Ausgabe 
11.1.1924
 
Einzelbild herunterladen

<Ä8 etwm TySfrdyiÄibert ebx tn^DnoOenber ed£it- jer unb Förderer kirchlicbreligiüsen Lebens in Der Pfalz getDdei ist. und die Treue zum Reich zwingen un», Die sog. autonome Regierung der

Pfalz als für un« nicht existieren d zu betrachten und diesen unseren Standpunkt auch dem Volke gegenüber zu vertreten. Dir sehen auS der gegenwärtigen unhaltbaren Lage keinen anderen Ausweg als den, es der rechtmäßigen Regierung au ermöglichen, ihre Tätigkeit baldigst in vollem Umfange wieder aufzurieymen.

Eine entsprechende Kundgevrcng haben auch die protestantischen Geistlichen be­schlossen.

Das Attentat von Speyer.

Speher, 10. Jan. (Dolfs.) Zu dem 6c- paoatistenanschlag in Speher erfahren wir noch folgendes: Heinz-Orbis wurde in dem Augenblick von der Kugel getroffen, als er aus den Ruf:Hände hoch!" von feinem Platz auf- stehen und die Hände erheben wollte. Die Kugel traf ihn in den Hinterkopf. Don den anderen Getöteten hat einer drei Kopfschüsse erhalten, von denen jedoch keiner den sofortigen Tod herbei- führte. Die vier außer Heinz-Orins umgekommenen Personen starben erst im Krankenhaus. Siner der Hotelgäste, ein Kaufmann auS Krefeld, wurde durch- einen Schuh in den Mund verletzt, jedoch nicht lebensgefährlich. Gin anderer Gast, der, ohne zu wisien, wem die Schüsse galten, durch das Fenster entkommen wollte, erhielt einen Schuh, dec glücklicherweise nur seinen Rock durchlöcherte. Das Dorgehen der Attentäter kam außer­ordentlich überraschend.

GS wird erzählt, dah Atoei von ihnen sich schon vorher an den Tisch gesetzt hätten, an dem Hein- Platz genommen hatte, und dah sie sich mit ihm eine zeitlang unterhielten. Kaum hatten sie sich aus dem Saal zurückgezogen, öffnete sich die Tür, und vier oder fünf junge Männer riesen Hände hoch!" und gaben sofort Schüsse ab. Diner ih.er Mitheiser schaltete unmittelbar nach Abgabe der Schüsse den elektrischen Schalter aus, worauf die Täter enttarnen. Die Augenzeugen erzählen, dah die Täter keinen Mantel oder Kopfbedeckun­gen trugen. Unter den Gästen befand sich auch ein französischer Offizier und ein englischer Presse­vertreter. Kurz nach der Tat kamen einige wei­tere Führer ter Sonderbündler in den DittelS- bacher Hof. darunter Bley und Schmitzeppel.

Diese nahmen sofort die Untersuchung auf und verhörten die Anwesenden. Auch wurden die französische Gendarmerie und die deut­sche Polizei verständigt, die sofort mit den Ermittelungen begannen.

Aach dem vorstehenden Bericht deS Gewährs­mannes des DTB., der sich auf die Aussagen von Augenzeugen stützt, ist die Darstellung ter separatistischen Pressestelle, wonach die Täter im Hausflur noch weitere Unbeteiligte niedergeschos» sen bitten, nicht zutreffend.

Der obenerwähnte Sonderberichterstatter der TimeS" in Speyer gibt eine eingehende Schil­derung der Tat, die sich in seiner Gog nvart ab- spielte. Danach fielen gestern abond 6 Uhc 15 Mi­nuten, als der Berichterstatter mit etwa dreih'g anderen Personen in einem Zimmer des »Dittels- bacher HoseS" fpeiste, plötzlich eine Anzahl Schüsse.

Drei Personen, die an einem Tische genau gegenüber dem Berichterstatter saßen, sanken, durch den Kopf getroffen, zu Boden.

Diejenigen, die geschossen hatten, riefen den Gästen zu, daß fie unbesorgt sein könnten, das Hotel aber nicht vor Ablauf einer Viertelstunde ver­lassen dürften und daß die Aktton sich nur

sahen, gelotet worden Der Dritte, ein HandlungS- retsender, der erst gestern abend angenommen war, mürbe verwundet. Aach kurzer Zeit trafen Gendarmen, deutsche Polizei. Deparatistentrupps und fvänzösisch-afritanisches Militär in Ho e' ein und nahmen eine Untersuchung aller Gäste vor. GS ist zu keiner wetteren Störung g komm n. 3n der Stadt herrscht Ruhe. Bisher sink» keine Verhaftungen vorgenommen wor­den. Auch vor dem Hotel wurden drei Verletzte gefunben.

Die Erschießung von Heinz-Orbis wird in der Berliner Presse

lebhaft besprochen. DerVorwärts" schreibt: Allein schuldig sei die französische Regierung mit ihrer in der Pfalz betriebenen unehrlichen, den AriedenSvertrag und dem Rhein landabkommen bvhnsprechendon Politik. Aur die D ieder- berftellung deS Rechts ßnrre weiteres Unheil verhüten. Die .Germania" sagt, das Tveiben der Separatisten sei nichts anderes als Hochverrat. Gut fei, daß die gestrigen Schüsse die Aufmerksamkeit der Welt auf die skandalösen Zustände richteten, dk sich in der Pfalz unter den Auge^i der atzungSbehörde entwickeln. Die .Dossische Z t g." nennt den Vorfall einen Akt der VolkSjustiz gegenüber den geradezu ungeheuerlichen Ausschreitungen unb HecmlSfor- beningen, die sich die Separatisten, begünstigt von General de Vletz, zuschulden kommen ließen. Das .Berliner Tageblatt" sieht nur in einer Beseitigung der die De'ehe imb das Selbst­bestimmung^ recht der Bevölkerung verletzenden Willkürherrschaft eine Gewähr gegen Dieder- hollmgen von (Stufen, die sich gegen das Treiben deS s^varatistischm Gesindels richten. Die.Zeit" schreibt: Die Pfalz lasse sich nicht durch Terror nieberzwtngm Man gebe der Bevölkerung ihr Recht, um die Gefahr neuer Explosionen zu verhüten.

Die die Blätter ferner melden, ist baS Reichskabinett gestern abend au einer Be­ratung der Vorkommnisse in der Pfalz zusammen- getreten.

DaS am Sonntag, entsprechend einem Be­schluß des Gemeinderats, von Den Separatisten gesäuberte RathauS Von Arheilgen ist am Montag von den Franzosen beseht worden. Während die Bevölkerung von abends <biS mvrgenS 6 Uhr) die Straßen nicht betreten darf, ist den Separatisten der Verkehr frei gegeben.

Die Hungersnot.

Berkin, 10. Ian. (Priv.-Tel.) DaS.Tage- Matt verösfentlicht auS dem Ergebnis der Rund­frage b?i den Oberbürgermeistem der großen deut­schen Städten Angaben, aus denen hervorgeht, daß von der gegenwärtigen Aot besonders die Kinder trotz der gerade für sie im Ausland wie tm Inland durchaeführten Hilfswerke am schwer- Hen getroffen sind, ^Jn Dresden hatten von den

Xtnöcm, öte früh zur Schule kamen, gegen ZOO überhaupt noch nichts gegeßen, das zweite Früh­stück fehlte bei den meisten vollständig.

Täglich fallen Kinder vor Errtträfttmg in der Schule um.

Bei einer ärztlichen Untersuchung in der Volks­schule, dir noch zu den besten Dresdens gehört, ergab sich, dah von 1200 Kindern 283 an hoch - grabtger Rückgratverkrümmung lit­ten. In Aümberg waren von 7850 Kindern 6000 schwer unterernährt. In Leipzig müssen neun Prozent aller Schulkinder den ganzen Tag ohne wa rmeS Essen auskommen. Don 1280 Schulkindern in Koblenz wtisra 144 Knaben und 88 Mädchen Zeich.ri von Rachitis auf. Während in München 1912 von 711 untersuchten Kindern 26 Prozent tuberkulös waren, be­trug der Prozentsatz 1923 78 Prozent.

In ganz Deutschland sind die Tuberkulosen* Henne für Kinder und Erwachsene überfüllt. 3n Hamburg konnten schon seit Monaten lange nicht alle neuen Patienten ein eigenes Bett bekommen. In Ehrmnitz hatten vor 1263 Schul­kindern 706 tarn eigenes Bett, in 63 Schlafzimmern schlafen je sechs Personen, in 30 Schlafzimmern je sieben, in zehn Schlafzimmern je acht, in fünf Schlafzimmern je neun Personen, in einem sogar ^ehn. In einem Fall hausten elf Personen in zwei Zimmern mit vier Betten, in entern anderen sieben Personen in zwei Zim­mern mit zwei Betten.

Diese furchtbaren Zahlen haben tm Ausland nicht ganz ihre Wirkung verfehlt. Während bis­her vornehmlich in den nordischen Landern, in Holland, der Schweiz, Amerika, Oesterreich und Spanien großzügige Hilfsakt onen zur Rettung der deutschen Kinder iirs Loben traten, regen sich nun auch in England mildtätige Hände. So veröffentlicht die .Times" enen Aufruf zur Lin­derung der Aot in Deutschland, der von einer großen Anzahl hervorrag-.nder Persönlichkeiten untei^eichnck ist, darunter Asquith, Ramsay, Mac- donald, Lord Parmooc, General Smuts, Arthur Hendersm, Prof ssor Keynes, Sir George Paish, H G. Dells, Lady harter sowie zahlreichen Be­hörden. In dem Aufruf heißt es, die Kälte, der Hunger und die Verzweiflung überwältigten große Teile des deutschen Volkes Im besetzten und unbesetzten Gebiet.

Stinnes zum Reparationsproblem

Paris, 10. Han. (DTB.) Hugo StinaeS gewährte in Mülheim a. d. Ruhr dem Sonder­berichterstatter desJournal des Döbats" eine Unterredung, in der er den Plan des Begleichens der Reparationen mit Hilfs von Sachleistungen und feine Auffassung hinsichtlich der künftigen französisch-deutschen Beziehungen entwickelte. Die Verträge mit derUlicum", so erHärte er, seien ein Anfang zu den Reparationen. All das laufe darauf hinaus, dah die Ruhrindu­strie ll e n mit einer Schuld belastet würden, die das Reich schuldig sei, und an der ganz Deutschland seinen Anteil übernehmen müsse. Natürlich hätten die Ruhrindustriellen nicht die Möglichkeit, an Stelle des deutschen Staates die Reparationen zu zahlen.

SS fei bereits eine groß? Gefahr für die Mn* ternehmmtgetr, baß fit diese Last für eine be» grenzte Zeit übernommen hätten. Ihre Finan­zen erschöpften sich, und sie fänden bei kei­nem Geldgeber mehr Kredit, weil man Kre­dite nicht den Industriellen eines Staates ge-

( wahre, dessen Grenzen nicht sicher seien.

Der 15. April 1924 sei die äußerste Grenze. BiS dahin müsse ein ehrliches, Auverlässiges Ab­kommen zuwege gebraut sein. Sonst mühten auf alle Fälle die Ruhrbetriebe die Arbeit und die Produktion ein ft eile it. Die ArbeitSver- hältnisse seien schon jetzt um so prekärer, als daS Transp ortwesen unzulänglich sei. Es handle sich bei dem ganzen Plan um beträcht­liche Dinge, die von der deutschen Industrie verlangt würden. Um sie aber von ihr fordern au können, nämlich von Unternehmern und Ar­beitern, müsse man genau wissen, zu welchem Zweck sie verlangt würden.

Denn sie zu einem weniger trüben Ziel führ­ten. würde man sich bereit dazu finden, wenn sie die Reparationen regeln, und der Welt Sr- leichteiung verschaffen, seien sie möglich. Aber das Abkommen müsse zuverlässig und von der Wirklichkeit bestimmt sein. Gr für sein Teil glaube nicht, daß Deutschland an Frankreich über­mäßig große Summen zahlen könne. Gr sei der Meinung, daß die tatsächliche Möglichkeit in der

Begleichung durch Sachlieferungen liege. Kapitalien seien nicht ohne weiteres von einem Land auf Las andere zu überfragen. Dine angemessene Lösung mache es erforderlich, daß zunächst die Leistungen, die ein Land bewirken müsse, feftaesetzt würden und dann diejenigen, die daS andere Land aufnehmen müsse. So seien Frankreich. Italien und Belgien haupt­sächlich für Kohle, KokS und chemische Werte aufnahmefähig.

Sein Rat gehe dahin, dah die Regierungen zunächst unter sich den Betrag der Leistungen tn Annuitäten fest setzten. Diese Ziffern wären in Gold zu berechnen und die vereinbarten Annui­täten durch langfristigeBerträge (20 biS 30 Iabre) zwischen den Industriellen der kontra­hierenden Länder zu decken. Die Lieferungen wä­ren ben deutschen Gruben und Fabriken von der deutschen Regierung zu bezahlen

Zu diesem Zwecke sollen gewisse Steuern ihnen reserviert und durch ein besonderes Institut ver­waltet werden, daS alle nötigen Garantien bieten trürbe. Unter diesen Bedingungen könnten sich die Industriellen zu Sachleistungen verpflichten. Gegenwärtig sei der Kredit drr deutschen In- dustrie besonders tu Amerika, wie rr durch feinen Sohn wisse, im Schwinden begriffen. Man sehe Deutschland auf eine Stufe mit Kuba unb Mexiko, b. h. mit Ländern, die ihr Geld in fliegerischen Abenteuern verschwenden. Wenn aber eine Einigung -wischen Frankreich unb Deutschland zustandetvmme, so sei er überzeugt, baß der amerikanische Kredit sofort wieder steigen würde. SS gebe nur zwei Wege: Ent­weder die gegenwärtige Lage durch einen neuen Krieg -u liquidieren, und das würde nur neue Ruinen aufbäusen. ober burch ein Abkom­men für Den Frieden zu arbeiten. Er sei für die -weite Lösung. Einen Austausch von Aktien nach dem Plane Rechberg S halte er für möglich aber erst bann, wenn Die von ihm

vorgeschtagenco Verträge zwilchen den beiDer- fertigen Industriellen bestehen würden. Eine zwangsweise Beteiligung deS Staa­tes an der Privatindustrie fei unmöglich, es gebe nur eine Zusammenarbeit zwischen den Industriellen.

Der Kampf um die Arbeitszeit.

Berlin, 10. Ian. (WTBll Die Schlich- tungskammer zur Regelung der ÄrbeitSzeitfrige für den Aachener Steinkohlenberg­bau hat einen Schiedsspruch gefällt, der an­gesichts der Vorlage Der deutschen Wirtschaft und angesichts ferner Der schweren Belastung deS Bergbaus die Schichtzeit für Arbeiter unter Tage von 8/rStunden (von Beginn der Seilfahrt bis zum Wiederbeginn) vorlcylägt. Die Arbeitszeit über Tage soll 58 bis 59 Stunden wöchentlich betragen. Für die Arbeitszeit ist die Regelung, wie jic für den Ruhrbergbau getroffen wird, Vorbehalten. Die Schichtlöhne werden im Hinblick auf die AU erwartende Leistungssteigerung er­höht. Entlassungen von Arbeitern sollen anläßlich der Einführung der Mehrarbeit nicht vorgenom­men werden.

Der ReichSarbeitsminister har den von den Gewerkschaften abgelehnten Schiedsspruch, der für den mi tteideu tschen Braunkohlen­bergbau unter wie über Tage die Leistung von Mehrarbeit Vorsicht, für verbind­lich erklärt. Auf der Grundlage ber tm Schieds­spruch geregelten längeren Arbeitszeit haben die Tarifparteien einen Schichllvhn von durchschnitt­lich etwa 4 Mark einschitahllch der Teuerungs­zulage vereinbart.

In Solingen beschlossen die Betriebsräte der Freien Gewerkschaften, nachdem der Arbeit­geberiverband die Tarife der Metallindu­strie gekündigt hat, am Freitag in den Gene­ralstreik einzutreten. AIS Grund wird ber Schuh bes Achtstundentages angegeben. Die Organisationen der Heimarbeiter, der (christ­lichen Gewerkschaften unb ber Solinger Industne- arbelterberbänbe haben sich bem Beschluß der Betriebsräte nicht angeschlossen.

Neue Steuern in Hessen.

Darmstadt, 10. Ian. (Priv.-Tel.) Im Sonderausschuß des Landtags wurde ein von der Deutschen Bollsparlei gestellter Antrag, die Re­gierung möge alsbald dem Ausschuß ihre Grundsätze über den Dea mtenabbau verlegen, angenommen. Der Gesetzentwurf über eine außerordentliche Steuer des Gewerbe­betriebes, der eine Erhebung von drei Gold- pfenniaen für je 100 Marl Steuerwert versieht, wird dann in erster Lesung gegen eine Stimm­enthaltung angenommen. Gin sozialdemokratischer Antrag, wonach land- und forstwirtschaftliche Be­triebe unter gewissen Voraussetzungen ebenfalls mit ihrem Anlage- und Betriebskapital heran- gezogen werden sollen, findet Ablehnung. Der weitere Gesetzentwurf, der eine außerordentliche Besteuerung des Gebä udebesiheS mit 15 Goldpsennigen von hundert Mark Steuerwert vor- fieht wird ebenfalls angenommen. Die Regie» rung stellt es den Steuerpflichtigen anheim, die Steuer anteilmäßig sich von den Mietern zu- rückvergüten zu lassen. Gs wird ein Antrag deS Zentrums angenommen, nach ber das Ver­hältnis ber Rückzahlung nach bem Mietwert sich berechnet. Gin sozialdemokratischen Antrag, nach dem die Steuer Die auf die Ruyung eines Ge­bäudes entfällt, erlassen werden kann, wenn die Erhebung eine besondere Härte tn sich schließt, wird angenommen. Hier findet der tz 15 des ReichSgesehes zur Erhebung einer Abgabe zur Forderung des Wohnungsbaues sinngemäße An­wendung. Minderbemittelten, insbesonderen auch Mietern, kann danach die Steuer erlassen werden. Die Regierung hat einen weiteren Steuer­gesetzentwurf vorgelegt, der die Erhebung eines Zuschlags für Steuerrü.ckstände vor­sieht. Mich dieser Entwurf soll tn der Sitzung am nächsten Mittwoch Erledigung finden

Aus Stabt unb Land.

Gießen, den 11. Januar 1924.

Der Weldverkehr am Poftschalter.

In unserer Ausgabe vom 2. d. Mts. haben wir berichtet, bah beim Einkauf von Briefmarken an den Postschaltern beliebiges Geld angenommen werde. Diees Nachricht entstammte einer Ber vier Zeitung? korrespondenz, die sich bisher stets als zu­verlässig erwiesen hatte, und die Meldung wurde auch von allen anderen Zeitungen gebracht, ohne dort zu Beanstandungen zu führen. Ein Gießener Leser unseres Blattes teilte uns nun mit, daß die Nachricht nicht zutreffe, denn ihm sei beim Markentauf bei dem hiesig m Postamt c in Reichs- bahndollar nicht abgehommen worden. Wir haben und daraufhin an maßgebender hiesiger PvstdienststÄle erkundigt und dort erfahren, daß die Reichsbahndollars diS gestern nrcht angenom­men wurden, weil die Reichs bahn Verwaltung sich nicht zu der Uebernahme der Verpflichtung hatte verstehen Brmen, das ihr von der Post jur Ein­lösung präsentierte RoichSbahndvllargeld jederzeit in unbeschränktem Maße gegen andere Zahlungs­mittel umzutauschen. Auf der Uebernahme dieser Verpflichtung müsse die Post bestehen, bei ihr sehr viel Bahngeid vorgelegt werde und fk bei nur teilweiser Annahme die.es Geldes von der Bahn- lasse Gefahr laufe, die Postkasse In Zahlungs­schwierigkeiten zu bringen. Mit dem gestrigen Tage ist aber eine vorläufige Regelung in Kraft getre­ten, die den bisherigen Mtßhelligkeiten em Ende macht.

5X15 wertbeständige Notgeld ber Reichsbahn wird jetzt von den hiesigen Postschalterstellen au allen Zahlungen, außer auf Rentenmarkpvst- anweisungen unb ausgenommen bei Zahlungen im Postscheckverkehr, angenommen. Zusammen- faffenb sei bemerkt: Zu E i n zahlungen auf .Fent.n- markpostanweisunaen unb im Posttcheckverk hr sind nur Rentenmarkscyeine unb Stücke bet tocrtbeftäfi- bigen Anleihe beS Deutschen Reiches vom 14. Aug. 1923 Schahanweisungen bis zum Nenn­wert von 21 Mark (5 Dollar) z»l verwenden. Zu A u S zahlungen von Rentenmarkpostanwei- fungen und Zahlungsanweisungen können bie Post- anstalten, wenn kern wertbeständiges Geld zur Verfügung steht, mit Einverständnis des Zah­lungsempfängers auch gewöhnliches Papiergeld verwenden. Zu allen anderen Zahlungen können außer dem vv stehend a lfgetühNen wertbeständi­gen Gelbe. ReichIbanknoten, Gutscheine derReichS- dahndirekrion Frankfurt (Main, aewöh ilit«! nicht wertbeständiges Notgeld der Reichs­

bahn. der Stabt Dießen und der Hessischen Lan­desbank die Gutscheine und daS Notgeld jedoch nur in Scheinen von 100 Milliarden Mark und mehr sowie jeyt auch wertbeständiges Not­geld der Reichsbahn verwand: werden Bei Aus­zahlungen der Paprergeldvostanweisun^en kann die Poft tn erfter Linie das für den hiesigen Pvftverkehr zugelafsene Notgeld verwenden.

*

Die Angeslelltenversichrrttng.

Vom 1. Januar 1924 ab gelten in der An­gestellten-Versicherung nach reh ende Ge­halts» und Beitrag sklassen:

Gehalts-

monatlicher

Entgelt

MonatS-

Hasse

von mehr als

bis -u

beitrag

A

50 Am.

1^0 Rm

B

50 Rm.

100 Am.

3, Rm

C

100 Am.

200 Am.

6, Am

D

200 Rm.

300 Am.

9, Am.

E

300 Am.

12,- Rm.

Für die Zeil vor dem 1. Januar 1921 werden Marken der früheren Klassen nicht mehr abge­geben. Soweit Beiträge noch rückständig sind, müssen die neuen Marken gekauft werdm. Das Gleiche gilt für die freiwll tge Versicherung.

Die Marken der Klassen 44 bU 50 werden von ber Post bis Aum 31. Januar 1924 um- K'cht. Dabei werden sie -um Hundectt.i^senb- Detrage deS aufgedruckten Geld verles, d. h. zum letzten Verkaufspreise (1680 bW 10 240 Milliarden Mark- an;erechnet.

Vom 1. Dezember ab beträgt für die Der- ficherungSpflicht die Höchstgrenze deS Monats­einkommens 333,33 Goldmark.

Wer die VersichcrungSpflichtgreime über- schreitet, scheidet erst mit dem ersten Tage des vierten Monats nach diesem Zeitpunkte auS bet DersicherungSpslicht and.

* Die Veranlagung zur örtlichen Kirchensteuer hat in der evangelischen Kir­chengemeinde Dießen ein Resultat gezeitigt, daS sehr wenig zufriedenstellend ist. Obwohl man die Steuer zweimal erhöht hat, ist ihr En rag durch die im Jahre 1923 immer mehr fortschreitende Geldentwertung ganz unzureichend gewesen. Die Steuerzahler haben sich mit gutem Grunde über die Geringfügigkeit Der ihnen aiwerlangten Be­träge gewundert. Die Erhebung ber Kirchensteuer hat sich unter solchen ilmftänben kaum gelohnt. Der Gesamtkirchenvorstand ist deshalb, wie man un« schreibt, dazu geschritten, eine Nacherhe- bung in Goldma rk zu veranstalten: das Nähere wolle man aus der in dieser Nummer ent­haltenen Bekanntmachung ersehen. Damit die Steuerzahler nicht zu lange zu warten brauchen, ist mit dem Finanzamt vereinbart worden, daß die Kirchensteuer in den beiden nächsten Wochen, jcdeSmal Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags, vormittags von 9 bis 12 lllhr. Im Ge­meindehaus, Kirchenstr. 9, zur Erhebung kommt Die evangelischen Stcuerzah'er werden gebeten, innerhalb dieser Frist ihre Kirchensteuern zu ent­richten, da sowohl die Landeskirchen- wie die Ört­liche Kirchentasie dringend Mittel nötig hat. Da die Mittel nicht auSreichten, die nötigen Hei­zungsmaterialien zu beschaffen, so wird am 13 und 27. Januar nur tn der Johanneskirche, am 20. Januar und 3. Februar nur in der Stadt kirche GctteSdienst sein. An den genannten Sonntagen werden die Kirchen ausreichend geheizt.

Erhöhung deS Milchpreises. Das LebenSmittelamt gibt tm heutigen Anzeigenteil bekannt, dah die LandeSveickvrgungSstelle Darm­stadt gegen den Einspruch ber Stab! Gießen bie Erhöhung ber Molllevsispanne vor 20 auf 25 Prozent bes Stallpveises für daS Citei Milch genehmigt hat unb infolgedessen der Klein« Verkaufspreis auf 32 Goldpfennig je Liter sich erhöht. Diese PreiSkorvektur nach oben tn ber Zeit beS Preis abbaueS, der starken Senkung ber Lohne und Gehälter unb der Kohlenpreis- ermähigung ist recht verwunderlich. 5>a nicht crnzunehmen ist, daß man bei ber vorigen Preisfestsetzung bie Molkereien au kurz gehalten hat, wird man ber Oesfentlichkeit wohl auch sagen müssen, welche Gründe jetzt dazu ge­führt haben, den Molkereien toettere fünf Prozen t zuzubilligen. Die LandeSver- svrgungS stelle wirb nicht umhin Dnnen. auf diese Frage eine klare und erschöpfende Ant­wort zu geben, auf die die milchverbrauchende Bevölkerung ein Recht hat. Dtalleicht wird auch da Darmstadt sich ja meist tn Schweigen hüllt wenn bie Dinge nicht angenehm sink) unser Städtisches Lebensnrittelamt einige Aufklärung« zu dieser Sache geben können.

Hilfe für die K r i e g S beschä di g- ten unb Kriegerhinterbliebenen. Man schreibt unS: Wie im vergangenen Jahre bedachte der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Ortsgruppe Gießen, die Wirtschaftliche Ver­einigung der Kriegsbeschädigten und -Hinter­bliebenen, Ortsgruppe Gießen, mit einer größeren Gabe Größere Zuwendungen machten auch noch einzelne Kameraden deS R j. F., so dah eS bet Wirtschaftlichen Vereinigung möglich war, ihre bedürftigsten Kameradinnen und Kameraden mit Lebensrnitteln zu unterstützen.

RDV. Wieder .GefellschaftS-Son- derzüge". Während der letzten Monate deS bedenllichsten Kvh'enmangels hatte daS ReichS- verkehrSministerium die Führung von Sonderzü- g*n allgemein ablebnen müssen, um die getarnte eistungsfähigkeit ocr Reichsbahn dem lebens­wichtigen Verkehr vvrzubehalten. Jetzt, nach einet Heinen Entspannung ber Lage, hat ber Reichs- verkchrSminister geftattet, daß von Gesellschaften ober Vereinen beantragte Svnderzüge zu den im Taris vorgesebenen Bedingungen wieder beför­dert werden: jedoch muh auch bet diesen Defell- schoftS-SonVerzügen nach dem Grundsatz versah» ren werden, daß tm Personenzugverb hr keine Lei­stung unter den Selbstkosten auführt werden darf. Die Entscheidung bleibt den Reichsbahn- dicektivnen überlassen.

Bornottzen.

TageSkalender für Freitag. Deutsche BolkSpaitei: 8 älhr In der TurTihalle öffentliche Versammlung. Redr«r ReichstagSabg Dr. Luther und LandtagSaba. Prof Dr Schian. Stadttheater, 7 älhr: ^Gebildete Menschen". LichttPielhauS, Bahnhofstraße .Der Iustizmscd von Venedig". Palgsr-Lichtspiel«: .Das alte Nest". Astvria-Lichtspiele .Im Kamps mit den Bergen".

AuS dem Stadttheaterbureaa wird uns geschrieben: Um vielfachen Wünschen auswärtiger Besucher entgegenzukommen ist der Anfang der Icfttcn Aufrührung deSKtndermärcheii- .Aschenbrödel oder .Der gläserne Pantoffel am Samstag, dem 12., auf 3 Uhr fest gelegt worden