.«nven -rlcvchrtchten von einer rBeH1enmg der Ernte in Sana&a. Aus Argentinien verlautet von einem vermehrten Weizen crnbcru, dvch klagt man dort über ©cbäbigungen durch Trockenheit. Hafer tvurde von den Proviantämtern reichlich angefvrdert und konnte deshalb ebenfalls im Preise weiter steigen. Hierdurch veranlaht, griff auch der übrige Konsum zu.
Die gewaltige Preissteigerung an fast allen Märken führte am 8. September einen Erlaß der Regierung herbei, wonach AnbedenklichkeitSbeschei- niguTtgen für die Ausfuhr vorübergehend nicht mehr ausgestellt werden. Dieses Ausfuhrverbot wird selbstverständlich auf das Preisniveau etwas drückend wirken, doch ist in Anbetracht des geringen Ang^otes und der noch im Gange befindlichen Erntearbeiten mit einem größeren Preissturz am Getreidemarkt kaum zu rechnen.
"Lieber den Stickstoffmarkt im Monat August berichtet das Stickstoff-Syndikat: Bei normaler Erzeugung hat sich die Rachfrage im Snlanö gegenüber dem Bormonat weiter belebt dank der von uns ergriffenen Maßnahmen, durch Sonderpreise im Sommer den Absatz anzuregen. Der Auftragseingang und der Versand sind dementsprechend gestiegen. Die Wagengestellung war gut. Der Septemberpreis ist gegenüber dem Augustpreis um 3 Pfennige auf 1,06 Mark für bas Kilogramm Stickstoff im schwefelsauren Ammoniak bei gleichen Berkaufsbedingungen erhöht worden. Im Ausland war die Tendenz bei allen stickstoffhaltigen Düngemitteln fest. Die gegenüber dem Chilesalpeter auch im Ausland billigeren Preise für die Stickstoffeinheit im schwefelsauren Ammoniak wirken sich in der stärkeren Rachfrage aus. Für das Frühjahr ist eine weitere Belebung des Geschäftes zu erwarten.
A. G. für Petroleum, Industrie. — Zusammenlegung 1 z u 50. In der Aufsichtsratssitzung der Aktiengesellschaft für Petroleum-Industrie (Api) wurde u. a. die Golderöffnungsbilanz der Gesellschaft vorgelegt, in der ein Goldmarkkapital von 4 Millionen außer einem Reservefonds von 400 000 Gm. erscheint. Das bedeutet eine Zusammenlegung des Aktienkapitals von 1 zu 50. Im einzelnen enthält die Passivseite weiter: Kreditoren 2 204 204, Hypotheken 15 000, Avallreditoren 20 522. Dem stehen gegenüber: Grundstücke 900 000, Fabrikgebäude 1 500 000, Fabrikapparaturen, Kesselwagen, Lagereinrichtungen usw. 1 224 000, Borräte 729 924, dauernde Beteiligungen 563 000, Kasse, Postscheck, Dank-Guthaben 317 137, Debitoren 1 384 169, vorausbe- ,zahlte Dersicherungen, Kautionen usw. 973, Aval- Debitoren 20 522.
Frankfurter Börse.
<Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".)
Frankfurt a. M, 9. Sept. Tendenz: Schwach. — Die Börse eröffnete auch heute infolge der Llnsicherheit der inner- uni) außenpolitischen Lage in schwacher Haltung. Die Belastung durch die auflauchenden Mögltchteiten neuer politischer Schwierigkeiten als Folge der Aufrollung der Kriegsschuldfrage tritt heute stärker hervor, hemmte die ilnterneF)mungslust und führte teilweise zu sehr starken Abgaben. Unter den Realisationen, die sowohl von der Spekulation, wie auch von dem Privatpublikum vorgenommen wurden, litten alle Gebiete. Die Kurseinbuhen am Montan- und Chemischen Markt betrugen zwei bis v-ter Billionen Prozent. Zu ftarten Abgaben kam es besonders am Montanmarkt. Für Elektro werte traten heute die Rückgänge stärker in die Erscheinung. Der DcmLrkttenmarkt war verhältnismäßig gehalten. Die Kursrückgänge 'hielten sich in engen Grenzen. Am Ginheitsmarkt Der Inimstrstiepapiere setzten sich die Rückgänge weiter fort. Das Geschäft war ft<srE zurückhaltend. tSe£ Anleihemarkt war weiter stark gedrückt. Siet neuen Rückgänge waren ziemlich beträchtlich: LpVzentige Kriegsanleihe minus 75, 4prozentige Reichsanleihe minus 25. Ausländische Renten waren bedeutend schwächer. Der Freiverkehr lag schwach, besonders für Api, die infolge ungünstiger Zusammenlegungsverhältnisse von 4% auf 2 sanken. Becker-Stahl l ‘,8, Becker-Kohle 5^, Entreprise 24, Ufa 11'/8 Am G e l dm a r k t sind nsmtenswerte Veränderungen nicht zu verzeichnen. Tagesgeld pro Mille, für Monatsgeld 1J/8 Prozent. Im De v i sen ve rkehr sind das englische Pfund und der Pariser Frank weiter stark zurückgegangen. Der Pariser Frank sank bis auf
85 in PftaSparttät und v-rs aus 19,25 in Dollarparität. Das englische Pfund hielt sich auf einem Wert von 4,62y< Dollar. Die a entart erlitt eine Abschwächung auf 4,215 Billionen gegen vorgestern Im weiteren Verlauf trat eine nennenswerte Aenderung des Geschäfts nicht ein.
Dürsenkurf«.
(Ohne Gewahr.) _______
Vn Billionen Prozent
Frankfurt n. M.
Berlin
Schluh. Kurs
Schluh- fturs
Schiust. Kur»
Schluh. flurs
Datum:
°...
9.9.
6.9.
9.9.
5% Deutsche RetchSantethe .
1,075
0,95
1,04
0,900
<% Deutsche Reichsanleihe . 3'/t% Deutsche Reichsanleihe
1,6
1,475
1,575
1,460
1.5
1,423
1,550
1,375
3% Deutsche Retchöanlcihe . Deutsche Svarprämienanleth«
2,05 0,8
1,85 0,6
1,920 0,8
1,84
i°/o Preußische Konsols . . .
1,62 1,9 2
1,4 1 7
1,700
1,45
3V«0/ü Hessen..........
1 6
__
)% Hessen ...........
1,8
4,2
Ijb
—
DeuHche Wereb. Dollar-Anl.
4,2
4,2
4.2
dto. Doll-SchaS-Anweting.")
86,3
—
85,3
86
<>/,, »tolltürken....... .
15,76
14,6
15,65
14,625
5% Goldmerikaner......
47,9
Berliner Handelsgesellschaft Toumierz- und Privat-Bank
27,6
6
27
6,5
28
6
27.6 5,7 (i
Darmst. und Nattonalbank .
9,70
9,4
10
9,30
Deutsche Bank.........
11,13
10,60
14
10,5
Deutsche Berelnsbank ....
0,395
0,35
—
—
DiLconto (Kommanbit ....
13,35
12,25
12,65
12
Metallbank...........
12,75
12,50
—
—1
Mitteldeutsche Kreditbank. . Oesierreichische Kreditanstalt
2,25 0,3875
2 0,3076
2,13 0,38
2,10 0,360
0,3
0,3
0,8
0,5
Bochumer Guß ........
52
50,5
BnderuS............
14,25
12
14
11,90
Sato..............
14,6
14
15,30
12,4
Deutsch-Luxemburg......
58
49
53,50
49,75
Gelsenkirchener Bergwerke. .
57,00
66
60
54,6
Harpener Bergbau......
Kaliwerke AscherSleden....
73,6
19,20
69
17
74 18,75
70,75 1C,50
Kaliwerk Westeregeln.....
23
20,5
22,40
20,25
Lanrahütte...........
7,75
14,75
41,25
6,26 12
8
6,65
11,30
Oberbcdarf...........
14
Phönix Bergbau .......
38,40
41,75
38
)it)ein)tabt...........
38,5 40
36
37,60
39,30
34,75
88
irtiebect Montan........
38
Tellus Bergbau.......
2
1,90
27,4
- -
Hamburg-Smerika Paket. . .
Norddeutscher Llohd.....
28,25 6,75
28
27
6,25
8,75
7,13
Cheramische Werke Albin . .
Zementwerk Heidelberg . . .
15,75
15,25
—■
—
Philipp Holjmann......
6,8
4
6
5
Anglo Cont 'Guano .....
—
—
12,5
11,90
Badische Anilin .......
19,90
18
19,40
17,75
Chemische Mayer Alapin . .
1,25
—
Goldschmidt........ .
13,5
12,75
13,65
12,75
Griesheimer Electron ....
17
15
16.75
14,60
Höchster Farbwerke......
15,80
14
15,2^
13,76
Holzverkohlung . . ......
7
6,6
—
—
Nütgerswerke .........
16,60
16,75
17,65
16,5
^cheideanstalt.........
15,40
14.10
——
w
Alla- EleltrizitütS-Gesellschaft
10,2
9,40
7
9,4
Bergmann...........
16,25
14,60
13,13
14,66
Mainkraftwerke ........
7,9
8,20
—
Schuckerk............
39,75
85,5
39,50
36,5
Siemens & Halske ......
45,75
2,6
44,5
Adlerwerre Äleyer ......
2,55
2,40
2,25
3,25
Daimler Motoren. ......
3,35
3,13
3,6
Hehligcnstaedt.........
2,85
2,76
-*
—
'Uieguin.............
13,25
0,56
1,2
11,5
11,6
1,2
11 ,6
Frankfurter Armaturen . . .
Konservenfabrik Braun . « .
0,66
1,2
1J
MK.5“*:
12
1,90
3,25
10,5
1,7
1,8
1,75
Schuhfabrik Herz . . ....
2,85
3.5
8,1 4,75
Sichel..............
-iellsto'f Waldbof......
8
4,65
5,25
12,25
12,76
11,25
3,60
3
11
Zuckerfabrik Frankenthal . .
Zuckerfabrik Waghäusel . .. .
4,26
3,30
•) Dom Rückzahlungswert.
Berliner Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger".)
Berlin, 9. Sept. Die Börse steht unter dem Eindruck der zusam mengebr ochenen Anleih ehausse. Anscheinend hat sich die Haussespekulation die Finger stark verbrannt. Man rechnet damit, daß auch außerhalb der Börse weite Kreise erhebliche Verluste erlitten haben. Infolgedessen ist die Tendenz für die Mehrzahl der inländischen Anleihen heute sehr schwach. Die Derufslpekulation hat sich nur teilweise rechtzeitig aus dem Geschäft zurüctziehen können. Sie trägt den Schaden, den sie durch die allzu große sorglose Richtachtung aller amtlichen Erklärungen und Verwarnungen sich selbst zuzuschreiben hat. Am Aktienmarkt lag das Geschäft ruhiger bet eher nachgebenden Kursen. Die wirtschaftliche Stage, vor allem in der rheinisch-westfälischen Großindustrie, wird jetzt wieder sehr pessimtsttsch beurteilt. Reue Meldungen über schwierige Verhältnisse im Ersen- und Kohlenbergbau und über einen mächtigen Kampf tn der Kohlensyndikats- frage wirkten sehr verstimmend. Infolgedessen
hat sich die Spekulation im großen uno ganzen von den Mti en Märkten sehr stark zurückgezogen. Eine Ausnahme bildet nur das Geschäft tn Kali° werten das im Hinbltck auf die Besserung der Abfahverhältnisse sich ztemlich lebhaft gestaltete. Der Devisenvertehr zeigte eine Zunahme der Rachfrage. Am Geldmarkt ist die Lage unverändert.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. Dl.
(In Billionen Mort auSaedrückt BuenoS-AireS. London, Reu« York, Japan, Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und Budapest für 100000 Einheiten, olle« übrige für 100 Einheiten.)
Telegraphlsche Auszahlung.
(Ohne Gewähr.)
Banknoten, (Ohne Gewähr.)
8. Septbr.
9. Septbr.
Report. %
8. | 9.
Amtliche Notierung
Amtliche Notieru n
Geld
Briet
Well)
Bries
Amst.-Rott.
160,30
161,10
149,93
150,13
voll
voll
Brff.Antw
20,925
21,025
20,676
20,775
voll
voll
Tbristiania.
57,26
57,54
57,11
67,39
voll
voll
Kopenhagen
69,92
70,98
71,12
111,2?
71,43
voll
voll
Stockholm .
111,22
111,78
111,78
voll
voll
HclstngforS. Italien. . . London. . .
10,49.
18,32
10,55
18,42
10,491
18,20
10,555
18,30
voll voll
voll voll
18,635
18,725
18,563
18,645
voll
voll
Neupork . .
4,1)
4,21
4,19
4,21
voll
voll
Paris. . . .
22,14
22,26
21,875
21,976
voll
ooll
Schweiz . .
78,675
79,075
78.65
78,95
voll
voll
Spanien . .
64,61
54,89
64,46
64,74
voll
voll
Wien in D-> Oest.abgest.
6,91
5,93
5,911
12,53
5,935
voll
voll
Prag Budapest. . Bncn.-Aires
12,62
12,5%
12,59
voll
voll
6,44
1,435
6,46
1,445
0,44
1,42b
6,46
1,435
I’nli
voll
voll voll
Bulgarien
3,05
3,07
8,05
3,07
voll
voll
Japan . . . Wo de Jan
1,706
1,715
1,705
1,715
voll
voll
0,395
MOB
0,395
0,406
voll
voll
Belgrad . .
6,51
6,52
5,49
6,51
12,08
voll
voll
Lissabon . •
11,97
12,03
11.97
voll
voll
Berkin, 9. Sept.
Geld
I Priel
Re^art.
Amerikanische Noten .....
4,13
4,21
voll
Belgische Noten........
20,65
20,55
71,28
voll voll
Dänische Noten........
70,92
Englische Noten........
Französische Noten ......
18,3C
13.60
voll
21,80
21,90
voll
Holländische Noten......
159,45
18,25
165,25
voll
Italienische Noten ......
18j35
voll
Norwegische Noten......
66,98
67,26
voll
Deutsch - Scsterr., äioo Kronen
6,90
3,92
voll
Rumänische Noten.......
2,14
2,16
voll
Schwedische Noten ......
110,92
111,48
voll
Schweizer Noten .......
78,46
78,85
voll
Spanische Noten.......
Tschechoslowakische Noten . .
64,26
12,485
64,54
12,546
voll voll
Ungarische Noten......
6,36
6,38
voll
Märkte.
Rmdviehmarkt in Gießen.
h. Gießen, 9. Sept. Der heutige Rind- viehmarkt stand ganz unter dem Zeichen des schlechten Wetters. Der Handel war von Anfang bis zu Ende schleppend. Aufgetrieben waren 360 Stuck Groh- und 33 Stück Kleinvieh. Es wurden bezahlt: für Kühe zur Zucht 1. Qual. 350—400 Mk., weniger gutes Material 250—300 Mk., während Schlachtkühe nicht über 250 Mk. hinausgingen. Rinder kosteten 80—100 Mk. das Stück. Am Schlüsse des Marktes war noch Ueberstand vorhanden.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 9. Sept. Es wurden notiert: Roggen, inländ. 21,25 bis 21,75, Sommergerste für Drauzwecke 23,50 bis 25, Hafer, inländ. 21 bis 22, Mais (gelb) 19,50 bis 20, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 3525 bis 35,75, Roggenmehl 29,25 bis 29,75 Weizen- und Roggen- kleie 12,25 bis 12,40. Tendenz fest.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 9. Sept. Am GetveDemarkt machte der neue Regen die Verkäufer wiederum nachgiebiger: wenn auch dte Käufer zurückhielten, so kam doch keine neue, stärkere Preisermäßigung! zustcncke. Es notierten pro 1000 Kilo: Weizen, märt. 212 bis 222, Roggen, märt. 180 bis 186, Gerste, märt. 210 bis 238, neue 190 bis 200, Hafer, märt 170 bis 180, Raps 325 bis 340, Leinsaat 440 bis 445; pro 100 Ktlo: Weizenmehl 31,50 bis 33, Rvggenmehl 26,50 bis 28,50, Wetzen- kleie 13,50 bis 13,75. Roggenkleie 12,50, Diktvria- erbfen 32 bis 35, kleine Erbsen 22 bis 26, Futter- erbfen 19 bis 20, Peluschken 17 bis 18, Acker- bohnen 16 bis 17, Wicken 16 bis 17, Lupinen, blau 12 bis 12,50, gelb 18 bis 20, Deradella, alt 12,50 bis 13,50, Rapskuchen 1450, Leinkuchen 23 bis 24, Trockenschnitzel 12,80 bis 13, Tvrf- melasse 8,50, Kartoffelslocken 19,50 bis 20 Mk.
Der Alte aus Topper.
Roman von Hanns von Zvbeltih.
65. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Er dachte an die beiden daheim, bat ihnen im stillen seinen Unmut ab. Waren ja doch seine Letzten, und et hätte ihnen die Hände unter die Füße breiten und an ihrem Glück mitzimmern mögen, Tag und Rächt. Und hacke nun auch ihnen alle Zukunft auf Toppet verdorben bu ch seinen Trotz vor der Majestät.
Ein rechter Lenztag wars. Die Amseln schlugen. Ueberall das srische junge Grün und zwischen den Büschen die Heben blauen Veilchen. Einmal bückte er sich, raffte ein paar ab: .Die bringst du der Schwieger mit, daß sie sie in ein Gläschen stellt auf den Tisch und sich drüber freut'. Warf sie wieder fort: .Freut sich doch nicht über das, so der alte Griesgram bringt.' Ging langsam bergab. Da und dort arbeiteten die Leute in kleinen Trrrpps, Männer und Frauen. Ia, die Braven versuchten es immer wieder, war aber Schinderei und fast zwecklos, so mit den Händen, ohne Pferd und Vieh. Man brauchte ja nur die Augen aufzumachrn: überall im Acker die dicken, dichten Quecken und überall Disteln. Wie das Unkraut hochgekommen toar in den Unglücksjahren! —
Und war iwch so schön, der Ausblick ins Land hinein, über die Felder, im Sonnenschein. Konnte ein gutes, gesegnetes Iaht werden, nun Friede war. Wahrhaftig: da unten, in den Wiesen, saßen ein paar junge Frauenzimmer, hacken die Hacken zur Seite gelegt und sangen ein Lied. Zu verstehen war's nicht, aber es klang hübsch,
so von weitem her. Ia, di« Märter, die waren mutig und gaben das Hoffen nicht auf, vertrauten auf Gott und bessere Tage. Wenn man's doch auch könnte. . .
So ist er weitergegangen auf Vorwerk Grünewald zu, hat hier und dort mit der Stockzwinge in dem Erdboden herumgestockert, hat wahrhaftig mit der Krücke ein Stück Graben vom Schlamm freizumachen versucht, ha>lb im Spiel, halb im Ernste, hat gedacht: ,Der Acker und jener dort hat lange geruht, müßte jetzo gute Frucht bringen’, und hat dann doch wieder über die eigene Torheit sein bitteres Lachen gehabt. Und wenn er's noch einmal versuchte, wie s der Christian tat: für wen denn? Die Zabeltitz« hatten zum längsten auf dem schönen Topper gesessen!
Da stand er endlich an der Pleiskebrücke und wunderte sich: es staken neue Dohlen drin und Drecker. Das muhte der Sohn auch getan haben. War doch ein ordentlicher Kerl, der Christian —
Mit einem Male sieht er auf und sieht, wte von Spiegelberg her ein Trüppchen Pferde kommt. Für die Weite waren die alten Augen noch blitz- scharf. So erkennt er bald eine Uniform, einen Infanteristen, gleich auch ein paar bunte Husaren und einen schwarzen Rock dazwischen. Und das Herz pocht ihm gegen die Rippen. Deitzt schon die Zähne zusammen: Das ist gewiß für den Riede wider. Für den Topperschen gibt's so was nicht. Und will zur Seite treten.
Aber, ist's zu glauben, reitet da vorn, neben dem Korporal, nicht Gottlieb, der lange Laban, der junge Marzanke? Und der schreit ganz un- despektierlich auf: „Halt, halt die Schwadronk" Hebt sich aus dem Sattel, klettert ein wenig ungeschickt, wie Infanteristen sind, vom Gaule, kommt
auf den Gestrengen zu gerannt, mit rotem Gesicht, greift nach dem Rockschoh: „Melde mir, gnädiger Herr, ins Kanton entlassen."
„So — so, mein düng, da wird sich der Vater freuen. Wo kommst denn so stolz auf dem Gaule her?"
„Ia, gnädiger Herr — die haben uns aufgelesen, die Husaren, zwischen ©Dritten und Spiegelberg, und weil sie doch nach Topper wollten —“
Ist auch schon der Korporal da, ein martialischer Kerl mit langhängendem Schnauzbart, steht in Postur, hat ein Schreiben in der Hand.
Run möcht' der Alte doch lesen. Will's noch nicht glauben, ist gewiß eine Verwechslung. Sucht die Drille in der Tasche, form sie nicht finden, und ohne die Drille geht's mm mal nicht in der Räh'.
„Les' Er vor, Korporal."
Doch der feixt und schüttelt den Kopf, datz die Barteichen fliegen. „Hat meiner Mutter Sohn nicht gelernt. Gedrucktes halbwegs, aber mit dem Geschriebenen steht's faul."
„Also lies du, Marzanke."
Der fängt auch wirklich an: „An den Hoch- unö Edelgeborenen Herrn von Zabeltitz —“ stottert aber, muh die Buchstaben einzeln zusammen- suchen . . . ruft: „Vielleicht lieft der Herr Regimentsprediger —"
Da tritt der heran, lüftet den Hut. Ist ein schlanker, junger Herr, spricht bewegt: „Vielleicht, daß der gnädige Herr mich kennen - aus Briefen. Ich bin Cajetan Grolich."
„Grolichl" schreit der Gestrenge auf, läßt Schreiben Schreiben sein und Pferd Pferd, breitet die Arme, umschlingt den Mann, halt ihn fest an seiner Brust, kützt ihm rechts und links die
Büchertisch.
— Zum 100. Todestag Kortüms, desDi- ters der I o b s i a d e , ist eine ganze Reihe von Reuausgaben dieser mit Unrecht fast vergessenen, köstlichen Satire herausgekommen, von Denen uns nun auch die auf Grund der Uraudgabe vom Iahre 1784 von Dr. Iohn Sacher vom Verlag Felix Alexander -Berlin veranstaltete DOtliegt, mit Textbildern, die den von Kortüms eigener Hand gefertigten Holzschnitten der Urausgabe nachgebildet wurden. Der in Ehmke-Fraktur aus Bütten preiswert hergestellte Liebhaberdruck wird viele Freunde finden.
— Als Daniel Defoe seinen „Robinsot Crusoe" herausgab, wußte er gewiß nicht, daß er damit das Buch publizierte, das an Popularität jedes vordem und nachher erschienene Werl in den Schatten stellen wurde Cs war viel mehr als eine literarische Tat: Die rastlose Sehnsucht des überzivilisierten Abendlandes nach einem natürlichen Dasein sand damit ihren schönsten und vollendetsten Ausdruck. Seitdem ist diese Sehnsucht nicht müde geworden, sich in Bildern und Büchttn zu kristallisieren. Allmählich wurde uns der Westen das Ideal gigantischer Friedlosigkeit und immenser Leistung, während uns der Osten immer mehr als das Land schönheilstrunkener Phantasie und exotischer Romantik erschien. „D i I nsel Mai — kan — dee" von Hellmuth Unger ist die neueste Robinsonade, die dem großen Publikum ’ in der Zeitschrift ,^D i e Große Welt" Rr. 5 zugänglich gemacht wird. Ernst E. Deckers erzählt tn der Plauderei „A u f Karl Mays Spuren" von dem merkwürdigen Romancier der Abenteuer. Und der Japaner W. Komakizzy von Rohara liefert in seiner „Begegnung mit GeneralRogi" eine an Stimmung und Handlung reiche japanische Rovelle. „Die Große Welt" ist für 1.50 Gm) überall zu haben, oder direkt zu beziehen durch die Leipziger Verlagsdruckerei G. m. b. H., norm. Fischer u. Kürsten, Leipzig, 2o- hannisgasse 8.
(In einem Teil der Auflage wiederholt.)
Matthes in Gens.
Genf, 9. Sept. (WD.) Der Genfer Sonder- berichterstatter der „Baseler Rachrichten" veröffentlicht folgende bemerkenswerte Ausführungen: Die heutige Post bringt mir einen längeren Prv - pagandabrief der Separatisten aus Düsseldorf, uitterzeichnet Matthes, z. Zt. in Genf. Der Brief stammt also von dem bekannten Separatisten-Führer Iosef Matthes. Das regt zu den zwei folgenden Fragen an; 1. An die eidgenössische Fremdenkvntrvlle, wie und unter wes seit Protektorat ist Herr Matthes, einer unserer schlimmsten Zeitgenossen, zu einem Schweizer Visum gelangt? Handelt es sich nur um eine auf die Tage der Genfer Konferenz beschräntte Einreiseerlaubnis oder, denkt man, die Separatisten, die das deutsche Rachbarland mit blutigen Unruhen bedrückt haben, überhaupt bei uns aufzunehmen? 2. An die französische Delegation tn Gens, wie stemmt wohl Herr Matthes dazu, seine hiesige Propaganda mit Hilfe der französischer Militärpvst zu machen?
Farbflecken in derWäseheO^ K^«-^^ farbige Stoffe entfärbt
Heitmann^ Entfärber
Unschädlich für alle Stoffe. Mühelose Anwendung Dan achte an! die Harke „Fnekskopl im Stern".
Erhält!, in Drogerien u. einschlägigen Geschäften.
Eine Wohltal
find ein paar Tropfen von 6em tßftltoei Kräuterhaanvastzr Havol, in bis Kovstau massiert, besonder^ nach geistig otet torper lich anstrengender Tdtiatetl. Die ßopfnegW werden durch Iavo! erfrischt, da« Ha« SB weich' duftig und locker. Für Liebhavtzr kE sonder« kräftigen'TÜohlgeruche - Qabol.llow Jur Kopfwäsche Iavol« Kopftoaschpulvak stark schaumend und vorzüglich reinigend
Wangen und dann den Mund. „Cajetan Grolich . . . unseres lieben Kaspars treuer, würdiger Freund!"
* * *
Der Cajetan Grolich hat dorn alten Herrn auf dem Wege von des Iunters Leben und Sterben berichten müssen und von seinen letzten Grützen, die er nun auszurichten käme. Und nur so nebenbei, weil der Schnauzbart drängte, durfte er das Schreiben vom Kommando des Regiments Zteten-Husaren vorlesen, daß Seine Majestät auf den Bericht des Landvatsa-mtes zu Zielenzig und aus sonderlichen ©naben zehn ausrangiertc, aber brauchbare Pferde dem von Zabeltitz auf Topper zuzuwenden befohlen, wovon acht für das Dominium, zwei für das Dorf, nach des Gutsh:rrn Er» messen. Worüber nach Empfang zu quittieren...
Hat der Gestrenge einmal ^en Kopf geschüttelt, einmal genickt, einmal geschmunzelt, es auch an einem .Schön, schön' nicht fehlen lassen; dann aber ist er gleich wieder auf den Grolich mit Fragen kvsgestürmt und hat seinerseits, ein wenig konfuse wohl, denn es drehte sich ihm im Kopfe, allerlei dazwischen geworfen von dem eigenen Kummer und eigenen Drangsalen.
Sie sind langsam hinter dem Trupv Pferde nach Topper hinaufge^ ng:n, im eifrigen esnräch. und dann durch die Dorfstvatze. Bor d?r Kirche ist der Alte stehen geblieben, um von den schweren Russentagen zu erzählen, und auch vor dem kleinen Psarrhaus. Das sah aber heut bei aller Aermlichkeit fast festlich geschmücki aus, denn im Dorgärtlein blühten schon die ersten Blumen wie eine farbige Wildnis, und an den alten Mauern rankte sich der Efeu bis aufs Dach, Blatt an Blatt. (Fortsetzung folgt)
MAGGI" Suppen
Man achte auf den Namen MAGGI und die gelb-rote Würfel-Packung.
sind in den beliebten Sorten Erbs, Erbs mit Speck, Eiernudeln, Reis, Reis mit Tomaten, Grünkern, Pilz, Königin, Kartoffel, Tapioka echt, Rumford, Windsor usw. überall zu haben. ggtoc
■■ Sie schmecken vorzüglich! ——


