m. 85 zweites Statt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberyefstiy
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Mittwoch,9. April |924
Das neue Schreckensregiment am Rhein.
Schwere Gewitterwollen ballen (ich über dem französisch beschien Rheinland. Fühlbar verstärkt sich der Druck der Besatzung aus die rheinische Bevölkerung. Die Grenzen nach dem unbesetzten Deutschland werden schärfer denn je überwacht. Zoll- und Itahschikanen erreichen ihren Höhepunkt, die französische Tscheka enthaltet eine siedcr- hafte Emsigkeit und das französische Oberhaupt der Rheinlaiidkommission „verordnet" im Einvernehmen mit dem Ober.'omman.iere.nden der DesatzungSarmee. Rach Pariser Dlä tetnnel u gn hat Obertommissar Lirard „vor Wochen b-eits die französische Regierung gewarnt" und diese hat „pflichtgemäß dem Rheinland ihre besondere Aufmerksamkeit geschenkt".
Lind nun trägt die „frWizösische Aufklärungsarbeit" ihre Früchte. Rach dem „Echo du Rhin" führte eine französische „Pollzciopeiotion" am 4. April im besetzten Gebiet zu 240 Haussuchungen und 61 Verhaftungen. 3a Gelsenkirchen habe man „hochinteressante G.heim ommen e' zu Lage gefördert, älnd zurzeit berät die Rh in- landkommission über neue Maßnahmen, „die der eingeleiteten Operation zu höchster Wirksamkeit verhelfen sollen".
ülnd was ist die älrsache dieser geheimnisvollen französischen Geschäftigkeit? — Die Franzosen wollen im Rheinland umfangreiche.,, nationalistischen Llmtrieben" auf die <5pur gekommen sein, und so soll angeblich die neue Offensive im Rheinland etwa 30 nationale Verbände treffen, die für die „Sicherheit der Vesatzungstruppen" eine Gefahr seien. Lebenslängliche Freiheitsstrafe wird den „Geheimbündlern" angedroht: die ehemaligen Offiziere Les aktiven Heeres und der Reserve sind ständiger ä.le.'erwachung unterworfen, streng wird selost die Schuljugend haufsich- tigt, kurz, mit einem Schlage hat drr große französische „Sicherheits"'Dienst im Rh.inland eine neue große Aufgabe bekommen, die ihm seine Dotwendigkeit beglaubigt.
Riesengroß wächst wieder das Leid des rheinischen Volkes. Das Dcnunziantenunwefen feiert Triumphs: Argwohn um> ein peinigendes Gefühl der Llnsichsrheit hält wieder das rheinische Familienleben unter schier unerträglichem Druck. Das Vewutztsein der älnfreihe'.t un> Ohamacht drängt sich wie zu Zeiten des passiven Widerstandes, oder besser gesagt, des französischen Faustrechts im RhnnLand wieder augenfälliger in Len Vordergrund. So lebc^a denn im Rheinland die kaum überwundenen Lage brutalster französicher Gewaltherrschaft erneut auf.
Furchtbarer aber als alle „Strafmaßnahmen", die das rheinische Volk während Les passiven Widerstandes seines deutschen Wi lsns und Wollens wegen auf sich nehme-, mußte, trifft diese neueste Stäubung Las Rheinland, wenn ihm erst einmal zu Bewußtsein gekommen ist, Last es diesmal nicht einer glaßen und würdigen Sache wegen duldet und trägt, sondern mir Schauplatz eines gewissenlosen Ränkespiels Poincars- fcher Diplomatentaktik ist.
Der Bericht,» Ler Sachverständigen zur Prüfung der deutschen Leistungssäh-ig.eit liegt vor. Er soll Deutschland wieder mehr wirtschastichen und damit natürlich auch politischen Einfluß, im besetzten Rheinland zubilligen. Das ist aber nur durch ein Eindämmen der französischen Machtplüne im Rheinland zu erreichen. Was gar nicht in Poincares Pläne paßt, \
Die sog. „S i che r he i t s" frage nimmt neben Lern Sachverständigenbericht den breitesten Raum in der gegenwärtigen politischen DiZkus- sivn ein. RachLem Frankreich bereits vor Zähren einen deutsch-fcanzösischen Garant'.epakt — d.r künftige Kriege verhindern sollte — abgelehnt hat, will der englische Ministe.Präsident Mac.o- nald die Sicherh^itsfrage auf ähnlicher, jedoch breiterer Vasis durch Lea Völkerbund, dem auch Deutschland angchären Jo'I, regeln. Dieser soll sich mit allen seinen Machtmitteln dafür re - bürgen, Laß das Rheinland in Zukunft für Deutschland als Trupfenbasis gegen Frackr-eich ausschriket. Der Vorschlag könnte Ponmrd unangenehm werden. Da tauche, plötzlich im argwöhnisch überwachten, von 150 000 Franzose i u Ichlosse.len Rh.inland große Leut che na ionnli- lischs Organisationen auf, Werren „mi.itär.sche Hebungen abgehalten", „Verschwörungen ge. n Frankreich" angezettcht und „es soll etwas gegen Frankreich vorbereitet" w rtzen. Lind nun ftüi zen auf des politischen Regisseurs in Paris W nk Tausende von französischen Spitzeln aus Le, Kulissen, Haussuchen und verßäften, Le u vieren und enthüllen, äänd Raymond Püncarö beweist der erschrocken au s horchentzvn West, Laß „Frank ei Hs Sicherheit" und damit der Friede Europas -nur durch eine strenge und mächtige französische M i l t t ä r he r r s cha s t am Rhein gewährleistet i st.....
älnd dann noch ein Drittes. Das französi'che DoU wählt feine parlamentarische Vertretung am 11. Mai, also acht Tage nach dem
Morgenstern über sich selbst.
Ein Jahrzehnt ist seit jenem Lenzmorzen in Meran dahingegangen, in dessen erblühendem Frühling der Lod Christian Morgensterns fiel. Damals war er den meisten nur bezmnt als der Dichter der „Galgenlieder", jener grotesk-ironischen Gedichte, in denen er eine neue Form der 2t)yE geschaffen. Seitdem hat man aber auch seine ernsten Gedichtbände entdeckt, und Morgenstern ist zu einem der meistgelesensten, wirlungsstärksten Dichter unserer Zeit geworden. Diese wundervollen lyrischen Bekenntnisse, die im Verlag von R. Piper zü München erschienen sind, lassen uns von dem übermütigen Erstling „3n Phantas Schloß" bis zu dem todesernsten letzten Bande „Wir fanden einen Pfad" und zu den gedankenreichen Aphorismen der „Stufen" die Entwicklung eines genialen und einzigartigen Menschen miterleben. Einen bedeutsamen Einblick in fein Werden und Wachsen gewährt auch ein Abschnitt aus einer bisher unveröffentltchten au lolliogra'-hifchen Skizze, die uns vom Verlag Piper zur Verfügung gestellt wird. Heber seine Kindheit schreibt hier der Dichter. „3ch war ein zartes, doch kränkliches Kind und durste in einer Weise am Herzen der Ratur auswachsen, wie dies wohl nut wenigen Stadtkindern geschenkt wird. Daheim, zwischen München und Rymphenburg, hegte mich ein parkartiger Garten: ging es aber hinaus — und mein Vater als Landschaftsmaler suchte Jahr um Jahr seine alten und neuen Studienplätze auf —, so Ware,', da noch die lieblichsten bayerischen Dörfer,
deutschen Rachbarn. Längst hat Pvincarös Machtpolitik gegen Deutschland das Vertrauen des unw.ssend gehaltenen ftanzöft.chen Bo..es verloren. Es fühlt sich betrogen. Viele früheren Freunde des Lothringers Ixibcii jich von feiner Irrlehre von ier „Produst vität Les Ruh p a Les ' abgewandt. Das beweist fein immer st her werdender Anhang in der französischen Kammer. Da gilt es, eine Rielarlag? am 11. Mai un,cr allen Urnftänren zu vereiteln, zumal die Sach- verständigenbZchlüsse über die Ruhrbesetzung auch dem französischen Volk die Augen oft neu müf eil Um ias F.aslo des Ruhrunlernehmens imWast- kampf zu verdecken, muß Poiniare zur Rettu g seiner Position etwas tnS Feld führen, was das in seinem Propheten ztoeifelltde Volk erneut an dessen Sendung glauben läßt, stlnd für was wü.e der Franzose zugänglicher als für die schon von Kindesbeinen an ihm eingeh ämmerte Vis on von der deutschen Gefahr? Da muß le n im R Winland das Schreckgespenst der deutschen Revanche drohend sein Haupt gegm Las fried.ertige Frankreich erheben. Womit rer Geris.ene seinen Wählern schlagend beweist, Laß nur seine Rh inpoiitik, nur seine eiserne, wenn auch unfruchtbare Faust an Rhein und Ruhr, dem französischen Bürger Frieden, Freihstt und Wohlfahrt er,alt.....
And darum grämen sich die Rhei. l.n.sfrauen um ihre verhafteten Männer und weinen die rheinischen Kinder um ihre Väter, in Ketten geschlagene Väter.....
Das Ausland aber zürnt Deutschland ob seiner „nationalistischen älnvernunft'.
älnd die Welt erliegt dem Komödianten Poincarö.
Deutsche Inseln in Vessarabien.
Don GeorgStrelisker.
Unter dem Drucke der Verhältnisse regt sich heute wohl in so manchem Deutschen die Sehnsucht, sein letztes bißchen Hab und Gat zusammen zu jxicfen und in die Fremde zu wantzern, um dort sich eine neue, bessere Existenz zu schaffen. Aber die meisten sind sich nicht klar, to e>iel Kämpfe und Mühen eine derartige Umftel.ung fordert, wieviel Menschen, die hoffnungsfroh in 'ine Weite gezogen, drau en fern der Hstmat auf» gerieben wurden und noch immer werden, wenn sie nicht von Haus aus jene zäh: Rat.ir mit» brachten, He allen Gefahre r zum Trotz die Schwierigkeiten des fremden Millas übww.nX'n h lst. Audererseits kann nicht oft genug und gerade in dieser schrecklichen Zeit der Wirrungen und Irrungen betont tixrlxm, daß die Deutschen nut Lurch ein inniges Zusammen falten, durch eine feste Einigkeit, ihren Charakter bewahren und ihre Freiheit schützen formen.
Es ist im Heiner wie im großen. Wo einmal in Len deutschen Auslandskolonien Hader und Zwietracht einsetzen, wir es dem srmt. nationalen älmwohnern und Rachbarn ein Leichtes, die vorhandene Kraft der Kolonisten zu brechen und zu zermürben, bis deren deutsche Eigenart völlig verschwand und sie in die Masse der anderen untertauchten, Ülm so beachtenswerter erscheint es daher, Laß die kleinen versprengten Trupps deutscher Auswanderer, die Ende des 18. Jahrhunderts nach Südrußland und Bessarabien ge- kcmmen waren, eingesprengt zwischen wefens- fremden Völkerschaften, zwischen Russen, Türken, Griechen, Armeniern, Zu.en. Bulgaren. Rumänen, nogaischm Tataren, Ungarn undAIbare en, Glauben, Gesittung und Dostslum zu bewahren wußten. Eine rumänische Statistik aus dem Zähre 1919 gibt iüe Anzahl der Deutschen in Teffarab en mit 113 000 an. Hingegen fühst L^r „Deutsche Dclkslalenter für Bessarabien" 80 G.n.einLen mit 47 000 Seelen an. wäh.end von 26 anderen, kleineren deutscher Döre n und Gemeinden dir Angabe der Devclleru gszah'. seht.
De Vorfahren dieser Kolonist en mur ten mci V würdige und oft auch recht widrige Schick,nie erleben. Sie sind in der Mehr fahl nicht direkt aus Deutschland eingewandert, sondern tarnen auf dem älmtoeg über Polen, wo sie wohl zuerst eine neue Heimat gesucht, aber nicht gesunde i hatten. Rur Me Weecigstens konnten ih.e Hrbselig eiten mit- nehmen. älnd selbst diese verarmten au, der Wan- Le rang infolge Les napole.on s he r Feldzuges, so Laß viele l lost mit entern Hwaokarren nach B sfa- rabien gelangten. 3m An ang mußten sie sich mit Er chü t te n o'er niedrige r, ho Hf en s zw iz mm- rigrn, sognannten „Kronshäusl.en" teg rügen, in denen gewöhnlich zwei Fami i-m zur Roe un er- kommen konnten. Dis sie sich zu selbständigen Wi.tschaftsben.ert rmfschwi ge.r durften da e.te es Zahre und Jahrzehnte, die sie in der mühseligen Fronarbeit vermachtet. Zn eres'ant i t Lei Len jetzigen Leutsch bessarabi ch n Wirtschaf s- hf.fen Las Fehlen der Scheuen. Aber Lies hat seine historische Begründung. Die ersten Siedl-r, die noch die deutsche Bauart tann'.en, waren gestorben, ehe sie an die Errichtung cm ß eigenen Hauses Lecken tonnten. 3H e in der Frem>e geborenen Kinder und Enkel besaßen jedoch kein
fern dem Verkehr, dem Kinde in Wald, Wiese, Dach und See die reizvollsten Tummel- und Spielplätze zu bieten." Rach der Gymnasialzeit begann bann das Wanderleben, Las Morgenstern bis zu seinem Tode geführt hat. Besonders starke Anregungen empfing er in Len 9Cer Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Berlin, dem er ein lyrisches Epos „Mein Gastgeschenk an Berlin" widmen wollte: „3ch habe nie mehr die (Stimmung wiedergLfunden, die mich damals für und wider diese Stadt erfüllte, und es schmerzt mich heute noch, daß so Dinge ungesagt geblieben sind, die nun kein Griffel mehr heraufbeschwören wird. Oder wer gäbe davon noch einmal eine Ahnung, wie ein junger Mensch nach der stürmischen Premiere des „Florran Geyer" erst draußen im Tiergarten sein Gleichgewicht wiedersand, oder wem wären die General-roben d.r Phi harmor.iker, die während eines Winters allmählich Len ganzen symphonischen Beethoven aufrollten, wie dem, der jahrelang nach der Reunten nicht mehr dprchs Brandenburger Tor die Stadt betrat, weil er sie fo nicht eher Wieder betreten wollte, als bis er etwas ihrer Würdiges geschaffen! lllnd lange nachher noch träumte ich von einem Werke „Symphonie", in dem alles, was von Hölle, Welt und Himmel in mir beschlossen sein mochte, zum sieghaften Aus lang gebracht werden sollte"
Der Züngling überlieh sich leidenschaftlich den großen Geislesfüyrern. „So ward R i e tz f ch e auf lange hinaus feine leidenschaftliche Liebe und fein W:g-Gefährte. Es gab Zeiten, wo er sich bei aller Distanz wie ein jüngerer Bruder mit ihm empfand:
mustergültiges Vorbild. Wenn man schon Mittel zusanrmenb.crchte, so Lachte man zuerst an die Errichtung ein s W-ohn.^uses. Zur Ausstcliung von Scheunen langte es aber nicht mehr. Die Kolonisten sahen sich Lah:r genitijt, tjre Wir.- sch-aftsweife jo einzurichten, Lay |L auch ohne Scheunen austamen. Anfangs wohl fuhren sie, wie sie es von früher gewohnt tra.en, alles Getreide nachhause, festen es Dort i.x Ermangelung der Kor.stcheuem rund um die Dreschtenne in großem Schobern aus und begame.i mit d m Aus dreschen erst, wenn Las ganzr Getreide tze.m- gob-iadj-t war. Reim sie aber damit bis zur Herdstsaa.'zeit nicht fertig wurden, jo mucke der Rest oft bis spät in Len Winter hinein ungc- Lnvschen liegen bleiben. Es ist klar, taj, wiiy end /Liefer Zeit das (3.treibe inf> lge d.r mangelchaf.en äl.leDbringung zum g.ö.cken Teile verderben mußte. Dieser ilmftanD zwn..g die Siedl r, las jcto.it heimgebrachte Kvrn sofort zu dre.chen uni) das übrige auf dem Felde zu lasst,en, zumal die Herbsttage in D.s,<.rnb en in d.r Metzrza l schon und trocteu sind, stln) diee G-epslo^entz'.lt ist bis zum htutigen Tage b^ibrhalten worden, so ixT'ii ter beffar. bische Bauer auch jetzt oh. e Schruer sehr gut auswmmt.
Die deutsche i Ansiedlungen trage t zE Teil M.men, die zw^ifclws auf die Heriunft der ersten 5x^1-'r.iflen hinwe.s.n, wie z. D. Leip ig, Frauen- t l, St a.bürg, Lichtental, Reu Paris, Fri-üe .- fcl \ Eingheim, Reuckurg und QI epancertal o.er sie haben Len früheren türkischm G.meinLename.r b2ibetx:ltcn. Unter diesen ist Laru rno di: blühendste Riederlaßung. Eine leiuungssähi^e 3'.r° dustrie, wie sie sich etwa mit der Zeit unter den Siebe ibürger Sachsen so schön entwickelt hat, ist bei Len desfarabischen Deutichen, Li: st.h in der Hauptsache i;ur mit ier Landwirtfch-nck bechäf- tigten, nicht vorhanc>en, wenn man von 2—4 Fabriken für lani w rtschrftlich.' Ma.chincn, ein gen u. .b b utei'.ie i T chf .br k.n uno den tiein-.n Da^npMühlen absieht, die bloß für Len örtckch.m Bedarf arbeiten.
Ah st ich liegen die Verhaltrise auch in Ler DoLuudscha, wo die Zahl ter dcutchen Ansiedler, die sich in Schwaden, Plattdeutsche und K. schuhen unterfcheiden, auf etwa 10 003 Köpfe geschätzt wird. Die ersten Kvlvnister zagen um Las Zah: 1840 aus Südru >‘.a rd h:rlib:r. 3hr Anfüh er war ein gewisser Adam Kühn, auch „Vater Kühn" genannt, her aus Deich vl'änLer bei (Sn cf en stammte. 3n D ff nvabicn, wch n sie zuerst gelcmmen waren, fühlten sie sich nicht wohl und setzten daher ihre WanLerung gegen die Walachei fort. Winter 1842/43 hielten sie sich meh.ere Monate bei der rumänischm Stadt Ploes.j auf, um sich aber bereits im nächsten Frühfahr in der Räh: von Silistri.t anzusieLe'n. Abe: auch hier- fini^.t sie keine Stätte d.»s Dlerbens u:rd fo ziehen sie weiter geg-n Draila, um unweit davon die Ä lor.i: Harobsonthnt zu grünten. Qtoer immer noch läßt sie bor W-wnLe ckrietz nicht ruh n. stlnd so überfetzen sie eine? Tages die Donau, um sich fchlietzlich beim türkischen Dorfe Akpu ar b?i Maciu niederzulasfen. Durch Ve.mittlung Les Kuimakam von Babadag wurde ih en nicht lange darauf ein größerer Platz in einen abgelegenen Dale überlassen, wo sie im Revolutionsiahre 1548 Almagea gründeten. 3ch habe von Bukarest aus mehrere solcher Kolonien besucht und über die große Widerstandsfähigkeit dieser Deutschen gegenüber Len Aufsaugungsbestrebum en der umwohnendem Völkerschaften nicht genug staunen können. Allerdings ist ihnen durch die Ve mich- tung Ler deutsä-en Schule seitens der rumänischen Llnterrichtsverwaltung, der die Rom.aniße.u g richt rasch genug von statten g ng ein fchw-rec Schlag versetzt worden, ja, es muß schier l^wcif^lt werden, ob die nächste oLer übernächste Generation sich noch ihres Deutschtums bewußt sein wird. Die Siebenbürger Sach'en machen zwar alle Anstrengu-'gen, um Len bZsara'cks.chen und Lwbrudscha-Deu sck/en Las rationale D wußte n wachzuh l cn, aber Me Rumänen gehen hier m t einer Rücksichtslosigkeit vor, die mir in Ler CRo- manifierur.gdbeftrcbungen der Ita.iener in Südtirol ein OLequiralcirt findet.
Die Schwaben in der Dobrudscha verloren bereits vor dem Kriege ihre deutscchen Schuld, und zwar in dem Augenblick als ihnen nach dem D.rllankri'g Las immänische Bürg-r echt erteilt wurde. Damals schon war in ih.en Schulen Ler ausschließliche rumänische älntervii>t in albn Fächern angeordnet worden. Die deutsche Sprache konnte nur dadurch vor dem t>51 igen Vergesse-r und Verschwinden bew hrt blecken, indem man sie in die Kirche hinüberrettete, wo nun die Gl. übens lehre erteilt und die Vorberei ung zur Ei'.segnung deutsch bo g N'mmen wir>. <5:n tä libe Zusamme ltünfte der tze anwachsenden fugend im Pfarrhause ergänzen drrch zwanglose Vorträge Len spärlichen stlnterricht in der Muttersprache.
Manche Lieser Ansiedler haben es mit der Zeit zu einigem Wohlsbrnd gebucht, der sie dazu benützen, um ihre Woh'.Iul ur zu Helen bi> 011.1- schäft zu verbessern und ihre begabten Söhne studieren zu lassen. Ab.w der weitaus grüßte
jedenfalls tote einer, drr auch hier bis ans Et;de mitgegangen war, ja, dn sein E.nde für ihn noch kein Ende war, noch über es und ihn hinaus. Und fo hat er Paul de Lagardes blühender Seele ein «spätes Dankopfer gebracht, indem er noch einmal sein Leid und Wollen nacherlebte, das für ein ganzes großes Volk überhaupt nicht vorhandrn war. Die Aufgabe, 3bsens VerLdramen zu übersetzen, führte ihn nach Rorwegen. Er lernte Henrik 3 bsens teure Persönlichkeck kennen und in „Brand" und „Peer Gynt" ihr innerstes Pathos erkennen: und wieder fand er sich einem Tiefsten gegenüber, der seine Zeit vergeblich wach- zurücktIn gestrebt halte. So liebte er Dostojewski, weil dieser so bedingungslos die Menschen liebte, und später — viel später freilich — Tolstoi: weck dieser fo bedingungslos nach dem Wahren und Gaten rang, wiewohl er schließlich doch mehr oder minder etwas wie „das Gewissen seiner Zeit" geworden war." Deine schwankenden Gesundheitsverhältnisse führten ihn aus Reisen nach der Schw.ckz und 3taliei, bis er wieder nach Berlin zurückkehrte. „3n dessen Umgebung, in den Wäldern von Birkenwerder, im Winter 1905/06 vollzog jich die .entscheidende Wendung: „Die Ratur, die Weck vergeistigte jich ihm völlig, und das Wort des Hohanneischen Christus: „3ch und der Vater sind eins" wurde ihm zum erstenmal Erlebnis. ES tarnen nun — — äußerlich in Südtirol verlebte — Jahre des Aust-mgens, Ausreifens, Zu-Ende-Denkens, und diese Hahre überstand er so, wie er sie überstand, eigentlich nur, weil ihm Gesundheck and Mittel
Te'l der Kolonisten hat noch heute mit den Verhältnissen schwer zu ringen, wenn er sich und fein überliefertes Deutschtum erhalten will. So lange die Ansiedler »ufamme-.buten und zueinander steh.m, bleibe3 fic stark und unantastbar, wenn aber auch in ihren Reihen die Zwietracht Eingang findet, dann ist es meistens mit ihrer Selbständigkeit und Freiheit zu Ende und dir nächste Folge eine völlige Auslösung. Der alte deutsche Fluch — er geht wieder um! älnö so sei jedes Deutschen erste Pflicht, daran zu denken« daß nur feine eigene und die Kraft seines Volkes in der Cesamtheit und Eintracht ihn und feine Ration vor dem Untergang zu reiten vermag
Ärzte und Krankenkassen.
Der Wirtschaftliche Verband für die Acrzte der Provinz Oberheffen, Bezirk Gießen, bittet uns um den Abdruck der nachstrhenLen Ausführungen. D. Red.
Bei den zentralen Verhandlungen, die im Zanuar zwischen Krankenkassen und Aerzteschast über die Beendigung des vertragslosen Zustandes gepflogen wurden, einigte man sich zunächst einmal darüber, daß jedenfalls eine Derfchäi-sung des Kampfes durch Zeilungspolemiken, Flug« blätter usw. unterbleiben sollte.
Der Verband der Krankenkassen für den Stadt» und Landkreis Gieß en hat diese Vereinbarung durchbrochen durch ein Flugblatt, das in drn letzten Tagen an Kassen- Mitglieder und Arbeitgeber verteilt worden Ist — vermutlich aus Mitteln irgendeiner besonderen Stiftung, da eine Verwendung der Mitgliederbeiträge für solche Zwecke ja wohl kaum angängig sein dürfte — und zwingt dadurch die AerztSB schast zu diesem Flugblatt Stellung zu nehmen-
Die Antworten, die das Flugblatt auf die beiden Fragen: „Wie entstand der vertragloft Zustand und weshalb besteht er heute noch?" geben will, sollen im Folgenden etwas näher beleuchtet werden.
1. Weshalb sich die Aerzteschast Deutschlands Im Rovember v. I. gezwungen sah, die Verträge mit den Kassen fristlos zu kündigen, ist feinerzeck auch an dieser Stelle auseinandergefeht worden. Der aufmerksame Leser erinnert sich, daß es wegen der Rotverordmungen der Reichsregterung vom 30. Oktober geschah, die die Aerzte für unvereinbar hielten mit ihrer Standesehre nicht nur, sondern auch mit den 3ntcreffen der Kranlenkafsenmit- glieder. Enthielten sie doch Bestimmungen, die die Aerzte geradezu den Kaffenvorständen unterstellten und wichtige Entscheidungen über Krankheit. ErwerbsunfähiAcck u bgL den Aerzten, also den allein berufenen Fachmännern, entzogen und statt dessen Kassenbeamten anvertrauten, also Männern, die diese Fragen gar nicht beurteilen können, die aber auch ganz naturgemäß nur die 3nteressen der Kassen im Auge Huben können und erst tn zweiter Linie die damit oft im Gegensatz stehenden der Kranken. Ferner Bestimmungen, die die freie Arztwahl in Frage stellten, d. h. also den Grundsatz, der den Kassen von jeher ein Dorn im Auge ist, der dem Kranken aber allein die Möglichkeit gewährt, den Arzt auszusuchen, zu dem er selbst Vertrauen hat und nicht auf den angewiesen zu fern, der der Kaffe genehm istl llnb diese wesentlichen Teile der Rotverordnung waren eben noch nicht „gemildert" worden, wie es das Flugblatt fo kühn behauptet, als die Aerzte sich zu jenes Kündigung entschlossen. Daß dabei von einem „Vertragsbruch" nicht die Rede fein kann, ist inzwischen durch mehrfache Gerichtsurteile sestgestelck worden. Wenn das Flugblatt diesen Ausdruck, dessen Anwendung zwar bisher noch nicht in Gi:hen, wohl aber anderwärts den Kassen durch z. T. recht scharfe Gerichtsurteile untersagt worden ist, noch anwendet, so dürfte diese Spekillation auf die älnwifsenheit ober Vergeßlichkeit der Leser ihren Zweck doch wohl verfehlen!
2. Weshalb besteht der vertragslose Zustand heute noch? Dazu ist zunächst etwas zu sagen, was das Flugblatt zu erwähnen vergißt: 3m weitaus größten Teil von Deutschland besteht er gar nicht mehr, auch in großen Teilen von Hessen und in den meisten unserer Rachbarkreife ist er längst beendet, ja sogar mit mehreren Kassen unseres Kreises ist der Vertragszustand wiederhergestellt, sicher nicht zum Rachteil für die Mitglieder dieser Kassen! Lind zwar überall zu denselben oder sogar noch besseren Bedingungen wie die, die das Reichs- arbeitsministerium vorschreibt und wie sie auch die hiesige Aerzteschaft für angemessen hält! Als nämlich im Januar wirklich eine Milderung der genannten Rotverordnungen vom 30. Oktober ein* getreten war, war die zentrale Vertretung der deutschen Aerzteschaft sofort bereit, das Vertrags- Verhältnis, fo wie es das Reichsarbeitsministerium vvrschrieb, wieder aufzunehmen, ja sie nahm sogar ohne Widerstreben die Sätze der neuen preußischen Gebührenordnung vom 1. März 1924 als Grundlage an, obwohl diese gegen die Vorkriegsfähs eine Herabsetzung um 25 bi3 40 Proz. bedeuten! Die Behauptung des Flugblattes, daß die Aerzte sich nicht mit dem begnügen wollten, was 1914
fehlten, sich irgendwohin zurückzuziehen, too a in völliger Llnbekanntheck feine Tage batte vollenden dürfen. Er war doppeck geworden und in der wunderlichen Verfassung,' sich sozusagen groß und klein schreiben zu können." Die Au.z.ichnungen schl.eßen mit Ler Mi t.iting von feiner Verheiratung 1908 und der Begegnung mck Rudolf Steiner im Januar 1939, dessen Anthroposophie eine neue Phase der Besinnung und Klärung bei ihm einleitete.
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Ein Shakespeare-Fund,
Ein alter zerrissener Band. Ler keinen Sedd hatte und an dem die erste i und letzten Blätter fehlten, ist jetzt zu einem Ler grössten Schätze Ler älniv.rsitätsbibstothek von Montreal geworden, nachdem er viele Zähre unbeachtet gei g' n hatte und nicht einmal Lev Au,nähme in Len Katalog gewürdigt worden war. Bei einem näheren StuLium Les un.nnsech.ilichen 'Buches Hal man festgestellt, daß in ihm Dramen zusammen- gebunden worLen sind, und eines darunter ist Shaleipeares „Richard II." in der Quart- ausgabe von 1598. Don die'er Ausgabe sind überhaupt nur 8 Exemplare leanick, und sie gehört zu den größten Seltenheiten. Da diese Quarto seit vielen Zähren nie mehr auf den Ma ick t gekommen ist, läi.t sich ein genauerer Preis überhaupt nicht angeben.


