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2-as -veirreoen je Der wertvticvenven Kommune sollte es daher sein, ihren Dolksschulkindern, welche am meisten unter Wohnungsnot und ihrem Ge­folge von überfüllten, schlecht ventilierten, unge­nügend belichteten, feuchten und ungesunden Woh­nungsgelegenheiten leidet, durch die Bereitstel­lung von gesundheitlich einwandfreisten Schul­räumen ein entsprechendes Äquivalent zu bie­ten und damit an der Bekämpfung dieser Krank­heiten sich zu beteiligen. Diesem Gesichtspunkt wurde aber seither in Gießen noch nicht aus­reichend entsprochen.

Es ist richtig, datz wir ein armes Volk gewor­den sind, und daß die Verhältnisse uns zwingen, unsere hygienischen Forderungen auf das beschei­denste Mast herabzufchrauben. Dies ist auch in den Kriegs- und Vachkriegsjahren weitgehendst geschehen. Dah aber heute noch in jeder Hinsicht zu beanstandende Schulräume, wie sie z. D. die alte »Aliceschule" aufweist, zu Unterrichts zwecken der Volksschule benutzt werden, läßt sich na­mentlich bei der heutigen Heberfüllung der Klassen nicht mehr länger verantworten, derartige un­haltbare Zustände müssen geradezu die Kritik herausfordern. Es sei hierzu bemerkt, dast ersah- rungsgemäst gerade die Schüler dieser Schule besonders ungünstige Gesundheitsverhältnisse auf­weisen.

Auch hier must also unbedingt Abhilfe ge­schaffen werden. Legt das Gesetz den Eltern die Pflicht auf, ihre Kinder einer Schule anzuver­trauen, so haben sie auch einen Anspruch daraus, diese in hygienisch einwandfreien Schulhäusern untergebracht zu wissen.

Die Stadtverwaltung Giehen besaht sich schon seit über 20 Jahren mit dem Projekt der Errich»- tung eines modernen Dolksschulgebäudes, das schon seit vielen Jahren als ein wirkliches Be­dürfnis von ihr anerkannt wurde. Die Errichtung dieses Gebäudes bei der heutigen Finanzlage der Stadt noch länger hinauszuschreben, wäre ein später nicht mehr gutzumachendes Unrecht an der Giehener Volksschuljugend. Drängend aber ist davor zu warnen, wieder einmal mit einem Aotbehelf" .halbe" Arbeit zu leisten. Halbe Maßnahmen sind bekanntlich die kostspieligsten und erfüllen ihren Zweck nur unvollkommen.

Dr. B

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

L W i e s e ck, 10. Aov. Am Sonntagmorgen konnte die Wache von der umfangreichen Brand- st e l l e zurückgezogen werden und alle Gefahr als beseitigt gellen. Die AufräumungZarbeiten wür­den mich den Sonntag über fortgesetzt. Der Scha­den ist für die Betroffenen recht hart, da die Versicherungen zum Teil gering waren. Die im Laufe des Sonntags ein ge leite e erste Hilfs­aktion für die Abgebrannten zeitigte' ein äuherst günstiges Ergebnis. Durch dre Ortsschelle wurde am frühen Nachmittag zur Ab­lieferung von Heu und Stroh aufgefordert, die spenden liefen bei der Sammelstelle an der Kirche bis zum Abend so zahlreich ern, dah damit die erste Mot behoben ist. Ein recht schönes Zeugnis wahrer Nächstenliebe! Hm das schnelle Wieder- aufbauen der zerstörten GekÄude zu ermög­lichen, wwd von der Gemeinde versucht, Gelder zu beschaffen. Es ist selbstverständlich, dah das günstige Wetter am gestrigen Sonntag sehr- viele Neugierige aus der Hmgegend an­lockte, der Brandstelle einen Besuch ab^uftatten. .Es sind Tausende gewesen, die gestern in Wies eck waren. Der Feuerwehr, der Giehener sowohl l wie der Wiesecker, gebührt für ihre aufopfernde Tätigkeit der gröhte Dank, sie taten das menschen- 7 möglichste, das Feuer auf feinen Herd zu beschrän­ken, und dah es gelang, war ein großes Glück. 'r Unter der Beschuldigung, sich an einem jähri­gen Mädchen vergangen zu haben, wurde am Sonntagabend ein etwa 30jähriger Mana f e st g e n o m m e n und nach Giehen abge'ührt. Er ist Kriegsbeschädigter, gab an, aus Qltarbuig zu stammen und bettelte hier. Die Ermittelungen wer­den ergeben, ob sich der Verdacht bestätigt. Vor­läufig stellte der Verhaftete alles in Abrede. Die niedrig st e Ster blich keitsziffer seit 18 7 5 weist unser Standesamtsregister auf. Es starben in diesem Jahre bis zum 1. November 23 Peifvnen. Der Durchchnitt der letz en Jahre betrug 40 bis 45 Sterbefälle. Auch die Zahlder Geburten g i n g e r h e b l i ch z u r ü ck, sie be­trug bis 1. November 50, während schon Jahre mit 90 Geburten zu verzeichnen waren. Che- schliehungen wurden 20 vorgenommen.

Kreis Friedberg.

^ Bad-Nauheim, 7. Nov. D.r hesire StenographenvereinGabelsberge r", V er seit m H. als 25 Zähren das System sei eZ M i- sters in eiligster Prpagandaarb it g lehrt und verbreitet hat, ist Der Au ff r eru g desD ut- sch'n Sien gr.rph.'bun es Gab..sberg r' g,f lgt, indem er k>. schloß, sich sofort auf die Reichs - kurzschrift umzustellen. Die am 1. CE o'er* 'begonnenen Babelsberger Anfängerkurse in der Voltschule und im Verein w r.en sofort ab'ge­brochen und durch Anfängrrkurse in der Reichs­kurzschrift ersetzt.

öf. Friedberg, 8. Nov. 3n das hiesige Polytechnikum sind in dem begonnenen Wintersemester 124 Studierende neu einge­treten. Die Zahl der Hörer beträgt über 600. Damit ist der höchste Stand seit Bestehen der Anstalt erreicht. Unter den Studierenden be­finden sich 53 Ausländer, und zwar 8 Ungarn, 7 Russen, 3 Tschechen, 2 Holländer, 8 Lettländer, 1 Esthländer, 3 Türken, 3 Oesterreicher, 2 Jugo­slawen, 7 Rumänen, 1 Schweizer. 3 Litauer, 2 Nor­weger, die übrigen sind Reichsdeutsche: nach Fächern geordnet waren es im Do eigen Semester 312 Maschinenbauer, 176 Elektrotechniker, 45 Bau­ingenieure, 26 Architekten. Dah die Anstalt für das wirtschaftliche Leben unserer Stadt von grober Bedeutung ist. nimmt kein Wunder, aber auch das geistige Leben bleibt davon nicht unberücksich- ligt. oo veranstaltet die Direktion eine Reihe all- gemeinverständl.cher Vorlesungen, an denen jeder­mann gegen billiges Entgelt teilnehmen kann Hiesige und auswärtige Kräfte der benachbarten Hochschulen G ehen und Frankfurt haben diese Vorlesungen übernommen: so hat u. a. Professor Colin (Gießen, seine Vortragsreihe über den Deutschen Roman des 19. Jahrhunderts mit gro­bem Erfolge begonnen.

Kreis Schotten.

n Laubach, 6. Nov. Vorgestern bat F o r si r a t Kratz, der frühere Oberförster der Oberförsterei Feldkrücken (Sitz in Schotten), die Verwaltung des hiesigen staat­lichen Forstamts übernommen, das bisher durch Forst assesfor Zimmer von Grünberg au-: versehen wurde. Die Stadt Laubach wird zum I

Bau des neuen ForstamtS den 'Bauptatz und die Bruchsteine liefern. Der Bauplatz ist noch nicht endgültig bestimmt.

Kreis Lauterbach.

b Fleschenbach, 7. Nov. Bürgermeister D e r t i n g feierte heute sein 25j ähr. Dienst- jubiläum. Kreisdirektor Dr. Michel sprach dem Zubilar die Anerkennung und den Dunk des Kreisamts für seine treue und gewissenhafte Dienstführung aus und gab der Hornung Aus­druck, dah es ihm Der gönnt sein möge, noch lange in körperlicher Rüstigkeit und grifltgec Frische zum Wohle der Gemeinde das Amt zu verwalten, dah es ihm insbesondere gelingen möge, die durch die beschlossene Feldbereini­gung in der Gemeinde hervorge trete neu Unstim­migkeiten zu Meitigen; der Kreisbirektor er­mutigte den Zubilar, auf der betretenen Bahn we terzuschrciten und versicherte ihm, dah ihm auch seine heutigen Gegner noch dankbar sein würden, dah er das im wohlverstandenen Zn'er- esse der Landwirte unternommene Werk durch­geführt habe Zur Erinnerung an den Tag über­reichte der Kreisdirektor dem Zubilar ein Hand­schreiben, in dem die Glückwünsche des Kreis- amts zum Ausdruck gebracht f nd. Beigeordneter Hausmann übeigÄ mit Worten des Dankes für seine der Gemeinde geleisteten Dienste dem Zubilar einen von den Mitgl'.eoern des Olls» vorstandes gestifteten Sessel. Bürgermeister Ber­ti n g verband mit seinem Dank für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen die Bitte, der Ge­meinderat möge ihm auch fernerhin in der seit­herigen Weise bei seinen gemeinnützigen Bestre­bungen unterstützen. Auher den M.tgliedern des Ortsvorstandes hatten sich einige Kollegen des Zubilars aus Nachbargemeinden zu der Feier eingefunden.

Ä> Holzmühl, 7. Nov. Seit der Bildung einer eigenen Bürgermeisterei imZahre 1899 stehl Bürgermeister Schloder an der Spitze unserer Gemeinde. Am gestrigen Tage feierte er fein 2 5 jähr. Dienstjubiläum. Kreisdircktor Dr. Michel war hierzu erschienen und überbrachte ihm die Glückwünsche des Kreis­amts, denen er durch die Ueberreichung eines Handschreibens besonderen Ausdruck verlieh. Der Ortsvorstand lieh durch den Beigeordneten Rasch dem Zubilar einen von der Gemeinde gegifteten Sessel übergeben. Der Zubilar dankte in bewegten Worten.

Starkenburg und Rheinhessen.

fpd. Offenbach 9. Nov. Der kommu­nistische Reichstagsabgeordnete Adam Ebner aus Neu-Zsenburg, der sich wegen einer Knochen- Vereiterung im hi es gen K'.-ankeahaus einer Ope­ration unterz ehen muhte, würd' hier wegen eines Strafermi.ilungsv er fahrens mehrere- mal polizeilich vernommen. Zn einem unbewach­ten Augenblick verlieh Ebner sein Zimmer und floh aus dem Koankenhause. Heber seinen Aufenthalt konnte bisher nichts in Erfahrung ge­bracht werden. Die Flucht Ebners hängt aller Wahrscheinlicht-'it nach mit der Aufdeckung der kvm m u« i ft schcn Pah f.äl scherzentrale zusammen.

Hessen-Nassau.

# Königsberg (Kr. Biedenkopf), 9. Nov. Tie Bautätigkeit war in diesem Zahre hier s e h r r e g e. Trotz des großen Geldmangels wur­den 5 Wohnhäu er nebst Wirtschaftsgeb uden ge­baut, wovon das letzte in Kürze bezugsfähig toirb. Tie Firma Rinn & Eloos vergrößerte t.'jre Fa brik durch einen Anbau, der feiner Voll­endung entgegengeht. Von der Firma M e n z & Schlierbach, Dillenburg wird augenblick­lich ein neues, grö heres Maschinen Haus für die hiesige Grube Mannosmon i gebaut Die Gemeinde verstand die Baulust zu fördern, indem sie neues Baugelände erschloh und es zu sehr günstigen Be i igungen abgab Der in dea l tz ea Zähren entstandene neue Dorfteil umfaßt jetzt 10 Gehöfte und die Zigarre 'fab.stk. Die Einbrecher, die vor ein ger Z it im Hohen- solmser Konsum verein ei gehorchen h t- ten, sind in Göttin gen ermittel' un) in Ge­wahrsam genommen w r en Der Diebstahl, der einen Tag später in Stnufenöerg verübt wurüe, wird ebenfalls auf ihr Konto gesetzt.

fpd. F r a n k f u r t a. M., 9. Noo. Die Hoch- Wasserflut des Mains ist beendet, von Stunde zu Stunde ebbt der Main mehr in sein Bett zurück. _ Der Pegolstnnd beträgt nur noch 1,30 Meter über der Nvrmalhvhe. Nun erkennt man aber auch die Folgen des Hochwassers. An zahlreichen Stellen des rechten Mainufers rissen die Fluten das Stratzenpsllister in weitem Um­fange auf und wirbelten die Steine in den Main. Die Schiffahrt wird voraussichtlich noch einige Tage ruhen müssen. Dagegen wird der Fähr­betrieb an der Notbrücke Montag srüh wieder ausgenommen. Die Feuerwehr ist jetzt eifrig bei der Arbeit, die unter Wasser gesetzten Keller der Altstadt mit Motorspritzen oder mit Saug- onlagen wieder trocken zu legen. Zn Frank­furt, Köln, Koblenz, Rüdesheim, Darmstadt, G i e tz e n , zburg,.mbe.g und noch etwa 40 anderen west- und süddeutschen Städten ver­übte ein Trio durch Vorlage gefälschter Dank- quittung.n der Sand-Bank D. ©a d.ns in Amster­dam um aigrc ch. Bet . ügereicn, wo. e. ihm hohe Werte in die Hände fielen. Die Verbrecher wurden jetzt in Hof i. D. auf frischer Tat ertappt und fe ft genommen. Es Hand lt ficf) um den 26jährigen Kaufmann Ferd.nand Seih aus Wadrach bei Trier, den 26jährigen Kaufmann Johann T h ö n n e s aus Morscheid bei Trier und dic Hausangestellte Katharine Z b e n t h a l aus Heddersdorf bei Neuwied.

Wirtschaft.

Ein deutsch-französisches Kohlen- adkommen.

Zn Paris ist soeben in Ausführung des Londoner Paktes ein Kohlenlieferungs- Abkommen fertiggestellt worden, das voraus­sichtlich in dieser Woche Dom Organisationis- fomitee für Sachlieferungen ratifiziert werden wird. Das Abkommen legt in grotzen Zügen die Lieferungsbedingungen fest und bildet einen Er­sah der am 28. Oktober abgelaufenen Micum- Verträge. Kleinere Ergänzungen wird dieses Ab­kommen durch die nächsten in Essen anf .n,s dieser Woche stattfindenden Besprcchu gn> e.f: - ren. Die zu liefernde Kohlenmenge wird auch in Zukunft von der Repacationstornmission für jeden Monat im voraus bestimmll Für den Mo- nai November sind im ganzen 1 114 000 Tonnen auf Reparationskonto an Frankreich und Belgien £ iberweisen: die Lieferung seht sich z-u Diei' Fünfteln aus Steinkohle und zu einem

Pariser Presse kann alleromg8 nicht anders, als auch diese Angelegenheit zum Gegenstand eines Angriffs auf Deutschland zu machen und die Behauptung aufzustellen, daß vom 28. Ok­tober ab von deutscher Seite keine Kohlen ge­liefert wären. Das trifft nicht zu, die deutschen Zechen fühlten sich vielmehr verpflichtet, auch für die Zeit zwischen dem 28. Oktober und dem 1. November Reparationslieferungen auszufüh­ren, die allerdings autzerhalb der Micumver- träge und des jetzigen Abkommens liegen, trotz­dem aber auf Reparationskontv gutgefd>rieben werden.

*

* Betriebsstillegungen in Sach- f e n. Die Zahl der bei dem Sächsischen Arbeits- ministerium in der Zeit vom 16. bis 31. Oktober eingegai genen Anzeigen von Betriebsstillegungen beläuft sich auf 24, ist also um 3 großer als die Zahl aus der ersten Hälfte des Monats. An der Spitze steht die Maschinen und Apparate-Zn- dustrie.

Buntes Allerlei.

Dic Dicke der Wolken.

Die Dicke der Wolkenschichten ist erst in neue­ster Zeit durch zahlreiche Drachen- und Fessel­ballonaufstiege näher erforscht worden. Heber bie interessanten Ergebnisse berichtet W. Keppler in denNaturwissenschaften". Die mittlere Dicke ber meisten Wolkenfvrmen, mit Ausnahme der eigentlichen Regenwolke, des Nimbus, beträgt nur wenige hundert Meter. Am häufigsten kehren die Schichtdicken von 200300 Meter wieder, fo dah man darin eine bestimmte Gesetzmässigkeit vermuten darf. Die Wolkenschichten gehören fast ausnahmslos den oberen Teilen der kalten Luft- körper an, und man darf annehmen, dah die Wolken sich im allgemeinen im oberen Teil aufsteigender Luftkörper befinden und dah über ben Wolken ein Zirkulätionssystem mit vor- herrschend absteigender Luftbewegung beginnt Die senkrechte Entwicklung der Wolken ist sehr von den Wärmeverhältnissen abhängig, was man besonders an den Haufenwollen beobachten kann. Die Entstehung dieser Wollenform ist auf bie Erwärmung der Erdoberfläche und die Bildung örtl.ch aufsteigender erwärmter Luftschlieren zu­rückzuführen. Sind die oberen Schichten warm, wie es an Sommertagen bisweilen der Fall ist, dann können sich keine Haufenwolken bilden, da der Auftrieb der erhitzten Luftschlieren beim Hebertvirt in die warme obere Schicht erlahmt. Eine bedeutende Hohenentwicklung der Wolken ist nur dann möglich, wenn bie Temperatur mit der Höhe stark abnimmt, so dah die Haufenberge mit unverm ndertem Auftrieb emporwachsen kön­nen. Zn diesem Falle entstehen dann bie Ge- w tterwolken, deren Höhe in Mitteleuropa zwi­schen 3 und 7 Kilometer betragen kann. Zn den Tropen erreichen sie bisweilen gewaltige Dimen­sionen. So hat man auf Zava einen Berg von Haufenwolken gemessen, der bis zu der unge­heuren Hohe von 15 Kilometer, also noch 6 Kilo­meter über den Gipfel des Everest, empvrwuchs. Diese autzerordentliche Höhenentwicklltng einer einzigen Wollenmasse ist nur durch bie grotzen Hnterschiede der unteren stark erhitzten Luftmassen und der oberen kalten Schichten zu erlläven. Es ist begreiflich, dah solche riesigen tropischen Gewitterwolken ungeheure Regen­mengen liefern. Zm allgemeinen kann man an» nehmen, datz Wollen, die weniger als 500 Meter dick sind, keinen ober nur ganz geringen Nieder­schlag liefern. Daher sind denn auch die meisten Wolkenformen bei uns nicht von Regen begleitet. Die Versuche, auf künstl chem Wege dicke Wolken­schichten und damit Regen zu erzeugen, sind stets vergeblich geblieben, wie durch die ausgedehnten Mahnahmen dieser Art in Ztalien und Lllrstra- lien erwiesen ist. Es wären dazu so ungeheure Energievorräte nötig, wie sie durch menschliche Kräfte nicht aufzubringen sind. Selbst bei den gewaltigen Waldbränden in Amerika und den Feuersbrünsten im Weltkriege, die bedeuten de Haufenwollen hervorbonchten, zeigte sich doch kein nennenswerter Niederschlag. Die Wärmeumlage­rungen im Kreislauf der Atmosphäre, die die dicken Regenwolken erzeugen, sind viel zu ge­waltig, als dah der Mensch sie heroorbringen könnte.

Frau Lincoln.

Abraham Lincoln, bet im amerikanischen Bürgerkrieg Präsident der siegreichen Nordstaaten war, stand in ungewöhnlichem Matze unter bem Pantoffel und hatte oft unter der schlechten Laune seiner Frau zu leiden. Eines Tages kam er um 11 Hhr von einem Parteikongreh in Chikago heim. Am nächsten Morgen sprach ihm Frau Lincoln in unverblümten Wörtern ihr Hnbehagea über seine politische Tätigkeit aus, die ihn veran- latzte, Abenb für Abend auher bem Hause zu verbringen, während sie und bie Kinder allein zu Hause sitzen mühten. Sie schlotz ihre Worte: ..Heute abenb lege ich mich Punkt 10 Hhr ins Dell. Bist du zu dieser Zeit zu Hause, gut. wenn du aber bis dahin nicht kommst, so brauchst du nicht zu glauben, datz ich daran denke, aufzu- ^eben und dich hereinzulaften." Gesagt, getan. Punkt 10 gingen Frau Lincoln und die Kinder zu Bett, und eine Stunde später llovste Lincoln an bie Tür. Er klopfte und klopfte, aber niemand öffnete. Schliehlich wurde im ersten Stock ein Fenster auf-gemacht, ein Kopf guckte heraus und fragte in schroffem Ton, wer da stände. Zch b'n's". antwortete Lincoln.Mach sckmell auf 'ch Hube dir etwas sehr Wichtiges zu erzählen." > D'' wc-itztz was ich gesagt habe", erwiderte die erzürnte Frau Lincoln.Zch bin deiner politischen <.a,.cn müde. Zch habe mir vorgenommen, bah bas letzt anders wird."Za, aber, liebe Frau" ries Lincoln ungeduldig,es ist ein Telegramm ae- kommen, dah ich zum Präsidenten der'Vereinig­ten (Staaten gewählt bin!"Nein, weiht du, Abra­ham, brach Frau Lincoln in höchstem Grade ent­rüstet los,das geht wirklich zu weit. Zch habe ja geahnt, dah du heimlich trinkst, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dah du betrunken nach Hause kommen würdest. Geh' und schlafe deinen Rausch da aus wo du ihn dir angeschafft hast!" Damit flog das Senner zu. Aber am nächsten Tag er» fuhr Frau Lincoln zu ihrem Erstaunen, dah ihr ^Ivrayam die Wahrheit gesagt hatte und wirklich zum Oberhaupt der großen Republik gcwähll wor­den war.

Büchertisch.

<8-von Frankenberg: Der große! Europäer (Dietsch & Brückner. Weimar), .Die ! -Üezrehungen des Einzelmenschen zur Gemein- ! ichaft , dieser Preisav -e des Nietzsche-Archivs I

Deroann das Buch leine Entstehung. Krieg ode< Verständigung ist bie Frage, die Frankenberg auf« wirft und im Sinne des Weltaufbaugedankens beantwortet. Das auherordentlich anregende Buch des umfassend gebildeten, alter Kultur entftam- menden Verfassers hat nichts gemein mit dem pazifistischen Gewinsel unserer Völkerbundsschwär- mer. Heber vieles wird man anders denken, aber keiner wird es ohne starke Befruchtung aus der Hand legen und es achten müssen, weil es ein aufrechtes Buch ist. 1058

Ad. Beyerlein: Der Prozeh des Müller's Arnold (Deutscher Verlag, Leip, zig). Der Verfasser ist einer der wertvollsten Ver­mittler deutscher Geschichte in erzählender Form. Die Geschichte ins Vo<k zu tragen, ist eine bedeut­same Aufgabe einer SammlungGeschichte aus der Geschichte", aus der der vorliegende Band einer der eigenartigsten ist. 1043

Eine Auswahl vonMusikalischen Novellen" der Weltliteratur gibt ein zwei­bändiges Werk des Drei-Masken-Verlags in München. Wir kennen eine ganze Reihe ähnlicher Hnternehmungen, aber keine, bie IpvielHnbekann- tes über die grohen Meister der Töne bringt. Neben Möricke und C. T. A. Hoffmann, Wagner, Storm und Liszt, den Modernen Tolstoi, Mann^ Zweig und F. Huch sind eine künstlerisch fein ab­gestimmte Dach-Novelle des D ch ermusckers Für­sten Odojewskij, eine längst verschollene Mozart- Novelle Z. P. Lysers, Balzacs den Guarneri und ihrer Ge'gmbaukunst gewidmete Novelle, schlich- lich eine sabelhaft packende Freischütz-Groteskd des grotzen Derl.oz, und eine eigenartige Erzählung von Perez ausgenommen. 1072

E. 21. Poe, den amerikanischen Hoff­mann, vielleicht den, wenigstens für uns Euro­päer eigenartigsten und intereifantesten amerika­nischen Prosaisten, hat der Münchener Verlag Al­bert Langen in seine seit langem geschätzten Aus­wahlbände ausgenommen. Don dem Dichter des Grauens, des Rätselhaften ist hier das Schönste. Bleibende zusammengestellt, psychologisch schars gesehene Novellen wieDas verräterische Herz" geheimnisvoll düstere Erzählungen wieDer Un­tergang des Hauses Hs her". Walter von Molo hm eine außerordentlich liebevolle und gründliche Einführung dazu geschrieben. 1073

Selma Öagerlöf: Gesammelte Werke. Deutsche Originalausgabe in zehn Bän­den mit dem Bilde der Dichterin und Einband­zeichnungen von Professor Walter Tieman, ver­legt bei Albert Langen in München. Es ist immer ein dumpfes Gefühl der Trauer, wem man wiederum eines lebenden Dichters ..Gesam­melte Werke" zu Gesicht b?fmimt. Das Aller mel­det sich, es verlangt Rückschau auf den zurück- gelegten Weg dichterischen Schaffens. Nun ist auch Selma ßagcrlöf schon soweit, und man steht er­staunt über die Fülle dieses Schaffens, über die Fülle edelsten Gutes, das in langer Zahre Arbeit jedes für. sich größte Bewunderung erregt hatte und nun hier in zehn starken Bänden veveinizl einen schier überwältigenden Eindruck macht Selma Lagerlöf ist seit langem als die gröhte, stärkste und echteste unter den lebenden Dichterin­nen anerkannt:Gösta Berling",Zerusalem" uni Die wunderbare Reise" stellten sie in die erste Reihe mit den ganz Grotzen unter den Lebenden. Lange schon sind ihre Bücher, ähnlich wie die Zbsens, Strindbergs, Bjornsons oder Zakobsens bet ganzen Welt vertrauter Besitz geworden. Die Dorliegenbe Gesamtausgabe wird ihr neue Freunde werben. Enthält sie doch neben den fast jedem Deutschen zum geistigen Eigentum geworbenes Romanen und Erzählungsn auch unbekannten^ Sachen, eben alles veröffentlichte bis auf ihr jüngstes WerkMarbacka", Öen Anfang einer reizvollen Autobiographie. Die ausgezeichnete Ausstattung macht das Werk der großen Schwedin in der vorliegenden Ausgabe zu einem Schatz für jedes deutsche Haus. 1075

Eine außerordentlich wertvolle Auswahl deutscher Prosastücke hat Hugo von Hoff­man nsthal zu einem sichDeutsches Lesebuch" betitelten zweibändigen Werk ver­einigt, dis das Schönste und Eigenartigste ent­hält, was der Deutschengroßes Zahrhundert" von Lessing bis Schopenhauer und Bismarck an bestem Schrifttum hervorgebracht hat. Zum Sprachquell zurück, aus dem wir noch heute schöpfen, will Hoffrnannsthal führen, unsere Physiognomie, dasNationalgesicht" aufdecken aus der Literatur, sie zum wahren Besitz unser aller zu machen. Sehr feine Bemerkungen über das Wesen der Literatur, ihre 'Bedeutung für die allgemeine Kultur, für die Selbsteäenntnis eines Volles finden wir in der Einleitung Hoss- mannsthals, um derentwillen das Werk allem schon gelesen werden muß. Hab nicht minder eigenartig ist die getroffene Auswahl. Namen, wie Lichtenberg, Wieland, Möser, Maler Müller, Hamann, Moritz, Heinze, Schlegel, Wackcnroder und viele andere, in der Literaturgeschichte oft als toter Ballast empfunden, werden hier in ihren eigenen Werken lebendig, g Winnen Fleisch und Blut. Das Werk ist ein notwendiges Buch, ein erhebendes Buch für jeden, dem deutsche Literatur nicht leerer Schall bleiben will. Die Ausstattung durch den Verlag der Bremer Pressc in München ist mustergültig. 1074

Entzückende Bilder aus Alt-Frank­furt hat der Verlag Englert & Schlosfer r zu einem schönen Bande zusammengestellt, der ' ein hohes Zeugnis photographischer Kunst dar« stellt und auch in seinem textlichen Teil inter­essante Aufschlüsse gibt. 1109

Fischer-Hohenhausen: Richarö Strauß, ein Tonkunstlerrvman aus des Meisters Zugend im Verlag Frei-Deutschland G. m. b. H., Sontra in Hessen. 1111

Briefkasten der rdaktion.

100. Gesetzlich dürfen Sie von der Mielk nichts einbehalten. Wenn eine Wohnungsrepavr' tur notwendig wird, müssen Sie sich zunächst an den Vermieter wenden. Lehnt diese' ab. so muss« Sie Zh.en 2lnspr ch b im M et inigungsamt Land (beim Amtsgericht) geltend macyen.

D. 1. Nach unseren Feststellungen am 16. De­zember 1918. 2. Genaue Angaben konnten tvir da nicht erlangen. Der Schc^t soll aber nicht tiefer als 20 Meter fein.

sind alle Hautunrcinlgkeiten u. Hautausschläge, wie Mitesser, jCHeln, Blütchen usw. durch tägl. Gebrauch d. allem echten

ZeMÜMLsLbWFv von Bersmnnn <t Co.. Radebeul. Überall zu haben.

Kreuz-Drog Angnst Nnll, P. J. i ö is, Droj. 2eor| __________Wallentela, Prag. O. WänterboIL 4l4tio Rpankspin? fJoinl Geg.Zuckerkrankheit u. Aderoerkak. ib fiJiioüiiL wüI.j! hüft best. Rarlssprudc! VirkircheuN.