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Montag, 10. März J92<

Erstes Blatt

174. Mrgang

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Annahme von Anzeigen für die logtsrummet bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit

Preis für 1 mm hohe für Anzeigen von 27 mm Steile örtlid)8, auswärts 10 Goldpsennig; für Re­klame-Anzeigen 0.70mm Breite 35 Goldpsennig, Plohvorschrift 20u( Aus­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: vr.Friedr. Wilh Longe: für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; sür den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gießen.

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Goldmark und das Recht zur Not.maus gäbe auf ICO Mill'.vnen Mark. Dir Reichsbank tixrb von dem Kapital von 203 Millionen Mark den B trag von 103 Milliorr n selbst übe nehmen und wird damit sie wird von d n übrigen 103 Mil- Ihnen Mark sich nvch eine Aktie dazu erwerben ti> Majorität des Ka pitals dauernd b halten, f.läng? diese Golddiskontbank besteht. Es wird statutarisch vo.g s hm werden, daß diese Majorität genügt, um alle erforderliche Kon­trolle über die Baust ausmüten.

Es ist vorges .h.m, d,rß, sollte irrendeirre defi­nitive Währungsvrganisation mit der Reichs- bank oder auf der ReicchZbank oder in einer anderen Form geschaffen werden, dah dann die Aktio­näre der Golddiskontbank das Recht haben. Aktien der definitiven Währungsbank gegen pari zu zeichnen, so dah die Liquidation für sie keine Härte bedeute, sondern die Möglichkeit, sich auch weiteo an dem Unternehmen zu beteiligen.

Eine weitere Bedingung ist fernst, daß jede* politische Einfluß vor dieser Bank ausgeschlos­sen bleibt, daß die Beleihung und Erwerbung von Reichs-, Staats- und Kammunalanlrihen usw. selbstverständlich ausgeschlossen wird. Der Sih der Dank wird in Berlin sein. Die Lei-

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solchen Bedingungen würde weder Deutschland noch Ruhland dem Döllerbunde beitceten. Slrese- maim spreche für das ganze deutsche Volk, wenn er erkläre, Deutschland werde niemals zustimmen, dah das Rheinland unter irgendwelchem Dorwand oder unter irgend jemandes Auspizien In einen Pufferstaat verwandelt werde.

Die Frankenkrise.

Paris, 10. März. Gestern vormittag fand im Elysee unter dem Dorsitz des Prä­sidenten der Republik eine Deratung statt, an der außer dem Ministerpräsi­denten teilnahmen, der Finanzminister, der Gouverneur der Dank von Frankreich und die Mitglieder des Generalrates dieser Dank. Es wurden alle Maßnahmen besprochen, durch die man die Sanierung der Finanzen und du Wiederausrichtung des Franken zu erzielen hofft. In dem offiziellen Kommunique heißt es, die Regierung werde beim Senat daraus bestehen, daß die Finanzgesetze rasch ausge­nommen werden, und sie werde die Erklärun­gen wiederholen, die sie vor der Kammer ab­gegeben habe und die die Notwendigkeit be­weisen sollen, daß die A u s g a b e n e i n ge­schränkt und der Anleihepolitik ein Ende bereitet werden müßte. Die Bant von Frankreich werde die Bemühungen unter­stützen, die dir Regierung in die Wege lei­tet und alle erforderlichen Maßnahmen treffen.

Heute vormittag findet eine außerordent­liche Konferenz unter dem Vorsitz des Mini­sterpräsidenten statt. Es sollen die im Laufe der gestrigen Konferenz im Elhsee in Aussicht genommenen Maßnahmen zur Stützung des Frankenkurses diskutiert werden. Rach dewl Watin« ist gestern beschlossen worden, un­ter keinen Amständen den Na 1 e n u m l a u f zu erhöhen. Man werde die Spekulation der Kaufleute, die auS dem Frankensturz Nutzen zu ziehen glauben, nicht erleichtern. Anderer­seits werde die Dank von Frankreich und mit ihr die anderen französischen Großbanken ge­gen den Angriff gewisser ausländischer Syn­dikate gegeri den Franken interpellieren. Nach demPetit Parisien" hat die Dank von Frankreich bedeutende Kredite erhalten, um die Lage beeinflussen zu können.

DiePoincarö- und Frankenkrise" wird von der britischen Presse weiterhin eingehend erörtert. .Sunday Times" verkündet in Fettdruck, Poin- care kämpfe umfeinLeben. Unter der lieber» schriftR uhrnemesis" führt das Blatt aus, der Franken falle und reiße Poincars mit sich. Seine Politik sei es, die die Wege für den augenblicklichen Sturz der französischen Währung geebnet habe. Poincarss Hazar^spiel sei fehl- geschlagen. Wenn er Geld von Deutschland wolle, um den Franken vor dem Zusammenbruch und sich selbst vor schmählicher Niederlage bei den kommenden Wahlen zu retten, so müsse er das 'Jl u b r gebiet verlassen und alles zurück- nehnen, was er öffentlich während der letzten Wochen gesprochen txr.be. Es werde jetzt von Frankreich klar erkannt, daß die Aussicht, von Deutsck'land Geld zu erhalten, durch Poincarss Ruh.politik sehr behindert worden ist. Die Ruhr- besetzung hat das deutsä-e Cisenbahrsystem und die deutsche Schwerindustrie betroffen, so dah keine Finanzgruppe der Welt heute Deutschland leihen will, wenn nicht die Wirtschasts» einheit Deutschlands wieder herge­stellt werde, d. h. wenn die Franzosen nicht aufhören, das Ruhrgebiet zu kontrollieren. Die Southern Ra'rlways. die den Dienst zwi­schen Frankreich und Gmgland versehen, haben am Samstag das Pi und Sterling mit 120 Franken berechnet. (FriedenspariLät 1 £ = 25,2 Francs.)

*8 ff I

Paris, 8. März. (WTD.) Die in dem französischen Gelbbuch über die Si-che.hcits- fragr vcr^f,entlichtm Dokumente sind zum Teil be­reits bekannt. Unter den noch nicht veröffent­lichten Schriftstücken steht in erfter Linie das vom 10. Januar 1919 datierte Memorandum des Marschalls Foch. in dem dieser unter an­derem erklärt, der Rhein als mi'.itärische 0 rea.se, dir für dir Aufrechterhaltung des von den Alli­ierten und A soziierten angeftrebten Friedens u n- erlählich ft, stelle lei e.l.i territorialen Dor- teit für irgend ein Land dar. Es handle sich nricht darum, das linke Rhiinufer zu annektieren, Frankreich oder Belgien einen Gebietszulvachs KU vrr'ch.tffen und d:m Rhein gegen einen deut­schen Dvrstoß zu schütz n, sonderm darum, am Rhin die gemeinsame Sicherheits- schranke, die für die Geellschaft der demo- krati'chm Nation?n unrrlählich sei, zu errichten. Es handle \U> nicht darum, einer eini gen Macht die Gewalt an die ec gemeinsamen Sch.-anke an- Kuvcrtrauen, sondern vielmehr, sei es durch die moralische, sei es durch die materielle Unter- stützung aller demokratischen Mächte, die Der- tcitegimg. ihrer Existenz und ihrer Zukunft zu gewährleisten dadurch, daß man es Deutschland rin für allemal unmöglich mache, den Krieg und den G.ist der deutsche-n Vorherrschaft auf das !i ke Rh inuser hinüle yjtragen. Selbstre ständ- Iif> werde cs Sache des Fnedensvertr-ages sein, das Statut der außerhalb der frawzösibhon und b irischen Grenze leb.nie i linksrheinischen Be- völkrrurng zu b stimmen. Welcher Art aber auch di se Qrganisa ion s ein moxe. sie werde der oben­erwähnt.n militärischm Notwendigkeit Rechnung tragen müssn und dementsprech.nd

1. Deutschland den militärischen Zugcmg zu den rheinischen Landesteilen auf dem lin­ken Ufer und dir politische Propaganda auf diesem Gebiet völlig unmöglich machen, viel­leicht sogar diese Gebiete durch eine mili- tärifch-e NeutralisiecungSzone decken,

2. die militärische Besetzung der Rhein­lande auf dem linken Rheinufer durch alli­ierte Truppen sichern,

3. den Rheinstaaten auf dem lmken Afer durch Anschluß an die übrigen westlichen Staa­ten mit Hilf? eines gemeinsamen Zollregimes die für ihre Wirtschaftstätigkeit erforderlichen Absatzmärkte garantieren müssen.

Unter diesen Voraussetzungen und entsprechend dem von allen anerkannten Grundsatz der Freiheit der Völker könne man sich die Bildung auto­nomer Staaten auf dem linken Rheinufer denken die sich unter den oben angedeuteten Vor­behalten selbst verwalteten. Die Bildung dieser Staaten an der starken natürlichen Grenze des Rheins werde allein imstande sein, Westeuropa den Frieden zu sichern.

Aus der Note der französischen Regierung vom 17. März 1919 verdient folgendes hervor­gehoben zu werden: Das linke Rheinufer sei von dem übrigen Deutschland verschieden. Es furchte den Bolschewismus und die Kriegsabgabe. Es sei sich seines wirtschaftlichen Partikulansmus be­wußt. Es liebe die preußischen Beamten nicht, die das Deutsche Reich ihm aufgehotigt habe. Trotz­dem Frankreich absolute Zurückhaltung ube, treten dort bereits separatistische Tendenzen auf Man rechne mit nationalistischer Erregung in Deutschland. Dieser Zustand sei durch die Nie­derlage geschaffen worden. Man glaube, daß die vorgeschlagene Lösung des Imperialismus ver­dächtigt werden könne. Aber es handle sich ntcht darum, zu annektieren, es handle sich darum, unter der Gewähr des Völkerbundes eines den Interessen der Völker und den Bestrebungen eines großen Teiles unter ihnen entsprechenden unabhängigen Staat zu schaffen. Das fei keine Bismarcksche Lösung. Man mache sich Sorge wegen des Eindruckes auf die öffentltche Meinung in England und Amerika. Der ganze letzte Krieg lehre ater, daß der Rhein nicht nur die mili- tärifd>e Grenze Frankreichs und Belgiens, sondern

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16.5.

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Frankreichs Kampf um den Rhein.

Aus dem französischen Gerbbuch: Marschall Foch fordert die militärische Rheingrenze zur Beherrschung Deutschlands für alle Seiten.

Nun ist eine Wirderhrrsteriung einet wirklichen i GolLwähimng in Deutschland selbstverständlich | nicht mögliche solange nicht der ganz große Fragenkomplex gelöst ist, der sich um das

Thema der Reparationen windet.

Ich habe niemals bei meinem Plan .irgendwie den Gedanken verfolgt, Deutschland eine Gold­währung aus eigener Kraft zuruckzugeben bevor nicht dieser politische Fragenkomplex geebnet tst. Ich habe immer nur den Gedanken verfolgt, Gold­kapital v o n a u h e n oder aus sonst bisher nicht benutzten Quellen heranzuziehen, um es der deut­schen Wirtschaft zuzuführen 3 <6 Jute geglaubt, daß diese Heranziehung ausländischen Kapitals m der Form einer Dan k am besten möglich sei, deren Goldkapital sicher im Ausland angelegt werden könnte, um vor jedem Risilo geschützt zu sein, dieses Kapital heranzuziehen und es dann in der deutschen Wirtschaft arbeiten zu lassen. Ich habe die Verhandlungen ausgenommen am 1. Ja­nuar mit der Bankvon England und habe ferner in der City von London eine Reihe von Besprechungen gehabt, die mir alle den Eindruck gaben, daß man auf dem Londoner Platz wohl bereit fein würde, uns bei dem Plan zu unterp

auch der Demokratien jenseits des Meeres sei. Es werde aus die Gefahr einer unbestimmte Zeit hindurch währenden Besetzung Hingewi sen. Ater da die ganze Organisation des Unten Rheinufers in der Hand des Völkerbundes liegen solle, werde dieser stets das Recht haben, sie zu ändern. Lieber die geplante Besetzung deS linken Rhein- ufers

erklärte Marschall Foch: Ich weise schon jetzt darauf hin, daß die Freigabe der nördlichen Be° sehungszone den Verzicht auf den am stärk­sten mit Industrie durchsetz en Teil des Defehungs- gebietes, den Verzicht auf denjenigen Bimckcn- topf, der zum Ruhrgebiet, der Hauptquelle des deutschen Reichtums, Zutiitt gewährt, bedeutet, daß wir dann nicht weiter bedrohen, und auf des­sen Beschlagnahme wir verzichten. Nach fünfzehn Jahren wird schließlich die rheinische Barriere in der ganzen Ausdehnung der besetz en Gebiete frei- gegeben. Frankreich steht wieder mit feinen Gren­zen von 1870, das heißt ohne jede militä­rische Garantie, da. Wenn man mich nach der Lösung fragte, die ich Vorschläge, würde ich ungefähr folgendes sagen: Die Frage der Rhein­lande wird absolut bestimmt durch die Frage des Rheines selber. Dieser Fluh ist für alles maß­gebend. Wenn man Herr des Rheines ist, ist man Herr des ganzen Landes. Steht man nicht am Rhein, so hat man alles verloren. Die Do­kumentensammlung langt dann bei der Konferenz von Genua an. Von besonderem Interesse! ist in einer Instruktion Poincaräs die folgende, auf den R a p a l l o v e r t ra g bezugnehmende Stelle: Der Abschluß des deutsch-russischen Vertrages stellt in augen­fälligster Weise eine Bedrohung für den Frieden dar. Dieser Vertrag ist nur des Symp­tom der natürlichen Tendenz der Deutschen und Russen, sich in gemeinschaftlicher, feindseliger Ab­sicht gegen die Signatarmächte des Versailler Vertrages, insbesondere Frankreich und England, einander zu nähern. Lloyd Georg? übersieht di->sc Gefahr nicht, aber er stellt sich vor, dah es, um ihr vorzubeugen, genügen würde, die Deutschen und Russen an einem allgemeinen Friedenspakt zu beteiligen. Es ist klar, daß ganz Deutschland weit weniger Wert auf die Bestimmungen als auf die allgemeine Bedeutung des Vertrages legt, und daß es in ihm den ersten Schritt zu einer weit- g chenden Annäherung zwischen ihm und Rußland erblickt, die ihm die Möglichkeit geben feil, die West Mächte matt zu sehen und seine Revanche vorzubereiten.

England und Rheinbarriers.

London. 9. März. (WTB.) Der diploma­tische Berichterstatter desObserver" schreibt zur frage der Sicherheit Frankreichs, soweit die bri­tische Regierung in Betracht komme, seien noch keine endgültigen Gedanken formuliert worden. Der Plan einer Neutralisierung des Rhein la ndesunterAufsichtdesDöl- kerbundes bedürfe, wenn er glücken solle, der Unterstützung Deutschlands. Eine der drin­gendsten NrtwenktgTeiten sei daher. daßDeut sch- land um Aufnahme in den Völker­bund ersu ch e. Deutschlands Verantwortlich­keit sei gegenwärtig sehr groß. Liter man sei ter Ansicht, daß Deutschland weitdenkend genug fein werde,' um edelmütig seinen Beitrag Aur Heibrisühiung einer allgemeinen Regelung der Sicherheitsfrage zu leisten.

Die schlimmste aller vorgeschlagenen Losun­gen fei' daß der Separat smus im Rheinlande unter dem NamenInternational sicrung« or- ganisiert werde, mit einem Worte, daß Deutschland unter den Auspizien des Dölker- bundes zerstückelt werde.

Macdonalds Ausdruck in feinem Schreiben an PoincareOert iche Entmilitaris.erung und Neu- traüfierung, die in ganz Deutschland Beunruhi­gung verursacht habe, sei falsch verstanden wor­den Mncdonald habe aud). nicht einen Augenblick an die politische ober wirtschaftliche Abtrennung des Rhriulantes von Deutschland gedacht. .Unter

Das kleine

Garantiekomitee.

Es ist traurig, aber wahr, daß selbst die wich­tigsten Bestimmungen des Friedensvertrages in der breiten Masse des Volkes bei uns wenig ober gar nicht bekannt sind. Jeden Monat, jebe Woche lieft und hört man etwas über den Unfug der fortgesetzten Interalliierten Kontrollkommission, über die Mißverständnisse und Hebelgriffe der Schergen des Generals Rollet, über die wahn­sinnigen Kosten dieser schikanösen Spielerei, monatliche Ausgabe des Deutschen Reiches da­für 1 215 600 Goldin ar k, b. i. beinahe das Dop­pelte von dem, was sämtliche Offiziere des beut- scheu Reichsteeres an Gehalt und Ortszuschlag monatlich erhalten. Immer dringender werden dabei die Stimmen derer, die da fragen: Weshalb ermöglicht das Deutsche Reich nach wie vor es meh.eien hundert französischen Offizieren, sich pe­kuniär gesund za machen un> im Nichtstun all­monatlich fünf Viertel Millionen Goldmark zu verprassen, die der deutsche Beamte und der deutsche Arbeiter durch Steuerabzüge von seiner Unzureichenden Entlohnung aufbringen und vom täglichen Brot abhungern muß?

Aber säst jedesmal fehlt bei solchen Klagen eine energische Aufklärung von deutschamtlicher Seite barüter, daß nach dem Sinn und Wort­laut der Artikel 203213 des Versailler Ver­trages die Rolle der I. K. K. infolge der be­endeten Abrüstung längst a u s g e s p i e l t ist, daß die derzeitige Fortführung des Unfugs rechtswidrig ist, und daß es nach Art. 213 des Friedensvertrages teute nur noch gelegent­liche Pintersuchungen aus Grund eines Wehr- hefts-teschlusses des Völkerbundsrates ge­ben kann.

Der britische Premierminister Ramfay Mac- dvnald scheint anderer Ansicht zu sein. Er hat der französischen Regierung vorgefchlagen, die große Militärkommission durch ein kleineres Ga­rantiekomitee abzulösen. Sein Standpunkt erklärt sich vielleicht aus pazifistischen Erwägungen. Viel­leicht will er auch einfach mir mit Poincars zu einer Einigung über diese und andere Ra­stungsfragen kommen. Genug, die Herzen der Entente haben sich wieder einmal gefunden. Die Einigung ohne Deutschland auch nur zu be­fragen! ist da. Die Note der Dotschaftev- konferenz liegt auf dem Schreibtisch Drs Strese- manns. Was soll die Berliner Regierung darauf antworten?

Ein militärisches Garantiekomitee der Alliier­ten, das seine Nase in alle deutschen Garnison- unb Fabrikstädte stecken kann, wäre natürlich nur eine Namensänderung und im Grunde das­selbe Würgeband wie die I. K. K. Daß die Entente vielleicht! die Kosten des neuen Kontrollorgans großmütig übernehmen will, ist nur ein Köder, auf den die deutsche Regiei-ungi nicht anbeihen sollte. Das Anerbieten wäre nur ein neues Mittelchen, dauernd nicht nur unsere innerpoli'ischen Vorgänge, sondern vor allem unsere Fabriken und Handelsbeziehungen zu über­wachen. Ist es doch bekannt und erwiesen, daß Techniker unter dem Vorwande der lieber* wachungspflicht als Organe der Entente einzu- dringcn wußten, mit ter leicht erkennbaren Absicht, über Fabrilationsrnethoden Kenntnisse zu erlangen, die sie anderweitig schwerlich be­kommen hätten. alles mit der Behauptung, feststellen zu müssen, ob Kriegsmaterial angefer­tigt werde. Hat die deutsche Regierung Anlaß, solchen Schnüffeleien, die to.eter zu Verwick­lungen führen müssen, von neuem Tor und Tur zu offnen?

Macdonald aber, der hier Arm in Arm mit Poincars auftritt, sei an folgendes erinnert: Lord Newton (derselbe, ter sich kürzlich so energisch für die Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums einsetzte) sagte vor genau zwei Jahren, am 7. März 1922 im Oberhaus: ®er Anblick der interalliierten Kontrollkom­missionen. die aus dem Bankrott eines besiegten Volkes gedeihen, ist eines ter widerlichsten (Biiber, die man sich Dorftellen kann. Ich würde mich freuen, wenn England da nicht mehr mit den Alliierten zusammenginge." Nun will also Macdonald mit der unersättlichen französischen Militär- und Industriespionage zu'arnmengehen? Wlll er sich die Geneigtheit Poincarss zu anderen Konzessionen damit erkaufen? Wenn es noch eine deutsche Diplomatie mit Waffen es sind nur die Waffen des Rechtes und ter Vernunft gibt, so muß sie jetzt den Kampf g e gen ne u e Bedrückung und neues Volker- unrecht aufnehmen.

Die Goldkreditbank.

'Berlin, 8 März. (Wolff.) 3m Haushalts- ausschuß des Reichstags führte R^ch^nkp^si- bent Dr. Schacht zur Frage ter Goldkreditbank folgendes aus:

Wir haben in Deutschland eine Papierwäh­rung, die durch die 3nflation an den Rand tes Abgrundes gebracht war Wir haben sie stabili fiert in einem gewissen Umfang terjl) tee SluS gäbe ter Rentenmark. Die Rentennurk st im wesentlichen ein auf Kredit ba^rentes Gett> und kann infolgedessen nicht in jeter beliebig ver­mehrbaren Menge verwendet werten Man darf sie also nur in solchen Rkengen in den Derkehß hineingeten, daß sie sich dem ^lausstedarf ter Wirtschaft anschließt. Darüber hinaus haben wir in Deutschland infolge ter großen Verarmung, in in die wir hineingeraten sind, eine Kap tats und Kreditnot, der unbedingt abgeholfen werten muß, wenn die Wirtschaft wieder in Gang gebracht werten soll.

stützen. In diese Besprechungen hinein fiel ter Zusammentritt des Expertenkomitees.

Ich b merke, daß das Komi e? ausdrücklich vvn ter R pa.ati.m .k'mmifsi):r die Ausgabe er­halten hatte, dir Stabilifie.-ung der deutschen Währung zu studieren und Vorschläge dafür zu machm. Ich bin bann nach Paris geladen worden, um über diese frage mit dem Expertenkomitee zu sprechen.

Die Experten wollten eine endgültige Gold­währung in Deutschland schassen, um die Heranziehung deutscher Guthaben für Repa- rationszwecke aus Deutschland auf eine valu­tarisch gesicherte Basis zu stellen.

Aus ti?fen ©ebantengängen heraus haben die Experten meinen Plänen gegenüber stets das Bedenk an geäußert, daß m.ine Pläne ihre Plane hindern könnten. Ich habe mich bemüht, ihnen bogrrislich zu machen, daß das in ferner Weise ter Fall f.in würde, die Verhandlungen hier- über haben schließlich zu einer Anzahl von Stipu- li-rungm geführt. Sie gehen in we entlichen da­hin daß der Ilmfang der Golddiskvntbank in einem gewissen Ausmaß ziffernmäßig begrenzt wird, und zwar das Kapital auf 203 Millionen |

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General-Anzeiger für Oberhessen

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