Einzelbild herunterladen

X «bends 8-30

Ich M hl*!

Miiit-tai«

Soinlij, voraus draodvlatz Gen- darmeriekaserne

Meten"11 Ht ASechki

Ter Voritand.

/ Sfr Sitten untere Miß Heber, sich rech! iabirelcbanbert^er- inltaltungenb.Rrif- gerveretuS»ubeiei' liflen (s. tzestyianl.

Sonntag vormitt. 11 Uhr Antreten z. Gedenkfeier beim L Lorntz. I5636v

Ter Vorstand.

Wl

Zur Tottngedenk« feier beS Krieger. veremS sammeln iich bte Kameraden am l3..3alilL10üom. ror dem KreiSamt.

Tiinsberg-

Verei« ?

Mittwock>.16.Jitli< b-4 Uhr, im .Hotel Köhler^

Haupt­versammlung.

Muli' 11

Löberstr.'2

Heute abend 8.30 Uhr Ml AMCbll*4 Nachrichten­dienst

10-1« Uhr Spät- koizert g^kih-unö Mandoline-

nr. 162 Swettez Blatt

Nationale Dienstpflicht der Wirtschaft.

Don St. Herrn. Fischer, M.d.R., Präsident des Hansa-Dundes.

Das Gutachten der Sachverständigen hat in allen Kreisen der deutschen Wirtschaft, in denen allein wirtschaftspolitische Erwägungen Aus- gangspunkt der Stellungnahme gewesen sind, Zu­stimmung gefuirden. Man erkennt hier trotz vieler Bedenken den ersten brauchbaren Versuch für eine wirtschaftliche Reparationslösung. Rur da, wo wirtschaftliche Verbände sich in den Dienst partei­politischer Gesichtspunkte gestellt haben, ist eine Ilneinheitlichkeit auch innerhalb der Haltung der deutschen Wirtschaft der entscheidenden Gegen­wartsfrage gegenüber zu beobachten.

Auf der Hamburger Tagung des Hansa- Bundes habe ich mit allem Rachdruck die auster- ordentlichen Schwierigkeiten, vor allen Dingen aber auch die zahlreichen volkswirtschaftlichen Fehlschlüsse des Sachverständigengutachtens her­vorgehoben. Ich habe aber dabei auch ebenso nachdrücklich betont, dast diese Fehlschlüsse und ^leberlastungsmöglichkeiten uns nicht veranlassen können und veranlassen dürfen, das Sachverstän­digengutachten abzulehnen, bzw. der Reichsregie­rung ihre Arbeit bei der Durchführungsgeseh- gebung zu erschweren.

, Die heutige Lage der deutschen Wirtschaft wird durch die Tatsache bestimmt, dast sie jetzt in wachsendem Umfange wieder den Anschluß an die Bewegungen des Weltmarktes zurückgewinnt. Die schwere Weltwirtschaftskrise des Zafaas 1920 ist ohne äusterlich merkbare Anzeichen an Deutsch­land vvrübergegangen, da sich bei uns die tat­sächlichen wirtschaftlichen Kräfteverschiebungen, die Llnrentabilität unserer wirtschaftlichen Ar^it hin­ter dem Schleier immer stärker anwach^ender In­flation verbargen. Aber auch unabhängig von den produktionswirtschaftlichen und austenhcurdels- politischen älrnwälzungen, die sich in den letzten 10 Jahren in der ganzen Welt vollzogen haben, und die die älrsache der Krise von 1920 waren, muhten im Augenblick der RüÄehr stabilerer iWirtschaftsverhältnisse in Deutschland die schwe­ren wirtschaftlichen Wirkungen des Versailler Ver­trages klar mit allen ihren Konsequenzen uns vor Augen treten. Alle Arbeit in Staat und Wirtschaft kann im Augenblick nur dem einen Ziel dienen, die auf diesen beiden LIrsachen be­ruhenden Krisen des Gegenwartszustandes so weit zu überwinden, dast die innere soziale Struktur des Staates fest bleibt, dast sein Bestand nicht erschüttert wird und dast die Wirtschaft die ele­mentarsten Grundlagen für ihre Weiterarbeit und für die Ernährung und Arbeit der 60-Millivnen- Devölkerung sich bewahren kann.

Es gibt überhaupt keinen Zweifel darüber, dast unsere eigenen wirtschaftlichen Kräfte zur Bewältigung dieser Aufgabe nicht ausreichen. Ebensowenig form aber auch daran gezweifelt werden, dast wirtschaftliche Erwägungen im Aus- lande dort endlich zu der Erkenntnis geführt haben, dast es hecht, sich vor eigenem Schaden zu bewahren, wenn man sich in der Form der Kredithergabe mitarbeitend an der deutschen Volkswirtschaft beteiligt. Eindeutig und llnzwei- felhaft steht daneben die Tatsache, Last nur bei schnellstem Beginn wirtschaftlicher Reparations- Verständigung der internationale Finanz markt für seine Beteiligung die Sicherheiten als gegeben ansieht, die die erste DorauSsä)ung jeder Kredit­bereitschaft darstellen.

Handel, Industrie, Gewerbe und 'Landwirt­schaft stehen tagtäglich unter dem ungeheuren Druck der Kreditnot; die Preisgestaltung leidet an der ungeheuren äleberteuevung, die sich aus den zu hohen Generalunkosten der Produktion angesichts der vielfach noch nicht öOprozentigen Ausnützung der vorhandenen Produktionskapazität ergibt. Er­neut droht das Gespenst sich täglich übersteigern­der Arbeitslosigkeit. Lind all' diesen großen Ge­fahren, denen wir gegenüberstehen, können wir nur begegnen durch Herbeischaffung internatio­naler langfristiger Kredite oder durch Mitarbeit an der Regelung der Reparationsfrage auf der .Basis des Sachverständigengutachtens.

Eigentlich sollte es sich erübrigen, diese selbst­verständlichen und jedem sichtbaren Zusammen­hänge an dieser Stelle mit dieser Dringlichkeit

3m Flugzeug zur britischen Neichsausstellung.

Don A. von Knobelsdorfs, Berlin.

I!!. Im Schaufenster des Weltreichs*).

Für den geschäftlich interessierten Besucher Wembleys haben natürlich die beiden großen Hallen, in denen Technik und Industrie zu Worte kommen, einen besonderen Reiz. Die Maschinen* halle ist das zur Zell größte Betvngebäude der Welt. Es ist sicherlich keine leichte Aufgabe, eine Liebersicht der englischen Industrie und Technik selbst in zwei Hallen mit einer Bodenfläche von etwa 1 Million Quadratfust zu geben. Das Ge­biet ist zu ungeheuer, der älmfang der Produk­tion zu vielgestaltig. Man sand einen Ausweg darin, daß man sich an die Spitzenverbände der einzelnen Industrien wandte und sie aufforderte, von sich aus die betreffenden Gruppen zu arran­gieren, die Ausstellung ihres betreffenden Zwei­ges vvrzunehmen. Dadurch erzielte man eine or­ganisch gegliederte Ausstellung von größter Äeber- sichtlichkeit. Eine andere schwierige Ausgabe war der Charakter der Ausstellung. Sollte sie einen mehr wissenschaftlich technischen oder mehr Volts- tümlichen Charakter erhalten, sollte Fortschritt in Industrie und Maschinenwesen mehr in wissen­schaftlicher Form oder in populären Bildern vor­geführt werden? Man entschied sich für die zweite Form und betonte damit, daß sich die ganze Schau -rehr an das große Publikum als an den Fach- nann wenden will. Daher ist Wembley eine Ver- rnstaltung von ganz besonderer Eigenart; vor »llem keine Messe etwa im Sinne der Leipziger Messe. Wer mit solchen Erwartungen nach Wembley kommt, wird schmerzlich enttäuscht sein. Wohl sind Vertreter der ausstellenden Firmen anwesend, um zu erklären und Geschäfte abzu­schließen es sollen auch bereits erhebliche Hm= sähe gemacht worden sein aber der Anprei­sungscharakter tritt doch sehr vor dem Schaustel­lungscharakter in den Hintergrund. Wembley gleicht dem Riesenschaufenster eines vornehmen Warenhauses, das mit vollendetem Geschmack seine Waren zur Schau stellt und es absichtlich ver-

*) Siehe die Ausführungen in Rr. 155 und j|5Z unseres Blattes.

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

erneut zu betonen. Aber wir Wirtschaftler stehen im Augenblick vor sehr schweren Gefahren. So grundsatzlrch die Handelsteile all derjenigen Zei- tungsorgane, die in ihrem politischen Teil gegen das Sachverständigengutachten aniämpfen, sich zu der hier gekennzeichneten AnnahmenolWendigkeit vekennen und einfach zwangsläufig aus jeder vb- lekttven Erkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse bekennen müssen, so groß wird doch die Schwie- rrgkert fern, diese wirtschaftliche Erkenntnis über- all da durchzusetzen, wo Parteipolitische Zerrissen­hell die Klarheit und Objektivität der Urteils- btldnng getrübt hat. Es darf nicht verschwiegen werden, daß dre Politik des doppelten Bodens, E tour hier vielfach beobachten können und die Wirtschafter tagtäglich zu besonderer Sorge Ver- anlasfang gibt, dazu führt, daß breite Kreise ^Wirtschaft in dem Augenblick der endgültigen Entscheidungen sich von diesen parteipolitischen Bindungen, die sie vielfach mit unterstützt haben. Nicht mehr befreien fonnen.

Ablehnung oder gar nur weitere wochenlange Verzögerung bedeutet aber für die deutsche Wirt­schaft in vielen ihrer stärksten Gruppen den so­fortigen Zusammenbruch. Wir alle wissen, daß die ungeheuren Leistungen der Mioumverträge es erforderlich gemacht haben, den ohne Gegenleistung eingetretenen Warenverlust durch Einfuhren aus­zugleichen, damit die inflatorischen Wirkungen der Preissteigerung infolge der Minderung des Wa­renangebots auf dem Inlandsmarkt vermieden wurden. Wir wissen, in wie großem Umfange Die Micum-Industtien auch zu diesem Zweck Finanzierung dieser Ausgleichseinfahren aus­ländische kurzfristige Kredite ausgenommen haben. Wir wissen, daß in Frankreich und Belgien die Konkurrenten der deutschen Schwerindustrie die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, durch diese Verschuldung der deutschen Unternehmungen die Unterlagen zu deren teilweiser Besitzergreifung zu gewinnen, damit sie, gestützt auf ihre Anteils­scheine am Unternehmungsbesih, auf die Führung der Betriebe den Einfluß gewinnen, der ihnen zur Beseitigung der deutschen Konkurrenz auf dem Weltmarkt notwendig erscheint.

Es ist nationale Dienstpflicht der deutschen Wirtschaft in ihrer Gesamtheit, auch nur die ge­ringsten Erfolgsmöglichkeiten dieser Tendenzen der französischen und belgischen Schwerindustrie za verhindern, die hierbei Hand in Hand mit den imperialistischen politischen Strömungen arbeitet, die jetzt durch das Sachverständigengutachten mehr oder weniger auf das tote Gleis geschoben wer­den sollen.

Es ist aber auch weiterhin nationale Dienst- spflicht der Wirtschaft, ganz abgesehen von den einzelnen gleichlaufenden privatwirtschastlichen Interessen, nichts unversucht zu lassen, um die Voraussetzungen dafür herzustellen, daß mit Hilfe der Ausländskredite wir baldmöglichst zu der Ausbeute unserer Produktionskapazität gelangen, die die Eingliederung des deutschen Preisniveatus in die Preisgestaltungen auf dem Weltmartt wie­der ermöglicht. Es ist unser aller Aufgabe, jetzt dafür zu sorgen, daß Deutschland leben und ar­beiten kann, und daß es durch seine Arbeit den Weg zu voller politischer Freiheit zurückgewinnt.

Das leere Faß.

Auf der Tagung des Reichselternbun- des in Leipzig hat in der Debatte zum Thema Staatsrecht und Elternrecht" ein Redner es war kein Deutscher den Satz auf gestellt, daß der Staat auf dem Gebiet der Erziehung impotent fei, daß der Staat ein Phantom fei, ein Rahmen, ein leeres Faß. Und er hat in allem Emst die Frage gestellt: Wie kann so ein leeres Faß erziehen?

Eine solche Auffassung vom Staate und von seinen Ausgaben fann nicht scharf genug zu­rückgewiesen werden. Da ist unser deutsches Volk: das geschichtliche Schicksal läßt es wieder einmal durch Rot und Rächt wandern. Und in diesen Stunden des Elends kommen alle zentrifugalen Kräfte hemmungslos heraus: der Partikularis- mus der Stämme meldet sich und will sich dem Zwange, ja der Einsicht, das Auseinanderstre­bende zusammenzuhalten, entziehen; da werden alle Gegensätze religiöser und weltanschaulicher Art unerhört betont und der Gegner oft auch moralisch angegriffen; da stehen klassenkämpfe- |

rische Gedanken zwischen den verschiedenen Be­rufsständen und lassen die Menschen derselben Heimaterde nicht zueinander kommen. Gefallen und gesprengt sind eine Anzahl Klammern, die uns Jahrzehnte und Jahrhunderte hindurch zum mindesten' äußerlich zusammenhielten. Während rings um uns die Völker alle Werte und Güter benutzten, ihre Einheit und Einigkeit zu vertiefen und zu verstärken, bieten wir ein Bild der, Selbstzerfleischung und Auflösung. Der Staat das leere Faß!

Demgegenüber bekennen wir uns mit allem Rachdruck zu einer andern Auffassung über den Staat: er ist nicht eine Hülle, die nur äußerlich hundert oder tausend Dinge zusammenbringt, die innerlich nichts miteinander verbindet, er ist der Baum, der von allen Lebenskräften und Tätig­keiten unseres Volkes genährt wird, er ist die Zusammenfassung unseres Willens. Der Staat ist uns ei ne Idee, nicht ein le eres Faß.

Und darum haben wir auch eine andere Stel­lung zu den Kultur- und Dildungsaufgaben dieses Staates. Der oben erwähnte Redner konnte in allem Ernste behaupten, daß der Staat den ge­samten Unterricht zu bezahlen und die Möglich­keit der Lehrerbildung zu schaffen hat, daß aber die Art der Einrichtung der Schulen ihn nichts anginge und er die Lehrer nicht zu erziehen habe. Eine solche flache Staatsgesinnung führt dann zur Konsequenz eines für die Erziehung impo­tenten Dinges, dem zu dienen und zu opfern natürlich auch« wenig Sinn und Zweck hat. Man denke, wie Fichte dem Staat einen höheren Zweck seht und ihmem unbezweifeltes Recht" gibbt, alles für ihn einzusehen, toie Treitschke Den Staat als sittliche Gemeinschaft zu posi­tiven Leistungen für die Erziehung des Menschen­geschlechtes berufen bezeichnet. Wir müssen zur Lösung unserer Aufgabe: die Stämme zur Ration und die Einzelmenschen zum Volk zusammenzu- schmelzen fortan auch« die geistigen Werte fest und zielbewußt einsehen. Keine Festigung im Innern und keine Stärkung nach außen ohne eine solche vom Reich«, vom Staate betriebene Kultur­politik!

Aus diesem Gedankengang ist es völlig un­verständlich, daß das Reich fortan auf seine Kulturkompetenz ganz oder zu einem großen Teil verzichten will und die kulturpolitischen Auf­gaben den Einzelländern überlassen will. Gewiß können sie auch dort gepflegt und gelöst werden, aber es geschieht einmal unter Preisgabe der Einheitlichkeit auf dem Schal- und Erziehungs­gebiete: schon zeigt das Bild der künftigen Lehrer­bildung in den deutschen Ländern starke und stechende Unterschiede, schon gibt es auf dem Ge­biete der Schulorganisation so grelle Verschieden­heiten und Gegensätze, daß sich neue geistige Zollgrenzen mitten durchs deutsche Vaterland legen. Zum andern aber: welche Wirkung muß diese Unübersichtlichikeit und Verschiedenheit auf die jenseits der Grenzen wohnenden Deutschen ausüben l Wie können wir uns der kulturpoli- ttschen Einwirkung auf jene vom Körper des Reichs losgesprengten Teile unseres Volkstums begeben! Ist die deutsche Geschichte nicht voll ergreifender Lehren und heiliger Mahnungen! In zwei Jahrhunderten sind mehr als 12 Mil­lionen Deutscher allein nach« Rordamerika ge­gangen und zu einem starken Teil dem Deutsch­tum verloren gegangen; von dem Gebiet, das vor 500 Jahren Deutsches Reich war und das deutsche Stämme bewohnten, ist heute mehr als ein Drittel nicht mehr bei uns; allein im Her­zen Europas liegt ein Block von fast 100 Mil­lionen deutschen Menschen wir haben es nicht vermocht, die äußere Scheidung durch eine innere geistige Verbindung zu überwinden. Jetzt wan­dern wir durch eine Schicksalsstunde unseres Vol­kes: wir haben die Wahl, noch einmal durch« eine großzügige Kulturpolitik den deutschen Er- ziehungs- und Dildungsgedanken zu Pflegen und unsere geistigen Werte bewußt einzusehen, oder aber wir verzichten auf die werbende Kraft un­seres nationalen Dildungsgedankens und auf die Schule als positive Volkskvaft. -Unser Volk steht heute vor dieser Entscheidung; soll unser Staat ein Faß sein, in das wir äußerlich hineinwerfen, was hier und dort vorhanden ist, und daß sich abschließt mit hölzerner Wand gegen alles, aas nicht bei uns ist, oder aber soll unser Staat >dre

meiden möchte, aufdringlich zu wirken. Eine Heer­schau dessen, waswirdenDätern danke ü, heißt es in den riesigen Rellameschildern in Lon­doner Straßen.

Die Maschinenhalle, deren innere Ausstattung durch den Verband englischer Ingenieure vor­genommen wurde und die durch unterirdische Ge­leise mit dem englischen Eisenbahnverkchrsneh in direkter Verbindung steht, zerfällt in eine Reihe klar von einander geschiedener Gruppen. Da ist das allgemeine Maschinenwesen und der Schiffs­bau, die Elektroindustrie und das Transportwesen. Letzteres zerfällt wieder in drei Unterabteilungen, den Wasser-, Land- und Straßentransport. Hier wird vor allem der heutige Stand der Reise­technik in jeder Form gezeigt. Ganze Promenaden­docks von Ozeandampfern, Inneneinrichtungen von Schlaf- und Speisewagen und das weite Gebiet derjenigen Gewerbezweige wird gezeigt, die sich um den Fremdenverkehr bemühen. Und das alles nicht etwa in Modellen oder Rachbildungen, son­dern in den Originalstücken, frei zum Besuch und zur Besichtigung einladend. Die Londoner Hafen­behörde ist in einer besonders interessanten und würdigen Ausstellung vertreten, die die Be­deutung Londons als Umschlageplatz in vorzüg­lichen Modellen und elektrisch belebten Tableaus vorführt. Alles, was der schöpferische Geist der Menschen zur Lleberwindung der Materie ersann oder was menschliche Geschicklichkeit an wunder­baren Erzeugnissen schuf, wird vorgeführt. Don der Riesenpresse zur Bearbeitung schwerster Pan­zerplatten bis hinab zur Präzisionswage, von der großen Oelfeuerungsanlage, wie sie auf mo­dernen Ueberseedumpsern Verwendung findet, bis zur elektrischen Glühbirne ist alles Dertreten. Das stampft, dröhnt, faucht und singt den Gesang menschlichen Fortschrittes. Die Elektroindustrie hat über 400 Aussteller. Besonderer Wert wurde hier auf die Vorführung arbeitssparender Maschinen gelegt und zu zeigen versucht, wir die Betriebs­unkosten durch Anwendung der Elektrizität in Fabrik und Haushalt herabgedrückt werden kön­nen. Daselektrische Haus", ein Anziehungspunkt jeber englischen Ausstellung, fehlt natürlich nicht, äänd die englische Hausfrau freut sich, wenn sie sieht, wie von der Teebereitung bis zur elektri- sAen Aufwäsche, vom Dakuumreiniger bis zur Kartoffelschälmaschine die menschliche Hand durch

diese Kraft erseht und der Dienstbotenmangel be­kämpft wird. Furck- und Radiowesen sind natür­lich in einer Reihe bedeutender Stücke und prak­tischer Dorfühurngen würdig vertreten. Alles, was nicht in das Gebiet der Technik fällt, hat dann in der Industriehalle seine Aufstellung ge­funden. Die größte und wichtigste Ausstellung ist natürlich die Textilabteilung, in der die Erzeugnisse Cheshires, Vvrkshires und Lancashires vorgeführt werden. Hier wird der Werdegang des Baumwollstoffes praktisch vorgeführt und dar­gestellt, inwieweit sich das Reich in Baumwolle unabhängig gemacht hat. Die Wollindustrie zeigt die Verarbeitung der englischen und australischen Wolle, während in der Abteilung für Kunstseide der ungeheure Aufschwung dieser Industrie und ihre Aussichten für die Zukunft dargestellt wer­den. Für den deutschen Besucher bietet na­türlich die chemische Abteilung einen beson­deren Reiz. 80 Proz. des Inlandbedarfes be­hauptet die Farbstosfindustrie heute selbst Her­stellen zu können. Man hat jedoch den Eindruck, daß hierbei der Münd reichlich voll genommen wurde. Was staatliche älnterstützung und eine zielbewuhte Gesetzgebung zu leisten imstande sind, geht aber aus dieser Abteilung mit Deutlichkeit hervör. Don.sonstigen Zweigen sind die Gurnrni- und Lederindustrie, die Glas- und Porzellan-, sowie die Papierindustrie zu erwähnen.

Alle diese Erzeugnisse präsentieren sich in der ungezwungensten Form urrd in einem syste­matischen Aufbau, der sich dem industriellen Her­stellungsprozeß anzupassen sucht. Sie geben ein beredtes Zeugnis von der Vielseitigkeit der eng­lischen Industrie, deren Erzeugnisse sich in be­wundernswerter Weise dem Weltmarktgeschmack angepaßt haben und deren Versendung in alle Teile der Erde Aufgabe von Englands Handel und Schiffahrt ist. Und wieder ist es die Regie- iling, die mit feinstem Verständnis sich den Be­dürfnissen der Praxis anzrftoassen sucht, indem sie in einem großzügigen wirtschaftlichen Infor­mationsdienst die jeweilige Lage des Weltmark­tes zu zeichnen sucht. In ständiger Hilfsbereit­schaft berichtet der englische Konsul oder Han­delsattache über all das, was der ausländische Markt bedarf, er verfolgt die Entwicklung der ausländischen Konkurrenzindustrie auf das ge­naueste und ist bestrebt, «alle feine Beobachtungen;

Samstag, 12. Juli 1924

fruchtbringende Kraft deutschen Wesens zur inne­ren Festigung und äußeren Stärkung zielbea-uht benuhen? Die Entscheidung sollte ihm wahrlich nicht sch,wer fein!

Französische Entvölkerungs-Angst.

Neben der Angst vor derdeutschen Ge­fahr", die gerade jetzt wieder in Frankreich künstlich genährt wird, und mit ihr tm engen Zusammenhalt g steht ein anderer Alpdruck, un­ter dem die Franzosen schwer leiden: die Angst vor der Entvölkerung. Die neuesten -Ziffern, die über die Bevölkerungsbewegung in Frank­reich bekannt werden, geben zu neuen Besorg­nissen Anlaß. Die Bevölkerung von Frank­reich ist von 41 467 272 im Jahre 1913 auf 39 209 518 im Jahre 1921, dem Jahr der letz­ten Volkszählung, gesunken. Die Bevölkerung Frankreichs hat sich also in den letzten 10 Jah­ren um etwa 2 Millionen verringert. Es wären daher 20 Jahre mit einem durchschnittlichen Aeberschuh von 100 000 Geburten über die Todesfälle notwendig, um die Zahl vor dem Kriege wieder zu erreichen. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, daß Frankreich je wieder auf diese Ziffer kommt. Du die Geburtsziffer wäh­rend der Kriegsjahre um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist, so wird die Zahl der jun­gen Männer und Frauen, die zwischen 1935 und 1940 das Heiratsalter von 20 Jahren er­reichen, plötzlich in demselben Verhältnis ver­ringert sein, und dadurch wird auch der Ge­burtsüberschuß verringert. Nach vorsichtigen Schätzungen rechnet man also höchstens mit einer Zunahme der Bevölkerung um eine Mil­lion in 20 Jahren. Man erwartet aber, daß Deutschland in dieser Zeit um 10 Millionen angewachsen sein wird. Die Entvölkerung Frankreichs wird aber nicht hauptsächlich durch die geringe Zunahme der Geburten hervorge­rufen, sondern durch das beträchtliche An­wachsen derTodesfälle. Diese Erschei­nung macht sich erst in der letzten Zeit stark be­merkbar. Im ersten Viertel des Jahres 1923 übertraf diese Zahl der Geburten die Zahl der Toten um 6069. Im ersten Viertel des Jahres 1924 aber gab es 24 039 mehr Tote als Ge­burten. Nun steht die Säuglingspflege in Frankreich nicht auf derselben Höhe wie etwa bei uns oder in England, und daher ist die Kindersterblichkeit dort größer. Aber die hohe Kindesterblichkeit ist nicht der einzige Grund für die größere Ziffer der Todesfälle in Frankreich. Der Franzose ist durch sein ganzes Leben, wie die Statistik zeigt, größeren Gefah­ren ausgesetzt als der Engländer oder der Deutsche. Dabei spielt die Tuberkulose eine sehr wichtige Nolle, und im allgemeinen ist es die Vernachlässigung der hygienischen Maßnah­men, die zu der größeren Todesziffer führt. Frankreich ist eben im wesentlichen ein acker­bauendes Land, und auf dem Lande ist die Sterblichkeit größer als in den Städten. Man sucht nun in Frankreich dieser Gefahr mit den verschiedensten Mitteln zu begegnen. So wer­den große Geldsummen verteilt, um die Er­höhung der Kinderzahl in den Familien anzu­regen. Man schätzt, daß jährlich 730 Millionen Franken unter 2700 französischen Arbeitern verteilt werden. Die französische Akademie hat kürzlich mit einerschönen Geste" einer jungen Frau, die Vierlinge zur Welt ihre Dewunde-

unter dem Gesichtswinkel des Vorteiles für fein Land zu machen. In- und Ausländer müssen in der Tat ein eindrucksvolles Bild von der Lei­stungsfähigkeit der englischen Industrie belommen, wenn sie vor der Riesenreliefkarte Englands stehen, die im Regierungspavillon ausgestellt ist und nun die einzelnen Industriezweige in feurioen Lettern an der Wand erscheinen sehen. Stahl­waren heißt es da zum Beispiel, und schon flam­men auf der Karte in Sheffield, Birmingham und anderen Städten des Industriebezirkes die Lichter auf. Textilwaren: und in den Städten und Städt­chen Cheshires, Vorkshires und Lancashires be­ginnen die Glühlämpchen aufzuleuchten; Papier: London und Maidstone, Porzellan: Shelton und Stoke upon Trent werden wach. Lind nun Schiff­fahrt: rings um die Riesenkarte erglühen kleine Leuchttürme und in den Hafenstädten die Lichter. Das alles ist mit kindlicher Naivität, aber in glücklichster Anpassung an den Geschmack des Massenpublikums hingestellt und gerade deshalb Don durchschlagend propagandistischer Wirkung.

Ich habe verschiedentlich Gelegenheit genom­men, mit Ausstellern über die Wirtschaftslage des Landes zu sprechen. Hierbei gewann ich den Ein­druck, daß die wirtschaftliche Lage alles andere als rosig ist. Auch England steht noch stark unter den Nachwirkungen des Krieges und den Rück­wirkungen französischer Gewaltpolitik. Die Zahl der Beschäftigungslosen beträgt noch immer ettoa 1 Million, und der Maschinenbau, einer der be­sten Barometer für das Wirtschaftsleben, klagt über mangelnden Absatz. Einer baldigen Wieder­belebung steht die älngeklärtheit der politischen Lage entgegen. Die Haltung Deutschland gegen­über ist tm allgemeinen günstig. Der Engländer ist zu sehr Geschäftsmann, um den Wert einer guten Verbindung nicht schätzen za wissen. Aller- dings bestehen noch gewisse Hindernisse. Die Preise sind in manchen Artikeln nicht wettbe­werbsfähig, und die üblen Erfahrungen, die die englische Industrie vielfach während der Infla- tionsperivde mit deutschen Firmen machte, sind noch unvergessen. Trotzdem habe ich den Ein­druck gewonnen, daß die Aussichten sich bessern. Trotz Imperial proserance wird genügend Raum für Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern verbleiben, sobald einmal die Grundlagen für et.ni normales Geschäft gegeben sind.