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oetriebe«. 3&te Abcechonmg erfolgt tn Köln. 'Big der Personen Zugverkehr DürenAachen von der Qiogie durchackährr werden kann, hallen die internationalen D-3üge noch in Buer, um die Beisenden aus dem Dürener Bezirk aufnehmen 3u können. Die Reichsbahndirektion Köln ist mit allen Kräften bestrebt, in erster Linie auf der fo wichtigen Strecke KölnDüsseldorf den Durch­gangsverkehr in Dang zu bringen.

Die thüringischen Landtags­wahlen.

Erfurt, 10. Febr (WTB.) Die heutigen Dahlen zum thüringischen Landtag haben trotz der lebhaften Wahlpi-vpaganda des OrdnungS- bundes und der sozialdemokratischen Parteien einen ruhigen Verlauf genommen. Bur in dec Stadt Hamburg a. Saale ist es zu einem klei­neren Zusammen,Wh gekommen. Trrh des vom Militäibcfehlshabec erlassenen Berbvts des Aus- schanks start alkoholischer Setranke kam es hier zu einem Streit zwischen e'nrm deutschvölkischen und einem sozialistischen Wähler, der m i t B i e r- gläsernausgefochten wurde unb einen Tu­mult im Wahllokal herbeifuhrte. Aach vorliegen­den Meldungen auS Weimar, Eisenach, Apolda, Gotha, Jena, Arnstadt, Meininger, Gera usw. war die Wahlbeteiligung überall sehr groß.

Vie wird in einzelnen Wahlbezirken zwischen 80 und 90, teilweise sogar bis zu 95 Prozent ge­schätzt Ein Bild über die Verteilung der Stim­men läßt sich noch nicht geben, ta die Berichte nur verhältnismäßig spärlich eingeh n 3n den große- ..en Städten wie Weimar, Arn ladt, Gera, Ru- d-vlstadt und Gotha ist mit einer bürgerlichen Mehrheit zu rechnen, wahrend in Meiningen und Srndrrshauscn eine bürgerliche Meh.heit be­reite gesichert erscheint. 3n Altenburg und Saal* jeld scheinen die Stimmen rechts und links ziem­lich gleichmäßig verteilt. 3n Ruhla bleibt die kommuni st ischeMehrheit bestehen.

Bürgerliche Mehrheit in Lübeck.

Lübeck, 10. Febr. (WTB.) Bei den heu­tigen Bürgerschaft-Wahlen wurden folgende Stim­men abgegeben: Kommunisten 8896, Sozialdemo­kraten 25 236, Haus- und Grundbesitzer 7871, Demokraten 6556, Wirtschastsgemei nschast

iDculschnationale. Deutschs Dolkspartei, _ Zen­trum und Bürgerbund) 19 506, Deutschvölkische 5402. Es erhalten demnach die K o m m u n i st e n 10, die Sozi aldemok raten 28, H au S- u n b Grundbesitzer 8, Demokraten 7, Wir- c^aftsgemeinschaft 21 Deutsch- v ö lktsche n 6 Si e Während sich die Bürger- schatt droher aus 45 Sozialdemokraten und Kom­munisten und 35 bürgerlichen Abgeordneten zu- sammensehte, stehen nunmehr 38 Abgeordneten Lei Linken 42 Bürgerliche gegenüber.

Tardieu zu den Enthüllungen Lloyd Georoes.

Paris, 10 Febr. (Wolff.) Tardieu hat amerikanischen Dl'ittern cm- SrNärung zugestellt, die sich aus die angeblichen Enthüllungen Lloyd Georges bezieht. Aach Feststellung der Grngnisse, mic sle sich nach der offiziösen Auslassung t»n französischer Seite vollzogen haben sollen, be­richtet Tardieu: Dadurch, daß Lloyd George die vollständig korrekten loyalen Derhrndlungen mit Wilson und (Sternenceau als Geheimvertrag hinstellte, hat er sich in eine schlechte Lage gebracht Aber da er die Debatte wieder eröffnet hat, und sich mit Unrecht über da« Vorgehen ferner Kol- s'geN beschverte, habe ich die Pflicht, daran zu erinnern, daß

b<k einzig inkorrekte Derhalien in dieser An- gOegenßeit von dem englischen Premier­minister begangen

wurde, als er vierzehn Tage nach Uebrrreichung her Fried'nsbsdingungcm an Graf Drockdorff- Rantzau alles wieder in Frage zu stel- l en vrriucht-', was er zto.'i Wochen vorher hin- sich'lich der Bes'hung der Rhrinlande. der Repa­rationen, der Grenzen Polens usw. unter­zeichnet hatt-. 3n di ser Zrit vom 25. Mar biS 16 Juni 1919 versucht? Lloyd George eins grundlegende Revision des Frie­den-, den er nam nJ f ines Lande? unter eichnet hatte, zu erziel m. Während dieser tragischen Periode mußte Clcmenceau mit feiner De­mission drohen, unser Parlament sich mit dem Wortbruch Lloyd Georges befassen. Während dieser Periode hat Wilson, der von Setten Lloyd George einem gewaltsamen Drucke aus- gescht war, eines Tages dadurch einer Unter- rebung ein Ende bereitet, daß er seinem bri­tischen K liegen erklärt: Pou make me sick (Sie machen mich krank). Sbli.chlich blieb der Vertrag mit Ausnahme der Frage der Volksabstimmung in Oberichlr'isn in Kraft. Aber Elemenceau hat dieses Resultat trotz Lloyd George erzielt.

Der falsche McssiaS.

Rom, 9. Fbr. (Wolfs.) Der frühere Mi­nisterpräsident Orlando bestätigt in einer Unterredung mit einem Vertreter des .Giornale d'3talia". daß Wilson und Elemenceau, tt-ic in Konferenzkr-eisen allgemein bekannt gea>efen sei, zwar nicht einen Vertrag, wohl aber ein Ab. kommen über die Besetzung der Rheialande abgeschlossen hatten. Gr. Orlando, habe keinen Anteil daran gehabt. Das Blatt bemerkt dazu. Wilson, der neue Messias und Mo'es, sei so allen seinen 14 Punkten untreu geworden, in­dem er Deutsche an die Tschechen und Polen ver­schacherte und den Franzosen den Anzug In« Rheinland bewilligte, obwohl sie schon damals die Absicht gehabt hätten, dort zu bleiben.

Das polnische Militärpflichtgesetz angenommen.

Warschau. 9. Febr. (W D.) Der polnische Sejm des.ih c sich mit der Vor Inge über die all­gemeine Mili Srpflicht. Abg Dlniezkiewicz stellte den Antrag, brß im Sinne des BchchlusseS des g'seb. geben den Seim von 1920. nach dem die Dewnbner der Wojwedschif Oberschlesiens auf ach'. Jahre von der Militärdienstpflicht be­freit sind, bisher nur diefenigen Oberschlesrer in das Heer cintre'en sollen, bte sich freiwillig hierzu b*rett erklärten . Abg. Korfan ty er­klärte. daß alle ernsthaften Organisationen der polnischen fügend Obersch e iens den Wunsch äuberten, man möge sie hiniich'lich der Milrtär- dreirftpflicht den übrigen Polen gleichstel- I c n. 3n der Abstimmung wurde der Antrag Di- niezkiewicz abgelebn t und die Vorlage in drit­ter Lesung unter Drifallsbezeugungen und Hoch­rufen auf die Armee angenommen-

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 11. Februar 1924.

Gießener Wochenmarktpreise

am 9. Februar 1924

Ss kosteten: Butter lch0 biS 1.60 Ml. Matte 0,15, Käse 0,60 bis 0,70 das Pfund Gier 0.15 bis 0,18 das Stück. Wirsrng 0,30, Weißkraut 0,15 bis 0,30, Rotkraut 0,40, gelb? Rüben 0,25. rote Rüben 0.30 das Pfund, Blumenkohl 0.50 bis 1,00 das Stück, Salat 0,35 ein Kopf. Gndrvien 0 80 bis lch0, älnter-Kohlrabi 0,05 bis 0.08. Grünkohl 0,30. Rosenkohl 0,80 bis 1,00. Feldsalat 2.00, Zwiebeln 0,20 brs 0,30 das Pfund. Lauch 0,10 bis 0,30 das Stück, Meerrettich 0.40 bis 1.00 daS Pfund, Sellerie 0,10 brs 0,60 das S ück Schwarz­wurzeln 0,60 bis 0,80 das Piuid. Arpfel 0.15 brs 0,30, Dörrobst 0,30 das Ptund, junge Hahnen 1,00, Ganse 0.70, Aüsse 0,90, Fische 0,25 brs 0,35 Mk. das Piund.

** Der Winter hat gestern vormittag mit einem ziemlich erheblichen Schneefall seine Herr­schaft bet uns wieder geltend gemacht. Dir Tem­peratur ist gl.lchfalls etwas zurückgegangen, ohne aber doch allzu unangenehm zu werden. Daß durch die neue Wetterlage die Hoffnungen auf eine nochmalige schöne Wintersportzeit bet vielen Mitbürgern wieder gefliegen finb, versteht sich von selbst. Hoffentlich kommen aber auch die Hausfrauen mit den knappen Brennstoffmengen nicht noch einmal in Dedrängnrs.

'* Personalabbau und Schwerbc- schädigtenversorgung. WTB. meldet: Es ist das Gerücht verbreitet worden, daß das Schwei beschädig engesetz infolge der Bestimmun­gen der Personalabbauverordnung seine Gültig­keit für die Behörden verloren habe. Dieses Ge­rücht ist unrich ig. 3m Gegenteil ist den Behörden ausdrücklich zur Pflicht gnnacht. bei der Durch­führung des Personalabbaus die Bestimmungen des Schwerbeschäl: ig engesehes genau zu beobach­ten. Alle Behörden sind nach wie vor ver­pflichtet, dm vvrgeschriebenen Hundertsatz von Schwerbeschädigten unter ihrem je­weiligen Personalbestände zu beschäftigen. Eine Entlastung kann nur bei Schwerbeschädigten in Frage kommen, die über die gesetzlichen Ver­pflichtungen hinaus eingestellt worden sind. aber auch auf solche Schwerbeschädigte ist weitge­hend Rücksicht zu nehmen. 3hre Entlassung «ist erst in letzter Lime und nur auszusprechen, wenn die Aotwendigkeit des Abbaus es dringend erfordert.

Die Unterbringung der Ausge­wiesenen. Die auS dem besetzten Gebiet aus- gewiesenen deutschen Aeichsangehörigen sind nach der ausdrücklichen Vorschrift des Aotgesetzes vom 24. Februar 1923 vor allen anderen Wohnungs­suchenden unterzubringen. Der Reichsarbeitsmini­ster bar vor kurzem in einem Rundschreiben an die beteiligten LandesbeHörden ersucht, die Ge­meinden auf diese Vorschrift erneut aufmerksam zu machen und dafür Sorge zu tragen, daß den Ausgev. iesenrn, vor allem au£ bei der Rückkehr in ihren früheren Wohnort, mit größter Be­schleunigung ein Unterkommen verschafft cr-ird. Die bevorzugte Unterbringung der Ausgewiese­nen. die im vaterländischen 3ntereffe Aachteile auf sich genommen haben, ist eine besonders wich­tige Pflicht der Gemeinden.

** Mehrere Duhe'nd Silbergeschirr gestöhlen. 3n der Aacht zum Sonntag wurden auS einer Parterrewohnung mehrere Dutzend silberne Eßlöffel, Teelöffel, Mester, Gabeln, Be­stecke, Serviettenringe auS Silber und Zinn, Kucheichrber, Suppenkelle, teilweise gez. M. R., 3. R., E. G.. F. B. 6. 3. 97, sowie eine weiße Tischdecke (Drell), gez. A. K. 6. ein kleines weißes Deckchen mit aufgenähtem Bändchen und eine doppelgewebte Tischdecke, rot und weih ge­mustert, gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliches nimmt die Kriminalpolizei ent­gegen.

Vornottzcn.

Taaeskalender für Montag. Max-Reger-Gesellschaft: 7Vi Uhr in der Stadt­kirche Max-Rcg<r-Abend. Deutsch-österreichi­scher Alpenverein: 8'/, Uhr im Hörsaal des Geo­logischen Instituts Lichtbilder-Vortrag von Dr. Funk überDas Pflanzcnleben der Alpen". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: »Die Tragödie der Liebe" undSie Dcautfahrt mit Hindernissen". Palast-Lichtspiele: .Der Doxerkönig von Aeu- hvrk".

Die Entstehung de« Ehassidi«- mus. Am Mittwoch, den 13. Februar, abends 8*4 Uhr pünktlich wird im Hörsaal Ar. 44 der Universität im Rahmen der Gießener Theo- l o g e n s ch a f t der Schriftsteller Dr. Martin Duber einen Vortrag üb r.DieEntstehung desEhafsidismus" hallen. (Öiele Anzeige.)

Deutschnationale Volkspartei. Man schreibt unS: Gesteral Graf von der Goltz, der Befreier Finnlands, hat sich freund­licherweise bereit erklärt, im Laufe der nächsten Woche in einigen Städten Hessens zu sprechen. Die Vorträge über die militärischen Unterneh­mungen in Finnland und im weiteren über Deutschlands Gesundung sind überall mit größ­tem Beifall ausgenommen worden. 3n Gießen spricht General von der Goltz am Donners­tag, 14. Febr.. im Katholischen Vereins- Hau«. «Siehe Anzeige in unserer Samslag-Ar.)

Die drahtlose Telegraphie und Telephonie wird Geheimrat Prof. Dr. König am Donnerstag ab mb in einem Vortrag in der Aula der Universität behandeln. Mit dem Vortrag werden praktische Vorsührungen ver­bunden sein. (Siehe Anzeige.)

Landkreis Gießen.

' Reiskirchen, 11. Febr. Set bet gelingen Bürgermeister-Stichwahl wurde ter Landw irt Phil pp Dchomber mit 293 6Immen zum Bürgermeister gewählt. Sein Gegner, der Eiscnbahnarb.iter Karl Ludwig Jünger, erhielt 194 Stimmen.

Qi. Beuern, 8 Febr. DaS meist leer­stehende Landhaus des Zahnarzt«« Dr. Reinewald-Giehen. daS 20 Minuten von unserem Orte entfernt liegt, hatte seit einigen Tagen Bewohner in Gestalt zweier Hand- we r k«b u r sch en, die sich darin häuslich niederließen. TagSüber gingen sie un Ort und den umliegcnbcn Dörfern betteln und am Abend bezogen sie durch das Dachfenster der Villa ihr Quartier. Durch daS Rauchen des Schornstri.iS machten sie sich verdäch.rg, und so erfolgte denn heute die Aushebung der beiden Eindringlinge durch Wachtmeister B ö ch e r -Reiskirchen. Der eine, ein Schloller, konnte im Haufe gleich fest­genommen werden. Der andere, ein Friseur, war morgen« mit vollem Rucksack auf dem Dege nach

be-

Gießen ltohlene

den eine

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«Yen worden, wahrscheinlich. um Ze­ichen dort zu verkaufen. Aichts wissend

Starkenburg und Rheinhessen.

fpd. Babenhausen, 10. Febr. 3n Dörfern des nördlichen Rodgau ist

von der Festnahme feines Kameraden, bezog er am Abend wieder sein gewohntes Quarlhi. wo er bann durch unseren P^lizeidiener festgenommen wurde. Die beiden Einorecher wurden dem Sie­bener Gerichi zugeführt Ss ist dir« bereits der zweite Ginbruch m Reinewalds Landhaus.

tt. Treis a L da., 8. Frbr. Bei der heute im hiesigen Gemei.bewald abgehaltenen eilten Brennholzverfteigerung machte sich eine starke Kauflust bemerkbar, die in hohen, die Frie­denspreise bedeutend überschretten.-e.i Geboten zum Ausdruck kam. 2 Rm. Buchrnscheit kosteten 20 bis 25 Mk.. 2 Rm. Buchenknüppel 18 bis 20 Mk.. 2 Rm. Buchenstöcke 8 bis 12 Mk.» Fich- tercholz war entsprechend billiger.

so! Haft. fMrnen ÜL-tkrüd ü zu c AuSsich: Wäre Der r-s d wi ts q haugz» «tit dem ttB bet Dir ge

unzerstörbaren ZusamrnengrbSrtgke't de« fetzten und deS unbesetzten Gebiet«.

Biel zu wenig wird darüber nach^edacht. unS der Feind im Rhe nlrnd g.tan hat, zu wenig wird darüber nachgedacht, daß

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Grippe-Gpidemee nu«gebrochen, die unter allen Altersstufen zahlreiche Opfer fordert.

Hcssen-Naüau.

fpd. Frankfurt a. M., 10. Febr. S« steht nunmehr lest, daß biencue Drücke über den Main, die an Stelle ber beim Gisgang Vernich. teten alten Brück« ersteht, sofort nach Suitritt normaler Verhältnisse gebaut wird, unb zwar na<t den Plänen der Architekten von Hcven und Haderer, also genau so. wie fte urlprüng- lich geplant war. Aur wird das Bauwerk statt 19 Meter 14 Meter breit Doch werden die Pfeiler und Ausbauten sv gebaut daß sich später mit 2ci tilgten eine D.rbceiterung hei beiführen läßt Was bie Finanzierung angeht fo bürfte wahrscheinlich eine Brückenbau-2. -G. ge- bUuet tt-erben, die die noch erforderlichen Gelder ausbü-gi. Tic geplante Drückenbaulotte­rie dürfte nicht zur Ausführung kommen, da die Regierung bk Genehmigung versagen wird

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Gießen, 10. Febr. 1924.

Eine weithin bemerkbare Kundgebung für die besetzten Gebiete, zu ber bas Rheinlandamt der Studentenschaft Gießen auf­gefordert hatte, vereinigte heute nachmittag eine sehr starke Versammlung von Mitbürgern aus Gießen und Umgegend mit ber Studentenschaft in ber Aula der Landesuniversität. Mit den Rednern der Kundgebung, Aeichsminister des 3nnetn Dr. Jarres und Rechtsanwalt Schön­berg - Kassel, war ferner der frühere Ober- präsident der Rheinvrorinz unb getoe'e e Minister für Die besetzten Gebiete Fuchs erschienen, die heimischen Behörden waren durch den Provtn- zialdircktor Staatsrat Matthias, den Kom­mandeur des 3nf.-Regts. Ar. 15 Oberft Fett unb Oberbürgermeister Keller vertreten, für bie Universität waren mit dem Rektor Prof. Dr. L a q u e u r viele Mitglieder des Lehrkörpers zugegen, weiter waren von den Universitäten Würzburg, Frankfurt a. M., Marburg, Bonn und Köln Abordnungen ber Studentenschaft her­beigeeilt, ebenso waren von hier und außerhalb zahlreiche Ausgewiesene anwesend. Die Ange- gehörigen ber Gießener Bürgerschaft unb ber hiesigen Studentenschaft bildeten natürlich die große Mehrheit der sehr stark besuchten Ver­sammlung.

Aach den Eröffnungs-' unb BegrüßungSwor- ten des Vorsitzenden des Rheinlandamtes, stud. Terbrüggen, dessen besonderer Gruß den Rednern, den Vertretern der Behörden, dem Lehrkörper unserer Universität, den Ausgewie- senen unb den Gästen von auswärts galt, hieß

Se. Maqniftzenz, ber Rektor Prof. Dr. Laqueur die Versammlung im Aamen der Landesuniver­sität willkommen. Er sagte bann u. a. werter: .Unser erster Gruß soll hinüberklingen über den Rhein, wo unsere Volksgenossen ficb tapfer gegen die Uebermacht des Feindes und Den Verrat in ihren eigenen Rethen wehren. Die Aot ber be­setzten Gebiete ist zugleich die Aot des deutschen Vaterlandes. Gerade wir in Gießen empfindm diese Aot ganz besonders. Zahlreiche vertriebene Volksgenossen Haden hier eine Zufluchtsstätte ge­sucht und gefunden. Wir sind Glieder des Hessen­staates, bet von allen deutschen Staaten am meisten unter der Desetzungslast leidet, denn mehr als cm Drittel von ihm steht unter ber feinblichen Macht. Wir müssen uns immer wieder vergegen­wärtigen, daß der Feind tief in unserem Lande steht. Die Universität ist besonders, dazu berufen, diesem Bewußtsein Ausdruck zu verleihen, Denn sie ist die Stätte, wo die geistigen Kräfte unseres Volkes am sichtbarsten in Erscheinung treten, und wo die künftigen Führer unseres Volkes heran- gebildet werden." Der Redner gab dann seiner Genugtuung über die h.u.ige Kundgebung Aus­druck, begrüßte besonders Den Reichsminiiler Dr. Jarres, dem et auch im Aamen der aka­demischen Jugend für seine vorbildliche, aufrechte Haltung als Oberbürgermeister von Duisburg gegenüber den Franzosen dankte, und widmete schließlich noch besonders den Ausgewiesenen und den auswärtigen Kommilitonen freundliche Be- grühungsworte.

Hieraus sprach in prächtigen Worten unter aufmerksamster Spannung der Versammlung der

Neichsminister des Innern, Vizekanzler Dr. Jarres, der nach einer begeisterten Huldigung für den deutschen Professor und den deutschen Studenten, bie beibc von ber Welt noch nicht nachgemacht werben 'Tönnten, die beide als etwas Selbstverständliches bas Selbstverständ­lichste, ihre nationale Pflicht mit größter Entsagungsfreudigkeit unb restloser Hingabe ihrer Person erfüllen, zu den politischen Fragen unb Sorgen dieser Zeil erflärte:

Wir sind hier zu einem Tag für die besetzten Gebiete versammelt. 3ch danke 3(men al« einer bei Zahllosen, Denen es verwehrt ist, in die rheinische Heimat zurückzukehren, für Kefen Ge­danken und für diese Tat. Es ist notwendig, daß wir immer weder un« unb btt vielen «räbrrrn aufmerksam machen auf das. toa« un« fehlt unb wicvi.l uns Kbit, Herz unb Verstand wecken in dem Sinne der

xaigt zu fein, baß alles Leschehen wirb, was schlechterdings geschehen farm, um ihnen zu Helsen. ES ist notwendig, baß daS b e u t s ch e Volk immer tot eher auf bie Ungeheuerlichkeit be« ihm zugefügten Unrecht« bintorffl Menschenrecht muß Alensch.-n.echt bleiben.

Es ist eine Ta ,5Hanng ber Gesittung unb auch ber Ehre unserer Zett, eine Derhöhrumg von Menschenrecht unb Meufchens.tte, wenn diese« Unrecht de« Feinde« gegen un« noch weiter geduldet wirb.

Ich würbe es begrüßen, wenn au« ber Empörung des Dolles heraus mehr noch die Forderung bei Wiedergutmachung diese« ungeheu­ren Unrecht« als ein Shrenpunkt unse­res Volkes in den Vordergrund geschoben würbe (Beifall). V)aS Bismarck und seine Zrit gebracht hat als daS Geschenk eines begnabtien Genius, da«

bürfen wir unS nicht nehmen lassen: bie Einheit unser:« Docke«.

(Starker Beifall.) Diese Einheit hängt aber auf« im.igste zusammen mit ber ganzen Struktur be« Gewordenen In unserem Staatsleben. Deshalb möchte ich hier gerade in dem Lande Hessen, von dem mit Recht hervorgehoben wurde, daß es unter den Leidenden wohl der Schweritleidende ist, fagen, eS geht nicht an, daß in den Zeiten höchster Gefahr wir uns die Köpfe dar­über serorechen und wir uns veruneinen, wie der innere Wiederaufbau unsere« Dockes sein soll. (Beifall.) Wenn wir von Sepa­ratisten sprechen, so haben wir natürlich zunächst den Begriff des Sr p a r a t i st e n g e f i n d e l« vor uns. das wir alle aus tiefstem Herzen ver­achten und vevabscheuen, jene- landesverräteri­schen SepavatistengesinbelS, bas offen mit dem Feinde arbeitet unb bas unter dem Schutz be« Feindes deutsches Land vom deutschen Mutter­land abzutrennen sich anmaßt. Die Leute richten sich selbst, die Geschichte wird sie richten, und Gott sei Dank e« haben sich auch Leute gefunden, um den Richter zu spielen. (Beifall.) Von diesem Gesindel spreche ich hier nicht. Aber es gibt auch eine andere Art des Separatismus, den sog. G del - S ep a ra t i S m u S, ber teilweise in wohlmeinender Phantasterei, teils auch aus Eigen­nutz die gewordenen Dinge in dem unglücklich­sten Augenblick zu verschieben sucht. DaS darf nicht sein. Wer dies auch in wohlmeinender Absicht tut. der handelt in die Hand deS Feinde«. Wie wir einmal unser innere« Hau« einrich­ten, dürfen nur wir allein, unbeeinflußt durch äußere Dinge, unt?r un« enisck^lden, wenn wir nach außen freie Hand haben. Aber in diesem Augenblick darf darüber unb davon keine Rede sein, denn wir würden damit nur

da« Geschäft de« Feinde« besorgen.

Es ist ttefbedauerlich. daß In diesem Augen­blick die hannoversche Bewegung wieder praktische Gestalt annimmt unb dort eine Ab­stimmung «über bie Errichtung eine« Lande« Aiedersach^en forciert wird. Ebenso verkehrt ist es. wenn in irgendeinem Landesteile des besetzten Gebiete- jetzt an die Erwägung oder Erörterung staatsrechtlicher Formen berangetreten wird.

Die Pol tik der Reichsregierung

in diesen kritischen Zeiten ist vollkommen Har Wir wissen, daß wir al« Me Unterleg nen unS mit dem Feint«, daß wir unS namenlllch mit. Frank­reich verständigen mäffen.

Wir find nach wie vor zur Derstandlgnug bereit

und wir sind unS dabei darüber im Klaren, daß un« diese Verständigung große Opfer kosten wird. Wir glauben. Laß die Verhandlungen, tne jetzt direkt von Regierung zu Regie­rung geführt werden, doch e n? Klärung unb Or- leichte rang schaffen werd u. und wir hrben auch die Hoffnung, daß bie Sachverstänbigen- Ausschüsse in Berlin, bie ein rÜckhaltlo- s e« Material über unsere Verhältnisse von ber Rcichsr-gierung erhalten habe«, größere Klar­heit über bie Lage in Deutschland sich verschallt haben, unb daß diese Klarheit auch zu einer Äla- iu.tg unb Erleichterung unserer Lasten führen nriib. Die Verhandlungen, bie sich dann an- schließen werden, dürfen aber nur geführt werden von Regierung zu Regierung unb nicht von

unverantwortlicher Seite.

Dabei ist für die ReiH5regierung unb auch für bte Cänberregierungen klar, daß

bei diesen Derbandlungeu über eiue Aende- rung bet staaatsrechtlich/m Form de« bef«tz- ten Gebiri« zum unbesetzten Gebiet nicht ge­redet werden soll. (Starker Beifall.)

Diese staatsrechtliche Form haben wir erhalten, unb baran etwa« x u ändern, unter­liegt nicht dem Willen be« Feinde«, fo-xbern ift eigene deutsche Sache. Wi- diese Verhanblung.n au«laufen werben, wer wollte es prophezeien?

Dunkel liegt die Zukunft vor un«. unb es wäre nicht« verk.hrt:r. als sich einem roßg n Op­timismus binwgeben. Un ere Lage istnlchlver­zweifelt. aber in äußerstem Maßeernst. Wollen wir daraus herauSkommen, ,3 ist dreierlei ntttoenrig:

Arbeit, Ordnung und bet Wille zur Frechett. (Beifall.)

in §rieden«;rtt7U bie Willkür be« Dider- fa^er« sch berausnahm, 160 000 Deutsche, brave, echte Deutsche von Hau« und Hof zu vertreiben, Tausende in den Kerker zu werfen, au wenig wird daran gedacht, daß, auch nachdem der Widerstand aufgegeben war, nur wenige von den Ausgewiefencn In ihre Hrimat zurückgekehrt sind unb noch viele von den Verfolgten im Ge­fängnis schmachten DaS Leid, was da über ein­zelne gekommen ist, laßt sich nicht beschrrib-n, unb es ist bie schwerste Last ber Reich«regierung, baß eS ihr nicht möglich ist, diesen Opfern so zu hellen, wie ibnen geholfen werden müßte. Heute sind auch zahlreiche ber au«gctokfencn Opfer hier im Saale. Ich banke tzum Rrkwr aetoanbt) Ew. Magnisi .enz für den fceundl chm Gruß, den Sie ihnen entboten haben. Auch ich grüße sie als Vertreter ber Reichsregierung und bitte sie, über-

Vizekanzler Dr. Jarres in Giehen.

Eine bedeutsame Rede des Reichsm.nisters. - Eindrucksvolle Kund» gevung für die besetzten Gebiete. *

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