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Handelsschule

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N-d-n.re^m

Slehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderyeyen)

ortmvoq, tu. depremoer

Zweiter Blatt

Der Sadismus unb, das Deutschtum in Südtirol.

Von Dr. Hildegard Katsch-Rostock.

2Xr: tote Matteotti nützt der antifaszistischen

' -ng m Italien mehr als der lebende viel- tc._', gekonnt hätte Der Prozeß ist an sich danach <i!- Km, für Mussolini entscheidend zu werden. Dan t wird es an der Zeil sein, sich zu tragen, r s ine Verdienste wirklich so groß gewesen srnd, il >. seine herrischen und gewaltsamen Rechtsüber- ri 7 zu rechtfertigen ' Wir Deutsche aber dürfen ai.r vergeben. bafj vor unserem Volk der Faszismus m t-esonderer Verantwortung belastet ist, die ihm C ' ...chst aus seinem Verhalten gegenüber der beut- sch.-.r Minderheit in Südtirol.

Italien Hal dem ohnmächtigen Oesterreich eine st^'.'.egische Grenze abgezwurrgen, die 230 000 De itsche aus 600 Jahre alter Verbindung mit den cfic erchischeif Landen loste. Wie rücksichtslos der G if el des Militärs die Linie zog. mag die Tat­sache beleuchten, bab manche nördlich des Puster- la[j gelegenen Gemeinden von ihren jenseits des 2l!'-nhauptkammes befindlichen Almen getrennt tourten. Die den Krieg liguidierende italienische R c,j errmg hat sich ernsthaft zu der Verantwortung b fannt, die das Vorhandensein nationaler Min- dr.i-eilen ihr auferlegte. Das Thema von der Zu- l.dxiiing der politischen Autonomie und Wahrung von Sprache und kulturellen Ginrichtungen, das vom Dersammlungs tisch in St. Germain angegeben wurde, ist von den mabgebenben Instanzen Kammer, Ministerium, König mit der weithin ha'.' ,-nden Resonanz, die Ort und Gelegenheit ihnen gab, wiederholt worden, ja selbst im Iuli 1921 iwc) einmal angeschlagen worden, als bereits di< ei(tcn faszistischen Gewalttätigkeiten in Bozen suhnelos hatten erfolgen können

Die faszistische Regierung hat dann das Ziel der Rationalisierung des italienischen Staates, d h der Entnationalisierung der annektierten ®e- b;Je ebenso klar erkannt, wie mit rücksichtsloser Energie zu erreichen gestrebt Die noch nicht ge* fd; icne Autonomie des deutschen Alpengebietes toi'.uce, ungeachtet der feierlichen Versprechungen, fcu- i) die Einbeziehung Südtirols in die italienische P.vvinz Trento unmöglich gemacht, ja, man nahm de' Lande den in Kriegen und Schlachten gehei- ligti-n *21 amen Tirol. Südlich des Brenner gibt es de jure keine Tiroler mehr. Mit tiefer Erbitterung lieft man auf dem weihevollen Soldatenfriedhvf in z runed.5>er Kaiser rief, es rief Tirol, die Freiheit galfs und Leben - da haben sie ihr B.fies wohl sich selber hingegeben." Unb Tirol trav das nächste und rief noch lauter als der Kai sei. und die Dvrfkirchen der fernsten Gemeinden gcl n erschütterndes Zeugnis von der Kraft schol- Icn v'bunbencr Vaterlandsliebe ilnb das Empö­rend? ist, bah der- Llame Trento sich nicht so sehr gegen den deutschen Klang des Wortes Tirol rio'ete, als das) man, indem die deutschen Dezeich- nu.gen Hvchetsch und Etschländer zunächst erlaubt CI. en, die Erinnerung an die natur- und ge- fd)u;tdgegebene Einheit des Landes fürchtete

Reben dieser tief kränkenden Verletzung des H« .inatbewußffeins erscheint die oft bis zur Un- kcn. '.lichkeit entstellende Ilalienisierung der Orts- tu.;:: -n fast bedeutungslos, wenn nicht gar töricht uit ? lächerlich, so, toesm man den Schöblhof bauern eines Tages mitten aus der Ernte heraus auf bi - Interpräfektur zitierte, damit er dort fein Hun- bi-, ic von Iahren altes Anwesen umtaufe, was er na'ürlich mcht Cann, da er weder das Italienische keimt, noch zu sagen wüßte, was Schvbl berm heißt. 2lbcr man mufj die Dinge erwähnen, weil der Re! i>sbeuffche, indem er, halb aus Aengstlichkeit, halb aus Autoritätsgefühl, die neuen italiemfur- len Flamen gebraucht, ja vielleicht sich bis zu ita­lienischer Korrespondenz versteigt, den Tiroler tief ve letzt, der nichts anderes als eine Preisgabe sei­tens des Mutterlandes darin erblicken kann. Bei der Ohnmacht, in der wir selber leben, können wir, weif; Gott, wenig genug tun für unsere Grenz­lai ue. aber die laute und eindringliche Bitte, daß tri' wenigstens ohne Rot doch jene Verwelschung nicht mitmachen sollten, möchten Private wie Ge°

Neues Licht über das Nordlicht.

Weittragende Entdeckung eines norwegischen Physikers.

Don Professor Dr Paul Kirchberger.

Das Rordlicht, diese herrliche im Rorden und besonders in der Rähe des Polarkreises häufige Ra! nerscheinung, die große Teile des Himmels in rötlichem, Weihern, ja grünlichem Licht erstrahlen lädt, hat naturgemäß seit langer Zeit nicht nur die Aufmerksamkeit des Raturfreundes, sondern auch die des Forschers in Anspruch genommen, sorg­fältige Messungen haben gezeigt, das) der Sitz der Erscheinung meist in etwa hundert Kilometer H?';e, mitunter auch in geringerer zu suchen ist, baf> sie sich aber in vereinzelten Fällen bis sechshundert Kilometer Höhe erstreckt. Ihr Za- sammenhang mit magnetischen, von der Sonne ausgehenden Erscheinangen ist seit langer Zeit bewiesen, aber über die eigentliche Ratur and die Ursache der so intensiven Strahlung war bis vor kurzem noch nichts Sicheres bekannr.

Seit langer Zeit wird auch auf das Rord­licht die auf den verschiedensten Gebieten der Pbysik und der Astronomie so erfolgreiche Me­thode der Spektraluntersuchung angewendet, d. h. man fängt einen möglichst großen Teil des zu untersuchenden Lichts durch ein Fernrohr auf, läfjt es alsdann durch ein Prisma gehen, das das bcL.nnte, die Regenbogenfarben zeigende Band, Spcttrum genannt, erzeugt. In diesem Spektram treten nun Linien auf, die nach ihrem Entdecker Fraunhofer benannt sind, und die je nach der Ratur des erzeugenden Lichtes verschieden mißfallen. So sind auch die Linien des Rordlicht- spcltrums seit langer Zeit untersacht and genau gemessen worden. Dabei fiel eine sonst vollständig rr.Maimte, im grünen Teil des Spektrums lie­gende Linie auf. Da sie auch in den höchsten Seilen des Rordlichts zu finden war, so glaubten manche, daß sie mir von einem besonders leichten

schäftslertte und Handelskammern doch vornehmen und beherzigen

Praktisch tiefgehendere Folgen hat die Hand­habung der Sprachen frage aus den Gebieten des Rechts und der Schule Die aus der österreichischen Zeit her geltenden Gesetze werden von Fall zu Fall durch italienische außer Kraft gesetzt, ohne dab in de» nur itcffienisch abgefahren Verlautbarungen je bebrrmtgegeben würde, welche der alten Gesetze nunmehr aufgehoben sind, noch welches der Inhalt der in Kraft tretenden Gesetze sei. Welche Rechts­unsicherheit daraus entsteht, kann man sich unschwer vorstellen

Gerade in diesen Tagen hat die italienische Regierung auf Beschwerden der deutschen Abge­ordneten über die Handhabung der Schulfrage offen geantwortet, das) sie an eine Aenderung nicht dächte, da die Entnationalisierung der landfremden Gebiete ihr Ziel sei. 3m vorigen Iahre wurde mit der Umstellung der Volksschulen vom neuen Schuljahre an begonnen Man stelle sich das Ti­roler Büble und Maidle vor, dem gewiß schon die deutsche Schriftsprache ein Buch der RÄsel war, und das nun, ohne den Sinn zu ahnen, auf Italienisch lesen und rechnen lernen soll Die Eltern müssen in ohnmächtiger Verzweiflung ansehen, das; ihre Kinder nun rein gar nichts lernen. Denn Deutsch wird nur noch in ileberftunben unterrichtet und ohne Bücher und Lehrmittel' Ja auch der Reli- gionsmtterricht in den Schulen, dieses letz'e Pallcv- drum der Muttersprache, ist der Konsequenz der Faszisten zum Opfer gefallen Diese Verordnungen vom grünen Tisch stieben bei ihrer Durchführung es fehlte schließlich on l r genügenden Zahl ita­lienischer Lehrer auf solche Schwierigkeiten, bab ihre Folgen, wie Ferien Verlängerungen, alles in Deutschland beim Abbau Erlebte, weit in den Schatten stellen. Es ist nur folgerichtig, das) nach der Volksschule nun der Angriff auf die höhere Schule einseyt. In Bozen ist jetzt als dritte Mit­telschule" das deutsche Lehrerseminar (Rormal- schule) dem Untergänge geweiht, da man ja feine deutschen Lehrer mehr braucht

Die mit der Italienisr^rung der Schulen ver­bundene Verdrängung von Beamten läuft nur der in anderen Behörden parallel Postamt und Bahn­hof sind für die kleinen Orte die Keimzellen des neuen Geiste und der Karabinierie-Marschall über­wacht mit selbstbÄvubter Omnipotenz Hausauf­schriften, Posttartenüberdrucke, Speisekarten, die verbotene Rational tracht: ja selbstdaseingerahmte Menü aus der Zeit Maria Theresias ist vor feinen Entdeutschungsbestrebungen nicht sicher.

Aber diese täglichen Kränkungen, ja selbst die Schulfrage, treten im Augenblick zurück hinter der tiefen Empörung über Mussolinis neuestesSonder- gesetz für die neuen Provinzen vom 23. Mai 1924, veröffentlicht am 21. Iuli 1924, über das sog Enteignungsgefeh. Unter dem Scheine militärischer Qlsttoenbigteiten werden hier die Einwohner der neuen Provinzen den tiefgehendsten Eingriffen in das Privatrecht und der willkürlichsten Beschrän­kung der persönlichen Freiheit ausgesetzt, sinter dem Scheine militärischer Rotwendigkeiten denn nur die neuen Grenzprovinzen werden von dem Gesetz betroffen schafft man hier die Mög­lichkeit zu einer unauffälligen und legalen Eva­kuierung. zu der bisher Verschleppung und Richt- bewilligung von Optionsgesuchen sowie Landes­verweisungen nur eine unvollkommene Handhabe boten. Dieses Gesetz untersagt für einen groben Teil Südtirols den Grundbesitzern, bauliche Ver­änderungen irgendwelcher noch so notwendiger Art ohne Einwilligung der Militärbehörde und ohne die grundbuchlich eingetragene Bedingung, diese Bauten auf beliebiges Verlangen wieder nieder­zureiben, vorzunehmen. Der Militärbehörde wird dagegen weitgehendstesDemolierungsrecht" zuge­standen.

Viel tiefer in die wirtschaftlichen und persön­lichen, ja die seelischen Belange greift der Artikel des Gesetzes ein, der den ganzen Immvbiliar-Ver­kehr, unter Einschluß der Vererbung, von dem Ermessen des Präfekten abhängig macht. Der Bauer fragt sich, für wen er denn arbeite, wenn er nicht einmal sicher sei, ob sein Sohn auch den Hof erbt. Während die Behörde sogar der Mühe enthoben wird, ihre Entscheidungen begründen zu müssen.

Gas. das womöglich noch leichter sein sollte, als der Wasserstoff, herrühren könne, und man hielt für dieses Gas auch bereits einen Rainen bereit, indem man es Geokorvnium nannte. Der Rame sollte andeuten, bab auch die Erde, ähnlich wie die Sonne, von einer Korona, d. h. von einer sich weithin erstreckenden über der übrigen Atmo­sphäre schwebenden Gas hülle umgeben sei. Dies war freilich insofern voreilig, als bereits andere Erfahrungen dafür Vorlagen, dab neue Linien im Spektrum nicht nur durch neue Stoffe, son­dern auch durch außergewöhnliche physikalische Zustände wohlbekannter Stoffe entstehen können. Für ein Gas der gedachten Art wäre zudem in unserem festgefügten Elementensystem kein Platz vorhanden gewesen. Der Rachweis seines Vor­handenseins hätte für grobe Teile unserer Physik einen völligen llmsturz bedeutet.

Der norwegische Physi^r Lars Vegard ging nun von der Tatsache aus, dab die übrigen Spektrallinien des Rordlichts überwiegend vom Stickstoff herrührten, der ja auch das weitver­breitetste Gas unserer Atmosphäre ist. Er ver­mutete ferner dab der Stickitofs in der auber® ordentlichen Kälte jener Höhen möglicherweise zu einem festen Körper erstarrt und triltallmert fei und versuchte deshalb, durch kristallisierten Stickstoff die bis dahin nur im Rordlicht be­obachtete Geokoroniumlinte künstlich im Labora­torium Herzust eilen. Seine Versuche stellte er in dem berühmtesten Kältelaboratorium der Erde an nämlich in dem des niederländischen Phy­sikers Kammerlingh Onnes. Er erzeugte künstliche Stickstvffkristalle und setzte sie einer kräftigen Bestrahlung durch elektrische Wellen aus. Unter einer so starten Bestrahlung werden die Atome teilweise zertrümmert, indem sie eins oder zwei ihrer sogenannten Elektronen verlieren; sie werden wie man sagt, jonisiert: hierbei ändern sich die von ihnen ausgehenden Spektrallinien. Dies zeigte sich nun auch beim Stickstoff; denn unter den ganz ungewöhnlichen, bisher noch nicht verwirklichten Bedingungen erstrahlt er nicht nur

Heibt dem Betroffenen nicht einmal der Trost, bab der Versuch eines Rechtsemsprucher auch nur aufschiebende Kraft hätte Es ist gar nicht möglich, in dieser allgemeinen llebersicht auch nur die mög­lichen wirtschaftlichen Schaben anzubeuten, die aus diesem Gesetz sich ergeben werben, das, schlimmer als Kriegsrochi. die betroffene Bevölkerung in die Rechtslage mittelalterlicher Höriger versetzt.

llnd kaum bleibt der gequälten Bevölkerung die Stimme, um ihre Rot Hinaaszurufen in bre Welt. Die Presse ist geknebelt; die Inflations­zeit in Deutschland unterband den alten, lebhaften Touristenverkehr und wirkte so grenzenvertiesend, während der Tiroler mit Befremden und ohne die Möglichkeit rechten Begreifens den deutschen Gast t>crmibte und ihn Heuer mit aufrichtiger und be­glückender Freude empfing Auch das letzte Recht moderner Völler auf Gehör in der Volksvertretung hätte der Faszismus den neuen Gebieten gern ge­nommen. Mit allen Mitteln gewissenlosester Wahl­mache ist es ihm nicht gelungen; immerhin sind zwei deutsche Abgeordnete wieder in die römische Kammer gewählt, allem Terror zum Trotz, der mit dem einen der beiden Kandidaten durch einen hinterlistigen Prügelüberfall eine Art Vor spiel zu dem Fall Matteotti versuchte und durch vorzeitige Schlitzung der Wahllokale die Bevölkerung um ihr Abstimmungsrecht brachte Liest man ein­gehende Schilderungen jenes 6 A^.il 1924, so er­sieht man mit gewissem Staunen, welch geordnete Verhältnisse wir uns durch die Revolutionszeit hindurch erhalten haben.

Diese Klagen, hier und dort und immer wieder gehört, kann der Deutsche nur mit schmerzlicher Beschämung über die eigene Hilflosigkeit verneh­men Aber hören mub er sie doch, denn das min­deste, das wir für die leidenden Brüder und Schwestern tun können, ist, bab wir um ihre Rot wissen, ilnb bab wir aus jenem Wissen heraus bic Verpflichtung fühlen, das Bewußtsein jenes wah­ren Deutschlands in uns lebendig zu erhalten, wie es dort unten in den Herzen lebt, jenes wahren Deutschlands, das im alten Arabischen Sinne reicht,so weit die deutsche Zunge klingt".

Empfang auf der russischen Botschaft.

Von * * *.

Der russische Botschafter und Frau Kre­stinski hatten zum ersten Empfang nach dein Zwischenfall auf der Handelsdolegation im Mai bs Is., der die diplomatischen Beziehungen wesentlich gestört hatte, eingeladen. Damit ist auch die gesellschaftliche freundschaftliche Verbindung wieder hergestellt. Der äubere An lab war wohl die Anwesenheit des mexikanischen Präsi­denten in Deutschland, dem zu Ehren der Emp­fang gegeben wurde, und man benutzte gleichzeitig die Gelegenheit dazu, prominente deutsche Persön­lichkeiten einzuladen.

Die sehr schönen, prächtigen Dotschaftsräume füllten viele Gäste. In angelegter älnterHaltung verging die Zell. Ein ausgesuchtes Büfett (aller­dings war der Kaviar eine kleine Enttäuschung) konnte den Verwöhntesten auf das Vielseitigste befriedigen. Im Saal daneben war extra eine Tafel lediglich mit fristen Speifen und Kuchen aufgestellt. Aeberhaupt ging es nicht volkstüm­lich einfach zu. sondern entsprach durchaus der Würde einer groben Botschaft.

Unter den Anwesenden traf man viele be­kannte Persönlichkeiten. Da war, wie schon oben erwähnt wurde, der mexikanische Präsi­dent, der Reichsminister Oeser nebst Gattin. Vom Auswärtigen Amt sah man den Staatssekretär von Maltzan, daneben den Personalchef von Stohrer, der sich seiner groben Gestalt entsprechend ebensolcher Beliebtheit erfreut, den Referenten für RustlandH auschild, Legationsrat Freiherr von Schön mit Gat­tin und andere mehr. Besonders zahlreich waren ausländische Diplomaten erschienen? unter ihnen der liebenswürdige lettländische Gesandte Woit mit Gattin, der estländische Gesandte mit Gattin, der österreichische Gesandte Riedl, der italienische Botschafter Gras Bvsdari. Auf seiner Durch-

in einem Licht, das dem RoiEcht ähnlich sieht, sondern die genaue SpStraluntersachung zeigte auch die bisher nur vom Rordlicht her bekannte Geokoroniumlinie. Der Beweis, dast das Rord- licht durch kräftige Besttahlung. also durch die Einwirkung besonders wirksamer Sonnenstrahlen auf festen, kristallisierten Stickstoff entsteht, dürfte damit einwandfrei erbracht fein.

Wenn die ungeheuren, frei in der Höhe schwebenden Stickstoffeismcllsen, die die Theorie annehmen, unter dem Emflutz der Sonnenwärme zu verdunsten, sv entstehen bettächlliche Gasmengen, die den Luftdruck vergröbern müssen. Hierin ist vielleicht der Grund für die seit langem be­kannten täglichen Schwankungen des Barometerstandes zu suchen. Diese Schwankungen wurden bisher gewohnllch mit Ebbe und Flut des Meeres verglick^i, aber eine restlose Erklärung gelang auf diesem Wege nicht. Be­währt sich hingegen der nunmehr mögliche neue Elcklärungsversuch. so werden wir in der leicht meßbaren Gröhe der Luftdruckschwankangen ein Mittel haben, die Menge der täglich in regel­mäßigem Wechsel zu Eis erstarrenden und bann wieder- verdampfenden Stickstoffmassen zu be­stimmen. Da es leicht möglich ist, die zur Ver­dampfung von Stickstoffeis nötige Wärmemenge zu messen, so wären dadurch wichtige Aafschlüsse über die von den Sonnenstrahlen gelieferte Wärme zu erwarten.

Vielleicht löst die Entdeckung auch die alle Frage, warum der Himmel blau ist. Dab die Lust die roten Lichtstrahlen besser durchläbt, als die blauen, erkennen wir schon daran, bab die Sonne bei tiefem Stande, wenn also der Weg ihrer Strahlen in der Lust besonders lang ist. rot erscheint weil dte Luft den blauen Teil des Lftchts zurückhäll. Man nimmt an, dab die blauen Strahlen, die nicht auf dem geradlinigen Wege in unter Auge gelangen, sich durch unregelmäbtge Reflexionen in der Luft zerstreuen und so die blaue Himnrelsfarbe Hervorrufen: aber es fehlte bisher an den festen Stoffteilchen, die diese Zer­

reise von Italien nach Moskau weilte der ruffische Volkskommissar Litwinow unter den Gästen. Die rietne, aber energische Gestalt des Geheimrats Deutsch von der AGG. wie Kommerzienrat Guggenheimer verttalen die Wirtschaft. Selbstverständlich waren auch einige Abgeordnete zugegen Von den Sozialisten trat Herr Eohn in die Arena, unterstützt von dem allerdings diesmal durchgefallenen Kandidaten gleicher Partei, 2c« bebour mit seinem Schauspieler köpf. dazu ber Abgeordnete Hilferding, früherer Finanzmi­nister im Kabinett Stresemann und einst Befür­worter des Rapallovertrages. Reichsminister a. D. von Raumer, bläh, durchgeistigt und leb­haft wie immer, Staatssekretär a D v Rhein- haben, stets heiter und liebenswürdig, waren die Vertreter' ber Deutschen Dolkspartei. Frau von Oheimb, frühere Abgeordnete derselben Partei, erschien nerjüngt und verschönt, da vom Balast ber Politik befreit Sie war, ime stets, sofort ber Mittelpunkt verschiedenster Gruppen. Professor Einstein, eine Gruppe für sich bil- benb. kühl unb überlegen lächelnd auf die weniger bedeutenden Zeftgenolsen herabblickend

Auch ein gröberer Flor unbekannter Damen unb Herren schmückten das Fest. Es war schwer, sich zu informieren, woher sie tarnen und wohin sie geben werben. Der' Botschafter unb seine Gattin bemühten sich sichtlich, liebenswürbige Wirte zu sein Herrliches Porzellan unb fein ge­schliffene Gläser flirrten leise, ber grobe Saal iveckte manche Erinnerung aus früherer Zeit. Ich denke dabei an ein Galadiner mit nachfolgendem groben Empfang der Hofgesellschaft, bei dem der damalige Dotsch<rster-, Graf Osten-Sacken, dem Kaiser- Wilhettn zu Ehren ein ganzes Dala- leitaorchester hatte von Petersburg nach Berlin kommen lassen. Der ganze Glanz einer vergange­nen Epoche zeigte sich damals in denselben Räu­men - vorbei eine neue Zeit ist angebrochen - eine ganze Welt scheint versunken lächelnd verabschiedet sich Doffchafter Krestinski von den allmählich aufbrechenden Gästen.

Wirtschaft.

Bom Weltgetrci-cmartt.

Die Steigerung ber Roggenpreise hat sich auch in ber vergangenen Woche im grössten Ausmaße fortgesetzt. Der Roggen stieg In der Zeit vom 26. August, an welchem Tage er 150 Mk. pro Tonne notierte, bis zum 5. September auf 180 Mk. und erreichte am 6. September bereits einen Stand von 190 Mk. pro Sonne. Diese gewaltige Stei­gerung hängt mit der in letzter Zeit ziemlich un­günstigen Erntewitterung in fast sämtlichen deut­schen Gebieten zusammen Beispielsweise hat Ost- preuben in ber Roggenernte eine starke Verzö­gerung zu verzeichnen unb war genötigt, aus an- f deren Landesterlen noch Bedarfgetreibe zuzukau« . fen. Verstärkt wurde bic Knappheit noch burch | eine sich immer mehr entwickelnbe Ausfuhr Auch bie Rachrichten von dem Ausfall ber Getreide­ernte in Preußen, die neuerdings für Roggen um 1 Million Tonnen niedriger als im Vorjahr gc 1 schätzt wird, wirkte anregend Für Gerste hat sich fast in allen Qualitäten regeres Geschäft zu sehr guten Preffen entwickelt. Äe Erzeuger haben in der Mehrzahl ihren Geldbedarf kmrch Verkauf der im Preise sehr gut stehenden Gerste gedeckt. 1 Auch in dieser Woche war bei wenigem Angebot Braugerste stark gesucht. Das ungünftige Ernte-

Wetter hat, soweit man übersehen kann, die OualP I

tät ber Gerste etwas fjerabgemtnbert, so daß bk I Brauereien neuerdings sich auch mit mittleren Qualitäten begnügen. Für Futtergerste war eben­falls lebhafter Bedarf vorhanden. Auch am Weizenmarkt hat bje Witterung eine Knappheit 1 des Angebotes hervorgerufen. Auch hier wurde diese Knappheit zum Anlaß einer nicht imbebeu- tenden Preissteigerung. ;

An den Auslandsmärkten wurden infolge« I dessen größere Posten Weizen aufgekauft. Diese Kauflust konnte noch durch bie erleichterte Kredit- I läge, eine Folge des Londoner Vertrages, unter­stützt werden. Sv blieben auch die amerikanffchen Märkte in ihrer Tendenz stetig, trotz der ftch rneh- I

ftreuung hätten veranlassen können: diese Lücke I können die Stickstvffeisteilchen vielkicht ausfüllen. I

Schließlich erwähnen wir noch eine Frage. 1 die in der heutigen Zeit, in der bie Funkerei Trumpf ist, vielleicht ein ganz besonderes Inter­esse verdient. Bekanntlich pflanzen sich bie We l - len unserer drahtlosen Telegraphie I auf viele Tausende von Kilometern fort, also auf Strecken, bei denen sich bie Erdkrümmung schon 1 sehr- beträchtlich bemerkbar macht. Man hat oft gefragt, warum die Wellen dieser Erdkrümmung folgen und nicht in den Weltenraum hinaus- strahlen, ohne jedoch diese Frage beantworten zu können. Möglicherweise wirken nun die einige hundert Kilometer über der Erde schwebenden Wollen von Stickstvffeis als eine Art Spiegel, der bie Wellen stets wieder nach ber Erde zu­rück w i r f t. Damit wäre freilich ber von manchen Leuten gehegten Hoffnung, dermaleinst mit unseren drahtlosen Wellen in ben Weltenraum hinaus gelangen zu können, ein arger Stoß verseht. Aber trenn auch die Degardschen Stickstvfskristalle unsere drahtlose Telegraphie gegen sonst vielleicht ein tretende Verluste schützen so erscheint es doch nach allen bisherigen Erfahrungen außerordent­lich zweifelhaft, ob sie einen Schuh gegen bie von Zeit zu Zeit durch die Presse flatternben Zellangs- enten gewähren werden, die von einer versuchten ober gar von einer geglückten brahtlosen Ver­bindung mit dem Mars zu erzählen wissen.

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Gießener Stadttheater.

In SudermannsIohannisfeuer" debütierte Täenstag abend Herr Felix R o r f o 1 k als Hart­wig. Diel TemperamLitt, eine gute Figur und eine gepflegte Sprechtechnik, die nur zuweilen leicht ins Pathetische abzugleiten schien, unter- stützten ein wohl kultiviertes Spiel, das alle gegebenen Möglichkeiten der Charakterisierung voll ausschöpfte. Wir sind gespannt darauf^ wie sich ber Künstler mit klassischen Rollen abfmben wird.e.

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