m. m Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (GeirerÄ-Anzeiger für Oberheffen)
Montag, |2. Mai 192$
Der Wettbewerb in Oftafien.
Vvn Davon Matsüi, Kaiserlich javanischem Minister des Auswärtigen.
■Unter dem zersetzenden C nfluß des Weltkrieges haben sich nicht nur i):e geographischen Grenzen der meisten Kulturstaaten erheblich verändert, sondern es ist auch durch die mit ihm verbunden gewesenen Veränderungen der inneren Struktur eine aufsallc^de Llmsch'.chtang der internationalen 'Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmärkte Verbunden gewesen? Abgeschniiten von den großen europäischen Industriestaaten, waren viele Länder des Ostens und Südens gezwungen, durch den schnellen Aufbau einer einheimischen Industrie einen Ersah für die ausfallenden Industrieerzcugnissc dec europäischen Staaten zu finden. Aus Mangel an Absatzgebieten verkümmerten andererseits in stark entwickelten Industriestaaten gewisse Zweige oder waren zu einer Umstellung ihrer Produktion gezwungen. Auch Japan hat eine auffallende Umwandlung seines wirtschaftlichen Antlitzes erfahren und sich aus einer vorwiegend landwirtschaftlich orientierten Nation in eine I n d u st r i e - ur n d Handelsnation verwandelt, bei der auch durch seine insulare Lage und die.Weitverzweigtheit seiner Interessen Schiffahrt und banlgeschästliche Transaktionen eine große Volle spielen.
Gerade wir hier im fernen Osten wissen am besten, was eine Regelung des internationalen Wettbewerbes bedeutet. Roch vor kaum 25 Jahren konnten wir es in unserer allernächsten Nachbarschaft beobachten, wie die Flagge fremder Na- tionen dem Handel in unserem großen westlichen Nachbarstaat auf dem Kontinent nicht nur folgte, sondern ihn sogar anführte. Es war dies "die Zeit, in der die meisten Großmächte an chinesischen Konzessionen start interessiert waren und die Wucht, mit der damals reine Spezialinteressen gewisser Gruppen unter voller Einsetzung der politischen Geltung ihrer Landesangehörigkeit veriotgt wurden, beunruhigte uns nicht weniger als China selbst. „Inrperialistisch" wurde die damals getriebene Politik gemeinhin genannt, in Wirtlichkeit aber standen dahinter vornehmlich W i r t s ch a f t s i n t e r e sf e n und die „fried- liche Durchdringung" dieser Gebiete lief auf eine Hebung der industriellen Leistungsfähigkeit, auf eine Steigerung des Absatzes und auf eine Erhöhung des Nationalreichtums der interessierten Nationen hinaus. Die. Intensivierung dieser imperialistischen Tendenzen hatte aber bald in den Gebieten ihrer Anwendung und in den Nackwar- staaoen die Einsicht der Notwendigkeit einer Verteidigung entstehen lassen. Nur durch engsten Zusammenschluß der nationalen Interessen der Völker des Ostens und durch eine vorsichtig abwägende Wirtschafts- und Außenpolitik konnte rn diesen Zeiten der Frieden im fernen Osten erhalten bleiben. Trotzdem führte die Politik einer imperialistischen „Ausbreitung der Inter- essensphäre" in anderen Teilen der Welt zu Händeln und Reibungen verschiedener Art, aus deren Druck und Gegendruck sich der Welt- krieg entzündete. So groß das Unglück ist, Las er über Cic gesamte Kulturmenschheit gebracht hat, man wird es nicht vergessen dürfen, daß er gerade durch seine furchtbaren Vegleiterschei- nungen zu einer gewissen vorteilhaften Wandlung im internationalen wirtschaftlichen Wettbewerb Lind zu einer Entgiftung der ihn umgebenden Atmosphäre geführt hat.
Aus dem Destreben, die friedlichen Handelsbeziehungen in den großen- Konzessionsgebieten des fernen Ostens durch politische Maßnahmen zu regeln, kam die Washingtoner Konferenz zutage, deren militärisches Programm die Abrüstung, deren tiefer liegendes wirtschaftliches Ziel aber die Beseitigung einer Reibungs- gesahr auf wirtschaftlichem Gebiete war. Der sogenannte Viermächtevertrag verpflichtet die an den Stillen Ozean umsäumenden Gebieten interessierten Großmächte, sich von der gewaltsamen Austragung irgendeines Konfliktes zur Disku- tierung der Streitpunkte zusammenzafinden, um so den Frieden in diesen Gebieten zu erhalten. Besondere Verträge sind gerade hinsichtlich Chinas geschlossen worden und von neun daran interessierten Mächten ratifiziert worden. Diese Verträge geben die Versicherung, daß der alte, zu Beginn dieses Jahrhunderts bestehende Zustand eines skrupellosen Vordringens privater Wirtschafts'nteressen unter dem Schuhe politischer Niachtm stiel nicht wieder eintritt. Das sind sicherliä) Regelungen von ungeheurer Tragweite nicht nur für die Staaten des fernen Ostens, sondern auch ein Segen für die gesamte Kulturwelt.
Die Beziehungen der an China interessierten Großmächte sind durch diese vertragliche Regelung gegenwärtig so, daß der fremde Geschäfls- mann absolutes Vertrauen in seine int fernen Osten angelegten Unternehmungen haben darf
HL TSEEKgg -.sratggsas ng^s
Richard Wagners Briefe «n RiernKnn.
Neues über den Meisipr und seinen größten Sänger. K
Ein seit langem ersehnter, aber bisher unzugängliche^ Schatz von Briefen Richard Wagners wird jetzt ans Licht gehoben durch die Herausgabe Cer Schreiben, die der Meister an seinen genialsten Darsteller, an Albert Niemann gerichtet hat. Soeben erscheint im Verlag von Georg Stille zu Berlin ein von Prof. Wiih. Altmann herausgegebenes „Gedenkblatt" „Richard Wagner und Albert Niemann", las durch eine vortreffliche Charaitcristil des Künstlers von feinem S ha Dr. Gottfried Niemann cingelcilet wird. In besten Briefen, die Niemann wie ein Heiligtum b w. h le und in die er niemandem die Einsicht gestatte c, offenbart sich nun die ganze Bedeutung, die der große Sänger für das Lebenswerk des Dichter- Komponisten, besonders für die Erstaufführung des „Ring der Nibelungen", gewonnen h ! Wagner fvurde bald auf Den jungen Ruhm des in Hannover engagierten Niemann aufmerksam und suchte ihn schon Anfang 1857 für feilte Werke zu interessieren: er übersendet ihm die Dichtung seines „Siegfried" und verfolgt seine Entwicklung mit großer Anteilnahme. In verschiedenen auß.r- ordentlich umfang'.eirpen Driesen Hatter ihrg seine Au sfassungeinzelnerC ha rattere seiner Werte dargelegt, so z. D. di? des Rienzi, ; dis ebenso wie die große Charakteristik res Tannhäuser nicht nur für jeden Darsteller dieser Rollen einEvangelium, sondern auch für jeden Verehrer
und daß für die in diesen Gebieten investierten Gelder weder für die Gegenwart noch für die Zukunft irgendwelche Gefahr besteht. Japan selbst begrüßt diese Regelung aus das lebhafteste, denn auch für die friedliche Durchführung seiner Interessen ist nunmehr die Grundlage geschaffen. Japan ist sich dessen bewußt, daß es weder die finanziellen Mittel noch die finanztechnische Ge- schicklichke.t hat, um den bedeutenden aus Jahrzehnte hinaus bestehenden großen Kapitalbedarf Chinas s ch.rzustellcn, auch fehlen ihm die natürlichen Hilfsm.ttcl, um den Riesenbedarf Chinas nach Indusirieerzeugnissen aller Art za b r?> digen. Sein Anteil am Außenhandel Eh., as wird ihm stets zufallen, denn es versteht inw.ge seiner nachbarlichen Lage die lokalen Bedürfnisse Chinas am besten zu beur:eilen.
Japan blickt mit großer Ruhe in die Zukunft und hofft, daß die oben angedeutete w rtfchaftl che Entwicklung sich friedlich fortsetzen werde. Der Gedanke, daß es nicht gerecht und meisteutr.Is sogar unwe.se ist, int Interesse enazelnec Wirtschaftsgruppen die Freundschaft eines gaumen Landes aufs Spiel zu seh:.'., ist der neue Gedanke im internationalen Wettbewerb, der aus dem Chaos des Weltkrieges geborene neue O der sich hoffentlich int Lause der Z:it erweitern und vertiefen wird.
Wirtschaft.
Der deutsche San-errftand zu Anfang Mai.
Wegen des unbeständigen und vo fy.Tr ' - ä naßkalten Wetters int Monat April k-on.tt nch das Wachstum der Saaten nur wenig en: ;
Erst die seit den letzten Apriüagen c : -e e
Temperaturerhöhung hq,t die Entwickln:-.c beschleunigt: gegenüber normalen Iahr.n i : aber noch sehr zurück. Lieber den Stan) b:-. .□ teil, Futterpflanzen und Wie-en ergibt sich u r Zugrundelegung der Z-ahlennoten 2. -st ich < n 3 gleich mittel, 4 gleicht gering in R.i • schnitt nach dem Gutachten der Saa'enstan .• ,■= richterstatter folgende Beurteilung: Win. ■: : m
3 1 (Anfang ApKl 3,2). Winterrogaea 3,4 i . :, Wintrrspelz 2,7 (2 7), OJDin;e.gc;fte 3.3 (3 4), Klee 3,0 Luze.ne 3,0, 'Be wö s se: u ng s w i esen 25, andere Wiesen 3,0.
Infolge erheb iche: Auswinterungsichäden mußten fast überall, ieilweite, — namentlich bei Mchgcn — in recht erheblichem Ausmaße, Um- pslügungen vorgenommen werden. Nach den bis jetzt vorliegenden Mitteilungen betragen diese vom Hundert des Anbaues im Reichsdurch schnitt bei Winte, weizen 5.5. Win e roggen 9 5, Winterspelz 2.5 Wintergerste 7,1, Klee 2^6, Luzerme 7.7.
Sie. Bestellung der Felder mit Sommergetreide ist zumeist noch nicht beendet: nut dem Legen von Kartoffeln und Einritlea von Rüben- samen ist begonnen.
Infolge Kreditnot herrscht Mangel an künst- lichen Düngeinitteln, vor allem in Kleinbetrieben.
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Der neue Franken stürz.
Von. .neuem, ist . die französische Valuta r.rs Wanken geraten. Beatertenswert daran ist vor allem, daß dieser Rückgang gerade so kurz vowdcn französischen Wahlen eintrpt und daß das inter- r.attvnale Bankenkonsvrtium, das sich zunreist aus englischen und amerikanischen Bankiers zusam- mensetzt, keine Miene macht, d.a Rückgang aufzuhalten. In französischen patlamentarifchen Kreisen glaubt man dies als einen Druck Englands und Amerikas für die bevorstehenden Wahlen deuten zu müssen, und Öicic Ansicht wird auch in einem Leitartikel der „Times" bestätigt. Der Han- delsredakteur der „Times", der dem 'Vernehmen nach nicht ganz ohne eingehende Informationen ist, führt in dem erwähnten Artikel aus, daß, abgesehen von dem Versuch einer Vceinflußung der Wahlen die langsame Durchführung des franzö- sischrn Sanierungsplanes in Neuyorl verstimmt hatte. Diese Ansicht mag zutreffend sein. Doch 'hat es den Anschein, als ob in Frankreich' selbst der neue Fcanlsturz nicht ganz ungelegen käme. Schon seit langem btzmüht sich die. französische Industrie, die Besserung der Landeswährung zu verlangsamen und eventuell eine Senkung hrnbtt- 5ufübten. Die Gründe. sind ziemlich einleuchtend. Sei französische Export hatte sich auf einen Franlsstand von zirka 90 Franks für ein Pfund ülciling eingestellt, und die Steigerung der Ausfuhr watz^m sehr zugute gekommen. Der Rückgang des Franken sollte, nach der Meinung des Komitee des Forges, in ungefähr dec Hohe von 90 zum Stillstand gebracht werben. Das weitere Ansteigen hatte Natürlich zur Fvlge. daß zahlreiche ausländische Kontrahenten von ihren Verträgen Abstand nahmen und die Beschäftigung de. Werke nicht unbeträchtlich'nachließ. Es ist ganz gut möglich und wird auch in zahlreichen fcan-iösiichen Zeitungen behauptet, daß sich die französi'che Regierung, auf Cinwirlung des Komitees hin, m™tsES5renr3B?E3EmsaK-r7BmaK330?iö2zra3>$3^£TX'aa.'y5ECTB>5£:v -' •
Wagners ausschlußreich fein tor> „Ob ich klar i gewesen bin." sagt er am Schluß, der Rienzi- Choraktetis'-ck. „weiß ich nicht, aber mich fat mein ! Iugendgegenfl-and. den ich selbst et ft starr' or'cent- f lick, versirhe, erwärmt. Möge ich Ihren iie.e Wärme r.ütgcteUt haben!" Der 13 Seiten lärme Brief Wagners über Len Tannhäuser vom 21. Februar 1861 führt uns mitten-hinein ir b; - Aufregungen jener berühmten chPrrrise. »Tan >h ius.r- Aufführung, bei der Niemann als Träger der Titelrolle mitwirkte. Wagner hat sp .c. Niemann an dem Fiasko, das dies: Aufführung te- reuietc, die Hauptschuld zugeichrieben, un-> d c Furcht vor einem Mißlingen fiebert bereits in dem Brief, in dem er den Sänger beschwört, sich rack seinen Angaben zu rich en Be onderL hebt er Las' Finale des zweiten Aktes hervor, von dem der ganze Erfolg abhänge. ..Denken Sie nicht an den dritten Att: der ist Ihnen sichet," schreibt er. „Denken Sie nur an dies zwei'e pstnale und- werfen Sie sich so ganz mit Leib un' Seele hinein, als ob Sie nach diesem Fm.rw nicht eine Not: mehr zu i ige-n hätten De: Ge- winn ist dann ein sichere:, im errtscheidensten '^"nkt den Oper, da — wo alles auss äußerste ficilcigert ii! und der geringste Laut mit cttcmlo er Spannung ausgenommen wird, da — hier ist es ^.?..?^^^fchetdung des ganzen Äb end s fc.!lt! Glauben Sie mir und vertrauen Sie nur dies eine Mal noch auf mich! Sie sollen in Ihrem Leben nie wieder von mir hören." Lind zum Schluß ruft cc ihm „Mut, Mut, Freund!" zu. „Wer — zum Teufel! soll endlich iühn und wagend sein, wenn nicht Sie, mit einer Aus-
entschlossen hat. eine Senkung des Franken in gewissen Greiizen he.beizufuhren. Diese An,icht wird bestätigt durch das Aushören je.er Stützungsmaß- nahmen der 'Bant von Frankreich. Zum Schluß wäre noch eine dritte Deutung des Frankenrückganges vorhanden. 'Die inte:nationale Spekula- tivic hatte, als damals der gewaltige Sturz Oer f^anzosilchen Valuta einsetz e g g.aub!, der günstige Moment, wieder im Hanoumdrehen Reichtümer erwerben zu tonnen sei gekommen und die Cnlwickrlung Cer Frankenbai,se würde den Gang des deutschen Matche falres gehen.. Als sich diese Erwartung nicht erfüllte, war man schleunrzst bestrebt sich für Blanko verkaufe ernzu- decken, und die Schwre igceitcn. die dadurch auf fast allen eucopck netzen Börsenplätzen entstanden, sind ja hinreichend bekannt. Immerhin brachten Liste enormen AnforLeru g n einen Sstllftand in die rückgängige Bewegung, ja bewirkte, da dis Eilgagemsn.s in chrer Ge.amr- zahl enorm waren, eine beschleunigte Steigerung Les Francs. Nunmehr haben vie^e Käufe nach- gelassen, wenn nicht ganz aufgehört, uno die Rückwirkung macht sich in Lem Sinken des Francs bemerkbar. Wie dem aber auch sei, es ist nicht zu erwarten, daß der Rekordti st stand des Francs wieder erreicht wird, und es ist anzune^me.r, daß die Spekulation durch die Erfahrung gewarnt ist. als daß sie versucht, von neuem den französischen Zrauc zum Sp-ekulatlo.'Lobjekk zu rnach.n.
H. W.
* Ausweis der Deutschen Renten- r a n k per 30. A p r i r 1924. Unter den Aktiva wird die Belastung der Wirtschaft zugunsten der Rentenbank unrerändert gegen Ende März mit 3 2C0 C.CO OC j Am. auSgctoicfcn. De: Bestand an Reatenbriefen ist vvn 2 399 770 000 Rm. am 31.3.
v Farmer Bankverein. Die Sitzung des Aufsichtsrates, in der die Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr vorgelegt wird, findet am 15. Mai statt. Die Bilanz weist nach vor- ftchtiger Bewertung der Debitoren, bei welchen die heutige besondere Wirlschafislage wcitgehendft berücksichtigt wird, nach Vornahme erforderlicher Rückstellung einen ansehnlichen Reingewinn auf. Dem Engagement der Bank bei einer Kölner Lebensmittelsirma, Las zum größten Teil mit Schwierigkeiten angelegt ist unö unberechtigterweise zu übertriebenen Geruch en Arlaß gegeben hat, ist bei der Aufstellung der Bilanz vollkommen Rechnung getragen worden. Die im laufen» Len Geschäftsjahr erzielten Ergebniise sind als günstig zu bezeichnen.
' Rur vorläufige Aufwertung der Kieler Stadtanleihen. Zu der Meldung von eprozenliger Aufwertung gewisser Kieler Stadtanleihen wird milgeteilt, daß von einer generellen Aufwertung nicht Lie Rede sei, sondern Laß cs sich ruc um eine vorläufige in dringenden Fällen zu erreichende 3prozentige Aufwertung handelt.
* Gründung einer dcutfch-däni- schenHandelseinigungsstelle. Zwischen dem Deutschen InLustrie- uni) Handelstag, als bet Gesamiveriretung der deutschen Industrie» und Handelskammern, und Lem Dänischen Industrierat ist am 1. Mai 1924 in Kopenhagen erne Vereinbarung getroffen worL m, aus Grund deren zur außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten zwischen L:utst'?n und L inischen Firmen une HanLelseinigungsstelle gegründet ist, die unter Würdigung der gesamten ; nteresscnlago auf einen Vergleich zwischen den '-Parteien hinarbeiten und im Falle mißlingender Emtgung als SchicLs- gericht zufammentreten wird.
' -24 auf 2 359 77J500 Rm. am 30. 4. 1924 gestiegen. Die Darlehen an Las Reich' werden unverzinslich mit 200 000 000 Rm. (unverändert), Der» z in Aich, mit 900 000 000 Rm (gleichfalls unverän- Le-:t) nachgewiesen, ercnso die Darlehen für die Wirtschaft an die Reichs bank mit 800 000 003 Rm.; an c.c Notenbankrn Lagegen find sie von c 3 005 232.84 auf 71 3.v4 448 21 gestiegen. Vorüber- c ehend bei der Reichsbank für Ingangbringung l>3 Giroverkehrs sind jetzt 100 000 C00 Rm. no- ticrt. Kasse. Giro-, Postscheck- and Bankguthaben von 5404559.20 auf 63 470089.29 angewachsen. Passiva: Grundkapital 2 400 000 000 (unverändert). Grundrücklage 800 C00 000 (unverändert). .Umlaufende Rentenbantscheine' 1 985 675 791 (Ende März), 1 951 613 050 lEnde Avril). Umlaufende Renlenbriefe 233 000 (Enö^ März), 233 500 (Ende April). Von beruf, ner Seite wird hierzu noa; geschrieben: Der Umlauf an Rentcnbanlfcheinen hat sich gegenüber dem lchten Ausweis nur unwesentlich verändert. Von feiten der Reichsbank sind im April keine toeitcren Abforderungen bei der Deutschen Nentenbank erfc lgt. Das Anwachscn der Position: Kasse, Giro-, Postscheck und Bankguthaben erklärt sich daraus, daß die im Laufe des Monats April eingegangenen Zinse.-, (insgesamt rund 95 Mill. Rentenmark) zum Teil noch> a if dem angegebenen Konto stehen. Im übrigen ist ein erheblicher Teil der Zinsen im Lause des Monats von dem Postscheck- und Girokonto in bar abgehoben, dem VerwahranasLepvt bei der Reichsbank zugeführt worden und auf diese Weife die ggs finan-, technifchen Gründen erwünschte Verknappung der Rentenmark durchgeführt.
* Wochenbericht der deutschen Golddiskont bank vom 7. Mai. alles in Pfund Sterling. Artiva: Goldbestand 9003, Noten airsländischer Banken 5555, täglich fällige Forderungen im Ausland 5 353 971, Wechsel und Schecks 998 695, noch nicht eingezahltes Aktienkapital 3 750 000, sonstige Aktiva 2134, zusammen 10119 355. Passiva: Grundkapital 10 000 000, täglich fällige Verbindlichkeiten 90 397, sonstige Passiva 28 958. zusammen 10 119 355.
“ Kein Frankclearing in Frankfurt. Die Verhandlungen der DevisLnkommijsion Les Börsenvocstandcs in Frankfurt über die Möglichkeit eines Franlfurter oder interuroanen Clea-
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Märkte.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 10. Mai. Wie allermeist zunr Wochenende, war das G»schäst noch, stiller als an den Tagen zuvor. Für Brotgetreide besteht wohl einige Nachfrage seitens der ausländischen Mühlen, aber die Geldknappheit ist Anlaß, daß man meist nur gegen Akzepte kaufen will. Da die Kaufleute solche nur noch äußerst schwer verwerten können, erklärt sich daraus die Gering- fügigfeit des Verkehrs. Gerst: hat auch wenig Geschäft. Gute» Braumaterial ist noch uuterzu- Bringcn. Für Hafer in Kahnladungen ist vereinzelt wohl etwas Deckungsbegehr, der aber fehr vorsichtig beim Kauf ist. Für Waggonhafer bekunden der Konsum und Mitteldeutschland wohl einigen Bedarf, bieten aber meist zu niedrige; Preise. Mehl andauernd lustlos. Für Roggenkleie und Trockenschnitzel fanden einige Ankäufe statt. Man notierte für Getreide und Oelsaaten per 1000 Kg., sonst per 100 Kg., ab Station: Weizen, märk. 164 bis 167, Roggen, märk. 128 bis 134,.Sommergerste, märk. 170 bis 186, Futtergerste 154 bis 162, Hafer, märk. 125 bis 132, Wc izenmehl 22,75 bis 25,25, Rvggenmehl 19 bis 21,50, Weizenkleie 10 bis 10,30, Roggenkleie 9 20 bis 10, Raps 300, Leinsaat 400, Erbsen, Viktoria 25 bis 27, kleine Speiseerbfen 14 bis 15, Futtererbsen 12 bis 13, Peluschken 11 bis 12, °Ackerbohnen 14 bis 16, Wicken 11 bis 12r Lupinen, blaue 11 bis 11,50, gelbe 15 bis 15,50-, Seradella 12 bis 13,50, Rapskuchen 10,20, Leinkirchen 19 bis 20, Trockenschnitzel 9,30 bis 40, votlw. Zuckerschnitze! und Torfmelasse 30 bis 70 gestrichen, Kartofselslocken 21.
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Berliner Börse,
Berlin, 10. Mai. Am heutigen Börsen- ruhetage war Las Geschäft von Bureau zu Bureau durchaus lustlos. Immerhin erscheint die Lage des Geldmarktes mit „nur 1bis 3'i pro Mille etwas leichter, so daß sich, soweit Abschlüsse zuslandekamen, die Kurse etwas erhöhen. -Die Lage des Devisenmarktes bleibt unverändert. Die
sie. en'ei
Riliofa . Zigarettenfabrik • Frankfurt/M. R
sv.nL•; .. . \<Vc; auch entsprechende Einnahme-
Anforderungen haben sich wiederum etwas vermindert. Der französische Frank bleibt weiter rückgängig und wurde im Llsancebureauverkehr •mit 73 bis 7311 gegen London gehandelt. Auch in Paris setzte eine erneute Abschwächung der französischen Valuta ein. Man glaubt in Börsen- kreisen diese erneute Abschwächung dein Druck englischer und amerikanischer Bantiers zuschreiben zu müssen.
rings für Frankenengagements per Ende Mai haben nach der „Franls. Ztg" iwrerst zu keinem Ergebnis geführt. Es Haven, sich sehr große technische Schwierigkeiten herausgestellt, so daß ab- zuwartcn bleibt, ob die Angelegenheit übethaupt wird gefördert werden können.
S 27710 Die feine Zigarette
| Schloß Amerongen 8
Großformat Stück 5 Pfg.
■Sie Lage Les Siegerländcr Erzbergbaues. Im allgemeinen läßt die Lage auf dem Eifcmnarkl des Siegerlandes und Les Lahngebietes nach wie -£>r sehr viel za wünschen übrig; im besonderen ist von einer Nachfrage nach Braunstsmerzen mit niedrigem Man- gangehalt überhaupt noch nichts zu spüren. Die Belebung des Absatzes steht und fällt mit der Ermäßigung der viel zu hohen Ewstrachtsähe. Leider hat die Roichsb.'itz.verwa-.ung bish:r in ihrer Darifpol? i? eine Aenderung . icht j>intr-:t€.i lassen;
durüe den h-ierdurch:bedingten Vcr-
sta.wug der Natur, wie ich. sie.bisher nur qe- träumt, nicht aber für möglich gehalten habe? Mc-u. Schicksal führt mir Eie zu. — und im 'Momente des Erkennc/is ,<[[ i h, S ie ducci^ Einbildungen von Schwäche beriieren?"
Sie Verstimmung Wagners über Niemanns a o- halten W h-end der Pariser Tannhäus-r-Auf- suhrung Lauerte über ein Jahrzehnt, abe - als es lotan gmg, in Bayreuth die 9Nus!erailffüh- rungen 1 einer Wecke zu veranstalten, da lonnw er den großen Sänger nicht entbehren. Bald stellte sich die alte Herzlichkeit zwischen bstden Wieder ein, freilich ab un' :u durch Versliiiruu,.en uiilcrbrochen. wie es b i dem leide'.schaitlichen Temp:ramcnt der beiden nicht anders sein tonn e. Niemann glänzt als Siegnrund bei der Erstau-- führung Les „Rings", und nicht nur als Sarr steller ist er dem Meister urrer-etzlich, son.e-n auch als Mitarbeiter bei der Riesenaufgab: „Sie wissen doch, wofür ich alles auf Sie rechne?" fragt c am 11. Februar 1875 den Freund. „Sie sollen für Lie Aussühtung meines Ws k s m in Mitarbeiter, mein Gen ost e s in. And to nn Sie gar seinen Teil der Ausführung selbst übernehmen, so sollten Sie mir in allem helfen — und helfen — in welchem Sinne? Sie sind doch der einzige vor allen, dec meine Nöte keimt und versteht!" Auch Leu Siegfried hatte ec Nicmann -u- gedacht, wie aus einem Brief an 73'1' havor- gebl. aus dessen Nachlaß cben'ails wichtige Wagnerbriefe zum ersten Mal hin: veröffentlicht werden. „Das eine ist mir während unserer Proben immer deutlicher ausgegangen," schreibt Wagner, „dM die Schwierigkeit des Siegfried nicht in der
„Götterdämmerung" liegt, sondern eben im eigentlichen Siegfried, den er fast ganz allein zu tragen und auszuführen hat. Kommt ein Sänger mit diesein Siegfried zustande, so ist ihm die „Götterdämmerung" dann ein Kinderspiel. Mit Niemann habe ich nur eine ernstliche und entscheidungsvolle Rücksprache hierüber zu nehmcn. in welcher fest- zusetzgn sein würde, daß es, wie für den . Siegmund, so auch für dcn ganzen Siegfried keinen außer Riemann gibh wenn nicht alles verdorben sein iül(.“ Was Wagner von Niemann hielt, geht so recht deutlich aus einem Brief aus Rom vom 30. November 1876 hervor. Er schreibt von dieser Erholungsreise nach Vollendung der ersten Bayreuther Festspiele: „Glauben Sie. daß ich auch nur für einen Tag Erholung a.v Erquickung fand? Nie ist mir dies bc schied en g wes:n. Lilles, was mich je quält, folgt mir nach: die ewige Sorge dem Unzureichenden gegenüber. Selbst to nn ich Lie materiellen So gen füg meine älnternehmung nicht bedenke, werden grade Sie mich verstehen, wenn ich nach all dem ungemeinen, mein Herz M rührenden Eifer, welcher diese Auführungea rn Las Leben rief, das Werk unserer Bemühung doch fast nur als eine Kraftvergeudung, ohne Zweck und Rüden, erkcime. Welche Hc;c iln&C’ friLLigung mußte ich Ihnen stets ansehen: ich widerstand Ihren Ausdrücken, weil ich Ihnen nicht zugestehen konnte, daß diese oder jene andere i Besetzung usw. an der Sache etwas geändert haben würde. Sie vergaßen, daß nur Sie, aber einzig Sie — das Genie der Darslellung waren, wogegen alles iiebrige nur Lurch Fleiß und edlen Willen sich bcteiliarn konnte."


