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lUen Q>ten Teilen lebhaften eSeisalt, bet' ,tcy zum Schluß zu einer Ovation für Mussolini steigerte, ßaiauf nahm die Kammer unter Rarnensaufruf mit 361 gegen 107 Stimmen die von der Regierung gebilligte Tagesordnung an. in der dieser für ihr bisher geleistetes Werk uni) ihr Programm unter Zustimmung der von der Kom­mission vorgeschlagenen Anttvortadresse volles Vertrauen ausgesprochen wird.

Amerika und der Dawesbericht.

Berlin, 7. Juni. (WB ) Eine prominente Persönlichkeit aus amerikanischen Dank­kreisen erklärte einem Mitarbeiter derD. A. 3.*', die maßgebliche öffentliche Meinung in Rordamerila sieht ebenso tote die amtlichen Kreise in Washington im Datoesabkvmmen die von Deutschland immer wieder geforderte internationale Lösung des europäi­schen Konflikts in einer der Gerechtigkeit und Billigkeit entsprechenden Weise. Beide sind bereit, dieser Heber»eugung auch ißrerfettS ge­wisse Opfer zu bringen. Zweifellos wird Deutsch­land, sobald die Derhältnisse in Europa einiger­maßen geklärt sind, recht erhebliche Darlehen von Amerika erhalten können. Mit dieser amerika­nischen Politik hat die Stützungsaktion Morgans zugunsten des französi­schen Franken herzlich wenig zu tun. Dieser Schritt wird Morgan seinerzeit nicht im gering­sten hindern, seine großen Hilfsmittel mit der gleichen 'Freigebigkeit auch Deutschland zur Ver­fügung zu stellen. Voraussetzung ist freilich eine Vereinigung des Repar ativns Pro­blems zwischen Frankreich und Deutsch­land. Ohne eine solche Beruhigung der At­mosphäre ist nicht damit zu rechnen, daß Deutsch­land aus Amerika große Kredite erhält.

Es mag wohl Vorkommen, daß eine oder andere amerikanische Finanzmann den lockenden Zinssätzen, wie sie jetzt in Deutschland gezahlt werden, nicht widersteht, doch kann von großen Transaktionen aber erst nach An­nahme des Dawesberichts die Rede fein. Man ist sich in Amerika darüber klar, daß manche Einzelheiten des Berichts noch der aufmerk­samen Durcharbeitung bedürfen, bevor sie in die Praxis umsetzbar sein werden. So wird Deutschland mit seiner Forderung, ent­weder die Zahlungen zeitlich zu begrenzen, oder aber eine Höch st summe festzusehen, sicherlich auf volles Verständnis stoßen. Auch über andere Einzelheiten wird man dis­kutieren können. Der Bericht kann nur dann wirklich praktische Gestalt bekommen, wenn bei allen Beteiligten der gute Wille zur an­gemessenen Regelung aller Streitigkeiten vor­handen ist. Diese Voraussetzung richtet sich in allererster Linie an die Adresse Frankreichs.

3m Weißen Hause wird bestätigt, daß Prä­sident Coolidge der Ansicht sei, die An­nahme des Sachverständigenplanes durch Deutschl and sei wahrscheinlich und werde einen Fortschritt darstellen, der dazu angetan sei, die Zustimmung sämtlicher beteiligter Staaten zu dem Bericht zu erleichtern; der Prä­sident habe hinzugefügt, wenn der Sachverstän- -digenbericht von allen angenommen sei, würden die Aussichten einer amerikanischen Anleihe für Deutschland von denjenigen, die als Geldgeber in Betracht kämen, besser eingeschäht werden. Die Geldgeber müßten außerdem auch das Gefühl haben, daß sie zur endgültigen Heilung des gegenwärtigen Krisenzustandes beitrügen.

Me 10 Millionen Dsklar-Anterstützung für Deutschland vom Senat abgelehnt.

Washington, 9. Juni. Senator 2 a Fol­lette beantragte die Annahme der vom Abge­ordneten Fish eingebrachten Resolution betreffend dielO-Millionen-Dollar-Hnterstüt- zung an Deutschland. Der Senat lehnte ledoch den Antrag mit 53 gegen 23 Stimmen ab. 3n der voraufgehenden Debatte erklärte La Fol- lecke. daß dieses Hilfswerk die Aufrechterhaltung der.demokratischen Regierung in Deutschland unter- fiijßen werde und die Rettung von vielen Tausenden verbürge. Deutschland, das unter dem Gefühl der Isolierung arbeite, habe solche Ausdrücke der Sympathie und des Verständnisses nötig. Sena­tor L v d g e bekämpfte den Antrag sehr energisch Senator Odo bin g gab zu, daß die Gesellschaft, an der er interessiert ist, Geld von einer Kriegs­finanzierungskorporation geborgt habe. Dieselbe Beschuldigung erhob auch S t a n f i e l d, der im übrigen gegen das Hilfswerk sprach.

Kabinettskrisis in Japan.

Tokio, 7. Juni. (WB.) Das Kabinett Ist zurückgetreten. Der Führer der Oppo­sition Graf Kato wurde nach dem kaiserlichen Palais berufen.

Paris, 10. Juni. (WB.) DerReuhorker Herald" meldet aus Washington, in offi­ziellen Kreisen würde bei dem Eintreffen der

Die Tollrvutbekämpfung in früheren geilen

3n den drei hessischen Provinzen ist tn eini­gen Kreisen, wegen Verdachtes der Tollwut, dir Hundespene verhängt worden. Man sieht in die­ser Maßregel em Abwehrmittel gegen dir ge­fürchtete Krankheit, die natürlich schon seit alten Zeiten belannt ist und schon von Aristoteles be­schrieben wird. Da man erst in neuerer Zeit, feit Pasteur die Schulimpfung empfahl, einigermaßen über die Aatur der Krankheit im klaren ist so ist nicht zu verwundern, wenn früher die sonder­bar sten Anschauungen über das Wesen der Toll­wut, auch Hundewut genannt, verbreitet waren und' seltsame Heilmittel angewandt wurden. 3n mancher Beziehung ging man einst radikaler vor; so heißt es in einer hessischen Verordnung vom Sabre 1778:Demnach das so schädliche als un­nötige Hundehalten bishero dergestallt überhand­genommen, daß nicht allein das Publilim sehr dadurch belästigt wird, sondern auch und beson­ders seit kurzer Zeit vieles Hnglück durch das öftere Tollwerden derselben entstandrn; was ma­ßen Wir um diesem allem vorzubeugen und ab­zuhelfen nachstehende Verordnung dahin erlassen" usw. Rach dem Wortlaut dieser Verordnung wird allen Bürgern, Bauern und Soldaten das Halten von Hunden bei hoher Strafe verboten. Den Ho- noiationen werden diese Strafen nachgelassen und den Gießener Studenten das Halten von Hunden erlaubt, wenn der akademische Senat ein dahin- tzehendeö Gesuch bewilligt hatte. Später wurde iMe Vergünstigung aufgehoben und nur noch einer Anzahl von Personen dis Hundehaltung erlaubt.

tnachrichr, oav Gras xato vom Prtnzregeruen mit der Bildung des Kabinetts beauf­tragt worden sei, das größte Stillschweigen be­wahrt. 3n jedem herrscht ein unzweideutiges Ge­fühl der Besorgnis darüber, daß der Mann, bei in Washington als

amerikafeindlicher wie jeder andere japan'.sche Parteiführer

bettachtet werde, zur Regierung gelange, in einer Zeit, wo die Spannung zwischen den beiden Län­dern auf ihrem Höhepunkt angelangt sei.

Danzig und Polen-

Danzig, 7. Juni. (WD.) Rach langwierigen Verhandlungen ist es gelungen, alle Fragen, welche auf bet Tagesordnung der Danzig-polni­schen Konferenz standen, in einer provisori­schen Art zu regeln, so daß der Rat des Völker­bundes gebeten werden konnte, alle Danziger- polnischen Fragen von feiner Tagesordnung ab­zusehen. Die Freie Stadt Danzig wird daher an den diesmaligen Beratungen des Rates des Völkerbundes nicht teilnehmen. Die wichtigste Ver­einbarung betrifft die Regelung der Frage des Sitzes der polnischen Eisen bahn direk- t i o n in Danzig. Hierüber ist eine Verein­barung heute vormittag von Präsident S a h m für die Freie Stadt Danzig und von MinisterS3 rad- bur g e r für die Republik Polen unterzeichnet worden. Das Abkommen soll nur in Krast bleiben, falls vor dem 15. August 1924 entweder ein Ein­vernehmen über alle strittigen Fragen erreicht ist, oder die noch strittigen Fragen dem Oberkommissar zur Entscheidung unterbreitet sind. Der Rat des Völkerbundes wird gebeten, die Entscheidung über die Berufung gegen den Spruch des Oberkom­missars vom 12. Dezember 1923 zu vertagen.

Der Aufstand in Albanien.

Rom, 7. Suni. (WTB.) Rach demGior- nale d'Italia" befindet sich das Hauptquartier der albanischen Aufständischen in giert Rach weiteren Berichten haben nicht nur die Bewohner von V a 10 n a, A r g h i r 0 k a st r 0 und Berat ihren Beitritt zu den Aufständischen erklärt, sondern auch die Provinz K 0 r i z a. Rach einem Kriegsrat beschlossen die Aufständischen in Fieri, der Regierung in Tirana mitzuteilen, daß sie bereit feien, mit der Regierung zu ver­handeln, wenn sie die Bedingungen der Aufständischen annimmt und der bisherige Regierungsleiter Hamed Zogu Albanien ver­läßt. Gestern morgen sei daraufhin die Ant­wort eingetroffen, daß die Regierung die Be­dingungen der Aufständischen annimmt und den bisherigen Regierungsleiter Hamed Zogu gebeten habe, Albanien zu verlassen. Eine defini­tive Antwort sollen die Aufständischen in Fieri bis heute mittag erhalten. Der Leiter der Auf­ständischen in Skutari telegraphierte an den Ober­kriegsrat in Fieri und bat, den Marsch auf Tirana fortzusetzen. Dem Blatt wird aus Brindisi mitgeteilt, daß heute morgen mit dem Dampfer Fuglia" zahlreiche Flüchtlinge aus Al­banien angekommen sind, darunter auch die Familie Hamed Zogus sowie mehrere Freunde und Anhänger des Verstorbenen Essad Pascha.

Stefani meldet: Infolge der Ereignisse in Albanien traten die

Kabinette von Rom und Belgrad entsprechend dem zwischen Italien und Südsla- toien abgeschlossenen Freundschaftsvertrag der eine beiderseitige Zusammenarbeit vorsieht, m einen Meinungsaustausch. Beide Regierungen^ stellten dabei als Ziel ihrer Politik fest, daß sie' nichts unternehmen werden, was die Entwicklung eines unabhängigen Albanien verhin­dern oder auch nur beeinträchtigen könnte. Sie betrachten daher den gegenwärtigen Kampf in Albanien als eine innere Angelegenheit dieses Landes.

DerSortiere d'Italia" erfährt aus Välona, daß Tirana den Aufständigen in die Hände gefallen ist und die Regierung auf der Flucht sei.

Rach einer Havasmeldung aus Belgrad find die Emissäre der Regierung von Tirana, die mit den Aufständigen ver­handeln sollen, von diesen als Geiseln fest- gehalten worden.

Aus Hessen.

RMK. Darrn st abt, 9. Juni. Die Einla­dungen zur 8 4. Sitzung des Hessischen Landtages sind soeben ergangen. Die Tages­ordnung enthält 61 Deratungsgegenstände, von denen der h uptfächlichste der Hauptsiaatsvvran- schlag ist. Die Beratungen beginnen Montag, den 16. Juni und w rden voraussichtlich drei bis vier Wochen in Anspruch nehmen.

Der Landtagsabgevrdnete Ioh. Läufer, Mitglied des Bauernbundes, ist im Alter von 67 Jahren nach kurzem Kranksein in Bieber bei

die durch ihren Beruf gezwungen waren. Man sieht, daß die Behörden damals viel hunde- femdlicher waren als heute und es ist verwun­derlich, daß es noch keine Hundesteuer gab. Die Hunde wurden in alter Zeit von dem Wasen- meister g^eichnet, das heißt, es wurden nut Abzeichen um den Hals gebunden, die sie vor der Tollwut schützen sollten. Die Bezahlung hierfür ging im Lause der Zeit an die Armenverwaltung über, so ist die Hundesteuer entstanden.

Für besonders gefährlich zur Verbreitung der Tollwut hielt man die Hunds tage, die ur­sprünglich ihren Rainen von dem Hundestern, dem Sirius, führen. Hunde, die dann auf der Straße umherliefen wurden erschlagen. Aber auch Menschen wurden getötet, weil der Aber­glaube herrschte, daß, wer von einem tollen, Hunde gebissen sei, wie ein Hund belle und ferne Mitmenschen beiße. Ans dem 16. und 17. Jahr­hundert sind einige Fälle überliefert, tn denen Personen aus Angst, daß bei ihnen die Tollwut ausbrechen könnte, erstickt worden sind. Wie lange dieser Brauch bestanden haben muß geht aus einer speyerschen Verordnung vom Jahre 1779 hervor, in der es heißt:Es soll sich niemand unterstehen, einen Menschen, der auch in dem höchsten Grade der Krankheit schwebt, mit Betten zu ersticken."

Schon seit dem Altertum glaubte man die Krankheit werde durch den Tollwurm verursacht; man vermutete diesen in einer Muskel unter der Zunge. Aus diesem Grunde sind von den Be­hörden im Itz, Jahrhundert vielfach Verordnun­gen erlassen worden, in denen das Ausschneiden desTollwurms" befohlen wurde.

Essenbach, feinet Heimat, gestvrven. Er ge­hörte früher der Zentrumspartei an, schwenkte aber bei Beginn des Kampfes gegen die Zwangs­wirtschaft zum Bauernbund über, um sich hier freier betätigen zu können. Er wurde 1920 ge­wählt und war als energischer, allgemein ge­schätzter Politiker bekannt. Als sein Rachfolger im Landtag gilt der Landwirt Philipp Hauck V. in Schaasheim bei Gr.-Hmstadt, dec in den letzten Jahren besonders durch die lebhafte Vertretung der deutsch-völkischen Interessen befanmer wurde. Hauck ist der Sohn des früheren Landtagsabge- ordneten G. Hauck, der auch dem Bauernbund angehörte.

Zum Deamtenabbau fyat der Unteraus­schuß des.Landtags in der lebten Woche wieder einige wichtige Sitzungen abgehalten und, wie wir erfahren, u. a. beschlossen: Die ersten Re­ferenten über das höhere Schulwesen und das Vollsschulwesen sollen insoweit auf den Inhaber gesetzt werden, als beim Ausscheiden des ältesten der einen Abteilung gleichzeitig auch der älteste der anderen Abteilung ausscheiden muß. Ein juri­stischer Oberregierungsrat soll sofort abgebaut werden auch die Stelle des Beraters für den Werkunterricht soll alsbald eingehen, der Direk­tor der Zentralstelle für Volksbildung und Ia- gendtoöhlfahrt wird auf den Inhaber gesetzt. Wie man hört, hat nur der Vertreter der demokra­tischen Partei gegen diese Vereinfachungsoor­schläge beim Landesamt für das Bil- dungswesen ^e iiaunt. ,Es bleibt abzuwnricn, wie weit diese Beschlüsse im Landtage Berück)ich? tigung finden.

Kleine politische Nachrichten.

Die Deutsche Volkspartei hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, der die A u ß e r k r a f t- setzung des Reichsmietengesetzes ver­langt. Die Angleichun gan die Friedensmiete soll nach dem Antrag spätestens bis 1. April 1925 vollzogen sein.

Rach einer Meldung derDeutschen Allgem. Zeitung" teilt die Direktion der August Thys­sen-Hütte durch Anschlag mit, daß am Mitt­woch, 11. Juni, der Betrieb wieder aufgenommen wird.

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Gegen den Redakteur des soziademokrattschen Volksfreund" in Braunschweig, Thiele- mann, ist vom Reichsgericht ein Verfahren we­gen Landesverrats eingeteitet worden. Grund der Anklage ist eine Mitteilung des Blattes in seiner Rümmer vom 25. Februar d. I., daß in Blankenburg a. Harz durch die braunschweigische Polizei bei Stahlhelmleuten Waffen der Reichs­wehr beschlagnahmt worden sind.

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Heber das Befinden Seipels wurde gestern abend folgendes Bulletin ausgegeben: Temperatur 38, Puls 130, Respiration 39, Lun­genbefund unverändert. Rachmittags trat am ganzen Körper ein Resselausschlag auf, der eine erhöhte Temperatur und Pulsbeschleunigung be­wirkte.

Het Volk" berichtet, daß der Führer der holländischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei T r 0 e l st r a aus Gesundheitsrücksichten im Sep­tember den Vorsitz der Kammerfraktion und im Januar nächsten Jahres fein Abgeordneten­mandat niederlegen wird.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 10. Juni 1924.

Hausierende Schulkinder.

Das Presseamt des Rats der Stadt Leip­zig versendet die folgenden Ausführungen, die auch für die hiesigen Verhältnisse ohne wei­teres zutreffen und der Beachtung der Oeffentlichkeit dringend empfohlen werden:

Schon früher waren sie auf der Straße, an den Eingängen zu Wirtschaften und auch in den Gastwirtschaften selbst nicht selten zu treffen, die kleinen Händler mit Zünd­hölzchen und Schnürsenkeln, mit Ansichtskar­ten oder mit Blumen. Jetzt hat das Hausie­ren durch Schulkinder wieder ganz besonders überhand genommen. Trotz aller bestehenden Verbote mehren sich die Fälle, in denen Kin­der, selbst recht kleine, von den Eltern aus­geschickt werden, um durch Handel vpn Haus zu Haus, besonders aber in Gast- und Schank­wirtschaften, das Einkommen der Familie zu erhöhen. Die Rot der Zeit mag manche Fa­milie dazu veranlassen, solchen Rebenerwerb durch ihre Kinder zu suchen. Diese Eltern über­sehen hierbei jedoch völlig, welchen ernsten

Als Heilmittel, sowohl von den Aerzten wie von der Volksmedizin, wurde gewöhnlich die Pflanze Ackergauchheil innerlich und äußerlich verwandt. In Mainzer Zeitungen vom Jahre 1747 wird sie als Heilmittel empfohlen. _

Roch ein anderes Heilmittel fei erwähnt, der Hubeitusschlüffel. Es war dies ein Dreimeisen, mit dem man eine Figur in Gestalt eines Jagd­horns einbrennen konnte. Das Brenneisen axtr dem Hubertus, dem Schutzheiligen der Jagd und der Hunde geweiht. Das Brennen geschah bei den Menschen am Daumen urfi> bei den Tieren an der Stirn. In der Stadtrechnung von Hungen im Vogelsberg finden sich im 16. Jahrhundert öfters Kostenaufstellungen für das Segnen des Huber- tusschlüssels. Aus dem Jahre 1559 wird berichtet: 3th. 7 pH. Ricolaus Diffenbach und Dippeln Hanßen geben, haben dem Hirten helfen die Schweine schwemmen, weil der vsinnigk hond ist vnder ihnen gewest." Dr. Mariin in Bad-Raa- heim, dessen Angaben über die Tollwut tn einem Aussatz in den Hessischen Blättern für Volkskunde toir hier gefolgt sind, vermutet wohl mit Recht, daß in der schlecht geschriebenen Handschrift bren­nen statt schwemmen zu lesen ist. Derselbe Ge­währsmann erwähnt auch zwei Aufsätze in der Mainzer Monatsschrift für geistliche Sachen vorn Jahre 1790, die sich mit dem Hubertusschlüssel beschäftigen. Auf dem Iakobsberge bei -Mainz brannte man ohne Hnterschied jeden Menschen an der Hand und jebeS Vieh an der Stirn. Roch aus späterer Zeit liegen zahlreiche Zeugnisse vor, daß an verschiedenen Orten am Mittelrhein das Brennen mit dem Huberttisschlüssel ausg-eübt tourbe

sittlichen Gefahre:» sie hierdurch ihre Kinder aussetzen. Es ist Erfahrung, daß die Kinder beim Hausierhandel häufig schweren Schaden für sich selbst nehmen. Deshalb werden El­tern, die ihre Verantwortung kennen und füh­len, ihre Kinder keinesfalls hausieren schicken. Die Angaben, die das Kind beim Hausieren über feine Herkunft, über die Zahl seiner Ge­schwister, über die Verhältnisse daheim machen muß, sind oft von der Wahrheit weit entfernt; sind sie doch wahr, die Hoffnung auf eine Ver­besserung des Geschäfts verführt das Kind leicht zu Hebertreibungen bei der Schilderung der Notlage und zur Erfindung geschäftlich wirksamer Hnwahrheiten. Andere unterliegen der Versuchung, das meist schnell verdiente Geld oder doch einen Teil davon für allere Hand Leckereien und Nichtigkeiten auszuge­ben; mit allerlei Ausreden müssen sie dann versuchen, die begangenen Hnterschlagungen vor den Eltern daheim zu verdecken. Hnd welch schweren Gefahren können hausierende Mäd­chen im besonderen ausgesetzt sein! Das ist gewiß, sittlich unbedenklich ist das Hausieren durch Schulkinder nicht und man erweist ihnen in den wenigsten Fällen einen Dienst, wenn man sie, vom Mitleid getrieben, durch kleine Käufe unterstützt. Solche Mildtätigkett ist sehr häufig recht übel angebracht. Es kann durch­aus nicht empfohlen werden, den gesetzlich ver­botenen Hausierhandel durch Kinder irgendwie noch zu unterstützen. Cs machen sich übrigens die Eltern des Kindes, die es zu dem Handel anleiten oder ausschicken, strafbar, ebenso auch der Gastwirt, der den Hausierhandel durch Schulkinder in seinen Schankräumen gestattet."

"DiePfingstfeiertage haben im gro­ßen und ganzen wohl den Erwartungen ent­sprochen, die man an sie geknüpft hatte. Schon am Samstag nachmittag konnte man einen sehr regen Ausflugs.verkehr bemerken, der sich mit­tels der Dahn weiter hinaus ins Land erstreckte. Der erste Feiertag, obwohl schon am Vormittag trübe und schwül, sah morgens große Wander­scharen hinausstreben in die herrliche Gottesnatur, und tzen Gaststätten in der Stadt blühte unter diesen Hmständen ein flaues Geschäft. Die Rach-- mittagsstunden brachten hierin aber einen Hm- schwung, denn einige Gewitter, die nach, den schwülen Vormittagsstunden.zur Entladung tarnen und bis in die 5. Stande andauerten, veranlaßten viele Rachmittags-Ausflugslustige von ihrem Vor­haben Abstand zu nehmen und sich mit einem Rundgang durch unsere schönen Anlagen zu be­gnügen. Hierbei fanden dann auch viele Gast­wirtschaften in der Stadt Zuspruch, der in man­chem Lokal fo eine Art Großbetrieb schuf. Am zweiten Feiertag herrschte aber echtes und rechtes Wanderwetter, nicht zu warm und nicht zu kühl, wechselnder Sonnenschein der namentlich am Rach- miitag zu einem sehr lohnenden Gang ins Freie lockte. Gar köstlich wandelte es sich da durch die vortrefflich stehenden.Felder und durch den fri­schen grünen Wald. 'Wem am ersten Feiertag durch das Wetter ein Strich durch die Rechnung gemacht worden war, der fand nun am zweiten Festtag doch irxb feine Hoffnungen erfüllt. Dazu gehören allerdings manche Gastwirte der Aus­flugsorte nicht, beim hier und da brachte das Geschäft am zweiten Feiertag keinen genügenden Ausgleich für den Ausfall vom Vortage. Der Eisenbahnverkehr war am Samstag und an bei­den Festtagen sehr stark, in den Hauptverkehrs­richtungen mußten zu den fahrplanmäßigen Zü­gen noch Vor- und Rachzüge gefahren werden. Trotz des regen Ausslüglerverkehrs waren die Gotteshäuser erfreulicherweise an beiden Feier­tagen gut besucht.

** Ernannt wurden der Lehrer Gustav Otto zu Okarben zum Lehrer an der Volks­schule zu Kirch^Göns, der Lehrer Hans Man­gold zu Bermuthshain zum Lehrer an der Volksschule zu Crainfeld die Lehrerin Antonie Bauer an der höheren Mädchenschule zu Gießen zur Lehrerin an der Volksschule zu Friedberg, der Lehrer Adam Schmier zu Rainrod zum Lehrer an der Volksschule zu Lauterbach.

** In den einstweiligen Ruhestand verseht wurden die Rektoren Heinrich Küh­le r an der Volksschule zu Watzenborn-Steinberg. August Storch an der Volks,chule zu Butzbach, die Lehrer Karl Dergauer an der Volksschule zu ©lauberg, Kreis Vüöing n, Adam Fischer an der Volksschule zu Frau-Rombach, Kreis Lau­terbach, Gustav K a u s an der Volksschule zu Wenings, Kreis Büdingen, Georg K r a f t an bei Volksschule zu Ortenberg, Kreis Büdingen, Phi­lipp Köhler an der Volksschule zu Wohnbach

Die Bekämpfung der Maufsplage.

Der Krieg hat in Frankreich die Vermehrung der Rager, Ratten, Mäuse und Feldmäuse im be­sonderen Maße begünstigt. Die Plage ist so groß geworden, daß man jetzt in 45 Departements mit aller Kraft den Kamps gegen die Feldmäuse führt. Man hat dort etwa 30 Arten von Wühlmäusen festgestellt. Ein erwachsenes Tier braucht zu feiner Ernährung täglich etwa 20 Gramm, im Jahre also 7 Kilogramm. Da die Tiere aber mindestens noch einmal soviel zerstören, so muß man den Schaden, den eine Feldmaus anrichtet, mit etwa 15 Kilo­gramm jährlich berechnen. Die Vermehrung ist außerordentlich stark, denn ein einziges Pärchen kann unter günstigen Hmständen bis 500 Ra ^'kom­men haben. Ein französischer Gelehrter, Deribere- Desgards, hat nun eine Methode zur Bekämpfung der Mäuseplage ausgearbeitet, über die in der in Frankfurt a. M. ^scheinendenHmschau" be­richtet wird. Als wirksamstes Mittel erwies sich das BakterienpräparatVirus Danhsz". Man wendet es in Frankreich an, wenn es sich darum handelt größere Gebiete von Mäusen zu säubern. DasVirus Danhsz" ist gegen Mäuse, Wühl­mäuse und Ratten wirksam. Der in ihm ent­haltene Erreger ist her Bazillus ratti, der an ben Typhusbazillus erinnert. Er wird im Insti­tut Pastur gezüchtet und zu Präparaten verar­beitet, die in der Praxis Anwendung finden. Diese Präparate verursachen bei den Ragern eine tödlich verlaufende Krankheit, sollen aber für Haustiere und Menschen unschädlich sein. Man imprägniert mit einem Liter Bakterienaufschwem­mung etwa 810 Kg. Hafer. Das genügt für das Bestreuen eines Hektars.