fir. 2 #1 Erster»
Erscheint täglich, nutzer Sonn- und Feiertags.
Verlagen:
GiehenerFumilicnb kälter Heimat im Bild.
Monati-Kezugrpreis: 2 GoldmarK u. 20 Bold» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. 5e r n f p r ech-Änfchlüsje : Schriftlcilung 112, Verlag undGefchästsstellebl. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeiaerGiebei,.
pofischeckkonto: Kranifurt a. Ul. 11686.
Blatt
V4. Jahrgang
Mittwoch, lO. Dezember 1924
General-Anzeiger für Oberhessen
Drud und Verlag: vrühvsche Universitätr-Vuch- und $tcinöniderei R. Lange in Stehen. 5chrif1leitung und Geschäftrftelle: Zchnlstrahe 7.
'tunahme van für die lagesnummer bi» zum Nachmittag vorher ohne jedeVerdmdlichKeit.
Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich^, auswärts 10 Doldpfennig; für Re- blame-2ln zeigen o 70mm Breite 35 Goldpfennia, Platzoorfchrift 20°,Auf» schlag - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friede Wilh Lang«; für den übrigen Zeit: Ernst Blumfchem; für den Anzeigenteil: HansBeäi, sämtlich in G»etzen.
iwinnnii
Die Frage der Regierungsbildung.
Die Möglichkeiten. — Ueber Preußen zur Rechtskoalition.
Eigentlich merkwürdig, was man mit Zahlen alles anfangen kann: die Preffe der gesamten Parteien und auch die Führer soweit sie sich äußern, amüsieren sich jetzt seit 48 Stunden damit, die Ergebnisse der Wählen solange hin und her zu jonglieren. bis cs ihnen möglich ist, für ihre Partei einen besonders großen Sieg herauszulesen. Mit Ausnahme der Rationalsozialen wollen sie alle gesiegt haben. Aber dieser äußere Stegesjubel übertönt den inneren Katzenjammer doch nicht vollständig. Sozialdemokraten und Demokraten sitzen vor einem Reichstag, mit dem sie nicht recht etwas anfangen können, ihre große Hoffnung, daß die Weimarer „Derfas- s u n g S m e h r h e i t" als Herrscherin zurück- kehren würde, hat sich nicht bestätigt: sie rechnen zwar aus. daß im Vergleich zu den Reichstagen von 1920 und 1924 die Minderheit der Weimarer Koalition sehr viel geringer geworden sei. aber das nützt ihnen nichts, denn mit einer Minderheit können sic nicht regieren, weil sie bei der ersten Gelegenheit über ein Mißtrauensvotum des Reichstags stolpern müßten.
Also schwenken sie langsam ein und besinnen sich daraus der Rot gehorchend, nicht dein eignen Triebe , daß es doch einmal so etwas wie eine Große Koalition gegeben hat. Die Deutsche Volkspartei, an der sie in den letzten Monaten kein gutes Haar ließen, erscheint ihnen mit einem Schlage wieder als ein immerhin erträglicher V u n d e s g e n o s s e , zumal wenn sie einen republikanischen Wohlverhaltensschein ousstellen will. Sie mögen auch darauf hoffen, daß die Verschiebung der Mehrheitsver- hältnisse innerhalb der Koalition den Sozialdemokraten die Führung sichern und die Deutsche Dolkspartei im günstigsten Falle zur Rolle eines Feigenblattes herunterdrücken würde. Der Plan ist sehr hübsch gedacht, wird ober verzweifelt wenig Gegenliebe finden. Innerhalb der Deutschen Volkspartei sind die Stimmen, die sich für eine "Beteiligung an der Regierungs- gemeinschast mit der Sozialdemokratie ausspre- chen, so gering, daß sie sich im entscheidenden Augenblick überhaupt nicht werden durchsetzen können. Ein Zusammenarbeiten mit der Sozialdemokratie ist nicht nur deshalb unmöglich, weil 's binnen kurzem über der neuen Steuergesctz^ gebung wieder auseinander brechen müßte, sondern ebenso sehr deshalb, weil die Deutsche Dolkspartei den Eindruck gewonnen hat, daß die Sozialdemokratie in den gegenwärtigen Einstellung überhaupt nicht vcrhandlungssähig'ist.
Es bleibt also als aussichtsreiche Mehrheit lediglich die Konstellation, die den Ausgangspunkt des Wahlkampfes gab: die Verbindung der Mittelpa rteicn mit den Deutschnationalen. Freilich, auch das wird nicht ganz lcich» sein: nachdem im Mai und im Oktober die Verhandlungen gescheitert sind, ist auf beiden Seiten ein gutes Teil Mißtrauen geblieben, daS j t)? Möglichkeit c ner neuen Aussprache ungewöhnlich erschwert. Die Deutschnationalen stützen sich darauf, daß sie ein neues Dertraucnsvotum ihrer Wähler in der Tasche haben und werden deshalb nicht geneigt fein, von ihren Forderungen auch nur einen Schritt obzuweichcn. Das Z en li u in — auch wenn es dem Reichskanzler selbst nicht bis zum Ende des Weges folgen sollte — wird schon mit Rücksicht auf seinen linken Flügel alles vermeiden müssen, was den Deutschnationalen innerhalb der neuen Koalition ein Uebergewicht einräumen konnte.
Eine Vermittlung von außen her, wie sic vielleicht unter anderen älmständen der Reichspräsident unt rnehmcn könnte, ist nicht zu erwarten. Wenn aber die Verhandlungen von vornherein mit unbegrenztem g gcnseitigen Mißtrauen beladen sind, steht zu befürcht.n, daß sie scheitern, auch wenn sie an sich fachlich nicht zu scheitern braucht n. Vielleicht wäre es deshalb gut, wenn man Lin Augenmerk einmal nach Preußen richt te und sich überlegte, ob nicht cvtl. hierdergegebene Ausgang c- punkt einer neuen Derständigungsmöglichlett liegen könnte. In Preußen hat zwar die gegenwärtige regierende Koalition eine feste Mehrheit, die Reigung zur Fortsetzung der Koel lion ist aber mindestens bei der Deutschen Volkspartei nicht groß Sie hat das Opfer gebracht, um eine ruhige Regie- rungszcit in Preußen 'ich. rzustellcn d-s ist ihr gelungen, damit ab r ist die Koalition er« le digr Wenn cs jetzt m. glich wäre, durch Vermittlung der Deutschen Dolkspartei eine Ver- bin düng zwischen dem Zentrum und den Deutschnationalen in Preußen hcrbeizusührcn und die Grundlagen für eia gemeinsames Ministerium zu schaffen dann wäre damit derer st cSchritt für die Llcbertragung der gleichen Koalition ins Reich geschehen.
Man weiß, daß die Deutschnationalen auf Preußen besonderes Gewicht legen. Wenn sie sehen, daß man hier loyal ihnen gegenüber handelt, werden sie im Reich um so eher bereit sein. Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Man soll nich' davon sprechen, daß darin die Eitelkeit nach Ministersesseln zum Ausdruck käme. Der Vorwurf ist zu billig, ist auch sachlich nicht begründet. denn für die Deutschnationalen ist das System Severing Ausgangspunkt ihrer ganzen Opposition gewesen, sie können sich also erst befriedigt erklären, wenn Herr Severing verschwunden ist. Eine neue bürgerliche Acra in
Preußen aber, wie sie in ihren Ansätzen schon einmal unter Stege rwald zu verzeichnen war. muß ihre Schatten auch hinüber aus das Reich werfen und würde wahrscheinlich das beste — möglicherweise sogar das einzige - Mittel sein, um der Krise im Reich ein Ende zu machen.
Die Frage der Regierungsbildung.
Die Möglichkeit einer Rechtskoalition. DieDemokratenfürdieGrosteKoalition
Berlin, 10. Dez. (Priv.-Tel.) Zur Frage der Regierungsbildung im Reiche schreibt die *3eit“, als Antwort auf eine Aeußerung des früheren sozialdemokratischen Reichstagspräsiden- ten Löbe. in denen dieser sich für die Bildung der großen Koalition ausspricht, die Deutsche Dolkspartei hat im alten Reichstag eine geradlinige Politik verfolgt, die in die Linie einer gesamtbürgerlichen Regierung einmünden sollte. Soviel wir wissen, wird sie diese Linie den Demokraten und Sozialdemokraten zuliebe jetzt nicht ablegen, sondern sie wird bei dem bleiben, was vor der Auflösung das Mögliche war und auch heute noch geblieben ist. Berwirilichen läßt sich diese Möglichkeit nur, wenn d i e Deutschnationalen sich zur
Fortführung der bisherigen Außenpolitik bekennen, wie sie es vor der Auflösung des Reichstages vorbehaltlos getan haben.
Im Gegensatz zur „Zeit" schreibt das „Be r l. Tage bl.": Es gilt jetzt, die große Koalition auf die Deine zu stellen. Der Reichskanzler braucht, wenn das Kabinett ihm zustimmt. nur an die Sozialdemokratie heranzutreten und sie zum Eintritt in die Regierung aufzufordern. Mit dem Ausscheiden des Herrn Iarres wird der Posten des Innenministers frei. Das Perkehrs- und das Iustizministerium sind ohnehin unbesetzt. Es blieben also noch vier Portefeuilles übrig, darunter das Ministerium für die besetzten Gebiete, das gegenwärtig nebenamtlich von dem Reichspostminister Höfle mit- verwaltel wird. Die Dinge liegen also so einfach und so klar, daß man die neue Regierung und die damit verbundene
Große Koalition in wenigen Tagen zustande bringen
könnte. Zum Schluß seiner Betrachtungen unterstreicht das Blatt, daß die Demokratische Partei weder direkt noch indirekt mit einem Bürger- block mit Einschluß der Deutschnationalen etwas zu tun haben will. 3m ähnlichen Sinne äußerten sich auch führende Demokraten einem "Vertreter der T. U. gegenüber. Sie waren der Ansicht, daß eine Minderheitsregierung d e r M i t te nicht in Frage kommt. Voraussichtlich werde das bisherige Rcichskabinett nach einer mit dem Reichspräsidenten zu vereinbarenden Frist zu - r ü <f t r c t e n. Der Reichspräsident werde dann verfassungsmäßig eine Persönlichkeit mit der Regierungsbildung beauftragen. Demokratische Kreise seien nach wie vor der Ueberzcugung, daß
London, 9. Dez. (Sil.) Mit der üblichen Prachtcntfaltung wurde heule das englische Parlament vorn Könige selbst eröffnet. Bei herrlichem Wetter legte das königliche Paar in der von acht Pferden gezogenen Staatskarvsse den Weg vom Buckingham Place bis zum Parlament zurück. Der Wagen wurde von Hofleuten und von Militär eskortiert. Aus anderem Wege war der Prinz von Wales schon vor dem Könige und der Königin vor dem Parlament angelangt, wo er mit den Würdenträgern des Staates das königliche Paar begrüßte. Daraus begab man sich nach dem Staatsraum, von wo der König in "Begleitung seines Gefolges das Oberhaus aufsuchte. An der feierlichen Eröffnung des Oberhauses nahmen zahlreiche Edelleute mit ihren Frauen, die ihre Krone trugen, teil. Das diplomatische Korps und viele andere ausländische Gäste mit ihren Frauen waren anwesend.
In der für die Mitglieder beider Parlamente gehaltenen
Thronrede
erklärte der König u. a.: Meine Beziehungen zu den frcmdenMächtensndwe ter- bin freundschaftlicher Ratur Die Ea p gie der Fcmdseligkeiten gegen die englischer Rech e und Interessen in Aegypten und im Sudan, die von der Regierung Zaglul Pascha eher ermutigt als abgeschwächt wurde, fand ihren Höhepunkt in dem Mord an Sir Leo Stack in den Straßen Kairos und machte erforderlich, daß die eng! sche Rcg crung Genugtuung fcrder'e. Die von der jetzigen ägyptische'. R g .r-ng angenommene Forderung s.ll die Interefs n Englands sichern, die für das englische Reich von Lebens- intercfic sind und die sich die englische Regierung bei der Un^bhäng gkeits rkl.runa Aegyptens ausdrücklich vorbehielt. Ich verfolge 'mit dem größten Interesse die Beratungen des
eine Regierung der Mitte für Deutschland am besten wäre. Da sie aber heute keine Mehrheit finden könnte, sei das Zustandekommen der großen- Koalition anzu streben. ES sei jedoch sehr zu bezweifeln, ob sich die Deutsche Dolkspartei daran beteiligen wird.
Die letzte Möglichkeit sei die Bildung einer Rechtskoalition, die für d i e Demokraten nicht in Frage kommt.
Die Fraktionen des neuxn Reichstages werden in der nächsten Woche zu ihrer konstituierenden Sitzungen zusammenfreten. Die einzelnen Sitzungstermine stehen noch nicht fest, nur die Demokraten haben ihre erste Fraktions- sihung auf Dienstag den 16. Dezember angeseyt. In dieser Sitzung wird voraussichtlich ein Antrag auf Einbringung einer Wahlresorm- Vorlage vorgelcgt werden. In der Frage der Wahl des Reichstagspräsidentcn steht die Fraktion auf dem Standpunkt, daß d i e stärkste Reichstagsfraktion den Präkidenten zu stellen hat. Die Sozialdemokraten werden voraussichtlich wieder den Abg. 2d b e zum Präsidenten ernennen.
Die ersten Parteivorstände treten bereits jetzt zusammen, und zwar der Dorstand der Deutschen Dolkspartei heute, der "Vorstand der Deutschnationalen Dolkspartei am Freitag.
Bas vorläufige amtliche Ergebnis
Berlin, 9. Dez. (Woßf.) Rach den weiteren Berechnungen des Statistischen Reichsamts durfte sich der zukünftige Reichstag aus 4 9 3 Abgeordneten zusammensehen. Davon entfallen auf die
Sozialdemokraten 131
Deutschnationalen 103
Zentrum 69
Deutsch« Dolkspartei 51
Kommunisten 45
Demokraten 32
Bayerische Dolkspartei 19
Wirtschaftspartei 17
Rationalsozialisten 14
Landbund 8
Deutsch-Hannoveraner 4
Dieses Ergebnis kann als das endgültige vorläufige Ergebnis der Berechnungen angesehen werden. Für morgen nachmittag ist eine M i - nisterbesprechung über die aus dem Ausfall der Reichstagswahlen sich ergebende Lage angeseht. Der Reichskanzler trifft morgen früh hier ein.
Minister Hamms Austritt aus der Negierung.
Berlin. 9. Dez. (SU.) Wie die Allgemeine Parlamentskorrespondenz mitteilt, wird Reichs- wirtschaftsministcr Hamm gemäß einer schon früher gehegten Absicht aus der Regierung ausscheiden. Ec ist als Rachfolger für das kürzlich verstorbene, geschäitssührende Präsidialmitglied des D e u t s ch e n 2 n d u st r i e- u n d H a n- delstages, Dr. Brandt, in Aussicht genommen.
Völkerbundes. Mein auswärtiger Sekretär hat sich nach Rom begeben, um als Vertreter Englands am Völkeröundsrat teckzun hmen. Er benutzt diese Reise, um mit den Premierministern Frankreichs und Italiens zusammenzulresfen. Meine Regierung hat noch nlch! Zeit gefunden, um in c ner "Beratung mit den Regierungen der Dornin ons das ProLokoll zur friedlichen Beilegung von Streitfällen, das bei der letzten Versammlung des Völkerbundes ausgesetzt tourte, mit der notwendigen Sorgfalt zu prüfen, doch ist mit dem Studium der schwerwiegenden Fragen schon begonnen worden.
Meine Regierung ist nicht imstande, die Q3erträgc mit der Regierung der Sowjetrepubliken, die am 9. August unterzeichnet tourten, Ihrer Erwägung zu empfehlen. Es ist mein Wunsch, daß die normalen Beziehungen zwischen den beiden Ländern nicht unterbrochen werden.
Ich habe mit dem Präsidenten Deutschlands einen Handels- und Schilfahrtsvertrag abgeschlossen, um die Handelsbeziehungen der beiden Länder auf eine feste Grundlage zu bringen. Sic werden aufgc- sordert werden, diesem Entwürfe Gesetzeskraft zu verleihen. Es ist die feste Ueberzcugung meiner Regierung, daß in verengst en Zusammenarbeit mit den Regierungen meiner Dominions und Indiens in allen Angelegenheiten gegenseitigen Interesses der Schlüssel zum wirtschaft ichen Fortschritt, zu größerer Einheit und zur Stärkung des Reiches liege. Das wird das führende Prinzip ihrer Verwaltung sein. Die Politik zur Förderung des Handels innerhalb der einzelnen Rcichs- ftellen stellen mir meine Berater als äußerst wichtig hin und erklären, lest zu dieser Politik zu stehen. Die von der Rcichswirtschastskonferenz im letzten Iahre gemachten Dorschläge werden
dazu verwertet werden, um neue Dorzugsrechtc bei der Einführung von Waren nach England zu erteilen.
Die Kostenanschläge für die öffentliehen Dienste werden Ihnen in der nottocnbig;it Reihenfolge vorgelcgt werden, doch werden letzt alle erforderlichen Anstrengungen gemacht werden. um
die öffentlichen Ausgaben auf den niedrigsten Stand hcrabzuschraubcn.
der sich mit der Sicherheit des Staates ver» einen läßt. Die .r ; p nb
faflung der Steuerzahler hindert di Unternehmungslust und betoivtt Arbeit losigleit. Sparsamkeit in jeder Hinsicht ist dringend geboten, wenn wir unsere indu iriell1
fahrt wiedergcwinnen wollen. Ich freue mich, eine steigende Besserung in der Industrie- und HandelSlage verzeichnen zu können. Die gegenwärtige A isdchnrmg der Arbeitslosigkeit bereitet mir ernste Sorgen und wird von meinen Ministern ständig im Auge behalten werden. Zum Schlüsse seiner Rede äußerte sich der König über die Entwicklung des öffentlichen Erziebungswesens. die -i mciblidlid) tagende Lardwirtschaftslonicrenz und di' Arbeit der mit der Prüfung der Lebensmittel- preisc beauftragten Kommission. Rach Beendigung der Zeremonie b-gaben sich bei Kimis und die Königin zum Duckinghampalast zurück
Die Besprechung der Thronrede.
Am Rachmittag traten beide Häuser zu Sitzungen zusammen. Im Unterhaus wurd. der Vorschlag einer Loy.ilitätseril.irung an den König eingcdracht. Die Debatte Darüber würd' sofort ausgenommen und wird das Haus während der nächsten Sage beschäftigen. Wie übl'ch, äußerte sich dazu der Führer der O p P o s i t i o n als erster. Cs folgten Att'prachen von Lloyd George und dem Premierminister.
' 9)iacboitnlb
sprach seine Genugtuung über die Sciln rhmc des Außenministers Ehambcrlain an der Volker- bundslagung in Rom aus Er betonte, daß es für die britische Regierung von größter Wichtigkeit sei, ihr Interesse am V ll.rbund zu bezeichnen. Zur Frage des Genfer Protokolls meinte Mocdonald, daß die Besprechungen mit den Dominions nicht soweit hinaue geschoben werden sollten, daß sie eine Verzögerung der Abrüstungskonferenz verursach n könnten. Desgleichen hoffe er, daß man nicht wieder zum System der Bündnisse zwischer Staatengruppen zurückkehren möge, wie das vor dem Kriege der Fall war. Ein derartiges System könne nie den Frieden und die internationale Zusammenarbeit gewährleisten. Die Art der Behandlung der russischen Frage in der Thronrede bezeichnet Macoonald als sehr milde im Gegensatz zu dem. was seine politischen Gegner während der Wahlschlacht über diese Frage geäußert haben. Die Lösung des englisch- russischen Vertrags unterzog er einer sehr scharfen Kritik. Die Stellungnahme der Regierung zur Frage der Reichsbevor)iigung im Handel verstehe er nicht, wie könne die Regierung ihrer Politik Wirkung verleihen ohne Einführung der Lebensmittelzölle. Das Land habe bereits über die Sarifpolitik das Urteil gesprochen.
Lloyb (Hcorge
erklärte, er sei zufrieden, daß die Regierung ihren Wunsch klar zum Ausdruck gebracht habe, trotz der Zurückweisung des englisch-russischen Vertrages, keinen Bruch mit der Sowjctre- g i ew u n g herbeizuführen. Es fei auch sehr zu begrüßen. daß das Genfer Protokoll vor einer Beschlußfassung eingehend geprüft werde. Lloyd George bedauerte, daß die Thronrede die Frage der interalliierten Schulde n nicht erwähne. Großbritannien habe die größten Steuerr zu tragen. Dies fei eine .vage von größter Bedeutung für die Finanzen und den englischen Handel. Gegenwärtig fänden Verhandlungen zwischen Frankreich und — er fei dessen sicher —, auch zwischen Italien und den Vereinigten Staaten in Washington wegen ihrer Schulden statt, — und England? Es fei allerdings eine sehr unangenehme Ausgabe, seine Freunde zu bitten, ihre Schulden zu bezahlen. Die Vereinigten Staaten hätten niemals auch nur einen Augenblick gezögert, England aufzufordern zu zahlen. England sei das am schwer st cn besteuerte Land in der Welt. Es habe das Recht, von den Alliierten zu erfahren, ob es für unbegrenzte Zeit über 30 Millionen für sie an Amerika zahlen soll, ohne daß von diesen Alliierten eine Anstrengung gemacht wird, England entgegen» zukommcn.
Premierminister Baldwin erklärte, es wäre schwierig gewesen, einen kurzen Paragraphen über eine so verwickelte Frage wie die interalliierten Schulden abzufassen. D.ese Frage müsse bald im Unterhaus erörtert werden. am liebsten schon in der nächsten Woche. Der Schatzkanzler würde bereit fein, an dieser Er« örterung teilzunehmen.
Bezüglich Singapores erklärte der Premierminister, die Regierung habe noch lerne Entscheidung getroffen,- au? wie lange Zen sich die Arbeiten erstrecken wurden und auch nicht über den Beitrag Englands oder besonders inter- cfficrjM Dom n.ons: die Regierung hab aber barüflk bereits mit ben Dornin onL Fühlung ausgeWtom.cn Während er das Industrie- schuygesey benutzen werde, um wirksame (efficicrt) Industrien zu schützen, wo c ne große I Arbeitslosigkeit durch unlauteren Wettbewerb verursacht werde, werde er diesem Parlament I feinen Schutzzoll vorlegen und auch das
Eröffnung des britischen Parlaments.
Der König verliest die Thronrede. — Die Debatte int Unterhaus.


