständischen haben Tiflis, Kutais sowie die Eisenbahn Tiflis nach Osorketti besetzt.
Aus aller Welt.
Die Schweizerfahrt des Amerika-Ieppelin.
Friedrichshafen, 11. Sept (Eig Meldung.» Trotz der nicht allzu günstigen Witt rungs- verhältnisse beschloß die Führung des Z. R. 3 heute früh, die geplartte Fahrt nach der Schweiz anzutreten. Bei bedecktem Himmel herrschte gute Fernsicht, und da aus der Schweiz günstige Wettermeldungen eingclaufen waren, tcur?e das Luftschiff in kurzer Zeit fahr-bereit gemacht und iv der zehnten Vvrmittagsstunde aus der Helle geschleppt. Dabei entstand eine k-r i t i s ch e Situation, denn als dec hintere Teil des Luftschiffes die Hallenausfahrt verließ, toure e der Ballon - körper durch eine plötzlich einsetzendr Böe mit solcher Wucht gegen die HallenauSfahrt gedrückt, daß das Heck in bedrohliche Nähr der großen Türflügel der Luftschiffhalle geriet. Es gelang icdvch, das Luftschiff g l ü ck l icha u s ber H a lle> heraus zu bekommen und mit der Spitze gegen den Wind
zum Aufstieg klar zu machen. An der heutigen Fahrt nahm unter anberenr die Tochter des Grafen Zeppelin, Gräfin Hella von Branden st ern - Zep- pelin, sowie rhr Sohn und einer der ältesten Freunde und Mitarbeiter des Grafen Zeppelm, DaronvonBassus, Platz. Bekannte Wissenschaftler, darunter Geheimrat H e r g e s e l l vom preuß. Aeronautischen Observatorium, und eine Awahl von Amerikanern fanden sich gleichfalls in der Passagierkabine ein Da die heutige Fahrt des Z. R. 3 in erster Lime wissenschaftlichen Zwecken diente, a>urbe zur Bedienung der Meßgeräte ein ganzer Stab von wissenschaftlichen Arbeitern an Bord genommen. Die Gesamtzahl der an der heutigen Fahrt teilnehmenden Personen betrug 78.
Wenige Minuten nach 10 Uhr flieg das Luftschiff aus und nahm nach einigen Schleifen den Kurs auf das Schweizer Hf er des Bodensees. Dort hatten sich schon in der frühen Morgenstunde zahllose Neugierige eingefunden, und
allenthalben, wo der Z. R. 3 auftauchte, wurde er mit stürmischem Jubel begrüßt.
Um 1,40 Ahr nachmittags überflog das Luftschiff nach mehrfachen Kreuzfahrten Schaffhausen und erschien gegen zwei Ahr über Basel. Beim iteberfltegen des Basler Gebietes hat der Kom- m an baut des Luftschiffes Dr. Eckener der Redaktion der „Baseler Nationalzettung" ein Funkentelegramm mit Begrühungsworten für die Behörden Basels und die Bevölkerung über- sandt, das in dem Wunsch ausklang, daß der Besuch des Zeppelin-Luftschiffes dazu beitragen möge, die freundnachbarlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz noch enger zu gestalten.
Um 3.05 Uhr nachmittags überflog der Lustkreu- zer Luzern und verschwand dann in Richtung Zürich
dem Auge des Beobachters. Obwohl das Luftschiff allenthalben fast unerwartet auftauchte, war doch der Empfang, der ihm von feiten der Sc^veizer Bevölkerung entgegengebracht wurde, ein überaus herzlicher. Nacktem das Luftschiff gegen Vz4 Uhr über Zürich und später über St. Gallen und Rorschach gekreuzt hatte, landete es um fünf Uhr wieder in seiner Heimat station.
2iach der Rückkehr wurden über dem Seengebiet weitere Versuche gemacht. U. a. wurde der Versuch über die Reichweite des telephonischen Verkehrs senders mit bestem Erols durchgeführt. Ferner wurde der Telephon- Verkehr mtt den Postfunkstellen Zürich und Friedrichshafen auf genommen. Die Der- üche über den Verkehr wurden von den deutschen Postsunkstellen Konstanz, Stuttgart, Hannover, Bremen und Königsberg i. Pr. beobachtet. Eine Prüfting ktes Telephonpeilers ergab ein günstiges Resultat für alle Peilstrahlungsrichtungen. Der Zeitpunkt der nächsten Fahrt ist noch unbestimmt.
Der deutsche Juriftentag.
Heidelberg, 11 .Sept. (WTD.) Zu Beginn der ersten heutigen Vollsitzung des 33. Deutschen Zuristentages wurde der Vorsitzende der ständigen Deputation des Deutschen Zuristentages, Geh. Zustizrat Prof. Kahl, zum Präsidenten der Tagung gewählt. Zn seiner Eröffnungsansprache begrüßte der Vorsitzende die Vertreter der deutschen Regierungen. Staatssekretär Z o e l begrüßte besonders die Delegierten aus Oesterreich und der Tschechoslowakei und gedachte in warmen Worten des kürzlich verstorbenen, hervorragenden deutschen Zuristen Düringer. Der Staatssekretär wies darauf hin, daß §rr Notstand der letzten Zahre ein Nvtrecht geboren habe, das abzubauen oder in dauernde Benutzung e i n z u r e i h e n eine der Hauptaufgaben dieses Kongreßes bilde. Ein weiteres großes Problem, das Deut ch and und Oesterreich beschäftige, sei die Schaffung eines neuen einheitlichen Strafgesetzbuches, dessen Zustandekommen ein neues kulturelles Band zwischen den beiden Ländern bilden werde.
Heute nachmittag begannen die Beratungen in drei Abteilungen. Zn der bürgerlich-rechtlichen Abteilung behandelte Hofrat Privatdozent Dr. Klang-Wien die Frage der zukünftigen Gestaltung des Wo hnungsmietrechtes. Die öffentlich-rechtliche Abteilung beschäftigte sich mit der Zulässigkeit von Verfassungsänderungen ohne Abänderung der Verfassungsurkunde; weiter mit der Frage, die in dem in Art. 48 der Reichsverfassung vorgesehenen Reichsgeseh über den Ausnahmezustand bärgest eilt ist, sowie mit der Frage, wie die Beteiligung der Laien an der Strafrechtspflege zweckmäßig gestaltet werden kann. Die steuer- und wirtschaftsrechtliche Abteilung prüfte die Frage der Aenderung der Gesetzgebung zur Erleichterung der Kapitalbeschaffung für die Akt i engesellschaften, ferner die Frage, welche Grundsätze sich empfehlen für das internationale Vertragsrecht zur Vermeidung internationaler Doppelbesteuerung bei Einzelpersonen und Körperschaften, insbesondere aber bei gewerblichen Betrieben und schließlich die Frage, ob es erwünscht ist, das Einkommen und die Gewerbebetriebe nach gleichmäßigen Grundsätzen zu besteuern.
Abschluß der Flottenmanöver.
Nach Abschluß der Flottenmanöver in der Ostsee hat Dienstag nachmittag eine Parade der deutschen Seestreitkräfte in der Greifswalder Ducht stattgefunden, die der Reichs- wehrminister Geßler und der Chef der Reichsmarine Admiral De h n ke, dir sich auf der „Hannover" eingeschifft hatten, abnahmen. Die Flotte bestand aus 3 Linienschiffen, 5 Kreuzern, 22 Torpedobooten, 6 Minensuchbooten, zwei A-Z-Booten und 4 Tendern. Diese Parade war gleichsam der demonstrative Tätigkeitsbericht des scheidenden Admirals Behnke, der sein Amt als Chef der Marine in die Hände des Admirals Zenker legte. /
Dor dem Ende des Weltftuges.
Die amerikanischen Weltflieger sind in Boston angekommen und von dort nach N e u y o r k wettergeflvgen, wo sie auf dem Flugplatz Mitchell gelangt sind. Sowohl in Boston wie In Neu York wurde ihnen .von Behörden und Bevölkerung ein begeisterter Empfang bereitet. Flugzeuge von Heer und Flotte erwartete sie an beiden Plätzen und geleiteten sie zum Landungsplatz, von wo die glücklichen Flieger sowohl in Boston toU in Neuyork nach den Amtsgeoäuden geleitet und von den staatlichen und städtischen Behörden feierlich willkommen geheimen wurden. Sie stehen jetzt ,ytv noch vor dem letzten Teil ihres großen Fluges, der von Neuyvrk über Land nach San Franzisko führt. Dann- sind sie an dem Ausgangspunkt ihrer ereignisreichen und abenteuerlichen Fahrt angelangt.
Havarie zweier Wasserflugzeuge.
Malmve, 11. Sept. (WTB.) Zwei Wasserflugzeugs der Postlinie Berlin- Stockholm sind bei starkem Nebel an der Küste bei Simrisham und Karlskrona verunglückt. Stark beschädigt wurden sie durch Fischerboote an Land geschleppt.
Ein Konsul als Betrüger.
Der „B. Z." zufolge machte der Danziger Grohlaufmann und argentinische Konsul Wres- z y n s k i bei einer Berlttrer großen Zuwelenfirma eine Reihe von Einkäufen und erhielt auf Grund seines Kvnsultitels Kredit. Darauf reifte Wres- zhnski nach bei1 Schweiz und kaufte von der Schweizer Filiale einer Berliner Firma eire Perlenkette im Wert von 150 000 Dollar. Da er sich durch eine mtt gefälschter Quittung versehene Rechnung seiner Berliner Einkäufe als guter Kunde der Firma auswies, erhielt er auch die Perlenkette ohne Bezahlung. Nunmehr ist Wreszhnski flüchtig, etre auch seine großen Verpflichtungen gegenüber der Danziger Girobank erfüllt zu haben.
Schwere Gasexplosion In einem holländisch-indischen Bergwerk.
Wie die Amsterdamsche Telegraphenagentur Aneta aus Batavia vom 10. September meldet, sind infolge einer Gasexplosion in einem der Poeloe-Laoet-Bergwerke 62 Eingeborene getötet worden. Mehrere Personen wurden schwer verwundet. Der Leiter der Bergwerksinspektion ist von Dan- doeng nach Poelve Laoet abgereist, um eine Untersuchung einzuleiten.
Sieben Todesopfer einer Kesselerplosion.
Zn dem litauischen Ort Panemunelis erfolgte bei Eröffnung einer neu eingerichteten Mehl- und Schneidemühle eine Kessel- explosion, die 1 Todesopfer forderte. Die Explosion soll durch Brennstoffe erfolgt sein, die von einem Konkurrenten böswillig unter die Maschine gelegt wurden.
Aus Stabt und Lano.
Gießen, den 12. Sept. 1924.
Ist die Abtretung von Mietrechten gegen den W>llcn des Vermieters möglich?
Don Rechtsanwalt Prof. Dr. Ernst Goldschmidt- München.
Zm allgemeinen gilt der Grundsatz, daß der Mieter ohne Erlaubnis des Vermieters nicht berechtigt ist, den Gebrauch der gemieteten Sachen auf einen Dritten zu übertragen, insbesondere die Sachen weiter zu vermieten. Wenn der Vermieter die Erlaubnis hierzu verweigert, kann der Mieter zwar das Mietverhältnis unter Einhaltung der gesetzlichen Frist kündigen, womit ihm aber ut bei gegenwärtigen Zeit nicht gedient sein wird. Die Frage als solche gewinnt für den Spezialfall ganz besonderes Znterefse, wenn beim Verkauf eines Handelsgeschäfts mit der Firma'auch das Mietrecht an den Geschäftsräumen auf den Neuerwerber übergehen soll.
Schon lange vor der Zeit des Krieges und der Zwangsbewirtschaftung war die Frage in der Literatur oft erörtert worben, ob der im Anfang dieses Aussatzes zitierte Rechtsgrundsäh--Anwen- düng finde im Falle der Abtretung von Mietrechten. Es wurde hier juristisch ein Anterschied gemacht, ob es sich um eine glatte Zession, also um eine glatte Abtretung der Mieterrechte als solche handelte, die ohne weiteres auch vom Reichsgericht als unzulässig ohne die Genehmigung des Vermieters bezeichnet wurde, oder ob unter Aufrechterhaltung des ursprünglich bestehenden Miet- verhältnisses es möglich fei, ohne die ausdrückliche Genehmigung des Vermieters Dritten den Gebrauch sa überlassen.
Die Problemstellung gewinnt heute in der Zeit des Mieterschutzes große Bedeutung. Zn dem eben erwähnten Sonderfall der Heberlaffung von gemieteten Räumen an den Neuerwerber einer "Handelsgesellschaft, hat das Amtsgericht München ein Urteil erlassen, das weit über lokale Grenzen Zitteresse beanspruchen darf Cs handelt sich hierbei um folgendes:
Eine, offene Handelsgesellschaft hatte seit einer Reihe von Zähren einen Raum inne, auf Grund eines von beiden Gesellschaftern unterzeichneten Mietvertrages. Zm Juli ds. Zs. veräußerten die beiden Gesellschafter das von ahnen betriebene Geschäft samt der Firma, gleichzeitig traten sie das Mietrecht an dem Lagerraum an den Käufer ab und gaben damit zu erkennen, daß sie selbst den Besitz der Mietsache und der Mietvertrag für ihre Person aufgeben wollten. Sie waren aber zur Aeberlassung des Besitzes und zur Abtretung des Mietrechts nicht befugt. Denn sowohl das BGB., als auch das Mieter- schutzgeseh faffen das Mietrecht als ein im Zweifel an die Persönlichkeit des MiMers gebundenes Recht auf, dessen Abtretung kraft Rechtsgeschäfl oder Gesetzes ausgeschlossen ist, wenn der Vermieter die Abtretung nicht gestattet. Demnach konnten die Kläger von dem Beklagten Räumung und Herausgabe an sich selbst verlangen, und da ein Mietverhältnis zwischen den beiden Streit- teilen nicht bestand und auch kein Wohnraun in Frage kam, forirmt weder die Sicherung eines Ersahraumes, noch tote Bewilligung einer Räumungspflicht in Betracht.
Auch die gegen das Urteil eingelegte Do rufung wurde vom Landgericht mit der nachfolgenden Begründung abgetoiefen:
„Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichte find die auf persönlichem Vertrauen beruhenden Mietrechte nicht übertragbar. _ Auch bei der Veräußerung eines Handelsgeschäftes mit dem Rech zur Fortführung der Firma ist das gleichzeitige Veräußern von Mietrechten der Firma ohne Ein willigung des Vermieters nicht zulässig. Die Abtretung des Mietrechts und die Aeberlassung des Destees ist daher dem Kläger gegenüber wirkungslos. ,
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag Deutschnationale Dollspartei, 8 Ahr im „Post. fetter“: Mitglieder-Dersammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Zlona“. — Asioria-Licht- spiele: „Der 3. Alarm". — Heftische Dilderbühne: „Die Tragödie im Hause Habsburg".
Wettervoraussage.
für Samstag.
Teils heiter, teils wolkig, westliche Winde, etwas wärmer, vorwiegend trocken.
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** Der volle Fernsprech-Nacht- dienst kann in unserer Stadt künftig nur dann noch beibehalten werden, wenn sich die Fernsprechteilnehmer verpflichten, einen besonderen Kvstenanteil zu übernehmen. Die Be- reitwMigkeit hierzu muh der Stadtverwaltung ausgesprochen werden. Man beachte die heutige Bekanntmachung der Stadtverwaltung.
** Wegsperre. Vorn Polizeiamt wird uns mitgeteilt: Anläßlich der am 13. und 14. September stattfindenden Gießener Ruder^gatta wird der Feldweg am Bahndamm vom Boots- Hause der Gießener Rudergesellschast bis an den Durchgang nach der Edersttaße (Bahnüberführung) am 13. September für die Zeit von 2 bis 6 Ahr nachmittags und am 14. September für die Zeit von 9 bis 11 Ufyr vormittags und 2 bis 8 Ahr nachmittags für den Durchgangsverkehr gesperrt.
<Ausfallende Züge. Von morgen. Samstag, ab fallen die zwischen Frankfurt und Gießen an Samstagen verkehrenden Vorzüge 793 (Gießen an 3.24 Ahr nachm.) und 794 (Gießen ab 4.39 Ahr nachm.) aus.
" Ausbesserungsarbeiten am alten Zustizgebäude. Man schreibt uns: Dem Vernehmen nach wird es vielfach beanstandet, daß zur Zett am alten Zustizgebäude in der Ostanlage ein Gerüst aufgeschlagen ist und daß das Gebäude selbst verputzt wird. Zm Zusammenhänge damit wird das Gerücht verbreitet, der Verputz des Hauses koste dem Staat eine Ansumme Geldes die er weit besser für andere Zwecke verwenden sollte. Hierzu ist zunächst zu bemerken, daß am Aeuheren des großen Gebäudes feit Zahrzehnten nichts geschehen ist und daß feine Erhaltung — der Anstrich des Holzgefimses unter dem Dache, du Ausfugung gelockerter Gesimse und Verblendsteine sowie der unbebingt erforderliche Renan strich der Fenster und der Läden — die Aufstellung eines Gerüstes zur technischen Notwen- Digteit machte. 3m Zusammenhänge damit erfolgt
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