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Nr. ^08 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

Donnerstag, 8. Mai (92^

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Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M.

(In Billionen Mark auSgedrückt. BuenoS-AireS, London, Neu» York, Japan, Rio de Janeiro für ein« Einheit, Wien und Budapest für 100000 Einheiten, alle« übrige für 100 Einheiten.) Tele graphische Auszahlung.

Frankfurt a. M., 7. Mai. Es notierten je 100 Kilo: Wetterauer Weizen 17,50 bis 17,75, 21 eggen 15,25 bis 15,50, Braugerste 18,75 bis 19, Hafer, inländ. 14,75 bis 15,10, Weizen, mehl, füdd. Spezial 0 26,50 bis 28,25, Troggen­mehl 22,50 bis 23,25, Weizen- und Roggenkleie 9 bis 10 Mark.

Märkte.

Frankfurter Getreidebörse.

(3n einem Teil der Auflage wiederholt.)

Eine Erneuerung des Obersten Rats.

93a r 18, 7. Mai. (WB.) DerReuYorker Herald" will von autorisierter Seite erfahren txxben, es sei noch kein Zeitpunkt für den Zu­sammentritt einer interalliierten Konfe- renz festgesetzt worden. Macdona ld habe von Theu n is und Pvincartz die Zusicherung erhalten, daß sie eine Erneuerung de s Obersten Rates billigen wurden, tvrnn die französischen Wahlen vorüber seien und bekannt sei, auf welche Elemente Pvincars für eine Mehrheit im nächsten Parlament rechnen könne. Es werde jedoch dementiert, daß Poincarß die Räumung des Ruhrgsbietes angeboten habe, falls England sich schriftlich verpflichte, im Falle einer deutschen Derfehlimg ernste Strafmahnah- men durchzuführen.

Die irischen Grenzwirren.

Belfast, 7. Mai. (2teuter.) Der Premier Minister von Allster (Staig erklärte gestern im Parlament von Allster, dem britischen Ersuchen auf Ernennung einer Kommission zur Fest stel- lung der Grenzen zwischen Ulster und dem irischen Freistaat körme unmög­lich stattgegeben werden.

Cholera-Epidemie m Indien.

London, 7. Mai. (WB.) In der Provinz Behar in Indien hat die Cholera in diesem Jahre bereits 10000 Todes fälle verursacht, davon in der letzten Woche 1000 in dem Bezirk Champaran, der am schwersten heim- gesucht worden ist. Die Epidemie nimmt noch immer zu.

Büchertisch.

- Die neue Leipziger »Illustrierte Zeitung' (Verlag I. I. WDev) bringt eine Arbeit über Staat und Wirtschaft von Prof. Dr. Adolf Weber, München, der für die Freiheit der Wirtschaft von staatlicher Bevormundung eintritt Aus" dem übrigen Inhalt ist besonders ein Aus­satz über die neue Sonnenkraftmaschine des Ber­liner Aniversitätsprofessors Dr. Adolf Mareuse hervorzuhcben. Mareuse berichtet selbst über feine bedeutungsvolle Erfindung, durch die man viel besser, als es mit den bisherigen Sonnenkraft­maschinen möglich war, die Sonnenwärme für technische Zwecke ausnützen kann. Aus der Fülle an Reproduktionen von Kunstwerken interessieren in erster Linie eine Anzahl Handzeichnungen von Dürers Zeitgenossen im Kupferstichrabinett zu Berlin. Zur Iungfernreise des Lloyddampfers Columbus" bringt das Heft schöne Innenaufnah. men. Bon neuen Funden in Karthago sind eine Reihe von Abbildungen wiedergegeben. Im unterhaltenden Teile ist besonders eine Novelle «Die Gazelle" von Ernst Zahn hervorzuheben.

Die Aprilnummer der führeneden völkischen ZeitschriftDeu tsch lands Erneuerung" (0 F Lehmanns's Verlag, München: Ginzelheft 1,70 Mk. portofrei) ist als Sonderheft erschienen, das dem Prozeh Hitler-Ludendorfs gewidmet ist' Die Hauptangeklagten ergreifen dann selbst das Wort, aber nicht etwa zur reinen Prozeß-Polemik, zsondern um im Groben ihre politischen Ziele und Bestrebungen darzulegen. So wird dies Heft auch zu einem völkischen Belenntnisheft. Einaeleitet wird es durch eine Abhandlung von Armin von Oesele, betitelt:Der Kampf um die völkische Be­wegung". Darin wird zum erstenmal die tiefste Bedeutung dieser Bewegung als Anbeginn einer neuen sittlichen Weltordnung dargelegt, die wieder einmal vom Germanentum ausgeht. GLichzeitig deckt aber dieser Aufsatz das unzerreibbare innere Band auf, das alle völkischen Führer verbindet. Im Zusammenhang mit dem Ganzen schildert Otto Donhard den Alldeutschen Verband als Finder und Wegbereiter des völkischen Gedanken", wäh^ rend 21. v. Oefele das schwierige ThemaDie Katholiken und die völkische Bewegung" behandelt Der Verteidiget: Ludendorffs, Iustizrat v. Zezsch- Witz, gibt noch sozusagen einen kurzen Wegweiser für das Verständnis des Prozesses unter dem Titel:Die Tat Adolf Hitlers vor den Schranken des Volksgerichtes". Der Schriftleiter und Herausgeber Dr. Erich Kühn endlich fasst in dem AufsatzDas oberste Ziel Deutschlands De- fraung alles zusammen, was sich vom höchsten völkischen Gesichtspunkt zu der Materie sagen läßt.

Wirtschaft.

Die Großhattdeksittdexziffer.

Die auf den Stichtag, 6. M a i, berechnete Gro ß'ha ndelsindexziffer des Statisti­schen Rcicksamtes ist gegen, brr dem Stande vom 29. 2lprrl (124,6 Proz.) um 0,5 Proz. auf 125,2 Prozent gestiegen. Don den Hauptgruppen sanken in der betreffenden Zeit Lebensmittel von 110,6 auf 110,3 Proz. oder um 0,3 Proz (davon die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 93 3 auf 92,4 Proz. oder um 1 Proz.), während die Indu­striestoffe von 150,9 auf 153 Proz oder um 1,4 Prozent (davon die Gruppen Kohlei und Eisen von 141.7 auf 145,5 Proz. oder um 2,7 Proz) an­zogen: Inlandswaren stiegen von 113,3 auf 114,1 Prozent oder um 0,7 Proz: Einfuhrwaren gaben von 181,2 auf 180,6 Proz. oder um 0,3 Proz. nach. Die Indexziffern ter Industriestoffe und der Einfuhrwaren sowie hie Ee'amtindexziffer vom 29. April sind infolge nachträglicher Qlen'e.ung der Preisnachweisung berichtigt worden. Für den Durchschnitt des Monats April er nbt sich eine Steigerung der Grohhandelsindexziffer von 120,7 auf 124,1 Proz. oder um 2,8 Proz. Don den Hauptgruppen stiegen tn der gleichen Zeit die Lebensrnittel von 106.04 auf 109,7 Proz. oder um 3,1 Proz.: die Industriestaffe von 147,4 auf 150,9 Proz. oder um 2,4 Proz: die Inlandswaren von 1082 auf 111,7 Proz oder um 3,2 Proz., und die Einfuhrwaren von 182,8 aus 185,6 Proz. oder um 1,5 Prozent.

*

*FrankfurterBvde n-A.-G., Frank­furt a. M. Auf der 13. o. G.-V. ter Gesell­schaft waren 1650 Aktien mit der gleichen Stim­menzahl vertreten. Vor Beg n r der Tagung er­klärte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, daß ter gesamte Austichtsrat mit Rück ich t darauf, dah die Blehrhrit der Aktien ihre Besitzer ge­wechselt hat, seine .Aemter nie'ergelegt habe. Gegen die Genehmigung der Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, sowie gegen die Entlastung des Vorstandes und des Aussichtsrates gaben die Vertreter ter neuen Mehrheit ihre 1235 Stim­men ab und lehnten die Anträge tamit ab. Be­gründet wurde diese Ablehnung mit dem Hin­weis, dah es sich um kein Mißtrauensvotum gegen irgendwelche Persscn.ichkeiten handele, daß vielmehr die Vertreter ter n?uen Mehrheit sich über die Zustände bei der Gesellschaft noch in or- mieren müssen. In ten Aufsichtsrat wurden so- t'Unn gewählt: Kuno Genthe , Frankfurt a. M , Oibcab-im Dornstein , Frankfurt a M., Rech s- a >walt Rudolf, L. Selig, Mannheim. T.o- phil Walter, Frankfurt a. M.

Frankfurter Börse.

Frankfurt a M. 7. Mai. Tendenz: Flau. Der Streik bezw. die Aussperrung im Rheinisch» westsälischen Kohlenle gbau, sowie die inner­deutschen Schwierigkeiten hinsichtlich der Kabi­nettsbildung machten einer außerordentlich schlech­ten Eindruck und bewirkten, das) das Angebot überaus stark anschwoll, während gleichzeitig von

gearbeitet, denn bis man mit Deutschland fertig fein wird, werden sich aus den russischen Bolsche­wist en-Proletariern wohlhöhere" Finanzmag- naten entwickelt haben, worüber man gerade in England, via Bank of England, nicht ganz un- unterrichtet ist. Hnt) wenn diese Entwicklung In Ruhland nicht den gewünschten Weg gegangen fein sollte, so hat man ja für alle Fälle immer noch den Plan von Marschall Fach. Mit der Türkei, mit Polen, der kleine i Entente und,last not least", dem Kanonenfutter aus dem zer­trümmerten Deutschland und Japan im Osten wird es Tein Risiko mshr sein, jedenfalls em ganz bedeutend geringeres, als es Napoleon 1812 zu bestehen hatte.

Finanziell hatte Amerika zunächst Frankreich in der Hand. Lieber Frankreich bezw. Frankreichs Hilfe,finanziert" es jetzt Polen, die kleine En­tente, z. L. auch Oesterreich, die neue Türkei, nach der furchtbaren Heimsuchung Hapans auch dieses Reich, und wie lehr Amerika in Rußland schon vordringt, zeigen täglich die Berich e von dort. Wenn es sich in diesem Lande auch noch nicht um ernstliche Sanierungen handelt und Ftna.,zakstonen großen Stiles noch ausgeschlossen smd, so zeig* sich doch ganz deutlich schon die amerikanische Absicht, England aus Rußland gänz­lich auszuschalten. Das war auch der Grund, warum man die, allerdings etwas voreiligen, groben amerikanischen Hafenanlagen in Däne­mark plante und bereits auszuführen begonnen hat. Aach in China dringt Amerikas Finanzmacht immer stärker vor, so allmählich ganz Asien, ein­schließlich dessen westlichen Ausläufer, Europa, in ihre Rehe ziehend. Es ist klar, daß solche Herrschaft auf die Dauer nicht möglich ist, wenn sie nicht zugleich sich auf eine militärische Macht stützt. Darum das Zusammenarbeiten Amerikas mit Frankreich, der augenblicklich stärksten Mili­tärmacht! Da es sich dabei letzten Ende? um die Austragung des Machtkampfes zwischen Amerika und England handelt, so ist verständlich, warum England in immer schärferen Gegensatz zu Frank­reich geraten must, denn wo auch in der Welt heute England Schwierigkeiten bekommt, steckt immer Frankreich und dessen heimlicher Ver­bündeter, Amerika, dahinter.

Längst schon würde England versucht haben, energischer gegen Frankreich vorzugchm, wenn cs sich dazu nicht *u schwach fühlte, denn es müße ja diesen Kampf heute allem führen. Verbündete findet es heute nicht. Der einzige Verbündete, der als erster in Frage kommen könnte, Deutsch­land, ist infolge Mangels jeder außenpolitischen Betätigung, als Folge der heute in Deutschland herrschendeninternationalen", marxistischen und pazifistischen Geistesströmung nicht nur ungeeignet, sondern auch im höchsten Grade unzuverlässig: mit dem gegenwärtigen Deutschen Reiche ist ein zuverlässiges Bündnis überhaupt nicht zu schlie­ßen, wie denn auch von dem gegenwärtigen Deut- chen Reich nicht erwartet werden kann, dast es ich bewußt wird, welch ausschlaggebende Rolle es In dem, bereits im Gange befindlichen, vorstehend geschilderten Weltmachtskampfe spielen könnte. Tazu müßte zuvor tn Deutschland eine vollkom­mene, politische und wirtschaftliche Wandlung iattgefunben haben. Zunächst ersch e.i es wichtig,' auch das zuerst Rotwendige, die außenpolitischen Entwicklungen zu zeigen, aus denen heraus schon ich für das deutsche Volk die zwingende Rot­wendigkeit ergibt, die inneren Kämpfe schleunigst zu beenden, damit die Kräfte der Ration frei werden zum Kampfe gegen die Gefahr, die, wie geschildert, von außen droht.

Die Weltpolitische Lage.

II.

/©er die englische Politik verstehen will, muß sich nach Kalkutta begeben" sagte einstmals Lord Curzon, und er traf damit den Aagel auf den Kopf. Wer den Grund kennt, warum Indien vollkommen anders von England behandelt bezw. verwaltet wird, wie alle anderen Kolonien, der toeifj, welche Sorge jeder englische Staatsmann um Indien empfindet. Mit Indien stLht und fällt di- britische Weltherrschaft. Der Goldstrom, dec 0adr für Jahr aus Indien gepreßt wird, um den jedes Jahr Millionen Inder Hungers sterben müssen, der sich über England in seine Kolonien ergießt und der die britische Flotte erhalten must, er ist es, der allein Englands Herrschaft auf­recht erhält. Darum ist es nur zu begreiflich, daß- man in England nervös wird, wenn feine Herrschaft über Indien in Gefahr kommt, sei es nun, dast sie von außen her bedroht wird oder aus Indien selbst heraus. Das weist man sehr wohl in Amerika, das weist man aber auch in Paris, das haben alle großen Gegner Englands gewußt, so daß ein Kampf gegen England immer -ein Kampf um Indien werden mußte älnd um Indien geht wieder das Spiel . Von Osten, Roc­hen und Westen soll es angegriffen werden. Dazu find umfassende Vorbereitungen erforderlich, aber sic werden still und beharrlich getroffen, älnö mit weiter Voraussicht. Kaum war die Revolu­tion in Deutschland erfolgt, als auch- schon der französische Marschall Ioffre in Japan eintraf. Zweck: Vorbereitung der Lösung des englisch-japa­nischen Bündnisses (zu dessen definitiver Lösung England auf der Konferenz zu Washington ge­zwungen wurde) und Anknüpfung einer fran- zösisch-amerilanisch-japanischen Verständigung über Rußland und China. Deshalb die Bereisung Rordchinas und Ostsibiriens durch Ooffre, in Be­gleitung hoher japanischer Offiziere Was das be­deutet, weiß man in London, weshalb man dort schleunigst den Ausbau von Singapore zu einem starken Flottenstützpunkt verlangte. Zwar tröstet man sich in London noch damit, dast die von Osten drohende Gefahr infolge dec Ereignisse in Japan augenblicklich nicht in Erscheinung treten Man, denn Japan hat für die nächste Zeit andere Sorgen, aber gerade diese japanischen Sorgen, so must man in London fürchten, müssen Hapan noch enger an Amerika brnden, well Amerika am besten Tn der Lage ist, Kredite an Japan zu ge­währen. älnd dieser Ki edite bedarf Hapan drin- genöer wie je. Gerade aus dem japanischen Erd­beben zeigt sich schon die Wirkung des Wätkneges in Bezug auf die Verschiebung dec Weltsinanz- heirschaft von England nach Amerika ganz deut­lich. Man must also m England fürchten, daß die augenblicklich verminderte japanische Gefahr tn absehbarer Zeit sich mit verdoppelter Heftigkeit Wieder einstellen ipird. Es besteht jetzt weniger wie zuvor die Möglichkeit, Japan in fein altes Bünd­nis zu England zurückgewinnen zu können.

Viel brennender wird die Gefahr für Indien von Westen und Rorden her. Richt umsonst hat sich die letzte britische Reichskonferenz so eingehend mit dem Repo rationsproblem beschäftigt, ja, sie hat sich eigentlich nur mit diesem Problem' be­schäftigt. Deim in England sieht man sehr klar, dast die Lösung dieses Problems die Beseitigung der dem britischen Weltreiche dröhenden Gesamt- gefahr bedeuten würde. Wenn eine Lösung mög­lich wäre, müßte sie allerdings England nach jeder Richtung hin Gewinn bringen. Zunächst müßte die gewaltige Finanzauf^be, die mit Lö­sung dieses Problems verbunden ist, in englische Hände Lmmcn; wie und wer an d'.eßm Finanz­geschäft beteiligt werden würde, hätte England zu bestimmen: auch Tempo und Ausmaß würden von England bestimmt werden. Die Verständigung Über das Reparationsproblem müßte zur Folge haben die Verständigung und Festlegung der po- titischen Ansprüche der ^Beteiligten, also In erster Linie Frankreichs, denn es ist einleuchtend, daß vhne solche Festlegung der politischen Ansprüche xjar keine Finanzabkommen getroffen werden rönnen, die nur für 24 Stunden Geltung haben könnten. Würben diese politischen Ansprüche ober festgelegt, so müßten sie den Verzicht Frank­reichs auf alle Machtansprüche bezw. Macht­absichten auf die Vernichtung Deutschlands aus­sprechen, und damit würden alle Dundnis'e gegen­standslos werden, die Frankreich sowohl mit Pvlen, als mit der kleinen Entente, als auch mit der 'Türker geschlossen hat Es müst'e auch gegen­standslos werden die Absicht Frankreichs auf Rußland, mit dessen Hilfe allein d.e ernstlichste Bedrohung Indiens möglich ist. Es müßte aber auch gegenstandslos werden das Interesse Ame­rikas an den tatsächlichen politischen Absichten Frankreichs. Hier liegt der Kernpunkt des Pro­blems. 1 Denn mit Frankreichs Hilfe will Amerika sich dauernd den Gewinn sichern, ten es im Weltkriege gewann und den es England raubte.

Wer die politischen Geschehnisse des Welt­krieges 'und vor allem diejenigen nach dem Kriege aufmerksam verfolgt hat, wird festgestellt haben, dast in allen Phasen der Entwicklung Amerika stets dann auf Frankreichs Seite trat, wenn es diesem tn seinem Kampfe gegen England brenzlich zu gehen drohte, angefangen von der Konferenz tn Washington, d<.m Versailler Vertrage, der Konferenz in Genua bis zur eiligen Entfernung der amerikanischen Truppen beim Ruhreinbruch der Franzosen. Immer 'hat Amerika heimlich Ft untre ich unterstützt, wenn es häufig noch so laut in seiner Presse scheinbar gegen Frankreich zeterte. Man sott sich gar keinen Illusionen dar­über 'bingeben, dast die Existenz des Deutschen Reiches Amerikas Absichten genau so gut im Wege steht als denen Frankreichs. Hab beider Absichten gehen über die Beseitigung des Deut­schen Reiches zur Herrschaft über Rußland. Dann hat man mit russischer Hilfe nicht nur China tn der Hand und über China auch Hapan, sondern damit und mit Hilfe der Türkei ist auch das Schicksal Indiens besiegelt bezw. die Frage der Vormachtstellung im britischen Weltreiche und in der Wlt entschieden, älnbmit Amerikas Hilfe, d. h. mit der Macht des neuen angelsächsischen Weltreichs, teiEi Frankreich dann seine Herrschaft in Europa dauernd auf- recht zu erhalten. In der Türkei hat Frankreich von Westen her gut vorgearbeitet und England eine ganz empfindliche Rieder tage cdebt. Mit Amerikas Hilfe wird die neue Türkei finanziert werden, wie schon der F eihLitskampf Kemal Paschas von Frankreich-Amerika finanziert wor­den ist. In Rußland hat die Bolschewisten he r r= schäft einer Verständigung bezw. älnVerordnung unter diehöheren" Finanzinteressen gut vor-

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Zuckerfabrik Frankenthal . . »jnckerfabrik Waghäusel ...

den cvenigen Kauflustigen allergrößte Zurück- dallung geübt wurde. Dazu kam noch, daß auch weiter für Wiener Rechnung und im Zusammen­hang mit den finanziellen Schwie.agkciten der 'Diener Depositenbank neue Angebote Vorlagen. Ratulgernäß am schwersten wurde im Hinblick auf die Arbeitseinstellung im Rührgcbiet der Montan- markt hämgesucht. Die Kursrerluste. die durch­schnittlich 2,5 bis 3 Prozent erreich.en, schnellten bci den meisten Montanwerken bis 6, ja, vereinzelt sogar bis 7 Billionen Prozent und darüber hin­aus empor. Auch der etwas lerchter gewordene Geldmarkt konnte feine Entspannung in dec klta- strophalen Entwicklung bringen. Beson^e.s Obcr- bebarf und Caro waren neben Harpener und Gclscnkirchenec stark angeboten, nur Zuckeraktien waren einigermaßen gehalten. Auch im freien Verkehr war das Angebot außerordentlich dring­lich bei bedeutend herabgesetzten Kursen. Api 3 Decker Stahl 4,5, Beckec Kohle 5,5, Petroleum 11, Krügershall 4,75, Ufa, stark angeboten, 4,5.

Berliner Börse.

Berlin, 7. Mai. Dir heutige Börse stand unter dem Einfluß der innerpolitischen Wirren Md der fortdauernden Geldknappheit und vor ollem der Melsungen über einen drohenden Ar- beiterausstand im Ruhnevier. Vielfach wurden Befürchtungen hin'ickllich weiterer Zahlungs­schwierigkeiten getagt. Die Folge war em weite­res starkes Realisterungsangebot, das wiederum die noch einigermaßen hoch im Kurse stehenden Werte scharf mitnaym. Montanpapiece dieser Art büßten drei bis vier Billionen Prozent ein, wir insbesondere Gelsenkirchen, Deutsch-Luxumbürger und Kattowiyer. Auch Kaliaktien, Maschinenfa- brikaktien und chemische und Elektrizitätswerke hatten je nach dem Kursstand gleich schwere Ver­luste zu tragen. Bankaktien konnten sich Wenfalls nicht behaupten. Von Schiffahrtsaktien büßen Hamburger Paketfährt und Hamburg-Südamen- fanei circa zwei Billionen Prozent ein. Don aus­ländischen Renten neigten besonders türkisch? zur Abschwächung. Deutsche Anleihen gaben gleich­falls nach. Rach Festsetzung der amtlichen Kurse kamen zwar Ansätze zur Widerstandsfähigkeit und kleinere Erholungen zur Erscheinung, eine durch­greifende Be.sei.ung in der Stimmung trat jeooch nicht ein. Lustlosigkeit und weile.'e Biunruhig rng ließen die Kurie eher weiter abwärts gleiterf Am Devisenmarit waren die Hauptkurse unver­ändert. Bei wei ec verminderten Anforderungen konnten die Zuteilungen für einige Devisen er­höht werden.

Börsenkurse.

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