Nr. 185
Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zrettag. 8. Augvst
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Brief aus Japan.
Don 5)r. Artur Landsberger.
Japan, nach den Schilderungen deutscher Dichter eine Geishaangelegercheit mit seidenen Kimonos und bunten Papierlaternen, ist in Wirk- Lchkeit eine verdammt nüchterne unb ernste Sache. .Das ist schneller erkennbar für den, der aus China und dem Orient konnnt, als für den üblicherweise durch Sibirien Reisenden. Rach der Kälte und bcm nüchternen Gleichmaß Sibiriens mögen Kirschblüte. Kimonos und Teehaus verwirrend wirken. Rach Ceylon, Siam und Souchong wirkt dies Japan von heute nüchtern, sachlich preußisch im guten Sinne (des alten Kaisers», und es hat andere Sorgen, als seine Geishas für Europäer tanken zu lassen.
Gießen, 7. Aug. Unter dem Vorsitz drs Landgerichtsdirektors Schudt wurde gegen den Dentisten Theodor Friedrich Zu t t aus Greßen wegen Meineids verhandelt. Die Anklage vertrat Anrtsgerichtsvat Dr. Wo da ege. die Verteidigung lag in den Händen der Rechtsanwälte Fischer und Hornberger.
Im Jahre 1922 machte der Angeklagte Auto- Geschäfte für eine Firma Spieß & Co., Wthen- hausen bei Kassel. Er besuchte den Zeugen Wilhelm Knop in Frankfurt a. M., dem er einen Lastkraftwagen anbot. Knop hatte zuvor von der genannten Firma einen Adlerwagen gekauft, den er aber nicht geliefert bekam, da die Firma Spieß & So. das Zustandekommen eines Kaufes bestritt. Deshalb stvengte Knop gegen die Firnra bei dem Landgericht in Kassel einen Prozeß an. In diesem Prozeß wurde der Angeklagte in Gießen vor dem Amtsgericht durch einen ersuchten Richter als Zeuge vernommen. Dabei beschwor er trotz mehrfachen Vorhalts durch den Kläger Knop daß er sich bei den fraglichen Verhandlungen Knop gegenüber nicht als Teilhaber der Firma Spieß & Cv. ausgegeben habe. Hieras tützte sich dis Anklage wegen Meineids. Auch in der Hauptverhandlung bestritt der Angeklagte derarttges. Es wurde jedoch durch die glaubwürdigen eidlichen Angaben des Zeugen Knop sowie dessen Reffen Hans Knop und des Chauffeurs Gigel nachgewiesen, daß sich der Angeklagte als Teilhaber der Firma auSgegeben hatte. Er hat u. a. bei jenen Verhandlungen angegeben, daß
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Cckig ist modern.
Ta das Auge der eteffte Teil des menschlichen Körpers sein soll beschäftigt sich jetzt auch die M>de mtt diesem so gut renommierten Organ. Und da das höchste positive Ziel der Mode die Hervorhebung, die Unterstreichung im Gegensatz zu ihren Verdeckungstendenzen am ungeeignetste — zur Demonstration ungeeigneten — Menschen — ist, so wendet sie diese Taktik .auch bei der
owzullefern. damtt für den Rachwuchs gesorgt
Inerten taxn.“
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Heute abend 8,301
Heiterer Abend'
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Neues J aller
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Das Ameisendorf.
Von Kopernikulus.
Wie ich so bäuchlings auf der Wiese liege und totr die Sonne auf den Rücken scheinen lasse, karre ich gedankenlos auf die zwei bis drei Handflächen große Erdstelle vor meiner Rase, auf der Mmckwürdigerweise kein Gras wächst.
Und ich hätte mir auch wetter nichts dabei gedacht in meinem wohligen Sonnenbad, wenn nicht plötzlich zwei Leute ebenfalls im Grase gelegen hätten, deren Köpfe, mit dein meinen ein ^eichrtenksiges Dreieck bildend, mit großem Interesse auf ebendieselbe Erdstelle blickten.
Als ich mir die beiden Herren näher ansah, merkte ich daß es di» AstraLnber van Hermann Löns trab Mark Twain sein mußten, deren Portrats ich gut kannte. Beide rauchten kurze Pfeif- chcn und kannten einander offenbar sehr gut, was im Leben schwerlich der Fall gewesen war.
„Tja," begann Löns, „so sind die Menschen. Wieviel e mögen wohl begreifen, daß aus diesem Stückchen Erde, über das ihr Fuß achtlos hinweg- tritt, sich eine Welt abspielt."
„Hak sich was!" achselzuckte Mark Twain. „Diese Geschichten mtt der Wett im Wassertropfen wrdsowetter finde ich albern."
„Bitte," entgegnete der Heidedichter und wies mtt dem kleinen Finger auf die Erdstelle, „hier haben Sie ein Ameisendorf vor sich."
„Sagen Sie doch: Termttenbau. Amtsgericht und Kirche haben sie nicht. Oder meinen Sie?" „Dnnnnein, das wohl allerdings nicht. Aber seHen Sie. wie jede emsig ihrer Beschäftigung nach- geht und wie systematisch. Hier diese schleppt
Das Anstellungsrecht der Militäranwärter.
(Von unserer Darmstädter Redaktion.)
Das Anstellungsrecht der Zivildienstberechtigten ist in der Reichsverfasfung (Art. 129) begründet, aber die hessische Regierung macht keine ernsthaften Anstrengungen von den ihr untergeordneten Stellen die Durchführung der vom Reiche erlassenen Anstellungsvorschriften zu verlangen. So hat in der Landtagssihung vom 17. Juni Abg. Dingeldeh auf diesem Mißstand hingewiesen, indem er (nach dem stenographischen Berichte) erklärte: „Das Unrecht, das an den Versorgungsanwärtern, den Militäranwärtern, seit den Jahren der Revolutton immer wieder begangen worden ist, muß ausgeglichen werden. (Abg. Werner: Sehr gut!) Es geht nicht an, daß man den Leuten, die seinerzeit durch langjährige Dienstzeit sich eine Anwartschaft erworben haben, denen ein Versprechen des Staates in feierlich verbriefter Form auf irgend eine Anerkennung gewährleistet worden ist, daß man denen die Tür verschließt, daß man denen durch die Beamtensperre, durch die Beförderungssperre die Möglichkeit einer Existenz einfach nimmt. (Sehr richtig! rechts.) Eine Schuld trifft auch das R eich, denn auf dem 27. Bundestag des Reichsbundeis der Zivildienstberechtigten in Flensburg im Juni d. Js. führte der Vorsitzende aus, daß das Reich seine Versprechungen bei Tausenden von Kapitulanten nicht gehalten hat. Richt, weil es dazu nicht in der Lage war, sondern weil es nicht vermochte, die vielen Stellen, die für die Durchführung der gemachten Zusicherungen mitverantwortlich sind, auch zur Durchführung anzuhaltsn.“
toätc dringend zu wünschen, daß diesem Anttag entsprochen wird.
. Wogung des Landesverbandes Hes
sen des Reichsbundes der Zivildienstberechtigten, die am 24. Juli in Darmstadt stattfand, wurde darauf hmgewtesen, daß viele bereits im Beamtenverhältnis stehenden Versorgungsberechtigten ab geb aut worden sind, besonders aber wurde beklagt, daß die Kündigung für die jüngeren, noch im Dertragsverhältnis stehenden Anwärter ge- rabezu verhängnisvolle Folgen hat. Sie haben mfolge des Krieges meist 15, 18. sogar 20 und mci)c Jahre dem Vaterlande treu gedient meist auch große Opfer an Gut und Blut gebracht, immer m dem Glauben, daß sie mit Erlangung des Zivllversorgunasscheins ein verbrieftes Recht au Anstellung haben. Aber die Abbauverordnung hat sie arbeitslos, brotlos und rechtlos gemacht
„Sie hat aber offenbar die Straße vergessen," spöttelte Mark, „in der sich die Ablieferungsstelle befindet, denn sie rennt wie eine wildgewordene Rull mtt ihrem Gepäck rastlos hin und her, als ob das keine Arbeit macht. Aber darüber hat ja schon Ihr Philosoph Schch>enhauer sich gewundert, was für eine enorme Körperkrast die Insekten besitzen. Aber er sagt auch: je stärker das Rückenmark, desto geringer das Gehirn. Und da die Insekten zwei Lückenmarknervenstränge besitzen, fehlt das Gehirn vielleicht ganz."
„Sie sind ein Skeptiker," lächelte Lons. „Aber ich hatte es mehr mit Lafontaine und Lessing und meine, der Mensch kann sich an der Wrrtschastlich- kett der Ameisen und Dienen ein Beispiel nehmen."
„Ach Sie meinen die Geschichte von der faulen Grttbe und der fleißigen Ameise? Das ist ebenso ein Irrtum wie die Sache von der Feld- und der Stadtmaus. Die arme Feldmaus ist meines Erachtens viel mehr Gefahren ausgesetzt als die Stadtmaus: darum hat sich auch Horaz über diese Fabel schon lustig gemacht. Mtt den Zeiten ändern sich die Dinge. Und man kann das übermäßige Sparen, wie es Ameisen und andere Hamster tun. heute nicht mehr den Kindern mtt Erfolg empfehlen, nachdem — besonders in Ihrem dsttschen Daterlande — gerade die Sparer durch die Jn- flatton an ihrer Sparsamkett zugrunde gingen. Ich würde die Ameisen heute <ud abschreckende Raffke-Beispiele verwenden."
„Ranu?" rief Löns erschrocken.
Aber der Amerikaner lächelte.
„Sehen Sie sich erst einmal die hier an! Sie stellt sich auf die vier Hinterbeine und reiht wie verrückt an dem vertrockneten Grashalm, der für sie eine zehn Meter lange Eisenbahnschwelle bar» stellen muß: aber gottlob, er sitzt noch fest. Was will ste damtt? Rur schleppen, schleppen wie bie
kommenden Missionare Stimmung gegen Japan zu machen suchen. Die Amerikaner stehen völlig verständnislos vor der alten Kultur der Japaner Der alte Kriegergeist und die Heldenverehrung der Japaner find für sie eine 2ttt Panoptikum, und auf die zarte und schmiegsame Japanerin blicken sie so verächtlich herab, daß man, — beispielsweise in den großen Hotels Tokios und Kobes — die Haltung der Japaner bewundern muß, mit der sie diese Herausforderungen hin- nehmen. Freillch, wer tiefer schürft, weiß, daß sich hinter diesem Gleichmut Haß und Verachtung verbirgt, die eines Tages spontan zum Ausdruck kommen werden. Denn so sehr die Japaner verstehen, zu leben, noch besser verstehen sie es. zu sterben. Und das ist es auch, was sie, die heute deutschfteundlicher sind als wir selbst' uns verübeln, daß wir zwar gegen eine Heber» macht siegen, als es um das Letzte ging, aber nicht zu sterben verstanden. In diesem Heldentum wird in Japan, wenn es einst dazu kommt — und der Gegner kann nur Amerika sein — die Frau vorangehen.
Bearbeitung des Augen--Aussehens an, das heißt, sie versucht mtt allen Mitteln, die Aufmerksam- kett aus die Augenpaitte zu lenken. Und das gelingt ihr auch. Aber wie! Rur -unter radikaler Ausnutzung des Grundsatzes: Zweck heiligt die Mitel. Es sei zugegeben, daß die so beliebt gewordenen Hornbrillen nicht gerade gegen das ästhetische Gefühl verstoßen und daß sie Vst einem recht Nichtsagenten Gesicht den Ausdruck von intensiver Beschäftigung mit unverständlich und schwulstig geschriebenen dicken Folianten verleihen. Auch wenn das menschliche Auge nur durch in Horn eingefaßtes Fensterglas schaut. Das tut nichts, das schadet der Wirkung nicht. — Qlun ist aber eine neue Mode auf dem Marsch bie Menschheit zu beglücken. Sechseckige achteckige Drillen mit einer in lebhaften Farben sprühenden Einfassung. Schließlich gewöhnt sich der- Mensch an alles. Aber ist das hier in diesem Fall notwendig. Man soll doch wohl einer gesunden Auffassung nach darauf bedacht sein, die menschlichen Leiden nicht etwa zu vermehren. sondern zu verringern. Das gilt natur* llch auch von den ästhettschen Schmerzen. Freilich, der Mode zuliebe tat man vieles: man ist so sanft, so nack^iebig, ihr gegenüber. Aber ob man gegen dieses Dekret Ihrer Königlichen Hohett nicht ein wenig protestieren darf ? Versuchen wir es: denn die Vorstellung einer achteckig und bunt bebrillten Menschheit verursacht doch ein gelindes ©lauen. Schließlich konnte auch das Weltbild, das den Kreis, die Rundung zum Symbol hat, von den Trägern solcher modernen Wttlen, die sich natürlich aus den Führern der Menschheit rekrutieren würden eine bedenkliche Der.-eckung erfahren. Davon Haven wir doch wohl schon genug, ileberfjaupt sollte das Auge, ter edelste Test des menschlichen Organismus so Diel toie möglich, von der „Kultur" verschont bleiben.
Daß der Zivilversorgungsschein _______
Rechtsanspruch auf Anstellung verleiht, hat erst jüngst Prof. Dr. K a s k e l von der Hniversität Berlin in einem Gutachten f c ft g e ft e 111. Es wird hierin die Frage, ob die Anstellungsgrundsähe dem Militäranwärter ein persönliches Recht, einen eigenen von ihm geltend zu machenden Rechtsanspruch verleihen, bejaht. Hnb der Inhalt dieses persönlichen Rechts auf Anstellung nach Maßgabe der besonderen Bestimmungen der Anstellungsgrundsätze ist das Recht auf Einberufung in eine Stelle der betreffenden Stellengattung, sobald der Anwärter bei Besetzung der Stellen gemäß den Grundsätzen an die Reihe kommt. Die Wirksamkeit dieses Vollrechtes hängt also lediglich von dem Eintritt dieser Bedingung ab. Dieses Recht gehört zu den „wohlerworbenen Rechten", deren Hnverlehlich- keit unter Aufrechterhaltung des Rechtsweges durch Art. 129 Abs. 4 der Reichsverfasfung befonders gewährleistet ist.
Schwurgericht.
' Gießen, 6. Aug. Unter dem Vorsitze des Landgertchtsdirettors S chu bt fand heute bie erste Srtzung des Schwurgerichts in seiner neuen Besetzung statt. Während früher die zwölf Geschworenen lediglich die Schuldftage und die drei Richter lediglich die Strafftage entschieden hatten, urteilen jetzt drei Richter und sechs Geschworene gemeinschaftlich über Schuld- und Straffrage Zur Verhandlung standen zwei Sachen, in denen Staatsanwalt Fis cher die Anklage vertrat, während in der ersten Sache die Rechtsana>älte S ch l i n k und R othenberger und in ber -weiten Sache Rechtsanwalt Meuser bie Angeklagten vertraten.
Das Dienstmäbchen Katharine Rockel von Altenburg hatte am 2. Januar 1922 ein außereheliches Kinb geboren. Da sie als Vater desselben einen gewissen Sch. angegeben hatte, wurde Keser von dem Vormund des Kindes verllagt In dem bei dem Amtsgericht Alsfeld anhängigen Alimentattonsprozeh wurden die Rockel und Schlosser Wilhelm Wenglarz von Alsfeld als Zeugen vernommen. Beide sagten unter Eid aus, daß sie niemals miteinander verkehrt hätten. Sch wurde daraufhin zur HnterhMsleistvng verurteilt. Später ergab sich, daß die Aussagen ber Rockel unt> des Wenglarz unrichtig waren, sie hatten am 6. März 1921, dem ersten Tage der gesetzlichen Empfängniszett, miteinander verkehrt. Das Schamrgericht verurteilte heute beide wegen Meineids, und zwar die Rockel zu einem Jahr Zuchthaus, den Wenglarz zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus, sowie zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf je fünf Jahre und dauernden Unfähigkeit, als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden. Von der Anklage, die Rockel zur Begehung des Meineids angestiftet zu haben, wurde Wenglarz den Anträgen des Staatsanwalts und Verteidigers eittsprechend freigesprochen.
Die Schneiderin Elisabeth Clovs von Ober- Erlenbach hatte am 31. Mai bzw. 1. Juni 1924 $u Ober-Erlenbach ihr neugeborenes, uneheliches Kind unmittelbar nach ber Geburt durch Erwürgen getötet. Strafe: Zwei Jahre drei Monate Gefängnis.
Diese wohlerworbenen Rechte der Militäranwärter dürfen auch durch Abbaumahnah- men nicht geschmälert werden. In diesem Sinne verlangt ein Antrag Osann- Din geldeh im Hessischen Landtag, „der Sonderausschuß möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, bei der Durchführung der Abbaumaßnahmen auf die wohlerworbenen Rechte der Militärdienstanwärter dadurch besonders Rücksicht zu nehmen, daß diesen, insoweit sie durch ihren langjährigen Dienst den Anwärterschein sich gesichert haben, eine Bevorrechtigung anderen Angestellten gegenüber, die erst fett kürzester Zeit in Diensten des Staates stehen und über eine besondere Berechtigung nicht verfügen, insofern eingeräumt wird, als die Entlassung der Militärdienstanwärter erst nach der Entlassung der anderen Kate-e gorten von Angestellten ausgesprochen wird." Es
Wirtschaft.
Die kommende Goldwährung.
(Von unserem Berliner Vertreter.)
Die neue deutsche Goldwährrng, die auf der Basis der im Sachverständigen bericht vorgesehenen neuen deutschen Golbbank geschaffen inerten soll, wird, wie verlautet, noch im Spätherbst dieses Jahres eingeführt werden. Durch sie wirb bte Rsntenmark allmählich abgelöst, so daß in nicht allzu ferner Zett wieder bie alte deutsche Goldwährung als alleiniges Zahlungsmittel in Deutschland gilt, und damit auch bie Epoche der Inslationsgefahven als enbgülttg überwunden angesehen werben darf. Man kann sich schon jetzt: ein einigermaßen zuverlässiges Bild über die neue Goldwährung machen, nachdem bie gesetzlichen Maßnahmen zu ihrer Einführung, das Gesetz über die neue Goldnotenbarck und ein neues Münzgeseh bereits im Entwurf fertig gestellt sind.
Die neue Währung wirb auf eine sehr sichere Grundlage auf gebaut werden und es gestatten, daß auch das Kreditwesen in Deutschland wieder auf einen gesunden Boden gestellt werden kann Ihre Einführung ist ein Ereignis von größte, wirtschaftlicher Bedeutung, zumal man ohne üebertrexbung bte Behauptung aussprechen darf, daß sie dem Deutschen Reich eine Finanzkräfte wiedergeben und den Wohl- tanb Deutschlands wieder Herstellen soll. In den Wirtschafts- und Finanzkreisen hätt man bte Unterlagen der neuen Währung für durchaus befriedigend und glaubt aid) ohne weiteres an ben Erfolg ber in Angriff genommenen wäh- rungstechnischen Arbeiten.
Das tünftige deutsche Reichs gelb setzt sich aus vier Grttppen zusammen: aus Goldmünzen, aus Reichsbanknoten, aus Silbermünzen und aus Kupfermünzen. Das Rickelgeld kommt vorläisig vollständig in Fortfall. Alleiniges gesetzliches .
Zahlungsmittel bleiben die Goldnoten inb bie Reichsbanknoten. Die Goldmünzen zu zehn und zwanzig Mark sollen mit demselben Goldgehalt und fast den gleichen Prägebestimmungen wie das alte Goldgelb angefertigt werden. Auf diese Weise läßt es sich ermöglichen, daß bie alten Goldmünzen wieder als gesetzliches Zahlungsmittel gleichwerttg mit dem neuen Goldgelb in Kraft gefetzt werden können. Diese Maßnahme wurde als zweckmäßig erachtet, well die Prägung neuer Münzen mit großen Kosten verknüpft ist und immerhin noch ganz ansehnliche Bestände an altem Goldgelb in Deutschland vorhanden sein dürften. Die Aeichsbank selbst hat noch einen gewissen Bestand an altem Goldgelb, das dann zur Ausgabe gelangen soll. Schon jetzt beobachtet man be*
Fraglos hat das Erdbeben Japans Gesicht verändert. Aeuherlich zwar scheint nach sieben Monaten die Ruhe wieder hergestellt zu sein Wer die Menschen sind doch andere geworden ^mindest in den betroffenen Städten, vornehm* Uch also in Bokohama, das heute noch ein Trümmerhaufen ist, und ein staatliches Dauverbot, das mit der geplanten Erweiterung der Straßen begründet wird, vermag das Zutrauen der Zurückgebliebenen und Zurückgekehrten (Hunderttaufende flüchteten damals nach Kobe, kehrten aber zum größten Teil zurück) nicht gerade zu befestigen. Auch erinnert leichtes Beben alle paar Lage an das Septembergrauen. Hnb bie Tausende, die unter den Trümmern noch begraben liegen, üben aus die Angehörigen, die täglich an diesen Trümmern vorüber müssen, eine bedrückende Wirkung aus. Wenn trotz tem nicht nur ter flüchtige Blick, sondern intimer Verkehr mit Ueberlebenten und Betroffenen den Einbruck erweckt, diese Menschen haben sich abgefunden und vergessen, so Ijegt dies an der Kunst des Japaners, ferne wahren Gefühle zu verbergen. Dies Gleichmaß, dieses ewige ßäd>tfn ist ja das Typische dieser aus Asiaten und Mongolen gemischten Raffe. Der Fremde entsetzt sich, wenn ein Japaner erzählt, Eltern, Frau und Kinder seien Lei dem Beben verbrannt und — dabei lächelt Dur wer die unzähligen Ruancen des Lächelns ergründet, ergründet die Seele des Volkes, bas von den Europäern in gleichem Maße vergöttert «nd gehaßt wird. Ehe ich nach Japan ging, las ich allein über ein Dutzend deutscher Japanbücher aus ter Nachkriegszeit. Richt eine objektive Würdigung! Nachahmer, Heuchler, Betrüger, Affen! ereifern sich die einen. Die anderen, nicht mtnöer falsch Eingestellten, finken in die Knie und schlagen in die Saiten, denn das hier ist das Paradies und die Europäer find bie Verstoßenen. So ist der Deutsche. Lind ich übertreibe nicht. Das gelesenste Japan-Buch aus der Feder des sonst so tüchtigen Bernhard Kellermann ist eine einzige Hymne auf dies auserwählte Volk des Ostens. Solche Vorstellungen führen irre. Lind zweifellos: diese von deutschen Dichtern geübte "Irreführung wird von den Japanern ganz bewußt gefördert. Sie suchen den Eindruck zu erwecken, das gescheiteste, tüchttgste und tapferste ter Welt zu sein. Hnb wir glauben es Die richttge Einstellung auf die Stärke und Tüchtigkeit eines Volkes aber ist die wesentliche Voraussetzung einer erfolgreichen Außenpolitik. Man höre den Engländer, man lese deren Literatur über Japan. Keine Liebe, kett, Haß. Sachlich «nd nüchtern spricht da weder ter Charme ber ter Geisha, noch die Mentalität des Japaners eine Rolle: fontern die Gin- und Ausfuhr. Heber die Hälfte des japanischen Exports geht nach den ^Bereinigten Staaten, und somit steht es für die Engländer fest, daß Japan außerstande ist, mit Amerika Krieg zu führen, zumal auch sonst die finanziellen Hilfsmittel Japans einen solchen Krieg zur Zett unmöglich machen. Wir Deutschen aber sind glücklich über die ausgesprochen deutschfreundliche Stimmung der Japaner, die für uns praktisch völlig belanglos ist. Mehr noch als bei uns, wünscht man in Tokio eine Kombination Japan, Rußland und Deutschland. Aber mit einem Rußland, das frei vom Bolschewismus ,ift Zunächst aber hat Japan Sorge, den Bolschewismus im eigenen Lande zu bekämpfen. Nachdem >die Versuche eines liberalen Ministeriums, außer Dem Attentat auf den Thronfolger, Wirkungen erzielt hatten, die die Arbeit den Bolschewisten erleichterten, ist man jetzt zur konservativen Re- gerung zurückgekehrt. Hnb in ber Tat scheint sich «in Ausgleich ber sozialen Verhältnisse, wenn auch in geringem Ausmaß, auf völlig frieblichem Wege zu vollziehen. Zu glauben, baß Korea ben Japanern Schwierigkeiten bereite, wie Irianb ®nglaub, ist irrig. Gewiß lieben bie Koreaner die Japaner nicht, aber sie fühlen sich als Rasse Ihnen jedenfalls verwandter als den Amerikanern, Äe, wie hx China, auch hier durch die aus China
Ratten und Hamster, um die Vorräte dann zu zer- trampekn und verkommen zu lassen."
„Das tft aber nicht ihre Absicht."
„Ach Absichten hat Raffke nicht im Oering- ften. Stellen Sie diesen Ameisen eine Schüssel mtt süßem, in Waffer aufgeweichtem Quark hin, den sie nicht wegschleppen tonnen, und sie fressen solange, bis sie auf platzen, nur, well sie anderen nichts gönnen."
„©o?" sagte Löns ein wenig bedrückt. „Ist das wirklich so? Sind Sie im Recht? Es scheint nrtr fast." Hnd bann wurde er ganz nieterge- schlagen: „Aber dann ist Wilhelm Dusch mit seinen Schnurrdiburr die Dienen! unb barm bin ich mit meinen phantastischen Kleintiergeschichten, ach dann ist Reinecke Fuchs unb all die anderen mir so köstlichen Tiergeschichten, alle diese Schreibereien sind dann wohl nichts Wetter als Dolksverdum- mung?“
Da lachte Mark Twain:
„Da hatten Sie das Doll für dümmer als es ist. Das gibt all diesen Geschichten doch gerade ihren Reiz."
„Was denn?" rief Löns verwundert.
„Daß sie intt der Wirllichkett nicht üterein- stimmen," sprach der Humorist weise. „Denn die Wirklichkeit kennen wft schon: dazu brauchen wir keine — Dichter."
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er als Teilhaber genau so gut über die Geschäfts ter Firma orientiert fern müsse wie die unteren Teilhaber. Auch führte er auf eine ai8brücfr litte Frage des Zeugen W. Knop aus, daß Inhaber ter Firnra feien: Spieß, ter m erstes Linie ter Geldgeber fei, fein Schwager Done- bolb, sowie er (ter Angeklagte) selbst. Er bekäme demnächst in Gießen eine Garage gebaut. Die Verteidigung, die die Schlüffigkeit des Beweises bestritt, beantragte Freisprechung. Der Anklagevertreter stellte den Antrag auf Verurteilung Uxgcn Meineids. Seinem Antiag enffprechend erkannte das Gericht auf eine Zuchthausstrafe von einem Jahr. Es ist dies die aesetzliche Mindeststrafe, bie mit Rücksicht auf die seitherige Hntestrafthett des Angel tagten angemessen erschien. Ferner wurde gesetzlicher Vorschrift entsprechend auf 5 Jahre Ehr verlast sowie auf die dauernde Hnsähigkeit, als Zeuge oder Sachverstänbiger eidlich vernommen zu werten, erkannt. Gegen den Angeklagten, ter seither nicht in Hntersuchangshaft war, erging Haftbefehl, der sofort vollstteckt wurde.
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Schöffengericht.
* Gießen, 4. Aug. Der Student am Technikum Friedberg Rudolf L. von Lüdenscheid war angenagt, am 23. April 1924 zu Dad Nauheim bie Magdalene W. vergewaltigt zu haben Die Verhandlung fand unter Ausschluß ter Oeffend- lichkeit statt. Das Gericht hielt es nicht für ausreichend nachgewiesen, daß L. bewuhtermaßen Gewalt oder Drohungen angewandt habe, um bie W. zur Duldung des Verkehrs zu nötigen unb sprach ihn deshalb, da auch ein ordnungsmäßiger Strafantrag wegen Beleidigung nicht gestellt war, frei.
Der Wilhelm Weller von Klein-Linden, Grenadier in ter 3. Komp des Jnf.-Regts 15, hatte Mitte Juli 1924 den Spind eines Karnes raten mittels eines Nachschlüssels geöffnet und daraus mehrere Sachen entwertet Strafe: Vier Monate Gefängnis und Dienstenllafsung.
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