Ausgabe 
12.5.1924
 
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zwischen Grubenherren unv .Bergleuten ver­mittelnd einzugreifen, sollte nicht versäumen, auch den politischen Brandherd auSzu- treten, der sich wieder einmal ganz unter der Hand entwickelt hat.

Keine Erwerbslosenfürsorge für die ausständigen Bergarbeiter.

Essen, 12. Mai. (WB) 3m Rathaus zu Essen tagte eine Versammlung, in der die O d e r- bürgermeister undLandräteder meisten Gemeinden des IndustrirbezirkS anwesend o.er vertreten waren, um sich mit den auS dem Kampf im Bergbau für die Gemeinden er­gebenden Fragen beschäftigen. In der Aus­sprache ging man davon aus, daß es nicht Aufgabe der Gemeinden sei, für oder gegen eine der Parteien im Kampfe in der Sache selbst Stellung ?u nehmen. E-S ergab sich Einmütig- teit darüber, Lad nach § 3 der Verordnung über die Erwerbslosenfürsorge v)m 16.2.24 eine Zahlung von Erwerbslofenunter- stützung an die betioftenen Arbeiter gesetzlich unzulässig fei, und daß jeder Ve.stoß gegen die klaren Bestimmungen des Gesetzes eine Sper­rung der Reichs Überweisungen an die Gemeinden zw Fol c haben wurde. Die Der- sanmrlung 6; chlos, angesichts der schwerwiegenden Folgen, die ei. e Fortdauer der eingetretenen Zu­stande für eie Gemeinden unmittelbar haben würde, den Reichskanzler und die betreffenden Reichs- und preußischen Minister dringend za bitten, nichts unversucht zu lassen, um eine Ver­ständigung der streitenden Parteien möglichst schnell herbeizuführen.

Eine nationale Feier in Halle.

Hakle a. S., 11. Mai. (WTB) Lim die Jahrhundertwende wurde aus Opfergaben Halle- scher Bürger das Hallefche Ql a t i o n a I - denkmal errichtet, dessen Moltkestand- d i l d am vorjährigen Reujahrstage durch ein Sprengattentat zerstört wurde. Gestern fand nun die Enthüllung deS wiederyufgerichteten Standbildes statt. Unter den 150 geladenen Ehrengästen befanden sich viele bekannte Heer­führer aus dem Weltkrieg, u. a.: v. Macken­sen, die Generalobersten v. Heeringen und v. Einem, die Generale Ludendorff, von Francois, Wrisberg, v. Below, Hu- t i er, v. Mudra, Eberhardt, Maerker, v. Leitow-Vorbeck, ferner Adm'ral Schroeder, Vzeadm.ral Meyer-Waldeck und Graf L u ck n e r.

Der ungeheure Zustrom der an hundert­tausend zählenden Teilnehmer von nah und fern gestaltete den Tag der Einweihung des wieder errichteten Moltke-Standbildes zu einem natio­nalen Weihetag erster Ordnung. Schon vom frühen Morgen an bewegte sich eine festlich ge­stimmte Menge durch die geschmückten Straßen. Vom Wetter begünstigt, nahm die Feier in jeder Hinsicht einen befriedigenden Verlauf. Wäh­rend die Mehrzahl der Teilnehmer sich zur Pferderennbahn hinaus bewegte, begaben sich die Fahnenabordnungen der Studentenschaft aller be­teiligten vaterländischen verbände von hier und aus. dem Reiche mit mehr als 1600 Ihnen zur Teilnahme an dem Weiheakt nach dem Platz am Denkmal. Inzwischen waren dort zahlreiche Ehrengäste erschienen, darunter Prinz Oskar von Preußen. Rachdem die unübersehbare Menge der Fahnenträger sich um das Denkmal gruppiert hatte, begann um 12 Uhr

der eigentliche Weihrakt, ringel t et durch den gemeinsamen Gesang des RieverläNdicher Dankgebets. Hierauf h.eltOberst- leutnant a. D Düsterberg die Weiherede. Die Absicht der Zerstörer des Denkmals sei gewesen, ' mit dieser Herost ratentat eine blutige Ausein­andersetzung im Deutschen Reiche auszulösen. Die wahren Schuldigen seien jedoch die geistigen Ur- Ijeber des Attentats gewesen. Aber dir Bubrntat habe eine ungewollte Wirkung gehabt. Die natio- tnalen Kreise seien aufgerütt eit worden. Das Leben der drei Männer, die uns das Denkmal zÄgt, vor allem Moltkes Leben, must uns, fuhr der Redner fort, ein Ansporn in dieser trüben Zeit sein, und Moltkes Wahlspruch:M ehr lein als scheinen" muh der Heranwachsenden Jugend aus ihren schweren Weg voranleuchten, das heißt ersehnte Befreiung Deutschlands wird nur durch bewußte Rückkehr zu sitt­lichen Grundsätzen erreicht werden, die Preusten-Deutschland einst groh gemacht haben. Pflichttreue im Kleinsten, eiserner Fleiß, restlose Hingabe, freiwillige Manneszucht, vorbildliches soziales Verhalten, glühende Vaterlandsliebe wer­den uns den harten Weg zur Freiheit erfolgreich

Die Bantiger.

Roman von Hermann Stegemann.

(Rachdruck verboten.)

Mitternacht stand vor den Fenstern. Der Sitzungssaal lag im fahlen Lichte der von dichten Tabakswolken verschleierten Glühbirnen und die Dersammlung fiel müde, erschöpft und abgelebt auseinander.

Gottfried Bantiger hatte nach hartem Kampf seinen Willen durchgrseht und der Landschaft den Dau der Straste von der Hauptstadt über den Sattel des Wolfenberges ins Tal der wilden Runs gesichert.

Run (lest er die anderen vorausgehen. Er »wußte, daß sie nicht allein bleiben dursten, denn seine Gegner warteten nur auf seinen letzten Grust. um wieder gegen ihn auszustehen und die groste Sache zu betraten. Er kannte sie und wich nicht vom Platz. Er sah breit und schwer in dem alten Ratsstuhl und legte Druckschriften, Papiere, Pläne und Kostenvoranfchläge zu Haufen, sichtete, ordnete, tauschte laute Worte mit feinen An­hängern und wartete, bis die Reihen sich lichteten und die Schritte d-r Abziehenden auf den Fliesen der Vorhalle verklangen. Er blieb sitzen, schlug lärmend auf den Akt nstost, der sich vor ihm gehäuft hatte, liest die scharfen, von breiten Dogen überspannten Augen forschend über eingefallene und gedunsene Gesichter schweifen und fast noch, als die Letzten ihn zögernd die Hand boten, um von ihm Abschied zu nehmen und die Tür hinter sich zu schließen.

Run waren sie gegangen.

Eine Weile blteb er mit aufgeflemmten Fäusten wie lauschend auf seinem Platze sitzen, dann erhob er. sich mit einem harten Ruck vom rückwärtsschnellenden Stuhl, und ein tiefer, be­

gehen leisen. Wi r brauchen keine Re­vanche! Wir Deutschen haben auf allen Schlacht­feldern einer IPelt von Feinden gegenüber sieg­reich standgehalten: wir verlangen aber und das soll nicht nur Deutsch.and, nicht nur Europa, sondern die ganxe Welt hören auf Grund deS erven aller Völkerrechte, auf Grund des Selbst- beslimmungSwchts, di:

Wiedervereinigung «klrr in Mitteleuropa ge­schloffen lebenden Deutschen zu einem neuen großen Deutschen Reiche.

Dieses heilige Ziel werdeil wir und wenn eS not- treaöig i)i, alle kommenden Geschlechter anstreben, bis wir es erreicht haben.

Mit dieser wiederholt von Beifall unter­brochenen Rede siel unter dein Geläute aller Kircyenglocken die Hülle vom Standbild.

Rach der Denkmalsenthüllung begaben sich die Fahnenabordnungen nad> der Rennbahn und glie­derten sich dort ihren Verbänden ein. Bald da­rauf erschienen die G h r c n g ä ft e, von der Menge jubelnd begrüßt, und schritten die Front ab. Da­rauf vollzog sich der fast 4 Stunden dauernde Vorbeimarsch vor Generaloberst v. H e e r i n* gen als dem ältesten Offizier des Heeres und den übrigen Ehrengästen. Die Halloren in ihrer traditionellen Tracht eröffne-en den Vor­beimarsch. Ihnen schloßen sich die Turner. Mai» rineangehörigen, Krieg»rve eine, die Studenten­schaft, die vielen Delegattonen aus dem Reich, eie Ruder», Schwimm» und sonstigen Vereine, die KnappschaftSverbänbe der Deutsch' Offiz ^rsbun), die Schutztrupsler in Eren Tropen ivformen usw. an. Das Bild war bunt belebt von 3500 Fahnen. Ein Flieger der Dessauer Funkwerke streute Blu­men über die Stadt aus. Um vor Beginn der Dunkelheit mit dem Vorbeimarsch fertig zu werden, formierten fidji die Reihen zu 12 Mann. Die Ve­teranen aus Deutschlands grosten Kriegen hatten in der Röhe der Tribünen Sitzplätze bekommen. Den Beschluß des Abends machte ein gemü liches Beisammensein der Festteilnehmer an 18 Stellen.

Während es in Halle bis zu den ersten Rach- mittagsstunden nur zu geringfügigen Reibereien zwischen Kommunisten und Rational» gesinnten gekommen war, wurden die im nahegelegenen Dorf Böllberg dort $ur Siche­rung gegen einen geplanten kommunistischen Zu­zug von austerhalb aufgestellten Schupokommandos beim Zerstreuen cineß kommunist schen Zuges be­schossen. Sie machten auch ihrerseits von der Wasse Gebrauch. Rach dem preußischen Amt­lichen Pressedienst wurden vier Dchupopolizisten schwer und einer leicht verletzt. Ein w-ttener er» lag seinen Verletzungen. Einige Häuser, auS denen auf die Schutzpolizei geschos en worden war, wurden durch acht Eine größere Anzahl Kommunisten wurven festgenommen und n->ch Halle zur Ve.neh nung gebracht. Rach den Fest­stellungen der Schutzpolizei hiben die Kommu­nisten etwa zehn Tote gehabt. Die Zahl der Verwundeten ist noch nicht festgestellt.

Reichslagsabgeordnete aus dem Deutschen Gewerkschaftsbund.

Während die freigewerkschaftliche (sv i l emo» kratische) Gewerlschasisoew^gung in Anbe.racht der Mandatsverluste der Sozialdemokrat.sch n Partei zweifelsoh-c eine Anzahl ih er Bert e er im Reichstag einbüstte, hat sich die Zahl der Vertreter des Deutlchen Gewe kchafts.u de5 ver­gröbert. Der auf christlich natio alem B den steh.nde Deutsche Gewerk,chaf s und e t endet künftig 33 Vertreter in den Reichstag Es sind dieses:

De utschnativnale Doltspartei: 1. Behrens-Ostpreußen (Landarbri er, 2. £i d er- Frankjurt a. d. O. (Me a.larveiter), 3. Fräulein Schott-Pommern /late Wirtstz.ajttiche An sie test 4. Hülser-Drcslau (Gärtner), 5 H rtz-We er 1 m3 (D H. V.), 6. H rtwi^ - Heifen-Ra^ a <B kl - dur.gsg werbe), 7. Koch-Düs eldorf O Sta ts r öei.etf, 8 Har m nn - Dres n (La da b.. c >, 9. Frl. Bhm-ReichSttste (Heimarbei. ri men), 10. Lambach-Reichsliste (D. H. V.), 11. Al,reö> Roth» Reichslisle (D. H. V).

Zentrum: 12. Dr. Höfle-Dwlin (B-amton- gewerkschaften), 13. Ch.hardt-Op elr (Dauar ei­ter), 14. Stegerwald-Westsalen-Rord (Holza bei­ter), 15. 2m'usä--Westfalmr Süd (Dercarbttter), 16. Hoh. Becker-Wcftsalen Süd (Me allarbei.er), 17. Roth-Hessen-Rassau (Gutenbergbund). 18. Ivos-Köln-Aachen (H^'.znrbett.r), ;9 Fr ul in Teusch-Köln-Aachen <VWA). 20 Ge ig-KöIn- Aachen (DHB). 21. Tremm bKob e'z-T i r < 5a- briFarbeiter), 22. Gies der s-Düs el o f-Ost (Me­tallarbeiter >, 23 Sch'.ack-Dässel orf°Ost (Me all- arbeiter), 24. Wieber-Düfseldorf-West (V e ll» arbeiten, 25. Andre-Württemb rg (Holzarbeiter), 26. Grob-Württemberg (Eisenbahner), 27. Eriin^,- Daden (Holzarbeiter).

freiender Atemzug weitete seine Brust und lüftete sein erhitztes Hirn.

Und dann lachte er laut auf. Es war ein lustiges, wie von kindlicher Freude eingegebeneß Lachen, das sein breitflächiges Gesicht mit Grüb­chen füllte, Schelmenfalten in seine Augen- und Mundwinkel grub und die Zackenadern an seinen Schlafen von stockendem Blut entleerte.

Er lachte wie ein fröhlicher Zecher, der die Welt in Blau und Gold sieht, wie ein Jüngling, dem ein guter Spatz gelungen, wir ein Liebhaber, der ein schönes Kind eingefangen hat und mit Küssen gesättigt wird, und trarf daß ganze öffent­liche Geschäft, warf Zahlen. Rede und Gegenrede, Angi-chfe, Kamps, Zorn, schlaues Markten, zähes Fechten, Verdruß und Aerger, den ganzen Berg, der auf ihm gelastet hatte, mit diesem Lachen hinter sich.

Der Ratsdiener trat ein und mahnte leise zum Aufbruch.

Der Baumeister schob dem Alten seine Pa­piere hin, fuhr in den Mantel und zog d.e Leoer- kappe über die Ohren.

Der Regen, der seit zwei Tagen nieberging, hatte die Sommerhitze verscheucht Rauhe Winde wühlten im Gewölk und warfen Schnee aus die hvchtzen Berge, die Bäch' liefen brausend wie zur Frühlingsz-üt, und daß Korn lag breitgewalzt an den Talhängen.

Als Bantiger auf die Strafte trat, stand sein Automobil mit abgeblendeten Laternen und verhülltem Motor zur Abfahrt bereit.

Fahr zu!" sagte er kurztoir kehren heim."

Er hatte seinen Weggenossen schon zu Beginn der Sitzung erklärt, daß er allein heimfahre.

Und in welcher Frauenherberge kehrst hu unterwegs ein? hatte Gebhard Roll grinsend gefragt.

3n keiner, die dem Roll Unterstand gibt!

Deutsche Vvlkspartei: 23. Winnefeld- Westfalen-Süd (Bergarbeiter), 29. Th.ei-Lripzig (D. H. V.).

Bayrische Vvlkspartei: 30. <Mwär- zer-Obcrbayern (Hv.zardetter), 31. Dauer-Rieder- bayern (Ei,eickahner). 32. Schirmer-Franken (Me­tallarbeiter).

2/lkisch-svzialer Block: 33. Stöhc- Thüringen (D. H. B.).

Der dem Deutschen Gewerk'chaflsl und enge- hörende Deutsch attvnale Ha .d u gsgehttfen-B r- banO stellt im neuen Reichs ag allein 6 beruft- amtltebe Führer als Abgeordnete, und zwar Deattichnationale Vvlkspartei: 3, x en rum De b sche Vvckspartei und Völkisch-sozialer Bock je 1 Abgeordneten.

Vom Bund der Geusen.

Darmstadt, 12. Mai. (Eigener Be­richt.) Der Bund der Geusen beschloß in einer Beratung der Vorstandsmitglieder, trotz des Wahlergebnisses als Partei fortzube- stehen. Man will die Organisation weiter ausbauen, verhehlt sich aber nicht, daß hierzu größere Geldmittel erforderlich sind. 3n man­chen Kreisen, innerhalb des Bundes, nament­lich in Dahem, hatte man den RamenGeu­sen" beanstandet, weil darunter auch Revolu­tionäre zu verstehen seien; aber man entschloß sich zur Beibehaltung dieser Bezeichnung. In Mainz ist in diesen Tagen eine Ortsgruppe des GeusenbundeS ins Leben gerufen worden, die bereits mehrere hundert Mitglieder zählt. Die französischen Wahlen

Paris, 12. Mai. (WTD.) Der Wahl- itag ist in Paris und, foiotit Nachrichten vor- lirgen, in ganz Frankreich vollkommen ruhig verlaufen. Die Wahlhandlung ist um 6 Uhr geschlossen worden. In den meisten Wahllokalen war biß zur Mittagsstunde die Wahlbeteiligung eine autzeror- deutlich rege. Im alll-emernen wird an­genommen, daß in Paris und Umgebung so­wie in Süd- und Nordfrankreich «ine star­ker« Wahlbeteiligung als anläßlich der Wah­len von 1919 zu verzeichnen sein wird. In Paris berechnete man heute vormittag eine Wahlbeteiligung von 8085 Prozent. Um xU*l Uhr vormittags veröffentlichtHavas" fol­gende Statistik über 177 Wahlergebnisse. Da­nach smd gewählt: Konservative 8 (+ 2, 8), Arrago-Gruppe 14 ( 41), LinkSradikale 17 (4- 5, 25), Di s-r irrende Republikaner 11 (+ 3, 12), Radikolsoziaiisten 60 (ch 34, 4), Sozialistische Republikaner 18 (+ 6, 2), So­zialisten 41 (ch 25, 1), Kommunisten 4 (ch 3, 3). Stichwahlen sind in 4 Wahlbezir­ken erforderlich.

Im einzelnen ist die Lage in den Departe­ments nachHavas" die folgen':«: In dem De­partement S e i ne-e t -O c s e (12 Sitze) scheint die Liste des Rationale i Blocks an der Spitze zu stehen, unmittelbar darauf komme r die Kommu­nisten und be2 Linksblock. In dem Departement (Santa! (3 Sitze) ist die Liste teS Linksblock ge­wählt. In dem Departement Haute-Dienne (5 Sitze) ist ausschlietz^ich> bie sozialistische Liste mit absoluter Mehrheit gewählt. In dem Depar­tement Douches-du-Rhone (13Sitze) soll die Liste des Dlo^.eZ der Linken (Herri)t- msge- samt mit absoluter Meh heit ..ewähtt sein und die Liste des Rationalen B)cks mit 30 000 ge chlagen worden sein. Die kommunistische ßi te (Levy) und die Liste der links epublikamschen Konzentra:i)n erhielt nur ei e ganz geringe Stimuce.lzahl. In dem Departewett Rord (24 Sitze) st lltHavas" um 3 Uhr vormittags fest, daß die vorliegenden Ergebnisse überall ein gewisses Dorrücken der Sozialisten und der Kommunisten er­kennen lassen. Die Liste der Arragogruppe steht an zw'iter Stelle und die Liste des Republilam- scheii Förderation an dritter Stelle. Rach dem QUatin1 toe-cben voraussichtliche gewählt wer en: 10 Sozralistcn 2 Kommunisten. 6 Kandidaten d«.' Republikanischen Föderation mit Loucheur und Daniel! Vincent an der Spitze und 6 von der Gruppe Arrago, Im Depa ten.ent I n d r e - e t - Loire (5 Slye) ist die ßi,te des Blockes der Linken (3 Radikal-Sozialisten und 2 Sozialisten) endgültig gewäW. Im Departenent Daucluse (3 Sitze) sind die 2 radikalen Sozialisten und der eine Kandidat der Liste des Blockes der Linken

Die Antwort hatte dem Vetter seiner eigenen Frau das Blut ins Gesicht getrieben, ober Geb­hard Roll verschluckte den Fluch, an dem er würgte, und drehte dem wilden Spötter hastig den Rücken.

Der Wagen setzte sich mit aufflammenben Lichtern und gurgelndem Motor in Bewegung, schoß durch die schlafende Stabt, durchbrach hal­lende Gassen und auf schreiende Torbögen, [Drang auf die graue Landstraße ins Freie und oohrte sich mit wachsender Elle in die ruhig lagernde Finsternis der regendampfendetl Rächt.

Es war wieder inner aeworden. Ver­lorenes Mondlicht ttckerte durch das jagende Ge­wölk und kündete bZseres Wetter.

Gottfried Bantiger saß zurückgelehnt im offenen Wagen, die Fäuste in den Mantelärmeln, das Kinn in dem Pelzkragen vergraben und ließ sich grnnächlich rütteln und wiegen. Eine große wohltuende Ruhe umfing ihn und glättete feine kvousen Gedanken.

Er wußte, daß die anderen noch bei dem großen Nachtmahl sahen, in be'fen W inkarmen öie le t*n Degen,ätze ersäuft wurden, wußte, daß sie auf sein Kommen warteten, aber er verschwen­dete feine unnütze U.-berlogung daran diß er sie von fcUern Entschluß sofort Helmzufahren, nicht verßäntzigt hat e sondern kostete die ruhiae Sti'.ni'e nach gewonnener Schlacht im heimwärts jagenden Wagen voll stolzen Selbstgefühls.

Sie hatten ihm nachgesazt er handle nur zu seinem Vort-il weil er den Dau der Straße, sein letztes grofpä Untertehmen, mit alten Kräften betrieb und ji ben Iahre darauf verwendet hatte, die beteiligten Gemeinderi und die öffentliche Mei­nung für den Plan zu gewinnen.

Als ob er je daran gedacht hätte, etwas un­getan zu lassen, weil es ihm Vorteil brachte, je ein Hehl daraus gemacht hätte, daß er zu seinem

Un)er neuer Noinan mit dessen Abdruck wir in der heutigen Rümmer desGießener Anzeigers" beginnen, ist das neueste Werk des bekannten Schweizer Dichters Hermann Stegemann

Die Bantiger"

Stegemann, ein geborener Rheinländer, wurde schon früh In der Schweiz ansässig. Rach kurzer Tätigkeit als Dramaturg am Züricher Theater, war er viele Zähre Redakteur an verschiedenen führenden Schweizer Blättern, zuletzt amBerner Bund", für den er 1914 die kritische Behandlung der militärischen Operationen des Weltkrieges übernahm. Dabei entwickelte er ein für einen Laien erstaunliches Verständnis für die strate­gischen Zusammenhänge, so dah feine Darstel­lungen ihm die höchste Anerkennung der mllttä» rischen Fachleute eintrugen. Seine auf diesen Be­richtest fußendeGeschichte des Krieges", das Hohelied des alten deutschen Heeres, trug fernen Ramen über die ganze Welt. Dor kurzem veröffentlichte er ein wcireres großes historisches WerkDer Kamps um den Rhttn", über daS wir hier schon eingehend berichteten. Seine Roman« zeigen ihn als Erzähler von Rang. Eine starke Kunst der Churatteriiierung vor^ällem, daneben aber auch eine starke lyrische Begabung kommt auch in benBantiger" zur vollen Entfaltung. Unsere Leser lernen in ihm eine der wertvollsten Schöpfungen der modernen schweizerischen Ltte- ratur kennen.

Reue Bezieher desGießener Anzeiger-" er­halten die Zeitung bis zum 15. Mai kostenlos ge­liefert.

mit absoluter Mehrheit gewählt. Irn Departe­ment A i n wird von 5 Sitzen das Kartell dec Linien wahrscheinlich 4 erhalten. Hier liegen bis­her aus 189 Gemeinden die Ergebnisse vor, wäh­rend sie aus 260 noch schien. Im Departement Eure-et-Loire (4 Sitze) scheint der Erfolg der Gesamtliste tc3 LinksLartellS gesichert zu feilt

Die neue Besprechung in Chequers.

Paris, 11. Mai. (WTB.) Maedonalk» ließ durch den englischen Botschafter in Paris P o i n c a r 6 ersuchen, seine Reise auf den 19. Mai zu verlegen. Poincars hat zugesagt. Das ..Journal" erklärt, der einzige Nachteil der Vorverbgung der Besprechungen von Cheaueurs bestehe darin, dah die auf diese Weise mit der Zusammenkunft der belgischen Minister mit Mussolini in Mailand zusammentreffe. Gerade um das Ergebnis der letzteren abzuwarten, hätte PoincarS den 20. Mai vorgeschlagen. Aber der Rachteil spiele keine erhebliche Rolle, da sich lediglich um Vorbesprechungen han­dele. Rach demIournal des Dobats" ist die wichtigste Aufgabe, die in Cheqeuers durchgefühtt werden müsse, das Mißverständnis zwi­schen London und Paris zu beseitigen. Poin- car 6 müsse sich über die Absichten und Ziel« feiner Außenpolitik aussprechen Es werde ihm mühelos gelingen, festzustellen, daß die Hand­lungen, die man Frankreich vorwerfe,

absichtlich von der deutschen Negierung provo­ziert

wurden, Frankreich in die Rotwendtgkeit versehen, unter der Form von Sanktionen Maßnahmen zu ergreifen, die Mißtrauen und Wider-spruch in den Kreisen auSlosen würden, die der dutschen Propaganda zugänglich seien. Un­glück! cherweise hätten diese Gedanken jenseits des Kanals nützlichen Beistand gefunden. Wenn das Foreign Office nicht mit Berlin geflirtet und mit Frankreich eine Einheitsfront ge­bildet hätte, hätte man nicht das Ruhrgebiet be­sehen brauchen, und wenn nach der Besetzung daS britische Kabinett, ohne sich der militärischen Operation anzuschi eßen, die W o h l begrü n b e t- beit der Handlung anerkannt hätte, anstatt von feinen Justitiaren eine gegenteilige Ansicht aufstellen zu lassen, hätte es weder einen passiven Widerstand, noch lokale Unordnung, noch den Zu­sammenbruch der Mark, noch diplomatische Ver­wicklungen gegeben. Mit diesem gegenseitigen Mlßttauen, m.t dieser antiken Tradition der Rivalität müsse ein Ende gemacht werden.

Vorteil handelte! Er war Baumeister geworden, weil ihm das Bauen, das Gestalten, das sicht­bare Wirken im Blut lag, und ein untrügliches Gefühl sagte ihm, daß sein eigener Vorteil sich stets mit dem Vorteil des großen Ganzen ve> mahlte. Sein Vater hatte Steine gegraben am Felskopf zu Alt-Runs und neun Kinder gezeugt, um mit steinhart gewordenen Fäusten, verboge­nem Rücken und einem ausgeschossenen Auge zwi« schen zwei groben, hundertmal geflickten Lein­tüchern zu sterben und vier Kindern und der Frau in den Tod zu folgen. Zwei Brüder waren in jungen Jahren aus Runs mach Amerika auß- getvanbert und verschollen, eine Schwester war In Rumänien verheiratet, und die andere, das jüngste Kind der großen ©tetngräbecfamilte, lebt« altjüngferlich und weltabgewandt, von den Spen­den ihres Bruders im Fräuleinhaus zu Gofding« ob der Ruias. Er aber war vom Pflast er hau« zum Vorarbeiter, vom Vorarbeiter zum Werh führer gestiegen, hatte den Weg auß dem Stein- brach von Alt-Runs zum eigenen Erwerb ge* funben, httte ang^fanqen Karrenwege und Dach­wehren zu bauen, Gleise gestreckt, Städte ge­pflastert und mit dem Gelde der Anna Doll das alte Heilbad zu Runs neu aufgebaut und hatte bei d?m all nie überlegt, ob das Ganze oder fein Widerpart oder irgendeiner dabei z» Schrdeii komme. Er folgte dem inneren Trie», wie der Wagen dem M ckor folgte, dessen Rhyth­mus laut durch die stille Rächt dröhnte, er lebte wie der B?rgbach, der vom Rothorn ob Alt-Rum herabstürtt und unerschöpflich, unbeirrbar, von fernem Wehr gestaut, von keiner Sprengung auS der Bahn gelenkt, über die steilen Felsen schieht und in breiten, gleißenden Strähnen über dtz Rote Wand in die Tiefe fällt, um den Talgrum aufzureihen und sich durch Geröll und Geschievs Dahn zu brechew (Fortsetzung folgt.)

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