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vollsten Farben von der Palette weg? Man ver­suche keine Rechtfertigungen! Entscheidend sind die murren Kräfte des Kunstwerkes, die eine Bindung und Bändigung durch äußere technische Mittel nicht ungestraft geschehen lassen. Man werfe mir auch nicht älndankbark it vor! Ich weih sehr Wohl, dah wir dm Rauheimer Künstlern nicht nur für wertvollste älnterstützunz und weitgehendstes Ent­gegenkommen, z. B bei den Oratorienaufführun- gen, sondern auch für manche unvergeßliche Stunde wirklicher musikalischer Erbauung großen Dank schulden. Aber soll man deshalb blind und taub sein? Wir stellen mit Freude fest, dah auch das gestrige Konzert starke Beifallskundgebungen her- vvrrief. Sie waren aber doch wohl nur der Ausdruck der Arerkenrung für die recht tüchtigen Bemühungen der Musiker, soweit sie in den nun einmal gezogenen Grenzen zur Geltung kommen konnten. Oder steht man in Giehen auf dem Standpunkt jener sentimentalen Dankbarkeit und kritiklosen Begeisterung, die einem Sin- foniekonzert, sei es auch wie es sei, zu­jubeln, weil es ein seltenes Ereignis ist? Denn, ehrlich gesagt, bot das Konzert die technischen Mangel einmal ganz beiseite gelassen auch in der Ausdeutung der Werke durch Len Dirigenten keine Erhebung. Musik­direktor Julius Schröder ist sicherlich eine Muf.k'rnatur mit elementaren dirigiertechnischen Eigenschaften. Seiner geradlinigen, unbeschwerten Art, die mit einer manchmal fast erschreckenden Genauigkeit am lähmend:.r Gleichmaß des Taktes festhingt, liegen eigentlich nur l«e großen Forte- steigerungen. Unter diese t UmftänSen kamen nur tic beiden Ouvertüren (Sch iberts Ouver­türe im italienischen Stil. L-Dur und

Beethovens Fidelio - Ouvertüre. E»®ur) einigermaßen befriedigend hr.aus, wäh­rend Läe Interpretation der beiden S.nsonieen sich nirgends über das übliche Schema einer Partituvauslegung erhob. In Schuberts Tragischer Sinfonie, die eine äußerst sub­tile, fein abtönende Behandlung re.langt, machte sich der mangelnde Sinn für Farbe und für das singende Aus strömen der Lyrismen l-e anders be° merLb r. Für eine überzeugende Wiedergabe von Beethovens Achter fehlt kem Dirigenten jene. letzte durchdringende Geistigkeit und freie Beweglichkeit des Tempe.amentes, ohne de etwa He gefühl olle Naivität lvs All g etto scher?ando oder gnr dec Humor Les Schlußsatzes, überhaupt jene lachende alles überwindmde Weisheit, welche dieses einzige sinfonische Werk kündet, nicht zur Wirkung gerächt werken können.

Wir wollen nicht hoffen, kah der Konzert- Verein der Tummelplatz für die Ambitionen fiem- der Dirigenten werde Man möge sich des hvhen Niveaus bewußt bleiben, auf welches man die Leistungen des Vereins durch die sorgfältige Wahl der Solisten erhoben hat.

Das Problem ter Sinfoniekonzerte größeren Stils spukt in Gießen seit dem Sommer 1923. Eine befriedigende Lösung hat sich bis heute nicht ergeben. Man möge bei etwaigen weiteren Ver­suchen nicht vergessen, daß außer bei Konzerten des Landestheuterorchesters unter Balling nur Leu Veranstaltungen ein durchschlagender Erfolg kefchieden wir. denen Prof-f ov Trautmann seine hirg bungsvolle, stark fordernde Vorbereitungs­arbeit, aber auch die mächtigen Impulse feiner bedeutenden Künstlerpersönlichkeit widmen konnte.

Dr. H. N

Siebener Siadtthealer.

Lehär: Der Graf von Luxemburg.

Gießen hat seine Fischingsoperette erst in der Fastenzeit bekommen. Daß die Leitung hierfür Lehars ewig jungenGrafen von Luxemburg" er­kor, entschädigt für diese Verspätung reichlich. In ausgezeichneter Ausstattung und schausviele- risch guter Besetzung bewies das Stück wieder einmal, daß es sich neben den modernen Eintags­fliegen jederzeit sehen lassen kann. Musikalisch allerdings lieh die Ausführung unter Karl K n ü ° b e l s Leitung so ziemlich alles zu wünschen übrig. Anita Franz von der Frankfurter Oper, die man dankenswerterweise für die Srstauffüh'-ung gewonnen hatte, sang die Angele mit voller, sympathischer Stimme in exquisit geschmackvollen K.stümen. Sich auf das Niveau des Gastes hin- auszufchrauben gelang nur Herrn Grib mit einigem Erfolg. Kitty Lessing befindet sich auf dem Holzweg, wenn sie glaubt, mit oft recht ge­wagter Deinakrobatik in der sie immerhin eine anerkennenswert« Geschicklichk it entwickelt seien die Aufgaben einer Soubrette erschöpft. Rudolf Goll war wieder einmal ein prächtiger alter Troddel. Luise Ramme! ihm eine ebenbürtige Partnerin. Richard Hellbvrn fvielte den B.If- sard flott und ohne die sonst von ihm beliebten Uebertreibungen, ist aber stimmlich der Partie nicht gewachsen. Die kleineren Rollen lagen in bewährten Händen. Karl Löfflers Inszenie­rung hätte auch einer Großstadtbühne alle Ehr« gemacht.s

tnng der Da»! wirb hx ben Hände» Der Reichs* bank liege», die jetzt bei ganze Institut kon­trolliert. Im Ansfichtsrat wie überchaupt in der ganze» Verwaltung der Dank werde» ledig­lich Deutsche sitze».

Man Dnnte fragen, warum diese ganze Einrich­tung nicht innerhalb der Reichsbank selbst geschaffen werden konnte. Das liegt nach meiner Auffassung daran, dah die Gold- b e st ä n d e der Retchsbank in ihrer juristischen Haftbarkeit insofern nicht ganz zwerfÄsf.ei da- stehcn, als nicht zu entscheiden ist, in welchem Um­fange sie für die Aktien der Reichsbank, in welchem Umfange sie für das ausgegebZne Papiergeld heranzuziehen sind, und wieweit etwa diese Gold­bestände für neue Verpflichtungen herangezogen werden können.

eti tznternativnal's p ivates Kvifvrtstun hat sich b r it erklär , ter Reichsbank eine, Kredit von 5 Mi I onen Ptzund St r.ing zu gebe r Die Reiche bank tinrd dieses Geld ve.w.-nden, um die Hälfte des Aktienkapitals, der neuen Bank zu zeichnen. Ferner li.gen Zusich^un^en vor, die einen Redis- kontkredil von 203 Milli n n Goldmark vvrsehen. Ferner sind die BechanLlungen mit einem deutsch m Dcmkenkonsortium so «it gediehen, daß to.it -re 5 Milli ea Pfund 6 er,inj und das ist die zw ite Hälfte des Aktierkapitals der Gold» diskontbank, die also nicht von der Reichsba-tzk gezichnet wird von et'.em deutschen Kon- tvr.ium überromm n bzw. fest garante t werden, so dah tote mit der Errßchtung der Dank i n we - nigen Tagen rechnen dürfen.

Die Golvdiskoutbank hat ferner das Recht, Hüten im Umfange von 100 Millionen Mark auSzugeben,

llnd ich rechne dabei darauf, dah diese Noten in Sondrrh.-it dazu De^rendung f nden, um die im 'Inlande umlaufmden ausländi.'ei Noten, Dol­larnoten, Pfundnoten ufw.. gr>re:r dre deutschen Noten hweinzurehmrn. Auf diel'» W isr würde das Gesamtkapital, das dieser B^rk zur Ver­fügung stch n würde, das Betrieoskap.tal also auf 500 Millionen Goldmark oder auf 25 Mil­lionen Pfund Sterling kommen. Die Frage, auf welch: Währung diese Vink za stellen wäre, ist im wesentlichen nach praktischen Gesichtspunkten von uns beairtwortet wo.den. Das Reichsbank- dtceftorüim hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß es für die deutscke Wi.tschaft, die im w.sent- ll chen in ihrem ganzen Geschäft vor dem Londoner Finanzmarkt abhängig sri, richtig sei d e Pfund- währungfürdife Aktien und der Gold­diskontbank zu nehmen. Wenn ich das Pfund Sterling nenne, so bitte ich das richtig zu ver­stehen, daß es sich 6"erbet nicht um eti.* in Deutsch­land nm iwustährenke Währung Hanke't, im Gegenteil, die Abstellung auf Pfund Ster iig soll gerade geißel, daß es stch hier nicht um eine Währungsbank chentelt, fcnbem um eine Kreditbank, dir mit £e: teck chn Währung als solche nichts zu tun hat, sondern in einer ausländstchen Währung Kredite zur De^fügung stellt.

Der Httlerprozetz.

M ü n ch e n, 8. März. (MTB.) Zeuge General d. Gpp macht die Feststellung, er habe seinerzeit die Studentenschaft nicht eingeladen, am sie zur Parteinahme für Hitler zu gewinnen. Er habe nur die Absicht gehabt, beruhigend auf die Gemüter einzuwirken. Auf Befragen erklärt der Zeuge, daß es einige höhere Offiziere traten, die ihn baten, die Besprechung mit der Studentenschaft zu arrangieren. Es folgt die Vernehmung des Generalleuttrants Karl v. Hildebrandt, der: 2*u dendo rff seit seiner Jugend kennt. Zeug.- bekundet, dah Ludendorff selbst an das Wort tKahrs geglaubt habe. Als in den- Morgenstun­den des 9. November die Anzeichen sich imme- mrehr verdichteten, daß Kahr seine Ansicht geänder. .habe, sah Ludendorff in dieser Hanölurgsweise Kahrs einen nachträglichen ilmfalL In gleicher Weise habe Ludendorff das Wort Lossows gewertet. Jedenfalls sah Ludendorff darin, daß ihm Kahr und Lossow von ihrem nachträglichen almfall keine Mitteilung gemacht haben, einen jDerrat an sich und der Bewegung. Ludendorff habe ihm getagt, er habe sich entschlossen, der völki­schen Bewegung die Treue zu halten und er würde ein ganH gemeiner Schurke fein, wenn er Hiller in dieser Lage verlassen würde. Ober­leutnant v. Berchem vorn 1. Bataillon des Inf- Regts. Nr. 19 widerlegt die Behauptung, dah Leutnant Braun den öeutnant Casella erschossen haben soll und bezeichnen dies als eine Verleum­dung. Der Befehl vom 9. November, das Feuer zu eröffnen, falls von der anderen Seite geschossen werde, fei von General Danner gegeben worden.

Polizeimajvr Imhofs führt aus. Oberst Banzer habe in der Offizier sbefprechung der Lan- despvlizei in München am 8. Oktober fest gestellt, für die Landespolizei gebe es nur eine Pflicht: sie müsse gegen alle Umsturzversuche einschreiten. Außerdem habe Danzer damals an»

geordnet, daß in diesem Sinne auch die Verbände belehrt werden sollen. Bei der Chefbesprechung bei Oberst von Seiher am 8. November sagte dieser:

Hitler und Ludendorff strebten die Bildung einer nationalen NeichSregierung in Daher» an, wobei Herr von Kahr niemals mithin würde.

Ludendorff habe sich verpflichtet, nichts zu unter­nehmen, was ihn in einen Konflikt mit der Lan- despotizei oder der Reichswehr bringen könne. Hitler habe erklärt, er werde nichts unternehmen, ohne vorherige Verständigung des Generalstaats- lLmmtssariats. Srißer betonte noch: Sollte wider Erwarten der »Kampfbund" doch losschlagen, so wisse er, daß die Landespolizei ihre Pflicht tun werde, so schwer es ihr auch falle. Darüber seien auch die genannten Herren nicht im geringsten Zweifel gelassen worden. Außerdem erwähnte Seißer, daß die Namen Kahr, Lossow und Seißer für ein Flugblatt mißbraucht worden seien. Der Zeuge Imhoff kommt dann auf die Ereignisse am Abend des 8. November zu sprechen. Auf die Nachricht, vom lleberfall im Dürgerbräukeller habe er die Landespoli .ei alarmiert und auf eigene Verantwortung die Besetzung der Hauptpost und des Telegraphenamtes veranlaßt, um die F.-rn- leitungen in der Han) zu haben. Er habe damals den Ereignissen mit innerem Mißtrauen §egegenübergestanden. Seißer habe in er Türkenkaserne u. a. geäußert: das wäre ein zweiter Kapp-Puts ch aber noch schlechter als der erste

Rechtsanwalt Götz überreicht dem Vorsitzen­den einen schriftzichen Antrag auf Haftentlas­sung des Oberamtmannes Frick, nachdem der ganze Fragenkomplex gegen Frick durchbehandelt sei und keine F.uchtgefahr mehr bestehe.

Der Kalif im Exil.

Territet (Genfer See), 9. März. (Wolff.) Die Umgebung des Kalifen hat bis jetzt Presse­vertretern gegenüber die größte Zurückhaltung bewahrt. Nichtsdestoweniger geht aus ihrer Hal­tung hervor, daß der Kalif seine Absetzung als unrechtmäßig betrachtet und der National­versammlung in Angora nicht das Recht zu ihrem Beschlüsse gegen das Äalifat zubilligt. Der Kalif wird vorläufig in der Schweiz die weitere Ent­wicklung der Dinge abwarten und eventuell später mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit hervortreten. Vor seiner Abreise wurde ihm von der türkischen Regierung ein Scheck auf 15 000 türkische Pfund Äerreicht. Die Reise von der Türkei in dir Schvriz ist oT/te älnterbvechung und ohne Zwischenfall erfolgt. Von den Be­gleiterinnen des Kalifen ist nur eine als seine Gemahlin eingetragen worden. Der Aufent­halt des Kalifen in Territet hat bisher in dev Einwohnerschaft kaum Beachtung gefunden. Auf dem Hause des Grand-Hotel, in dem der Kalif mit seiner Familie wohnt, flattert die türkische und hchv.iz-rschr Fahne.

Der frühere Kalif empfing den Besuch des Legationsrats T ra v e r s i r i vom schweizerischen politischen Departement tn Bern. Wie der Privat- sekretär des Kalifen mitteilt, wurde festgestellt, daß dem Aufenthalt des Kalifen in der Schweiz keine Bedenken entgegenstehen, auch seien Bedingungen irgendwelcher Art an den Aufent­halt nicht geknüpft worden. Entgegen verschiedenen Presseäußerungen, die an die Ereignisse anläßlich des schweizerischen Aufenthaltes des Exkaisers Karl geknüpft werden, wird darauf hingewiesen, dah keine Analogie zwischen diesen beiden Fällen bestehe, da der Kalif keine politische Persönlich­keit, sondern ein rein religiöses Ober­haupt sei. Ferner wird betont, daß der Kalif mit einem regelrechten Paß in der Schweiz an­gekommen sei. Die Meldung, daß der Kalif die Absicht habe, sich nach Frankreich zu begeben, wird von dem Sekretär des Kalifen dementiert.

Der Streit nm das Kalifat.

London, 9. März. (Reuter ) Im Zusammen­hang mit der Ausrufung des Königs Hussein von Hodschas zum Kal f n, we den writerr Ereig­nisse ertrar et Aegypten und Marokkvwe.- den wahrfcheinlich Kand-ida en Vorschlägen. Den Meldung m aus Indien werde mi: großem In­teresse entaigengefefjen. Es werde darauf hinge­wiesen, daß die Muselmanen des Hedschas, Irak und Transjordaniens nur einen kleinen Teil der Mohammedaner ausmachten.

Griechenland.

Athen, 9. März. (Reuter.) Der Regent bot dem republikanischen Führer Papanasta- fius das Premiermini steramt an. Der Entschluß Casagaris zurückzutreten, wurde von diesem ge­faßt, nachdem er von dem Befehlshaber des ersten Armeekorps kenach ichtigt war, daß die Offi­ziere fest entschlossen seien, auf dem Sturz ce r Dynastie und der Gründung einer Repu­blik zu bestehen.

Aus Stobt und Land.

Gießen, den 10. März 1924.

Aahrplanäuderunqen.

Dom 12. M ä rz an treten folgende Fahrplan- änderungrn ein:

Strecke GießenGelnhausen.

Zug 512 verkehrt später, Gießen ab 6.42, Stockheim an 8.06, ab 8.09 N., und weiter wie bisher, Pz. 50k fährt ab Hungen später, Hun­gen ab 7.20, Giehen an 7.50 'N. Zug 516 (W.), bisher Giehen ab 5.30, wird später gelegt, Gießen ab 8.43, Hungen an 9.24 N.

StreckeGiehenFulda.

Zug 8901 bisher G ießen ab 6.23, verkehrt später, Gießen ab 6.52, Grünberg an 8.02 vrn

Strecke Hungen Mücke.

Pz. 4273 (W) bisher Hungen ab 7.12, fährt später, Hungen ab 7.22, Laubach an 7.44 N.

Strecke SallarLondvrfGrünberg.

Zug,2568, Londorf an 7.42, wird an Werktagen bis Geilshausen durchc e- führt und wie folgt befördert: Londorf ab 7.43, Oden Hausen ab 7.50, Geilshausen an 7.54 N

Giesrencr Wochcnmarktpreife

am 8. März. (Händlerprcise.)

GS kosteten das Pfund: Butter 1,90 bis 2,20, Matte 0,22, Wirsing 0,45, W.ißkraut 0,40, Rot- kraut 0,45, gelbe Rüben 0,25 ro'e Ruben 0,30, Endivien 1,50, äl t r-Kvhlra'ri 0,)8 G ün vhl 0, 5, Rosenkohl 1,50. Frldsa.ac 4, Zwirbe u 0,25. Meer­rettich 1, Aepfel 015 bis 0,30, Dörrobst 0,25; Käse 10 Stück 0,65 bis 0,70, Eier das Stück 0,14, Blumenkohl das Stück 1 bis 2, Lauch das Stück 0,40, Sellerie das Stück 0,50 bis 1,80 Mark.

fpd. Wiedereröffnung der Riedbahn. Nackd eingehender Prüfung der 45 Kilometer lan­gen,'seit Der Rubchesehung au*Lr Betrieb gefetzten Riedbahnstr-ecke F.anksurtGoldsteinBiebesheim ist von heute ab auch hier der Verkehr wieder ausgenommen worden. Es fahren Personen- und Güterzüge.

RDV. Neue Briefmarken mit dem Reichsadler. Die jetzt im Verkehr befindlichen Briefmarken, die nut die Wertzahl tragen, sollen in den Werten bis 50 Pfg. durch Marken mit dem Reichsadler (Entwuff Sigmund von Weech- München) ersetzt werden. Es werden neue Mar­ken zu 3, 5. 10, 20. 30 und 50 Pfg. auf weißem Wasfelmusterpapiet in einfarbigem Buchdruck her- gefle.lt; sie sind schmal umrandet und zeigen in der Mitte auf dunklem Gründe den Reichsadler, darunter die Inschrift ,Deutsches Reich". D:e 3-Pfg.-Marke ist hellbraun, die 5-Pfg.-Marüe grün, die lO-Pfg.-Marke rot. Ne 20-Pfg.-Marke blau, die 30-Pfg.°Marcke vsolett, die 50-Pfg.- Marke orange. Die 30-Pfg.-Marke ist bereits gedruckt, die übrigen ^erte sollen erst heraus­gegeben werden, wenn die alten Bestände auf- gebraucht sind.

x Die Frü hjahrs vertue ter der- sammlungdesEvangIünglingsbun- des in Helsen (Hessenbund) tagte dieser Tage im Landeskirchengebäüde zu Darmstadt unter der Leitung des Dundesvorsitzenden, Pfarrer Müller- Birkenau. Nach dem Lutherlied, einer biblischen Einleitung durch Pf. Lohfink »Auer­bach und Gebet betonte der Vorsitzende die Ar­beit des Bundes als stehend auf dem Boden der Landeskirche, Hand in Hand mit dem Ev. Verband der treibt. Jugend, der die Derbands- jugendp.legerin Frl. Hein als Vertreterin ent­sandt. Der jetzt auf 60 Vereine gewachsene Bund erhält eine Einladung zur Zusamm n irbeit mit dem Bahnhofsbund, zum Bundesturnfest zu Ludwigsburg am 24. und 25. Mai. Eine Zusammenarbeit mit dem weißen Kreuz zur Bekämpfung ter älnsittlichkeit wird noch kommen. Schweizer Dundesfreunde Übergaben dem Bund eine ansehnliche Spende. Der Ri.ichSvevdand halt ,rach der eindrucksvollen Tagung in Dresden 1923 ein Fest erst 1925, in diesem Jahr eine Pfingst» sreizeit in Benneckenstein im Harz. Die soziale Frage wird im Bunde als sehr wichtig angesehen. Das Dundesfest des Hessensundes ist für den 21. und 22. Juni in Offenbach geplant und wird u. a. auch eine Freilichtaufführung des Frankfurter DühaenvolksbunteS bringen. In der Eharwvche ist eine Freizeit in Nidda. An den HaupivortragDie Neubllebung des geistlichen Spiels In der Gegenwart" (Studienrat Dr. Mayer-Leonhard, Frankfurta.Ad) sch' sich eine lebhafte Aussprache, die den Willen der evang. Jugendbewegung zeigte, auch hier eifrigSteine zu tragen aufs Baugeristt".

** Die Zentrumspartei Gießen hatte auf gestern abend eine öffeirlliche Ver­sammlung in das Kath. Veremshaus einberufen, die sehr gut besucht war. An Stelle der ver­hinderten Frau Abg. Teusch sprach der Reichs- tagsabg. Schwarz über die grunbfätzlichen For­

derungen der Zentrumspartei *ar politischen Sag*. Der Redner ging davon aus, daß die Reichstags«' wählen von 1920 keinen Reichstag mit fester Mehrheit gebracht und somit auch leine starke Regierung ernröglichi haben. Er nahm sodann scharf Stellung gegen die Politik dernationalen Phrase", der das Zentrum, das national im besten Sinne des Wortes sei, die Politik der realen Tatsachen gegenüberstelle. In umfassender Weise verteidigte der Redner hierauf die Erfüllungs­politik Dr. Wirths, deren Leitgedanke die Mit­arbeit des deutschen Dolles an der Wiederher­stellung des Friedens in der Welt gewesen sei, und zwar durch Leistungen bis zur Grenze des Möglichen, um auf diese Weise die deutsche Frei­heit wiederzugewinnen. Kein Politiker an ver­antwortlicher deutscher Stelle kön ie' einen anderen Weg gehen, wenn er Deutschland aus der Tiefe herausb.ingen wolle. Auch Stresemann verfolge richtigerwrise diese Polillt, deren Ziel eine Ver­ständigung mit b:r Entente, mit Frankreich fei, wobei wir natürlich als Folge des verlorenen! Krieges schwere Opfer auf uns nehmen mühten. Das Zentrum sei in den bisherigen Nöten der Regierungsbildung stets opferbereit in die Bresche gesprungen und habe dadurch das deutsche Volk gerettet Die große Koalition sei zweimal ge­scheitert. beidemal durch die Schuld der Sozialdemokratie, die damit "schwere poli­tische Fehler gemacht habe. Das Zentrum forbere in die,er schwe en Zeit wrseres Volkes die wahre, ch i l ch: Volksg.m.i .schäft Don allen Seiten, insbchvndcre von den be itzenden Schichten, müß­ten große Opfer zur Rettung von Dolk und Dater- land gebracht werden. Nur dadurch und durch die D.rchhnung der Klasse:' könne unser Schick« sal sich allmählich zum Bffsern wenden. Wer im bevorstehenden Wahllampf ganz rechts oder die äuß.rste Linke wähle, trage zum schlimmsten Verhängnis für unser Volk bei. Das deutsche Doll maje unbedingt einen alttemssähigen Reichs­tag wählen und damit die Stetigkeit der Regie­rung sichern. Beides sei aber nur dann möglich wenn die Stimmen der Wähler und Wählercknn-en für tte Parteien ter Mi:te abgegeben würden. Alle Kräfte des VolkeZ, die guten Willens feien, müßten sich g schaffen bei den Mittelparteien zu- fammcnfi.vZk.-n, derer Poli ik klar und in Stetig­keit, toerm auch unter Opfern, auf die Wieder­erlangung der deutscher F.ei^eit hinziele. Das Zentrum habe diese Politik Immer vertreten und w.rde sie auch in Zukunft unterstützen. Es werde nur kennen das deutsche Volk und das deutsche Vaterland, nicht die Partei. In der Aussprache unter st .chch StzaatSanwalt Iusffzrat CB e l be­mann dir Ausführungen des 2tbg. S chwa rz noch rvach verschi »denen Richtungen hin, wobei er nam -nllich die Forteung der Vvlksgemvi'N- schafts-Gesi i'.ung zur d sonCe ev Te b.citung cmpfah'. D i?en Re n r i stimmte die Versamm­lung mit lebhaftem Beifall zu.

^yrnatiKit.

Tages kalender für Montag Naturheilverein, 8 älhr. im Hotel Schütz: Vortrag von Dr. med. Strünkmann-Soden. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße: ^Das alte Gesetz". Pa- test-Lichtspiele:Mlllionenrausch". Astoria- Lichtspiele:1812 ober" Gräfin Dandiäres".

Der Vortragsabend von Dr Erich Drach den die Literarische Gesellschaft am nächsten Mittwoch veranstaltet, ist nicht nur für Mitglieder, sondern für die Allgemein­heit bestimmt. (Sirhe A7v-eige.)

Eine M i tglie der-Derf amm- lung der Gießener Ortsgruppe deS Deutschen De a m t e n b u nde s findet mor­gen, Di nstag, abend im Kath. Deroinshaus statt. Tie wichtige Tagesordnung ist in der Anzeige in unserer Samstag-Ausgabe enthalten.

Landkreis Gictzen.

tt. Allendorf a. d. Lda., 9. März. Die heute im Gasthof zum Bahnhof abgehaltena 'Sitzung des Geflügelzüchtervereins war gut besucht. Hauptgegenstand der Verhandlungen war die Beratung über die Verteilung der Di­plome an die Preisempfänger der kürzlich statt­gehabten Ausstellung und die Anschaffung von eigenen Ausstellungskäfigen. Alm letzteres aus- führen zu können, wurde beschloffen, die Mitglieder um freiwillige Spenden, von denen schon einige sofort gestiftet wurden, anzugehen, den Rest aus die Dereinskasse zu übernehmen.

* Grünberg, 8. März. Der Gemeinde­rat setzte in seiner jüngsten Sitzung die I a g d- pacht gemäß den Richtlinien des Ministeriums des 45nnern auf 80 Proz. der Friedenspacht im Durchschnitt der beiden letzten Pachtperioden vor 1915 fest. Jeder Bürger, der sich an der V0r> legung der Holzhauerlöhne beteiligt hat, erhäll zwei Raummeter Brennholz. Als Raum­meterpreise wurden bestimmt: für Buchenscheite 10 Mk., Buchenprügel 8 Mk. und Duchenstöck« 6 Mk. Die Festsetzung der Grund- und Ve­to e r b e st e u e r s ä tz e für die zweite Hälfte des Jahres 1923 ist vom Ministerium nicht ge« nehmigt worden. Insbesondere sei die Besteue­rung der landwirtschafllich genutzten Grundstück«

Giehener Komzertverein.

Staatliches K»rorch»ster Bad-Nauh'^mr.

Sinfoniekonzerte scheinen. tn Gießen veran­staltet zu werden, um das Leben des Musikers und des Referenten mit Enttäuschungen zu be­reichern. an denen es dank so mancher Gesangs- diva und ich weiß nicht, wessen all doch wircklich nicht arm ist. Wurde vor Tagen ein Orchester, das in vortrefflicher klanglicher Der- faffung musizierte, durch die Unfähigkeit des Diri­genten um die volle Auswirkung seiner Leistungen gebracht, so trugen dieZmalDirigent und Orchester die Schuld an dem, für den Musiker wenigstens, fatalen, Gesamterndruck.

Wir lehnen die Ausführung etwa der achten Sinfonie Beethovens in derartig unzureichender Besetzung der Streicher (vier erste Violinen ufto.l) als eine bedenkliche Vermessenheit von vornherein ab. Eine solche Verlagerung des klanglichen Schwerpunktes, die nahezu vollständige Ausschal­tung deS gesättigten Streicherllanges schädigt jede, besonders jede llasstsche Sinfonie in einer Art, die eine Versündigung an dem Kunstwerk genannt zu werden verdient. Durch diese einschneidenden Beschränkungen wird aber auch der gute Ruf eines Orchesters schwer erschüttert, das allein schon durch btc recht gute Haltung der Bläser, die sich von einigen technffchen Mißsällen ab­gesehen, wie fte überall und tagtäglich Vorkommen, im öligemetnen siegreich behaupteten, die beste Gewähr für abgerundete Gesamtleistungen bietet, toem» man es mit glücklicher Hand auf die not­wendige volle Starte bringt ILtö schließlich, nimmt man als Dirigent durch solche Maßnahmen stch nicht die leuchtendsten, die innigsten und seelen­

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