gwei Freunde.
Roman von Wilhelm Hegeler.
f3. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
, Abgemacht I"
ilnb die beiden verabredeten Stunde und Ort.
Als dann aber die Stelle gekommen war, tt>o die W^r sich trennten, lieh Alt doch wieder den Kops hangen und erLärte, ihm wäre himmelangst, und er würde sich erst bei den Rachbarn erkundigen, ehe ec sein Haus beträte, lind Hans war schon ein ganzes Stück seine Straste hinuntergegangen, da sah er den Freund noch immer mit schiefem Kopf cra der alten Stelle stehen, und als Hans ihm winkte, legte er die Hand aufs Herz und winkte ab, als wenn er sagen wollte, da herum wäre ihm gac nicht wohl. Hans aber zog seine älhr hervor und dachte, wenn dieser winzige Stahljplitter nur um einen Zentimeter weiler- gerückt wäre, dann würde er alles wissen. Ein sonderbares Kältegefühl prestte seine Rippen zu- fommeji, kroch prickelnd über Rücken und Arme und lieh ihn bea Kopf zwischen die Schultern ziehen. Aber zugleich -Lang eine andere Kraft auf sein ausgemergeltes Gesicht den Ausdruck Endlich ergreifender Erwartung.
Was sich in diesen nächsten dvei oder vier Minuten erfüllen sollte, das hatte er während der
letzten langen Jahre vielhundert Mate durchlebt. 3n kahlen Lazaretten, in dumpfen Bauernstuben, auf endlosen Märschen hatte er die winkligsten Züge des Schicksals durchgegrübelt, durchgetostet inib durchgelitten. Er hatte in den Armen seiner Mutter gelegen, Annies grostäugiges Erschrecken, ihr Aufschreien hatte ihn erschüttert, und sein Mund hatte ihre Lippen geschmeckt. Den allen Jugendfreunden hatte er die Hand geschüttelt und Rächte hindurch mit ihnen Erlebnisse ausgetauscht.
Aber kaum minder oft war ihm das Haus seiner Mutter verschlossen gewesen, und Rachbarn hatten ihm mitgeteilt, dah sie gestorben sei. Dem Schmerzlichsten war er nicht ausgewichen, auch Annie war tot. Richt nur das: sie hatte an seiner Rückkehr' gezweifelt und sich mit einem anderen verheiratet. Aber gerade diese Möglichkeit war jedesmal von irgend etwas anderem, von feiner Liebe oder seiner Eigenliebe oder seinem Glauben an Annie entkräftet und zu nich:e gemacht worden, ehe sie mit ihrem Schmerz wirklich in ferne Gefühlstiefen eindringen konnte. Dagegen hatte gerade im letzten Jahr eine neue Empfindung über ihn Macht erlangt. Während er in Sibirien unter Dauern, ganz als einer der ihrigen lebend, die Axt geschwungen, den Pflug geführt oder abends beim Spiel der Balalaika mit den Mädchen auf primitiv derbe Art gescherzt Halle, war die Erinnerung an sein früheres Leben manchmal nahezu
erloschen gewesen. Gew ist Halle es Zetten gegeben, wo Ungebidd und Sehnsucht ihn verzehrten, zu anderen Zeiten aber war der Gedanke, dah er etwa wieder studieren und später als Richter fungieren, dah er als europäischer Herr gekleidet in einem feinen Zimmer mit einer kultivierten zarten Frau Gespräche führen, dah sein will.es abenteuerliches Leben auf einmal über Gerichtsakten, in cv.er Mietswohnung, zwischen Kollegen und gesellschaftlichen Deranstaltungen sich ab- svielen sollte: dieser Gedanke war ihm höchst befremdlich, u-iwahrfchinftch und fast erniedrigend erschienen. Und ohne Widerstreben Halle er sich dem Gleich mast der Sage hingegeben, bis irgendein Ereignis alles Weeder in ihm entfachte.
Ab:r im Augenblick war von derlei Stimmungen nichts in ihm. 3m Augenblick war er. entkräftet, zermürb:, durchfröstelr von der allgemeinen Riedergeschlagenheit, zugleich aber ganz durchglüht und wirklicht-eitsentrückt von jenen Wiederiehrnsträumen, nichts weiter als e n armer, glückshungriger, an Glückshoffnungen sich an- klammernder Mensch Und war zugleich doch so krampfhaft gespannt, so dünngeschliffen und wund, dah der leiseste Ton, fei'8 der Erfüllung, sei's der Enttäuschu-lg, fein inneres Gehäuse säst zertrümmern muhte.
Er Hingeltc am Hause seiner Mut er, Ein Dienstmädchen öffnete ihm etwas misstrauisch die Tür.
.3st Frau ‘Soklmarat zu HauS?"
„ Frau Dokellnann? Die wohnt nicht hter.^ .Frau Bokelmann!" wiederholte er heftiger. .Warten Sie mal.“
Das Mädchen schloß vor dem auf der .zwecken der drei eingebauten Steinstufen Stehenden die Tür und rief etwas ins Haus zurück, woraus eine andere Stimme undeutlich antwortete.
.Frau Bokelmann hat hier mal gewohnt," sagte das Mädchen bann, die Tür von neuem öffnend. .Aber sie ist gestorben. Schon vorige- Hahr."
.Danke!"
Gesenkten Hauptes, das rechte Dein ein wenig nachschleppend durch den glitschigen Schmutz des Dürgersleigs, ging Hans die Strahe hinunter.
Ach so! . , . So . . . So war's gemeint!
Rcrvos zerrieb seine in der RÜnteltasche steckende Rechte ein Fetzchen Papier.
Tot . . . Das war ja ein schöner Anfang! . . . Arme Mutter — hast gewih immer auf mich gewartet — hast dich noch in deinen letzten Stunden um mich gebangt. Tot . Was nun? Am beften ... am besten war's Wohl, man verschob den Rest auf morgen.
Das Kinn auf den nassen Kragen gepreht, den Dlick auf die von einer breiten Kotschicht um- ränderten Stiefelspitzen gerichtet, schlurfte er langsam weiter.
Fortsetzung folgt) 1
städttheater-Abonnement
Die zweite Rate für die 4. Abonnements- Serie ist bis zum 10. Januar 1924 zu zahlen.
Gießen, den 7. Januar 1924. [122B
Der Oberbürgermeister.
Theaterbauverein (0. m. b. H., Giehen.
Bekanntmachung.
Betreffend: Steuer- und Buchführungs-
Beratungsstelle.
Die Amtsstunden des Leiters der Stelle, Herrn Bücherrevisor und Steuersnndikus Will, sind vorerst aus jeden Freitag in der Woche, nachmittags von 3-6 Uhr, festgesetzt worden. Je nach Inanspruchnahme der Stelle werden weitere Amtslage ein-
geschoben.
Dietzen, den 7. Januar 1924.
Hessische Handelskammer Giehen.
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