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Die kommunistischen Umtriebe.

3m Zusammenhang mit den bereits gemel­deten polizeilichen Feststellungen über das De- stehen einer kommunistischen Tscheka im Ruhrgebiet wird jetzt nach demVorwärts- von der Polizei berichtet, daß die Untersuchung als abgeschlossen betrachtet werden könne. Eine große Menge belastenden Materials wurde beschlagnahmt. Die Untersuchung gegen den der- hafteten kommunistischen sächsischen Landtagsab­geordneten Karl Beier hat ergeben, daß Beier seit Monaten an der Spitze der Tscheka- Organisation gestanden hat.

Die Koblenzer Konferenz.

Koblenz, 10. Sept. (WTD.) Gestern trat die deutsche Delegation mit der Rheinlandkom- rnission wieder in Verbindung, um die Verhand­lungen, die drei Tage geruht hatten, wieder aaf- zunehmen. In den einzelnen deutschen Unter­ausschüssen und in der gemeinsamen Tetegations- sihung wurde über die Amnestie und Rück­kehr der Ausgewiesenen und über die Zollfragen verhandelt. Rach den bisherigen Verhandlungen wird in Kürze über die Rückkehr der Ausgewiesenen die Entscheidung erfolgen. In den Verhandlungen über die Personen, die im Rhein- und Ruhrgebiet als Beamte tätig waren und deren Indienststellung von der deut­schen Behörde gewünscht wird, wurde noch kein abschließendes Urteil erzielt. Heute vormittag wurden die Verhandlungen wegen der Indienst­stellung der Beamten wieder ausgenommen. Man rechnet damit, in den nächsten Tagen eine Eini­gung erzielen zu können.

Ter Forstausschuh hat das Arbcitsprv- gtamm für die nächsten Tage erörtert. Es steht ein (Verfügung der interalliierten Rhein landlorn- mission über die Zurücknahme eines Tei­les der Ausweisungen, und zwar von vorläufig 1200 bevor. Desgleichen wurde die An­ordnung getroffen, das) ungefähr 500600 Be­amte soso r 1 ihr Amt wieder auf nehmen können. Die Verhandlungen über Zurücknahme der üb.i- gen Ausweisungen und die Amtszulassung der weiteren Beamten werden fortgesetzt.

In Oberhausen haben seit gestern die französischen Truppen mit dem Abtransport von Material und Ausrüstungsge-, genständen begonnen. Wie der Kommandant der Desahungstruppen der Stadtverwaltung mil- geteilt hat, wird der Abzug der Truppen am 16. September beendet seini

Die Abrüstungsdebatte in Genf.

Das fehlen Deutschlands. Die praktische Nndurchsührbarkeit des

Schiedsverfahrens.

Genf, 10. Sept. (WB) In der heutigen Sitzung des Dritten Ausschusses (Rüstung sfr a^n) nahm als erster Redner zur allgemeinen Aus­sprache über die Resolution Herriot-Macdonald der 'jugoslawische Außenminister Marinko- wi t s ch das Wort. Er verteidigte die S o n d e r°> abkommen, die immer mit den Bündnissen der Vorkriegszeit verglichen würden. Diese Bünd­nisse hätten aber vierzig Jahre lang den Frieden aufrechterhalten. Man müsse auch die geogra­phischen Gesichtspunkte berücksichtigen. Aufgabe der' Kommission sei es, unter Berücksichtigung aller Machtmittel zu einem neuen Garantiepatt- sysiem zu gelangen. Lord Parmoor legte dar, daß die Lösung der zur Verhandlung stehenden Fragen im Völlerbundspakt gegeben ist, und daß -er Pakt alle Mitglieder verpflichte, keinen Krieg zit führen. Das sei ein wesentliches Moment der Sühmhrit. Er erinnerte daran, daß die Fr.edrns- b cf träge die Militärkontrolle 1 urch den Völkrrbundsiat in Bulgarien, Oesterreich, üivarn und Deutschland vorseh n Der Rat arbeite gegenwärtig die hierzu notwendigen Maßnahmen aus. Ob ein gemeinsames Kontrolle Hst em in allen Ländern angewandt werden soll, sei ei '.e Frage, die man sich augenblicklich nicht zu stellen brauche. Lord Parmoor sagte bann:

Ich bin der Ansicht, daß ein Abrüstungsplan in der Art des von uns ins Auge gefaßten unvoll­ständig wäre, wenn Deutschland nicht Mitglied des

Völkerbundes ist.

Durch die Aufnahme würde Deutschland allen in dem Abrüstungsplan und dem Patt vor­gesehenen Verpflichtungen unterworfen, wie: Schiedsverfahren, Sicherheit und Abrüstung. Cs würde aber auch die Vorteile der anderen Ver­tragsmächte genießen. Ich weiß nicht, ob es möglich ist, dah Deutschland im Laufe dieser Tagung bei der Ausarbeitung des Abkommens Mitwirken kann: aber ich betone, daß die englische Delegation jeden Vorschlag auf sofortige Auf­nahme Deutschlands, wie ihn der britische Premierminister gemacht hat, in jeder Weise unterstützen wird. Wenn die Zeit gekom­men sein wird was jetzt noch nicht der Fall ist, so würde die britische Regierung einen be­sonderen Antrag der Meinungsäußerung der Dritten Kommission unterbreiten.

Der japanische Delegierte M u t s u da sprach seine Befriedigung über das System des Sonder­abkommens aus und wünschte, daß man im Rah­men des Pattes bleibe, der durch den Garantie» Pakt entwarf überschritten werde. Dem Schieds­verfahren stehe er sympathisch gegenüber, zweifle aber, ob die praktische Verwirklichung schon jetzt möglich sei.

Der französische Delegierte Paul Doncourt suchte vor allem den Rachweis zu führen, dah das Schiedsverfahren und die Sicherheit un­trennbar von einander sind. Aber ein Schieds­verfahren, dem keine obligatorische Macht zur Seite siehe, bleibe in ernsten Fällen, auf die es ankomme, wirkungslos. Die Welt erwarte da­her, daß demjenigen, der im Recht ist, die gesam­ten Machtmittel aller anderen Länder zur Verfü­gung gestellt werden. In diesem Zusammenhang erklärte sich Boncourt mit Parmoor dahin etmg, daß die Sicherheit erst vollständig sein wird, und der Völkerbund erst wirksam handeln kann, wenn alle Rattonen, Deutschland einbegriffen, vereinigt sind, um ein gemeinsames Verfahren auszuarbei­ten. Im übrigen trete er für Sonderabkom- men ein, die aber nicht an die alten Dündmise erinnern dürften, und für die Abstufung der Sanktionen, derart, dah bestimmte Mächte sich an den militärischen Sanktionen, andere nur an den wirtschaftlichen Sanktionen zu beteiligen hät° len. Andere Staaten wieder würden für die Sicherheit der Meere und der Seetransporte sor­gen müssen.

Das stanzöstscheMilliar-endefizit

Maßnahmen gegen Kapitalflucht und

Steuerhinterziehung.

Paris, 11 .Sept. (WTD.) Wie derMa- tin mitteUt, habe die bisherige Prüfung des Budgets von 1 9 25 ergeben, dah trotz aller Streichungen immer noch ein Loch bleibe, das sich auf ungefähr zwei Milliarden belaufe, wozu noch eine und eine halbe Milliarde käme, wenn die De- amtengehälter erhöht werden, so dah ein Defizit von rund drei Milliarden vorhanden fei. Man fei sich bereits über den Grundsatz einig gewor­den, dah der Ausgleich des Budgets nur durch die normalen Einnahmen und Steuern gedeckt wer­den soll, ohne dah man zu einer Anleihe greife. Eine Kommission prüfe die Möglichkeiten neuer Steuern. Die Kommission habe sich ferner auch in Verhandlungen mit der Schweiz, Belgien und Holland ausgesprochen, um der Kapitalflucht einen Riegel vorzuschieben. Vor allem will man Pri­vatleute, die ihr Vermögen in das Ausland ge­bracht haben, daran hindern, die Zinsen des Kapi­tals zu verbrauchen, ohne dah sie Einkommen­steuer zahlen.

Die Teuerung in Frankreich.

Paris, 11. Sept. (WTD.) Der gestrige Ministerrat befaßte sich ausschließlich mit Maß­nahmen zur Bekämpfung der Lebensmittelteue­rung. In dem ausgegebenen Bericht heißt es: Der von Deutschland als Reparattonsliefe!- rung einkommende Stickstoffdünger wird von der Regierung unter möglichst günstigen Bo- bingungen dem Ackerbau zur Verfügung, gestellt. Die Präfekten haben ferner telegraphisch Befehl erhalten, den Mehlpreis noch vor dem 14. September gesetzlich zu regeln, wobei der Er­höhung der Ausdruschquote auf 78 Prozent Rech­nung getragen werden soll. Zur Bekämpfung der Fleischteuerung sollen zu der nächsten Sit­zung des Ministerrats Vertreter der berufenen Organisationen der Fleischer eingeladen werden. Weiter wurde eine direkte Beschaffung von Ge­frierfleisch aus den in Frage kommenden Ländern in Aussicht genommen. Weitere Maß­nahmen sind für Fische, Milch und Ge­müse in Vorbereitung. Die Regierung ist ent­schlossen,' dem Parlament sofort nach dessen Zu­sammentritt einen Gesetzentwurf einzubringen, der ihr die nötigen Waffen zur Herabsetzung der Preise in die Hand gibt, falls nicht um­gehend eine Preissenkung eintritt. Die Regie­rung richtet einen Appell an den anständigen Handel, daß er sie bei dem Kampfe, den die Re­gierung mit der Spekulativ n zu führen ge­zwungen sei, unterstütze.

Die Lage in Marokko.

Cin Ausruf des Direktoriums. Neue Niederlage der Spauier.

Madrid, 10. Sept. (WTB.) 3n einem langen Aufruf an dasBvlk erklärt Gene­ral Primo dck Rivera, das Direktorium müsse das begonnene Werk fortsetzen, weil die Säuberungsarbeit noch nicht beendet sei. Nach der Ruhe sei für die Regierung ein ungeheuer schwieriges Problem entstanden durch den Auf st and der Riffkabylen, das mir durch Waffengewalt zu lösen sei. Er müsse dem spanischen Volk weiter sagen, dah kein anderer Weg möglich sei, um den un­gewöhnlich starken Feind zu bekämpfen und zu schlagen. Er hoffe, die Bevölkerung werde sich nicht gegen das Direktorium aufhetzen las­sen. Jedenfalls verfüge er über die Mittel, um allen Ruhestörern das Handwerk zu legen. In einem weiteren Aufruf an die afri­kanische Armee appelliert Rivera an daH vaterländische Ehrgefühl der Soldaten und warnt vor den Folgen der Mutlosigkeit und der Flucht vor dem Feinde. Für diesen Fall drohte er mit der sofortigen Anwendung des S t a n d r e ch t e s.

Die Spanier haben versucht, T a l l a a zu entsetzen. Drei Eingeborenen - Abteilungen, zwei Bataillone der Fremdenlegion und eine Abteilung Infanterie und Artillerie haben an diesem Kampfe teilgenvmmen. Dem Feind ist es aber nach dem amtlichen 'Bericht gelun­gen, seine Stellung zu behaupten. Nach dem Bericht hat er aber schwere Verluste er­litten.

Die Revolution in Chile.

Santiago d e Chile, 10. Sept. (Priv.- Tel.) Der Präsident A l e s s a n d r i hat nach einer Ofsiziersrevolte, wie schon kurz gemeldet, sein Amt niedergelegt. Der Senat hat aber dem Rücktritts­gesuch leine Folge gegeben, sondern Alessandri nur auf 6 Monate beurlaubt und ihm die Er­laubnis erteilt, außer Landes zu gehen. Alessandri ist in die amerikanische Gesandtschaft geflüchtet. Ministerpräsident General Altamirano hat die Präsidentschaft übernommen.

Fortdauer des georgischen Ausstandes.

Konstantinopel, 10. Sept. (WTB.) Nach den letzten Berichten aus Georgien, dauern die Kämpfe zwischen den Sowjet­truppen und den Aufständischen an. Letztere sind im Besitz der wichtigsten ckranskauka- fischen Bahn nach Baku. Im ganzen Kau­kasus ist der Belagerungszustand er­klärt. Die Sowjettruppen werden alle nach dem Aufstandgebiet geschickt. In Bat um und Tiflis wurden kriegsgerichtlich zum Tode Verutteilte hingerichtet.

Aus aller Welt.

Die Unwetterkatastrophe in Norddeutschland.

Der in den gestrigen Morgenstunden in Berlin herrschende Sturm hat mehrfach zu e r - heblichcn Beschädigungen von Häu­sern geführt. An einem Wohnhause, dessen Dachstuhl vor einigen Tagen zum großen Teil durch Feuer vernichtet worden war, hat ein heftiger Windstoß zwei mehrere Meter hohe Schorn st eine umgerissen, die das Not- 1 dach und die Decke der Wohnung durchschlu­

gen. Auch aus dem Harz wird berichtet, daß die Reberschwemmungsgefahr infolge der langandauernden Regenfälle zunimmt. In Stettin verursachte ein orkanartiger Wirbelsturm erheblichen Schaden. Zahl- Teil des Daches der Messehalle stürzte ein und zerschlug den Sttaßenbahndraht. Der gesamte S t r a - ßenbahnverkehr wurde dadurch ge­stört. In Hamburg richteten schwere Gewitter, Hagelschlag und wolkenbruch- arnger Regen großen Schaden an. Infolge des heftigen Sturmes wuchs die heute früh ein­kommende Flut zum Hochwasser an. Eine ein Stockwerk hohe Mauer eines Schuppenge­bäudes wurde eingedrückt.

Die Folgen des Unwetters tu Sndbadcn

Freiburg, 10. Sept. <Wolfs.) Sie Folgen der schweren Pinwetterkatastrophe im R © r brach­iale sind noch immer nicht voll zu übersehen: auf jeden Fall dürften sie ober schwerer fein, als man ursprünglich angenommen hatte. So wirb berichtet, daß zahlreiche Personen, die sich auf freiem Felde befanden, von der Gewalt des Sturmes ernpvrgefchleudert und beim Ab­sturz schwer verletzt wurden. Die genaue Anzahl der verletzten Personen ist noch nicht bekannt. Ter Wald aauf der Höhe des Nord­rachtales ist stellenweise wie weggemäht/ ilntoetter hak auch im unteren Kinzi g t a l zwi­schen Zell a. H. und Nordrach bis jetzt noch unübersehbaren Schaden angerichtet. In der Kreispflegeanstalt zu Fußbach wurde großer Gebäudeschaden anger chtet. Die Giebel­wand des Fvauenhauses stürzte in einer Höhe von 7 Meter ein, 11 Anstaltsinsassen wurden verletzt, darunter einer schwer. Im Nord­racher Dal sind die Verbindungen größtenteils*, unterbrochen. Fast sämtliche Höfe haben mehr oder weniger schwer gelitten. Eine Frau soll getötet, eine andere und mehrere Kinder schwer verletzt sein. Hunderte von Obst­bäumen sind entwurzelt ober umgeknickt. Mehrere tausend Festmeter Holz sind in den Wäldern vernichtet worden. Das Anwetter dauerte nur wenige Minuten.

Schweres Autounglück bei Gera.

Bei der Reichsfahrt des Allgemei­nen Deutschen Automobilklubs, die beute von Eisenach über Ostthüringen nach Frank- fnrt a. d. Oder geht, ereignete sich zwischen M i t- telpo11nih und Triptis auf gerader Land­straße ein schweres Unglüd. Der Kaufmann Kurt Lin big aus Gera war mit feiner Frau auf einem Motorrad nach Pößneck gefahren und be­fand sich auf dem Rückwege, als das Motor­rad von einem Kraftwagen, der ins Schleudern geraten war, erfaßt wurde und umstürzte. Die Ehefrau Linbig war sofort tot; Lindig selbst wurde schwerverletzt ins Ge­raer Krankenhaus eingeliefert, wo er alsbald ft a fcb. Zwei Insassen des Autos, der Führer und eine Dame, wurden bei dem Zusammenstoß ebenfalls schwer verletzt. Das Auto soll aus Weimar stammen. Die Schuld an dem Un- glücksfall wird dem verunglückten Lindig zuge­schrieben, da er auf der falschen Straßenseite gefahren war.

Zuchthäuslerrevolte in Leipzig.

Als Mittwoch vormittag auf dem Leip­ziger Haup tbahn h vf 30 Strafgefangene, darunter zu mehrjährigen Zuchthausstrafen Ver­urteilte, in den Transportwagen gebracht wur­den, um nach der Strafanstalt befördert zu wer­den, versuchten die Gefangenen ihre Fesseln zu sprengen und zu entkommen. Der Dahn- Hofspolizei und den Beamten der benachbarten Wache gelang es, den Widerstand der Gefangenen zu brechen und die Sträflinge ohne weiterem Zwischenfall nach der Anstalt zu ttansportieren.

Hochvfenexplvsion. -

Wie aus Bochum berichtet wirb, hat der Bochumer Verein die seinerzeit stillgelegten Hochöfen wieder in Gang gesetzt. Am Dienstag früh explodierte einer dieser Oefen, wobei ein Arbeiter getötet wurde.

Vergewaltigung der Deutschen in Böhmen.

In der deutsch-böhmischen Provinzstadt Sanz, welche 16 000 Deutsche und nur 1800 Tschechen zählt, wurde das dortige deutsche Theater unter Assistenz von bewaffneten Gen­darmen von den tschechischen Behörden gewalt­sam geöffnet und dort zwei tschechische Vorstellungen abgebalten. Während der Ausführungen waren vor diesem Theater bewaff­nete Gendarmen postiert.

Die Millionärsföhne als Mörder.

Chicago, 10. Sept. (Wolff.) Funkspruch. Sie Millionärssöhne Nathan, Leopold und Ri­chard Loeb, die sich zu der Ermordung des Millionärssohnes Frank bekannten, wurden zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Nur die Jugend der Mörder ver­anlaßte die Richter dazu, sie nur zu lebensläng­lichem Zuchthaus zu verurteilen, da niemals in Illinois ein Min derjähriger zum Tode verurteilt worden ist.

Erdbeben auf Island.

lieber das am Samstag vormittag in der Näh- von Kevlavik aus Island stattgefundene Erdbeben berichtet ein Augenzeuge, dah die Erd­stöße sich sekundenlang wiederholten, daß die E r d m a s s en sich meterhoch embor hö­be n und das Feld in der Umgebung des Ortes voll kochenden @rb quellen war..

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 11. Sept. 1924.

Neulich.

Er fing jede Unterrichtsstunde mit neulich an.Neulich," sagte er, ..waren wir beim hyperkatalektischen jambischen Shmeter stehen ge­blieben . . Sarum nannten wir ihr den Neu­lich. Ich habe sechs Jahre bei ihm Latein gehabt. D^halb ist es sehr erstaunlich, dah er heute noch in voller Rüstigkeit, wenn auch außer Amtes, lebt.

Vor fünfzehn Jahren habe ich ihn zu­letzt gesehen. Damals fragte ich ihn nach einer Wortbildung. Um ihm eine Freude zu machen, fragte ich danach.

Er war sehr verlegen und meinte, er müsse die Sache erst einmal im großen Gisevius nach­schlagen. älnb dann sah ich ihn alfo fünfzehn Jahre nicht mehr ....

Von Sehnsucht getrieben, reifte ich jetzt wie­der in die Stadt meiner Kindheit

In einer Versammlung sah ich zu meiner größten Freude den Neulich sitzen. Er sah genau so aus wie früher.

Am Ausgang wartete ich auf ihn. Er ev kannte mich von weitem. Seine weihen Locken quollen unter der Krempe des Zylinders hervor. Dieser Zylinder war auch noch der alte. Er sah noch immer so aus wie ein übergefahrener Igel.

Ich war gerührt, als bas liebe alte Gesicht lächelnb auf mich zükam. Ich wollte dem 2llien irgendetwas Liebes sagen.

Ich stand da, Hut in der Hand.

Er schoß nach seiner Gewohnheit die letzten paar Schritte auf mich zu, tippte mir vor den Brustkasten, kniff nach seiner Gewohnheit ein Auge zu, legte den Kops etwas schief, vergaß jece Begrüßung und sagte:Neulich fragten Sie mich nach der Wortbildung .... ich habe im

großen Gisevius nachgeschlagen. Die Satze ist also so ..." '

Ich stand wie verdonnert vor meinem alten . , Neulich. »

Neulich hatte er seinen Anspruch be> f gönnen, älnb dies Neulich bezog sich auf ein Gespräch, das fünfzehn Jahre zurücklag.

Neulich, alter, guter Neulich, wie jung mußt du noch innerlich sein! Hannes

Wettervoraussage- ,

Wechselnd bewölkt, Winde aus westlicher Rich­tung, Temperaturen wenig geändert, mit Regen­fällen muh gerechnet werden.

Das Tiefdruckgebiet ist nach Skandinavien ab­gezogen. Wir kommen nun in das Bereich eines Hochdruckgebiets, welches zunächst eine leichte Besserung unserer Wetterlage bringen wird.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstage Altersvereinigung 18711921: Hauptvers amm- lung 8*/e Uhr bei Teigler. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Fahrt ins Blaue". Hessische Bilder-Bühne:Sie Tragödie im Hause Habsburg". Astoria-Lichtspiele:Der dritte Alarm".

Die Deutsche Volkspartei ver­anstaltet am Freitagabend im Gewerbehaus eine Mitgliederversammlung, in welcher Gene­ralsekretär K o l b a ch aus Darmstadt über ' das Londoner Abkommen sprechen wird. (S. Anzeige.)

- Am Sonntag findet hier lt. Anzeige der Landesverbandstag Hess. Schrei- nermeister statt.

** Eine Warnung art die Elektri­zitätsverbraucher veröffentlicht die Di­rektton des städt. Elektrizitätswerkes im An­zeigenteil unseres heutigen Blattes. Die Inter­essenten mögen ihre Aufmerksamkeit der be­herzigenswerten Aufklärung schenken.

" Anbringung eines Straßen­briefkastens im Stadtteil rechts d e r L a h n. Vom Postamt wird uns geschrie­ben: Im Stadtteil rechts der Lahn wird in den nächsten Tagen an der Einfriedigung des Grundstücks des Städttschen Schlachthvfs wieder ein Straßenbriefkasten angebracht wer­den, dessen Leerungszeiten auf der am Brief­kasten angebrachten Leerungsplatte zu ersehen sind.

** Gleiberg-Verein. Von schönem Wetter begünstigt, hielt der Geselligteitsoevein, Gleiberg am Samstag seine diesjährige General- oerfammlung ab. Der 2. Vorsitzende, Geh. Hofrat Prof. Dr. König, begrüßte den Vorsitzenden des Kreisausschusses Gießen und des Provinzial- Ausichusses der Provinz Oberhefsen, Provinzial- uireftor Graef, sowie den Vertreter der preußt- scheu Aufsichtsbehörde, Geh. Reg.-Rat Landrat Dr. Sartorius-Wetzlar, und gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß die Gleiberg- freunde sich so zahlreich eingefunden hatten. Dann gedachte Geh. Rat König des verstorbenen! 1. Vorsitzenden Provinztaldirektor ^Matthias, und wies auf oie großen Verdienste hin, die sich Provinzialdirettor Matthias während seines Vor­sitzes erworben hat. Ferner gedachte Geh. Rat König der verstorbenen Mitglieder Obergüter» Vorsteher Decker und Pächter Schmoll. Die Versammlung ehrte die Verstorbenen durch Er­heben von den Sitzen. Auf einftimmigen Beschluß der Versammlung wurde Geh. Kommerzienrat Sr. h. c. Wilhelm Gail für seine hilfs­bereite, tatkräftige Anteilnahme, die er in lang­jähriger Mitgliedschaft dem Verein und seinen Bestrebungen erwiesen hat, zum Ehrenmit­glied ernannt. Dann ging Geh. Rat König zur Tagesordnung über. Die Versammlung geneh­migte nach Umlauf die Rechnung, erteilt- bann dem Rechner Entlastung und dankte dem Quästor Kauß und Verwaltungs-Inspektor Schäfer, welcher die Rechnung geprüft hat, für ihre Mühe im Interesse des Vereins. Ter Geschäftsbericht wurde verlesen, und auf die Neuaufnahme von 91 Mitgliedern, sowie auf die großen, umfang­reichen Arbeiten, welche in diesem Geschäftsjahre dank der freundlichen Unterstützung von Freun­den und Gönnern zum Abschluß gebracht werden konnten, hingewiesen. Der Voranschlag für 1924 25. welcher in Einnahme und Ausgabe mit 1901,84 Gvldmart ckbschließt, wurde einstimmig genehmigt. Dauinspektor Mohr wurde für feine Mühe und Arbeit, die er unentgeltlich mit der baulichen Unterhaltung.der Ruine im Interesse des Vereins geleistet hat, gebanft Man beschloß weiter, baß der Beitrag für ordentliche Mitglieder 3 Mk. und für außerordentliche 2 Mk. betragen soll. Wer den Wunsch hat, durch Erwerbung eines Anteilscheines den. Verein stärker zu unter­stützen, kann durch ein einmaliges Eintrittsgeld von Mk. einen solchen erwerben. Durch ein­stimmigen Beschluß wurde Prvvinzialdirektor Graes zum 1. Vorsitzenden ernannt. Pruvinzial- direktor G ra ef übernahm den Vorsitz, bantte der Versammlung für das entgegengebrachte Ver­trauen und erklärte, daß er alles tun wolle, am das Amt des Vorsitzenden im Interesse der Burg zu verwalten. Der Versammlung schloß sich ein gemütliches Beisammensein an.

Sic Schornstein segerzwangsin- nung für Hessen hielt in Darmstadt eine Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Ober­meisters Kolb-Mainz ab. Die Versammlung setzte das Eintrittsgeld auf 5 Mk. und den Jahres­beitrag auf 20 Mk. fest. Gegenwärtig zählt die Innung 70 Kehrbezittksmeister und 5 Geschäfts­führer. Sie Bezirke Worms und Ulrichstein sind zur Zeit unbesetzt. Eine Lohnforderung der Gesellen von 30 Mk. wöchentlich bis zum Aller von 21 Jahren und von 35 Mk. über 21 Jahre wurde von der Versannnlung abgelehnt, bugegen

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