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Aon, als wäre fte Schuld am ftnarutellen Zu­sammenbruch. Es heißt sogar, dah hinter dieser Hetze die damaligen Finanzminister Hermes und Hilsferding standen. Wir haben die Aushebung der Personalabbauverordnung bean­tragt, die bei den Beamten ungeheure Erregung Herdorgerufen hat?

Abg. v. Dallwitz (dtschnatl.) erklärt per­sönlich zu den Ausführungen des Abg. Scheide- marm, er habe gewußt, daß in einer Besprechung beim Reichskanzler Prinzen Max p. Baden der damalige Staatssekretär Scheidemann sich gegen die Heranziehung von 150 000 Riis» tungsarveitern ausgesprochen hat mit der Be­gründung, die Leute verdienten gut und hätten keine Aeigung, an die Front zugehen.

Abg. Scheidemann (Soz.) beruft sich dem­gegenüber auf die amtlichen Dokumente aus dem Zkrhre 1918.

Um 7 Uhr wird die Weiterberatung auf Dienstag 2 Uhr vertagt.

Vor her Reichstagsauslösung.

Berlin, 10. März. (WTD.) Wie wir hören, hatte der Reichskanzler heute nachmittag nach Schluß der Plenarsitzung des Reichstags eine Besprechung mit den Führern der vier Regierungsparteien. Dsabei ergab sich, bah das Kabinett und sämtliche Regierungsparteien völlig einig sind darüber, daß die Auslösung deS Reichstags noch diese Woche erfolgen muß, ferner darüber, daß ein möglich st früher Wahl - termin in Aussicht zu nehmen sei, wobei jedoch Rücksicht darauf genommen werden müsse, daß die Wahlen im besetzten Ge­biet längere Zeit zur Vorbereitung bean­spruchen. Vermutlich werden die RegierungS-- Parteien nach Erledigung deS RotetarS und deS GolddiSkvntbankgesetzeS bei Beginn der Beratung der deutschnationalen und sozial­demokratischen Anträge auf Aufhebung bzw Abänderung einiger Rotverordnungen den Aebergang zur Tagesordnung be- autragen. Dieser Antrag würde a b g e l« h n t werden und die Regierung würde dann zur Auflösung deS HauseS schreiten. ES ist demnach wahrscheinlich, daß der Reichstag am Donnerstag seine Tagung beschließen wird. Die Formulierung des Antrages der Koalittonsparteien steht noch nicht fest. ES wird zur Zeit darüber beraten. In parlamen­tarischen Kreisen verlautet, daß der Wahl- termin auf den 11. Mai fallen wird.

Die Pfalz vor neuen Gefahren.

Ludwigshafen, 10. März. (WB.) Rach den neuesten Informationen beabsichtigen die Kunz-Leute in Ludwigshafen in allernächster Zeit wieder loszuschlagen und sich in den Besitz der öffentlichen Macht sehen. Diese neue Gc- fahr wird von den zuständigen Stellen als sehr ernst betrachtet. Die von dec Rhernlandkom- Mission zur Prüfung der pfälzischen Frage abge- sandte Svnderkommissivn ist wieder tn Speher eingetroffen. Der obengenannte Er­werbslose und Separatistenführer K u n z auS Ludwigshafen, von dem die ErwerbSIvseirunruhen in Pirmasens und die neuerlichen Streilunruhen tn Ludwigshafen mit inszeniert worden sind, ist non internierter Seite beauftragt worden, daS gescheiterte Separatistemmternehmeu in Der Pfalz in der Form einerrheinischen Ar­beiterpartei" neu aufzuziehen.

Da^ Bureau der neuen Partei befindet sich in Späher. Ein längere- vertrauliches Rund- s ch r e i b e n an die Mitglieder gibt Aufschluß über die wahren Ziele dieser neu zu orün- henden Partei. In dem Rundschreibens hriht es U. a.: Rach der durch höhere Gewalt infolge der politischen Verhältnisse erfolgten Liquidation der Pfalz- und Rheinauivnomie wurde wunschgemäß (??) aufgrund der neugeschaffenen Lage die Gründung ber neuen Partei vollzogen. Dem Wunsche aller derjenigen, die an der bis­herigen Bewegung (lies Separatistenbewegung I) passiven oder aktiven Anteil gehabt habe.r, wird Rechnung getragen. Da das Rheinland im Mittel­punkt des weltpolitischen Geschehens steht und es von der Aktivität der rheinischen Arbeiterschaft ab­hängt, ob in längerer oder kürzerer Zeit sich die Arbeiter von West- und Mitteleuropa die Hand reichen werden, um den immer brutaler auf­tretenden preußischen Generalsstiefel vom Erd­boden verschwinden zu lassen,

gilt eS jetzt, den Hebel anzusetzen.

Den Mitgliedern wird Rechtsschutz in politischen Angelegenheiten ohne weiteres gewährt. Die Zen­tralleitung setzt sich bezeichnenderweise aus Per­sonen zusammen, die aus dem separatistischen Unternehmen bekannt sind. Kennzeichnend ist auch, daß ein Pressefonds und ein eigenes Parteiorgan gegründet werden sollen. Es kann heute schon als feststehend betrachtet werden, daß die Gelder für diese Einrichtungen der neuen Organisation nur aus französischer Quelle stammen können, da Kunz und seine Anhänger nur von Arbeitslosenunterstützung leben und Kunz ferner bei der französischen Pro- vinzdelegation in Speyer ein- und ausgeht.

Die Rot der Studentenschaft.

D a r m st a d t, 10. März. (Priv.-Tel.) Der Abg. Dr. Werner hat dem Landtag einen Antrag vorgelegt, in dem er ersucht, dah feder' ausländische Student, deutschbürtige aus­genommen, bie Selbstkosten des Staates durch eine entsprechende Sondergebühr für feine Person aufbringt. Ec beantragt werter, dah bei dem Raummangel in manchen Instituten und der Wohnungsnot in den beiden Hochschulstätten Gießen und Darmstadt in Zukunft da fite Sorge zu tragen ist, dah Ausländer nur dann ausgenommen werden, wenn sie eine neunüassige, den deutschen neunllassigen Mittelschulen gleichwertige staatlich anerkannte Schule mit dem Reifezeugnis verlassen haben. Der Abgeordnete erneuert weiter seinen früheren Antrag, die hessischen Grenzen gegen die ostj üdis che Zuwanderung zu schlichen. Die seit 1. August 1914 zugewanderten Ostjuden haben bis 1. Juli 1924 das hessische Staatsgebiet zu v e r l a s s e n, die dadurch frei werdenden Woh­nungen sind in erster Linie den aus verlorenen und besetzten Gebieten vertriebenen Deutschen zuzuweisen.

Die Deutsche Dolkspariei beantragt. Der Sonderausschuß möge beschließen, die Regie­

rung zu ersuchen, vor Festsetzung von Bor- lesungs-, Eintrag ungs- und Prü­fungsgebühren für die Studierenden der Landesuniversilät und der Technischen Hochschule für das kommende Semester die gutachtlichen Aeuherungen der Senate und durch diese eine Stellungnahme der Studentenausschüsse bei der Hochschule anzuhören und diese gut­achtlichen Aeußerungen tunlichst zu berück­sichtigen.

Die neuen Gebühren an beiden Hochschulen sind für die meisten Studierenden nur unter großen Entbehrungen erschwinglich. Bei der wohl im allgemeinen bekannten ganz außerordentlichen Rotlage der überwiegenden Mehrheit der Studierenden an den deutschen Hoch­schulen, die sich heute noch aus dem von der wirt­schaftlichen Entwicklung am schwersten getroffenen Mittelstände zusammensetzen, bedeutet jede weitere Belastung die Gefahr des Derschwindens dieser Bevöllerungsschichten von den Hochschulen. Cs würden dann nur die Sohne der Reu- reichen und anderer besonders vermögender Schichten auf die Dauer das Studium ergreife re können. Der Staat hat die Derpflichtung, einer solchen kulturell außerordentlich verhängnisvollen Entwicklung zu begegnen, jedenfalls aoer alles zu unterlassen, was eine solche Entwicklung be­schleunigen konnte.

Frankensturz und Wahlen.

Paris, 11. März. (Wolff.) Wie der «Petit Parisien" berichtet, hat im Lause des geftrigen Kcrbs-iettsrats eine Diskussion über das Datum der kommenden Kammer w a hl en stattgesun­den Verschiedene Möglichkeiten feien erörtert worden, nämlich, ob man die Wahlen früher festsetzen solle, als am 11., 18. ober 25. Mai, oder ob es sich empfehlen würde, die Wahlen auf Oktober 1924 oder auf das Jahr 1925 zu verschieben. Diele letztere Kombination sei mit besonderem Rachdruck von einem Mitglied der Regierung vertreten worden, das dio Offen­sive gegen den franz ösischen Francs besonders darauf zurückführt, daß die Lage kurz vor den Wahlen beeinflußt werden solle. Die Verschiebung der Wahlen würde nach Ansicht dtscS Kabinettsmitgliedes diespekulativen Manöver hinfällig machen.

Zu der neuerlichen Entwertung des Franken schreibt derQKatin": Alle Depeschen, die man aus dem Auslande erhalten habe, seien einig darin, daß

die Bewegung einem Manöver des internatio­nalen Syndikats, das femrn Sitz in Amster­dam habe, zuzuschreiben fei.

Rach einer .Times"-Meldung verkaufe seit zwei Tagen plötz'ich auch R e u h o r k Franken. Diese Manöver fära durch ein mächtiges Syndikat ein­geleitet worden, an dessen Spitze deutsche Großindustrielle ftänben. Dieses Syndikat verfolge Hauptfach ich einen politischen Zweck und sch.ine entschlaf en zu fein, das Unternehmen bis zum Ende durchzusühren, selbst wenn die Operation in vein finanzieller Hinsicht für das Syndikat verhängnisvoll werden solle.

Es wäre interessant, vom .Matrn" die Na­men dieser Groh industriellen" zu erfahren, die über das Schicksal eines ganzen Volkes »u entscheiden vermögen. Die Ursachen des Fran- tensturzes liegen so klar zutage, daß kein ver­nünftiger Mensch an die vom «Matin" behaup­teten geheimnisvollen Manöver glauben wird. Die Gründe sind, wie im übrigen auch aus zahl­reichen Erklärungen französischer und auslän­discher Sachverständiger zu dieser Frage hervor» gebt, darin zu suchen, daß das Inland und das Ausland das Vertrauen zur Pariser Finanzwirtschaft verloren haben und daß Frankreich zu seinem eigenen Schaden fei­nen Hauptschuldner ruiniert hat und Europa unter dem Drucke eines bewaffneten F r i e d e ns hält, der die Wiederkehr des nor­malen wirtschaftlichen Levens verhindert.

Das neue Kabinett Theunis.

Brüssel, 10. März. (WB.) Theunis hat dem König erflärt, er fei bereit, die Bildung des Ka­binetts zu übernehmen Die Kammer werde zum nächsten Dienslag einberufen werden. Rach Dlättermeldungen dürfte sich das Kabinett folgen­dermaßen zusammen,etzen: Vorsitz und Finanzen Theunis, Justiz M a s s o n, Reicheres Paul Hymans, Inneres P o u l l e t, Kunst und Wissenschaft Rolf, Ackerbau R o u z e 11 c, Eisen­bahn Reujean, LandeSvertei igung For° t Homme, Wirtschaftsang.lcgenhci.en Van de Dyvere, Industrie und Arbeit Tschossen, Kolonien C a r t o n.

Die liberalen Fraktionen der Kammer und des Senats haben TheunisihrDertrauen ausgesprochen und ihm ihre Llnterstützung für die Durchführung des Programms zugesichert, da« die internationalen Beziehungen nach dem Programm des vorigen Kabinetts fortgesetzt, die Mißverständnisse auf dem Gebie e der inneren Po­litik beseitigt und im wesentllchen daraus abzielt, das Gleichg wicht des Budgets wiederherzustellen, den Wechselkurs zu verbessern und die Lebens­haltungskosten zu verringern. Die katholi­schen Fraktionen der Kammer und des Senats haben Theunis ebenfalls ihr Vertrauen ausge­sprochen und hoben seinem Kabinett ihre Unter­stützung zugesagt. Die Hauptanstrengung der Re­gierung und des Parlaments dürfte sich vor al­lem auf die Sanierung der finanziel­len und wirtschaftlichen Lage des Lan­des, auf die Herbeiführung der Regelung der R c- parativnSfrage und auf die Besserung deS Frankenkurses richten.

Aus Stadt und Land.

Dießen, ben 11. März 1924.

Borsicht bei der Cinreise in das besetzte Gebiet!

WTD. In der lebten Zeit häufen sich die Fälle, wo französische und belgische Militärge­richte im besetzten Gebiet Deutsche verurteilen, well sie ohne den erforderlichen Geleitschein der Dcsatzungsbehörde in das besetzte Gebiet ein­reisten. Anscheinend nehmen viele Leute im un­besetzten Gebiet irrigerweise an, die Einreise in das besetzte Gebiet sei ohne weiteres gestattet, ihn den Reisenden Ilnan nehmlichkeiten zu erspa­ren, fei daher nochmals darauf aufmerksam ge­macht, daß die Bewohner des unbefehten Deutsch­lands mir dann in das besetzte Gebiet einreisen können, nachdem fte sich von dem DezirtS-

Delcglcr ten der interalliierten Rheinlandkom- mifftor in Speyer, QUaing, Wiesbaden, Trier, Koblenz und Bonn (für die französische Zone), oder in Aachen und Krefeld (für die belgische Zone), vom städtischen Berk b-samt in Köln (für die britische Zone) od.>r voi. dem Divisionsgeneral in Düsseldorf, Essen, SortnuuiiD oder Duisburg (für das Ruhrgebiet) einen Ginreiseschein besorgt haben. Das Gesuch um Erteilung eines Cinreisescheines ist schriftlich an die vorgenannten Stellen zu richten. Dem Gesuch sind beizufügen: Ein deutscher polizeilicher Personalausweis, zwei Lichtbilder und eine Gebühr von fünf Goldmark in Devisen (in Köln drei Mark). Es ist zweck­mäßig, sich bet der Einreichung der Gesuche der Vermittlung eines Geschäftsfreundes, Ver­wandten, einer Handelskammer oder eines Bürgermeisteramts im besetzten Gebiet zu be­dienen.

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Die Preisprilfnngsftelle Oberhessen warnt.

Von der staatlichen Preis- prü fungs stell e für die ober- hessischen Kreise werden wir ge­beten, den solgenben Zeilen Raum zu geben. D. Red.

Die staatliche Preisprüfungsstelle für die oberhessischen Kreise richtet an die Kreise der Kaufmannschaft der Provinz folgende War­nung:

Auf Grund zahlreicher Beschwerden aus den Kreisen der Verbraucher aus allen Teilen der Provinz hat sich die Preisprüfungsstelle Ober- Hessen genötigt gesehen, folgende Feststellungen zu machen.

Der Währungsverfall einer ganzen Reihe von Rachbarstaaten bringt es mit sich, dah aus diesen beträchtliche Mengen Waren, darunter be­sonders Getreide und Mehl, sowie Kolonialwaren aller Ari ausgeführt und in das Gebiet des Reiches eingeführt werden, eine Erscheinung, die durch die feindliche Besatzung eines Teiles des Reichsgebietes noch begünstigt wird. Die hier eingesühiini Produkte zeichnen sich zum Teil durch absolute Minderwertigkeit aus und zwar gilt dies von den eingeführten Mehlen und Kolonialwaren. So weit bis jetzt Feststellungen vvrlirgen, werden besonders Mehle, die teils von ausländischem Getreide herrühren, angeboten, Erzeugnisse, die in ihrer Qualität nicht mehr als normales Markt­gut gelten können und deren Angebot unb Ver­trieb als Rahrungsmittel ohne weiteres unter den Begriff der Vorspiegelung falscher Tatsachen zu fallen hat.

Des weiteren haben die bis jetzt vorliegenden Feststellungen ergeben, daß man seitens des Aus­landes bestrebt ist, Erzeugnisse bestimmter Gat­tungen unter Bezeichnungen hochwertigerer Gat- turg-m desselben Erzeugnisses in den Handel zu bringen. Dies gilt beispielsweise besonders von Weizenmehl, Bruchreis. Zimt usw Wie fest- gestellt ist, wird ein Mehl, das teiltoei e nicht mehr als W.tzenbrotinehl angespvoche'n werden kann, als reines Weizenmehl oder Weizenblütenmehl In den Haube! gebracht. Oft sogar liegt hier nicht einmal reines Weizenmehl, sondern Misch­mehl (Weizen, Mais usw.) vor. Ebenso werden gemahlene Zimtrückstände und namentlich Bruch- ztmt als feinster gemahlener Zimt in den Handel gebracht und schließlich wird mit dem Begriff Eehlvnzimt" häufig in unlauterer Weise ver­fahren. Da für diese minderwertigen Erzeugnisse häufig dieselben Preise berechnet werden, wie sie für erstklassige inländische Erzeugnisse notiert und berechnet werden, so liegt hier nicht allein eine offensichtliche, bewußte Täuschung, sondern auch, ein grober Verstoß gegen die Verordnung über Wucher und Preistreiberei vom 13. Juli 1923 vor.

Die Preisprüfungsstelle Oberhessen Hai daS Vertrauen zu der reellen Kaufmannschaft der Provinz, daß sie sich diesen unlauteren, von außen in das Gebiet der Provinz hineingetragenen Machenschaften gegenüber ablehnend verhält und warnt die Kaufmannschaft, solche Angebote an­zunehmen. Sie bittet m allen den Fällen, in denen solche Angebote gemacht werden, um kurze Benachrichtigung der staatlichen Preisprüfungs­stelle Oberhessen, Gießen, Bismarckstrahe 14 Telefon 196, damit diese auf Grund der ge­nannten Verordnung einschreiten kann.

Schließlich wird die verbrauchende Bevölke­rung gebeten, in allen den Fällen, in denen ein Verdacht vorltegt, daß unreelle Waren ge­liefert werden, die zuständige Kreis- und städtische Preisprüfungsstelle, oder aber die ftaatL Preis- Prüfungsstelle in Gießen zu benachrichtigen, da­mit eine entsprechende Nachprüfung der Verhält­nisse Platz greifen kann.

Die Preisprüfungsstelle Oberhessen wird binnen kurzem in allen Gebieten der Provinz durch ihre Vertrauensleute^ und Revisoren ein­gehende Rachprüfung der Lagerbestände durch- füheen und in allen den Fällen, in denen Heber- tretungen ähnlicher Art vor liegen, das Ein­schreiten der Wuchergerichte veranlassen.

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Gießener Wochenmarktpreise am 11. März. (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 2,20, Käse 10 Stück 0,70, Eier 0,13 bis 0,14, Wirsing Pfd. 0,45, Weißkraut Pfd. 0,35, Rotkraut Pfd. 0,45, Gelbe Ruben Pfd. 0,25, Rote Rüben Pfd. 0,30, Blumenkohl Stück 22,50. Endivien,2.00, älnter-Kvhlrabi Pfd 0,08, Grün­kohl Pfd. 0,40, Tomaten Pfd. 1.50, Zwiebeln Pfd. 0,25, Lauch Stück 0,40, Meerrettich Pfd. 11.20, Sellerie Stück Q,701.00, Aepfcl Pfd. 0,250,30, junge Hahnen Pfd. 1 Mk.

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< Ein neuer Personenzug zwi­schen Wetzlar und Gießen verkehrt von mergen ab. Er fährt in Wetzlar 6 17 Uhr abends ab und trifft um 6,36 Uhr in Gießen ein.

Der Landeslehrerverein hält am 7. April in Darmstadt seine diesjährige Ver- treterversainmlung ab.

RDD. Gepäckaufbewahrung auf kleinen Da hnhöfen. Im allgemeinen gibt es eine Amtliche Aufbewahrung von Hand­gepäck" (gegen eine Gebühr von 20 Pf. für das Stück und den Tag) nur auf großen und mitt­leren Stationen Qetjt regt das Reichsverkehrs­ministerium an, diese Aufbewahrung auch auf Heinere Bahnhöfe auszu Zehnen und verweist dabei auf das Beispiel der Reichsbahndirektion Erfurt, der es gelungen ist, die amtliche Gepäckaufbe­wahrung überall, auch auf den Heinftcn Abferti­gungsstellen, ohne weenttiche Kosten einzufübren. ..Jedenfalls kann es nicht mehr geduldet werden," so heißt es in dem Erlaß,daß vollbczahllem Eisenbahnpersonal die Einnahmen aus der Ge­

päckaufbewahrung zum Rachteil der Eisenbahn- Verwaltung ohne Gegenleistung überlassen blei­ben." Denn es hatte sich vielfach eingebürgert, dah Bedienstete die GepäckstückeauS Gefällig­keit" gegen eine kleine Entschädigung aufbe­wahrten.

** Von den hiesigen Schulgruppen des Vereins für das Deutschtum im Ausland wird uns mitgeteilt: Samstag vor­mittag hielt der Vorsitzende des Landesverbandes Hessen-Rassau der V. D. A Dr. B e 11 aus Kassel, in der Universitätsaula drei Vorträge vor 3000 Schülern und Schülerinnen der hiesigen höheren Schulen und Volksschulen. Gr sprach Über das Deutschtum im Banat und m Sieben­bürgen. Der Vortragende, der im vorigen Som­mer 600 hessische Kinder zu zweimonatlichem Ferienaufenthalt in den genannten Ländern ge­leitet hat, führte an Hand ausgezeichneter Licht­bilder seine Zuhörer durch das herrliche Donau­tal über Wien und Budapest za den alten deutschen Siedlungen in Südosteuropa, ins Banat, nach Hermannstadt, Kronstadt und schließlich in die Karpathen hinein. In zu Herzen gehenden, der jeweiligen Altersstufe angepahten, Ausführungen weckte er die Tellnahme für das Schicksal dev deutschen Brüder in der Fremde, so daß wohl für alle, die die Aula füllten, der Vortrag zum Erlebnis wurde. Alle fühlten mit dem Redner, dah das deutsche Volk an einer Schicksalswende steht, dah über die engeren Grenzen des deut­schen Staates hinaus die große Kulturgemein­schaft des deutschen Hundertmillionen Volkes aus Rot und Riedergang heraus im Entstehen be­griffen ist. Um diesen Volksgedanken verwirk­lichen zu helfen, werden im Juli und August d. I. wiederum 6 800 hessische Kinder die Gastfreundschaft der Siebenbürger und Banater Den t schen geniesen. Diesmal sollen auch Gießener Kinder an der Reise tpil- nehmen. Als Gastgeschenk werden sie deutsche Bücher, keine Schulbücher, sondern beste deutsche Literatur, mitbringen. Schon jetzt ergeht deshalb die Ditte an die Einwohnerschaft Gießens, die Familienbibliotheken nachzusehen und entbehrliche Bücher, soweit sie in gutem Zustande sind, für den guten Zweck zu stiften. Roheres wird noch durch die Schulen bekanntgegeben.

** I n einer Landfieblungsver- f a m m I u ng, die am Sonntag nachmittag im Katholischen Dereinshaus stattfand, beschäftigte sich der Redner, Iustizinspektor Walther- Düdingen, mit der Losung der Kleingartenbau- und Heimstättenfrage durch das hessische Land- gesetz. Obwohl mehrere Vereinigungen, wie Arbeitsgemeinschaft für Siedlungswesen, Dund deutscher Dodenreforrner, Obst- und Gartenbau­verein, Raturheilverein und Mieterverein zu dem Vortrag eingeladen hatten, war der Besuch nuv gering. Der Redner will in fernen Ausführungen über die wichtige SiÄ>lungsfrage auf klären und neue Hoffnungen ins Volk tragen. Die Wunden des Krieges sollte man in agrar-politischer Hin­sicht zu heilen suchen, ähnlich wie es Friedrich der Große und Stein nach den großen Kriegen in Preußen getan hätten. Eine innere Kolonisa­tion müsse stattfinden, was auch tn dem Reichs- siedlungsgesetz von August 1919 betont werde. Mehr oder weniger müsse man zum Agrar» float zurückkehren, da diele Industriegebiete ver­loren gegangen seien. Der Bodenertrag sei zu steigern. Der Ruf nach Land sei groß infolge der Ernähiungsschwicrigteiien, Kriegsbeschädigte müh­ten angesiedelt werden, Industriearbeiter ver­langten Land, und die Kleinbauern mühten auf ihr eignes Ackerbrot gesetzt werden. Jeder Ar­beiter und Beamte sollte soviel Land haben, dah er mit dessen Bearbeitung die freie Zeit ausfüllen könne. Deutschland habe genügend Boden, um dies auszuführen. Das Siedlungswesen sei mit Snt- eignungsrecht versehen. Als erster Bundesstaat lieh Hessen im Rovember 1919 das Landgesetz erscheinen. Dieses Gesetz hat drei Ausgaben, der wirtschaftlich Schwache soll lebensfähig werden, es soll der Seßhaftmachung und einer gesunden Lebenshaltung dienen und bei Feldbereinigungen und Meliorationen will es die Siedlung bedacht wissen. Siedlungsland bleibt immer Siedlungs- land, der Staat behält das Wiederkaufsrecht. Der Reichsregierung wurde bereits 1920 ein Gesetz gegen die Bodenspekulation vorgelegt, leider ist aber noch nichts ^darüber beschlossen worden. Redner kam dann auf die heutigen hohen Pacht- und Kaufpreise zu sprechen, die oft bis zum Zehn­fachen des Friedenspreises gingen. Das führe zu einer Verteuerung der Lebensmittelpreise und sei eine schwere Gefahr für die Zukunft. Es fei ehr neues Bodenrecht zu fordern, damit die Speku­lation nicht unverdiente Gewinne einstecke. Daß die Siedlung möglich sei, zeige ein Fall im Kreise Büdingen. Dori wurde im Jahre 1922 ein Guts Hof besiedelt, der Morgen wurde zu 2000 Akk. ab­gegeben und der Pächter übernahm den Rest nebst den Hofgebäuden füx 300 000 Mk. Aehnlich seien im Kreise Dieburg Kleingarten-Siedlungen entstanden. An den Vortrag schloh sich eine rege Aussprache, in der auch die Giehener Fragen über Eigenheimgründung, Kleingartenbau, Woh­nungsbau usw. erörtert wurden.

* Ei n packendes Filmschaufpiel läuft zur Zeit unter dem Titel «Das alle Gesetz" im Lichtspielhaus, Dahnhofstrahe. Zwei Welteii stohen da hart aufeinander; auf der einen Seite der in der ftrengftcn Glaubensform, unbeirrt von aller geistigen 'Weitereitewicklung der Welt dahin­lebende ostgalizischr Rabbi, auf der anderen Seite der Sohn des Rabbi, den es trotz aller Glaubens- strenge mit übergroßer Macht zum Theater zieht und dem durch die Liebe einer jungen habs­burgischen Eizherzoain (Henny Porten) der Weg zum Wiener Burgtheater geebnet wird, coo er es zur grohen Berühmtheit bringt. Aus diesen Gegensätzen ist mit starker dramatischer Steigerung ein eindrucksvolles Schauspiel geformt worden. Die glänzende Darstellung und Die treffsichere Szenerie in allen Bildern geben diesem F.lm daS Gepräge eines ganz besonderen Ereignisses der Kinvkimst. Der Film, der von dem Orchester des Lichtspielhauses musikalisch ausg^e.chnet um­rahmt wird, kann auch dem verwöhnten Kino­besucher einen wertvollen Abend bereiten.

Bornotircn.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 7 älhr «Das Krokodll". Deutscher Beamtenbund: 8 Llhr im Kath. Dereinshaus Mit­gliederversammlung für säm liche Fachgruppen. Lichtspielhaus, Dahnhofstrahe: «Das alte Gesetz".

Literarische Gesellschaft. Man schreibt uns: Die Literarische Gesellschaft hat sich' das Ziel gesteckt, unseren Mitbürgern die Kennte nis des Entwicklungsgangs unseres Schrifttums unter Dorführung der wichtigsten Persönlichkeiten der Kunstwerke zu vermittln. Wenn sie ihre Ausgabe erfüllen soll, niuß sie am die Unter­stützung aller Kreise bitten. Dr. Erich Drach.