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gegnere er. „Unb wenn das Leben totrnict) pari gegen Sie ist und Ihr liebes Gesicht müde werden läßt — ich würde jedes Fältchen ehren — ah, Freye, es würde mir eine wonnige Sorge sein, Sie wieder lächeln zu lehren! 3<f> will auch keine Zusage — ich will nichts, als die Hoffnung zu meinem Reisegepäck legen, 6oy ich nach meiner Rückkehr noch einmal vor Sie treten darf, um das zu wagen, was heute nicht möglich ist. Dann bin ich auch freier als jetzt und kann Ihnen eine Zukunft bieten, die keine Abhängigkeit fordert." . . . Er wies auf ein junges Mädchen in der Tracht der dienenden Schwestern, das vom Hause aus durch den Garten schritt. . . „Ich vermute, man ruft Sie," fuhr er fort. „Dars ich morgen noch einmal vorsprechen, um mich von Ihnen zu verabschieden?"
Das junge Mädchen trat in den Pavillon und bog das Knie zu einem kurzen Grütze vor dem Bruder.
„Schwester Frehe," sagte sie, „die Frau Mutter sah Sie vorn Fenster aus und läßt bitten, zu ihr zu kommen."
„Gut, Katharine," entgegnete Frehe, „ich komme. . .“ Lind als das Mädchen wieder gegangen war, wandte sie sich an Fiedler zurück... „Bruder Dorotheas lassen Sie schon heute uns scheiden. Ich bitte darum. Geben Sie mir 3h e Hand. Alles Glück sei mit Ihnen — und mit Ihrem Hoffen."
Dorotheus sprach kein Wort weiter. Er neigte sich tief über die Hand Freyes und drückte sie, als wolle er die Schwere seines Herzens in diesen Handschlag legen. Dann ging er.
Seine strafflchlanke Gestalt verschwand hinter den Wildrosen der Haus ecke. Fr Ye schaute ihm nach, niedergestimmt in der Zartheit ihres Empfindens, und hollö bann noch einmal d.n Bries Gerharts hervor. Auch er war kein Lichtblick in ihrer Verdüsterung. Es s.llte abermals ein Abschied fein, und ganz gewiß ein Abschied für immer: von ihrer 3ugcnd, von ihrer Liebe und von dem tönenden und duftenden Zauber, den Liebe und Jugend ihr gebracht halten.
Sie wußte, wie alles war, er hätte ihr nicht erst von den „dynamischen" Geschehnissen zu sch.ei
„Lassen Sie meinen Glauben beiseite, Herr Fiedler," entgegenete Freye ernst. „Er ist minder schwach, als Sie vermeinen, nur sucht er Stätten der Betätigung nicht in der Ferne, wo ihm der Oammer in der Heimat näher liegt. Lind darin haben Sie freilich recht: mein Heimatsgefühl ist stark. Aber abgesehen davon: ich habe ein e schwer- leidende Mutter. Könnte ich sie verlassen?'
„Rein," sagte Bruder Dorolhcus mit starker Stimme, „das ist unmöglich, und diese Einsicht allein wäre zwingender Grund für mich, de Wünsche meines Hrzms zurüdzu füllen. Zurück zu stellen - Denn meine Hoffnungen gebe ich nicht auf. 3ch stehe vor Antritt meiner le.jten Mis- fionsreise. Wohin mich ihr Endziel führt, weitz ich noch nicht. Ich muh zunächst nach Ruhland, in unsere Kolonie Ssarepta, wo ich nähere Instruktionen erhalte, und von dort aus vielleicht in die innere Mongolei, nach Pamir oder Sitet, jedenfalls in unbekanntes Land, möglicherweise auf Wegen, Die noch kein Europäer betreten hat. Das stört mich nicht, es wäre im Gegenteil ein Anreiz mehr für mich. Es kann fein, dah ich nicht wieder heimkehre, dah sich das alte Martyrium' der Missionare auch an mir erfüllt. Aber ich glaube an meinen Stern, weil ich an mich selbst glaube. Und dann treten neue Verpflichtungen an mich heran. Hier bin ich Der Bruder Dorotheas: als ich noch in der sogenannten Gesellschaft lebte, war ich ein anderer."
Freye nickte und schaute aufmerksam in das Gesicht des Mannes, das im Aufrntz Der Linien und im Auge Ererbtes aus weit zurückreichender Ahnenkette erkennen lieh.
„Man spricht davon," sagte sie, „ich hörte derlei, ohne mich viel darum zu kümmern. Schwester Agathe, Der Die Worte rasch über die Zunge gehen, behauptet sogar, Sie seien ein Sprotz des österreichischen Kaiserhauses."
»Man übertreibt," entgegnete Bruder Doro-
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theus auswerryeno. „3ch war ein anderer, als ich noch Der Well drauhen angehörte, und ein anderer in der Klosterzelle. Lind doch blwb ich immer derselbe. 3d) wiederhole, Schwester Freye, mit dieser letzten Reise ist meine Jztriiion im Ausland erfüllt. Dann ketten neue Pf.iyt.n in ch an einen Besitz, den ich als unmittelbares Erbteil jener mährichen Brüder betrachte, die dermaleinst um ihrer Glaubenstreue willen Die Scholle Der Väter verlassen mutzten. Das Hingt verwunderlich, es klingt romantisch, doch lassen Sie sich genügen an dieser Andeutung. Jedenfalls würde ich wieder in die alte Heimat zurückkehren, die nicht minder schön ist als 3yre Harzberge. Und mein Hoffen geht dahin, dah meine Heimat auch die Ihre werden könnte."
3nneres Ergriffenfein gab feinen Worten schwingende Kraft. Er nahm des Mädchens Hand und hielt sie fest — und Freye lieh sie ihm, im Augenblick unter der Weihe einer schwermütigen Poesie, die ihr Gesicht mit warmem Schein über- sonnte.
„Bruder Dorotheus," sagte sie leise, in einem ungewollt lauen Klageton, „bitte, sprechen Sie nicht so. Treten Sie mit Gott Ihre Reise an, meine innigsten Wünsche begleiten Sie. Rur fordern Sie keine Zusage von mir, von der i.h nicht weitz, ob ich sie halten kann . . ." Langsam zog sie ihre Hand zurück und sah ihm mit ihren Märzlichtaugen ernst in das gebräunte Gesicht. . . „3m Bethause sprachen Sie davon, Datz 3hre neue Ausfahrt in das Unbekannte Drei 3ahre überdauern könne. Wo und wie würden Sie mich bei 3hrer Rückkunft finden? Die 2z>ge m i- ner armen Mutter sind gezählt — ich kann nicht sagen, ob ich noch hierbleiben werde, wenn der Tod sie mir nimmt, oder ob ich mir nicht irgend wo anders eine Stellung suche, um mir durchs Leben zu helfen. Lind vielleicht packt dann das Leben mich ungleich rauher an als 'freute und schüttelt an mir, so datz Sie enttäuscht sein werden, wenn Sie mich Wiedersehen. Wir armen Mädchen bleiben nicht lange jung. Der Mut zum Kampfe kann uns wohl stählen — aber Den Blüten staub nimmt er uns."
Er lächelte weich und schüttelte den Kopf. „Sie bleiben, was Sie waren und sind," ent-
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Den brauchen. Die ihm bevorstanven. DynamT war sein ganzes Leben gewesen: ein Kräftesptdl ohne Rücksicht auf die Rebrnmenschen, ein Wirbelsturm, wenn auch mit Pausen der Lässigkeit, tn denen er sich, wie wegmüde geworden, gern treiben lietz. Sie wußte, wie alles lag. Was nicht un- greifbare Gerüchte von außen her in das stille Dorf trugen, oder was ihr nicht die Klatschecke der Landeszeitung verriet, für das war die neue Aebtifsin von Wesenburg von einer immer ge» fälligen Mitteilsamkeit. Sie kam zuweilen nach Kappietsch., zu Pferde auf ihrem drahtigen Rotschimmel oder mit ihrem 3uckcrzuge, den sie selbst lenkte, oder zur Wmterzeit mit dem Schlittengespann und hielt auf ein paar Minuten vor dem Hause Der Tante Elstern, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen, und wühle bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich viel zu erzählen. Freye hatte Die stolze Kusine nicht ungern, sie sah mit einer gewissen Scheu, aber doch auch mit Achtung und gefühlsverwandt zu ihr auf, ahnungslos, datz unwissentlich sie es gewesen war, die ihr Den Geliebten entführt hatte. Lind es lag in dem nach kühler Sachlichkeit suchenden Wesen Alexes, dah keine Spur von Dem Hatz der Besiegten in ihr gegen Freye sich regte. Denn es war wirklich so, wie sie ihrem Bruder gestanden hatte: sie war mit aller Zuversicht des Glaubens, dah diesi harmlose „kleine Sentimentale" für Gerhart nichts als ein Mittel zum Zweck, zu Der Besch eunigung des Bruchs mit ihr gewesen war. Wahrhaft geliebt hatte er das Aschenputtelchen gewitz nicht...
Qiun bat Gert um ein letztes Stelldichein. Freye überlegte nicht lange — sie wollte ihm das Lebewohl nicht verweigern. Es war ja in der Tat Der „Abschied für immer". 3hr Plan stand fest. Wenn sie die Mutter zu Tode gepflegt hatte, wollte sie in die Fremde — Dann sah man sich überhaupt nicht mehr. Alexe hatte mit spöttischem Lippenzucken von Der sonderbaren Heirat Gerts gesprochen. Traf der Spott zu? War diese Heirat nicht so recht eigentlich ein folgerichtiges Glied in der 3ronie seines Lebens? Lind konnte sie selbst ihm zürnen, dah er die reiche Erbin nahm, Da sie sich Der Mutter gefügl unD seine Hand ausgeschlagen hatte? —
(Fortsetzung folgt)
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