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InSaftriefchutzgese- nicht aS 2ttnrel zu ferner ®tn« führung benutzen. Die durch den Dawes- bericht berührten britischen Industrien würden aufmerksam verfolgt, ebenso wie das. was be­züglich Eisen und Kohle in Frankreich und Deutschland vor sich gehe.

Die Beratung des Genfer Protokolls verschoben.

Annahme des britischen Vertagungs­vorschlags. Die Mittelmeersrage.

Rom, 10. Dez. (XU.) 3n der Nachmittags-, siyung deS Völlerbundrates kam die Vertagung der Beratung über das Genfer Protokoll zur Sprache. Chamberlain kommentierte den Brief der britischen Regierung vom 15. November an den Generalsekretär des Völkerbundes, der die Bitte um Vertagung der Beratung enthielt. Es wäre nicht zutreffend, aus dieser Bitte zu folgern, bah Großbritannien das Protokoll ab» zulehnen beabsichtige. Die brili che Regie­rung müsse das Genfer Protokoll, das von gröht- politischer Tragweite sei, eingehend prüfen, bevor sie dazu biüdend Stellung nehmen könne. B r i a n d erklärte, die Absicht der britischen Re­gierung sei für Frankreich eine neue mora­lische Garantie, wie ernst England es mit den zu übernehmenden Verpflichtungen meine. Frankreich fei bereit, die Beratung auf den März zu verschieben. Es wurde einstim­mig'beschlossen, die Beratung des Genfer Proto­kolls auf die Märzsitzung des Rats zu verschieben.

3n diplomatischen Kreisen werden die Beziehungen zwischen Rom, London und

Paris, zur Mittelmeersrage.

die den politischen Hintergrund der Tagung des Rates in. Rom bilden, als durchaus ungeklärt beurteilt. In italienischen Kreisen vermutet man, daß zwischen Chamberlain und Herriot in der Pariser Aussprache vereinbart wurde, das Mittelmeerabkommen von 1904 als noch zu Recht bestehend anzusehen, um auf dieser generellen Basis die Mittelmeer- und Afrika- kontroverse auszugreifen. Man befürchtet, daß dabei die afrikanischen Mittelmeerinte. e'sen wenig Beachtung finden würden. Andererseits könnte die 1 Vs Madige, ungewöhnlich lange Unterre­dung zwischen Mussolini und Chamberlain mit Chigi unter vier Augen die Möglichkeit gegeben haben, durch eine englische Vermittlung die ita­lienischen Mittelmeerinteressen in eine eng­lisch-französische Verständigung ein­zufügen.

Wiederwahl des österreichischen Bundespräsidenten.

Wien. 9. Dez. (Wolff.) Die Bundesver­sammlung, bestehend aus dem Bundesrate und dem Rationalrat, hat den Bundespräsidenten D r. Hainisch wiedergewählt. Cs wurden insgesamt 201 Stimmen abgegeben, darunter 90 von So­zialdemokraten unbeschrieben und daher ungültig. Die 111 gültigen Stimmen lauteten sämtlich auf Dr. Hainisch. Rach der Wahl er­schien Dr. Hainisch im Sitzungssaal und leistete die Angelobung, worauf der Vorsitzende C m m e - rink eine Ansprache hielt, in der er auf die Be­deutung des höchsten Amtes der Republik hinwies .sowie das bisherige Wirken von Dr. Hainisch als Bundespräsident würdigte. Der Vorsitzende schloß die Ansprache mit einem Hoch auf die Republik, in das die Anwesenden begeistert ein- Pimmten. In der diplomatischen Loge war auch der deutsche Gesandte Dr. Pfeifer erschienen.

Die dritte

Steuernotverordnung.

Eine Rcchtsverordnnng des Reichs­präsidenten.

Berlin. 9. Dez. (WTD.) Alsbald nach Verkündung der dritten Steuernotverordnung hat das Reichsgericht ihre Rechtsgültig- leit eingehend geprüft und ausdrücklich f eft- gestellt. Trotzdem wurde d.ese Verordnung auch noch in neuerer Zeit vielfach als ungültig bezeichnet und mehrfach sind die Gericht: über de Entscheidung des Rckchsg r.chts h.nweggegang n und sogar einzelne Mitglieder des höchsten Ge­richtshofes stellten sich für ihre Person in öffent­lichen Äimbgcbungcn in Gegensatz zu der Auffassung des Reichsgerichts. Hierdurch sind in weiten Volkskreisen Zweifel an der Rechts gültigfeit der Aufw ertun gs- Vorschriften wachgerufen worden. Dazu kommt, daß in neuerer Zeit das Reichs­gericht und das Reichskammergericht für einzelne Durchführungsbestimmun­gen. die teils in untrennbarem Zusammenhänge mit den Vorschriften der dritten Cteuernotver» ordnung stehen, in Ermächtigung des § 64 dieser Verordnung keine ausreichende Rechts­grundlage erblicken.

Damit ist auf dem weiten Gebiete der Aus­wertung eine Unsicherheit in der Beurteilung der Pflichten eingetreten, die die Grundlage des Kre­dits bedroht und damit eine ernste Gefahr f ür die Ges a m t w irtschaft, insbesondere für die Erhaltung derSteuerkraft und der Währung bildet. Die öffentliche Sicher­heit und Ordnung, ohne die der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nicht möglich ist, sind bedroht.

Der Reichspräsident Hal sich daher ent­schlossen, auf Vorschlag der Deichsregierung die Vorschriften der dritten Steuernotverordnung und deren Durchführungsverordnungen in einer gemäß Art. 48 der Reichsversassung erlassenen Rechts­verordnung zu übernehmen. Damit ist bis zur bevorstehenden Regelung der Aufwertung im Wege der Gesetzgebung ein gesicherter Rechtszultand geschaffen. In Verbindung hiermit wurden die Ausschluhfristen der dritten Steuernotverordnung und ihrer Durchfühlungs­bestimmungen bis zum 31. März 1925 ver­längert.

Die hessischen Landtags­abgeordneten.

Darmstadt. 9. Dez. (WTD.) Auf Grund der Landtngswahl dürften folgeird Abgeord­neten als gewählt gelten: Sozlaloeuiotra- ten: Ulrich, Adelung, Lux, Raab. Karl, Engel­mann, Dr. Strecker, Steinhäuser, Mann. Leusch- ner. Sturmsels, Stork, Widmann, Schaup, Harth. Roh, Lückel. Ritzel, Anthes, Kiel, Delp. R uter, Bormann. Rechthien, Weber, Zinnkann. Deutsch- nationale: Dr. D.ehl, Kind, Heraus, 'Dr. Werner, Böhm. Zentrum: Lenhart, Bren­

tano, Blank. Hofmann, Knoll, o)auemer, Ruh, Hoffmann. Schülweckler. Heinstadt. Kommu­nisten: Roth, Dr. Greiner, Galm, Angermeier. Deutsche Volkspartei: Dingckdch Schott, Birnbaum, Scholz, Haury, Dr. R.epoth, Fre Herr v. Hehl, Dr. Keller. Demokraten: Henrich, Reiber, Dr. Kilb, Eberle, Schreiber, Urstadt. Bauernbund (rheinische Landliste): Dr. v. Helmoli, Fenchel, Dr. Leuchtgens, Jost, Wolf. Bauernbund (oberhess. Land­liste): Glaser, Dr. Dehlinger, Dr. Müller.

Der Beleidigungsprozeß des Reichspräsidenten.

Eberts Haltung im Munitions-Arbeiterprozeß.

Magdeburg, 9. Dez. (Wolff.) Heute be­gann hier der Prozeß gegen den Schriftleiter Röthardt von derMitteldeutschen Presse" in Staßfurt, der der Beleidigung des Reichspräsidenten beschuldigt wird, began­gen durch Veröffentlichung eines offenen Briefes des völkischen Abgeordneten Gansser und der daran geknüpften Bemerkungen, die den V o r - Wurf des Landesverrats gegen den Reichspräsidenten enthalten. Der Reichspräsident wird als Rebenkläger vertreten durch die Rechts­anwälte Minister a. D. Heine und Minister a.D. Landsberg. Der Angeklagte erklärt auf Befragen, er habe lediglich erreichen wollen, daß der Reichspräsident durch die Fortführung des Verfahrens gegen Gansser die Klärung dieses Landesverratsvorwurfs herbeiführen möge.

Der Vorsitzende verlas die zeugeneid­liche Aussage, die der Reichspräsi­dent bei der kommissarischen Vernehmung in Berlin gemacht hat, wonach er sich während des ganzen Krieges rückhaltlos auf den Bo­den der Landesverteidigung ge­stellt und in diesem Sinne gehandelt habe, und daß der Streik der Munitionsarbei­ter in Berlin im Jahre 1918 ohne fein Zu­tun und ohne Einvernehmen mit der Sozialdemokratischen Partei aus- oebrochen sei. Der Reichspräsident erklärt darin ferner, er habe mit der Vorb.r itung des Streiks weder direkt noch indirekt etwas zu tun gehabt, sei von ihm vielmehr völlig überr ischt worden. Er selber habe auf der soz.aldemokr t schen Par­teikonferenz ausdrücklich den deutschen Muni­tionsarbeiterstreik als einen Wahnsinn be­zeichnet. Er sei später mit der bestimmten Ab­sicht in die Streikleitung erngetret n, den von den raö kalen Elementen gele teten Stteik auf dem schnellsten Wege zum Abbruch zu bringen. Die Leitung der Sozialdemokratischen Partei habe in der F.age des Mun t onsarbeiter- streiks den Standpunkt gehabt, d.n der Reichs­präsident selbst nach außen vertreten habe, also den Streik verurteilt.

Es kommt das Dankschreiben des Reichspräsidenten vom Juli 1919 an den Ab­geordneten Scheide mann gelegentlich dessen Demission zur Sprache, worin sich der Satz be­findet:Nachdem wir Schulter an Schulter wäh­rend des Krieges gegen die Gewalttätig­keit des alten Regimes bis zu seinem endlichen Sturze gekämpft haben. . . Der Reichspräsident erklärte hierauf, wenn ich das damals geäußert haben sollte, kann ich sagen, daß damit an meiner Stellung zur Landesver­teidigung nichts geändert ist. Sollte ein Hinweis in dem Danlschreiben fein, so kann er sich nur auf einzelne Uebergriffe beziehen. Nunmehr er­folgt der Zeugenaufruf. Gin Teilnehmer der Ver­sammlung sagt aus: Der Streik wurde weder von Ebert noch von Dittmann berührt.

Der Zeuge W <r l l m a n n , der als Mehr­heitssozialist. der Versammlung beiwohnte, be­kundet: Ebert erörterte die Forderungen der Streikenden und der SPD., der der Streik über­raschend kam. Eine Erklärung, die Einberufenen sollten der Einberufung nicht Folge leisten, gab Ebert nicht ab. Zeuge Rechtsanwalt Oehler, der als Berichterstatter bei der Verhandlung des Außerordentlichen Kriegsgerichtes gegen Ditt­mann wegen her Treptower Versammlung mit­wirkte, weist darauf hin. daß nach dem Urteil vor Dittmann noch ein anderer nicht- genannter Redner sprach, der tatsächlich Ebert war. Dieser habe über die Streikbewe­gung und die Streikausdehnung berichtet. Zeuge Geheimer Iustizrat Bienuta, der als Bei­sitzer bei dem Kriegsgericht tätig war, glaubt, daß damals bekundet wurde, Dittmanns Vor­redner habe über den Umfang der Streik­bewegung gesprochen.

Der Abgeordnete Dittmann äußert sich ausführlich über die Entstehung des Munitions- arbeiterstreiks im Januar 1918 und erklärt u. a. in einer Versammlung im Treptower Park sei der Abgeordnete Ebert ganz allgemein für die Forderung der Streikenden ein- get reten, die ja auch die Forderungen der sozialdemokratischen Parteien gewesen feien. Es sei absolut unmöglich, daß Ebert während seiner Rede ein Zettel heraufgereicht wurde, mit der Frage, wie sich die Reklamierten im Falle einer Einberufung verhalt.n sollen. W iter erklärt Dittmann, es sei ganz ausge­schlossen daß Ebert in jener Versammlung dem Fragesteller geantwortet hätte wenn die Reklamierten einberufen würden, sollten sie der Einberufung nicht Folge leisten.

Der Zeuge Syrig sagt aus, in der 2er* lung im Treptower Park habe sich Ebert mach anfänglicher Behandlung wirtschaftlicher Fragen später politischen zugewandt. Als er etwa 10 bis 15 Minuten gesprochen hatte, sei dem Red­ner ein Zettel heraufgereicht worden. Er habe dann gesagt:Der Streik ver­kürzt den Krieg. Gestellungsbefehle werden nicht ausgeführ t." Der Zeuge hält seine Aussagen aufrecht, auch als der Ge- richtsvorsihende ihm die gegenteiligen Aussagen Dittmanns und Wallmanns vorhält. Das Gericht beschließt, Svrig noch einmal in Gegenwart des Reichspräsidenten zu vernehmen. Die Vernehmung soll am Mittwochnachmittag vor sich gehen.

Der Haarmann-Prozeß.

H a n n o v e r, 9. Dez. (TU.) Bei der heutigen Verhandlung sagte der frühere Grenzpolizeikom- missar Olfermann, der mit Haarmann zusam« men das DetektivinstitutLaaso" gründete, aus, Haarmann habe im Dien st e der Polizei gest an den. Haarmann gibt eine andere Schil- *^run9 von seinem Zusammensein mit Olfermann. -»en Polizeiausweis habe Olfermann s e l b st gettempelt, was Olfermann schließlich zugeben t muß. Der Angeklagte nennt eine Reihe von Zeu­

gen dafür, daß Olfermann bei Belohnungen von Haarmann stets die Hälfte abbekommen habe.

Nach der Mittagspause kam es zu einem kleinen Zwischenfall. Als Grans bei einigen unwesentlichen Fragen wieder Haarmanns Be­hauptungen leugnete, sagte Haarmann erregt: Ich habe ihn noch immer geschont. Hören Sie erst, was Wittkowski Ihnen alles vorschwin­deln wird. Dann werde ich noch mehr sagen. Hätte Grans ehrlich zugegeben, wie er mich be­logen und betrogen hat. dann hätte ich ge­schwiegen. (Zu Grans gewandt): Warte nur, jetzt kommst du auch noch dahin, wo ich hinkomme I"

Die Zeugin Dora M r u tz e k, die mit ihrer Freundin Emmi Schulz viel in Haarmanns Wohnung verkehrte, schildert den Fall des Ber­liners Franke. Sie sagt, daß sie eines Morgens den jungen Mann mit de mGesicht zur Wand unbeweglich im Bett liegen gesehen hätte. Haarmann habe zu ihr gesagt, daß er schliefe. In Haarmanns Wandschrank habe sie einen Topf mit Fleischstücken gefunden, die der Gerichtsarzt für Schweinefleisch erklärte.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 10. Dezember 1924.

Der Umweg

Die Gerade zwischen zwei Punkten ist immer die kürzeste Verbindung. Das lernt man schon in der Mathematikstunde. Das Leben aber mit seiner höheren Mathematik straft solche hübschen Sätze oft Lügen: denn im Leben führen häufig kleine Umwege schneller zum Ziel, als der kür­zere Weg.

Haben Sie nicht schon gehört, daß einem der Rat gegeben wird, man solle nicht mit der Tür ins Haus fallen? Das heißt doch wohl: man solle nicht so direkt auf sein Ziel losgehen, sondern vorsichtig einen Seitenweg wählen und zur rechten Zeit mit seinem Anliegen auf der Bildfläche erscheinen. Hier kann man etwas von manchen reisenden Geschäftsleuten lernen. Cs ist kein Zweifel, daß sie Geschäfte machen wollen, aber sie sprechen beim Besuch ihrer Kundschaft zunächst kein Wort davon. Sie haben ihren Koffer neben sich stehen und erzählen etwas von dem letzten Eisenbahnunglück, von der neuesten Mode, vorn Sport, von einem berühmten Geiger usw. Der Kunde hört das meist nicht ungern; freilich ist er erstaunt, es aus solchem Munde zu hören. Er merkt den Umweg, denkt sich aber in den meisten Fällennichts Böses" dabei, und ehe er es sich versieht, ist er da. wo er fein soll: in einer Stimmung, in der er leichter kauft als fonff. Der kleine Umweg war der schnellste Weg zum Ziel.

Ganz ähnlich ist es in Gesellschaft. Besonders alte Damen verstehen diese Kunst des Umwegs ausgezeichnet. Sie fragen niemals oder sehr selten direkt. Ihre Fragen sind so behutsam und ent- sernt, daß man immer zutraulicher wird; dabei kommen sie auf die verschiedensten Gebiete, und es könnte den ganzen Abend so gehen; zuletzt merkt man bann, daß man das verraten hat, was man bei einer direkten Frage niemals Derraten hätte. Es war ein Umweg, aber doch ein erfolg­reicher.

Letzten Endes ist ja die ganze Kleindiplo­matie unseres Lebens die Kunst des Umweges. Z.B. das große G^chick, der Frau, auszuweichen, weil sie sicher ist, daß man ihr folgen wird, zu tun, als wenn sie nichts merke, wo sie doch genau weiß und fühlt, wie es im Herzen des andern steht, gleichsam die Kraftprobe darauf, ob ihr Versteckspiel zum Erfolge führt es ist alles darauf berechnet, auf Umwegen zum Ziele dem einen Ziele zu kommen: den Mann zu beherr­schen, ohne daß er es merkt.

Ja, es ist sogar bei Kindern schon so. Diese kleinen Schelme haben bald erfaßt, wer für und wer gegen sie ist, und sie legen ihre Fäden so ge<* schickt, daß ein Vaterherz nicht widerstehen und eine Mutter vor Freude außer sich werden kann. Auf die Frage:Bist du Papas Bester?" kommt sicher die Antwort:Ja, Papas Bester, aber Mamas Liebling", und wenn Papa und Mama nicht sehr fest sind, so wird der von ihnen ver­sagte Wunsch glatt abgeschmeichelt. Schmeichelei ist immer der feinste, aber sicherste Umweg ge­wesen.

Wer will da so tölpelhaft fein, immer gleich mit der Tür ins Haus zu fallen? H. H.

** Kreisdirektor Ernst Werner von Groß-Gerau wurde mit Wirkung vom 15. Dezbr. 1924 an zum Kreisdirektor des Kreises Offen­bach ernannt.

** Neuestes von der Winkelre- Harne. Die Geschäftswelt wird wieder mal von allen möglichen Agenten besucht, die für die Auf­gabe von Adreßbuch-, Film-Reklame und dgl. werben und dabei selbstverständlich diegrößten Erfolge" verheißen. Was dabei herauskommen kann und wie man anderwärts darüber urteilt, ist aus der nachstehenden Aeußerung in den Husumer Nachrichten" zu entnehmen:

Cs gibt keinen leichtgläubigeren Menschen als Inserenten, wenn es sich um auswärtige Reklame-Angebote handelt. Jede Schund-, Winkel- und Gelegenheits-Reklame findet Absatz mehr als die darin empfohlene Ware oder Leistung und das lächerlichste ist: die guten Leute bezahlen solchen Zauber oft auch noch im voraus. Die neueste Landplage sind sogenannte Stadtfilme. Hordenweise ziehen dieVertreter" einiger auswärtiger Film-Unternehmer im Lande herum und suchen Dumme. Oft sind sie im Be­sitze von amtlichen Bescheinigungen und Emp­fehlungen mit Amtsstempel usw., ein Zeichen, daß auch bei Behörden eine polizeiwidrige Ver­trauensseligkeit herrschen kann. Hätte man in solchen Fällen die ortsansässigen Zeitungen be­fragt, bevor man solche Leute auf die Geschäfts­welt losließ, wäre mancher Kaufmann und Steuerzahler vor Schaden behütet worden. Ha­ben sich die Leidtragenden gar nicht klpr gemacht, daß solche Reklamen, selbst wenn sie zur Vor­führung kämen, auswärts gänzlich wertlos sind, und am Orte braucht man nicht kleinstädtische Betriebe- abzukurbeln, um vor einem gleichgül­tigen Publikum zu gleichgültiger Zeit Reklame­bildchen herunterschnurren zu lassen. Der schönste Schwindel wird nun aus Oldenburg berichtet: Ganz Oldenburg ist einem großen Schwindel zum Opfer gefallen. In allen Geschäften wurde für die Anfertigung eines Stadtfilms geworben. Einige Männer es waren auch merkwürdige Vertreter der Weiblichkeit dabei klopften alle Gewerbetreibenden ab und fanden die meisten auch bereit, ihren Betrieb filmen zu lassen. Sie kamen mit großem Apparat, stellten und arran­gierten und drehten, und vor allem, liehen sich

das Geto geben, bis zu 1000 Mark Vorschuß in einzelnen Fällen. Einem mißtrauischen Fahrrad­händler stieß etwas auf, er ging in einem unbe­wachten Augenblick an den Kurbelkasten und fand ihn leer als Atrappe. Der Polizei, die bann benachrichtigt wurde, meldeten sich eine ganze Menge von Geschädigten."

* Rotes Kreuz, Gießen. Man schreibt uns: Laut heutiger Anzeige hat der Gießener Zweigverein des Roten Kreuzes in Ge­meinschaft mit der hiesigen F ü r s o r g e s ch w e- st e r auch diesmal wieder eine Weihnachts­feier mit anschließender Weihnachtsbe­scherung für unsere Krieger- und Wai­senkinder angekündigt. Dazu braucht man aber Geld, denn es sind etwa 600 Kinder zu bedenken. Der Betrag zum Ankauf der Geschenke soll jedoch nicht durch Almosen aufgebracht werden, denn das entspräche nicht der Würde der 'Väter, die für Deutschland gestritten, gelitten, und zum gro­ßen Teil ihr Leden gelassen haben. Die notwen­digen Mittel sollen sich vielmehr ans Gegen­gaben, d. h. aus den Eintrittspreisen für 'Dar­bietungen zusammensehen, mit denen einige Mit­glieder der Gießener Waldbühne am 16. Dezember (Anfang 8 älhr) im Kath Verein shaus vor die Bürgerschaft treten Geboten werden Rezitationen aus Klassikern Lieder von Schubert, Mendelssohn und Schu­mann, ein Sing-- und ein Lustspiel, Cinzeltänzc (Chopin, Schubert, Gossec) u. a. in., also ein Pro­gramm, das schon durch seine Vielseitigkeit bei künstlerischer W-edergobe einen Besuch des Abends als wünschenswert erscheinen läßt; dazr kommt aber noch der Zweck, welcher der Wohl­tätigkeitsveranstaltung eine ganz besondere Weihe verleiht: gilt es doch, wie gesagt, mehreren hun­dert Krieger- und Waisenkindern bei der geplan­ten Vorfeier derfröhlichen, seligen, gnaden- bringenden Weihnachtszeit" in Form praktischer Geschenke unter dem Lichterbaum eine Freude zu bereiten, ein Vorhaben, zu dessen Verwirklichung auch Minderbemittelte bei dem niedrig gehal­tenen Eintrittsgeld beizusteuern in der Lage sind " Ein Detrügerpaar. Der Polizei­bericht meldet: Seit September 1924 haben der Kaufmann Johann Geyer und Amalie P i e l e in mehreren Städten Deutschlands Betrügereien begangen. Sie befinden sich jetzt in Offenburg» in Untersuchungshaft. Die Betrügereien wurden dadurch begangen, daß Fahrräder bei Fahrrad- Händlern gegen Anzahlung gekauft und für die Restfumme ein gefälschter Wechsel gegeben wurde. Nach Angabe der Pieke sind sie auch in Gießent aufgetreten. Etwaige Geschädigte wollen daher bei der hiesigen Kriminalpolizei vorsprechen.

Boruotizen.

Tag eskalender für Mittwoch: Stadttheater: 7.30 Uhrilnferc kleine Frau". Stadtkirche: 5 und 8 ilfjr FilmvorführungMar­tin Luther". 8.15 Uhr große Aula der Uni» versität: VortragDie deutsche Stadt und Land­schaft im Luftbild". Lichtfpielhaus. Bahnhot-- strahe:Gib mich frei.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der morgigen Erstaus führrmg der OperetteHoheit tanzt Wal - z e r" wird die Titelpartie statt von Frl. Lieber­mann von Frl. Elisabeth Friedrich vom Frankfurter Opernhaus gesungen werden.

Die Gießener Theologenschaft lädt in unserem heutigen Anzeigenteil zu einem Vortrag von Pfarrer Schmidt, Wiesbaden überDie Dostojewsky-Frage" ein. Näheres in der Anzeige.

Wettervoraussage.

Kalt, leichter Nachtfrost, zeitweise dunstig. Winde aus östlicher Richtung, trocken

Landkreis Gießen.

cu. Großen-Buseck, 9. Dez. Hier wurde ein Anterrichtskursus in Aeichskurz- schrift eröffnet, der sich eines guten Bestichs erfreut. In entgegenkommender Weise haben Ge- mcinbcrct und Schulvorstand einen Schicksal zur Verfügung gestellt.

V Orünberg, 8. Dez. Die Viehzäh­lung am 1. Dezember 1924 die Ziffern vom 1. Dezember 1922 in Klammern gestellt ergab: 109 (97) Pferde, 604 (550) Stück Rindvieh. 328 (364) Schafe, 604 (553) Schweine, 312 (298) Ziegen und 3080 (2719) Stück Federvieh. Aus der heutigen G e m e i n d e r a t s s i h u n g ist zu be­richten: Durch das Einsetzen neuer Ventile in die Pumpen des Wasserwerks ist die Leistung der Anlage e'-ne bedeutende, und dadurch ermöglicht es sich, daß der Motor zeitweise sogar ganz außer Tätigkeit gesetzt werden kann. Bei­geordneter F u l d a t ist der Meinung, daß die Beaufsichtigung des städtischen Was s e r w e r k s dem Kreisbauamt in Gießen über- tragen werden solle. Seitens des Gemeinderats wird diesem'Vorschlag entsproch.ii. Der Umbau der anderen Pumpen wird vorläufig verschoben. Den geplanten Dau eines städtischen Wohnhauses in der Gartenstraße unterstützt Bauinspektor Seim; er ist der Ansicht, daß aus finanziellen Gründen ein Doppelhaus mit vier Wohnungen zu je zwei Zimmern, einer Küche und einer Kammer vorzuziehen ist. Herr Seim wird vom Gemeinderat gebeten, entsprechende Vorbereitungen zu diesem Bau zu treffen und auch die Durchführung der Garten­straße auf die Schul st raße durch Messun­gen usw. auszuführen. In der Angelegenheit der Kleinrentner werden nach einem Schreiben des Kreisamts Louis Christ und Hch. We­ber II. als Beisitzer bestimmt. Genehmigt wurde das Gesuch des Direktors der Lanowirt- lichen Schule um Anschaffung von Bänken. Die Bürgermeisterwahl wurde durch den Cemeinderat auf den 2 5. Januar 1925 fest­gesetzt. Nach einer Meldung des Feuerwehr Hauptmanns fehlen an dem Bestand vor. 330 Meter Schlauch noch 70 Meter. Der Ge­meinderat ist der Ansicht, daß diese auf zweimal beschafft werden sollen.

D Lich, 9. Dez. Unter den Viehbeständen des Viehhändlers Ludwig Sommer und des Eisenbahnbediensteten Wilhelm Metzger in Lich wurde der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt. Die Seuche ist zwei­fellos durch Handelsvieh eingeschleppt worden. Vermutlich wird der für nächsten Montag vor­gesehene Schweinemarkt hier ausfallen.

Kreis Friedberg.

* Friedberg, 9. Dez. Die, am 2. Oktober für den Kreis Friedberg angeordnete Hunde­sperre ist jetzt wieder aufgehoben worden.

Kreis Lauterbach.

C Lauterbach, 8. Dez. Die Bahnhöft des Vogelsberges zrgen gegen tt->ärt:g ein weihnachtliches Aussebe''. ileber^U werde^