^Parlament rrmck>hängig, für etn Ätrektorium zu schaffen. SS konnte dies nicht in erftier Linie von Bayern auSgehen, sondern von Nord- deutschland aus. Ludendorfs bemerkte, nach seiner festen Ueberzeugung werde sich in Nord- deutschland niemand für diese Sache finden lassen. Es wurde von den Plänen einer Hitlerdikta- t u r m Bayern gesprochen. Ich habe mich mit aller Bestimmtheit dahrn ausgesprochen, dah dies falsch und für Bayern eine Katastrophe sein würde. Kahr beginnt nun mit der Schilderung der Vorgänge im Bürgerbräuleller, die ihm zunächst ein Gefühl des Ekels und Ingrimms über diesen Ueberfall eingeflöht hätten. Andererseits habe ihn tiefe Trauer ;uni> Besorgnis über die Folgen dieses Schrittes befallen. Er habe dann zu Lossow und Seiher geäußert: »Da hat uns die Polizei in eine schöne Sauerei geraten lassen: da müssen wir schon schauen, wie wir wieder herauskommen." Schon da sei das Wort „Komödien spiel" gefallen. Für ihn, den Zeugen, stand es fest, dah durch das Dorgehen Hitlers Staat und Reich schwer erschüttert waren. Es könne keine Rede davon sein, dah er gesagt habe, man hätte warten sollen, er, Kahr, hätte in etwa vierzehn Tagen ein Gleiches getan. Zu Poehner und Frick habe er auch geäuhert, dah er das Unternehmen Hitlers nicht für aussichtsvoll halte: er wüßte außerdem, dah der Rame Ludendorff auch in den nationalen Kreisen Rorddeutfchlands wegen der auhen- politischen Wirkung a b g e l e h n t würde.
Der Entschluß, die Aktion Hitlers nicht mit- zumachen und ihr, sobald er Gelegenheit habe, entgegen^utrctm, haße b reit- im BÜrgerbran- keller fest bei ihm bestanden.
An den Gerüchten, als ob er sich durch den Kardinal Y. Faulhaber, den Kronprinzen oder durch irgend eine Partei In seiner Ent- sch idung habe beeinflussen lassen, sei fein wahres Wort. Das politisch? Spiel, das er am Abend des 8. Rovember habe durchführen müssen, sei ihm ein Greuel gewesen. Gr habe in Wahrheit miemals eine Führerwolle angeftrcbt, und wenn er später doch das Amt des Ministerpräsidenten übernommen habe, so habe er sich dazu auf das Drängen der nationalen Kreise entschlossen. Der Zeuge schloh seine Ausführungen mit den Worten: Heute stehen sich vor diesem Tribunal Männer als Feinde gegenüber, die doch in bem grohen nationalen Grundgedanken dieselben Emvsindun- gen hatten, deren tragisches Schicksal es aber war, dah sie über den einzuschlagenden Weg in den schärfsten Konflikt zueinander gerieten und geraten nrufrten, weil diejenigen, die an der Spitze der Staatsgewalt standsn, die Pflicht hatten, b»3 zu verhindern, was nach ihrer festen -liebet“ zeugung des Staat und dem Reiche zum Unheil und zum Unglück werden muhte. Das Gericht beschloß hierauf, die Weitervernehmung Kahrs unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden zu lassen.
Um 4 Uhr nachmittags wurde die Oeffent» lichfeit der Sitzung wiederhergestellt. Auf Befragen des Iustizrats Luetgebrune erwidert Dr. v. Kahr, daß im Zusammenhang mit der Einrichtung deS Generalstaatskvmmissariats und bet Verhängung des Ausnahmezustandes alle öffent- 'lichen Dersammlungen verboten worden seien. Rechtsanwalt Roder fragt, welche Befugnisse Kahr als Generalstaatskommissar hatte. Zeuge erklärt, darüber nichts sagen zu können, weil es sich hier um einen Bestandteil im Ministerrat handele. Das Gericht beschließt hierauf, dah diese Frage nicht von Bedeutung sei, mb daß der Zeuge hierfür auch vvm Amtsgeheimnis nicht entbunden sei. Weiter stellt Rechtsanwalt Rvdxr die Frage, warum Kahr Kavitänleutnant Ehrhardt und Hauptmann Heiß, der den Marsch nqch Berlin gepredigt habe, nicht verhaften ließ, uiu> warum eine ganze Reihe von Rechtsgesetzen uiOer dem Generalstaatskommissariat nicht vollzogen wurden. Auch an Roßbach sei der Haftbefehl nicht vollzogen worden.
Hustizrat Kohl behauptet, daß der General- ftaaiSfommiffar über die ihm verliehener' Reckt? hinausgegangeu sei, so daß von der Reichsverfassung in Bayern zum Schluß überhaupt nichts mehr übrig blieb. Die Derteidi» gunft werde nachweisen, daß nicht die An» geklagten, sondern die Herren des General- staatskommissariatS die Reich-Lersassung ab- geändrrt haben.
Rechtsanwalt Mayer betont, der springende PunA des Prozesses sei, inwieweit Kahr gegenüber den Deichsbehörden eine Tefehlsgewalt für sich in Anspruchs genommen habe. Das Gericht beschloß nach kurzer Beratung, die Zulässigkeit sämtlicher F.agen a b z u l e h n e n. Verschiedene andere Fragen der Verteidigung beantwortet Kahr aus Gründen des Amtsgeheimnisses nicht.
Die Frage, ob Kahr befennt sei, daß es einen sogenannten Mobiltfierungsplan gibt, der bei jedem Putsch eo ipso in Kraft tritt, lehnt Zeuge auf Grund des Dienstgeheimnisses ab. Dochtsaniwalt Kehl bemerkt, daß tatsäch'.lch ein solcher Plan existiert und baß in jener Dacht die Beamten drei Regierungen, nämlich Matt, Kahr und Knilling gehorcht haben. Weiter erklärte der Zeuge, er kenne den Verfasser der
roery-dlauen Schrift nicht. Rechtsanwalt Holl fragt, warum Kahr diese Schrift merkwürdigerweise nicht verboten habe, wohl aber die Broschüre Rothenbüchers. Zeuge bemerkt, ti sei doch ein w^antlichrr Unterschied zwischen den Schriften. (Gelächter im Zuhöierraum; b.T Präsident droht Im Wiederholungsfälle die Räumung an.) Was ben_ »Befehl zum Losfchlagen" betreffe, erklärte Kahr, daß ein Befehl zum Losschlagen für ihn überhaupt nicht in Frage kam, sondern lediglich die Möglichkeit, aus der Tatsache der Einsetzung baycr.scher Reichswehr für Thüringen und Sachsen die nötigen Folgerungen zu ziehen. Rochtsanwalt Holl fragt, ob Kahr den Verlags- buchhändler Alfred Roth in Stuttgart kenne und ob er zu ihm gesagt habe: Sorgen Sie dafür, daß unsere linke Flaute beim Vormarsch nach Berlin gedeckt bleibt. Zeuge hält dies für ausgeschlossen. Iustizrat Schramm beruft sich auf einem Brief aus Göttingen, wonach am 28. Oktober in Stuttgart auf Drraula,sung Roths eine Versammlung stattgefunden habe, in der ein Landgerichtsrat Dr. Kirch geäußert habe, nach Kahrs Erklärungen seien alle Vorbereitungen zum Losschlagen für die nächste Zeit getroffen. Zeuge von Kahr erklärte, er hatte keinen Anlaß, den He.reu einen derartigen Auftrag zu geben. Die Frage des Dorfttzrnden, ob der Fragenkomplex noch länger andauert, wird von der Verteidigung bejaht, worauf der Vorsitzende die Verhandlung u n t e r- bricht. Am Mittwoch wird Oberst von Seißer vernommen.
Die Frankenftützung,
Paris, 12. Mürz. (WB.) Der Finanzminister erklärte vor dem Finanzausschuß der Kammer, daß die augenblickliche Wechfelkursknse in keiner Weise berechtigt sei. Der Mehrertrag der Einnahmen aus den S.euern beweise das. Außerdem erkenne man aus der Handelsbilanz eine Besserung der Wirtschaftslage. Man habe Grund zu der Hoffnung dah die Konklusionen der Sachverständigen, trott Lie Lösung der Reparationsfrage anlange, hef ieöi- genbe Ergebnisse für Frauk.eich erwarten lajeit. Die augenblickliche Ver.rauenslrtse erkläre sich also nur durch die im Auslands gegen den Fran.en unternommene Propaganda. Bon außen nach Frankreich getragen, Habs sie hier eine Nachwirkung gefunden. Der Finanzminister erklärte, er habe
ernt KonsolidisrungSoprration größten Stils ins Auge gefaßt, die du'-chgeführt werde, sobald die Mi.t.les e laubten. Der F.nawmi ister sprach auch noch von Verhandlung m, die die Bant von Frankreich führe, um im Auslande wich ige Kredite zu Einstigen Bedingungen zu erlangen.
Hierüber verlautet aus D e u y o r k von maß- g prüder Seiie, daß la sächlich Verhandlungen ü er einen großen Kredit für die französische Re- gier-ung in Höhr von 50 Millionen Dollar zur Slabilliierung der französischrn W hcung mit amerikanischen Banken geführt werden, aber noch nichtendgültigabgeschlossen sind. Nach privaten Kabrlmeldungen sind auch Derhandlun- gen mit L o n d o n e r Danken über einen ähnlichen Kredit im Gange.
Eine Botschaft des Kalifen.
Territet. 11. März. (WTB) Der Kalif Abdul Medschrd empfing heute dir Sonder- berrchterstatter des Wolffbureaus, des Reuterbureaus und der Agence Havas. Nach einer kurzen Ansprache überreichte der Kalif persönlich den bret Journalisten folgende Botschaft: Botschaft des Kaltfen Abdul Medschid an die muselmanische Welt.
Namens des gütigen, barmherzigen Gottes! Aus meinem geliebten Lande verbannt durch den Beschluß der türkischen Laienrepublik, die borgibt, die heilige Einrichtung des Kalifats abgeschafft zu haben, richte ich von der gastlichrn Erde deS Exils die Botschaft väterlichsn Grußes und treuen Zusammenschlusses an die muselmanische Welt. Der gottlose Beschluß der gegenwärtigen Mehrheit der türkischen Nationalversammlung ist mit dem Geiste des Islam und seinen hohen Interessen unvereinbar, sowie mit den Grundbedingungen, unter welchen die Wahl drr repräsentativen Versammlung durch die edle türkische Nation erfolgte, welche die Versammlung ausörückltch mit unseren ruhmreichen islamitischen und nationalen Traditionen mit der hohen Ehre betraute, weiter dieser Einrichtung zu dienen unb sie zu unterstützen.
Ich halte es dah?r für nuinc gebieterische Pflicht, heute der musrlmemischrn Welt zu erklären, daß ich lies: auf daS tiefste gotteslästerlichen Maßnahmen für null und nichtig erachte, da die mufrlmanischr Welt mich durch ihre einstimmige Billigung meiner vor 1V2 Jahren erfolgten Wahl zur höchsten Würde des Islam in Ausübung dieses erhabenen Amtes bestätigt!.
Da die türkische Laienrepublik durch ihren lieber» griff gegen die türlifche nationale Souveränität jedes Recht zur Beteiligung oder zum Eingreifen verloren hat, ist es jetzt ausschließlich
Die Entdeckung der Spektral-Analyse.
(Zu Kirchhoffs 100. Geburtstag, 12. März.)
Zwei kurze Seiten umfaßte nur die Mit- teilung, in der Gustav Robert Kirchhoff 1859 der Berliner Akademie der Wissenschaften die erste Mitteilung über die Entkeckung der Spektralanalyse machte, aber es wurde damit eine ganze neue Wissenschaft gegründet, die für die Physik, Ehemie, Astronomie und sogar Geologie von höchster Bedeutung wurde und unsere Anschaung vvm Kosmos unendlich bereicherte. Der große Gelehrte, der diese Tat zusammen mit seinem Heidelberger Kollegen Dunsen vollbrachte, krönte baw.it 'Versuch«, die schon seit langem a.tgestellt worden waren, und die 100. Wiederkehr seines Geburtstages erinnert auch zugleich wieder an den Werdegang dec Spektralanalyse, deren entscheidende Begründung seinem Genie gelang. Schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts hatte der bekannte Bergmann Georg Agrlcola für wahrscheinlich erklärt, d«ß man aus der Färbung einer Flamme die darin verbrennende Substanz erkennen könne. 'Dieser richtige Gedanke wurde von anderen Gelehrten ausgenommen, aber es dauerte lange, bis feine ganze Bedeutung erkannt wurde. Aus bem richtigen Wege war Th. Melville, der 1752 gefärbte Flammen durch das Prisma zerlegte und die Verschiedenheit der so
entstehenden Spektren bemerkte. Dann kam der englische Physiker Miller 1843 auf den Gedanken, die absorbierende Wirkung „gefärbter Flammen und Gase auf das durch sie hindurch gehende Licht zu prüfen. Es war nach diesem ersten Versuch nur noch ein Schritt, diese Wahrnehmung auf die vom Sonne, rspektrum bar gebotenen Erscheinungen audj.ubcb ien, und beinahe hätte ibn ein Landsmann Millers Swan 1855 gemacht. Zu gleicher Zelt experimentierte der Mathematik r Hulius Plücker mit der von seinem Schäler Geißler erfundenen und nach ihm benannten Robren und kam zu der Ueberzeugung, daß ein unb dasselbe Gas auch immer das nämlich» Spektrum hervorrief, tab also unbedingt von drr Art des Spektrums auf die Natur be8 erzeugenden Gases geschlossen werden konnte. Von tre.i verschiedensten Seiten näherten sich also die Forscher der Spektralanalyse, die wortwörtlich Jn der Luft lag". Aber Helmholtz hat sehr richtig gesagt, daß alle diese Forscher, die am Rand: der Entdeckung standen, den entscheidenden Schritt über den Rand hinweg nicht getan haben, und es nur dem Genie gelingen konnte, wirklich klar zu erkennen, was andere vorher nur geahnt oder vermutet hatten. Die geniale Tat vollbi achten Kirchhoff und Dunsen.
Kirchhoff trat als erster mit dieser Entdeckung an die Oeffenttichkriß erklärte aber, daß sämtlich- Versuche und Beobachtungen von ihm । und Bunsen gemeinsam kmrchgefühct seien. Bis | dahin hatte man die dunklen, sog. Frauenhofer
Sache der mohammedanischen Welt, in voller Autorität und in voller Freiheit über diese Lebensfrage zu entscheiden. Ich lade daher bie bevollmächtigten Führer und Vertreter der muselmanischen Gemeinden der ganzen Welt ein, tätig an diesem Ziele mitzuwirken und mir in kürzester Frist ihre konkreten Beiträge für den Zusammentritt eines großen, inter- islamitischen Religionskongresses 'zukommen zu lassen, dem ich bann zu nötiger Zeit an einem geeigneten Orte einzuberufen gedenke, damit gemeinsam Beschlüsse gefaßt werden können, die die Lage erfordern. Von jeder anderen Hilfsquelle entblößt als der unendlich wirksamen Hilfe, die mir durch die mächtige und so trostreich« muselmanische Solidarität gespendet wird, und deren edelmütige und rührende Kundgebungen mir zu Herzen gehen, erflehe ich vom Allmächtigen seinen Segen für den endgültigen Erfolg unsereu heiligen religiösen Sache.
Gegegeben zu Territet in der Schweiz, am 5. Schaban.
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Reuter meldet aus Delhi, die mohammedanische öffentliche Meinung Indiens gehe dahin, daß rie Nationalversammlung von Angora durch die Abschaffung des Kalifats und die Ausweisung des Kalifen und seiner Familie aus Konstantinopel den indischen Mohammedanern eine sehr schwere Beleidigung zugefügt habe. Allgemein werde eine islamitische Konferenz zur Ernennung eines Kalifen gefordert.
Kleine politische Nachrichten.
Im Sonderausschuß des hessischen Landtags beantragte die Deutsche Volkspartei die Beratung des Goldnotetats dem am 31 März zusammenttetenden Plenum zu überweisen. Der Ausschuß genehmigte, daß im Personal- abbaugesetz auch die bei nichthessischen Bundesstaaten zurüügelegten Dienstjahre zur Anrechnung kommen.
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Das preußische Staatsministerium bat für das Sommerbalbjahr 1924 die Einführung der Sommerzeit beantragt. Maßgebend für die Beschlußfassung waren Erwägungen finanzpolitischer Art und die Erkenntnis vom Werte der Sommerzeiteinrichtung für die Volksgesundheit.
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Der Unterstoatssekretär im Staatssrkretariat des Heiligen Stuhles, Vizzardo, wellte am Sonntag in München und überbrachte eine große Spende des Papstes für die Notleidenden in Deutschland.
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In Hamburg hat der Hafenarbei 1 erst r e i k eingesetzt. Es sind etwa 20 000 Arbeiten beteiligt. An den staatlichrn Kais wird gearbeitet, doch werden nur solche Arbeiten verrichtet, die unter die Regie der Kaiverwaltung fallen. Auch der Altonaer Hafen ist vom Streik betroffen, der sich im aufkommenden Schiffsverkehr bereits fühlbar zu machen beginnt. In Bremen und Lübeck wird voll gearbeitet.
Der durch den Petroleumskandal stark kompromittierte amerikanische Marinestaatssekretär D e u- by ist zurückgetreten.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 12. März 1924.
Fahrplanänderungen.
Mit Wirkung von heute, 12. März, ab gelten folgende Fahrpla nänderungen:
Pz. 406 Gießen—Limburg fährt Sonntags Gießen ab 5.14 Uhr vorm. (An Werktagen wie bisher 5.37 Uhr vorm.)
Pz,411 2im bürg — (Sieben, bisher nur bis Wetzlar verkehrend, fährt bis Gießen durch. Wetzlar ab 1.55 Uhr nachm., Gießen an 2.13 Uhr. An Werttagen vor Sonn- und Feiertagen verkehrt er Wetzlar ab 2.10 Uhr nachm. Gießen an 2.28 Uhr nachm.
Pz. 1624, bisher Gießen an 2 28 Uhr nachm., fällt zwischen Saiger und Gießen aus.
Pz. 1604 Dillenburg —Gießen fährt früher, Dillenburg ab 4.34 Uhr vorm., Gießen an 6.36 Uhr vorm. (bisher Gießen an 6.54 Uhr v.).
Pz. 1615 Gießen ab 6.30 Uhr vorm. fährt bis Köln durch.
Neu: Pz. 1631 Wetzlar — Herborn. Wetzlar ab 2.40 Uhr nachm., Herborn an 3.33 Uhr nachm.
Neu: Pz. 1634 W e tz la r—Gl e ßen. Wetzlar ab 6.20 Uhr nm., Dießen an 6.33 Uhr nm.
Ncu: Pz. 412 Gießen — Limburg. Gießen ab 3.58 Uhr nachm.
Pz.707 G ieh e n—Marburg fährt später, Gießen ab 6.02 Uhr abends (bisher 5.49 Uhr). Er nimmt den Uebergang aus Richtung Limburg—Wetzlar (5.56) noch auf.
Pz. 792 Gießen— Frankfurt a. M. fährt 2 Minuten später. Gießen ab 6.42 Uhr vorm.
Pz.727 Gießen —Marburg fährt 12 Minuten später. Gießen ab 6.42 Uhr vorm.
Außerdem verkehren ab 15. März zwei neue Hollandzüge, und zwar D 281 Frankfurt—Gie-
schen Linien des Svnnenspektrums als Tatsache btngenomniCTi, ohne ihre Herkunft auffläten za können. Kirchhofs unb Bunsen aber gingen bewußt dieser Erscheinung nach and ließen die Sonnenstrahlen, ehr sie aus den Spalt des von Kirchhoff herb'Herten SpektralapParaieZ fielen, durch eine Kochsalzflamme treten, da e. hielten sie statt drr dunklen sraunhoferschrn Streifen zwei Helle Linien. Weitere Versuche führten schließlich zu der Folgerung von ungeheurer Tragweite, die Kirchhoff in ferner ersten Mitteilung der Ent- ueefung mit den Worten kennzeichnete: ,,2ch schließe aus diesen Beobachtungen, daß farbige Flammen, in deren Spektrum Helle, schrrse Linien vorkommen, Strahlen von ter Farbe dieser Linien, wenn dieselben durch sie hindurch gehen, so schwächen, daß anstelle ter Hellen Linien dunkle auftreten, sobald hinter der Flamme eine Lichtquelle von hinreißender Intensität angebracht wird, in deren Spektrum diese ßtaten sonst fehlen. Ich schließe weiter, daß die dunklen Linien des Sonnenspektrums, welche nicht durch die Erdatmosphäre entstehen, welche in dem Spektrum einer Flamme Helle Linien an demselben Ort erzeugen." Damit war ein« neue Wissenschaft, die der Spektralanalyse, begründet, und bald darauf legte Kirchhoff die Grundlage der wissenschaftlichen Spektroskopie für alle Zeiten durch tic Aufstellung der nach ihm genannten Theoreme. Die Spektralanalyse erhielt von nun an eine zentrale Stellung in ber gesamten Naturwissenschaft,
fjen—Kabel—Hamm. Giehenab 8.41 Uhr Dornt Hält nur In Dillenburg. D 282 in umgekehrter Richtung, Gießen ab 9.42 Uhr abends nach Frankfurt, hält in Bad-Nauheim und Friedberg.
Der bisherige D 47 Gießen ab 8.41 Uhr vorm. nach Köln wird später gelegt. Gießen ab 8.53 Uhr vorm., hält in Wetzlar, Herborn, Dillenburg und Haiger. Gegenzug D 48 Gießen ab 10.01 Uhr abends, hält in Bad-Nauheim und Friedberg.
Neu: V-Zug 73 Frankfurt—Hamburg, Gießen ab 8.17 Uhr vorm. O-Zug 74 Altona- Frankfurt, Gießen ab 9.49 Uhr abends.
** Rechtzeitige Begleichung bet Fernsprechgebühren. Das T.legraphsn- amt Gießm bittet uns unter Bezugnahme auf die in den Zeitungen bekannten besprochenen Vorgänge, die Fernsprechteilnehmer darauf aufmerksam zu machen, daß die Fernsprechgebühren rechtzeitig zu bezahlen sind, da andernfalls, ten neueren Bestimmungen zufolge, bie Anschlüsse auch hier gesperrt werden müßten.
** Pflegliche Behandlung der K re i s st r a ße n! Das Kreisamt macht Im neuesten Amtsre.kündigungsblatt darauf-aufmerksam, daß der Gebrauchs von Schleifen zum Transport landwirtschaftlicher Geräte (Pflüge, Eggen usw.) und anderer Gegenstände aus den chauffierten Straßen und Wegen des Kreises Gießen unter Strafe gestellt ist.
'* Einziehung der Reichsbank- noten zu 5 Dl ll i o nen TR a bt Mit Genehmigung des Reichsrates werden nach § 6 des Dankgesehes vom 14. März 1875 die Reichsbanknoten zu 5 Billionen Mark vvm 1. November 1923 (erste Ausgabe) und vom 7. November 1923 (zweite Ausgabe) zur Einziehung aufgerufen. Die Besitzer können die Noten bis zum 5. April 1924 bei allen Kassen der Reichsbank Umtauschen. Don da ab erfolgt ihre Einlösung nur noch bei der Reichsbawkhauptkasse in Berlin, und zwar bis zum 5. April 1925.
RDV. D i e Platzbelegung in den v-Zügen. Um die Verteilung der Reisenden in den O-Zügen und um jtuch den Fahrgästen selbst das Aufsuchen von freien Sitzplätzen za erleichtern, weist der Reichsverkehrsminister in einem besonderen Erlaß auf die Notwendigkeit hin, die belegten und die freien Sitzplätze zu kennzeichnen. Es sei unter allen Llmständen dafür zu sorgen, daß> die Nummernschilder an den Abteiltüren zur Kennzeichnang der besetzten Sitzplätze nach Abfahrt des Zuges und beim Wechsel der Reisenden unterwegs durch die Schaffner richtig gestellt teerten. Besonders wichtig scheint diese Änordnung für die Nachtschnellzüge, in denen durch gewissen Haftes Einstellen der Num- mernschilter bas Aufreißen der Türen und die Störung schlafent^r Reisender durch Neu-Ein- steigende vermieden werden konnte.
** Leningrad. WTB. meldet: Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweiscn. daß Post- und Te^egraphensendungen nach dem früheren St. Pe- teröburg seit dem 1. März ausschließlich unter dem neuen Namen Leningrad befördert werden.
△ Die Kaninchenzüchter des Kreises Gießen hielten am Sonntag in Gießen ihre Jahresversammlung ab. Es wurde beschlossen, die Kaninchenzucht wieder eifrig zu pflegen und auch! Ausstellungen abzuhalten. Im Herbst soll in Gießen eine Kreisausstellung, in Darmstadt eine Landesausstellung stattfinden: die erste übernimmt der Verein Gießen, die letztere der Verein Darmstadt-Süd. In den Vorstand wurden gewählt: 1. Vorsitzender Kreiling- Gießen, Stellvettreter Walther- Saub ringen, Schriftführer Melius- Gießen, Rechner Schmidt-Gießen.
** D ie Schweinerotläufseuche in Gießen in den Gehöften von Zutt, Marburger Straße, Schäfer, Hammstrahe, und der Landwirtin Anna Trvpp, Rodhei.ner Straße 6, Ist er« lcfchen. Die Sperrmaßnahmen sind ausgehoben.
** R i ch t i g st e l l u n g. In unserem Bericht in der MLntag-Nummer über die Kundgebung der Freunde des humanistischen Gymnasiums muh es in der Entschließung, Ziffer 2, statt philosophl- s-chm richtig philologischen Verbände beißen.
Vornotizen.
— Tageskalender für Mit t wvch Stadtthoater, 7 Uhr: „Der Graf von Luxemburg". — Literarische Gesellschaft, 8V< Uhr in der Neuen Aula: Dortragsabeno Dr. Erich Drach. — Licht« spielhaus, Bahnhofstraße: „Das alte Gesetz". — Palasi-Lijtspiele: „Millionenrausch".
— Aus dem Stadttheaterbureaa wird uns geschrieben: In der heutigen Aufführung der Operette „Der Graf von Luxemburg" wird Frau Else Rothe von Essen, die bi& Ende des Monats für die ausgesch.edene Frau Raimer verpflichtet worden ist, d'.e Angele Didier geben. Nach dem Eindruck der Proben darf dem Auftreten der Dame mit den besten Erwartungen entgegengesehrn werden.
— Gießener Rudergesellfchaft 1 8 7 7. Samstag Generalversammlung. (Siehe Aw- zeisr.)
Die Platin-Welterzeugung.
Platin gilt für das kostbarste Edelmetall, und diese hohe Wertschätzung rührt von den verhältnismäßig geringen Mengen her, die auf der Erde gewonnen werden. Plattn ist in letzter Zeit noch teurer geworden und es dürfte seinen hohen Preis noch lange behrlten, denn der wichtigste Erzeuger des Metalls, Rußland, wird wohl sobald noch nicht in der Lag; sein, die Mengen zu liefern, die es vor dem Kriege auf den Weltmarkt brachte. Dis zum Jahne 1917 tarnen 85 Prozent alles Platins aus Rußland. Die Erzeugung betrug 1915 127 000 Unzen (1 Unze = 31.3 Gr.), 1917 war bie Meng- bereits auf 50 000. 1918 auf 23 000, 1919 auf 20 000, 1922 auf 6000 Unzen gesunken. An die erste Stelle in der Wrlteezeugung ist jetzt statt Rußland Kolumbien getreten, das 1918 35 000 Unzen lieferte. 1921 betrug die erzeugte Menge schon 40 000 Unzen, und diese wird durch Verbesserung der Betriebe seitdem stark gesteigert. Nach Kolumbien kommt Neu-Südwales, das 1920 2000 Unzen erzeugte, dann Kanada mit 300 Unzen 1922 und Japan mit 231 Unzen 1921. Die Platinschätze Kanadas sind aber bedeutend größer, als die erzeugte Menge ahnen läßt, denn es führt sehr viel Grze aus, die im Ausland auf Platin verarbeitet werden. Dadurch erhöht sich die Platinausbcute aus kanadischen Erzen für 1921 um 7700 Unten. Die Vereinigten Staaten lieferten 1922 929 Unzen Platin.


