Ausgabe 
10.10.1924
 
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iampfeiementen beherrschen läßa tote vor einem Jahre, als sie das Kabinett Stresemann stürzte.

Die Demokraten nnd ihre Wähler.

Berlin, 10. Oft (Priv.-Tel.) Der aus demo­kratischem Boden stehendeDeutsche Bauernbund" richtete nach derD. QL Z." folgendes Schreiben an den Vorsitzenden der Demottatifchen Partei:

Wie lange gedenken Sie dies vergif­tende und toahrheitstoidrige Spiel einer gewissen demokratischen Grost- st a d t p r e s s e ungerügt zu dulden? Der Deutsche Bauernbund hat unter schweren Opfern, die seit dem November 1918 eingenommene freundliche Stellung gegenüber der Deutschen Demokratischen Partei aufrechterhalten. Er hat das getan, obwohl die sachlichen Grundlagen für seine Stel­lungnahme, nämlich die zwischen links und rechts entscheidende Bedeutung der 'Demokratischen Par­tei, heute nicht mehr wie 1918 vorhanden ist. Die Führer des Deutschen Bauernbundes aber sehen mit ernsten Sorgen den Fortgang der Entwick­lung: ^ie fühlen sich vereinsamt. Die Führer des Wirtschaftslebens verliehen in stei­gendem Mähe die Partei. Katastrophal ist der Äbström des Handwerks, das einst das Rückgrat der alten Fortschrittspartei war. Da wird ausgerechnet in dem Äugenblick, in dem die Wählermassen zu gewinnen sind, der Anschein ertoedt, als ob die Demokratische Partei lieber mit den Sozialisten und Kom- munist en in Opposition gehen, als mit Len nichtsozialistischen Parteien regieren wolle, wieder unter stärkster Forderung «derselben welt­fremden Grohstadtpresse. Wir verlangen in Kürze eine Entscheidung und klare Stellungnahme. Soll die Presse die Politik der Partei Deftimmen, dann werden nicht viele Führer des Bauernbundes die Möglichkeit persönlicher Mitarbeit in Zu­kunft Haven."

DieD. QI. 3 bemerkt mit Recht: Diese Mah- raingen würden wohl in der demokratischen Groh­stadtpresse, nicht aber in der demokra­tischen Reichstagsfraktion über hört werden, die mit ihr keineswegs zu identifizieren und die durch Entsendung von Fachministern auch bei der neuen Kabinettsbildung mitzuwirken be­rufen sei.

Die kommunistische Gefahr.

Das ruhige Verhalten der Kommunisten in den letzten Wochen und Monaten hat in wei­testen Kreisen des deutschen Volkes die Anschauung befestigt, dah in Deutschland eigentlich eine kom- munistische Gefahr nicht mehr bestehe, dah vielmehr der Kommunismus bei uns abgewirtschaf- t e t hätte. Dah dem nicht so ist, haben in der letzten Zeit zahlreiche Gerichtsverhand­lungen gegrnMitglieder lommunist.scherKampf- verbände gezeigt, von denen aber in der Öffent­lichkeit so gut wie gar nichts bekannt wurde. Schlagartig wird jedoch die unterirdische Wühl­arbeit der Moskauer in Deutschland durch,die so­eben erfolgte Aufhebung einer kommu­nistischen Pahfabrik in dem Berliner ' Stadtteil Reukölln beleuchtet, die den Beweis da­für erbringt, dah die Kommunisten gar nicht daran denken, in ihrem Kampf gegen die be­stehende Ordnung nachzulassen oder diesen Kampf l überhaupt aufzugeben. Der eigentliche Herd der 'kommunistischen Ümsturzbewegungen liegt aller- * Lings nicht mehr in Berlin, sondern, wie nachge- , wiesen ist, in Wien. Dennoch sind die Ausstrah­lungen der Wiener Zentrale so stark, dah sie, wenn die Beachtung der kommunistischen Bewe­gung auch nur kurze Zeit ausgesetzt wird, für uns von außerordentlich schweren Folgen sein kann. Die Balkanstaaten selbst haben erst vor einigen Tagen gegen die Kommunistenzentrale in Wien Front ge­macht und die österreichische Regierung zur Auf- s u n g dieses Institutes aufgefordert. Die fort­gesetzte Verfolgung der kommunistischen Revolu­tionäre in Deutschland hat es natürlich mit sich gebracht, daß der Kommunismus immer vor­sichtiger zu Werke geht und dah es schon be­sonderer Umstände bedarf, wenn die Polizei einer so bedeutenden Fälscher-Zentrale, wie der Neu- köllner Pahfabrik, auf die Spur kommt. Ebenso sorfältig verschleiern die Kommunisten aber auch ihre Vorbereitungen füreinenbewaff- neten Umsturz, so dah auch hier die Polizei nur schwer auf die Spuren der kommunistischen Staatsumstürzler kommt. Dah diese aber nach wie vor einen bewaffneten Umsturz anstreben, hat erst dieser Tage wieder eine gerichtliche Verhandlung in Hannover ergeben, die den Nachweis er­brachte, dah kommunistische Beauftragte Ange­hörigen des kommunistischen Ordnerdienstes den Umgang mit Sprengkörpern, Handgra­naten und Schußwaffen beibrachten und auch Vor­träge über Kleinkrieg und Vorbe rei- tungen zum bewaffneten Auf st and hielten. Die größte Gefahr aber liegt darin, wenn das deutsche Volk durch die momentane Ruhe der Kommunisten sich täuschen lassen und sich dem Glauben hingeben würde, dah die Zeiten kommu­nistischer Revolution bei uns endgültig vorbei seien.

DselMhak hinsichtlich der Auslegung der potirijqjen Strafhandlung auch die Auslieferung von Heinrich Schulz-Förster verweigert werden. Die Er­klärungen der deutschen RegierungZmitglieder, die in der deutschen Presse zum Ausdruck gelangerrde öffentliche Meinung und die dem Morde folgen­den politischen Ereignisse beweisen unzweifelhaft, Latz die Ernrordung Erzbergers und der zur glei­chen Zeit gegen den Abgeordneten Karl Diez be­gangene Qllordversuch ausschließlich aas politischen Motiven und dem Interesse politischer Ziele geschehen sind, besonders aber als ein von seilen der deutschen nationalsozialistischen Partei gegen die auf demokratischer Grundlage stehende republikanische 'Regierungsform gerich­tetes politisches Attentat aug?se.>n wurde, das schwere politische Folgen hätte nach sich ziehen können.

Heinrich Schulz-Förster rst heute in die Kanzlei des Gefängnisses der Staatsanwaltschaft gebracht worden, wo ihm der Freilassung s- bescheib verkündet wurde. Das Frtt- lasiungsprotökoll wurde unterzeichnet, und da z ei Detettive der Staatspttizei anw send waren, bie sofort Aufzeichnungen über ben von Schulz-Fersler gewünschten Aufenthaltsort machten, er­schien seine zu diesem Zwxke angeordaete Vor- füh.-ung bei der Oberstaatshauptmannfchaft über­flüssig. Schulz-Förster verlieh mit einem kleinen Paket, in dem er seine Lltensilien hatte und rund 35 00)Mt. Barg ld. sv'vrt des Ge.ängnis. Er soll sich wieder nach Nagyteteny begeben haben.

Die Zahlung der zweiten Reparationsrate für Oktober.

Berlin, 10. Oft. (SU.) Nachdem Deutsch­land am I. Oktober d. Is. einen Betrag von 14 Millionen Gold mark auf Reparationskönto ein­gezahlt hat, erfolgt heute die Zahlung der zwei­ten Oktoberrate in Höhe von 15 Millionen Gold­mark. Wie hoch sich der alsdann am 20. d. Mts. fällige Teilbetrag belaufen wird, hängt in erster Linie von der Höhe der von der Regie ge­tätigten Zahlungen und den Einnahmen des Re- coveri-Act ab. Nach Mitteilungen des stellve.'-- tretenden Generalagenten für Reparationszah­lungen laufen auch die Zahlungen von der Regie bei dem Generalagenten in befriedigender Weise ein.

Neue politische Attentate in Italien.

Mailand, 10. Oft. (T. U.) In Piacenza hat sich ein neues politisches Attentat e eignet. Der Kriegsinvalide 2er tu a, der sich kürzlich vom Faszismus zurückgezogen hat, wurde von Fa- szisten im Schlaf überfallen und zu Tode geprügelt. Infolge dieser grausamen Tat kam es in der Stadt zu einem Zu sarnmen- stoß zwischen abtrünnigen und offi --- ziellen Faszisten, so daß die Behörden ein starkes Aufgebot von Truppen und Polizei heran­ziehen mußten. Der vermutliche Haupttäter, ein 18jähriger Faszist, wurde verhafteL Oluch in Molinella bei Bologna kam es zu einem Zu­sammenstoß zwischen Faszisten und Karabinierie, die beauftragt waren, mehrere Mitglieder der faszist ischen 'Berbänbe zu verhaften. Es gab auf beiden Seiten einige Verwundete. In QKaiftretta wurden gestern auf den politi­schen Sekretär des dortigen saszistischen Verbandes und seine zwei Begleiter Schüsse ab­gegeben. Der eineBegleiter wurde auf der Stelle getötet und der Sekretär des faszistischen Ver­bandes, Deereare, wurde durch 2 Revvlverfchüsse verletzt. In den Kreisen der Opposition wur­den 9 Verhaftungen vorgenommen.

Die Kämpfe in Marokko.

Madrid, 10. Oft. (TA.) Es bestätigt sich, daß große spanische Lruppenobteilungea von Riffabylen umzingelt sind. Während der letzten Woche Haden die Spanier allein 6 0 Offiziere verloren, darunter vier Oberst­leutnants als vermißt. Die Riskabtzlen haben mehrereGeschüheerobert. Die spanischen Truppen int Raunte von El Avachr sind stark erschöpft. Es sind Verstärkungen dorthin ab­gegangen. Dei Dschebala und Beni Sear wird dec Vormarsch der spanischen Truppen durch starke Abteilungen von Rifleuten a u f g e 5 a b te n. Beni Scar liegt hart an der französischen Grenze im Gesichtsbereich der französischrn Stel­lungen von Brixa und Dschabel Kerna.

Internationale Garnison am Suezkanal.

London, 10. Ott. (TU.) Dass liberale Parlamentsmitglied Oberst Arnold Forster bringt für die Besetzung des SuezLanals eine inter­nationale Garnison in Vorschlag. Er stützt sich dabei darauf, dah heute der Kanal sowohl seitens der Regierung als auch der Presse ständig als internationaler Verkehrs­weg bezeichnet worden sei. Gs sei daher unver­ständlich, warum gerade Großbritannien sich berufen fühle, einen internationalen Ver­kehrsweg allein zu bewachen.

Kerne Auslieferung des Erzbergermörders.

Ungarn lehnt die Auslieferung wegen politischer Motive ab.

Budapest, 9. Oft. (Ungar. Korr.-Dur.) Der Jusiizminister hat im Einklang mit dem Gutachten des Budapester Staatsgerichtshofes die Aus­lieferung von Heinrich Schulz-Förster, dessen Auslieferung von der deutschen Regierung wegen Mordes verlangt wird, unter Hin­weis auf die politische Natur der Straftat und wegen Mangel an Gegenseitigkeit verweigert. Die deutsche Regierung hat nämlich ihren abwei­senden BZchluh in der Angelegenheit der Aus­lieferung des der Ermordung des Grafen Tisza belasteten Emmerich ©fern ha f damit begründet, daß die Straftat ausschließlich aus politischen Motiven unb während rend politischer Ereignisse begangen worden ist, die den politischen Charakter des Mordes außer Zweifel stellen. Da aber im Sinne des mit dem Deutschen Reich 1908 geschlossenen Abkommens der Kreis der Auslieferungsstraftaten durch Ge* genfeitigleit gezogen

wird, muhte unter Anpassung an den Standpunkt der deutschen Regierung in der Olnaelegenheft

Aus aller Wett.

Ausfahrt des Z. R. Ul am Samstag früh.

Friedrichshafen, 10. Oft. (SeUUn.) Wie die Morgenbläter aus Friedrichshafen mel­den, ist die Ausfahrt des Z. R. 3 von Dr. Ecke­ner auf Sonnabend früh 8 Uhr festgesetzt wor­den. Die zweistündige Probefahrt des Z. R. 3 erstreckte sich auf das Dodenfeegebiet bis Konstanz und UeberMngen. Die Fahrt ist durch­aus zur Zufriedenheit der Leitung verlaufen. Die Motore arbeiteten einwand­frei. Das Schiff ist jetzt zur Aeberfahrt nach Ame­rika klar.

50 Jahre Weltpostverein.

Die Feier im Reichspoftmiuisterium.

Berlin, 10. Oft. (TU.) Am Donnerstag abend hat im Lichthof des Reichspostmu'cums die Feier des 50jährigen Bestehens des Welt­postvereins stattg.'funden. Der festliche Ak vollzog sich zu Füßen des die Mitte des genannten' Raumes einnehmenden, mit Blumen und Blatt­pflanzen pietätvoll geschmückten Marmordenk- mals Heinrich von Stephans, des ein­stigen Generalpo st Meisters des Deut-

) a#en Reiches und «Schopsers ves aveu- po st Vereins. Postillone in Gala hatten auf den Zugangstreppen Qhifftel.ung gekommen. Schon frühzeitig füllte sich der Durch Stahle in ein Parkett verwandelte riesige R.ai.n una se.ne Galerien mit den Festteilneh nern. 'Man ,a>; en Reichskanzler D r. Marx, die Minister a. D. Stingel , Giesberts, Sydow, e i greifen ehemaligen Oberpvstdir ktor von Berlm, Geh imrat Vorwerk den Minister aldirek vr Kuhlen und zahlreiche andere nant.jafte Be­amte des Reichspostministeriums.

Ein fast historischer Augenblick war es, als R e i chs p o st m i n i st er H ö f l e die greise 83- jährige Witwe Heinrich von Stephans unter Überreichung eines Dahlien-Straußes auf ihren Ehrenplatz führte, woselbst der mit.lemxue erschienene Reichspräsident Ebert sich ihr vorstellen ließ. Das Es-Dur-Quartctt von Beet- hoven, vorgetragen von Mitgliedern des Phil­harmonischen Orchesters, L'itete stimmungsvoll ein. Dann nahm-Reichspostminister Höfle das Wort zu einer kurzen Begrüßungsansprache, in der er den Behörden, der Frau von Stephan und den Gästen für ihr Erscheinen den Satt des Reichspostm'.nisteiiums a ssprach Der Mi­nister erteilte hierauf dem Präsidenten der Oberpostdirektion Kassel, Schenk, das Wort zum Festvortrag. Der Redner bezeich­nete die 50jährige Jubelfeier des Weltpostver­eins als einen Tag von weltgeschichtlicher Be­deutung. Erst auf dem Weltpostkongreß in Stock­holm habe sich wieder gezeigt, wie groß die Ver­dienste Stephans um die Schaffung dieser welt­umspannenden Vereinigung gewesen sind und wie noch heute die Gedanken des Verewigten aktuellen Wert besitzen.

Daß auch andere Zweige der Postverwaltung inzwischen zu neuer Blüte gelangt sind, zeigten praktische Vorführungen aus dem Ge­biete des F.rnsprech- und Funkwesens. So wurde eine d rah11ose Telephonieverbin- bung mit dem v- Zug Hamburg- Berlin, der sich bet der Ausführung des Ge­sprächs etwa in der Höhe von N e u st a d t an der Stoffe befand und dann ein Gespräch mit dem Ruf See befindlichen DampferSierra Mo­re na" borg cf ü£ rt, zwe.f llrs Glanzlttst ngea auf dem Gebiete der drahtlosen Telephonie Es warben mit den im Lichthof aufg^teilten automatischen Qlemiern Verbindungen mit Teilnehmern in sern- gttgenen Selbstanschlußämtern h.>,gestellt. Auch Telegrap hieubertragunge n von Bil­dern nach den Methoden von Prof. Korn wurden gegeigt und eine wohta.'lungere -U ber- tr^gung eines Bildes Heinrich von Stephans defien Witwe überreicht. Alsdann wurde die Uebertragung der Staats o Per vorge­führt, die mit technisch «nfachen Mitteln einen guten Erfolg brachte.

Der Düsseldorfer Dilderdiebstahl.

Düsseldorf, 9. Oft. (WTB.) Die in Amsterdam verhafteten Bilderdiebe sind Dr. Im- Huppert, geboren 11. 11. 1883 in Wien, jetzt in Neuyork ansässig, und der Kaufmann Martin Bercewski, geboren 12. 11. 1893 in Neusalz, aber jetzt in Hamburg ansässig. Beide geben zu, an dem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein, behaupten aber, die Bilder nur von Düsseldorf nach Amsterdam gebracht zu haben, ohne zu wissen, daß sie gestohlen waren. Sie wollen inDüsseldorferKunst- kreisen verkehrt haben.

Aus Stabt unb Lanb.

G letzen, den 10. Oft. 1924.

Kartoffelfeuer.

Den ganzen Tag haben sie draußen vor der Stadt Kartoffeln ausgemacht. Das Land liegt um­gewühlt, ein paar Helle Kartoffelsäcke stehen prall auf dem dunklen Boden. Die Kinder schleppen das Kartoffelkraut zusammen, schichten es zu Haufen, um bann am Ende des Tagwerkes ein lustiges Kartoffelfeuer abzubrennen.

Wer einmal erlebt hat, was das heißt, ein Kartoffelfeuer anzünden unb bie kleinen Flämm- chen anblasen bürfen, ber vergißt es nie wieber. Man muh ein K i n b sein, um ganz diesen Reiz fassen zu können. Das Kraut ist ein wenig feucht, es fängt kein Feuer: man beugt sich immer wie­der darüber und bläst hinein: die Augen brennen vor Hitze und stechen vor Qualm, aber ber aus>- fteigenbe Brobem verseht einem ben Atem vor Freube, wie bas buftet. Enblich ist bie Flamme stark genug, aus sich selbst zu leben; sie erhebt sich mächtig unb umschlingt mit glühenden Armen ben ganzen Haufen bes Krauts, bah es kracht unb knistert, zischt unb gurrt, pfeift unb prasselt. In breiter Fahne zieht ber Rauch gemächlich dahin. Qlber halb geht bie Feuerherrlichkeit zur Neige. Unb währenb noch hier unb ba ein Flämmchen em* porzüngelt,' kann man bann schon in ber Asche nach ben Bratkartoffeln wühlen. Sie finb schwarz unb unförmig unb riechen so streng nach Rauch, aber wenn man sie aufbrückt, steigt ein feiner Duft auf, wie ihn sonst bie Kartoffel nicht hat, bie bie Mutter auf ben Tisch bringt. Es i,st eben ein Leckerbissen unb wie alle Seltenheiten etwas, bas man mit besonderem Appetit hinnimmt.

Das sind jetzt wieber bie Tage unb Wochen, wo man bie Kartoffelfeuer leuchten unb qualmen sehen kann. Dabei packt uns Aeltere wieber bie Erinnerung an die Zeit, wo man selber Kartoffel­kraut herzutrug imd Bratta i-toffeln. Es ist immer dasselbe. Iedes Geschlecht hat dieselben Freuden, und sie sind neu, wie sie uns neu waren.

Ha.

Gießener Wochenmarktpreise

am 9. Oktober 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem Wochenmarkt: Butter 2.40 Mk., Matte 40 Pf., Käse 70 Pf.. Wirsing 9, Weißkraut 8, Rotkraut 9, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 30 Bohnen 30 Unterkohlrabi 6, Rosenkohl 50, Feldsalat 50, Tomaten 45, Zwie­beln 15, Meerrettich 45, Kürbis 8, Kartoffeln 5, Aepfel 5 bis 15, Birnen 8 bis 15, Brombeeren 60, Preiselbeeren 80. Zwetfchen 12 bis 15, Honig 25, Nüsse 50 bis 60 Ps. das Pfund, '(Sier 17 Pf., Bli'mentohl 10 Pf. bis 1,50 Mk., Salatgurken 10 bis 20, Endivien 10 bis 20, Oberkohlrabi 10, Lauch 8 bis 20, Rettich 10, Sellerie 20 bis 60 Pf. das Stück, junge Hahnen 1,10 Mk., Suppen­hühner 1,10 Mk. das Pfund.

Wettervoraussage.

Vorübergehend aufklärend, später wieder stärker bewölkt, T.mp?r.ituren langsam ansteige d und erhöhte Re-genwahrscheinlichkeit.

" Neues Geld. Der Relchsral yai sich mit der Ausprägung von weiteren Renten­pfennigmünzen, die in Zukunft Reichspsen» n i g e heißen sollen, im Betrage von 30 Millionen Mark einverstanden erklärt. Genehmigt wurde die erste Qxrorbnung zur Durchsiih.nng Les i;ei;en Münzgesetzes: darnach sotten die je;t im Ümbur befindlichen Reichsbanknoten ihre E genschaft als g.schliche Zahmirgsmittel noch vinc Zttttang über Inkrafttreten des neuen Mürzgesetzes hinaus te- halten, und zwar bis zum Ablauf von zwei b.s drei QUonaten irach ih.em Ausruf. In ^er Verordnung wird weiter bestimmt, daß als Ab- kürzung für Reichsmark im Verkehr die Buch­staben RM gelten sollen.

S. Briefverkehr mit dem besetzten G ebiet. Auch rach Auch bung der Zo.l reir e wird der Pvstverkehr mit dem besetzten Gebiet von den Franzo en überwacht. In v.rch o s . e i Briefen und Paketen sind daher alle Acu eräugen zu unterlaßen, die dem Empfänger Schacen bringen könnten.

** Erweiterung derGrenze für Voll­drucksachen. ilm der Verkehrswelt die Qlu^ nutzung der in den letzten Iahren immer mehr vervollkommneten, zur Herstellung von Druck­sachen verwendeten Vervielfältigungsmaschinen zu ermöglichen, sind vom 1. November an zur Ver­sendung im inneren deutschen Verkehr als Volldrucksache (Gebühr 3 Pf. bis 50Gr.) allgemein auch solche Abdrucke oder Abzüge zugelassen, die durch verschiedene V er viels äl- tigungsverfahren hergestellt sind. Dei Zeitpunkt der Anwendung der einzelnen Verviel­fältigungsverfahren spielt also keine Rolle mehr. Es ist bei den Volldrucksachen ferner gestattet, handschriftlich oder mit Schreibmaschine, Stempel, Durchdruck oder Paus- (Kopier-) Presse eine innere mit der äußeren übereinstimmende Auf­schrift anzugeben sowie in gleicher Weise Firma, Namen, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders, seine Fernsprechnummer, die Tele­grammanschrift und den Telegrammschlüssel sowie sein Postscheck- und Bankkonto nachzutragen oder zu ändern. Vom 1. November an können auch noch der Absendungstag sowie sonstige geschäftliche Merk- und Kennworte oder Absenderangabe hin^ zugefügt werden.

fpd. Der Streit um das Sommer- Häuschen. TausendL von Städtern haben sich in den letzten Iahren draußen auf dem Lande sogenannte Landhäuschm von geringem Flächen- raum gebaut und verbringen hier die Sommer­monate ober aber nur die Zeit vom Samstag­nachmittag bis ONontagfrüh, während sie sonst ihren Wohnsitz in ber Stadt Hah n. Diese leich­ten, luftigen Sommerhauschen hatte sich der Sleuersiskns bei seiner Suche nach neuen S teuer- vbjekten b.ttonbers aufs Korn genommen und deren Besitzer mit erklecklichen S euertasten be­legt. Dagegen hatte maa aber Sturm bei allen Instanzen gHäutet. Alnb mit Erfolg! Denn nach einer jetzt gefällten Entscheidung des Reichs- finanzhoses sind Häuschen von geringem Fläthen- raume. die einem Familienaufenthalt aus dem Lande dienen und notdürfttg eingerichtet sind, nicht als Wohnungen anzusehen, die zur Be­gründung eines Wohnsitzes geeignet wären, te»

"Obst-undGartenbauverein. Man berichtet uns: Nach längerer Pause fand am Sonntag die erste Versammlung im Obst- und Gar- tenbauverein statt. Garteninspektor R e n t s ch , Friedberg, den Mitgliedern ein alter Bekannter, hielt einen allgemeinverständlichen, von großer Sachkermttris zeugenden Vortrag überKrankhei­ten und Feinde unserer Obftbäume. Von dem letzten Winter, dessen Zerstörungswerk wir allent­halben an Straßen und in Obstanlagen begegnen, ausgehend, erinnerte der Redner an dessen schlim­men Vorgänger von 79 auf 80. Auffallend er­scheine die Tatsache, daß damals besonders ältere Bäume das Opfer der Kälte wurden, während im verflossenen mehr jüngere, im besten Tragen stehende, der Vernichtung anheimsielen. Des wei­teren fand eine Reihe der wichtigsten kleinen Obst- schädlinge, wie Apfelwickler, Frostspanner, Apfel­blütenstecher, Rurgelspanner oder Gabelraupe, ge­bührende Beachtung. Weil sie bei gehäuftem Auf­treten unseren Obstertrag mehr oder weniger in Frage stellen, ist eine allgemeine und intensive Bekämpfung am Platze. An das Anbringen von Kleb- und Fanggürteln zur rechten Zeit sei hier nur erinnert. Eine besondere Sorge bereitet dem Obstzüchter die Blutlaus. Als einfachstes und für den Daum unschädliches Bekämpfungsmittel sei Brennspiritus mit Leinöl empfohlen. Auch wurde zur Vorsicht gegenüber der großen Zahl chemischer Mittel gemahnt und zur Verwendung nur solche empfohlen, die ihre sichere Wirkung erwiesen haben. Eine überall in größeren Baumbeständen zu beobachtende Krankheit ist der Krebs, der hauptsächlich den Apfelbaum befällt, und zwar immer nach vorausgegangener Verwundung. Auch darf nicht verkannt werden, daß Obstsorte, Boden­verhältnisse, einseitige Düngung, besonders das Fehlen von Phosphpr, eine Rolle spielen. Der Schorfbildung schien die diesjährige Witterung be­sonders günstig zu sein. Manche Birnsorten waren derartig zugerichtet, daß sie für den Verkauf nicht in Betracht kamen. Zur Bekämpfung dieser und mancher anderen Feinde unseres heimischen Obst- baumes gehört neben dem offenen Auge des Baumgärtners auch die Kenntnis der Lebens­gewohnheiten feiner Lieblinge. Fruchtwechsel, sach­gemäße Düngung, Entfernung dürren Holzes, Wundbehandlung, Bodenpflege sind unerläßliche Maßnahmen für die Gesunderhaltung der Obst­bäume und die alljährliche Steigerung ihrer Er­träge. Doch sei auch hier bedacht, dah die Vorbeu­gung leichter und billiger ist als die Behandlung der Krankheit. Eine sehr angeregte Aussprache zeigte, wie sehr der Redner es verstanden hatte, den Wünschen seiner Zuhörer Rechnung zu tragen

** Berufspolitik unsere Ret­tung! Mit diesem Thema veranstaltete die hie- siege Ortsgruppe des Deutschnationalen Hand- lungsgehilsen-Verbandes am Montag im Kauf­männischen Dereinshaus eine öftentliche Kauf- mannsgehilfen-Versammlung, in der Herr Ernst Richter aus Hamburg sprach. Er nahm Stel­lung zu den Berufsverhältnissen in der Nach­kriegszeit, in der der verneinende Marxismus ehre Zeitlang Einfluß gewinnen konnte und bei der Gesamtentwicklung nicht zum Segen gereichte. Trotz aller Widrigkeiten haben sich die auf na­tionalem Boden fußenden Gedanken wieder durch- geseht, und es habe sich gezeigt, dah der Tat­wille sich gegen die Strömung derer, die sich auf den berühmtenBoden der Tatsache" stellten, durchzusetzen veimiochte. Unbestritten liege die Führung ber Kaufmannsgehilfen wieber in den Händen des auf christlich-nationalem Boden ste­henden 'Deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes. Eingehend auf die Londoner 'Ver­handlungen warnte der Redner vor der leicht»