Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
M. (59 Zweites Blatt
Aus dem Reiche der Frau.
Haushaltssorgen der Annette.
Annette von Dcoste-Hülshoff, unser.« größte Dichterin erhebt sich« in ihrer Kunst hoch über den Alltag, aber im Leben war sie eine überaus scharfe Beobachterin, die sich auch mit den alltäglichen Dingen des Daseins viel befaßte und als alleinstehende Dame befassen mußte. Diese realistische Betrachtung der Welt tritt uns besonders aus den „Dreiundzwanzig neuen Droste- Briefen" entgegen, die soeben im Walter Hä- decke-Derlag in Stuttgart veröffentlicht wurden. Diese Schreiben besitzen einen großen kulturgeschichtlichen Wert durch die eingehenden Milrea- schilderungen, die sie enthalten, und so fern die Leiten der Postkutsche uns auch« heute sind, die Hausfrauensorgen, von denen Annette geplagt wird, sind dieselben geblreben wir heutzutage. So schreibt sie einmal im Herbst 1843 an Pauline von Droste über die teuren Lebensmit- telpreise aus Merseburg, wo sie bei ihrem Schwager, dem bekannten Erforscher des deutschen Altertums, Frsiherrn von Laßwitz, weilte. „Wegen der Lebensmittel stehts in diesem Jahre ungewöhnlich schlimm; es ist große Teuerung im Lande, doch glaube ich noch immer alles nicht teurer wie in Bonn. Ich will Dir so ungefähr in preußischem Gelds 'herrechnen, allemal wieviel man für einen preußischen Taler bekommt: Rindfleisch etwas über 9 Pfund, Kalbfleisch«, Schweinefleisch Schaffleisch 10 Pfund, Brot (Werdend rot, anderes gibts nicht), etwas über 17 Pfund, Butter nicht ganz 41/2 Pfd., eingeschmolzene Butter (wie man sie hier xit Töpfen aufbe- wckhrt) 31/2 Pfund, Schweineschmalz (ist schwer zu haben) nicht ganz 41/» Pfund, Blumenkohl 21 Köpfe, Kartoffeln, ganze drei Scheffel, grüner Faks 42 Köpfe, weißer Kaps zum Sauerkraut (greulich teuer), das Hundert etwas über 5 Taler, Köhlrabiwurzeln 84, große weiße Rüben 94, Aepfel und Dirnen PL Scheffel, Mehl zum Kochen das Scheffel 3 Taler 9 Silbergroschrn, weiße Seife zum Waschen (braunr kennt man nicht) 51/» Pfund. Run noch das Brennholz: Tannen die Klafter etwas über 5 Taler, Buchen 8 Taler. Steinkohlen hat man hier nicht, und der Torf ist durch die anhaltende Rässe gänzlich« unbrauchbar geworden. Die Milch kostet die Maß einen „guten Groschen". Wein wäch«st hier bei der Stadt sehr guter und ist deshalb wohlfeil: von den besten Jahrgängen, die vortrefflich sind, säst wie spa- nischer Wein, die Flasche 6l/2 Silbergroschrn, von den gewöhnlichen Jahren 3 gute Groschen: Talglichter (sehr gute) bÄnahe 5 Pfund für einen Taler, Drennöl 83/i Maß, Salatöl fast 4 Maß. Ich 'hab Dir jetzt, so gut ich« konnte, liebstes Päulchen, alles ausgeschrieben und hoffe nichts Hauptsächlichstes vergessen zu haben."
Die Tyrannei des Dubenkopfes.
Eingeweihte, die berrits mit den Geheunnissen der für den Herbst vorbereiteten Pariser Mode Bescheid wissen wollen, erklären, daß die Frau im kommenden Winter in vollkommen anderer Erscheinung auftreten werde. Die grade, schlanke Linie soll verschwinden, und ebenso das kurze Haar. Die Damen werden wieder in langen wallenden Draperien sich zeigen und stolz sein auf den Schmuck langer Locken. Wie sie allerdings dieses Kunststück fertig bringen werden, ist eine andere Frage. Da aber der Frau, toerm die Herrscherin Mode befiehlt, nichts unmöglich ist, so dürfte sie alle Schwierigkeiten überwinden, und sie wird erlöst aufatirren, wenn sie von den jetzigen strengen Dorschriften befreit wird. Das Gebot dec schlanken Figur legt ihr nämlich« erne Hungerkur auf, die sie von allen Freuden der Tafel f enthält, und nicht minder lästig ist die Pflege des kurzgefchnittenen Haars. Die Damen, die etwa glaubten, daß der Dubenkopf so überaus bequem sei, haben sich grimmig getäuscht. Wenn man mit kurzgeschnittenem Haar stets elegant und apart aussehen will, so muß man noch sehr viel mehr Zeit, Geld und Mühen opfern, als sie früher die schwierigste Frisur verlangten. Die Pariserin hat jedenfalls gefunden, daß sie nur bann einen wirklich kleidsamen Dubenkopf 'hat, wenn sie immer wieder ihren Häarkünstler besucht, der mit ihren besonderen Wünschen vertraut ist und die ihr stehende Linie im Schnitt des Haars genau 'herausbringt. Die Dame, die sich jetzt dazu rüstet, einen Dadeort aufzusuchen, fragt bei der Wähl nicht nach« der Heilkraft des Ortes oder nach der Gesellsch«aft, die sie dort findet, sondern entscheidend ist allein für sie, wohin rhr Friseur in diesem Sommer geht. Sie folgt errötend feinen Spuren, denn sie weiß, daß sie nur gut aussieht, wenn sie unter der Aussicht ihres erwählten Haarschneiders bleibt, und daß ein schlecht geschnittener Dubenkopf viel schlimmer ist wie gar keiner. Sie ist aber über'haupt der Tyrannei überdrüssig, die der Dubenkopf auf sie ausübt; und da sie das künftige Gebot der Mode kennt, so entschließt sie sich«, die Monate der „Toten Saison" dazu zu verwenden, um sich das Haar wieder wachsen zu lassen. Da sie jedoch« in drei Monaten
noch nicht die vergeschriebenrn langen Locken eöhält, so muß sie zunächst künstliche Locken tragen und wird also noch längere Zeit die Sklavin ihrer Coiffeurs bleiben müssen.
Der erste weibliche Dorfschulze.
Aus Emden schreibt man uns: Settdem den Frauen weitgehende politische und staatsbürgerliche Rechte eingeräumt sind, ist manche Der- treterin des schönen Geschlechts zu Amt und Würden gelangt. Das Wort von der freien Dahn für den Tüchtigen hat sich« auch die Gemeinde! H i n s e (Kr. Emden) zur Richtschnur genommen, als sie kürzlich vor die Ausgabe gestellt wurde, sich einen neuen Gemeindevorsteher zu wählen. Fräulein Marie Wagner, die bereits verschiedentlich« Deweise der Klugheit und des Weitblicks gegeben Chatte, wenn es sich um die Wahrung der Interesse der Gemeinde handelte, wurde einstimmig zum Gemeindevorsteher gewählt. Sie dürfte der erste weibliche Dorfschulze Deutschlands sein.
Winke für die sparsame Hausfrau.
Aus schadhaft gewordenen, vielfach« geflickten, unansehnlichen Wäsche stücken lassen sich im bürgerlichen Haushalte mit einigem Geschick und gutem Willen wieder ansehnliche Stücke Herstellen. Man schneide z. D. bei Hemden und Rachthemden die brüch«igen, ausgeflickten Teile an Hals, Aenneln, Schulter und Saum 'heraus, trenne dann die Rähte auf oder? schneide den Stoff sauber von den Rähten ab. Man erhält dabei die glatten, großen, verwendbaren Teile des Rumpfes. Aus diesen Stücken lassen sich wie ich« es selbst ausgeprobt habe, Knabennachthösch«en fertigen, Mädchennachtröckchen, Mädchenhemden. Auch zu Baby- Wäsche sind diese Reste gut zu verwenden, falls es söhr feines Wäschetuch ist; andernfalls schneide man Windeln daraus. Bei älteren Bettüchern schneide man die brüchigen Mittelteile 'heraus; die beiden guten Stücke, fein zusammengesteppt, «ergeben noch ein Kinderbettuch. Sind sie schon im ganzen genügend dünn und schadhaft getoorben, so verwende man sie zu Plättbrettbezügen oder man nähe Schutz- 'hüllen für gute Kleider deraus, Bezüge für lichtempfindliche Möbelstücke, für seidene Lampenschirme, um sie zeitweise — z. D während der Sommerreise — gegen Staub und Licht zu schützen.
Die Flanell- und Barchent unter- r ö ck e unserer Mädchenzeit sinden vielfache praktische Umarbeitung. Sie lassen sich« ebenso gut verwenden für Knabenunterhöschen, wie für Leibchen für Buben und Mädel. Ja, mit dem Draunschen Dunkelblau eingesärbt, lassen sich die beliebten Reformbeinkleidei für die Mädchen daraus Herstellen. Selbst die kleinen Wäschestücke des Dabykörbchens lassen sich zweckmäßig umarbeiten. Zwei bte drei Bettücher des Körbchens, fein zusammengesteppt, ergeben ein Kinderbettuch Die Oberbettbezüge werden ausgetrennt zu .glatten Teilen; lxrvon werden zwei Stück zusammengesteppt. Das so entstehende Ueberschlaglaken für die Stepp- oder Wolldecke des Kinderbettes verziert man noch mit einigen Säumchen oder einem schmalen Zwischensatz. Fehlt nur noch das Kopfkissen. Das verfertigen' wir aus dem Bezug der Wickelmatrahe. Ist er sehr groß, so gewinnt man auch zwei Kopfkissenbezüge daraus, die passend zum Ueber- schlaglaken, mit Säumchen oder Einsatz verarbeitet werden. Auch die kurzen Untertaillen und die langen krausen Unterröcke lassen sich noch« zu einem modernen Unterkleid ummodeln. Man trennt den Rock vom Bund los, ebenso die Untertaille vom Gürtel, und näht beide Stücke zusammen. Etwa überflüssige Weite hält man durch ein Bändchen, das man durch eine Schlaufe führt, zusammen. So lassen sich die verschiedensten alten ober ab° gebienten Wäschestücke noch, nutzbringend verwenden. S u s e 11 a.
Für die Küche.
Schleie in saurer Sahne mit Kapern. Die in Stücke geschnittenen oder ganzen kleineren Schleie werden in einer kurzen Fischbrühe aus Wasser, Salz, einer Zwiebel und etwas Butter gar gekocht. Es wird eine Mehlschwitze gemacht, die mit der Fischbrühe gelöscht und ausgesüllt wird, an die Pfeffer, Zitronenscheiben und Kapern, nach« Belieben auch Muskatnuß gegeben werden. Ein bis zwei Eigelb werden mit saurer Sahne abgerührt und die Sauce damit abgezogen. Rachdein die Sch«leie kurze Zeit in der Sauce gezogen 'haben, werden sie zu Tisch gebracht.
Himbeerbrötchen. Ein halbes Pfund Zucker wird mit Atoet ganzen Eiern und 4 Eigelb eine 'halbe Stunde gerohrt. Dann werden vier Löffel Himbeermarmelade nach und nach« dar- untergerührt und ein halbes Pfund Mehl dazu getan. Die Masse wird zu Häufchen geformt, auf ein gut bestrichenes Blech gesetzt und in gelinder Hitze gebackwr.
Sterbende Wälder.
Man schreibt uns: Dem Wanderer, der in diesen Tagen Lie märkischen Kiefernwälder in den Fvrstbeziicken südöstlich von Berlin ober auch einzelne Gegenden des Grunewaldes aufsucht, steht ein Erlebnis bevor, unerwartet, unheimlich, unappetitlich! Das früher schattenspe idendr Rakel- gewölbe ist schütter und kahl geworden. An vielen Zweigen ist kaum mehr eine Radel übrig geblieben. älnd überall ertönt ein zunächst unerklärliches Rascheln und Rieseln auf den Wegen und dem Moosbvden, als regne es Sand. Aufmerksam gemacht durch einige aus der Höhe gegen sein Gesicht und seinen Anzug anprallende Körner hält der Wanderer seinen Hut auf und entdeckt schon nach wenigen Augenblicken die älrsache des rieselnden Geräusches. Es sind harte grüne Bällchen.von Raupenkot, die von den Wimpeln regnen. Tausende, hunderttausend fallen in jeder Sekunde, und das geht Tag und Rächt ohne Unterbrechung, bis die Kiefern völlig abgeweidet sind.
Ist ein Waldschlag nackt gefressen, s«o lernt man auch die älebeltäter kennen. Denn in Massen, von denen sich das Menschenauge selbst nach der Beobachtung des Kotregens keine Dorstellung machen kann, wandern dann die etwa die Länge einer Stahlfeder erreichenden grün-grau gestreiften Raupen der Kiefern - oder Forleule, eines unscheinbaren, im Frühling schwärmenden Schmetterlings, an ber Stämmen herunter und
suchen sich neue Frehplötze. Dann kann man k i en Schritt tun, ohne die Tiere zu zerquetschen. Auf manchen Waldwegen tonnte man tito ae.erto i« auf dem Gewürm Schlitten fahren. Biele von den hungrigen Tieren verfehlen den Weg. Sie haben eine Telegraphenstangr für einen Baurn gehalten, klettern in dickem Gewimmel daran in die Höhe, und ballen sich oben, wo sie nicht mehr- weiter können, au kugeligen Klumpen, die von weitem die Farbe eines patinierter Kupferdachknaufes haben. Einzelne versuchen die Reise auf den Leitungsdrähten fortzusetzen, fiommen aber nicht weit und lassen sich an den Gespinstfäden wieder herunter, so daß der Draht mit ihren schaukelnden Leibern behängt ist. Ganz unglaublich «aber ist das Gewimmel auf dem Waldboden, wenn ein plötzlicher Windstoß die Bäume leer geschüttelt hat. Wenn sich das G^ücht dann in zwei- und dreifach übereinander wusselnden Schichten um die Stämme wieder zu sammeln beginnt, kann auch Starknervigen der Llppetit vergehen
Gleichzeitig mit den Raupen haben sich in den sterbenden Wäldern ein ganzer Schwarm anderer Tiere eingefunden, die auf die Raupen Jagd machen. Zwar scheinen die meisten Bögel die älteren Rqupen nicht mehr anzurühren, während Meisen, Kleiber und Baumläufer auf die jungen eifrig fahnden, um sich dann zu verziehen, wenn die Brut heranwächst, gleich als ob es auch ihnen unheimlich würde. Dagegen erscheinen in großer Zahl Raubbremsen, Raubfliegen und Schlupfwespen, «auf die allerdings wegen ihrer unschein-
Turnen, Sport und Spiel.
Turnverein von 1846 Gießen Gaumeister in A- und L-Klasse im Faustball.
Am Sonntag fand auf dem Spielplatz des T. D. D u h b a ch die Austragung der G a u - Meisterschaften im Faust ball und Schlagball statt.
Zum Entscheidungsspiel im Faustball /r-Klasse stellten sich dem Schiedsrichter Loh die 1. Mannschaften des T. B. 1846 Gießen und Turn- gemeinde Friedberg (Gaumeister 1923/24). Gleich bei Beginn des Spieles ging Friedberg in Führung und konnte den Borsprung bis kurz vor Halbzeit auf 12 Punkte vergrößern. Halbzeit: 29:20 P. für Friedberg. Schon glaubte man in Friedberg wieder den Gaumeister für 1924/25 zu sehen, aber der Verlauf der zweiten Spielhälfte war ein anderer. Rach Wiederbeginn holte Gießen überraschend auf und ging bereits in der 11. Minute mit einem Punkt in Führung. Jetzt ging es hart auf hart und es entspann sich ein scharfer Kampf um den Gaumeistertitel, Gießen konnte seine Führung behaupten, feinen Vorsprung auf 7 Punkte vergrößern uno als Sieger mit 5 3:46 P. das Feld verlassen. Die Mannschaft des T. V. 1846 in ihrer alten Aufstellung führte auch diesmal, besonders in der zweiten Hälfte, ein schönes Spiel vor. Der Sieg war vollauf verdient, in der ganzen Mannschaft ein Geist, ein Wille.
Hierauf betraten die 2. Mannschaften der Turngemeinde Friedberg und T. V. Gießen zum Entscheidungsspiele um die Gaumeisterschaft in der 6-Klasse das Feld. Auch diesmal zeigte sich Gießen als die bessere Mannschaft, ging sofort in Führung und behauptete sich tapfer. Mit 71:44 Punkte für Gießen endete das Spiel. Auch die 2. Mannschaft führte einen schönen Faust ball vor. Die Hintermannschaft konnte sehr gut gefallen, mit Sicherheit und schönem Schlag brachte sie die Bälle zur Schnur.
Den Gaumei st ertitelimSchlagball mutzte Gietzen dem T. V. D u h b a ch mit 58: 51 Punkten überlassen. Der Schiedsrichter war bedauerlicherweise nicht zur Stelle und so übernahm ein jüngerer Turner des T. V. Butzbach das Amt. Dieser war dem Spiele in keiner Weise gewachsen, da er auch mit den Regeln des Spieles nicht eingehend vertraut war. Seine Entscheidungen waren vielfach nicht einwandfrei.
.Große Erfolge des Gießener Schwimmvereins bei dem Gaufest in Offenbach.
Mit seiner ersten Sportmannschaft weilte der Giehener Schwimmverein am Sonntag bei dem Gaufest m Of senbach. Große Erfolge konnte die Mannschaft, welche weitaus am besten von sämtlichen Gauvereinen abschloß, mit nach Hause nehmen. Besonders sei hier der drei erfolgreichsten des Vereins gedacht: Frl. Tilly Arndt, Theo Eck und Fritz Pascoe. Frl. Arndt vermochte sämtliche von ihr geschwommenen 3 Rennen zu einem Siege zu gestalten. Theo E ck wurde Sieger im Brustschwimmen Über 100 Meter, wo er 24 Gegner zu schlagen vermochte. Friü Pascoe wurde Sieger im 200= Meter-Brustschwimmen. Außerdem wurde auch die Lagenstaffel 4x100 Meter durch daS glänzende Schwimmen dieser beiden Schwimmer mit gutem Vorsprung gewonnen. Es schwammen hierbei: Brust: Eck, Seite: Klein, Rücken: Pascoe und 'Crawl: Gaebler. In der Druststaffel 3x100 Meter wurde heiß um die Siegespalme gestritten. Rur durch unglücklichen Anschlag wurde die Gießener Mannschaft Schmitz, Kraft und Eck Zweiter. Frl. Wöhrmann und Frl. Hauck erhielten ihre Rennen zugesprochen, da die Gegnerinnen nicht am Start erschienen. Rach- stehend die Ergebnisse:
Dahnlänge 50 Meter, Startsprung 1 Meter, Dalkenwende ohne Abstößen, bei Rückenschwimmen aus der Schwimmlage.
Damenbruststaffel 3x100 Meter: 1. Offenbacher S. V. 96 5:33,4, 2. S.D. Gießen (Kipper, Wöhrmann, Hauck) 5: 53,4.
Damen - Senior - Brust 100 Meter: 1. Tilly Arndt. Gießener S. V. 1: 35,4, 2. S. Müller, E. F. S. C. 1:39,6, 3. Grete Brenner, S. V. Aschaften- buvg 1:42.
Damen-Senivr-Rücken 100 Meter: 1. Tilly Arndt, Gießener S. V. 1:38,2, 2. E. Durmester E. F. S. C. 1:41,6.
Junior-Rückenschwimmen 100 Meter: 1. Fritz Mütter, Moenus, Offenbach 1: 32, 2. Fritz Pascoe, Gießener S. V. 1: 35,4.
Junior-Lagenstaffel 4x100 Meter: 1. Gietzen 5:58 (Eck, Klein, Pasooe, Gaebler), 2. Aschaffenburg 6:14.
Ecmunterungs eiteschwimmen 200 QKe'.cr: 1. H. Petry, Hessen, Darmstadt 3:08,6, 2. L. Leller- mann, Delphin, Frankfurt, 3:10, 3. Gaeb.er, S. D. Gietzen 3: 16.
Junior-Brustschwimmen 100 Meter: 1. Theo Eck, (Siebener S. B. 1:29, 2. Orlemann, Iung- deutschland, Darmstadt 1:30.
baren Gestalt die wenigsten Wanderer achten. Aber ein Hauptfeind der Raupen kann von «niemandem übersehen werden, das ist der große, grüne Puppenräuber, genannt Laufkäfer. Auch er erscheint In geradezu unglaublichen Mengen in solchen Waldteilen, so daß der von ihm ausströmende Moschusgeruch auf große Strecken wahrzunehinen ist. Der Käfer gehört zu den schönsten Vertretern seines Geschlechtes, selbst die älrwälder Brasiliens bieten kein Insekt mit funkelnderem Farben- fpiel, das gleich schmelzendem Email in grün, kupferrot, stahlblau mit feurigen Lichtern auf seinen Flügeldecken leuchtet. Vater Linus hat ihn Calosoma syc)phanta genannt, den angeberischen Schönleib, weil er durch ferne Anwesenheit die Raupenbrut verrät. Vielleicht hätte dis Beiwort mörderisch noch besser auf ihn gepaßt. Denn er ist ein Mörder aus Leidenschaft. Eben hat er eine Raupe mit seinen Freßxangen gepackt, ihr den Weichen Körper aufgeschlih't und sich mit ihrem Blut getränkt. Dann wirft er sie achtlos oeiseite, sitzt einen Augenblick, wie berauscht von dem Mahle, ähnlich dem IltiS, der eine Taube gewürgt hat, um ein paar Schritte weiter mit förmlicher Wut über die nächste Raupe herza- falten. Aber so viele diese Käfer auch schlachten, sie schaffen es nicht gegen die unendliche Menge. Der Forstmann und der Raturfreand werden den schönen Käfer nach Möglichkeit schonen. Den einmal befallenen Wald kann auch dieser sechs- beinige Wüterich vor dem Untergang nicht retten I Es wird demnächst viel Holz geschlagen wer-
Mittwoch, 9. Juli (924
Damen-Iunivr-Seiteschwimmen 100 Meter: 1. Frl. Lotte Wöhrmann, Gießener <5.03. zugesprochen.
Juni or-Druststafsei 3X100 Meter: 1. S. C. Delphin, Frankfurt 4:46,8, 2. S. D. Gießen (Schmitz, Kraft, Eck) 4: 47, 3. Aschaffenburg 4: 48,2.
Damcn-Iunior- Freistilschwimmen 100 Meter: 1. Frl. Hauck, S. V. Gießen zugesprochen.
Senior-Rückenschwimmen 200 Meter: 1. Herrn. Grühner, Moenus, Offenbach 3:10,1, 2. ThwEck, (Siebener S. V. 3 :20,2.
Damen-Iunior-Rückenschwimmen 100 Meter: 1. Frl. Tilly Arndt, S. V. (Sieben 1:38,2, 2. Ida Reuscher, S. V. 1896, Offenbach 1: 49,2.
Ermunterungsbrustschwimmen 200 Meter: 1. Fritz Pascoe, S. D. (Sieben 3:13,4, 2. Walter Gils, Iungdeutschland, Darmstadt 3:20,1.
Reue Siege des Gießener Sportclubs von 1900.
Zu den im Zeichen der Plaheinweihang, des Sportparks Schönfeld, stehenden 2. Rationalen Wettkämpfen des Turn- and Ras en sportvereinsKas sei - Wehl Heide n 'hatte dec Gießener Sportclub von 1 9 0 0 seine 1. und 2. Rennmannschaft entsandt. Die Wettkämpfe rn Kassel zogen umsomehr daS Interesse auf sich, als es für die am 29. Juni in Gießen ermittelten hess.-hann. (Saumeifter galt, sich nun einer nochmaligen Prüfung *u unterziehen. Was in dieser Beziehung die 4x100- Gaumei st er staffel des S. C. 1 9 0 0 aw- geht, so lösten Langlotz, Wallenfels, Kreuter, Fischer ihre Ausgabe Mnzend und gaben ihrem derzeit stärksten Widersacher im (Sau, dem B. f. L. Hessen-Preußen Kassel, mit 3 Meter Dorsprung, das Rachsühen. Den 3. Platz belegte „Tura". Richt minder tapfer, wie dre Senioren hielt sich die 4xl00-Meter-An- sänaerstaffel von 1900. Durch Beschluß des Kampfgerichts wurde sogar wegen angeblichen Fehlstarts des Gießener Startmannes zu einer Wiederholung des Endlaufs, den die 1900er Mannschaft mit über 4 Meter Dorsprung gewonnen hatte, geschritten. Aber zum zcheitenmal erkämpfte man sich den Sieg und lief in der Aufstellung Langlotz, Dirken stock, Richtberg, Dach rnann die schöne Zeit von 47,1 Sek. Durch den Sieg in diesen beiden Staffeln gelangte der Gießener Sportclub von 1900 in ben Desih zweier wertvoller Wanderpreise, die diese Woche im Schaufenster des Schahhauses Reiß (Mäusburg) ausgestellt sind. Za allem älnglück für die Kasseler Vereine wanderten auch die für die Olympische und Sch«wedenstaffel ausgesetzten Pokale nach auswärts, und zwar in die Hände der Franksurter „Eintracht". Außer den Staffelsiegen erzielten die 1900er auch in den Ernzelkonkuroen- z.en recht ansprech«ende Leistungen. Der Gaumeister Decker gewann den Hochsprung mit 1,64 Meter und wurde im Dreikampf und Speerwerfen, hier mit 44 Meter, Zweiter. 30 Zentimeter vor ihm landete in diesem Wettbewerb an erster Stelle fein Klubkamerad Kreuter. Im Diskuswerfen für Junioren wies Langlotz als Zweiter mit 29,25 Meter zusehends eine Formverbessecung auf. Weiterhin plazierte sich im Dreikampf Wallenfels an dritter Stelle.
Dezirksturnfest der Arbeiter-Turner.
£ Krofdorf, 7. Juli. Dei herrlichstem Wetter fand am Samstag und Sonntag das 11. Dszirksturnfest des 3 Bezirks (9. Kreis) des Arbei ter- Turn- und Sportbundes hier statt. Rach einem Fackelzug von recht ansehnlicher Gänge fand am Samstagabend ein Degrützungskommers auf dem Fest- Platz statt, der sehr stark besucht war. Rach einer Begrüßungsansprache wechselten Ge'angs Vorträge der Krofdorfer Gesangvereine mit turnerischen Darbietungen ab, die alle von dem hohem Stande der turnerischen Arbeit in den Vereinen Zeugnis ablegten. Rach dem Weckruf am Sonntag- morgen traten über 500 Wetturner zum Wettkampf an. In den einzelnen Abteilungen war mitunter Hervorragendes zu sehen. Arn Rachmit- tag bewegte sich ein riesiger Festzug durch ben Ort, ber durch die mustergültige Orbimng der an der Spitze des Zuges marschierenden aktiven Turner auffiel. Die Massenfreiübungen auf dem Festplah boten in ihrer Exaktheit ein prachtvolles Bild; es folgte das QKufterriegenturnen, Freiübungen ber Turnerinnen und Schülerinnen, Sondervorführungen einzelner Vereine. Als ganz besonders wohltuend für die Ohren und Geldbeutel ber Festbesucher mutz hervorgehoben werden datz man von ber Errichtung eines „Iuxplatzes" Abstand genommen hatte. Bereits um 51/? älhr konnte Bezirks- tumtoart Arn enb- Krofdorf die Preisverteil'-ng vornehmen, von der wir, wie üblich, die ersten Sieger ihrer Klasse folgen lassen:
Oberstufe (Geräte): 1. Otto Kreiling I., Wi«s- seck 368 P, 2. Otto Spuck, Wieseck 367 P. 3 Fritz Döring, Burkhardsfelden 363 P. 4. Ernst Mandler, Heuchelheim 361 P., 5. Fwdinand Würtz. Krofdorf 357 P.
Mittelstufe (Geräte): 1. August Geiß, Lollar 376 P., 2. Willi Winter, Launsbach 356 P., 3. Ernst Reih, Großen-Linden 353 P.
den müssen in den märkischen Kiefernwäldern, denn der seiner Radeln beraubte Baum kann nicht mehr atmen und erstickt vor unseren Augen. Merkwürdigerweise befallen die Raupen nur Bäume eines bestimmten Aller-s, jüngere Schläge verschonen sie und auch an solchen, die über eine bestimmte Stärke hinaus sind, scheint ihnen nichts gelegen zu sein. Aber der Forstbetrieb kommt dieser Reigung der Raupen ja gerade entgegen und bietet ihnen gleichmäßige Weide förmlich dar. älnsere Kiefernwälder sind e e \ nichts anderes, als aus reiner Rützlichkeitsberechiung angelegte Holzplantagen mit einem Rechenfehler. Denn die Ratur läßt sich auf die Dauer nicht von grünem Tische aus meistern, und bei solchen Schäblingskatastrophen, wie wir sie in ungemischten Beständen immer wieder erleben, erhalten wir die Quittung für die Vergewaltigung des Waldwuchses, für die Ausrottung alles „unnützen" Laub- unb älnterwuchses, der den natürlichen Schädlingsbekämpfern Rist- und Unter- schlupfgelegenheiten bie:et, für die Entfernung aller „störenden" alten Hohlbäume, durch die man die Höhlenbrüter wohnungslos gemacht und vertrieben hat. Plötzlich sieht bann der Parademarschstil der Ruhhölzer, der sich im fiskalischen Rechenbuche so schön ausgenommen hatte, in ber Wirklichkeit aus wie ein Fluch auf die mens«H- liche äleberhebung. Das ist die Lehre der sterbenden Wälder, eine Lehre, die man i:t anderen Ländern längst beherzigt hat. W. S.


