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DieDolkspartei einmütig für Stresemann.

Tagung des g-nlralvorstandes in Frankfurt.

Frankfurt o. M, 6. Juli.

Die erste Tagung des Zentralvorstandes der Deutschen Dollspartei nach den Reichs tag. Wahl , n fand "peute in Frankfurt statt. Die Beratungen begannen vormittags 10 Uhr in den mit schwarz - weitz-roten Symbolen festlich geschmück en R.um.n des Physikalischen Institutes dec Llniversi.ät. Der Parteiführer Dr. Stresemann entbot den Ver­tretern aus dem Lande den Gruß der Parteilei­tung. Die Deutsche Bvllspartei hibe im letzten Wahlkampf Verluste erlitten, sie habe aber auch in manchen Gegenden erfreuliche Lrfolge erzielt. Las gelte besonders von süddeutschen Wahl­kreisen. In der D. V. P. wird es niemals eine Wainlinie geben. Sie denke aber mit Stolz daran, daß vom Süden aus mit seinen nationalen und liberalen Gedanken die deutsche Einhe.t ih e stärksten Impulse erhalten hat. Daß auch die heutige Tagung in solcher Weise zur Stärkung dec Partei und des Reichsgedankens dienen rm ge, mit diesem Wunsche erkläre er die Sitzung des Zentralvorstandes für eröffnet. Unter le ha tem Beifall verliest er sodann ein Schreiben des Sl,.reu« Vorsitzenden deS Zentoalvorstandes Ze rn Geh. Bat Dr. 2 o g e l - Dresden. Dieser gede kc la.in des Parteitages, der vor 30 Jahren in Fran, für l statlgesunden hat, auf dem man den Geburts­tag Rudolf von Bennings en S in beson­ders herzlicher Weise gefeiert hat.

Stadtverordneter Landgrebe begrübt die Tagung im Ramen des Wahlkreise- Hessen-Ras­sau und im Ramen der Frankfurter Deutschen Bvllspartei in den Mauern der alten Reichs­stadt. Frankfurt wolle die Mainbrücke sein und die Verbindung nach dem Süden Herstellen, zu­gleich aber sei es der nächste Zeuge des schweren Kampfes unseres Dolles im beseiten Gebiet.

Es wird dann in die geschäftlichen Beratungen eingetreten. Auf Antrag des Reichstagsabg. Dr. Zapf wird Dr. Stresemann wiederum un er grobem Beifall zum er st en Vorsitzenden des Zentral Vorstandes durch Zuruf ge­wählt.

In den Parteivorstand hat der Zen- itralvorstand weitere fünf Mitglieder zu wählen. Die Wahl fiel auf die Abgg. D i n g e l d e y. Dr. Kalle, Dr. Leidig, Frau Mende und Dr. Molden hau er. In den Geschäfts - führenden Au sschuß wurden gewählt die Abgg. Kempfes, Garnich, Dr. Becker-Hessen. Beythien, Dr. Cremer, Dr. Curtius, ferner Dr. Dietrich-Münch len, Frau Dr. Matz, Abg. Meyer- Herford. Frau von Oheimb, Dr. von Staub und Abg. Thiel.

Die Aussprache.

Rach einer kurzen Pause ergriff drr Partei- führer

Reichsminister Dr. Stresemann

das Wort zu einem einleitenden Bericht über Die politische Lage. Gr beschäfttgte sich Dabei wesentlich mit dec Außenpolitik mit Hinblick auf die Londoner Konferenz. D.s Ausführungen wurden mit größter Spannung verfolgt und mit stürmischem Beifall aufge­nommen.

Abg. St. v. Campe dankte in bewegten Worten für die glänzenden Darlegungen des Parteiführers und versicherte, dab die Partei auch weiter in Treue hinter ihm stehen werde. (Begeisterter Beifall.)

. In der Aussprache betonte Abg. Dr. Hu g o, dah die ganze Partei hinter der Äußen- rpolitik von Dr. Stresemann steht. Er sei der erste Außenminister, der die Situation zu unseren Gunsten beeinstuhte. Seine Außenpolitik müsse jaber von einer kraftvollen Innenpolitik ge­stützt werden, besonders auf wirtschaft- II chem Gebiete. Rach wie vor erstreben wir die grobe bürgerlicheKoalition (Leb­hafter Beifall.)

H i n h m a n n (Bremen) fordert Lösung der groben Koalition in Preuhen.

Abg. Dr. Moldenhauer stellt die DHeinlandfrage in den Vordergrund. Wir fordern auch die Räumung desSanktions- g e b i e t e s und die Wieder her st ellung der Menschenrechte im noch beseht bleiben­den Gebiete.

Abg. Dr. Leidig ging auf die Probleme der preuhischen Politll ein. Ziel der Land­lagsfraktion der D.B.P. war die Erhaltung eines unversehrten Preuhen. Diesem Gedanken hat sie ihre Politik untergeordnet. Sie ist immer bestrebt gewesen, die Reichspolitik zu stützen und zu erleichtern.

Abg. Burger (München) kennzeichnet das Verhalten der Rationalsozialisten, die angeblich wissen, wie es besser gemacht werden könnte, es aber ablehnen, diese Wege zu nennen. Rationale Opposition und verantwortliche Regie­rung mühten im Interesse des Erfolges verständ­nisvoll zusammenarbeiten. Die Partei muh ge­schlossen hinter dem Führer stehen, sonst ist's mit dem Erfolge vorbei. (Stürmischer Beifall.) Im Parlament müssen die Belange der Mittelschich­ten von uns ganz besonders vertreten werden.

Frau Abg. Mende unterstützt den Kumpf und die Aufllärungsarbeit über die Schuldlüge. Sie könne nur durch Forschungsarbeit und ohne den Ueberschwang der Gesühlsmähigkeit behandelt werden. 3m Auftrage der Frauen im Osten und im Saargebiet spricht sie dem Außenminister Dank sauS für die Haltung zur Schuldfrage. (Beifall.) ! Minister Dr. Stresemann

nahm noch einmal Gelegenheit, unter allgemeiner Zustimmung auf verschiedene in der Aussprache aufgeworfene Fragen einzugehen.

Abg. Dr. Becker (Hessen) stellt fest, dah die Zusammenfassung aller staatsbefahenden bürger­lichen Kräfte nicht durch unsere Schuld gescheitert ist. Unser Ziel einer solchen Koalitton bleibt je­doch unverändert be stehen.

H e m b e ck (Lüdenscheid) weist auf die schwierige Lage der Industrie hin und fordert staatliche Mahnahmen hiergegen. Er mahnt zur nationalen Disziplin, um die Außen- Politik nicht zu schädigen.

Abg. Dr. Schnee fordert vom Völkerbund Mandate für deutsche Kolonien. Das müsse eine der Voraussetzungen sein, falls wir einmal in den Völkerbund eintreten.

Eine

Entschließung

Ler Abg. Dr. Decker-Hessen, Dr. Kalle, Dr. Moldenhauer und Zapf wird ein- AL m m la angenommen:

Der Zentralvorstcrrd der Deutschen Dolkspartei billigt die Pollt k derReichs- regierung, insbesondere des Herrn Außen­ministers in der Frage des Sachverstän- digen-Gutachtens. Das Sechverständi- gen-Gutachtcn legt dem deutschen Volke große, über die gegenwärtige Leistungsfähigkeit so­wie über die mit dem Vertrag von Versailles übernonnncnm Verpflichtungen hinaus- gehende Lasten auf. Der Zentralvorstand ist sich darüber einig, daß diese Lasten, insbeson­dere nach der in den letzten Monaten eingetre- tencn Verschlechterung aller wirtschaftlichen Verhältnis)e n^r übernommen werden können, wenn mit Annahme des Gutachtens die Wiederherstellung der wirt­schaftlichen Einheit und der Ho­heitsrechte des Deiches, insbeson­dere der vertragsmäßigen Zu­stände am Rhein, gesichert ist. Dies erfordert vor allem die wirkt sch aft- liche und militärische Räumung aller über das Rheinlandabkom­men hinaus besetzten Gebiete, die Feststellung, daß Aeubesetzr ngen als Sanktio­nen in Zukunft ausgeschlossen sind, die uneingeschränkte Rückgabe der von der Regie verwalteten deutschen Dahnen, die Aufhebung der Zoll­grenze, ein Aufhören der Micum- Lasten angesichts der nun einsetzenden allge­meinen Reparationsleistungen, die Siche - rungderGrundrechtederDevolke- r u n g des zunächst noch besetzt bleibenden Ge­bietes vorder WillkürderDesahung, die Rückkehr aller Vertriebenen und Ver­hafteten und ihre Wiedereinsetzung in ihre früheren Stellungen. Der Zentralvorstcnd setzt als selbstverständlich vor­aus, daß Versuche, die Räumungsfristcn des a l t b e s e tz t e n Gebietes h i n a u s z u schie - ben, mit aller Entschiedenheit verhindert werden.

Das Sachverständigengutachten selbst sieht vor, dah ldu«h die gewaltigen, Deutschland auferlegten Leistungen die deutsche Währung nicht erschüttert und die Lebenshaltung der deutschen Bevölkerung nicht unter dl« der an­deren Naticnm herabgedrückt werden darf. Der Zenttalvorstanä ist sich darüber einig, daß so ungeheure Lasten dem deutschen Volke nur unter dies:n beiden Voraussetzungen zugemu­tet werden können."

Zur inneren Politik wurde ein Antrag Hvchnen (Stettin) nach längerer Aussprache an­genommen :

»Der Parteitag in Hannover hat in Ueber- ctnfitmmung mit der Reichstagsfrattion, der Fraktion des Preuhischen Landtages und dem Parteivorstand die Auffassung der Partei dahin kundgegeben, dah die D.B.P. sich fühle als der Mittelpunkt einer Zusammen­fassung aller staatserhaltenden bürgerlichen Kräfte. Der Zentcalvor- stand dankt der Reichstagsfraktion dafür, dah sie in Ausführung dieses Beschlusses sich in entschiedenen Bemühungen für die Bildung einer großen bürgerlichen Koalitionsregie­rung eingesetzt hat, Bemühungen, die leider durch das Versagen anderer Faktoren erfolglos geblieben sind.

Der Zentcalvorstand erkennt die Rotwen­digkeit an, dah die Reichstagsfraktion nach dem Scheitern dieser Bemühungen sich erneut zu ver­antwortlicher Mitarbeit in der Reichsregierung zur Verfügung gestellt hat.

Auf die Dauer können aber die bestehenden auhen- und rnnerpolitischen Schwierigketten nur behoben werden, wenn alle Volkskräfte zusammenwirken, die auf demDo den des Schutzes der Privatwirtschaft eine gesunde nationale Wirt­schafts-, Finanz- und Sozialpoli­tik treiben und sich in der Rotwendigkeit der Erhaltung des Staates und seiner Autori­tät in verantwortlicher Mitarbeit zusammen- finden."

Der Vorsitzende, Abg. Dr. von Campe, schloß darauf die Tagung mit Worten des Dankes und festen Vertrauens für die Zukunft der Partei.

Der französisch-polnische Danziger Hafen.

Warschau, 6. Juli. (Wolff.) Rach einer Meldung der Polnischen Telegraphenagentar wurde am 4. ds. Mts. der Vertrag zwischen der polnischen Regierung and einem französisch­polnischen Konsortium betr. den Dar eines in Gdingen anzulegenden polnischen HafensfürDanzig unterzeichnet. Dem Kon- fortium gehören an Battign olles, Schnei- der-Creuzot und die Polnische Industriebank in Lemberg. Der Bau soll einen Monat nach er­folgter Unterzeichnung begonnen und in fünf Jah­ren beendet werden.

DieAbrüstung" im besetzen Gebiet.

Rach einem Bericht aus Düsseldorf ver­langt die Besatzung von der Stadtverwaltung den Dau großer Daracken vor dem Regie­rungsgebäude für Pferde und Ge­schütze. Desgleichen soll die große Ausstellungs­halle für militärische Zwecke eingerichtet werden.

Düsseldorf gehört bekanntlich zu dem wider­rechtlich besetzten SanktionSgebiet, dessen Räumung von Deutschland als ©nmbbebingung für die Durchführung des Sachverständigenplanes erwartet und gefordert wird.

Um die amerikanische Präfidenl-

schast.

Cleve land, 6. Juli. (WTD.) Die Kon- ferenr der fortschrittlichen politi­schen Aktion hat Senator L a f o l l e tt e zum Präsidentschaftskandidaten ge äß tu. ein Wahipcogram.n angenommen, das ote Ver­staatlichung der Eisenbahnen, die Wiederherstel­lung der Besteuerung übermäßiger Gewinne, die Herabsetzung übertrieben 'hoher Tarife und meh­rere andere einschneivende Maßnahmen fordert. Das Programm begrüßt ferner das Streben des irischen Volkes nach Freiheit und Unab­hängigkeit.

Die Tatsache der Aufstellung eines beson­deren Kandidaten der fortlchrtttlichen oder ^pro­gressiven" politischen Aktton kann von beson­derer Bedeutung sein, denn diese von den Re- publikan?rn abgcsplitt.rte Der inigung, die sowchl die sozialistische Partei als die politisch orien­tierten Gewerkschaften umfaßt, stellt die Anfänge der Bildung einer n.aen dritten Partei (neben Demokraten und Republikanern) dar Die Ett- wicklung der politischen Lage dec Ver inrgten! Staaten folgt damit derjenigen in England.

Belagerungszustand in Brasilien.

Paris, 7. Juli. (WTB.) Havas berichtet aus Buenos Aires: Man teilt aus Montevideo mit, baß an der Grenze das Gerücht verbreitet sei, eine Aufstandsbewegung sei im Rorden von Brasilien ausgebrochen und daher der Belagerungszustand erflärt worden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 7. Juli 1924.

Der wirtschaftliche Wert der Sonntagsarbeit.

Vor etwas mehr als dreißig Jahren stand jedem das Recht zu, Sonntags in seinen Räumen soviel zu arbeiten und arbeiten zu lassen als ihm beliebte, wenn dabei nur störende Geräusche ver­mieden wurden. Der Ladeninhaber hielt von he­ben oder acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends seinen Laden am Sonntag geöffnet und schloß ihn nur während des VormtttagsgUtesbiensteS. Erst im Jahre 1892 griff die Reichsregierung ein, um die Sonntagsruhe, wie wir sie heute kennen, ge­setzlich einzufühcen. Daß diese Maßnahme nicht ohne starken Widerspruch durchgesetzt werden konnte, läßt sich denken. Es wurde geltend ge­macht, daß die Landbevölkerung keine Gelegen­heit mehr habe, ihre Einkäufe in der Stadt zu be­sorgen. daß die Kaufmannslehrlinge, welche wäh­rend des freien Sonntags sich selbst überlassen wären, verwahrlosen würden und vieles andere mehr. Aber bald merkte man doch, welchen Segen der freie Sonntag für Geschäftsinhaber und Ange­stellte bedeute. Das Publikum fügte sich, die ßanbleute tarnen an Werktagen nach der Stadt, selbst die gefürchtete Verwahrlosung der armen, geplagten Lehrlinge blieb aus und heute möchte gewiß Riemand mehr jene Zustande zurück­wünschen.

Diese polizeilich überwachte Sonntagsruhe er­fuhr während des Krieges eine Abschwächung. Die Kausläden blieben zwar geschlossen, aber der alte Geist der Unruhe nahm wieder überhand und so sieht man denn am frühen Sonntagm>rgen Kind und Kegel mit Karten und Kasten im Ac- bettskostüm zur Werktagsarbeit ausziehen. Meist ist es Gartenarbeit, aber auch in den Werkstätten und Wohnungen wird hantiert und es gibt Häu­ser genug, wo der Sonntag nur noch dem Ramen nach vorhanden ist. Da die Wohltat einer unbe­dingten Sonntagsruhe für den Einzelnen wie für die Familie und große Allgemeinheit fest steht, drängt sich die Frage nach oem wirtschaftlichen Wert der Sonntagsarbeit von selbst auf.

Wenn der Kleingärtner am Sonntag seinen Garten umgräbt, der Dauer eine Wie'e mäht oder der Weißbinder in der Werkstatt einen Schrank anstreicht, so wird damit eine Arbeit geleistet, die sonst noch hinausgeschvben worden wäre. Der Sonntagsarbeiter legt nach beendeter Arbeit sei­nen Spaten, Sense oder Pinsel vielleicht mit einer gewissen Befriedigung bei Seite. Aber schon im Lause der Woche wird er merken, daß auf seiner Sonntagsarbeit fein Segen ruht. Der sprichwört­lich gewordeneblaue Montag" der Schuhmacher und Schneider ist ein lebendiges Beispiel dafür, daß derjenige, welcher den Sonntag nicht hält, am Werktag in der Arbeit lästig fern wirb. Man könnte Dutzende von Beispielen anführen, wo der am Sonntag erarbeitete Vorteil sich ins Gegenteil verkehrte, aber hier frägt es sich nur, ob der Kleingärtner, dec Landwirt ober Handwerker in der Zeit, wo sie am Sonntag arbeiteten, nicht besser nach ihrem Hauswesen oder Büchern ge­sehen oder sich ihren Familien, besonders ihren Kindern gewidmet hätten? Es ist eine Schöpfuags- ordnung, daß der Mensch von sieben Tagen einen Tag von seinen Werken feiere.Die währe Spar­kasse der Menschheit," sagt ein englischer Staats­mann nicht mit Anrecht,ist die Sonntagsruhe" Die Erfahrung beweist hundertfältig, daß dir Sonntagsarbeit sich am Menschen rächt, indem sie ein vorzeitiges Rachlasten an Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit zeitigt. Rapolron konnte sich vorübergehend ßänber und Volker unterwerfen. Sein Kampf gegen den Sonntag war vergebens und heute noch wie vor dreitausend Jahren gilt das mosaische Wort von der Sonntagsheiligung.

Der bekannte Wohlstand im Judentum, wie der der englischen Geschäftswelt, wo streng auf die Einhaltung des Ruhetages geachtet wird, sind Tatsachen, welche zu denken geben. Ja, man kann noch weiter gehen und behaupten, daß ein Teil unserer Zeitkcankheit, Rervosität genannt, ihren Ursprung in der Mißachtung und im Miß­brauch des Sonntags zu suchen ist. Daß die mei­sten Körperverletzungen und ähnliche Vergehen am Sonntag begangen we den. ist beschämend für unser Volk, das sich christlich nennt.

Es gibt Menschen, die behaupten, sie könnten ohne Arbeit nicht (eben und ein arbeitsloser Tag sei erschreckend langweilig. Die Wahrheit ist aber die, daß ihr innerer Mensch verarmt und verödet sich' in Arbeit ober Vergnügen zu betäuben ver­sucht oder auch, daß es ihnen mit der Arbeit während der Woche nicht rechter Emst ist. Wer in dieser Zett fleißig war, braucht Ruhr zur Er­

holung und Sammlung neuer Kräfte. Das wjssea auch die englischen Pflanzer, welche ihren Plan- tagen-Kulies allwöchentlich einen Feiertag geben, obgleich Hindus und Buddhisten den Sonntag in unserer Act und Weise nicht kennen.

Der Mensch braucht auch geistige Rührung, wenn ec nicht zur stumpfen Gleichgültigkeit des Lastesels hecabsinlen'soll, der im Orient mit ver­bundenen Augen im Kreise gehend auch währmd des Sonntags das Schöpfrad bewegt. Sin gutes Buch, ein Gang zum Gottes Hause, eine Stunde beschaulicher Ruhe oder ein Gang ins Freie sind lichte Augenblicke, die über Sorgen und Be­schwerden des Alltags hinweghelfen. Sie sind mehr wert, als materieller Gewinn, dec keiner ist, und fragwürdige Vergnügen. Sie stehen jeder­mann frei selbst der vielgeplagten Hausfrau, wenn sie een Sonntagstiich schon am Samstag vorbereitet und ihren Zimmerherren bedeutet, sie mögen sich am Sonntag das Zimmer selbst in Ord­nung bringen. Es gibt noch Dörfer in dec Um­gebung Gießens, wo auch in der ungünstigsten Erntezeit die Sonntagsacbeit verpönt ist. Dec sichtbare Reichtum dieser Dörfer beweist ihren Unwert.

So ist denn der wirtschaftliche Wert der Sonntagsärbett nichts'werter als eine Täusch ung, ein Selbstbetrug schlimmster Ark,' weil jeder, der sie betreibt, durch fein Beispiel Mitarbeittt am Riedergange von Zucht und (5ttte und damit am Verderben unseres Volles. R.

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Die Reichs-Teuerungsziffer.

Die Reichsindexziffer für die LebenShal» tungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Kleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen ReichSamts für den 2. 3uli auf das 1,1 7billionen- fache der Vorkriegszeit. Die Steigerung von 5,4 v. H. gegenüber der Vorwoche (1,11 Billionen) ist auf die Erhöhung der Woh­nungsmieten, sowie auf den hohen Preis für Kartoffeln neuer Ernte zurückzuführen, die zum Teil in die Berechnung einbezogen wurden.

Für den Durchschnitt desMonats Juni berechnet sich die Reichsindexziffer auf das l,12billionenfache; gegenüber dem 1,15- billionensachen im Durchschnitt des Monats Mai ergibt sich eine Abnahme von 2,6 v. H. Die Crnährungskosten allein betragen im Durchschnitt des Monats Juni das l,2vbillio- nenfache der Vorkriegszeit.

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Giehener Wochenmarktpreise

am 5. Juli 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Dsd. 1,70 Mk., Matte Pfd. 30 Pf., Käse Pfd. 60 Pf., Eier Stück 13 Pf., Wirsing Pfd. 50 Pf., gelbe Rüben, Bund 15 Pf., rote Rüben, Bund 15 Pf., Römischkohl Pfd. 10 Pf., Dckhnen Pfd. 90 Pf., Blumeirkohl Stück 70 biS 80 Pf., Salat 3 Köpfe 10 Pf., Salatgurken Stück 80100 Pf., Ober-Kohlrabi Stück 10-25 Pf., Erbsen Pfd. 3035 Pf., Mischgemüse Pfd. 20 Pf^ Tl. maten Pfd. 80100 Pf., Zwiebeln Pfd. 20 Pf., Rettich Stück 30 Ps., Rhabarber Mb. 20 Pf., Pilze Pfd: 35 Pf., Kartoffeln, alte. Ztr. 3,805 Mk., neue Psd. 20 Pf., Dörrobst Pfd. 40 Pf., Kirschen, Pfd. 2550 Pf., Heidelbserrnj Psd. 45 Pf., Stachelbeeren Pfd. 2540 Pf.,' Johannisbeeren Psd. 3040 Pf., Erdbeeren Pfd. 120 Pf., Honig Pfd. 30 Pf.

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Die Feuerbestattung des Pro- vinzialdirektocs Matthias findet mor­gen nachmittag 3 Uhr im Krematorium zu Fried­berg statt.

** Eine öffentliche Stadtverord- neten-Sitzung findet morgen, Dienstag,nach­mittag 5 Uhr ttn Stadtverordneten-SitzungSsaale statt. Auf der Tagesordnung stehen nur kleinere Vorlagen.

* Rückkehrerlaubnisscheine für die Ausgetrrefenen. Aus Koblenz berichtet das WTD.: Rachdem die Rhernlandkommission für einen großen Teil der Ausgewiesenen die Erlaubnis zur Rückkehr erteilt hat, wurden die Polizeibehörden des Heimatortes der Rückkehren­den beauftragt, diesen besondere Rückkehr- erlaubnissche ine, die von den zuständigen Kreisdelegierten ausgestellt werden, zuzustellen. Cs ist daher dringend erforderlich daß die AuS- gewiesenen den Polizeibehörden ihres Heimatortes im besetzten Gebiet sofort ihre Anschrift mitteilen, da diese in sehr vielen Fällen nicht bekannt ist. Außerdem empfiehlt es sich dieser Mitteilung ein L i ch t b i l d beijufägen. Vorgeschrieben ist, daß den Ausgewiesenen der Eingang In das besetzte Gebiet nur mit einem roten Ausweis gestattet ist. Für die Ausstellung dieser Ausweise, die die Polizeibehörden deS Heimatortes vorzunehmen haben, bedarf es ferner der Mitteilung des Ramens, des Vornamens, der Staatsangehörigkeit, des Gebur-isdatumS, des früheren Woynortes im besetzten Gebiet und des Berufes.

* Der AusmarschzurRelchswehr- wvllwoche vollzog sich heute früh gegen 9 Uhr unter Dovantritt der Trommler und Pfeifer unserer Regimentsmusik vom Ludwlgsplatz aus. Hinter den Gespannen der Reichswehr marschier­ten zahlreiche freiwillige jugendliche Helferinnen und Helfer in flottem Marsch daher, denen man die Freude, an diesem edlen Werk Mitarbeiten äu dürfen, deutlich ansehen formte. Der Zug schritt geschlossen bis zum Marktplatz, hier zweigten barm schon einzelne Kolonnen ab und begannen alsbald mit Begeisterung ihre löbliche Sammel­tätigkeit. Möge ihnen überall eine freundliche Auf­nahme und reiche Spenden zum Besten unserer hilfsbedürftigen Mitbürger gewährt werden!

** Anlagenkonzert am morgigen Dienstag, 6 Uhr nachmittags, amTheater- platz, ausgeführt vvm Musikkorps des 1. (Hess.) Batts., 15. Inf.-Regts. unter dec Lei­tung des Obermusckmeisters L ö b e r. Masiksolge: 1. Acmeemarsch II, 206 Versailler Festmarsch zum 18. Januar 1871 von A. Trenkler. 2. Ouvertüre z. Oper: ,.Die lustigen Weiber von Windsor" von O. Rikolai. 3. Einzug der Gäste auf dec Wart­burg. Marsch und Chor aus der Oper:Tann­häuser" von R. Wagner. 4. Fantasie aus der Oper Mignon" von A. Thomas. 5. Fridericus Rex, Grenadiermarsch (Armeemarsch II, 198) von F. Radeck.

** Kirschen und Wasser. Alljährlich/ ordert die Unvorsichtigkeit, auf Kirschen Wasser J zu trinken, zahlreiche Opfer. Unter entsetzlichen«