Ausgabe 
8.4.1924
 
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werde lammen, too wc annne '.pteöcr etnmai verstehen und wo sich durch eigenwirtschaftlich>es Interesse der ewige Zwist beseitigen ließe. Liese Ideen dürsten nicht durch eine llebecspannung ^dcs nationalen Gedanvens gestört wrrden. Die ReichSvegierung sei von Heister Liebe beseelt, unser Volk wirtschaftlich und finanziell wieder t>Dtxin- zubringen. Voran in der Welt! das ftlle auch die Losung des deutschen Volkes sein.

Reichswirtschafisminister Dr. Hamm sprach am Rackmittag im großen Saal der Han­delskammer über die derzeitige Wirtschaftslage. Der Minister arbeitete besonders scharf den Ge­danken heraus, daß sich jeder bewußt sein müsse, in seiner wirtschaftlichen Betätigung nicht seinem eigenen wirtschaftliche Interesse folgen zu dür­fen. sondern hab die Wirtschaf t der Ge­samtheit, die Volkswirtschaft und damit auch das Interesse des Staates für ihn maßgebend seien. Der Minister stellte ferner die begrenzten Möglichkeiten einer Zwangswirtschaft und dte Notwendigkeit einer staatsbewußten Wirt­schaftsgesinnung gegenüber. Es sei nicht nwglich. dah der Staat zugrunde gehe, ohne dost wir alle mit ihm zugrunde gehen. Wes, was das deutsche Volk bisher auf sich genommen habe, sei gering gegenüber einer etwaigen neuen In­flation und ihren Folgen. Deshalb müsse der Staat jetzt Unerhörtes in Ceiftungcn und Lasten von allen verlangen. Dem Auslande gegenüber wiederholte der Minister seine Mahnung, der deut­schen Wirtschaft ihre Geschlossenheit und Einheitlichkeit wiederzugeben. Das müsse man nicht aus politischen und nationalen Gründen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen. Es sei unsinnig, von Deutschland Reparationen zu verlangen und zu gleicher Zeit aus dem deutschen Wirtschaftskörper Blut abzuziehen. Am Abend traf der Erste Bürgermeister der Freien undHanse- ,stadt Hamburg, Dr. Petersen, em, zu dessen 1 Ehren ein Festessen im Frankfurter Hof stattfand.

Die bayerischen Wahlen.

München, 8. April. (Wolff.) Am späten Abend wurden folgende Wahlergebnisse gemeldet: Ver. Soz. Partei 355 956, Deutscher Block 61 568, Rationalliberale Landespartei 25 L9, Kommunisten 179 323, Dormtenpartei Rückert 3839, Deutsche Volkspartei 5087, Christlich-Soziale Partei 18555, Deamtengruppe Kratofiel 18105, Völkischer Block 405 865, II.S.P 2361, Ver. Nationale Rechte 167115, Bahr. V olkspartei 752 398, Bahr. Mittelstandsband Südgau6282, Dah r. Bauern- undMittel- standsbund 184 362, Mieterliste 369, Heimat­treue Koburger 618, Lorenz Stühler 9857, Re­publikanische Partei 278. Für den Volksen t° scheid wurden gezählt für Ja 986 978, für Rein 1 012 305 Stimmen. Hiernach dürfte sich

der bayerische Landtag

etwa folgendermaßen zusammenschen: Bayerische Vclkspartei 30 Sitze, Völkischer Block 16, V. S. P. 14, Bauernbund 78, K. P. D. 7, Vereinigte Ratü. nale Rechne 67, Deutscher Block 13, Rationalliberale Landespartei einen Sitz. Wenn die noch ausstehenden Ergebnisse auch das Ge­samtbild zugunsten der Bayerischen Volks startet verschieben bürsten, so wird diese doch nicht mehr für sich allein m der Lage sein, eins Regierungs­mehrheit zu bilden. Wie eine Regierungsmehrheit überhaupt zustande kommen soll, ist noch un- aewch. Die .Münchener Zeitung" schreckt, bei den scharfen Tegensähen zwischen der Bayeri­schen DolkSpartei und den Völkischen sei an eine J^rmbtnattan zwischen diesen beiden stärksten bür­gerlichen Parteien nicht zu denken. Die »Baye­rische Zeitung" meint, dast sich unter den neu- gewählten Männern hervorragende Trösten be­fänden, lasse sich leider nicht sagen.

Einsprüche gegen den Personal­abbau.

Berlin, 7. 2lpril. (Walff.) Zur Personal­abbau-Verordnung sind nunmehr die Ausfüh­rungsbestimmungen bekanntgegeben worden. Rach ihnen werden Ausschüsse gebildet, die über die Einsprüche der entlassenen oder in einst­weiligen Ruhestand versetzten Beamten entscheiden, sofern der Einspruch damit begründet wird, dast der Beamte wegen seiner politischen, konfessionellen oder gewerkschaft­lichen Betätigung oder seiner Zugehörig­keit oderRichtzugehörigkert zu euer polit ischen Partei, zu einem politischen, korrfessivnellen ober Berufs verein abgebaut wurde. Der Einspruch ist binnen einer Ausschlustfrist von jtoei Wochen beginnend mit dem Tage, da die Bekanntgabe der Entlassung oder Versetzung in den einstweiligen Ruhestand aussprechenden Verfügung zulässig und schriftlich bei der Behörde einzulegen, welche die (Sntiaffung usw. verfügt hat. Die Einspruchs- schift must die Tatsachen entfalten, m t denen der Derstost begründet wird, und muh bie Be­weismittel be^ichnen. Der Einspruch kann nur von der ob er st en Reichsbehörde

Jubiläum skonZert des Vauerschen Gesangvereins.

Das Iubiläumskvnzert am Samstag abend zeigte den Ehor des Vauerschen Ge­sangvereins. der inzwischen eine beträchtliche zahlenmästige Verstärkung erfahren hat, in der schon oft gerühmt:n vortrefflichen stimmlichen Verfassung. Auch diesmal fielen die leichte, mühe­lose Höhe der ersten Tenöre und vor allem die mitunter wie prachtvolle Orgd-töne klingenden zweiten Bässe angenehm ins Ohr. Der Vortrag der Chöre verriet intensives Studium und bewies wiederum, dast der verdiente Chormeister. Herr OttoGörlach, unter dessen Leitung der Verein sichtlich einen merllichen Aufschwung genomnren hat. mit feinem Verständnis die nicht gerade sehr nachgiebige Materie des in seinen Auswirkungen ja ziemlich beschränkten Männerchors feinen Ab­sichten gefügig zu machen versteht. Mit anderen Worten: Planmäßige Chorerziehung eines sehr guten Stimm enm aterials.zweibedeutsameFaktoren, aus denen letzten Endes die Treffsicherheit, die Exaktheit der Einsätze, die im großen und ganzen befriedigende Intonation und bbe diesmal be­sonders auffallenden Ruancierungen und Steige­rungen t emittieren.

Aber das Programm! Wir können und wollen, gerade weil wir die beträchtlichen stimm­lichen Vorzüge und die ausgezeichnete Schulung des Vereins schätzen und anerkennen, nicht ver­schweigen, dah die Dortragsfolge eines mit so viel Eifer und Hingabe vorbere'.täen Männerchor­konzertes, um wieviel mehr eines Iubiläums- konzertes sich in der Auswahl und der Qualität

zurückgewiesen werden. Wttr mese oem Einspnlch nicht stattgeben, so hat sio vor der Ent­scheidung den zuständigen Ausschuß M Höven und darf von dessen Gutachten nur mit Billigung der Reichsvegieruirg abweichen. Hervvrzuheben ist, daß die,e Bestimmungen sich auch auf Beamte er­strecken, denen ihre Entlassung oder Versetzung in den einstweiligen Ruhestand schon vor dem Tage der Verkündung der Ausführungsbestimmungen bÄanntaemacht wurden. Für sie beginnt die Aus- schuhfrist von zwei Wochen mit dem Tage der Verkündung, dem 2. April 1924.

Die Forderungen der Eisen­bahner.

B e r l i n. 8. April. (Priv.-Tel.) In dem Konflikt Zwischen den Eisenbahnarbeitern und der ReichSvegicrung ist eine weitereVer- schärfung eingetreten. Beirat und Vorstand des freigewerkschaftlichen Deutschen Eisenbah- nerverbandeS nahmen einstimmig eine Ent­schließung an, in der das neuerliche Angebot des Rcichsverkehrsminlsteriums ab gelehnt und gefordert wird, daß der Lohn vom 30. März ab um 6 Pf. pro Stunde für alle Lohngruppen und Wirtschaftsklassen erhöht wird. Dec Achtstundentag sei grundsätz­lich für das gesamte Eisenbahnpersonal zu ge­währleisten. Zur Aeberwindung der gegenwär­tigen wirtschaftlichen Aotlage der Reichsbahn könne die Arbeitszeit auf 9 Stundentäg - I i ch verlange rt werden, falls die Mehr­arbeit durch einen Aufschlag bezahlt werde. Auch der Hauptvorstand der Christlichen Ge­werkschaft deutscher Eisenbahner lehnte in einer Entschließung das Angebot der Regie­rung ab und erklärte, gemeinsam mit den an­deren Eisenbahnerverbänden für die Forde­rungen der Eisenbahnarbciterschaft den Kampf aufzunehmen. Heute vormittag 10 älhr haben noch einmal Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts stattgefunden.

abzuneymen yaven, um die Austreibung aafl dem Hause au verhindern. Macdonalb sprach von der dringenden Rorwem?igkeit einer Reform des gesamten Systems der Armengesetzgebung und der örtlichen Steuerveranlagung und sagte, die Vor­lage müße als Teil der Regierungspolitlk und nicht als isolierte Frage behandelt wer­den. Baldwin und Asauith gaben ihrer entschiedenen älnzuf riedenhert mit der Rede Macdonalds Ausdruck. Brr der Ab­stimmung blieb die Regierung in der Minderheit. Der Premier teilte jedoch, mit, dah die Regierung aus dieser Riederlage nicht di« Konsequenzen einer Demission z'efan werde, sondern dir Frage des Mietzinses erneut in Gttvägung ziehen werde.

Kleine politische Nachrichten.

Rach einet Havasmeldung aus Mainz erhält Frankreich auf Grund von Abmachungen, die der französische Oberkommissar Tirard in Koblenz mit der deutschen chemischen Industrie ge­troffen hat, seit einiger Zeit beträchtliche Mengen Kunstdünger auf Reparationskonto. Außerdem seien in der vergangener Woche Züge mit Kartoffeln und Rübsamen nach den zerstörten Gebieten von Frankreich abgegangen.

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Der Papst empfing Herrn Krupp von Dohlen und Halbach, der dem Papst für alles dankte, was durch die Entsendung des Mcnsianore Testa für ihn und alle anderen Opfer des RuhrkampseS geschehen fct Im Vati­kan ist man über diesen Besuch sehr befriedigt.

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Der italienische Gesandte in Bern Gar­ba s s o und der jugoslawische Gesandte in Bern Bowamowits ch hinterlegten im Völker- bunbssekretariat die am 29. Januar 1924 in Rom abgeschlossenen Abkommen zwischen Italien und Jugoslawien, und zwar ein Freundschaftsvertrag, ein Zusatzprvtokoll über die gegenseitige Verständigung über die Abkommen, die die mitteleuropäische Politik der beiden Staa­ten betreffen, das Abkommen über Fiume und eine Anzahl von anderen Einzelabkommen.

Der Wohlsieg Muffolinis.

R o m, 7. April. (WTB.) Der den am Sonn­tag stattgefundenen Kammerwahlen foar eine außerordentlich starke Betellrgung der Bevölkerung zu verzeichnen. Die nationale Liste der Regie­rungspartei steht mit überwiegender Mehrheit an der Sprtze.

Rach den bis Mittag aus 51 Provinzen vor­liegenden Wahlergebnissen sind 64 Prozent der Stimmen für die Regierung abgegeben worden: sie erhielt 1 437 252 Stimmen. Von den Minder­heitsparteien erhielten die katholische Volkspartei 242973 Stimmen. Die Ver­einigten Sozialisten 158 642, die maxi- mali st ischen Sozialisten 150 005. die Kommunisten 87 381, die Republikaner 39 610 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 62 Prozent und überstieg damit die Beteiligung bei allen früheren Wahlen.

Die faschistische Presse stellt zu dem Wahl­sieg der Regierung fest, daß die Regierungsliste weit mehr Stimmen erhielt, als erforderlich waren, um ?56 Kammersitze zu erobern. Die Blätter weisen weiter darauf hin, daß jetzt

eine ruhige Entwicklung der italienischen Politik sicher

sei. Die Opposition verfüge nur über 179 Sitze, von denen die Italienische Dolkspartei dir meisten erhalten habe, so daßPofalo" mit dem Wahl- ergebois jufrieben ist. Da die Italienische Vvlkspartei eine starke Minde.heitspartei aeblieben ist, ist über die Aussichten ifaer bis­herigen bekannten Führer noch nichts bekannt. Rach der Italienischen VvUspartei kommen die GemaßigtenSozialisten. Die Wahl T u- ratis und Treves ist gesichert. Die Kom­munisten sind viel.eicht etwas stärker a.s bis­her. Die Wahl G i o l i 11 i s und von wenigen seiner Getreuen ist gesichert, aber sein älnterfel> herr Evrradini ist anscheinend geschlagen. Die Demokraten sind zusammengeschrump t. Do­no m i ist anscheinend geschlagen, dagegen ist die Wahl von Rasi, Amendola und di Ce­sar o 'gesicheri.Mondo" ist darüber besorgt und ruft nach Gesetz und Freiheit. Das BlattVico" hofft darauf, daß 6 Republikaner durchkvmmen.

Eine parlamentarische Nieder­lage Macdonalds.

London, 7. April. (WB.) Im -Unterbau» wurde die zweite Lesung der Regierungsvorlage über die Regelung des Verhältnisses zwischen den Hausbesitzern und arbeitslosen Mie­tern unter großer Erregung des Hauses wieder aufgenommen. Sic Regierung machte Mitteilung von der beschlossenen Abänderung der Klau­sel des ersten Eniwurfs, wonach die örtlichen Be­hörden den arbeiteten Mietern die Mietszahlung

der Chöre mcht in abfteigenber Linie bewegen sollte. Beethoven, Schubert am Anfang und zum Schluß Sonnet! Das ist für mich eine ft>rtgesetzte contradictio in adiecto. S. Köll- nerS ,21m Berg ström" und Goethes Der Schäfer putzte sich zum Tanz" in der Vertonung des bekannten Berliner Organisten A. Zander, dir ganz hübsche humoristische Züge trägt, können sich, wenn sie auch nicht gerade durch besondere musikalische Vorzüge bestechen, immerhin hören lassen. Potenzierte.Liedertafelei aber ist der Chor F. 11 l l r i ch sSchließ! aus deinHerz berLiebe" mit dem schmach­tenden Tenorsolo. Roch weniger hätte man das überreichlich lange Programnr mit dem kompo­sitorisch noch eine Stufe tiefer stehenden Chor I.m Busecker Tal" von W. Gernhardt, den wir diesmal der sesllichen Gelegenheit zu Gute halten wollen, belasten sollen. Leider gilt dies auch von dem patriotischen Chor des Konzertes, Sonnets mit den billigsten Mitteln (Quintsext­akkorde ufto.l) gearbeitetenRheintreue", der mit feinen endlosen Steigerungen noch nicht ein­mal die Schwächen des Gedichtes, das mit einem verunglückten Leitartikel eine fatale Aehnlichkeit hat, verdecken kann. Mit patriotischen Chören werden sich immer lebhafte Wirkungen erzielen lassen. Man sei sich gerade deshalb nicht nur der hohen vaterländischen, sondern auch der fünft- lerischen Ausgaben bewußt, die der Männerchor zu erfüllen hat, und in seiner Wahl kritisch und nochmals kritisch Für die Bekundung eines echten, wahren Patriotismus ist das Beste gerade gut genug. Beethovens »Die Himmel rüh­men", mit dem das Konzert machtvoll eröffnet wurde, noch mehr dem daraus gesungenen 23

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 8. April 1924.

Schonfrist für die Borauwekdnnll auf die Ein­kommen- und Körperschaftssteuer.

Durch Erlaß des Reichsfinanzministers vom 28. März 1924 ist für die Einreichung der Voranmeldung auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer eine Schonfrist wie bei der Zahlung der Steuer bewilligt. Außerdem wird bestimmt, dah mit den Einkommen- und Kör­perschaftssteuer-Doranmeldungen die Voran­meldungen für die Umsatzsteuer zu verbitrden sind. Für die Voranmeldungen für die Amsah- steuer besteht aber die Schonfrist nicht.

Wie der Hansa-Bund im ReichSfinanz- ministerium festgestellt hat, soll die Schonfrist bann auch für dte Llmsatzsteuer gelten, wenn dte Finanzämter die Abgabe der verschiedenen Voranmeldungen miteinander verbinden. Dar­über hinaus hat der Hansa-Bund beantragt, dah dte Schonfrist für die Abgabe der Vor­anmeldung allgemein auch auf dte Amsatz- steuer ausgedehnt wird.

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** Die Wählerliste (Kartei) der Reichstagswahlberechtigten liegt bis einschl. nächsten Sonntag zur Einsicht offen. Für Gießen mit der Gemarkunng Schiffenberg und Herrenwald liegt sie im Stadthaus, Berg­straße, Zimmer 14, auf. Werktags kann sie von 81 Llhr vormittags und nachmittags von 36V-- Ühr eingesehen werden, nächsten Sonn­tag von 812 Ahr. Einsprüche sino im Zim­mer 14 des Stadthauses vorzubringen. Wer nicht in der Wählerliste steht und seinen nach­träglichen Eintrag versäumt, geht seines Wahlrechtes verlustig.

** Die Genehmigung vonFunk- a n l a g e n. Von amtlicher Seite wird uns mit­geteilt: Rach der Verordnung zum Schutze des Funkverkehrs vom 8. März 1924 § 2 wird mit Gefängnis bestraft, wer ohne Genehmigung der Reichstelegraphenverwaltung eine Funk­anlage errichtet oder betreibt; der Versuch ist strafbar. CS tritt jedoch nach § 3 Straf­losigkeit ein, wenn die Genehmigung nachträglich innerhalb vierWvchen seit dem Inkrafttreten der Verordnung bean­tragt wird. Diese Frist läuft mit dem 16. April ab. Wer eine nicht genehmigte Funkanlage in Besitz hat, wird daher gut tun.

Psalm von Franz Schubert hing das Bleigewicht der gänzlich unzulänglichen Orchrster- begleillmg der Kapelle Weller, die durch dieverkürzten" Intervalle ihrer Holzbläser pein­lich auffiel, derart an den Fersen, dah der Chor zu einer eigentlichen klanglichen Entfaltung nicht gelangen konnte. Warum übrigste ausgerechnet der 2 3. Psalm, den Schubert ursprünglich für die Schwestern Fröhlich für zwei Sopran- und zwei Altstimmen mit Begleitung des 9 ia na forte komponiert hat? Männer- chöre von Schubert gibt es ja bekanntlich nicht! Wir möchten dem Verein für das neue Dezennium den gutgemeinten Rat erteilen, sich einer stilistisch einwandfreien Vortrags folge zu befleißigen, von der er in früheren Konzerten schon schöne Beispiele gegeben hat (Volks- liederkvnzert!), aber auch bei der Heran­ziehung von Hilfskräften (Orchester usw.) äußerste Vorsicht walten zu lassen.

Die Solisten! Eine buntgescheckte Drei­zahl. Herr Kurt Richter sollte den Kvnzert- saal meiden, besonders in unmittelbarer Rähr eines Hans Joachim Moser. (Das Auf­treten zweier Gesangssvlisten in einem Chor­konzert (!) erscheint mir überdies als program­matische Verirrung). Der durch seine umfassende, tiefgründige Geschichte der deutschen Musik weithin bekannte Hallenser Musik- h i st v r i k e r ang mit überfegener get iger Durch­dringung und anderst subtiler 6iiit|terung je eine Liedergruppe von Beethoven und Schubert, außerdem feine eigene vorn hm gestaltete Mahnung und betannte Lieder von Schumann, H. Wvlf und Pfitzner. Die fcnore THtD» feines mächtigen Daß-Daritons und

den Antrag auf Genehmigung schleunigst zu stellen. Bemerkt sei noch, dah auch Behörden (mit Ausnahme der Reichswehr), Schulen usw. verpflichtet find, für etwa vorhandene Funk­anlage, auch wenn es sich nur um Empfangs­anlagen handelt, die Genehmigung einzuhoren.

** Die Erhebung der vorläufi- genGewerbesteuer betttfft eine wichttge Bekanntmachung in unserem heutigen Anzei­genteil, dte wir der Aufmerksamkeit der Inter­essenten empfehlen.

** Fe st genommen wurden hier ein junger Mann aus Köln, der seinem Arbeit­geber 5000 Mk., die er zur Dank bringen sollte, unterschlagen hatte und damit flüchtig gegan­gen war; ferner zwei junge Burschen aus El­berfeld, von denen der eine seinem Arbeitgeber 13 000 Mk., dte er zur Poff bringen sollte, un­terschlagen hatte .Alle drei hatten sich von dem Gelde vollständig neu eingekleidet und das Geld dann bis auf einen kleinen Rest für sich verbraucht. Weiter wurde ein Mann fest­genommen, der hier vor IahreSfiist einen wertvollen Hund gestohlen hatte. Sämtliche Personen wurden dem Amtsgericht zugeführt und in LlntersuchungShaft genommen.

Bornotrzen.

TageSkalenber für Dienstag. Stadttheater: 61/2 älhr .Zar und Zimmermann". Deutsche Demokratische Partei: S1/* älhr im Felsenkeller Wähler Versammlung. Handwerker- bund: ,8 Ufa im Gewerbehaus Steuervortrag für Handwerker. Palast-Lichtspiele: Mmvottrage Auswanderung nach Süfamerikä.

Aus dem Stadt theaterbureau wird uns geschrieben: Es fei ausdrücklich auf die Anzeige in der heutigen Rümmer hingewtefen, wonach vorbestellte, nicht abgefalle ©intrit(Starten -um heutigen Operngastspiel von 5l/a Ufa ab an der Abendkasse anderweitig abgegeben werden.

Die Deutsche Volkspartei veran­staltet am kommenden Donnerstag abend (10.4.) in der Turnhalle an Oswaldsgarten eine öffentliche Wählerderfammlung, in der der Vorsitzende der hessischen Landespartei. Herr Rechtsanwalt Dingeldey -Darmstadt, über das ThemaD i e Politik der Tat" sprechen wird. (Siehe heutige Anzeige.)

Südweftdeutfcher Radioklub, Ortsgruppe Gießen. Morgen abend wich­tige Versammlung. (Siehe Anzeige.)

Verein Rudersport Gießen 1913. Donnerstag Monatsversammluns. (Siehe Anz.)

Wettervoraussage

Rachts noch leiser Fvvst, tagsüber milder und trüber, strichweise Regenfälle.

Landkreis Gießen.

rt Lich, 6. April. Anläßlich des Lieber- tritts des Leiters der hiesigen Stadtschule, Rektor Roth, nach etwa 40jäfaiger Tätigkeit als Schulmann in den Ruhe st and fand in seiner Klaste in Verbindung mit der Entlassungs­feier der Kvnfirmanden in Anwesenheit des KreiS- schulrats Fischer- Gießen und be5 Schulvor­stands eine schlichte Absch iedsfeier statt. Einem hiesigen Metzgermeister tourbe in der Sonntagnacht eine Kuh aus dem Stall ge­stohlen. Die Täter, zwei Männer, deren einer em Verhältnis mit der Magd des Destvhtenen hat, versuchten das Tier in Langsdorf an einen Viehhändler zu verkaufen. Dieser lieh sich zwar auf das Geschäft nicht ein, da er Verdacht schöpfte, erlaubte aber, daß das Tier ht fernen Stall ge­stellt wurde, wo es die Tater wieder abholen wollten. Sie sind jedoch nicht wieder erschienen, sondern spurlos verschwunden.

cu. Grohen-Duseck, 6. April. 3m dicht- besetzten Drückschen Saale fand heute die Ent­lassungsfeier der diesjährigen Konfir­manden durch Rektor Inderthal ftatt. Wäh­rend im ersten Teil die ernsten Worte des Rektors ergänzt wurden durch entsprechende Chöre und Ge­dichte der Schüler, die Zeugnis gaben vom Fleiß der Schüler, bot der zweite Teil in Gesang und Gedichten, sowie durch ein Stückchen Hans Sachs', ,Der Kuhdieb" und das Märchensptel »Hänsel und Gretel" heitere Unterfaltung. Die Pausen wur­den vorteilhaft durchInstrumentalmusir ausgefüllt. Großer Beifall belohnte alle Mitwirkenden für die vortrefflichen Darbietungen. Die Hand- arbeitsausstellung, verbunden mit Aus- Heilung der Schülerzeichnungen, er­freute sich am Rachmittag eines starken Besuches und fand reiche Anerkennung.

cu. Beuern, 7. April. Wie in den vorigen Jahren, findet auch in diesem Hahr kommenden Sonntag eine Handarbeitsausstellung, berbunben mit einer solchen der Schülerzeich­nungen der Oberklasse, statt.

Kreis Friedberg.

Dad-Ra u he im, 6. April. In btt Hauptversammlung des Dildungsvereins

die besonders in der baritonalen Sage glanzvolle Pracht seiner stimmlichen Mittel erreichten wohl in BeethovensWonne der Wehmuf und in Schuberts arrosen GesängenDem Unendlichen" und »M e m n v n" ifae erschüt­terndsten Wirkungen. Wie Moser, der geborene Oratoiienfänger, in der Klopstockschen Ode etwa in dem vorauslaufenden Rezitativ feinen Vor­trag den psychologisch bedeutsamen Modulattonen anpaßte oder mit wahrer Inbrunst den Ausruf ^Herrliches" und m dem nachfolgenden Hymnus die Stelleall ifa Sonnen auf der Straße voll Glanz" gestaltete, wie er imMeinnon" die Tragik der sprechenden Säule in Schuberts eigen­artiger romantischer Auffassung au erfühlen und überzeugend auszudeuten wußte, das waren ganz große, selten erlebte Augenblick. Leider fang Herr Professor Moser nicht mit, sondern trotz Begleitung. Eine solche Art des Akkom­pagnements, die noch nicht einmal als notenge­treue Wiedergabe des Textes bezeichnet werden Bann und hie und da völlig versagte, zeugt nicht gevade von großer Ehrfurcht vor unfern Meistern. Herr FrihCujö sollte feilten Part studieren und nochmals studieren und sich iricht in rührender Hilflosigkeit an die Frackschöße des Sängers hängen. Die Darbietung der As-dur-Q5aHabe Cfa> pins, derälnv^rmeidlichrn" für solche Zwecke, war eine grausame Exekution. Wehmütig bau« mellen die Lampen der groteskenMesse"beleuch» tung darüber, mit der man neuerdings auf wessen Vevinlasstmg eigentlich? den Konzert­raum der neuen Aufa glaubte bedenken gt müssen.