Dienstag, 9. September 192$
17$. Jahrgang
Nr. 212 Erstes Blatt
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Der Widerruf der Kriegsschuldlüge
Der Zeitpunkt der Notifizierung der deutschen Note
von
tit
Lamont und der Gouverneur der Bank England, Norman, teilnehmen.
— Berliner Beratungen.
Besprechungen statt, an denen vor allem der amerikanische Bankier Morgan, sein Teilhaber
Die Beratung in der Abrüstungskommission der Dölkerbundsverscrmmlung zeigte bereits deutlich die Tendenz zahlreicher Delegierter, den von den Engländern als erledigt betrachteten alten Garantiepaktentwurf trotz der durch die Resolution Herriot-Macdonald geschaffenen Lage in den wesentlichen Grundzügen beizubehal- t c n Diese Absicht entspricht auf jeden Sall den Richtlinien, mit denen die französische Dele- aotion an die wichtigen Arbeiten dieser Konunif- sion herantritt. Die Auffassung der französischen Delegation, der die Kleine Entente fich an-- schlicstt, geht dahin, das; die Kommifiion die Kontinuität mit den Arbeiten der letzten und vorletzten Bölkcrbundsversammlung aufrechterhält. Der Garantiepakt sei von der Rkehrheit der Staaten nict)t abgelehnt worden. Er behandelte auch nach den Reden Herriots und Macdonalds oie Grundlage des Sicherheitssystems, das die Versammlung ausarbeiten soll. Er müsse selbstverständlich infolge des neuartigen Gedankens des Schiedsverfahrens abgeändert werden.
Aber gerade dieses Schiedsverfahren werde es andererseits gestatten, vielen bisher erhobenen Einwänden 'gegen den Pakt die Spitze abzu- brechen und dadurch das System des Garanriepaktes beizu behalten. Denn das Schieds- versahren wirke nur mehr in dem Matze, in dem es mit den Garantien verknüpft sei Das SchiÄ)sverfahren und die Garantien bedeuten ein unlösliches Ganzes, wie auch die Abrüstung nur in enger Verknüpfung mit den anderen beiden Forderungen denkbar ist. Die wesentlichen Aenderungen des alten Garanrie- paktprojektes würden dann darin liegen, datz anstatt des Völkerbundsrates eine richterliche Entscheidung den angreifenden Staat fesl- stellen soll. An anderen wesentlichen Stimmungen des alten Garantiepaktentwurfes scheinen die französischen Kreise dagegen feslzuhallen, so vor allem an S o nde ra bko m m e n, die man als von den alten Vorkriegsbündnissen gänzlich verschieden bezeichnet. Wenn man demgegenüber feststellt, datz auch in der heutigen Sitzung der englische Vertreter Lord Parmoor das alte Garantiepaktprojekt als völlig erledigt hm- stellt, das gleiche, das für die Franzosen weiter eine wichtige Grundlage bildet, datz ferner Schanz er und die italienische Delegation in der Frage des Sonderabkommens dem englisch e n'Standpunkt, in der Frage der Sanktionen, die den Schiedsspruch erst möglich machen, dagegen die französische Aufsafiung vertritt, begreift man, mit welchen ochwierig^iten noch zu rechnen ist und datz die etwaige Lösung noch einen viel komprornihartigeren Charakter tragen dürfte als die Resolution vom letzten Samstag.
Dabei mutz damit gerechnet werden, datz die amerikanische Gruppe des Eenerals Blitz und Herrn Shotwell, deren Sicherheitspaktprvjekt zuerst den Schi^>sgedanken emführte, auch eine
em besonderer dreigliedriger Auss chu h unter der Mitarbeit des Völlerbundssekretanats als Grundlage für eine Aussprache eine tabellarische Dlebersicht über den Garantiepattsentwurf, die Einwendungen der Regierungen and andere Pall- enlwürse usw. ausarbettckl Schanzer gab Parmoor gegenüber zu bedenken, datz doch die Antworten der Regierungen zur Debatte tänden und der Garantiepatt selbst auch b c ■ prochen werden müsse, und forderte für eine allgemeine Aussprache unbedingte Freiheit für alle Delegationen, uneingeschränri ihre Gesichtspunkte zur Sicherheitsfrage geltend zi machen. Parmoor stimmte hierauf einer zwanglosen allgemeinen Aussprache zu, der aber dann die metho. bische Einzelberatung folgen müsse.
In der nun folgenden Debatte legte Schau» zer die italienischen Einwände gegen den Garantiepakt,
besonders gegen das Sonderabkommen und die starken Befugnisse des Rates dar, wobei er auf der unantastbaren Souveränität der Völkerbundsmitglieder bestand, gegen die überstaatlichen Befugnisse des Völkerbundes Ein- pruch erhob und die strenge Innehaltung des Völkerbundspattes forderte. Die italienische Auf- assung satzte er solgendermatzen zusammen: Eine Rüstungsbeschränkung ist nicht möglich, wenn man einerseits nicht dem Völkerbund die Möglichkeit gibt, Gerechtigkeit mit anderen Mitteln als militärischer Gewalt zu erlangen, andererseits nicht den Weg findet, ihm Sicherheit gegen Bedrückungen mid Zwangsmittel zu geben, um widerspenstige Staaten zur Innehaltung der von den Organen der internationalen Justiz gefällten Entscheidungen zu veranlassen.
Die vierte Kommission der Völkerbunds' Versammlung für Haushalts- und Gehaltsfragen erledigte die Jahresabrechnung des Völkerbundssekretariats, der Sonderorganisationen der internationalen Arbeitsorganisation und des ständigen Gerichtshofs für 1923. Verschiedene Redner stellten dabei mit Befriedigung fest, datz wesentliche Sparmahnahmen getroffen wurden und datz ein befriedigendes Finanzgebaren des Völkerbundes zu verzeichnen ist und wiesen darauf hin, datz verschiedene Beiträge aus dem Vorjahr noch ausstehen.
Zu den widersprechenden Meldungen über die Rotifizierung der Erklärung Der Reichsregierung in der Kriegsschuld frage erfährt das amtliche Wvlffbureau folgendes: In der Kundgebung vom 29. August wurde angekündigt, datz „die Reichsregierung es unternehmen we^de, eine Erklärung in der Kriegsschuldfrage den fremden Regierungen zur Kenntnis zu bringen'1. Da es owohl aus technischen wir auch aus diplomatischen Gründen nicht möglich war, diese Rotifizierung gleichzeitig mit der An^rbr der Erllärung vvrzunehmen, muhte der hierfür geeignet erscheinende Zeitpunkt zunächst noch Vorbehalten bleiben. In der Zwischenzeit wurden an die Reichsregierung eine Reihe von Wünschen und Anregungen, insbesondere aus wirtschaftlichen Kreisen, hinsichtlich der Form und der Zeit der älebermittlung herangetragen. Las Reichskabinett wird zu Anfang d?r nächsten Woche nach Rückkehr des Reichskanzlers und des Außenministers zu einer Sitzung zusammeii- treten, um sich über Form und Zeitpunkt der Rotifizierung schlüssig zu werden.
Die deutsche Anleihe.
Paris, 9. Sept. (WTB.) Wie das „Pe- Journal" aus Reuhork meldet, finden zur
Deutschland und der Völkerbund.
Der Außenminister gegen eine Be- sprechnng der sozialdemokratischen
Völkerbnndinterpellation?
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 9. Sept. (Drahtmeldung.)/
In Kreisen der bürgerlichen Parteien sind in den letzten Tagen Bestrebungen hervorgetreten, die Beratung der sozialdemokratischen Interpella- tion über den Eintritt Deutschlands in den Böller- bund auf unbestimmte Zeit zu vertag e n. Reichsautzenminister Dr. Stresemann stehtdie- sen Bestrebungen nicht fern, da er den Zeitpunkt zu einer solchen Erörterung, für sehr ungeeignet hält und die ganze Frage dilato- risch behandeln möchte. Dr. Stresemann ist der Ansicht und wird darin besonders von dem Staatssekretär von Maltzahn bestärkt, datz eine so- fortioe Meldung zum Eintritt in den Dölkerbund ein sehr zweifelhaftes Experiment sei, weil die Ausnahme in den Döllerbundsrat eine Menge Schwierigkeiten ausrollen müsse und weil andererseits nichts geschehen dürfe, was in den Bereinigten Staaten und Rußland verstimmen könnte. In A m e r i k a sei die zur Zeit noch herrschende republikanische Partei dem Dolker- bunde sehr abgeneigt, und es sei sehr fraglich, ob die amerikanischen Wahlen darin eine Aen- derung bringen würden. Innerpolitisch aber werde die Umbildung 6,c r Berliner Regie- rung nach rechts , für die Dr. Stresemann eintritt, dadurch sehr erschwert und die Reichsregierung würde sich zwangsläufig in eine un- erwünschte Abhängigkeit von den Sozialdemokraten begeben müssen.
Der Kampf um den Garantiepakt.
Die Beratungen der Genfer Abrüftungskommission.
Widerspruch Italiens. - Die Militärkontrolle in Deutschland
starke Rolle spielen wirb. Denn während die allgemeine Aufmerisamkeit in Genf den öffentlichen Debatten über die Sicherheit-- und Abrüstungsfrage gilt, arbeitet unter dem strengsten Ausschuß der Oeffentlichkeit die ständige beratende M i l i - tärkommission des Völkerbunds an einem dem Völkerbundsrat vorzulegenden Projekt für die praktische Durchführung ter militärischen Untersuchung durch den Völkeibund in den besiegten Ländern. Diese Arbeiten erstrecken sich gegenwärtig nicht nu- auf die ursprünglich allein aufgeworfene 5ra<e ter militärischer! Kontrolle in Bulgarien, äln .a n, Cc?e> reich, sondern auch ganz formell auf die militärische Kontrolle in Deutschland. Dabei geht der Plan der Sachverständigen auf ein dauerndes älntersuchungs recht des Völkerbundes in Deutschland hin, das sofort nach Beendigung der Arbeiten der i.tteralliier en Militärkontrollkommission einsetzen soll, wobei dem Völkerbund auch besondere, ebenfalls dauernde' Kompetenzen bei der Kontrolle der entmilitarisierten Zone überwieer weroen. Wie man in der Frage der Militärkontrolle in den besiegten Ländern erfährt, besteht die Absicht, die Behandlung dieser Angelegenheit vor dem Völkerbund zu vermeiden und gegebenenfalls erst nach dem Äuseinandergehen der Versammlung mit dem Ergebnis an die Oeffentlichkeit zu kommen.
Der Sitzungsbericht.
Genf, 8. Sept. (WB.) 3n der Kommissions- fttzung der' Pölkerbundsversammlung ist heute die Resolution ' Herriot-Macdonald zum erstenmale im Dritten Ausschutz der Völkerbundsversammlung (Rüstungsftagen) zur Sprache gekommen Gleich bei den einleitenden Debatten über die einzuschlagenden Derhandlungsmethvden zeigten sich Gegensätze. Der Präsident der Kommission, D u c a - Rumänien, beantragte, zunächst die Verteilung des Stoffes vorzunehmen, während der italienische Delegierte, der frühere Auhenminister S ch a n z e r, vor dem Eintritt in die Einzelheiten eine generelle Debatte über die gesamte Sicherheitsfrage verlangte. Lord Parmoor stimmte diesem Plane zu, erhob aber eindringlich Einspruch dagegen, datz die Resolution unter den Punkt der Tagesordnung: „Garantiepakt" gebracht wird da der Garantiepatt durch die Resolution erledigt sei und die drei Fragen: Schiedsverfahren, Sicherheit und Abrüstung zur Debatte ständen, an deren Spitze das Schiedsverfahren gestellt werden müsse. Der za>eite Vor- sihende der Kommission^ P o l i t i s - Griechenland, forderte dagegen, datz entsprechend der Reihen- solge in der die einzelnen Fragen in der Resolution angeführt w irden, zunächst die Regie- I rungsantwvrten auf den Garantiepaktsentwarf und die im Völkerbunds patt enthaltenen Garanrie- möglichketten erörtert werden, und beantragte, datz
England und die Frage der Abrüstung.
London, 8. Sept. (WTB.) Der Gen- fer Berichterstatter des „Manchester Guardian" spricht die Besorgnis aus, datz die in Genf zurückbleibende britische Delegatton der französischen nicht gewachsen sein wird, von der sie sowohl durch Geschicklichkeit in der Debatte alsMch durch Erfahrung weit üb ertroffen wird. Der Berichterstattet weist weiter auf den Wortlaut des dem Drit- - ten Komitee erteilten Auftrags hin, die ist der Völkerbundsfatzung enthaltenen Verpflichtungen im Zusammenhang mit den Garantien der Sicherheit zu prüfen, die die Zustimmung zum Schiedsspruch und zur Herabsetzung dei Rüstungen erforderlich machen, und fragt, ob damit Großbritannien nicht indirekt den Grundsatz einer Garantie militärischen Beistandes anerkannt habe. Zn einem Leitartikel fühtt das liberale Blatt aus, Grotzbritannien brauche kein Partner militärischer Konvention zu sein und werde dies auch nicht sein. Das Blatt führt weiter aus, es sei nicht wahrscheinlich, datz Abrüstungen in beträchtlichem Umfange auf Grund der Konvention stattfinden können oder werden. Die Rüstungen würden sich nur vermindern, ohne datz das Gefühl der Sicherheit zunehme. Kriege würden, zumindest heutzutage weit mehr aus Furcht als aus Ehrgeiz gefühtt. Deshalb müsse man in Ausgestaltung des Schiedsgerichtsgedankens das Ziel erblicken, das vor allem anzustreben sei, denn kein Land würde Kriege führen, wenn es drei Monate beraten müsse, bevor es sich endgülttg entscheide. Diese moralischen Sanktionen und nicht militärische Abmachungen hätten entscheidende Bedeutung.
gebunden bettachtet. In Kreisen des Aus- wärttgen Amtes wird immer wieder betont, datz bei dieser Patteipunktdiskussion wichtige außenpolitische Momente nicht in Betracht gezogen werden.
Rach dem erfolgten Schrittderfran- zö fischen Regierung in Berlin hin- ichtlich der deutschen Kriegsschuldnote und dem ^hierauf einberufenen Kabinettsrat nach Berlin zu Beginn der nächsten Woche mutz mit einer Hinausschiebung der Schweizerreise des Reichsautzenministers gerechnet werden.
Die Berner Arbeitszeit- Konferenz.
Bern, 8. Sept. (WTB.) Tie Arbritsminister von England. Frankreich, Deutschland und Belgien sind heute vormittag im Parlamentsgebäude zusammengetreten zu einer Konferenz betreffend das Washingtoner Abkommen über die Arbeitszeit. Den Verhandlungen wohnte auch der Direttor des Internattonalen Arbeitsamtes, Thomas, b?t In der Konferenz sind die Arbeitsminister von technischen Beiräten begleitet. Es wurden Erklärungen über die Arbeitsverhältnisse in ein einzelnen Ländern abgegeben. Sodann ging die Konferenz zur artikelweisen Diskussion der rund 20 Artikel des Washingtoner Abkommens über, wobei eingehend erörtert wurde, in welcher Wei,e jeder Artikel praktisch angewendet werden tarnr und welche Schwierigkeiten sich bei seiner Durchführung in den einzelnen Ländern ergeben könnten. Die Beratungen werden am Dienstag vormittag fortgesetzt.
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Kein Fortschritt ohne Rückschlag! In London wurde die Reugestaltung der internationalen Politik angebahnt, in G e n f wurde sie fortgesetzt. Run beginnt eine rückläufige Bewegung, die über» wunden werden muh. Frankreich, das nach Herriots Genfer Versicherung weder vom Hatz noch im Hatz lebt, hat der deutschen Regierung einen recht gehässigen Hieb versetzt, indem es sie wissen lieh, dah ein Brief des Reichskanzlers Marr, der den Widerruf des Kriegsschuldanerkenntnisses ankündigte, in Paris den denkbar schlechtesten Eindruck (impref- sions fächenses) gemacht habe. Man hätte es auf deutscher Seite vielleicht noch Derfianben, wenn Ministerpräsident Herriot seinen Berliner Gesandten angewiesen hätte, in vertraulichem Gespräch mit dem Staatssekretär Frhm. v. Malt- za hn anzudeuten, dah die derzeitige fianzösische Regierung einen Sturm ihrer Kammer- vpposition befürchte unb sich deshalb mit Berlin über einen späteren Term in der Rotenübevgabe verständigen wolle. Darm wäre die Angelegenheit wahrscheinlich auf nichtöffentlichem Dege in Güte erledigt worden. Herriot hat aber feine Rüge sowohl in Genf als auch in Meaux, wo er aus Anlah des 10. Jahrestages der Marneschlacht sprach, mit fast Poincarescher Schürfe auf das Gebiet der ösfenttichen Drohung hinübergezogen. In Meaux sagte er: „Ich habe In Gens angesichts der ganzen Welt gesprochen und es sollte mich wundem, wenn meine Worte nicht auch dort gehört werden, wo man glaubt, der Wett einreden zu-können, dah Belgien 1914 Deutschland angegriffen habe." Dos war pfeilgerade gegen den deutschen Wider- rufsplan gerichtet. Aber auch in der In- ftruttimi des Berliner Botschafters de Mar - gerie scheint betont worden zu sein, dah der „schlechte Eindruck" nicht nur im Kabinett Herriot, sondern bei der gefunden französischen Oeffentlichkeit besiehe.
Damit ist der kleine diplomatische Schritt zur groben Staatsaktion geworden, und Parteien und Volk haben wieder einmal auszubaden, was wenige Staatsmänner vielleicht ganz gut unter ftch hätten auLmachen können. ■Unb das schlimmste: Die Bombe platzte, als Kanzler und Auhenminister in Urlaub gegangen und der Reichstag auf den 15. Oktober vertagt worden war. Eine frühere Einberufung ist zwar vorgesehen. Aber bis die Volksverireter wieder herbeigeholt oder doch die Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses zusam- mengetronrmrit sind, vergeht kostbare Zeit. Auch das Rumpskabinett, das gestern in aller Eile tagte, kann ohne feine Häupter feinen entscheiden- • den Entschluh fasten. Unterdessen gehen die Intrigen gewisser französischer Hetzer weiter. Schon in Genf, als die Ministerpräsidenten Englands und Frankreichs noch anwesend waren, wurden die Gerüchte von einer schnellen Rotifizierung des deutschen Schiildwiderrufs zum Vorwand genommen. um die Abriisrimgsbefrebungen und sonstigen Revisionspläne Macdonalds zu bremsen. Dann wieder wurden au8 Paris Meldungen verbreitet, dah Dr. Marx in besonderen Briesen an Herriot unb Macdonald wegen der Rottfizierung sondiert habe. Letzteres, eine aufgelegte Lüge, wurde von deutscher arntlicherEeite bereits dementiert. Richtig ist nur, dah der offizielle Brief des Reichskanzlers an Macdor ald und Herriot eine Sondierung bedeutete. Ein endgültiger B e s ch l u h der Reichsregierung, zu welchem Termin und zu welcher Gelegenheit die Widerrufsnote überreicht werden solle, lag und liegt nicht vor. Die Reichsregierung hat also heute noch vollständig freie Hand. Auf der andern Seite bereitet sich eine sehr ernste, und kritische Wendung vor, nämlich ein Angriff Frankreichs, geboren aus dem schlechten Gewissen und der Furcht, Deutschland förnite in rascher Folge vor der Weltmeinung rehabilitiert und auch reparationspolitisch entlastet werden. EmBerlinerKabinettsrat Vor einerSchweizcrreiseStrescmanns.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 9. Sept. (Drahtmeldung.) Die Entwicklung der autzenpolitifchen Lage in den letzten Tagen wird voraitsfichllich den Reichskanzler Dr. Marx und den Auhenminister Dr. Stresemann zu einer Unterbrechung ihres Arlaubs nötigen, um in einer Besprechung das weitere Verhalten der Reichsregierung festzulegen. Der Termin dieser Besprechung steht noch nicht fest. Man rechnet jedoch damit, daß noch Ende dieser Woche Dr. Sttesemann den Reichskanzler Marr in feinem Sommeraufenthalt am Bodensee auf- suchen wird, um sich bann nach der S ch w e i z zu begeben, wo er mit mehreren ausländischen Staatsmännern Fühlung zu nehmen gedenkt. Die Besprechung mit dem Reichskanzler dürste auch Klarheit darüber bringen, ob und wann die Llebermittlung der deutschen Kriegsschuldnote erfolgen soll. Der heftige Kampf, der in der deutschen Presse zum großen Teil aus innerpvlitischen Motiven über diese Frage entbrannt ist, erschwert nach der Ansicht maßgebender Kreise die Aufgaben der Reichsregierung sehr, und man erwartet eine Verlautbar,ng, wonach die Reichsregierung sich innerpolitisch in dieser Frage weder narir der einen noch nach der anderen Seite
Dorbereitung der deutschen Anleihe in der Zeit Dom 15. bis 20. September in Paris wichtige


