Ausgabe 
8.4.1924
 
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m. 8^ öwettes Blatt

Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheflen)

Dienstag, 8. April 1924

Rußland als Absatzgebiet.

Die Leitung der russischen Handelsdelegation in Berlin schreibt uns auf eine aus unserem Leser­kreis angeregte Anfrage zu obigem Thema:

3m Zusammenhang mit der Anerkennangs» bewegung Ruhlands durchs die Großmächte wächst auch das wirtschaftliche Interesse an diesem Lande immer mehr. Bei. der Llntersuchung der wirt­schaftlichen Möglichkeit in Rußland fällt die Ver­schiedenartigkeit der Beurteilung auf. Das Bild, welches außerhalb Rußlands von dem wirtschaft­lichen Leben dieses Landes entworfen wird, ist cft so widersprechend, daß es' jedem Interessenten der wirtschaftlichen Verhältnisse dieses Landes außerordentlich schwer fallen muß, aus den teils absichtlich, teils unbewußt entstellten Berichten, sich einen auch nur annähernd richtigen Begriff von der wahren Lage des Landes zu machen. In einem Punkte nur scheinen alle Berichte übereinzustim­men, daß nämlich Rußland mit seinen ungeheueren Naturschätzen das Land der Zukunft ist.

Eine objektive Beurteilung der wirtschaft­lichen Lage Ruhlands wird an der Tatsache nicht Vorbeigehen können, daß die letzten Monate außer­ordentlich viel zum Wiederaufbau beigetragen ha­ben. Die Produktionsziffern einiger wichtiger In­dustriezweige. wie der elektrischen, der Gummi- und der Letnenindustrie zeigen eine ganz wesentliche Zunahme. Teilweise konnte die Produktion bis zu 85 Prozent der Vorkriegszeit gesteigert werden. Es braucht keinesfalls geleugnet zu werden, daß viele Fabriken nur mit einem Bruchteil ihrer nor­malen Belegschaft arbeiten, und daß gewisse In­dustriezweige noch stark unter der älngleichhert in der Erzeugung und an dem Mangel einer ungenü­genden Betriebsorganisation leiden. Andererseits steht ebenso fest, daß lebenswichtige Industrie­zweige Rußlands, wie z. B. der Kohlenbergbau, das Holzgeschäft und der Handelsverkehr in land­wirtschaftlichen Produkten aller Art in letzter Zeit eine außer-ordentliche Besserung aufweisen.

Mit der Stabilisierung der inneren Wirt­schaftsverhältnisse wird die Aufnahmefähig­keit des russischen Marktes außerordent­lich wachsen, umsomehr, wenn sich, was za erhoffen steht, auch die Kaufkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung entsprechend hebt. Auch hier haben die letzten Monate eine wesentliche Besserung der Lage gerächt, da infolge der Steigerung der Ge­treidepreise die Einnahmen der Dauern wesentlich gestiegen sind. Das Bild von derSchere", d. h. von dem Mißverhältnis zwischen der landwirt- schafllichen und induftriellenPreisentwicklung trifft jedenfalls heute nicht mehr zu. Der Absatz land­wirtschaftlicher Maschinen und Bedarfsartikel wird sich daher zweifellos in diesem Jahre weit besser an lassen als im vorigen, namentlich wenn die dies­jährige Ernte, wie zu erwarten steht, einen guten Ausfall zeigen wird. Auch Fertigfabrikate für in­dustriellen Bedarf, wie Werkzeugmaschinen, Elektromotoren, Metallwaren, ferner chemische Ar­tikel, Farbstoffe ufw. werden voraussichtlich in­folge der Besserung der industriellen Lage in Weik höherem Amfange gesucht werden als bisher.

Zu einer Sanierung der inneren Berhälinrsse hat die seit einigen Wochen eingeleitete Wäh­rungsreform viel bei getragen. Bor mehr als Jahresfrist durchs die Ausgabe von Tscherawnhy eingeleitel, um den Großhandelsverckehr mit erner stabilen Währung zu versehen, werden diese wäh­rungspolitischen Maßnahmen nunmehr durch das Einziehen der Sowjetrubelscheine und durch die Ausgabe von Silber- und Kupfergeld gekrönt.

Der deutsche Kaufmann, der sich dem russischen Geschäft widmen will, muß sich vor allen Dingen vergegenwärtigen, daß die Grundlagen des Han­delsverkehrs zwischen Rußland und dem Auslande durch dieVerstaatlichungdesrussischen Außenhandels völlig neue geworden sind. An Stelle der privatwirtschaftlichen Beziehungen -wischen den einzelnen Firmen auf beiden Setten, treten heute auf Ruhlands Seite neue Gruppen auf, nämlich die im Ausland? tätigen staatllchen Wirtschaftsorgane, die Syndikate und Trusts, die in der Hauptsache als Träger des Handels zwi­schen Rußland und dem Auslande fungieren. Die zuständige amtliche russische Stelle für den Außen­handel mit Deutschland ist die Hairdelsvertretung der Anion der sozialistischen Sowjetrepubliken in Berlin. Diese Handelsvertretung tritt als Ver­treterin des russischen Staates den deutschen Kon­trahenten gegenüber auf, wobei die russische Re­gierung die dolle Verantwortung für sämtliche durch die Handelsvertreung in Deutschland abge­schlossenen Geschäfte übernimmt. Trotzdem diese Art des Verkehrs das Geschäft vielleicht etwas er­schwert und das Fehlen der Möglichkeit, sich un­mittelbar mit dem russischen Interessenten in Ver­bindung zu setzen, privatwirtschaftlich betrachtet als ein gewisier Mangel angesvrochen werden kann, bietet das Geschäft mit der Handelsvertretung da- MWkSesWiMhM?

Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert don Hans Dominik.

67. Fortsetzung. (Dachdruck verboten.)

Soweit, wie er es damals aus der Höhe seines Flugschiffes beobachten konnte, schien alles planmäßig zu gehen. Am Vormittag warf Ahmed das Antidynotherm in den See von Karakorum. Diel früher, als Wellington Fox von seinem Gefängnishof aus etwas bemerken konnte, sah Georg Isenbrandt aus seiner Höhe die ersten Wolkenbildungen.

Als der dicht und immer dichter werdende Regenschleier ihm die ungesehene Landung ge­stattete, war er an der verabredeten Stelle hinter einem Dünenkamm niedergegangen. Dach zwei Stunden erst war Ahmed hier zu ihm gestoßen. Durchnäßt . . . durchweicht . . . geblendet , , , fast ertränkt von den wolkenbruck^rtig nieder- stürzendon Wassermafsen, hatte der getreue Diener ihn nicht sogleich finden können. Dann kam er und brachte die frohe Botschaft, daß das Mittel sicher und unbemerkt in die Hände der Gefangenen gelangt sei.

Dann kam der zweite... für Isenbrandt der schwerste Teil der Aufgabe. Wieder ging Haus getreten und stand jetzt fragend vor ihm. Sie war in ein dunkles, hoch hinauf schließendes Hausgewand gekleidet, das ihre schlanke, eben­mäßige Gestalt vortrefflich hervvrtrelen lieh. Eine müde Anmut lag über ihrem bleichen Gesicht, verhaltene Trauer llang aus ihren Worten.

durch erheblich größere Gewinnchancen, daß es sich gewöhnlich um große Warenquantitäten und aus­gesprochene Massenlieferungen bandelt.

Eine wei'ere Möglichkeit, in Rußland Ge­schäfte zu machen, bieten die seit etwa einem halben Jahre ins Leben gerufene Konsignations­lager. Hier gibt der ausländische Kaufmann seine Waren zu treuen Händen nach Rußland. Sie bleiben bis zum Verkauf, der 'durch staatlich kontrollierte Organisationen erfolgt, fein Eigen­tum, während die Abrechnung nach dein Verkauf der Ware mit tunlichster Beschleunigung erfolgt.

Man hat es dem russischen Geschäft vielfach verübelt, daß es meist auf Basis umfangreicher Kredite getätigt wird, und daß namentlich zum mindest für Restbeträge lange Kreditfristen ge­fordert werden. Der ausländische Geschäftsmann sollte hierbei bedenken, daß Rußland in einem systematischen Wiederaufbau seines Wirtschafts­lebens begriffen ist und daß hierbei Handels- wie Zahlungsbilanz eine große Rolle spielen. Es ist daher nur natürlich, daß die Regierung die Ein­fuhr auf die absolut notwendigen und lebenswich­tigen Artikel zu beschränken sucht und den Import weniger wichtiger Dinge dadurch möglich zu ma­chen bestrebt ist, daß durch die Vertellung der Be­zahlung auf einen längeren Zeitraum im Wege des Kredits einem Gvldabsluß nach dem Auslande oor- gebeugt wird. Wenn bei dieser Wirtschaftspolitik Deutschland anderen kapitalkräftigeren Ländern gegenüber im Dachteil ist, so ist dies weniger die Schuld seines russischen Kontrahenten, als eine Folge der augenblicklichen Kapitalknappheit und Kreottnot in Deutschland.

Als Ausfuhrland kommt Rußland nach Westen vornehmlich für die Lieferung von land­wirtschaftlichen Erzeugnissen und Rohstof­fen, wie Getreide, Flachs, Oelsaaten, Häuten und Fellen, Dorsten usw. in Frage. Neuerdings tritt es auch als Lieferant hochwertiger D a h - rungsmittel, wie Butter und Eier auf. Dach Osten liefert Rußland auch, Fertigfabrikate, vor­nehmlich Textilien und Metallwaren.

Der deutsche Kaufmann, der sich dem Ruß- landgeschäft widmen will, wird gut daran tun, die Besonderheit der russischen Verhältnisse in seinen Kalkulationen einzusehen. Durch seine Dähe und die Gemeinsamkeit der Interessen bietet Ruß­land die denkbar besten Vorbedingungen eines auf­nahmefähigen Marktes. Rußlands natürliche Reichtümer sind unermeßlich und das Problem ihrer Hebung nur eine Frage der Zeit. Dicht nur durch seine nachbarliche Lage, sondern auch durch seine hochentwickelte Industrie, ist Deutschland vornehmlich" dazu berufen, die Hand zum Wieder­aufbau Rußlands zu bieten.

Der zweite Frankfurter Messetag.

fpd. Frankfurt a. M.» 7. April. Die Er­wartungen, die man nach dem guten Ergebnis des ersten Tages auf den zweiten Messever­kauf s t a g gesetzt hat, haben sich erfüllt. Wenn auch der Riesenbesuch vom Sonntag naturgemäß am Montag nicht die gleiche Auflage erfuhr, so setzte doch auch heute früh schon eine endlose Men- schenwanderung nach dem Fest hallengelände ein. And war man am Sonntag mit dem Geschäft zu­frieden, so war man heute abendrecht zufrie­den". Aus denSehern" waren heute Käufer ge­wogen. Im einzelnen mögen folgende Slichworte den Umfang des Geschäftes skizzieren: Metall- Waren: zunächst zurückhaltend, heute lebhafter; Schuhwaren: nach anfänglichem Zögern flottes Geschäft; Wollwaren: zufriedenstellendes Geschäft; Textilwaren: guter Absatz; Herrenkonfektion: sehr gut, da man mit einerHausse" rechnet; Rei,e- arlikel: starke Absätze, namentlich Koffer; Sport­bekleidung: gute Geschäfte; Büchermarkt: ruhig, heute besser; Kunstwaren: leidliches Geschäft; Pa­pier- und Bureauartikel: flotte Amsätze; hauswirt­schaftliche Artikel: große Nachfrage, Verkauf aber in lleinen Posten; landwirtschaftliche Maschinen: vielfache Dachfragen am Sonntag, heute gute Ab­schlüsse; Werkzeug- und Fabrika ionsmaschinen: kleinere Aufträge vorläufig; Fahrräder und Mo­torräder: nicht nennenswert; Radioapparate: na­turgemäß gewaltiges Interesse, am Sonntag 99 °/o Neugierige, heute gute Abschlüsse in kleineren Ap­paraten. Zusammensass-end darf heute gesagt wer­den: Anter dem Zeichen der Stabilität entwickelt sich ein tu chaus befriedigendes Geschäft, das noch wett größeren Umfang angenommen hätte, wenn sich nicht überall die Geldknappheit und die Kreditnot merllich bemerkbar machten. In der Hauptsache wurden Gegenstände des täglichen Gebrauchs und Bedarfes gekauft. Süddeutschland überwiegt unter den Aufkäufern, doch auch Norddeutschland stellt ein sehr beachtenswertes Kontingent dar. Das Ausland ist nicht übermäßig vertreten, da die deut­schen Preise noch vielfach über den Weltmarkr- preisen liegen. Jedenfalls kann schon heute nach Abschluß des zweiten Tages gesagt werden, daß

Ein Ruck ging durch Isenbrandts Körper Als er sie so vor sich stehen sah, hätte er sie in seine Arme nehmen, sie an sich pressen mögen. Das Blut schoß ihm jach in das Gesicht. Mit Gewalt beherrschte er sich, zwang sich zu einem Lächeln.

Der Wanderstab ist nicht vonnöten, Maria Feodorowna. Mein Flugschiff bringt Sie nach Ovenburg."

. . . Orenburg . . . Sein geistiges Auge sah in schnellen Bildern noch einmal die Szenen ihres ersten Zusammentreffens.

Von Orenburg bringt Sie das Pvstschiff sicher nach Odessa oder Moskau.^

Witthusen fiel ihm ins Wort:Nun, dann' mag die Reise auch noch ein paar tausend Kilo­meter weiter gehen. Dann fahren wir weiter nach Deutschland, der Heimat unserer Ahnen. Ich habe ncxh Guthaben dort ausstehen, die uns einen längeren Aufenthalt gestatten. Einmal wird ja doch der Tag kommen, wo hier wieder Ruhe und Frieden herrschen, wo wir ungefährdet zurück­kehren werden."

Er wird kommen . . . bald!"

Sie sagen das mit solcher Zuversicht, Herr Isenbrandt?"

Bald . . . bald kommt der Tag!"

Georg Isenbrandt sagte es lächelnd. Aber es war em rätselhaftes Lächeln, das nur den Mund bewegte. In den Augen darüber stand etwas anderes, grau, eiskalt, unbewegt.

Er wandte sich zu Maria und reichte ihr die Hand.

»Sv ss berat heut ein Abschied für Ihre Reise. Eine Gebirgstour zu unseren Schmelz-

die diesjährige Frühjahrsmesse unter einem gün­stigen Stern steht.

Kunst und Wissenschaft.

Neuorganisation der hessischen Künstler.

D armstadt. 8. April. Die hessische Künst­lerschaft hat sich neu organisiert, indem die Künst­lerverbände das bisherige Verhältnis zur Ar­beitsgemeinschaft hessischer Künstler lösten und ein K ü n st l e r k a r t e l l bildeten. Es wurden die nachstehenden Vertreter gea>ählt: Für Ma­lerei und Graphik Paul T h e s i n g - Darmstadt H a m m a n n - Bensheim. Rückert-Mainz und D e p p e r t - Darmstadt. Für Architektur Mu­sel-Mainz, Ma rg old-Darmstadt und Kru g- Darmstadt. Für Plastik Frau Westermann- Pfähler- Darmstadt, Huber- Offenbach und ein Vertreter* aus dem besetzten Gebiet. Mit der Durchführung der Neuorganisation der Hessi­schen Arbeitsgemeinschaft wurden die Herren Paul Thesing und Emil I. Margold von der Künstler- kolonie, sowie Frau Westermann-Psähler betraut. An der neuen Organisation sind beteiligt der Hessische Künstlerbund, die Bauwandlung und der Dreistädtebund.

Vermischtes.

Schlimmer Ausgang eines nächtlichen Konflikts.

Berlin, 7. April. (Wolff.) In Wann­see stieß des Nachts der Obergrenadier Hei­mann vom Regiment 9 dem Gärtner Baron vrn dem er sich mit der Schußwaffe bedroh- glaubte, das Seitengewehr in die Brust, so daß der Tod sofort eintrat. Heimann stellte sich der Polizei.

Eine Bande russischer Paßfälscher verhaftet.

Berlin, 7. April. Die Polizei hat hier eine Bande rufsischerPaßfälscher fest­genommen, deren Haupt ein gewisser Dion - kowski war. Er betrieb mit Hilfe eines auf dem Paßbureau in Frankfurt beschäftigten Beamten die Fälschung im Großen. Auch eine Reihe anderer Russen bedienten sich des genann­ten Beamten für ihre Fälscherzwecke. Der un- getreue Beamte wurde ebenfalls verhaftet.

Wirtschaft. «p

Die Rentenbank Ende März.

Zu dem per 31. März veröffentlichten Ren­te n ba n ka u s we i s wird dem W.T. D. von berufener Seite geschrieben:

Das an das Reich gegebene Darlehen ist im letzten Monat unverändert geblieben; dem Reiche stehen also noch 100 Millionen verzins­liches Darlehen zur Verfügung.

Aus dem bisher bekanntgewordenen Aus­weis der Reichs bank vom 22. März geht hervor, daß die Reichsbcrnk an diesem Tage an Rentenmark-Krediten bereits rund 1,105 Mil­liarden ausgeliehen hat. Inzwischen sind weitere 100 Millionen durch die Reichsbank abgerufen, fv daß etwa 1200 Millionen Rentenmark-Kredite durch die Reichsbank gewährt sind. Die Reichs­bank hat sonach erheblich mehr Rentenmark-Kre­dite gegeben, als sie selbst bei der Rentenbank entnommen hat. Diese Möglichkeit der Mehraus­leihung erklärt sich dadurch, daß ein starker Rück­fluß der ursprünglich an das Reich gegebenen Rentenmarkketräge zur Reichs dank erfolgt ist. Da­rin, daß die Reichsbank und auch die anderen Danken ihre verfügbaren Rentenmarkbestände als wertbeständige Kredite ausgeliehen haben, liegt eine gewisse Kurssicherung für die Rentenmark.

Don den der Reichsbank seitens der Renten­bant bisher insgesamt zur Verfügung gestellten 900 Millionen bleiben der Reichsbank noch 100 Millionen, soweit die ursprünglich zur Ingang­bringung des Giroverkehrs zur Verfügung ge­stellten 200 Millionen zum Abruf für Zwecke der Kreditgewährung an die Wirtschaft frei. Schließlich ist ein weiterer Spielraum für die Darlehens-Hingabe an die deutsche Wirtschaft insofern vorhanden, als der ganze, der Reichs­bank im Bedarfsfälle zuzuführende Rentenmark- Kreditanteil 1,128 Milliarden beträgt

Die Notenbanken haben das ihnen zuge­billigte Kontingent von 72 Millionen Mark in­zwischen nahezu voll in Anspruch genommen.

Anter den Passiven erscheinen in dem Ausweis der Rentenbank die umlaufenden Renten­markscheine mit einem Betrage von 1785 Mil­lionen (gegen vorher 1579). Der Umlauf hat sich in der Hauptsache durch die seitens der Reichs­bank und der Notenbanken in höherem Maße abgerufenen Kredite erhöht.

Wie von maßgebender Seite versichert wird, ist bei der Begebung der Kredite an

stellen hält mich eine Zeitlang von hier fern. Ich werde, bevor Sie Wierny verlassen, nicht zurückkehren können. Leben Sie wohl, Maria Feodorowna. Wir sehen uns bald wieder, bald."

Einen kurzen Moment ruhten ihre Blicke ineiarander, ihre Finger umschlossen sich zu festem Druck. Dann war er HLnausgeschritten.

Dor einem mit Plänen bedeckten Tisch saß General Bülow, neben ihm der russische Oberst Popoff. Wie znxi Schachspieler bewegten sie lleine, bunte Nadelfähnchen auf den Karten hin und her. Ihr lebhafter Disput bewies, daß sie sich über die endgültige Stellung der Fähn­chen keineswegs einig waren.

Seitdem die Lage an der chinesischen Grenze sich zuzuspihen begann, hatte das Hauptguartier in Petersburg den Obersten nrit einigen anderen Offizieren dem General stabe der E. S. C.-Truppen attachiert. Für den Kriegsfall unterstanden die militärrschen Strettkräste der E. S. C. dem ver­einigten europäischen Oberkommando.

Der früher so lange Zeit hindurch als Ideo­logie abgetane Gedanke der Vereinigten (Staaten von Europa war unter dem Druck der Weltge- schehnifse wenigstens zu einem Teil verwirklicht worden. Zwar war kern Staatsgebilde im Sinne der amerikanischen Anion zustande gekommen. Aber die Solidarttät der europäischen Völker fand bei voller Wahrung der nationalen Selbständig­keiten und (Sigenarten wenigstens dadurch Aus­druck, daß bei Fragen der großen Weltpolitik nicht jeder einzelne kleine Staat, sondern Europa als geschloffenes Ganges auftrat und handelte.

Industrie und Landwirtschaft die Landwirtschaft besonders berücksichtigt worden. Eine statistisch genaue Erfassung, inwieweit sich die Kredite auf Industrie und Landwirtschaft verteilen, wird immer nur schwer möglich fein, denn ein an die Landwirtschaft beispielsweise zur Beschaffung von Maschinen gegebener Kredit kann auch als in­dustrieller Kredit gewertet werden, und bei Kre­diten, die z. B. an die Zuckerindustrie gegeben werden, wird eine Entscheidung, ob- die Land­wirtschaft oder die verarbeitende Industrie hier­bei den größeren Vorteil hat, schwer zu ent­scheiden sein. Letzten Endes sind alle diese Kre­dite der gesamten Volkswirtschaft zugute gekom­men, wobei eine genaue Prüfung nach Dringlich kett und Bedarf stattgefunden hat.

*

5prvzentige Gvldpfandbriefe 2luf Antrag der Franffurter Hypothekenbank sind über 2000 Kilo Feingold (2,79 Millionen Gold­mark) lautende bprozentige Goldpfandbriefe der Rheinischen Hypothekenbank in Mannheim und der Pfälzischen Hypothekenbank in Ludwigshafen zum Handel und zur Notiz an der Frankfurter Börse zugelassen worden.

" Worms als Freihafen. Nach einer Mitteilung des Leiters des Dollausfchuffes der Rhsinlandkomnsission an die Handelskammer in Köln ist der Liste der Freihäfen am Rhein der Hafen von Worms zugefügt worden. Der Zoll­inspektor in Mainz wird alle erforderlichen Maß­nahmen treffen, damit dem Wormser Hafen alle Vorteile, die für Freihäfen vorgesehen sind, zu­teil werden. Die Waren, die für den Freihafen von Worms bestimmt sind, werden nach beson­deren Fakturierungsbestimmungen ausgefertigt.

* Die Fr ie d. Krupp A.-G. erllärt sich durch eine Bekanntmachung vom 20. März zu einer aufgeroerteten Einlösung ihrer Vorkriegs­anleihen schon jetzt bereit, obwohl nach der Dritten Steuernotverordnung die Aufwertung erst bis zum 1. Januar 1932 zu erfolgen hätte. Für je 1000 Mark Nennwert ihrer Anleihen von 1895 und 1908 und der ersten ausgegebenen Hälfte der Anleihe von 1908 sowie der Germaniawerft- Anleihe von 1901 gewährt die Firma 10 Prozent gleich 100 Goldmark bar, daneben IO1/2 Prozent gleich 25 Dollar in Stücken ihrer öproz. Gold­anleihe von 1924 mit Zinsschrin ab 1. Honuar 1924 oder statt dieser GoldanlÄhe nach Wahl der berechtigten 15 Prozent gleich 150 Goldmark 5proz. GLldhypothekenPfandbriese der Gemeinschafts- gruppe Deutscher Hypothekenbanken mit Zins­schein ab 1. April. Für die.1921 und 1922 be­gebene zweite Hälfte der Anleihe von 1908, von der die Fried. Knipp A.-G. nur ein Fünfzehntek oder weniger des Nennwertes in Gold erhalten hat, gewährt sie ein Zehntel der vorstehenden Sätze, nämlich für je 4003 Mk. Nennwert 40 Gold­mark bar und 10 Dollar in Stücken der 6proz. Kruppschen Goldanleihe oder 60 Goldmark 5priz. Goldhypotheken-Pfandbriefe; bei geringeren Posten die entsprechenden Teilbeträge. In allen Fällen werden auf Wunsch an Stelle Barzahlung für je 100 Goldmark bar 35 Dollar der öproz. Kruppschen Goldanleihe oder 200 Goldmark 5pvoz. Goldhypothekenpfandbriefe gewährt. Ferner ge­währt die Firma Krupp eine freiwillige Nachtrag* liebe Aufwertung den Inhabern solcher Stücke obengenannter Anleihen, die infolge Auslösung oder Kündigung sett 1. Januar 1923 zur Ein­lösung gelangten, wegen deren aber nach der Dritten Steuernotverordnung Anspruch auf Auf­wertung nicht besteht. Die Aufwertung «-folgt tu Höhe und nach Maßgabe des obigen Ernlösungs- angebvts, jedoch vermindert um die Barzahlung, also nur durch Lieferung der öproz. Kruppschen Goldanleihe oder 5pröz. Goldhypothekenpfand- briefe.

»

Berliner Dorfe,

Berlin, 7. April. (Wolff.) Das Inkoafp treten der Ermäßigung der Steuer- und Pro­visionssätze brachte dem Effektenverkehr nicht die gewünschte Anregung. Vielmehr machte sich ver­mehrter Kaufandrang geltend, der zurückgrfüyrt wurde auf die dauernden schweren Sorgen, unter denen das Wirtschaftsleben seufzt. Die Kapttal- rrot, die ungünstige Zahlungsbilanz, die zuneh­mende Verschuldung an das Ausland und die wenig hoffnungsvollen Aussichten bezüglich der Entscheidung der interalliierten Sachverständrgen- Tcmmiffion lähmen jegliche Anternehmungslust. Das Angebot stieß daher auf geringe Aufnahmr-- fähigkeil. Am meisten litten (herunter der Mvn- tanmarft, wo die Papiere bei der ersten Kurs­fest st ellung in einer Reihe von Fällen Abschläge um 2 bis 3 Billionen Prozent aufwiesen. Bon Kaliwerten büßten Deutsche Kali-Attien sogar sofort 6,5 Billionen Pr^ent ein. Auf den an­deren Amsatzgebieten schienen zunächst die Rück­gänge weniger erheblich zu sein. Nur einige

Hinter den Kulissen war freilich ein steter Kamvf um die Stellung des Primus inter Pares. Rußland glaubte in erster Linie Anspruch dar­auf zu haben. Dabei kam ihm zustatten, daß der Schwerpunkt der militärffchen Angelegenheiten in Petersburg lag, da Rußland mit Rücksicht auf fein großes Gebiet und dessen historisch provi- dentielle Lage gegen Osten die numerisch größte Heeresmacht unterhielt.

Schon unter dem Kommando des Generals Effingham war das Verhältnis zum Petersburger Hauptquartier nicht reibungslos gemefen. Der temperamentvolle Bülow war fast ständig auf Kriegsfuß mit dem Oberkommando. Dessen An­ordnungen erfolgten stets unter dem Gesichts­punkt, unbedingt die sibirischen Grenzen zu schützen, während Bülow in erster Linie darauf beacht war, die turkestanische Grenze zu sichern.

Für Rußland waren die gewaltigen Gruben- und Industrieanlagen im Gebirgsstock des Altai von größter Wichtigkeit. Ihre Vernichtung durch etwa plötzlich vorstoßende Luftstreitkräfte der Gel­ben war daher mit allen Mitteln zu verhindern. Die starken Kriegsgeschwader Rußlands waren deshalb nach den Anordnungen des Petersburger Oberkommandos ausschließlich zur Sicherung der sibirischen Südgrenze angeseht und nur die schwä­cheren Geschwader der anderen europäischen Staa­ten zur Verteidigung der turkestanischen ©raue« bestimmt.

Gegen diese Kräfteverteilung kämpfte Bülow schon seit langem. Immer wieder versuchte et eS durchsetzen, daß die Hauptträste auf die tur* kestanische Linie konzentriert wurde«,

(Fortsetzung folgt)