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Aus Dem Hessischen Landtag.

Don u nferer Darmstädter Redaktion.

Darmstadt, 5. Jam. Der Finanzausschuß beriet Kapitel 9 und 10 des Voranschlags (Finanz­gesetz, Steuer ufw.). Der Mehrbetrag, der durch Beschlüsse des Ausschusses und durch die Besol- dungserhöhrrng im Etat entstanden ist, beläuft sich auf rund 11 Millionen Mark. Rach Mitteilung der Regierung können zur Deckung aus den Reichs­überweisungen 6 Millionen Mark herausgxzogen werden. Ferner ist bei Kap. 88 (Soziale Fürsorge und Wohlfahrtspflege) ein Betrag von 10 Mill, vorgesehen, der um 3»/»Mill, gekürzt werden kann. Bei der Abstimmung wurde Kap. 9 einstimmig angenommen, dazu auch ein Antrag Lu? und der sozialdemokratischen Fraktion, der Landtag möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, das) eine progressive Einkommensteuer eingeführt wird. Kap. 10 (Finanzgeseh) wurde en blöc angenom­men. Die Regierung wurde hierbei ersucht, spä­testens bis 1. Oktober über die Eingänge aus Svndersteuern von Gebäuden Rechnu ig vorzrr- legen, um darüber beschließen zu können, wie weit die Mehrerngänge zur Förderung des Wohnungsbaues b rcitgestellt werden kön­nen. Ferner wurde beantragt, daß nicht nur 10 Proz. von den in Kap. 10 Ziffer 3 einge­stellten 10 800 000 Mark also 1 080 000 Mark zur Förderung der Reubautätigkeit eingestellt wer­den, sondern daß etwaige Mehreingänge, die über den Betrag von 10 800 000 Mark hinausgehen, restlos zur Förderung der Bautätigkeit Verwen­dung finden. Ein Mitrag der Abg. Knoll und Hofmann-Seligenstadt: Der Landtag wolle be­schließen, die Regierung zu ersuchen, die im Fi­nanzgesetz für das Rechnungsjahr 1924 festge­setzten Steuersätze für den landwirt­schaftlich bebauten Grundbesitz und dasGewerbe möglichst bald zu ermäßigen und außerdem in zwingenden Fällen Stundung zu gewähren, wurde ebenfalls angenommen.

(Sine Nachtsitzung des Mecklenburgischen Landtags.

Schwerin, 6. Juni. (WTB.) Die gestrige Vollsitzung des Mecklenburgischen Landtages, die um 3 Ahr nachmittags begann und um 8 Ahr abends von den Pressevertretern verlassen wurde, dauerte die ganze Rächt bis heute früh 41/2 Ahr, also 131/2 Stunden. Die Landtagsstenographen begnügten sich damit, die Ramen der Redner und das Ergebnis der Abstimmungen festzuhalten. Im übrigen setzte die Mehrheit des Landtages von den Deutschnationalen bis zu den Sozial­demokraten ihren Willen durch: sie durch­kreuzten die Absichten der Kommu­nisten, den Abschluß der Etatsbera- tung zu verhindern. Gegen 4 Ahr nachts konnte die zweite Lesung beendet werden. Die Widerstandskraft der Kommunisten war ge­brochen. Sie konnten gegen die dritte Lesung keinen Einspruch mehr erheben, da sie nur über vier Stimmen verfügten. So wurde die dritte Lesung rasch durchgeführt, woraüf sich der Land­tag um 41/2 Ahr auf den 17. Juni vertagte.

Die Ausreisegebühr.

Berlin, 7. Juni. (Priv.-Tel.) Zu der Mel­dung eines Berliner Abendblattes über eine ge­plante Verdoppelung oder sogar Ver­dreifachung der Ausceisegebühr von 500 Mk. erfährt dasD. T." von unterrichteter Seite, daß diese Angaben vorläufig durchaus haltlos seien. Es 'hätten zwar gestern Besprechungen über diese Frage stattgefunden, jedoch seien irgend­welche Beschlüsse nicht gefaßt worden. Eine Klä­rung der Angelegenheit dürfte in diesen Tagen überhaupt wenig wahrscheinlich sein, da der Reichsfinanzminister gar nicht in Berlin werle. Auch die Mitteilung, daß eine Entscheidung des Reichskabinetts unmittelbar bevorstehe, entspreche nicht den Tatsachen.

Englands Außenpolitik t und die Dom nlons.

London, 6. Juni. (WD) Der liberale Ab- F geordnete Sir Edward Grigg hat in einer Rede im Anterhaus darauf hingewiesen, daß der Ve r- » trag von Lausanne der einzige Friedens- Vertrag sei, der nicht vom britischen Ge­samtreich unterzeichnet worden ist. Die Hauptverantwortung dafür ruhe auf der früheren britischen Regierung, weil das Reich nicht ein­geladen worden sei, Svnderbevollmäch- tigte zu den Lausanner Verhandlungen zu ent- senden. In Canada werde die Ansicht ver­treten, daß die britische Regierung die es -Ver­fahren eingeschlagen habe, weil die französische Regierung erhärte, daß, wenn das bri ische R ich eine Delegation zu den Verhandlungen entsende, Frankreich auch durch eine Delegation ein­schließlich der Sultane von Marokko vertreten sein müsse.

Wenn Großbritannien die Verpflichtung über­nehme, einen Krieg zu führen und diese Ver-

Die Vantiger.

Roman von Hermann Stegemann.

22 Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Zuerst trieb es Bantiger zum Tunnel, und er freute sich der Fortschritte, die der Bau auf dir'er Seite machte. Im glatten, bequem geschichteten Gestein lag die große Röhre wie ein Büch enlauf gebettet und gebohrt, und die Luft strich kühl und trocken durch die Galerie, die ins finstere Schuss '.chloch hinausblickte In einem weißs..-äu- mendcn Schwall stieg der Fluh gurgelnd und kochend ans Licht und füllte den Schrund, der zwischen dem Argestein der Hochfluh und dem Abhang des Wolferberges klaffte, bis zur Höhe der ersten Randstufe.

Ens blickte auf die schwarzen Tannenbänder hinab, zwischen denen der Strudel wallte, und atmete durstig die aufsteigende Luft.

Da schrie Lenz ih ins Ohr. das vom Brausen des 'Wassers und dem Stampfen der Betonma­schine angefüllt war und den Ton seiner Stimme kaum vernähen:

Wenn Pvmetta mit seinen Leuten dort hin­ten der Rvrdmannschaft die Hand reicht, wo der Felskopf mit den zwei Zacken über die Hori­zontale des Wolfenbergrückens emporstrebt, dann ist's geschehen."

Was ist geschehen? Ich binde mich nicht an eure Vertrage." Aufschnellend warf sie ihm die zornigen Worte ins Gesicht und wandte sich rasch zum Ausgang.

Er blieb bestürzt zurück. Er wußte nicht, was aus ihr gesprochen hatte, und wagte den Dater nicht danach zu fragen, denn der Baumeister

Pflichtung Von den Dominions gebilligt würde, so verwickle es die Dominions trotzdem in einen solchen Krieg, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob es diesen Dominions genehm sei oder nicht. Lloyd George erklärte im Verlause der De­batte, diese Frage berühre vitale Pu alte der Ver­fassung und Beziehungen des britischen Reiches. Der Lausanner Vertrag stelle in drei wichtigen Punkten einschließlich der Regelung der Frage der Kapitulationen ein vollständiges 21 b - weichen von den in Paris gefaßten 'Beschlüssen dar, trotzdem seien die Domini)ns nicht zu Rate gezogen worden, es sei kein Wunder, daß sie protestierten. Der Vertrag werde kaum das letzte Wort in der Regelung der türkischen Frage sein. Lloyd George sagte weiter, man schicke sich an, einen neuen Versuch zu unternehmen, die Re­parationsfrage auf der Grundlage des Eachverständigenberichts zu regeln. Er bitte Mae- donald, bevor er sich aus die Konferenz, die un­vermeidlich sei, begebe, die D 0 m i n i 0 n s zu Rate zu ziehen und sie zu dieser Konferenz ein­zuladen. Welche Schritte gedenke Macdonald zu tun, um die Ansichten der Dominions festzustellen, die ein unmittelbares pekuniäres Interesse an dieser Regelung hätten?

Die französische Präsidentschaftskrise. Paris, 7. Juni. (Havas.) Die Ministerkrise hat sich gestern nachmittag ihrer Lösung genähert. In der Tat scheint es sicher, daß der Präsi­dent der Republik heute den Politiker be­ruft, dem er die Bildung des Kabinetts an­bieten will. Alle Anstrengungen des Staats­chefs richten sich darauf, ein Kabinett der Linken zu bilden, dessen Zusammensetzung und Programm dem Ergebnis der letzten Wahlen entspricht. Das so gebildete Kabinett würde sich der Kammer am nächsten Dienstag vorstellen. Es soll dann eine Ministerialerklärung verlesen wer­den, an die sich eine Debatte über die ge­samte politische Lage anschließen würde, in der insbesondere über die Frage des Prä­sidenten der Republik verhandelt werden würde. Die Kammer soll entsprechend der For­derung des Staatschefs abstimmen, so daß es jedem möglich wäre, seine Verantwortung zu übernehmen, ohne Gefahr zu laufen, den nor­malen Gang der Verfassung zu verletzen. Falls diese Voraussetzung nicht erreicht werden sollte, soll der Präsident geneigt sein, eine a n b e r 1 Lösung der gegenwärtigen Krise ins Auge zu fassen. Er soll dann beabsichtigen, ein Kabinett zu berufen, dessen einzige Aufgabe es fein würde, dem Parlament

eine Botschaft Millerands zu überbringen, durch die es aufgefordert wird, sich durch eine Abstimmung über die Präsident­schaft auszusprechen. DerMatin" berichtet, Mil- lerand habe nach den gestrigen Verhandlungen mit 15 Parlamentariern seine Ansicht nicht ge­ändert, er habe den Eindruck, daß der Teil der Parlamentarier, der den Widerstand gegen den von Herriol ausgehenden Streik billige, sich ver­größere. Millerand werde jetzt seine Konsulta­tionen fortsehen Der Politiker, mit dem er das Programm der Linken durchzuführen ge­denke, sei der Generalgouverneur von Algerien und Senator von Paris Steeg, der heute vor­mittag in Paris ankommt. Auch dasEcho de Paris" bezeichnet Steeg als den Mann, dem Millerand das Ministerium anvertrauen werde Anter den Männern, die Millerand ferner zu berufen gedenke, werde vor allem der Rame Klotz genannt Die Kammer werde jedenfalls von Millerand gezwungen werden, in einer öffent­lichen Debatte die Verantwortung zu übernehmen und unzweideutig ihren Willen ausdrücken. Eine große Anzahl Radikaler und Radikal-Sozialisten haben nach dem gleichen Blatt gestern erklärt, der Präsident der Rep >b if w rde fein Ministerium mit einem der genannten Per­sönlichkeiten bilden können.

Wenn aber trotzdem ein Ministerium vor die Kammer treten werde, werde die Mehrheit sich weigern, mit ihm in Beziehungen zu tre­ten. Eine TagSsorknang in diesem Sinne sei eingebracht worben.

Das Blatt des Blocks der Linken, dasOeuvre", beurteilt die Bemühungen des Präsidenten der Republik wie folgt: Milke.and wisse jetzt, daß er nicht mehr auf die Ele nente der Minderheit zäh­len dürfe. Die Republikaner die er gestern ge- sprvch n habe, hätten es ihm unzweideutig zu verstehen gegeben. Man behauptet, daß Mrlle» rand am Donnerstag abend einem von ihm be­rufenen Senator erftäd hat, wenn nötig, bilde ich 10 Ministerien. Dreie Kampflaune müsse wohl gestern erheblich gesunken sein, nachdem er vergeblich einen Appell an die Linksparla- mentarier gerichtet habe, werde er jetzt ein

kannte jetzt keine anderen 'Dinge, als die Geschäfte des Tages.

Erst als es Abend geworden war und sie auf der unbegangenen Straße gemefen heimwärts fuhren, nahm Lorenz die ©elcg n e.t wahr, nach dem Grund dieser Erregung zu fragen. Er tat es, ohne den Blick von dem weißen-Straßenband zu verwenden.

Der Baumeister saß neben ihm, Vvonne und Agnes hatten sich ins Innere des Wagens unter das Verdeck zurückgezogen. Staubfeiner Sprüh­regen feuchtete die Luft, und der grelle Schein der Laternen wucks zu einer v palfarben schillern­den Lich' hülle, die das Automobil van allen Sei­ten umgab.

Der Baumeister hatte sich ermüdet zurück e- lehnt. Die Besichtigung des Tunnels und der großen 2ln tagen und die Leitung der beiden Ver- waltungsiatsfitzungen, in denen er sich gegen den Vorwurf der GeldversMeuderunq hatte wehren müssen, als et neue Kredite forderte hatte 1 leine Kräfte verzehrt. Er hatte sich knapp behauptet, und der halbe Sieg freute ihn nicht. Es war ihm gelungen, seine Müd gleit zu ixrEe-gen, aber nun mußte er sich ciewal'ig zusammennehmen, um das ausgeräumte Hirn zur Sammlung zu zwingen und dem Sohne zu antworten.

Was soll die Frage? Ich verstehe dich nicht," gab er zurück.

Der Sohn blickte schweigend geradeaus. Er fühlte, daß er dem Vater Zeit laßen muhte, sich zu besinnen.

Rach einer Weile begann der Baumeister zu sprechen, kurz, abgehackt, Worte, die der Wind verwehte, beinahe ein Selbstgespräch, und Lorenz Bantiger sah, steuerte und horchte, und im Waaen-

Rechtsravrnelt sich bilden lassen, natürlicy cm Kabinett von sehr kurzer Dauer, das den Auftrag haben werde, sich stürzen x u las- s e n und Millerand einen verfass ungs- mäßrg en Grundzum Rücktritt za geben. Eine Frage wäre nur noch, ob die Regierungs­erklärung nach der Botschaft des Präsidenten ver­lesen werden soll. Aber mit oder ohne Botschaft, das Kabinett werde jedenfalls Millerand in sei­nem Sturz m i t r e i fre n. Wenn nicht Andor» hergesehenes eintrete, werde man Mitte nächster Woche zur Präsidentenwahl nach Ver­sailles gehen.

Die Revolution in Albanien.

Belgrad, 7. Juni. (WTB.) Hier liegt noch keine Bestätigung vor für die Rachricht von der Besetzung Tiranas durch die re­volutionären Truppen. Doch erfährt die Wremje" aus Skutari, daß die Regierung und die Regentschaft in höchst kritischer Lage seien. Revolutionäre Züge aus dem Süden hätten die Stadt. Berat beseht und ständen kurz vor Ti­rana. Sie seien gestern mit den Regierungs­truppen zusammengestoßen in der Nähe des Dor­fes Dhwjak am Flusse Skunba. Die Regie­rungstruppen seien geschlagen worden und die Revolutionäre hätten den Fluß über­schritten. Rach letzten Meldungen sei die Schlacht noch in vollem Gange.

Der italienische Gesandte in Belgrad, Ge­neral Ogrero, und der jugoslawische Minister des Auswärtigen, Rin ts ch i tsch, haben über die Vorgänge in Albanien konferiert.

Beide Staaten gehen von dem Grundsatz aus, daß die Anabhängigkeit von Albanien auf- rechterhalten werden müsse.

Es müsse Albanien unbenommen bleiben, feine inneren Fragen nach Belieben zu regeln. Aus­geschlossen sei daher eine italienische oder jugo­slawische Intervention in Albanien. Im Zu­sammenhang damit polemisieren die italienischen Regierungsblätter gegen den PariserTemps", der wiederum versucht hätte, Mißtrauen zwi­schen Jugoslawien und Italien zu säen, indem er behauptete, Italien Hütte die jüngsten An­ruhen in Albanien angestiftet,©ordere Ita- liano" findet, daß das Rervenshstem des offi­ziösen Pariser Blattes stark erschüttert sei und daß die französische Regierung eine riskante unruhige Politik verfolge. AuchRuovo Paese" greift die französische Regierungspolitik scharf an und gibt zu verstehen, daß Italien auch keine andere Intervention dulden werde, die das bestehende Gleichgewicht im Adria- tischen Meere ändern würde.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichstagsausschuh für aus­wärtige Angelegenheiten, dem 28 Mit­glieder angehören, hat zum Vorsitzenden den Sozialdemokraten Mueller- Franken und zu seinem Vertreter den Deutschnationalen Graf Westarp gewählt. Die nächste Sitzung wird am 17. Ouni das Sachverständigengutachten und even­tuell den deutsch-russischen Zwischenfall zum Gegenstand haben.

Der Reichsminister des Innern hat den für den 8. Juni in Leipzig geplanten Reichs- arbeiterkongrehRoten Tag" ver­boten, weil er lediglich zur Vorbereitung des von der kommunistischen Partei geplanten Am- sturzes dient.

w

Auf der Tagung der Landesvorstandschaft der Deutschen Volkspartei (Rationalliberale Partei) in Bayern kam ausnahmslos der feste Wille zum Ausdruck, im nationalen und liberalen Sinne f ü r d i e Politik der Reichspar- t e i einzutreten. Eine Entschließung dankt der Reichstagsfraktion für ihre Bemühungen um die Bildung eines großen Dürgerblocks.

Die Deutsche Volkspadei hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, her die Außer­kraftsetzung des Reichsmietenge­setzes verlangt. Die Angleichung an die Fde- densmiete soll nach dem Antrag spätestens bis 1 . April 1925 vollzogen sein.

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Die von den Franzosen am 5. Mai verhaftete Genei-alsekretärin der Deutschen Volksparter für Westfalen-Süd, Käthe R a h m l 0 w, wurde vom französischen Kriegsgericht freigesprochen. Fai Rahmlow wurde vorgeworfen, Matedal besessen zu haben zu dem Zweck, feindselige Handlungen gegen die Befahungstruppen zu begehen. Sämt­liche Schuldfragen wurden vom Gericht ver­neint.

Das Aebereinkommen über die noch aus­stehende strittige Frage zwischen China und Deutschland soll unterzeichnet fern. Die Ver-

innern lehnten Vvonne und Agnes, Vvonne im Genuß der Fahrt verloren, Ens von einer schme-z- hasten Spannung beherrscht, für die sie keine Lösung wußte.

Lenz fing des Vaters Worte mit gierigem Ohr.

Ja, es war ungeschickt von mir ich hab' ihr halb im Scherz vom Tunneldurchschlag und von Pvmetta gesprochen sie tat, als verstände sie's nicht froh darüber und nicht mehr daran gerührt jetzt reih' ich alle nach und bring das Werk zu Ende.---Schaffen, Lenz, schaffen

er sitzt am Fjord pinselt die Ens ist ein Steinweib Seele im Stein ich fürcht' keine Gefahren der Pvmetta ist ja, Prachtbursch in vierzehn Tagen Ens wieder in Runs Jugend gehört zu C'ugcnb ich nie mehr an den Antersee lah es brennen das Haus auf dem Antcrsberg Sih für den Jörg, wenn ich keine Steine mehr wälze da drüben Eiben­moos lah die Ens Bantigers Tochter sie haben mir den Kredit gekürzt lahme Hunde Knochen abnagen ich bau' ihn doch der Roll, der Scharsf, die Länderbanf was schert mich der Balkan ob Krieg oder nicht ich bau bist mein Sohn fahr zu lah die Ens bauen bauen!

Der Sohn antwortete nicht. Seine Hände griffen fester ins Rad. Der Trotz des Vaters, der furchtbare Kampf, in den er ihn verstrickt sah, teilte sich seiner stilleren, kargeren Ra'ur mit, und als er ihn Ens zweimal deutlichDan- tigers Tochter" nennen hörte und den Stolz auf das eigene Blut sogar in dem Hinweis auf das Haus am Antersee und den meifterloen Bruder auf leuchten sah, da wurde Lorenz Bantiger von

yanviungen seren umn FinanAmnnper uno eurem Vertreter der Deutsch-Asiatrschen Bank geführt worden. Das wichtigste Merkmal des Aeberein- kommens sei die Wiederaufnahme der Zahlungen auf die deutschen Dar- leh en, die sich auf 2 230 000 Dollar belaufen.

Die Türkei hat sich mit der Aufklärung über die italienischen Truppenansamm- lung'en auf Rhodos zufriedengestellt erklärt.

*

Die türkisch-englischen Verhandlungen über die Morfulfrage sind gescheitert.

Aus Stadt und Land.

©leben, den 7. Juni 1924.

Pfingsten.

Wenn ein Geschichtsschreiber der Zukunft das Bild des seelischen Lebens unserer Zeit festhalten wird, so wird er von ©rohem und Tüchtigem schreiben können. Eine Heber fülle von Intelli­genz auf allen Gebieten der menschlichen Betä­tigung, eine hochgesteigerte Technik, politische Schu­lung in Volkskreisen, die früher ganz zufdeden waren, wenn Jie von anderen geleitet wurden, ernsthafte, weitverzweigte Bemühungen, geistige und künstlerische Kultur auch denen zu bringen, die in harter Arbeit um das tägliche Brot ringen, diese Geistesströmungen sind jetzt nicht nur für das deutsche Volk, sie sind für alle Kulturvöller charakteristisch. Ob aber bei der heutigen Mensch­heit auch viel Glücksempfinden anzutreffen ist, diese Frage wird großen Zweifeln begegnen. Dor ungefähr 20 Jahren redete man zum ersten Mal von hem politischen Impedalismus der Englän­der, Imperialismus finden wir jetzt überall. Jeder will sich durchsetzen. Man beachte, in welcher Form sich die geltend machen, die sich in Sachen der Bevölkerniigspolitik, der Jugendpflege, über­haupt zur Beratung wichtiger Fragen des Volks­lebens zusammengeschlvssen haben.Wir fordern wir verlangen die Gesetzgebung, die Parla­mente, die Regierung müssen", in dieser Tonart bewegen sich ihre Resolutionen. Die Zahl derer, die heute regieren wollen, ist fast so groh, wie die Zahl derer, die regiert werden. Im Staats- unb im Volksleben, auch im religiösen Leben ein ungestümes Drängen, sich geltend und den ande­ren sich untertan zu machen. Keine Rücksicht auf den Rebenmenschen, keine Schonung seiner be­rechtigten Eigenad, keiner gibt sich Mühe, den anderen verstehen zu lernen. Die Dichtung und die Kunst eines Volkes sind das Spiegelbild seines inneren Lebens. Es fehlt der heu.igen Dichtung und Kunst das Stille, Innige, Zarte, Gemütvolle. Goethe, Mödke, der fromme Riederrheiner Ter- steegen, die Ronrantiker, die unbekannten Dichter unserer Volkslieder, Ludwig Richter und Moritz, von Schwind, auch wohl Haydn und Mozart, würden Fremdlinge sein, wenn sie erst heute unter uns getreten wären. Es mag paradox klingen, aber bei allem Geiste jetzt viel Geistlosigkeit, bei aller Intelligenz wenig vertieftes Seelenleben.

Die Welt, in die Jesus eintrat, war der unfrigen sehr ähnlich. Der Impedalismus der Römer, die Anruhe im religiösen Leben des Morgen- und Abendlandes, die abfter&nbe Kul­tur der Griechen, das Hin- und Herwandern der Völker, das rücksichtslose Streben nach Geld, alles wie heute. Durch diese Welt ging Jesus wie ein reines, unschuldiges Kind, das von der Härte der Menschen nichts weih. Er ging durch die Strahen Jerusalems und über die steinigen Ge­birgspfade Judäas als der Bote aus einer ande­ren Welt. Ihn kümmerten weder die Edikte br: römischen Machthaber, noch der Streit der Par­teien in Jerusalem. Er wollte nichts sein als ein Führer zu Gott und damit der Führer zur Friedfertigkeit, Barmherzigkeit, R.inheit des Her­zens, Freiheit von Sorge und Schuld, mit einem Worte, er wollte den Menschen die Seligkeit bringen. Diese Güter, diesen Geist, den heiligen Geist, hat er denen mitgeteilt, die an ihn glauben. Auch wenn man jene Vorgänge, die sich am Pfingstfeste des Jahres 33 im Tempel zu Jeru­salem abgespielt haben, nicht restlos durchdringen und beschreiben kann das Heilige ist national, es soll und kann nicht verstandesmäßig zergliedert

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am 1. Juni

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hauen.

(Fortsetzung folgt)

Gottfried Bantiger sah wie aus Stein ge­rn. Er fühlte sich innerlich erschüttert und

einem elementaren ©efühl der Zusammengehörig­keit, ja des Einsseins mit dem Vater ergriffen, und plötzlich drehte er ihm das Gesicht zu, in dem die Augen dunkel unter den gefurchten Brauen standen, und rief ins Sausen des Windes:

Sie verstehen dich nicht du btft ihnen zu groh aber wir schaffen's die Ens der Jörg ich alle eins, asfles von dir geh's um Verrecken, Vater. wir schaffen's!"

werden das steht fest, dah die Jünger damals eine Geistesmitteilung in großem Ausmahe erlebt haben. Gottes heiligen Geist, wie er in Jesus zur Erscheinung kommt, hat die Christenheit stets besessen. Das bezeugt Paulus mit dem Worte« Sie Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, ©üt: gfeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit." Das vielgeplagte, von tausend Röten bedrückte, aus unzähligen Wunden blutende Geschlecht der Gegenwart w rd zur Stille, zum Frieden und zu einem seelischen Geben von tiefem Gehalte kommen, wenn es nicht nur am Pfingstfeste, dem Feste be8 billigen Geistes, son­dern allezeit sich an des Heilandes Wort hält, dah der Vater im Himmel den heiligen Geist denen geben wird, die ihn darum bitten. H. B.

hielt sich deshalb gerade. Er hatte alle Müdig­keit abgefchüttelt. Der Sprühregen zerrann in seinen Augenwinkeln zu salzigrn Tropfen, und er genoß die Zugluft wie berauschenden Wein.

Da trat der Wagenführer plötzlich mit aller Gewalt auf die Bremse Der Wagen schleuderte, die Hinterräder hoben sich einen Äugend ick vom Boden, prallten wieder auf, und schleifend, rut­schend kam das schwere Gefähet, hart nach der Dergseite abgelenkt, mit einem Ruck an der Bö­schung zum Stehrn Ein wilder Apfelbaum fing den Stoß. und schüttelte seine Früchte polternd über das Verdeck.

Gellend schde Vvonne, krampfhaft urnllam- mede Ens den Racken des Vaters, gegen den sie Im Aufprall geworfen worden war.

Loren; Bantiger saß ruhig. Er hatte alle Griffe blitzschnell ausgeführt und hielt nun Rad und Handbremse umflammed. Der Baumeister aber brüllte, indem er sich mit einem Ruck aus den Armen seiner Tochter löste und den abgebro­chenen Ast des Apfelbaumes zur Seite stieß:

Gottverdamm, Pvmetta, bist hu das Leben leib?"

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