Einzelbild herunterladen

Nr 10 Swetter Blatt

Das Attentat von Speyer.

2Ui< Mannheim erhalten wir folgen­den SonLerbcricht über die Anstände in der daherifchen Pfalz: Kem ruhig Denkender bil­ligt den polltiichcn Mord. Aber wer die Ent­wicklung der pfälzischen S«k tasistenh.rrschafi auS nächster Räß« beobachten konnte, der ver­steht, daß es zu dem Blutbad im Wittels- bacher Hof zu Speyer kommen muhte. Die­ses Hotelrestaurant war das Hauptquartier des ermordetenMinisterpräsidenten" Land­wirts Heinz aus Orbis. Hier und im Prunk­stuhl des Pfalzgrafen machte er es sich be­quem, rauchte die dicksten Zigarren und sprach von der Not des BolkeS. Hier lieh er (sich von seinem Freund Dorten besuchen, dessen Bild in der Stube hängt. Hier schrieb er die Berichte an seine hohen Gönner, den General de Mey, und den in der ganzen Nordpsalz berüchtigten französischen Delegierten d Her­dt g n h.

So bedauerlich die Speyerer Bluttat ist, man kann dieser gefallenen Gröhe keine schmei­chelhaft« Grabrede halten. Hein» war der aus­gesprochene Typ des politischen Schiebers, ein Gesinnungslump, verlogen, skru­pellos in jeder Haltung, dabei völlig ungc- blldet, ohne jede Ahnung von Volkswirtschaft- lichen Zusammenhängen. Wer ihn zahlte, der hatte ihn. AlS er noch mit der Bayerischen BolkSpartet wegen eines Reichstagsmandaies verhandelte, äußerte er zu den deutschen Par­teigenossen beim Borüberfahren an den Neu­bauten der französischen Kasernen in Lud­wigshafen:Ich hoffe, dah darin noch die deutsche Jugend ererzierl, die die Franzosen- saubande aus dem Lande schmeißt." Das ist noch gar nicht lange her. Aber dann fingen die Franzosen an, ihn zu bezahlen.

Heinz, der nacheinander dem Zentrum, dann der Deutschen Volk-Partei, dann wieder der Bayerischen Bolkspartei angehörte und Vorsitzender der Freien Bauernschaft der Pfalz war, besaß ursprünglich ein Gütchen von 70 Morgen, dazu etwas Weide. Sr küm­merte sich indessen um seine Landwirtschaft gar nicht. Die Schwester muhte die Arbeit bc- soraen. Er genoß bei seinem Tode erst 39 Zohre al undt unverheiratet In den BarS der Städte Mannheim, Frankfurt und Ber­lin das Leben. Der Dolksmund bespöttelte ihn als denMusterbauern von Orbis", auch als denFerschten", oder den HerrnBaron", well er sich von seinem Pferdejungen, der ihn zum Rennen nach Berlin begleitete, so hoch titulieren ließ. Der oberste Grundsatz dieses Bolkstribunen war: Macht geht vor Recht! Don der Macht, die ihm die Fran­zosen gaben, machte er den willkürlichsten Ge­brauch. Verhaftungen und Ausweisungen waren feine Hauptmahnahmen. Die Der- fügungen ließ er von einem seinemStabe" zugeteilten französischen Offizier unterzeichnen. Sein« Soldateska, feldgrau mit grün-wsih- roter Litze, nährte und kleidete sich von Be- schlagnahrnen und beging die unerhörtesten Schandtaten. Nach dem Dorbild der bekannten gefälschten Adresse der 150 000 Saarländer, mit der in Versailles versucht wurde, bei Wil­son den Eindruck zu erwecken, als ob die Be- völlerung den Wunsch habe, zu Frankreich zu kommen, erpreßte der Sonderbündler Heinz von den Bürgermeistern der Pfalz sogenannte Loyalitätserklärungen, in denen die Bürgermeister erklären mußten, daß sie die durch die autonome Regierung der Pfalz ge­schaffene Lage anerkennen und den Anordnun­gen der Separatisten Folge leisten werden. Wer nicht parierte, der flog. Zugereistes Ge­sindel verurteilte weit über 100 alteingesessene Pfälzer zur Ausweisung. Hatte der AuS- gewiesene kein Geld, sich loszukaufen, oder wollte er das nicht, so toirbe er in ein Auto geschleppt, nach der nächsten Rheinfähre ge­bracht uiib mit vorgehaltenem Revolver be­droht, bis die Fähre abstieß. ______________

Giehener Stadttheater.

L4on: Gebildete Menschen.

Die Tchaterleitung wird einem malträtierten Kritiker nicht die bescheidene Anfrage verübeln, welche schwerwieg rter Gründe iür s e bestanden, dies Bert irrer Dolk»stück der wohlverdienten Ber- aestenheit zu entreissen. War eS der gänzliche Mangel an irgendwelchen ethischen oder künstle­rischen Qualitäten die wohl.ucn<e Mittelmüßig- keit sämtlicher Charaktere. auS tenei sich auch nicht eine .Bomd.nrolle" machen fie\ de geilt- lose Plattheit M Dialogs, der Verzicht auf jede Spur von echtem Humor, von feinerem Win. oder die auS Trivialitäten mühsam zusammengezim­merte. durch drei endlose Akte sich schwerfällig Hindurä-schleppende Handlung - wir wissen eS wirklich nicht, welche Derd-ienste Viktor L4on auf den Gießener Spielplan brachten. Unter Karl VolckS Regie gaben sich unsere Künstler die erdenklichste Müde. auS dem Stück da« Menschen­möglichste heraus zuholen. Aber wo nichts ist. da bat ter Küfer fein Recht Derbrcx Zwei feind­liche Drü5er. der eine ein Musterkna^ studiert, ang schöner Advokat. Dildungspr.-'y gerat unser- (-» ulbct in Elend der andere, ein TaugenrchtS alS Dengel, hat Glück, wird Schlvsiermeister. Fa- brikdesiher und Kommerzienrat, eine eirUdr Haut mit dem Herzen auf dem rechten .t.-tt, aber ungebildet und .orfrinir", sprtnqt dem Bru­der inkognito bei. als dessen rührend slerNige Tochter ihn in höchster Rot um Hilke angeht, wo­zu ter Dildarg^dünlel und geistige Hochmut thren Vater nicht ha: bri.-gm können Sin Zufall, dem ein gernei chamcr alter Zugrndfreund kräftig naw- bilft führt beide Brüder zu'ammen. Zn wen^n Minuten ist alles ein Herz unfr etne ö.xte « g-bt mehrere Brautpaare und lauter glückliche Gesichter. Das ist alles und es ist erstaunlich, was unsere Künstler noch daraus machten. Men voran Rudolf G o l l als Äpmm?nicnrat und El e Koop als Cäcilie. Das Advokantenpaar Karl Dolck und Auguste Marcks gaben ebcnfaUd

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Tderhessen)

Samstag, (2. Januar (924

Es war ein «ntse-1tck>es Schauspiel, dem I Europa viel zu lange zuge'ehen hat. Mit Heinz und feinen Spießgesellen machte sich in der Pfalz eine Regierung breit, die vvm Re­gieren nicht di« bescheidensten Anfänge gründ« fanni«, die Rathäuser mit einem Duyend ver­wegener Gesellen stürm:«, die Mauern mit bombastischen Plakaten bedeckte und sich teS Vertrauens einer Bevölkerung rühmte, bk aufs ticfite empört und zur Derzweislung ge­bracht wurde. Der furchtbare Druck führte -um Attentat von Speyer. Die pfälzische Be- vüllerung. die mit dem blutigen Äusgantz die­ses Dramas nichts zu tun haben will, lehnt dieprovisorisch« Regierung der autonomen Pfalz" nach wie vor als eine erschlichene Gewaltherrschaft ab Dem General de Metz sind aber wohl endlich die Augen darüber aufgegangen, wohin seine Politik führt.

Deutsche Schule - Deutsche Zukunft.

Zum Abbau im Schulwesen nimmt der Zeitungsdrenst des Deutschen Lehrer Vereins in Ausführungen Stellung, die naturgemäß dem Sinne nach genau so für die höheren Schulen zutreffen. wie sie hier für die Volksschulen gemacht sind. G» heißt frort:

Wir müssen abbauen, unzweifelhaft. Aber bürfen w4r unsere StaatSverwottu.rg und StnatS- w-lltfchasi auf ein gelinge res Matz von LeistunaS- sähigkeit hei'untedchrauben? Wäre das nicht frer Anfang vorn Ende? Mutz nicht der Staat beute mehr und besser verwaltet werden als je ? Matz er nicht alles, was er aus sich genommen hat. so vollkommen als möglit aussühren, wenn er überhaupt bestehen will? Sind nicht seiner Feinde so viele, dast er sich nur durch ein Höchstmatz von Leistungen Achtung verschafsen und seiner Gegner erwehren kann? Wird er daS können, wenn er einfach jeden vierten Wann aus seinen Betrieben aus die ©trabe setzt?

Abbauen heitzt nicht abrüsten. Ab­bauen soll man alles Ueberslüssige, alles Hemmende, alles Veraltete. Unser Staat kann gewiß freut»? nicht einen einzigen Mann spazieren gehen laften. kann noch w.ntger Zehn- taufende halb beschäftigt frcrumlungern lassen und andere Zehntautende frei gänzlich wertlosen Ar­beiten sitzen lassen. Unser Staat mutz wirt­schaften lernen wie ieber Geschäftsinhaber. Ttcjcniqcn Taschen, die ihm und seinen Steuer- Maßnahmen zugänglich sind, sind nicht gefüllt genug, um sich eine kostspielige Verwaltung zu leisten Dah man alles das Zahr hindurch nicht genügend bedacht hat. ist unzweifelhaft unv hat nicht wenig zu unserem jetzigen wirtschaftlichen Zusammenbruch beigetragen (Sbcnfo ist sicher, daß diejenigen, frte in den Staatsdienst hi nein gezogen worden sind ober sich den Zugang zu einer teil­weise recht wenig anstrengenden Beamtcmtätigkeit erzwungen haben, rocht schwer- zu entfernen sind. Sie Hammern sich an ihr Amt und ihre Stellung tt-ie der Schiffbrüchige an ein Wrack. Daß die Staatsregierung also vor einer unendlich schweren Wisgabe steht, ist auch dem Fermstehenden klar. Aber daS entbindet nicht von der Pflicht, die Ausgabe steht, ist auch dem Fernerstehenden klar, sch östliche Last des Staates zu rermindern. so gelöst wird, fraß der Staat selbst nicht dar­über Augrunbe geht.

Abgebaut kann nur Heber flüssiges. Entbehr­liches. Hinderliches werden. Wo findet sich so etwas in den Schulhäusern? Die StaatS- umwälzung hat hier keine Vermehrung gebracht. 3m Gegenteil Preußen, das nach anscheinend zuverlässigen Mifeilungen in der Abbauarbeit auf dem Schulgebiete vvrangehen will, hatte 1922 über 5000 Lehrer weniger alS 1911, allerdings ebenso viele Lehrerinnen mehr. Der Lehrkörper der preußischen Volksschulen ist 1911 gegenüber nicht vergrößert. Allerdings ist daS Staats­gebiet verkleinert und die Kinderzahl hat sich vermindert. Würde man aber die Zah­len für 1914 zum Vergleich her anziehen können sie liegen nicht vor, so würde auch die ver­hältnismäßige Besserung in den jetzt den Staat bildenden Landes teilen nicht erheblich sein. Wenn man in Betracht zieht, daß der alte Staat un ihr Beste». Karl Z u h n k e alS vermittelnder Hausfreund bewies sich wieder in allen Sätteln gerecht. Auch Lambertins Bildhauer war frisch und voll guten Willens. Carla 2a rnegg veilockte die Rolle zu einem bedauerlichen Rück- faU in ast dje llnrrträgfi Stehen. die wir bei ifr;em ersten Auftreten b.*3nittmben mußten.

Wir haben es frier schon mehrfach an freuten müssen, was wir an dem Svielvlan frer diesjäh­rigen Spielzeit auSzuseten fr'tbcn D» scheint ein c rch itlichcs grrf3 g geZ rünUehfXel P vg.amm, ein hvchgcsteatcs Ztcl zu fcfrlai. ohne las nun einmal ein Theater in einer immerhin g-ftij an- spruch-vollen Stadt wie (Sieben seine kulturellen Llusa .ben nicht durchführen bann. Wenn wir recht unterrichtet sind, befrt da« ötafrttbealcr seit Be- gmn der Spielzeit einen Dramaturgen. Blauer- licherweisc hatten wir noch keine G:Ir»mfreu, einen positiven Erfolg feines künstlerischen Srn- flusieS xu spüren. Es scheint unS vielmehr. alS ob zwei Richtungen sich frei der Deltalt^ig des Spielvlans zum Schaden kes Ganzen fortdauernd lurck.'kreuzen Das Programm der einen w-ü> ge­kennzeichnet durch die 'Hamen Grillparzer, schiller. Shtkesveare. Zbfen. Björnivn. Shiw. etn« frucht- bare Auswahl bester bramatt<<frcr Kunst aller Zellen und Völker (bei der wir dishrr nur Pro­ben ernsthafter moderner hm scher Dramatik ver­mißten V DaS Programm ter anderen - sofern man h er von einem solchen überhaupt reden kann weist offenbare Rieten künslle.sischwi den- auf (.Trotzdem'. .Delnldete Meafchm ) oder was noch schlimmer ist das Publikum, und nicht das beste, diktiert daS Programnr Of­fenbare Obszönitäten wie .der First von pap- penh.im" und .die lleme Sünderin"^'^en wochenlang den Spielplan. weil sie die Xafe füllen. Wir haben nicht- gegen einen guten Schwank, nicht- gegen einer^iegene Operette. 5krrm soll man aber auf künMerjsch and msn»- lifch einwandfreie Stücke zurückgreifcn oder die Finger lavonlassen Das Theater alS -Morali­sche Anstalt- bn Sinne Schiller- läßt sich seh«

Bolksfchulwesen an keiner Stelle irgendwelchen «ntdefrrlichen Aufwand getrieben hat. Io ergibt sich, daß ein Xbtxm von 25 r H ein Zurück­wersen der Volksschule in lange über- 8> u n fr e n e Zetten bedeutet Q^nn in Zukunft statt der 116OTO Lehrer u ib Lcbrertnnci in Preußen mir 8Z 00? oorHänden teuren. so tamrr. auf jeden Lehrer nicht mehr 47. fordern bJ bi» 64 Schüler, fr h rm Cmscifalle 90- 100. Dis ist vchulzerstörung. ist Abrüstung desGei st es und der sittlichen Kraft Preußen und Deutschland sind nicht zuletzt geworden wa# fte waren, durch ihre Schulen, öi 1 Schulafrbruch be­deute: etn Aufgeden aller wirtlichen Aufbau ziele

Der» soll geschehen? Die Regierung kam, die folgenschweren Maßnahmen nicht vom grünen Tifchc aus treffen S,e rufe die Vertrauens­männer der Lehrerschaft. die besten Kenne» der tatsächlichen Zustände in jedem Kreise, in jeder Provinz und kfram an der Haupistelle zusammen Sie wird dann au# dem Schul leben heraus er­fahren. ob und was abgebaut Verden Linn. ofme daß unübersehbares Ihbell angerich et wird uird unersetzliche Güter vernichtet werden Wir ha­ben nicht mehr viel zu verlieren Dielleicht blieb uns aber von dem besten noch manches erhalten Soll und darf eine ipofr!gemeinte, aber in ihrer Aus­führung ungemein schweige und in ihren Folgen ganz unberechenbare Matznahme auch die noch zerstören? Un# ist bei aller Liebe zu unserem Berufe da# Schulhaus nicht der Staat, steht der Staat. das Volkshaus, höher als jedes feiner Bestandteil« Aber gerade deswegen war­nen wir vor den in Aussicht stehenden Maß­nahmen Wer Hirn und Herz in einem Körper trifft, greift dem Körper an# Leben DaS wollen die verantwortlichen Leiter untere# Staatsweien# gewiß nicht, aber ihre Vlaßnahmen bedeuten da# Schon in wenigen Zähren steht daS Geschlecht. daS jetzt auf den Schulbänken fitzt, in den Werkstätten, in der Arbeit de# Volkes, und freute vermeintlich ersparte Summen bedeuten al# mangelndes geistiges und fitllicheS Vermögen bann vielleicht unfern endgültigen Unter­gang Wir hätten einen zweiten Krieg ver­loren und nochmals einen VerfaUler .Frieden­aus unS genommen Das können unsere Schultern nicht tragen, auch wenn wir dann 2530 000 oder auch 50 000 DoUsschullehrei weniger zu besolden hätten.

Unsere Gefangenen am Rhein und an der Ruhr.

Der für die Befreiung frer letz en Kriegsgefan­genen und die Zi silgefangcnen au# frer KriegSzeit wie für die Freilassung unserer anderen Gefan­genen unerntüdllch tätige bekannte Der eifriger in

den Krupp-Prr^esien. A<ch.»anwalt Dr Urian. Asien. Pr-.oaido*ent tn Munster, g bt in der .Deut­schen 3».iften-, eiiung eilten inieresiantet Auf» fchlutz über Nc ä:gebnistr leinet Besuches bei Vpincarc und im französisch n Kri»g rnt.rilre- r.unt Dr Grimm war sunim-l wie er in diese» Blatte schildert, tot Znieresie unlerer Gelangenea In Parro ur ber rerkt, daß es no rguxir. jeden ein» ze! en Fall in2-i. .fr-ell zu befrei 1,dein, und zu^a, auf dem adminr irativen Gnad..we»re Denn n.rch ».artösiichem Recht kann eine allgemeine Am­nestie nur im Gesetzeswege erlassen -aterfren 3\1 frte# aber viel zu lange gebauert hätte und auch innerpolitische Schwierigstsiten dadurch erwachsen wären, muhte der Gnadenweg in lefrem einzelnen Falle befchritten werden Grimm zeigt, wie schwie­rig das in Frankreich ist, weil fra# Recht auf Begnadigung dort nur dem Präsidenten allein luhebt Dabei müssen alle in Betracht kommest- den Znlianzen gehört werden, so z D für die Ruhrgefang.-nen der Gen.va'. Dego iU-. be 3nfru- finell.n die Mrcum. bei ®tlenbüfrnbcamten t* Regiestelle.

ür legt bann die Unterschiede zwischen poll- tischen "IWiurteilten und DeruNeillen des ge­meinen Aechts eingehend dar Die letzteren sollen firinfrsählrch nicht begnadigt werden Ze forma- ifiilchei aber gerade dieser llnterfchieb in Frank­reich gefaßt Ist, desto mehr treten die Schwierig­keiten hervor Grimm ermahnt alle deutschen Stellen, frle mit der Freilassung unterer Ge­fangenen zu tun haben, d^rchzuietzen. daß bei bei ckni'cheibung in möglichst wer.herziger Weise ver­fahren wird. Oben fr beschäftigt er sich auch mll den Saboteuren, dre die Franzosen wie gemeine Verbrecher behandeln, und die sie In die Straf­kolonien verfchickt haben Beherzigenswert sind feine Wone, dah gerade dle'en .Gefangenen", dir doch alle nur au# Da ter landsliebe gehandelt haben, unfer ganzes Mitgefühl gehört, und bet Kampf um ihre Befreiung unser ganze# 3UI fein müsse Wenn er auf Grund seiner Erfahrungen an die Zuristen aller Länder appelliert, dah diele uns in unserem Bestreben um die Frei­lassung unserer Gefangenen unterstützen möchten, so bleibt zu hossdn. daß diesmal die ausländischen Stimmen weniger versagen wie damals bei der Rufrrbesetzung Wenn er aber hinzufügt, daß er durch feine eingehende Besprechung mit Herrn Poincar^ gesehen habe, daß dieser volles Her- ftänbnt# dafür gehabt hätte, dah auch die Sabo­teure nicht als gemeine Verbrecher, sondern al# politisch Verurteilte zu behandeln seien, so möch­ten wir sehr bezweifeln, ob einem Mann wie Herrn Poincar,- auch nach biefer Richtung hin noch zu trauen ist. Auf Herrn Polncarö darf die Gerechtigkeit kein Vertrauen mefrr fetzen. Das zeigt mit erschreckender Deutlichkeit auch bii Düsseldorfer Kriegsgerichtsurtell

Die Reichrpolilik der Deutschen Dolfspartei.

gusammenschluh des ganzen Volkes im nationalen Gedanken. Wiederaufrichtung Deutschlands Im Geiste Bismarcks.

Dießen. 11. Zan 1924.

Zu einem eindrucksvollen Bekenntnis für den deutschen SitiheirSgedanken. zu einer nachdrück­lichen Betonung der Vorherrschaft deS nationalen Gedanken# in allen innen- und außenpolitischen Anaelegenfreiten und zu einer freudigen Be- grühung der gesteigerten außenpolitischen Akti­vität der Reichsregierung feit dem August v 3 gestaltete sich die öfjentliche Versammlung, die von der Deutschen Dolkspartei auf gestern abend in die Turnhalle am OswaldS- garten einberufen worden war Der Besuch der Versammlung war ganz außerordentlich stark, er war wohl frer stärkste, den die Turnhalle in der letzten Zeit bei politischen Kundgebungen zu fassen fratte; bis in da# letzte Winkelchen hinein war die Halle und ebenso die Galerie dicht gedrängt gefüllt von den Angehörigen aller Bürgerschich­ten. unter denen die vielen Arbeiter dem Be» suchSbilfr eine besonders bemerkenswerte Rote gaben Die Reden wurden mit größter Ruhe und Aufmerksamkeit anachört, und sehr starker Bei­fall offenbarte, fraß die Worte frer Referenten einen ausgezeichneten Anklang im Herzen der Hörer gefunden halten.

Der Versammlungsleiter, Universität-Pro­fessor Dr. Viaener, erinnerte in feiner ör- öfsnungSanlpiache an den Zahre-tag be# iran- zöfifchen Einbruch- in da- Rufrrgebiet (11 3a- nuar). gedachte de- verlorenen RufrrkamvfeS. der

immerhin den Grfvlg gezeitigt habe, daß kerne Reich#regierung mehr fchwächsich. wie früher, zu allen ferndlichen Forderungen einfach Za faaen werde, ehrte in herzlichen Worten die Brüder' und Schwestern an der Ruhr, am Rhein und In bet Pfalz, die braven Schupvbenmten tn Düssel­dorf und kennzeichnete scharf und sehr treten fr die Ehrlosigkeit und Gemeinheit der Franzosen, die im besetzten Gebiet sogar ein solches Räuber- gcllnbd wie die Separatisten als Vorspann süe Ihre raubpolitifchen Pläne benutzen.

Reichstagsabgeordneter Dr. Luther

sprach hieraus in etwa 1'/»stündiger Rede febt fesselnd über Fragen der Relchspolllrk Cr führte u. a. aus Zwischen Hoffen und Bangen find wir rn das Hahr 1924 singetveten Wer wollte nicht die düsteren Schatten sehen, dre über dem deutschen Leben lagern Aber weder Hoss» nung noch Bangigkeit sind das Richtige. Für die schweren Tage unseres Landes kann es nur einen Pfad geben, den des tiefen »rnstes, der ent- schlosienen Zähigkeit -um Handeln und zur Klarheit.

Wir nrii'fen einen tiesinnerlichen Glauben an die deutsch« Auferstehung hrbe».

Ich kann es begreifen, wenn heute in vielen deutschen Herzen Bangigkeit und Ditterteit Ist.

wohl vereinen mit dem Streben, Unterhaltung und Humor zu ihrem begründeten Recht kommen zu lasten. Will man nicht auf bie g?iftig interes­sierten Kreis' unserer Stadt al« Publikum gänzlich verzichten, tarrr besinne man sich in letzter Stunde unter radikaler Ausschaltung der oben angetea- teten ve'.frrngniSvollen Einflusie auf lene eigent­lich« kulturelle Aufgabe. Daß untere Künstler bei richtiger TiSponi^rung. dieser Ausgabe wohl ge­wachsen sind. Haden sie frinlänasich bewiesen Hin- geben'« Arbeit-fr uk> gleit und k^n tierische Fort­entwicklung k.'trn aber auch von ihnen nur verlangt tecrLen tee n die Scftaltung de- Spielplan- ihnen tnc Mcg ickkeit für Bewälttgung ~rnftbaftrr tünft- lerischer Aufgaben gibt Gin Stück wie .De- h.l'ete Menschen" überlaste man aber ruhig dem seligen Strick* und feinen ehrenwerten Zunftge- nosien. e-

Tanzabend Jutta von Collande.

Die Tanz? der Münchmer Tan gruvpe g ben trotz frer Reichhalligkeit ihrer Folg? nur ein cm- fertiges Bild d.r mod rnen Taazkun't utfr toiren nicht gceigiri. dir groß- Bedeutung T-anzeS für eine neue Wertung be» Körper» in unfe.er Kultur zu zeigen. Die Absichten der Drupre scheinen mehr auf gut geformte Unterhaltung auszugehen al# auf bie Herausstellung des Tanze» alS Kunstwerk. Bom Standpunkte der älnterbaltung au# gesehen, war ein Teil d^s Pub immS oefriebigt wa» au# dem freut» gen Beifall hervorging, der den fretterm Tänzen gezollt wurde. Unfr tatfäch'ich hat ei b.efe 'ä ze, bt der Ach wie sie ohn: Ueb rtrHbuni geboten wurden. Humor. DaS .G'hüpft wi? g'prungen" war Grete Zu ng etg nJ zag schrieben uäX vaßte vortr.-fssich zu ihrem Thtrall r Es koTnck stellen­weise nicht b.sier getankt werden. ®r.t: 3un 1 war überhaupt die Lebendtgste und am m itten mit der Natur verbundeil. Zutta von Lolland« verrät zwar unstreitig fra» größ er Können und bie gröberen Ansprüche auf einen Stil, aber

vielleich» beides auf Kosten frer Natur Wertzoll als Rokokotanz war ihr Paffepied und Court nach der Musik von GrStry einem allen fran- zöfischen Meist.-r. Hier b-wies fie fri- von Han« Brandenburg an ihr gerühnte Auftas unz u >fr Wetterführung alt r Tradition. Srw^ t muß werden, daß die Klavierbegle tung fefrr hinter dem Könnm d'r Tänzer zurükb ie'. Zr bebau?rn ist es. daß sich nicht mefrr Publikum u n die moderne Tanzkunst tümr.ert 5hm stund.- es bester um sie. Denn nur au» einrr a lgem fnrn Anteil­nahme heraus kann em: Kunst zur Blüt- kom­men und unserer Äultar wertvolle Früchte, wie sie frer Tanz zu geben hat. bringen

Zu der Auftastung der Münch-ner Tanz­gruppe ist zu sag-n daß selbst W ich r te Panto­mimische Ausgestaltung ber Musik bei noch so guter körper sicher 7$ unlaguni zur Artisti' noch fein Tanz ist G# fehlt der eigent'lb: Urgrund .fr e Liebe und Ehrfurcht vor dem Äurxr u ifr s sinm Gesetzen. Pantomimik ist nur tote ein: vo 1 außen herangetragen- Z l chen'pvach: yi b:roer en bie den Körper deS Zuschauer» nicht m tscha-lng-n läßt. Der Tänzer muh bewußt di: K »rpergeseye erleben, den RhtzthmuS von Atnun, oifr Be­wegung. d h ihr natürsich^ und frarmonisches Dahinf'ießen und hieraus ein Fv' n g ftalten. 3n diesen Dingen wurde durchweg a le) toi noch bei den meist-n der heutigen Xinvr und Iän*<- rinnen vermißt. Don di fern Standaunlle war auch der Wrdersvruch aal den Zu'cha erranm, der einmal lautbar wurde, zu ver tehen W r ohne Verständnis und Anwendung der Körper- geseye arbeitet, schadet dem Taaz btrch will- Kxrlidr Mache und treibt Tiaubba 1 » tl belbfL Nervosität und Derbrauch ist bie F)'g: Wa»üt den Tanz gift, gilt auch für hbz Art von 3* und B:w gung Sm- Ton tu ift bie nifrt ihr letzte? im Kärp^ und feinen Ges Yen iuch. b.ingt a-tartuna statt der von ich.' erfrort-cn geistig-leiblichen Wiedergeburt. Dr.e.

3