m. 8r Swettes Blatt
Johanna v. Bismarck als Briefschreiberin.
(3u ihrem 100. Geburtstag, 11. April.)
Bismarck Dar das Glück befRieben, in dec schönsten vollkommensten Ehe zu leben, als deren unvergängliche Zeugnisse uns seine Briefe an seine Draul und Gattin überkommen sind. Daß eine so harmonische Einheit in dieser Gemeinschaft zweier bedeutender Menschen herrschte, lag wohl noch mehr an der Wesenheit der Frau als an der des genialen Gatten, dessen dämonische Natur Abgründe und Klippen genug kannte. Johanna v. Bismarck war ganz Weib, und so paßte sie völlig zu dem männlichsten Mann, den wir in unserer Geschichte kennen. Die warme Menschlichkeit und die charaktervolle Eigenart Johannas leuchtet uns aus dem schönen „Lebensbild in Briefen" entgegen, das Eduard Heyck 1915 bei der Deutschen V^rlagsanstalt in Stuttgart hevausgegeben hat. Kleber die Ehe der beiden sagt der Herausgeber: „Kein besseres Beispiel kennen wir, wie die naive, warme, unverblümte Menschlichkeit des Geschlechtes der Frau neben dem in die Außenwelt gewendeten Manne steht, das unverwirrt mitgehende Weib des größer und größer in seine Umrisse sich hebenden Helden und Riesen — kein inhaltvolleres Beispiel für die ideale Einfügung des feineren weiblichen Dualismus von Allhingabe und Selbstbehauptung in die Zweieinheit der vollkommensten Ehe." Johanna /war gegen alle äußeren Ehrungen und Erfolge ihres Mannes unempfindlich: sie war so vollständig erfüllt von dem Bewußtsein seiner Große, daß keine Rangerhöhung ihr imponieren konnte. Doch auf ihren letzten Visitenkarten stand: .Fürstin von Bismarck, geb. von Puttkammer,"
Die hessische und die preußische Schulreform.
Die Bereinigung der Freunde des humanistt- schen Ghmnafiums in Gießen schreibt uns:
In Dr. 76 Ihrer Zeitung vom 29. März 1924 hat sich das hessische Landesamt für das Bildungswesen mit unserer Kundgebung vom 6. März beschäftigt und es als erwünscht erklärt, wenn die den Lehrerräten und anderen sachverständigen Stellen zur Begutachtung vorgelegten Stunden- planentwürfe auch in der Oeffenttichkeit erörtert werden. Wir kommen diesem Wunsche gern nach, indem wir zugleich die Richtigstellungen des Landesamts gegen einige Punkte in den Ausführungen des Hauptredners der Kundgebung richtigstellen.
1. Das LA. erklärt es für „nicht richttg, daß zwei Direktorenversammlungen gegen die Pläne .Bekenntnis abgelegt" haben." Der Redner Hal wörtlich gesagt: „In zwei Direktorenversamm- tungen wurde dem LA. die einmüttge Ablehnung der gegen die humanistischen Bildungsanstalten gerichteten Pläne mit großer Eindringlichkeit und eingehender Begründung vorgetragen und Beschwerde über die Behandlung der wichtigen Fragen geführt." Dem liegt folgender Tatbestand zu Damde: 3n der ersten Direktocenversammla n g wurde von den Ghmnasialdtrektoren auf den Sturm der Erregung hingewiesen, den die Stundentafeln hervorgerufen hätten, and beanstandet, daß man ohne vorausgehende Feststellung der L^rztel« mit der Festsetzung der Stunden be- gtnne, und daß die grundlegenden Punkte der Reform der Erörterung entzogen würden Es tourbe dann beschlossen, die Fragen durchs einen 2bisschuß beraten zu lassen, der auf der zweiten Direktorenversammlung Bericht erstatten sollte. Auf dieser gab der die Gymnasien vertretende Dir^wr einen eingehenden sachlichen Bericht, der in die Ablehnung der Pläne für die Umgestaltung der Gymnasien hinauslief. Drasttsche Einzelheiten hervvrzuheben versagen wir uns.
2. Das LA. erklärt es für „nicht richttg, daß die Lehrerkollegien überwiegend ihre schweren Bedenken gegen die Pläne geäußert hätten: im Gegenteil, die Pläne finden bei der großen Mehrzahl der Kollegien grundsätzlich Zustimmung." Der Redner hat einen in der Hessischen Landes- zeitung vor Monaten erschienenen Artikel eines anges^enen Darmstädter Schulmannes wörtlich zitiert, in dem es heißt: „Inzwischen sind die Regierungsvorschläge, obgleich sie ohne Begründung allen höheren Schulen zugegangen sind, von den Lehrerkollegien eingehend geprüft und durchberaten worden. Das Ergebnis ist bemerkenswert. Soweit ich sehe, hat sich eine fast lückenlose Einheitsfront der Vertreter aller Fächer, Philologen aller Gattungen, Mathematiker und Daturwissenschaftler gegen die Aegierungs- entwürfe gebildet." Es ist uns nicht bekannt geworden, daß das LA. diesen ihm jedenfalls bekannten Artikel dementiert hätte, dessen An- Saben durch unsere Informationen ergänzt teeren. Zu beachten ist ferner, daß die amtliche Aufforderung zur Bcyutachttmg durch den Satz Lingcfchränkt war: „Dicht zur Erörterung stellen wir den gemeinsamen Unterbau, die Wochenstundenzahl 30, den gleichzeitigen Betrieb nur zweier Fremdsprachen und die Wahlfrei heil." Wenn die Lehrerkollegien sich an dieses Verbot hielten, so konnten sie die grundsätzlichen Fragen gar nicht erörtern und ihr Schweigen darüber darf nicht für Zusttmmung genommen werden. Eine Klärung über das Ergebnis der Gutachten könnte daher nur durch Veröffentlichung aller Gutachten herbeigeführt werden.
3. Das LA. erklärt es für „nicht richttg. daß das Landesamt nur In der Frage der Aufbauschule Dertreter der Hochschulen zur Verhandlung geladen habe. Wenn die erschienenen Vertreter sich im wesentlichen auf diesen Punkt beschräntt haben, so lag das nicht in der Absicht des Landesamts." Die Einladung an die Hochschulen beschränkte sich aber sogar auf einen noch spezielleren Punkt, sie erging nämlich „zu einer Besprechung über die den Abiturienten der deutschen Oberschule und der deutschen Aufbauschule zu verleihenden Berechtigungen". Da für das Studium an den Hochschulen bad Reifezeugnis einer der drei höheren Lehranstalten mit mindestens zwei obligatorischen Fremdsprachen gesetzlich vorgeschrieben ist, so mußte wohl bad LA., wenn es für die Aufbauschule (und die für Hessen noch nicht aktuelle deutsche Oberschule) mit nur einer obligatorischen Fremdsprache das Reifezeugnis für die Hochschulen verlangte, die Hoch- schulen selbst darüber vorher hören. Die Vertreter der Hochschulen erhärten sich in der Besprechung einmütig mit eingehender Begründung bagegen, daß diesen Schularten, die sie an sich
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gveryessen)
Miag, u. April (924
nicht bekämpfen, bei dem vorgesehenen Lehrplan die Hochschulreife gegeben werbe, und verlangten, daß ihnen wie in den größeren Ländern des Reichs zwei obligatorische Fremdsprachen gegeben würden. Ihr pflichtmäßiger Einspruch war aber erfolglos.
Das LA. fährt fort: „Außerdem konnten sich die Hochschulen schriftlich genau so wie alle anderen Stellen über die gesamten Pläne äußern." Dun, das haben sie wie auch bad bischöfliche Seminar zu Mainz getan und zwar in eindringlichen Audführungen mit ablehnendem Ergeb n i d. Wenn bad LA. Wetter erklärt, die Hochschulen könnten nicht verlangen, daß gerade ihre Gutachten aud den mehr als dreißig ein- gegangenen zur Veröffentlichung herausgegriffen werden, so wirtt das nicht überzeugend. Die Hochschulen haben in ihren Gutachten auch die grundsätzlichen Fragen eingehend erörtert und die ganze Reform naturgemäß umfassender als die einzelnen Schulen beyandeln können, da sie ja ihre Studierenden aus allen höheren Schulen bekommen, alle Schulfächer lehren und die Lehrer für alle ausbilden sollen. Eine Veröffentlichung dieser Gutachten würde daher dem Lande ein klares Bild geben.
4. Das LA. erklärt, „die Reformen sollen von Hessen nicht im Gegensatz zu den größeren, Ländern ded Reichs eingeführt werben." Inzwischen hat Preußen amtlich seine Reiormpläne veröffentlicht in der Schrift „Die Deuordnung des preußischen höheren Schulwesens. Denkschrift des preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung" (Berlin, Weidmann, 1924). Sie unterscheidet sich von den hessischen Stundentafeln zunächst dadurch, daß sie in eingehenden und durchdachten Darlegungen den Reformplan begründet und erst als Ergebnis die Stundentafeln vorlegt. Sie schafft damit eine Grundlage für die Erörterung der Reformfragen, zu der man im einzelnen mit Kritik, in vielem aber mit Zustimmung Stellung nehmen kann. Zu diesen preußischen Reformplänen stehen die hessischen in folgenden grundlegenden Punkten i n s ch r o f - f e m Geg ensah:
a) Der hessische Plan wollte ursprünglich womöglich alle Gymnasien bis auf drei in Reform- ghmnafien mit lateinlosem Unterbau verwandeln. Die preußische Denkschrift sagt S. 36' „Auf das Reformgymnasium hat die preußische Unterrichtsverwaltung auf Grund langjähriger Erfahrungen weiterhin verzichtet. ... Dur da, wo etwa diese Schulform eine in besonderen Verhältnissen liegende Volkstümlichkeit und Beliebtheit gewonnen hat, wird die eine oder andere Schule dieser Art wetterbestehen„ und zwar nach einer besonders zu genehmigenden Lehrverfassung. Die anderen Reformgymnasien werden in Gymnasien alten Stils umzuwandeln sein."
b) Der hessische Plan will gemeinsamen l a t e i n l o s e n Unterbau für alle höhere i Schulen, der preußische Plan sieht gemeinsamen lateinischen Unterbau für Gymnasium und Realgymnasium vor.
c) Der hessische Plan will nur zwei Fremdsprachen gleichzeitig betreiben lassen. Dir preußische Deickschrift sagt dazu S. 35: „Bezüglich ber sprachlichen Fächer hat man um ber Vereinfachung willen gefordert, daß niemals mehr als zwei fremde Sprachen gleichzeittg getrieben werden füllten. Bei ber Darstellung der einzelnen Schulformen wird die Undurchfuhrdarkett dieser Forderung für das Gymnasium und Realgymnasium sich ergeben.“
d) Der hessische Plan will ber deutschen Oberschule und Aufbauschule mit nur einer obligatorischen Fremdsprache die Hochschulrei e geben, ber preußische sieht für beide Schulforme i zwei obtt- gatorische Fremdsprachen vor, wie sie die hessischen Hochschulen verlangen.
3 n allen diesen Punkten hat unser Verein von Anfang an den Standpunktverfochten, derjetzt im preußischen Schulplan zur Geltung kommt.
Das LA. erllärt den preußischen Reformplan, wett er „nur 30 Wochenstunden anzwetzen beabsichtige", für radikaler als den hessischen Eine Vergleichung der Stundentafeln und ber Erläuterungen bazu zeigt aber, daß die Zahl ebensowenig wie im hessischen Plan fest ist, sonbern burch Zusatzstunden erweitert wird, so daß es im Endresultat so ziemlich auf dasselbe heraus- kommt. Gegen die Herabsetzung ber Stundenzahl werden auch in Preußen Bedenken erhoben, immerhin aber verbindet sie die preußische Denkschrift mit solchen Verbesserungen der Methoden, baß in dieser Frage wohl ein Ausgleich ber 3nter= essen gefunden werden kann. Freilich müssen diese neuen Methoden erst erprobt werden.
Die Schulreformpläne Bayerns, Württembergs und Badens gehen nach unserer Kenntnis
wobei für sie ber Hauptton auf ihrem Geburtsnamen lag, denn sie wurzelte mit allen Fasern ihres Herzens in dem feingeistigen, ttefreligiösen Familienkreise. dem sie entstammte. 3n ihren Briefen finden wir das getreueste Spiegelbild ihrer Persönlichkeit, in der sich die vornehme Betrachterin des Lebens mit der guten Hausfrau verband. Da plaudert sie von ihren wirtschaftlichen Sorgen und Mühen, spricht sachkundig von landwirtschaftlichen Maschinen oder ber Perlhühnerzucht und fragt etwa ihre Kusinen an: „Was habt 3hr um Eure Kirschbäume gebracht, daß sie so prächtig trugen? Mergel, Kalk?" oder „Bismarck hat einen Holzzeck am Halse. 3hr hattet doch auch, mal einen, wie habt 3hr den herausgebrächt?" Für das leibliche Wohl ihres Otto ist sie unermüdlich bedacht, aber nicht minder nimmt sie an seinen geistigen Interessen Antett: nur gegen die Politik hat sie eine wohl- begründete Abneigung, da ihr der Gatte durch seine Lebensarbeit so sehr entzogen wird. Ganz ungezwungen gibt sie sich in ihren Driesen, die sie öfters „hingerappelt" nennt. 3hr lebhaftes Temperament drängt zur Aussprache und rasch fliegt dann die Feder übers Papier, um ohne allen Zwang und in köstlicher Unmittelbarkeit sich mttzuteilen. „Dichts bezeichnender für ihre mit dem Gemeingültigen nicht zufriedene Originalität," so schildert Heyck den Stil ihrer Briefe, „als ihre — wenn man sich hineinliest: filigran- fühlige — 3nterpunktion. die sich ein besonderes Zeichen, den verschieden langen wagerechten Strich, erfindet und mit diesem, sowie mit dem Komma, auf eine ungrammatische Gefühlsweise die bloß wetterlaufende Gedanllichkeit unterscheidet von dem unterbrechend Reuen, das hinzutritt. Aehnlich empfindungsmäßig teilt sie die
nicht über die preußischen hinaus. Die radikale thüringische Schulreform, die vom LA. in den Verhandlungen immer als Vorgang hecvor- aehoben wurde, ist infolge der politischen Umstellung beretts aufgehoben. Dec Schulunterricht beginnt dort im Gymnasium wieder in Sexta mit Latein, ber Plan soll sich nach dem preußischen richten. Auch in Sachsen ist dem Vernehmen nach inzwischen der Vater der radikalen Schulreform aus dem Kultusministeri-um ausgeschifft worden, so daß auch dort eine Rückkehr zur Einsicht in nächster Zeit zu erwarten ist.
Deutschlands Reparationsleistungen.
Die Repko hat eine Stattstik über die Leistungen Deutschlands vom Waffenstillstand bis zum 31. Dezember 1923 und die Verteilung unter die alliierten Länder veröffentlicht. Dach dieser Statisttk hat Deutschland Leistungen im Betrage von 8 411 339 000 Goldmark ausgeführt. Diese Summe setzt sich nach der Stattsttk tobe folgt zusammen:
BarzahlungLN 1 903 544 G.M,
Sach liefernngsn 3 420 190 000 G.M., zedierte Werte 368 512 000 G.M., tm ganzen 5 692 246 000 G.M.
Hierzu kommen Leistungen, deren Abschätzung noch in der Schwebe ist. oder die noch nicht tierteilt wurden, im Gesamtbeträge von 2 719 093 000 G.-M. Diese Summe setzt sich zusammen aus dem Ertrag des abgelieferten Kriegsmaterials mitl 462000 G.M. und aus den abgelieferten Handelsschiffen, U-Booten usw. tm Betrage von 532 237 000 G.M. Außerdem berechnet die Repa- rativnskommission die abgetretenen Saargruben, sowie den ehemaligen deutschen Staatsbesitz in Danzig und Polen mit 2 185 394 000 G.M.
Der Vergleich zwischen dem Reparations- konto bis zum 31. Dezember 1922 und dem gleichen Konto bis zum 31. Dezember 1923 ergibt für das letzte Jahr eine deutsche Leistung von 507 989 000, von denen 45 509 000 Barzahlungen und 462 480000 Sachlieferungen barstellen.
Die Verteilung unter die alliierten Mächte stellt sich für die deutschen Reparationsleistungen im Jahre 1923 wie folgt:
Frankreich 13 389 000,
Belgien 12 760 000,
England 168 358 000,
Italien 155 138 000,
Serbien 111 815 000,
Rumänien 23 770 000,
Tschechoslowakei 1963 000, Griechenland 9 551 000, Polen 415 000, Portugal 10 440 000, Japan 390 000.
Gegenüber ber letzten, bis 1923 reichenden Abrechnung ber Repko, die die Gesamtsumme ber deutschen Leistungen In Höhe von 8,2 Milliarden Ewldmark auswies, ist in ber jetzt veröffentlichten Abrechnung keine wesentliche Aenbe- r u n g in der Bewertung ber Reparationsleistungen etngetreten. Doch immer sind große Posten nicht abgeschätzt toorben, andere, wie a. D. die Handelsflotte, die Saar gruben usw., sind mit den bekannt an, notorisch viel zu niedrig veranschlagten Werten eingefebt. Dach sorgfältiger deutscher Berechnung haben die gutschriftfähigen Reparationsleistungen beretts zum 31. Dezember 1922 die ungeheuere Summe von 41,6 Milliarden Goldmarl erreicht. Hrnzucurechnen sind noch die 14,3 Milliarden betragenden, nicht auf Repa- rattonskonto anrechnungsfahigen deutschen Leistungen, so daß Deutschland auf Grund des Versailler Vertrages bis A'fang 1923 ßeiftu nge n imWerte vvn 5 5 9 Milliardenbewerk- stelligt hat, also das Sechseinhalbfache der von der Repko bis Ende 1923 gutgeschriebenen Leistungen. Wenn sich Frankreich übrigens unausgesetzt darüber beklagt, daß es so wenig von Deutschland erhalte, so sollte es sich daran erinnern, daß bis Ende 1923 die Des atzungs- truppen am Rhein allein über fünf Milliarden Goldmark von den deutschen RevarationS- leistungen verschlungen haben. Man sollte ferner nicht außer Acht lassen, daß an der Verteilung der deutschen Ceiftungen nicht mehr und nicht weniger als 27 Staaten beteiligt sind. Daß Fraickreich 1923 nach den Angaben der Repko nur 13,4 Millionen Goldmark zugeteilt erhielt gegenüber 155,1 Millionen an Italien und 111,8 Millionen an Jugoslawien, ist keine von Deutschland zu vertretende Angelegenhett.
zusammengesetzten Wörter unb läßt die von ihr gefühlten Fremdwörter ihrer Lebenssphäre noch in Fremdschrift stehen." So ist sie Bismarck durchs ein sturmreiches langes Leben der beste Freund, der hingehendste Kamerad gewesen, und das dankesschwere Wort ist im tiefsten wahr, das Bismarck einmal aussprach: „Sie ahnen nicht, was diese Frau aus mir gemacht hatl"
Chinesische Krabben in der Elbe.
Ein naturgeschichtliches Rätsel, dessen einwandfreie Lösung noch nicht gelungen ist, wird ber Forschung dadurch aufgegeben, daß einige Finkenwärder Fischer in der Unterelbe Krabben gefunden haben, die sich als Angehörige einer aus chinesischen Gewässern bekannten Form her- aüsstellten. Es wurden im ganzen 12 Tiere gefunden, von denen 6 genauer beobachtet werden konnten. Vorher war schon eine solche Krabbe im Juli 1922 an einer anderen Stelle von Fischern erbeutet worden, und man muh annehmen, daß diese Fremdlinge aus dem Reich der Mitte an verschiedenen Orten des Stromes in größerer Zahl eingeschleppt sind. Die Kvabbenart findet sich in chinesischen Gewässern, auch tm Brack- unb Süßwafser; in Japan steigen die Tiere sogar in die Bergslüsse hinauf, heißen hier geradezu „Bergkrabben" unb werden häufig auf dem Trocknen beobachtet. Daß sie sich lange Zeit außerhalb des Wassers lebendig erhalten, geht daraus hervor, daß die eingelieferten Tiere 5 bis 6 Tag« auf den Fahrzeugen ohne Wasser lebten. Zweifellos ist der Schiffsverkehr der Vermittler gewesen, ber die Krabben pach der Elbe brachte. Solche Verschleppungen kommen ja überaus häufig vor und find bei vielen Insekten bevb-
Die Werkschule der Meguinwerke-Butzbach.
In wenigen Tagen geht das erste Jahr be8 Bestehens der Werkschule der Meguin' 21. 0. z u Butzbach zu Ende. Im Januar 1923 von dem hessischen Canbedamt für das Bildungs- Wesen genehmigt, wurde das Institut nach dem Dienstantritt des Schulleiters am 17. April 1 92 3 mit 90 Schülern in fünf Klassen eröffnet. Die Direktion ber Meguin-A. G. hatte inzwischen einer bedeutenden Erweiterung des ursprünglichen Planes für die Lehrlingsausbildung ihres Werkes zugestimmt. Deben drei Klassen für die Werkstattlehrlinge wurden noch zwei für die im Werk befindlichen kaufmännischen Lehrlinge und Lehrmädchen eingerichtet. Vorgesehen sind ferner noch Abteilungen für die jugendlichen Hilfsarbeiter, deren Einrichtung aber wegen Raummangel noch nicht erfolgen tonnte.
Gleichzeitig mit der Gründung ihrer Wert- schule ging die Firma dazu über, für die Wert- flattlehrlinge die vierjährige Lehrzeit einzuführen. Dafür kommen die jungen Leute ein bis anderthalb Jahre in die Lehrwerkstatt und erhalten im vierten Lehrjahre je nach ihren Leistungen angemessene Stücklöhne.
Im Lause des Jahres 1923 nahm die Schüler- zahl der Werkschule ständig zu, die Frettag'sche Fabrik wurde von den Meguin-Werken angefaaft und ihre Lehrlinge in die Werkschule ausgenommen, ebenso die Lehrlinge der „Vereinigten Werke für Dahnmaterial in Oberkleen".
Im Januar 1924 nahmen am Unterricht teil: 109 Werkstattlehrlinge, 10 technische Lehrlrnge, 32 kaufmännische Lehrlinge und Lehrmädchen, ein- geteilt in sieben Klassen mit durchschnittlich 20 bis 25 Lehrlingen. Jede Klasse hat einmal in der Woche Unterricht, und zwar durchgehend von 8 Uhr morgens bis 4.30 Uhr nachmittags, einschließlich der üblichen Pausen.
Der Unterricht wurde bisher hauptamtlich erteilt von dem Werkschulleiter und einem Dolls- schullehrer, nebenamtlich von vier Beamten des Werkes und einem Lehrer der Butzbacher Stadtschule. Jetzt sollen noch zwei hauptamtliche Lehrer angestellt werden, da im Frühjahr d. I. 33 neue Lehrlinge ausgenommen wurden.
Die Ausbildung der Werkstattlehrlinge, sowohl die theoretische in der Werkschule, als auch die praktische in den Werkstätten, erfolgt nach dem vom deutschen Ausschuß für das technische Schulwesen herausgegebenen Lehrplan für den Unterricht der Maschinenbauerlehrlinge. Unterrichtsfächer sind: Deutsch (in den Unter stufen), Fachrechnen, Dürgerkunde, Dattrrlehre (einschl. Mechanik in den Oberstufen), Brrufs- kunde und Zeichnen.
Die technischen Dureaulehrling« werden mit den Werkstattlehrlingen zusammen unterrichtet, nach dem gleichen Lehrplan.
Der Unten ichtsplan der kaufmännischen Lehrlinge und Lehrmädchen ist der der Gießener kausmännischen Berufsschule. Lehrfächer sind: Deutsch, kaufmännisches Rechnen, Dürgerkunde, Handelstunde, Buchführung unb Korrespondenz, Französisch und Stenographie.
Die Mädchen nehmen in den Wintrr- mrnaten teil am Haushaltung-anter- richt in der Butzbacher Stadtschule.
Am Schlüsse eines jeben Schuljahres werben Zeugnisse verteilt, besonders gute Schüler erhalten Prämien.
In den Sommermonaten wird in allen Klassen auch Turnunterricht erteilt, ferner werden Bewegungsspiele geübt. Ein großer freier Platz auf dem Fabrikgelände steht den jungen Leuten hierfür zur Verfügung.
Zweimal im Jahr findet für jede Klasse an ihrem Schultage ein Ausflug oder die Besichtigung einer in der Dähe gelegenen Fabrik statt.
An Lehrmitteln sind in der Werkschule vorhanden: Eine gute Lehrerbibliothek, eine Modell- sammlung, verschiedene physikalische 2lpparate, em Glvboskop und ein Filmapparat.
Die Lernmittel für die Schüler besckafft die Firma, sie werden zum Test ausgelieyen, wie Reißbretter und Schienen, Bücher und Formular- mappen, oder zum halben Preise an die Schüler verkauft, wie Zeichenbogen, Bleistifte, Gummi und Schreibhefte.
Eine reichhaltige Lehrltngsbücherei dient der Belehrung und Unterhaltung der jungen Leute und wird stark benutzt.
Zur Zeit ist die Werkschule im Umbau begriffen. Bei Beginn des Unterrichtes im Sommerhalbjahr 1924 werden zwei Klassenzimmer unb ein Zeichensaal, ein Lehrmittelzimmer, sowie Räume für die Schulleitung und die Lehrer vorhanden fein. Gleichzeitig wird die ebenfalls im Bau begriffene Lehrwerkstatt in Betrieb genommen werden; sie hat Raum für die Unter
achtet. Merkwürdig ist es aber in diesem Fall daß die Ladung der Schiffe, durch die sonst die Verpflan^uig erfolgt, bei diesem chinesischen Krebs nicht in Frage kommen kann. 2luf diesem Gebiet ereignen sich die merkwürdigsten Sachen; so fand man vor einiger Zeit ein Krokodil in der Elbe, was großes Aufsehen erregte. Dieser Fall klärte sich aber ganz einfach auf, denn beim Entladen eines Hagebeck-Transports war eins der Krokodtte in die Elbe gefallen, wo ed eine Zeit- lang munter weiterlebte. Es liehe sich nun ebenfalls denken, daß dieser ziemlich große Krebs vcn einem Matrosen aus Sport oder Spielerei oder zum Verkauf aus China mitgenommen und die Tiere dann kurz vor der Landung über Bord geworfen worden sind. Es wäre aber anzunehmen, daß dieser Seemann sich dann gemeldet hätte, nachdem überall nachgefragt worden war. Die wahrscheinlichste Erllärung besteht wohl darin, daß die Krabben, die man auch sonst an schwimmendem Holz gefunden hat, sich an einen Anwuchs von Muscheln oder sonst an einer Ritze des Schiffskörpers festgeklammert haben und dadurch mitgefuhrt wurden. Da die Tiere, als sie gesunden wurden, vollkommen ausgewachsen waren, ist es wahrscheinlich, daß die Krabben in jugendlichem Zustand eingeschleppt wurden, die weite Reise übers Meer am Schiffsrumpf mlt- machten und, als sie an der Unterelbe In ein ihnen genehmes Brackwasser kamen, sich dort ansiedelten. Jedenfalls besteht die Tatsache, daß diese chinesische Krabbenform in der Elbe vorhanden ist, und sie wird sich dort halten können, da nicht nur die Lebendbedingungen, fonbernf auch die für die Fortpflanzung günstig sind.


