Ausgabe 
8.2.1924
 
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kann, also Schönberg- und Busonis geistreich« Thesen recht behielten. Aber wie könnte da- Aeußeve der Form entscheidend sein? Leben er­wecken und Funken schlagen cur- jeder Form kann nur ein grober schöpferischer Geist, die Ge­walt der Intuition, die bildende zwingende Kraft des Intellekts. mit der etwa ein Deelhoven das Kunstwerk seiner Persönlichkeit formt. Richt um Sinfonie- odei Gonatenform. sondern um kontra- punktische Forniung schlechthin gilt es Reger und weiter um die Erfüllung der Aufgabe, die erschöpfte Form der Bindung auf tonaler Grund» läge diatonischer Art durch dissonante oder al tarierte Bindungen zu ersehen. Reger hat sich durch Riemanns Einfluß für die Dreiklangs­tonalität unter starker Bevorzugung der Vertre­tungen entschieden, so daß sich eine harmonische Befreiung entwickelt, die mit einer völligen Um- gestaltung der kontrapunktischen Linie parallel läuft und schließlich zu jener Form höchster Kompliziertheit führt, dir mit vollkommener Ein­fachheit identisch ist. So wird Regers Werk zu einem gewaltigen tönenden Abbild der über­mächtigen önttoldtung seiner genialen Persönlich­keit. Und damit ist auch die Frage, ob es möglich sei, antike Formen modern zu beleben, für ihn positiv entschieden.

Bei den Gegenüberstellungen von Werken B a ch s und Regers an den Orgel- abcnden des 10. und 11. Februar wer­den dem musikalisch unverbildeten Hörer sich wesentlich Beziehungen zwischen Bachs Phan­tast e u n d F u g e i n O - Bk o l l und R e g e r» Pbantasieund $uge in C-OKoIL op. 29 ergeben. Plastisch und klar lebt die »riirierung an da« ältere Werk in Regers Schöpfung auf, be­sonders lebhaft in den Sechzehnielgängen der Fug«. Aber auch die heftig derauSgeschleuder- ten GefühlSausbrüche der abruvten Akzente m der Phan aste, die plötzlich ausstürmenden 3u>et- unddreihigftclläufe. die über'tchtltchen Sequenzen und die ganze S^irrnDnifie "ung, welche im ver­minderten Septinenakkord ihre äußerste Grenze zu haben scheint, kommen unmittelbar ans der Welt Dachs. Wohl glüht schon hier und dort die dämonische Chromatik des späteren Reger

«ni mllgetellt habe, dach er in der DerSchenr. Uchung der Schriftstücke über die Pariser Konfe­renz. von denen die meisten bereits in Frankreich oder Amerika veröffentlicht worden feien, nichts Rachtelliges sehen könne.

Dach Pariser Dlättermeldungen hat sich der britische Geschäftsträger gestern nachmittag zum Quai d'Orsay begeben, um daS Dedauern seiner Regierung über das von der ,Rew Bork World" veröffentlichte Interview zum Aus­druck zu bringen.

Der Kampf um die dritte Steuernotverordnung.

Berlin, 7. Febr. (WTD.) Der Fünf. ßehn«rausschr»h des Reichstag; Hal bcschloffen, bezüglich der Art.kel 1 (Aufwertung) und 2 (öffentliche Anleihen) der dritte« Sleuernotverordnung nicht in dir fachliche Be­ratung ein^utreten, sondern die Regelung der darin behandelten Gegenstände dem Reich «- 1 a g unter alsbaldiger Vorlegung eines Ge­setzentwurfes durch die Reichsregierung im Wege der ordentl chrn Gesetzgebung zu über­lassen. Wie die Blatter hören, vergrößern sich bei den Parteien des Reichstage- die Wider­stände gegen den Entwurf der dritten Steuer- notderordaung. Außer den Sozialdemo­kraten und Demokraten sollen jetzt auch die Deutschnationalen und die Kom­munisten entschlossen sein, die Verordnung spatesten- nach Wiederzusammentrilt des Reichstages zu Fall zu bringen. AuS par­lamentarischen Kreise« verlautet, daß die Re­gierung entschlossen sei, auf jeden Fall eine Notverordnung zu erlassen, daß aber noch versucht werden soll, im Wege von Kompro- mitzverhaudlungen zu einer Einigung zu ge­langen.

In den Beratung«« der Reichsrats­ans s ch 8 s s e über die dritte Steuernotver­ordnung hat die Regelung des Steuer- ausgleich- zwischen dem Reich, den Län­dern und Gemeinden den bre t st:n Raum ein­genommen und lebhrft? Meinungsverschieden­heiten hervor gerufen. GS wurden zahlreiche Abänderung San trage eingebracht.

Der italienisch-russische Vertrag unterzeichnet.

Dom, 7. Febr. (WTB.) Der ttaNenisch. rnsstsch« Vertrag ist heute abend unterzeichnet worden.

Hierzu teilt das Pressebuveau mit: (Vn Heber- einfttmmung mit den von Mussolini am 30. Januar im Parlament abgegebenen Erklärungen hat dieser der russischen Delegation am 31. Ja­nuar in der Schlußsitzung der Konferenz für den Handelsvertrag mitgeteilt, daß er, da nunmehr das Abkommen erzielt sei, die Frage der de jure-Anerkennung der ©oöjetrogierung als gelöst betracht«. Die italienisch« Regierung ist daher sogleich zur Ernennung eine« Dvtschafters Ov^Bl/^egterung in Moskau geschritten. Infolgedessen sind dl« posttischen Be­ziehungen zwischen den beiden Rationen vom heutigen Tag« an endgültig h « rg «st«llt und geregsSt

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Larmszenen

7 in der Pariser Kammer.

Pari-, 7. Febr. (Wolff.) In der heutigen Kammersitzung, der zahlreich« Mitglieder des Kabinetts, u. a auch Poincar 6 und Finanz­minister de Lasteyri« beiwohnten, gab eS heftige Auseinandersetzungen zwiscl)en dem Abg. Herr io t und Vertretern der Regierungspar­teien, in die auch Poincar^ einqriff. Gr entrüstete sich darüber, dah von dem Abgeordneten selbst dazu beigetragen werde, das Parlament in M i h k r e d i t zu bringen. Unter heftigem Lärm auf der äußersten Linken schwingt der Minister­präsident ein Stemplar der .HumanllS", die zu einer kommunistischen Demonstration vor dem

Kammergebäude aufgefordert hat, tmD ruft: .Humanite" appelliert nicht an die Kammer, sondern an die Pariser Bevölkerung" Die Zei­tung. die Poincare darauf beiseite wirft, kommt zufällig auf die Aktentasche des Kriegsministers . n?1 3U kiegen, der sie ergreift, zusammen­

knüllt und mit einer Geste des SkelS unter die Abgeordneten wirft. Das Zentrum klaschl Beifall, während die Kommunisten und Sozialisten in eine u n g e beute W u t geraten. Der kommu­nistische Abgeordnete L a f o n t wirft das zu einem Knäuel zusammengefaltete Blatt in der Richtung der Regicrungsbank zurück. SS trifft den Abge­ordneten Dar iac. Aus der Mitte wird darauf verlangt, dah der 5*antmerDoriiijcnbe über den Abgeordneten Lafont die Zensur verhängt. Der Lärm wird so groß, daß der Kammervoriiyende sich nicht durchzufetzen vermag. KnegSminifter M a g i n v t weist den Kommunisten von weitem drohend feinen Stiefelabsatz. Der Präsident hob die Sitzung auf.

Aus dem hessischen Landtag.

Darmstadt, 7. Febr. (Priv.-Tel.) Der Sonderausschuß des Landtags erledigte die Be­ratungen über die Grundsätze für den Avbau der Beamten und Anwärter, soweit persönliche Der- halmisse zu berücksichtigen sind Die Vorschläge über den organischen Abbau, Beseitigung und Zu­sammenlegung bzw. Aufhebung von Aemtcm und Dienststellen usw. werden z. Z. von der Regie- rungskommission beraten und sollen demnächst den Sonderausschuß beschäftigen. Der Ausschuß nahm bann die Beratung des Gesetzentwurfes über die Abänderung des Urtunbenflcm- pelgesetzes in Angriff, die in der von der Regierung vorgelegten Fassung int wesentlichen die Zustimmung deS Ausschusses fand:: auch der Tarif wird mit geringen Aenderungen gut- geheihen. Bei Ginzelsällen, wie bei der Errich- titnq von Börsen, Aktiengesellschaften, bei Er­laubniserteilung von öffentlichen Preiskeg:la, Preisschießen usw. hat der Ausschuß die Sätze noch erhöht.

Dann wurde ein sozialdemokratischer Antrag gegen den vom Rrich angeordneten geplanten Abbau der sozialen Fürsorge für In­validen, Kriegsbeschädigte und Kriegshinterblie­bene angenommen, ebenso ein Antrag des Zen­trums, der die Regierung ersucht, die seit 1. Dez. 1923 auf »Gotdmark" umgestellten Beamten- a e f ter durchgängig, insbesondere aber bri Den unteren Deamtengruppen möglichst bald zu erhöhe n.

Ein Antrag der Abgg. Dr. Büchner und Reiber will für die jetzt nach achtjährigem Schulbesuch zur Entlassung kommenden Schüler, soweit sie eine Lehr- oder Arbeitsstelle nicht finden konnten, ein neuntes Schuljahr unge­ordnet wissen. Abg. Brauer vom Bauernbund hält die beantragte Einrichtung wohl für die Städte für angebracht, für das Land könne sie aber nicht in Frage kommen, da die mittleren und kleinen Landwirte ihre Kinder schon aus Mangel an gelernten Arbeitskräften notwendig gebrauchen.

Kleine polittsche Nachrichten.

Wie vom Landesverband der Deutschen Volkspartei Hessens mitgeteilt wird, ist di« Dlät- termeldung, daß dieDeutscheVolkspartei Hessens für die kommende Reichstagswahl an Stelle deS bisherigen Abg. Dr. Becker den Landtagsabgeordne en Dingeldeh aufgestellt habe, aus der Luft Gegriffen. Die Deutsche Volks- Partei Hessens hat sich mit der Aufstellung ihrer Kandidaten für die kommende Reichstagswahl bisher noch nicht befaßt.

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Das amerikanische Hilfskomitee für deutsche Kinder (der Ausschuß des Generals Allen) will vom 1. März ab täglich eineMillion deut­scher Kinder mit je einer Mahlzeit versorgen. Bisher wurden 650 000 Kinder von dem Komitee gelpeist. Die Erhöhung der Hilfstätigkeit soll ohne Inanspruchnahme deutscher 2eben6mlttel auS den großen amerikanischen Vorräten in Ham­burg durchgeführi werden Die Lebensmittel sollen durch 1800 Verteilungsbureaus an 6000 Stationen gesandt werden, wo bann die Mahlzeiten an die Zinder airsgegeben werden.

Der Reichsanwalt hat vom Württemberg ifchen Landtag die Genehmigung zur trafveifclgung deS sozialdemokratischen Land-

Dach und Reger.

Stilkritische Bemerkungen.

Ob er richtig ist. Bach und R e g er tn einem Atem zu nennen, ober ob nur die Hervorhebung der Gegensätze: die klare Linie des Bichs chen Stils und Regers Alkordwirkung. Bachs Barock und Regers romantisches Ideal wertvolle Er- eebnlffe für die Beurteilung deS Regerschen Schaffens erbringt, läßt sich ohne weitauöholende, stilkritische ilntcrfu<bungen kaum entscheiden. Jedenfalls war Dach kein Romantiker, sondern wir sehen ihn nur mit den Augen einer sehr subjektiven Spätromantik, gegen deren Auswir­kung eine kräftige Gegenbewegung heilsam ein­gesetzt hat. Aber wenn wir unS künstlich den Blick für die Gemeinsamkeiten deS Bach- und RegerslileS verbauen und gar des Glaubens find. Reger habe In Dach auch nur den roman­tischen Meister verehrt, so verschieben wir in ganz bedenklichem Maße die Perspektive, unter der wir eine Gestalt wie Reger betrachten müssen, wir binden unS an die zeitgemäßen Wecke, die der Konzertsaal bietet, und gehen ahnungslos an jener Zeitlosigkeit vorbei, die letzten Endes nur ein Gegenstand unserer Ahnung fein kann. Die Fragen nach der Gemeinsamkeit zwischen beiden würden sehr tief in schwierige Probleme der Stilwandlung führen. Der zeichnerische Stil Dachs wird auch für Reger zur Schicksalswende, fein Werk steht und fällt mit der Frage, ob es ihm gelingt die Kontrapunktik deS zeichnerischen d'une teneur-Stils mit dem Ausdruck moderner Harmonie zu erfüllen. Die Wiedererweckung Dachs und feiner Vorgänger und damit ver­bundene archaifiercnde Elemente im Schaffen der Zeitgenossen führen zu jenem höchsten Grad« der Verschmelzung, der mit dein Wiederauf­treten eine- wirklichen OrgelstilS tatsächlich be­steht. An dieser Stelle könnte ntn tn gewissem 6hm den Angriffspunkt deS Regerschen Schassens crbtlcfcn. Hier erhebt sich aber auch sofort die gewichtige Frage, wie weit die Reubelebung alter Formen möglich und überhaupt von Wert 'st, oder ob ein Fortschritt in der Kunst nur durch Schaffung neuer Formen erzielt werden

ragsavgeorbneten Vtetnmayer wegen Lande-- v«^ats nachgesucht. Steinmarder batte umfang- reiches Mate ial über die geheimen Umtriebe der Nationalsozialisten tn Württemberg gesammelt und der Regierung zur Kenntnis gegeben. Da diese aber nicht darauf reagierte, veröffentlichte Strinmaher im September vorigen Jahre» tn der , Schwäbischen Tagwacht" Material über die S.lbsischutzorganlsa ianen. Des: Veröfientnchung scheint die Qxranlaffung zu dem Strafverfahren gegeben zu haben.

Die Konferenz des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes hat nunmehr beschlosfeil, den Kampf in der Düffeldorser Metallindustrie abzubrechen, weil die Unterstützungen, di« die Bezirkskonferenz vom 29. Januar in Dort­mund den Düsseldorfer Kallegen. die den Wider­stand weiter forischten, zugesagt hatte, nicht ein­gingen. Die Arbe tsaufnahme war am Donners­tag auf den Werken fast allgemein.

Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten Tast, der zur Zeit Vorsitzender des Obersten GerichtshoseS ist. leidet an einer schweren Magenerkrankung. Er muh das Zimmer hüten. Sein Zustand wird in seiner Umgebung al- ernst bezeichnet

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Die spanischen Delegierten haben am Quai d'Orsay da» Tangerabkommen unter­zeichnet.

Die Moskauer Räteregierung hat den zum Tode verurteilten General der Weißgardisten Pepeljajew und 20 Mitverurteilte zu Ge­fängnis begnadigt.

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General Huerta hat die Hauptstadt der mexikanischen Revolutionsregierung nach Tuxpan verlegt. Er soll dort mit fernem Generalstab an Bord eines Petroleurndampfers angekommen sein. Alle Revoluiionstruppen sollen Veracruz verlassen haben und mit dec Eisenbahn nach Tuxpan befördert fein.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 8. Februar 1924.

Erhöhung der Eisenbahnfahrpreise?

Der ReichsverkehrSminister hat den Ständi­gen Ausschuß deS Reichseisenbahnrates zu einer Sitzung auf den 20. Februar nach Berlin berufen. Zur Beratung stehen Vorlagen der Reichsbahnverwaltung über die Aenderung des Gütertarises und die Erhöhung der Personentarif«.

Zu diesen Vorlagen teilen di« offiziösen Deutschen Derkehrsblatter" fvtgcndes mit: Die Gütertarife sind bereit- am 20. v. M um 8 Prozent ermäßigt worden, und da diese Tarife auf die Wirtschaft und ihre Preisgestaltung von größerem Einfluß sind, als die Perfonen- fahrpreise.so ist anzunehmcn, daß derReich-- eifenbabnrat dem Entwurf des Aeichsverkehrsml- nlsteriumS zustimmen wird. Eine endgällige Ent­scheidung des Minister- wird selbstverständlich erst nach den Beratungen deS Reichseisenbahnrats erfolgen. Man rechnri mit einer Erhöhung von 33 bis 40 Prozent, und zwar nur für die dritte und vierte Klasse. Rach dem bis­her vorliegenden Entwurf dürften sich die neuen Fahrpreise wie folgt gestalten: Kilometereinhrits- sah für die vierte Klasse 3Ps. (bisher 2.2 Ps.), dritter Klasse 4,5 Pf. (bisher 3,3 Pf.): die Fahr- preise der zweiten Klass« sollen im.xrränbert blei­ben, der Kilometer also 6.6 Pf. kosten, unb di« Fahrpreise der ersten Klasse sollen sogar von 13,2 auf 9,9 Pf. ermäßigt werden, so dah das Preisverhältuis zwischen txn einzelnen Klas­sen gesünder wird und sich enger dem Staffelshstcm ausländischer Bahnen anpaßt. Die Schnell­zugszuschläge werden voraussichtlich eben­falls unverändert bleiben, betragen also für die erste Zone (bis 75 Km.) in der ersten Klasse 3,00 Mari, in der zweiten 1,50, in der dritten 0,50 Mk.: für die zweite Zone (75 bis 150 Km.) 6,00, bzw. 3,00 bzw. 1,00 Mk., und in der dritten Zone (über 150 Km.) 9,00 bzw. 4,50 bzw. 1,50 Mk. Da­gegen sind die Preise für Bett ka rten bereits mit Wirkung vom 1. Februar erhöht worden: es kostet eine Bettkarte erster Klasse 20,00 Mk. (bis­her 16,00 Mk ), zweiter Klasse 10,00 Mk. (bisher 8,00 Mk.) und im Liegewagen dritter Klasse 5,00

hinter den Roten. Die Fuge in ihrer bezwingen­den diatonischen und harmonischen Verständlichkeit hat manche am Stil deS reifen Meister- ge­messene Kritik gesunden, die vielleicht sogar er selbst, der bisweilen überkritisch gegen sich sein konnte, in formalen Dingen (etwa In der Ver­wendung der gleichen Tonarten hintereinander ober besselben Themas in wechselnden Tonarten in der gleichen Stimme In der Durchführung) gebilligt haben würde. Aber trotz allem! Welche Grazie der Bewegung, welche freudvoll« Kratt, welche Tiefe des Gefühls, welche gediegene Festig­keit in der harmonischen Faktur, die überirdisch klingende Klangwechsel ermöglicht, entfaltet die- ursprünglich erschaffene Werk, in welchem ein Hauptgedanke mit einem zweiten Thema in der Form der Doppelfuge verbunden ist, schließlich aber das erste Thema das triumphierenfre Uebtr- gewicht erlangt

Weniger übersichtlich lassen sich die Verbin- dung^linicn zwtsck«n den Passacaglien zie­hen, welch: die beiden Konzerte beschließen. Bachs (^-Moll-Passacaglia, welche in der Be­handlung des TbcmaS deutlichen Ehaconne- d>aratter trägt, ragt mit Ihren 20 Veränderungen über das gleich«, immer Wiede «kehrend: Thema und vor allem mit der stürmenden Macht ihrer Schluhfuge weit über den dämmernden Umkreis des Duxtehudeschen Vorbildes hinaus. Sie blieb mit ihrem grandiosen Thema die einzige ihrer Art im LorpuS der Werke deS Meisters. Der zum .Auseinanderfallen" neigende Sharakter dieser Gattung vermochte Bach nicht zu reizen. Reger hat auch nur zweimal dieser Form ge- huUngt, einmal in der weniger bekannten Intro­duktion und Passacaglia, v-Moll (1901) und bann in dem über-gewaltigen op. 12 7. welch:» dem Freunde Karl Sträube zur Einweihung der Orgel tn der Iahrhunderthalle zu Breslau im Jahve 1913 gewidmet wurde. Die lockenden Möglich leiten, die Stärken einer neuen Orgel zu zrigen. vor allem aber der bereits In der Phantasie deS Komponisten emporiträngende Stil der Tele­mannvariationen für Kfavier (op. 134) haben den Rahmen der 28 Variationen auch rein zellllch außerordentlich gedehnt, ja nahezu gesprengt btt

□Mart (Miher 4,00 Mk) zuzüglich 10 Prozen: Jet» merf gebubt.

Die Erhöhungen der Eiscndahnfahrpreife b-ürf- tew, wenn ter Rcichseise.rbuharat ixefen Vor­schlägen zustimmt, am 1. März d. I. In Kratt treten.

Anmerkung der Redaktiv« Dies« Rach, icht dürfte allenthalben starkes Erstau­nen Hervorrufen. In einer Zeit wo die Gehäller und Löhne sehr erheblich un.er dem Vorkriegs­niveau liegen, wo viel« Arbeiter für ihre Wochen­karten einen sehr beträchtlichen Dell ihre- Wvchen- verdienftas auigvben mässtn. was sogar zu so ka­tastrophalen Folgen führt, wie sie am M:n:ag aut EttingsHaulen tn _G.eße.i«r t^er" berichtck ünitben, wo man anhallenden Vreiscchbau fordert, ür dieser Zeit will di: Eisenbaynverwaltung einen Preis aufbau vornehmen, der gerade di« am wenigsten kapitalkrästigen DevöUei-mrgSschichten tefoncer» schwer treffen muß. Daß man die Prell« der zweiten Klasse unverändert lassen und die der ersten Klasse senken will. ersch:int uns verständ­lich, denn bisher war die Spannung der Preis« zwisch«n der vierten un> dritten Klaß« einerseits und der ersten andererseits sehr groß. Aber daß man deswegen di« unteren Klassen um 3 3 b i 6 4 0 Prozent verteuern will, erscheint mr»-doch et­was sehr merfcMu-ig. Man wirb nicht umhin kön­nen. der Oesfentlichkeit wenigsten- einmal eint Begründung für dieses Vorhaben zu geben Don dem Reich-eisenbahnrat wirb man verlange» müssen, daß er sich die ganze Wirtschaftslage der Bahn erst einmal sehr genau daraufhin ansieht ob nicht etwa durch BetriedSrtformen eine größere Ergiebigkeit de- Betrieb- zu erzielen ist, ch: er einer Verteuerung feine Zustimmung gibt, tie zweifellos verkehrSdroffelnd wirken und damit natürlich auch die Elfen.»ahn benach­teiligen wird. Im übrigen mag biefe Körperschaft auch einmal darüber nachdenken, wie eigenartig e- doch ist, bei stark verringerten Leistungen Ab- bau von Stationen und damit Unterbindung v)n Verkehrsmöglichleiten gesteigerte Bezahlung zu fordern.

DaS Eisenbahn Notgeld.

Rachdem tn der letzten Zell auf Paptermart lautendes und wertbeständiges Rotgeld der Län­der, Gemeinden ufw. in verschiedenen Ländern aufgerufen worden ist. find in der OeffentlicMdt Zweifel aufgetreten, ob auch daS Eisenbahn- n o t g e 11> jeder Art hiervon betroffen wird. Demgegenüber wird erneut von zuständiger Stell« darauf hingewiefen, daß sowohl da- n i ch t w e r t- be ständige Rotgcld der Reichsbahn («inschl. der Gutschein« der Reich-bah.nd:rektion«n) wie auch daS wertbeständige Sisenba(,nnotgeld bi- auf weiteres nicht aufgerufen worden und daher weiterhin wie gesetzliche Zahlungsmittel im Umlauf bleiben. Die Einlösung wird s. Zt. rechtzeitig und hn weitesten Umfange durch die Zeitungen bekarrrtgegeben werden.

Das wertbeständige Gifenbahnnotgeld ist wie wiederholt betont wird ein der Geldan­leihe vollständig gleichwertige- Zahlungsmittel, da eS im voller. Umfange durch Hinterlegung von Gvldanleihe und Goldschatzanweisungen gelackt Ist. Don der ReichSbank wirb es wie alles tpcrtbe» ständige Rotgelb, nicht als Zahlmittel. nbern alS Anleihewert betrachtet. Im Geschästsoerkehr and namentlich auch Im Zah'ungsreriehr mit den öf­fentlichen Kassen gilt es als vollwertiges gängige- Zahlung-mittet. Die Mit- Stieber des -Frankfurter Dankierveveins und bte sonstigen grösj«rcn Banken haben ausdrücklich er­klärt, es in Zahlung zu nehmen

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Di« Bezahlung der ^crnfprcchqcbijßren.

Für die Bezahlung der Fernsprechgebüh­ren hat daS ReichSpostministerium jetzt neue Richtlinien herausgegeben. Rach den bisheri­gen UebergangSd ftimmungen soll e den Teil­nehmern bekanntlich dann eine Zahlungsauf­forderung übersandt werden, sobald Die Ge­bührenschuld den Betrag von 10 Mark erreicht oder überschritten hat. Es hat sich dann aber ergeben, daß diese vorläufig festgesetzte Grenze für Teilnehmer mit hohem G -präch-umsatz zu niedrig, für andere dagegen, die nur gelegent­lich ein Ortsgespräch führetf, zu hoch bemesse« war. Daher wurde die jetzt mehr allgemein ge­haltene Bestimmung erlassen.öah Die fälligen

bann die abschließende Dovpelfuge mit Ihrer Her» sacken Durchführ-ung. mit ihren aegenfätzllchen Kontrapunkten und Verkünunqen ufw. nod ein­mal ehr alle 61 me in Bann schlagende Steige­rung bringt, wie sie allerdings nur einem Reges gelingen konnte Sind eS elimal Me riefen hafte Rkaße der Regerschen Werke, so verbocken auch andererseits die harmonischen und modillatorischen Elgentümllchkriten des rcifm RegerftilZ. die au- Strömunaen ganz and?rer Richtung 15c Kraft ge­zogen hatten, die besonder- im Thematischen starke Derwanbtschast der beiden Werie. manchmal selbst dem Wissenden.

Unmittelbar aber tn die gleiche S'lmmunq geistlicher Lyrik verseden die Lieder, welche Ruch Arndt singen wird Die B a ch s ch e n Lieber ent­stammen dem Gesangbuch, welche» der Zriher Schloßkairtor Georg Ehristtan Schc mellt tm Jahre 1736 bei Bernhard Ehristvpß Brellkopf tn Leipzig erscheinen ließ. Von 69 Liedern ist nur eine- als Bachsche« Origtnal bezeidnet: jedoch bat heute nicht nur die btbllognavhische sondern auch die stilkri ilch: Forschung weitaus die Mehr­zahl dem musikalifch'N Bearbeiter be» Gesang­buch-, 3. S Bach zuschreiben können. Die Samm­lung Reger«, deren Tette deM deutschen Psalter von Will Vesper entnommen sind, atmen dieselbe LebenSfehn'«cht wie die Dhor.il- verspiel« op. 135a. der Hymnu» d?r Lieb« op. 136 ober wie die acht geistlichen Lieder für gemischten Ehvr op. 138:

Bei beiden Meistern die schlackenlose ab­geklärte Kunst des Sitze«, die w'i-e Fülle der Modulationen. Ne gmz unirdisch« von inner- Nchstem religiösen Erleben durchzillert« Führung ber Stimme!

E« bleibt zu bedauern, daß man der Ba ch- schen Solokantatc .Schlage doch, ge- gewünschte Stunde", die cig ntllch al« Trauerarte zu gelten hat und >nZ auch ur­sprünglich unter oiesem Titel überliefert ist. nicht «tn Gegenstück Re^erS gegenüber stellen ümnie. Der Regecadenb wurde aber bann eine unerträg- l'ck»e Zeitliche Ausdehnung amt zürnen

Dr.H.2