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Einiges vom gute« Wandern.
Frohen Herzens werden an den Feiertagen und auch weiterhin im Verlaufe des Sommers allsonntäglich bei schönem Wetter Tausende hinausziehen in Gottes herrliche Natur, um sich dort neuen Mut und neue Kraft für den schweren Werktag zu holen. Mögen die Wanderscharen, ein gutes und frohes Lied auf den Lippen, mit lachenden Augen unb weitofsenen Herzen rüstig ihres Weges ziehen, mögen sie dabei aber auch auf gute Wanderordnung haltenI Dazu gehört, daß man im Walde nicht mit dem Feuer hantiert, weil sonst gar zu leicht verheerende Waldbrände entstehen können übrigens ist das Hantieren mit Feuer im und beim Walde auch gesetzlich verboten und mit strengen Strafen bedroht! —; es gehört weiter dazu, daß man den Wald schont, das grüne Gewand und die Blüten der Bäume nicht in Massen abpflückt,- ein kleines Zweiglein am Hute oder am Kleid sollte allen genug als sichtbare Erinnerung an die Waldesherrltchkeit sein: was darüber ist, wird erfahrungsgemäß ja doch bald wieder weggewvrfen und in den Staub der Straße getreten. Freude am Schauen, kein Raub am Wald, das ist rechte Wandererart I Man laufe auch nicht kn die Aecker und auf die Wiesen, nur um ein paar Blümchen zu erhalten. Respekt vor dem Eigentum des Landmannes, Achtung vor seiner Arbeit, deren Produkte ja uns Städtern zugute kommen. Genau so, wie yt-an Jeine eigene Arbeit geachtet, sein Eigentum unbeeinträchtigt sehen will, muh man auch dem Landmann gegenüber handeln. Laßt die Blumen im Acker und auf den Wiesen stehen, dort erfreuen sie mit ihrem Liebreiz noch viele andere Dorüberziehende! FreundlichesWe- s e n beim Durchschreiten der Dörfer und st r e n g e Zucht gewinnen dem Städter die Achtung des Landvolkes, sie helfen den Gegensatz überbrücken, der leider noch vielfach zwischen Stadt und Land klafft. Ehrfürchtiges Schweigen bei den Gotteshäusern währendder Andacht, dankbares Haltmachen bei einem Kriegerdenkmal am Wege sind geeignet, den Ge- nuh der feiertäglichen Erholung in dem groben und schönen Gvttesgarien zu erhöhen. Wer mit solchen Grundsätzen und voll Liebe und Begeisterung für unsere schöne deutsche Heimat hinauszieht in die Fluren und Walder, der zeigt, dah die wahre Kultur in seinem Herzen eine Heimstätte hat. i
Die Reichs-Teuerungsziffer.
Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den 4. Juni wie in der Vorwoche auf das 1,13billivnenfache der Vorkriegszeit. Für hen Durchschnitt Mai berechnet sich die Reichsindexziffer auf das l,15billionenfache; gegenüber dem l,12billio- nenfachen im Durchschnitt April ergibt sich eine .Steigerung von 2,7 Prozent. Die Crnäh- rungskosten allein haben im Durchschnitt des Monats Mai das 1,26billionenfache der Vorkriegszeit betragen.
Gießener Wochenmarktpreise
am 7. Juni 1924 (Händlerpreise).
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 2 Mk., Matte 40 Pf., Käse 60 Pf., Wir- sing 60 Pf., Spinat 50 Pf., Römischkohl 30 bis 50 Pf., Spargel 90 Pf. bis 1,40 Mk. das Pfund, Eier 12 Pf., Blumenkohl 50 Pf. bis 2 Mk., Salat 20 bis 25 Pf., Salatgurken 1,50 bis 2 Mk., Ober-Kohlrabi 50 Pf. das Stück, Mischgemüse 35 Pf., Tomaten 2,20 Mk., Zwiebeln 20 Pf., Rhabarber 20 Pf. das Pfund, Lauch 5 bis 10 Pf. das Stück, Rettich 80 Pf., Radieschen 20 Pf. das Bund, Kartoffeln, alte, Zentner 4,80 bis 5,50 Mk.. neue, Pfund 30 Pf., Kirschen 70 Pf., Stachelbeeren 50 Pf., Erdbeeren 2 Mk. das Pfd., gelbe Rüben 60 Pf. das Pfd^ Bienenhonig mit Glas 1,20 Mk.
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•• Von der Freien Bereinigung des Stadtparlaments wird uns mitgr- teilt, dah bei der Generaldebatte über den Haushaltsvoranschlag der von uns als Zentrums- vertteter bezeichnete Redner im Auftrage der Freien Bereinigung gesprochen hat, die sich aus den Deutschnationalen und den beiden Zentrumsvertretern zusammenseht.
•’ Sparkassen-Reisekreditbrief- Verkehr. Die Sparkassen des Deutschen Reiches geben seit dem Jahre 1920 einheitliche Reisekreditbriefe aus. Die Vorzüge dieser Sparkafsen- Deisekreditbriefe sind von dem reisenden Publikum in den wenigen Jahren feit ihrer Einführung allgemein ernannt worden. Die Kredi Briefe gewinnen bei den jetzigen stabilen Zahlungsmitteln erneut an Bedeutung. Ausgabe und Einlösung der Reisekreditbriefe erfolgt durch fast sämtliche Spar- und C4rvkassen, Stadt- und Kreisbanten «nd Girozentralen. Die technische Handhabung ist die denkbar einfachste. Für die Abhebung ist außer der Vorlage des Kreditbriefes noch ein
amtlicher, mit Lichtbild versehener Ausweis, Der auch von der ausgebenden Sparkasse selbst ausgefertigt werden kann, erforderlich. Die Briefe werden bis zu einer Höhr von 5 000 Rentenmark ausgestellt. Das Guthaben des Kreditbriefinhabers bei der ausgebenden Sparkasse wird bis zum Tage der einzelnen Abhebungen verzinst. Der Reisende ist durch den Reisekreditbrief der Mitführung gröberer Mengen baren Ge.des und aller damit verbundenen älnbequemlich'eiten und Gefahren (Verlust, Diebstahl) überhoben. Auch die hiesige Sparkasse ist Ausgabe- und Einlösungsstelle dieser Reisekreditbriefe. (Siehe heutige Anzeige.)
** Ein Iugendtag in Giehen. Für den Gedanken der deutschen Jugendherbergen werben soll ein (Zugendtag, der für den 2 9. Juni geplant ist. Gießens Hugendbünde haben die Vorbereitung und Ausgestaltung des Tages übernommen. Räheres wird noch bekanntgegeben.
** Die städtische Gemäldesammlung mit den Gustav Bock-Stiftungen im Neuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, ist am 1. und 2. Pfingstfeiertag von 11 bis 1 Ähr unentgeltlich geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung von Erwachsenen Zutritt.
■** Eine Auslieferung. Der frühere Leiter der Dürerschule Hochwaldhausen. Reuen- dqrff, gegen den ein Verfahren wegen Sittlich- kernsverbrechens anhängig ist, wird auf Betteiben des hiesigen älntersuchungsrichters von der argentinischen Regierung ausgeliefert.
** Der Rentnerbund hat die Kohlenversorgung feiner Mitglieder aufgehoben. Näheres ist im Anzeigenteil zu lesen.
** Die Heuernte in den städtischen Anlagen soll am nächsten Mittwoch, versteigett werden. Näheres im Anzeigenteil.
** MatthäuSgemeinde. Am Sonntag, 15. Juni, veranstaltet die Matthäusge- meinde im Philosophenwald einen Familientag, verbunden mit einem Waldfest der Kinder aus der Kinderkirche.
** „Die Finanzen des Großherzogs." Unter diesem Titel läuft seit gestern in den Palast-Lichtspielen am Kirchenplah ein sehr interessanter Film, dessen spannende Handlung Thea von Harbou nach dem bekannten, mit feinem Humor geschriebenen gleichnamigen Roman des Schweden Frank Heller für den Film bearbeitet und -die eine sehr geschickte Regie bann in glücklicher Weise herausgebracht hat. Die Darstellung ist vortrefflich, die technischen und finanziellen Mittel einer modernen Regiekunst sind sichtlich in weitgehendstem Maße in den Dienst der Sache gestellt worden, und so bekommt man denn einen Film vorgeführt, der jedem Besucher Freude bereiten unb ihm gar manchmal ein behagliches Lachen entlocken wird. Eine gute Dilderschau von den Ereignissen der Woche bereichert den genußvollen Abend noch in bester Weise.
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— Tageskalender für Samstag. Ruderllub Hassia: 8V2 Uhr im Bootshaus Mit- glieder-Versarnrnlung. — Sportplatz Trieb des D. f. B.: 7 Uhr Wettspiel. — Palast-Lichtspiele: „Die Finanzen des Grobherzogs". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Alfons Dix, Grell Grittlh und „Gobseck". — Astoria-Lichtspiele: „Die Welt in Flammen". — Rundfunkhaus Löbersttahe: Nachm. Unterhaltungsmusik, abends Oesterreich. Abend. — Radiohalle Kirchenplatz: 8V2 Uhr Konzert.
— Tageskalender für Pfingsten. Erster Feiertag: Rundfunkhaus Löberstrahe: 81/? Uhr Konzert. — Lichtspielhäuser wie Samstag. — Zweiter Feiertag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Pat und Patachen" und „Fatty als Heiratskandidat". — Astoria-Lichtspiele: „Die Welt in Flammen". — Rundfunkhaus, Löber- straße, 8V2 Uhr Konzert.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nochmals sei auf die Aufführung der hübschen Neuheit „Der Ehestreit" von Zulius Pohl am kommenden Dienstag hingewiesen. Bei der flotten Darstellung dürfte die um 7 Uhr beginnende Aufführung gegen 9l/t Uhr ihr Ende erreichen.
Wettervoraussage
Wärmer, zunächst heiter, spater zunehmende Bewölkung und zurückdrehende Winde. Mit später einsetzenden erneuten Regenfällen muß gerechnet werden.
Landkreis Gießen.
£ Wieseck, 6. Juni. 3n der gestrigen G e° meinderatssihung wurde zunächst das neue Mitglied Heinrich Stein in sein Amt eingeführt und in der üblichen Weise verpflichtet. Die übrige Tagesordnung umfaßte nur Steuerfragen, eine Arbeit, die leider notwendig ist, unb mit der sich die Beschließenden, wie überall, sehr „beliebt" machen. 5>er. Finanzausschuß hatte die entsprechende Vorarbeit geleistet und schlug der Versammlung vor: 1. Gebäude st euer von 100 Mark Steuerwert 40 Pf. Bei einem Gesamtsteuerwert von 4 632 200 Mark soll diese Steuer 18 528,80 Mark erbringen. 2. Fürland- und forst-
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wirkfchaftlrcyes genutztes Gelände pon 100 Mark Steuerwert 60 Pf. Der Gefamt- steuerwert beträgt hier 3 402 500 Mark und soll 20 415.00 Mark bringen. 3. Gebäude-Sonder steuer von 100 Mark Steuerwert 60 Pf. Das Erträgnis aus dieser Steuer darf nur zur Förderung des Wohnungsbaues verwandt werden wird von Öen Hausbesitzern auf die Mieter um- gelegt and soll nach dem Vorschlag des Finanzausschusses 27 793,20 Mark ergeben, die für die vorgesehenen Neubartten gebrauchi werden. Rach lebhaftem Für und Wider beschloß der Gemeinderat: Es betragen von 100 Mark Steuerwert die Gebäude-Sondersteuer 60 Pf., die Gebäudesteuer 20 Pf. und die Gemeindesteuer für land» und forstwirtschaftlich genutztes Gelände 40 Pf. Die Erhebung einer vorläufigen Gewerbe- steuer, die schon mehrere Sitzungen beschäftigte, kam auch diesmal nicht zustande. Zwei aus der Versammlung heraus gestellte Anträge, von denen der eine 3000, der andere 5000 Mark vierteljährlichen Ülmsatz von der Steuer befreit wissen wollte, verfielen der Ablehnung. Alm diese ©teuer nun nicht ganz zu Grabe tragen zu müssen, wurde beantragt und auch beschlossen, diesen Punkt abermals auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Dann dürfte es aber genug fein!
* Lich, 7. Hani. Anläßlich bed am dritten Pfingstfeiertage in Klo st erArn sburg stattfindeichen Waldfestes verkehren an diesem Tage zwischen Butzbach-West und Lich folgende Züge: ab Lich 7.30 Alhr nachm., an Butzbach- West 8.30 Alhr nachm., ab Buhbach-West 9.22 Alhr nachm.. an Lich 10.23 Alhr nachm.
is. Steinbach, 6. Juni. Gestern nachmittag fand im Saale der 1. Klasse eine schlichte Abschiedsfeier für den infolge der Mbauver- ordnung mit dem 1^ Juni aus dem Dienste geschiedenen Lehrer Nanz statt. Die Kinder der 1. Klasse hatten den Saal festlich geschmückt. Kreisschulrat Fischer feierte Herrn Nanz als besonders erfolgreichen Lehrer und Erzieher mit vorbildlicher Amtsführung und großer Pflichttreue der darüber hinaus in seiner stillen bescheidenen Art besonders durch sein Vorbild in der Gemeinde und weiteren Kreisen viel Gutes wirtte, und sprach ihm Dank und Anerkennung des Kreisschulamts aus. Für die Gemeinde dankte Bürgermeister Krämer herzlich dem tüchtigen Lehrer und guten Berater und überreichte zum Andenken ein Landschaftsbild. Lehrer Meisin- g e r würdigte als Sprecher des Schulvorstandes in längeren umfassenden Ausführungen das segensreiche Leben und Schaffen des aus dem Dtenste Scheidenden, der als Lehrer und Erzieher, als Dirigent des Gesangvereins Eintracht, als langjähriger Organist, als vorbildlicher Gättner und Obstzüchter viel geleistet habe. Er übergab im Namen des Lehrettollegiums zur Erinnerung an gemeinsame Arbeit und an den Abschiedstag ein Bild von Hans Th)ma. Herr Nanz dankte mit bewegten Worten für die ihnt erwiesene Ehre und Anerkennung. Lehrer Nanz war 46 Jahre im Schuldienst tätig, davon die letzten 24 Hahre in Steinbach, die 17 vorhergehenden im Nachbardorf Albach.
* Allertshausen, 5. Juni. Am Montag trat unser Lehrer Kloos in den Ruhestand. Aus diesem Anlaß fand nachmittags in der Schule eine Abschiedsfeier statt, bei der Kreisschulrat Fischer-Gießen als Vertreter des Kreisschulamts und des Landesbildungsamtes sehr anerkennende Worte über die 44jäh» rige Dienstzeit unseres Lehrers sprach. Bürgermeister Reinhardt übermittelte dem vom Dienst Scheidenden den Dank der Gemeinde für sein 42jähriges ununterbrochenes Wirken in unserem Orte. Pfarrer Hofmann sprach im Namen der Kirche herzliche Dankesworte. Am Abend fand eine öffentliche Nachfeier statt. Ein Fackelzug, voran die Schulkinder, dann eine Musikkapelle, weiter die Gemeindevertretung und der Schulvorstand, der Gesangverein, zuletzt die Ortseinwohner, bewegte sich durch die Ortsstrahen nach dem Schulhofe, der schön geschmückt war. Mit einem Begrüßungschor eröffnete der Gesangverein die Feier. Hierauf sprach Pfarrer Hofmann über die Tätigkeit des Lehrers Kloos als Religionslehrer in der Gemeinde, weiter nahmen die Schüler durch den Gesang eines Liedes und die Worte des Lehrers Decker Abschied von ihrem bisherigen Lehrer, dem sie eine Erinnerungsgabe üherreichten. Bürgermeister Reinhardt gab einen Rückblick auf die Tätigkeit des Lehrers während seiner 42jährigen Dienstzeit (haben doch drei Generationen unsecer Gemeinde bei ihm den Alnterricht genossen), würdigte hierbei nochmals die Verdienste des Scheidenden und dankte namens der gesamten Gemeinde und seiner früheren Schüler. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit überreichte er dem verdienten Manne einen von der Gemeinde gestifteten Ruhesessel. Tiefgerührt sprach sodann der Scheidende allen seinen herzlichsten Dank aus. Durch Musik- vortt'äge und Lieder des Gesangvereins wurde die Feier in bester Weise umrahmt.
Stnrkenvurg und Nhcinhesscn.
* Darmstadt, 6. Juni. 3n der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde mitgeteilt, daß General v 0 n H e y l und Gattin der Dtadt ihren werwollen Besitz an Döcklinschen Gemäldengeschenkt haben und diese für
alle Zeiten int LanveSmuseum sufbewaürt werden sollen.
Heffen-Naffau. -
fpd. Frankfurt a. M., 6. Juni. Noch niemals sind der Polizei derart viel Fahr- raddiebstähle gemeldet worden, als gerade in diesen Tagen. Aus dem Packraum einer Frankfurter Fahrradfabrik verschwanden ttotz allerschärfster Aufsicht in wenigen Tagen nahezu 30 Räder, ohne dah eS gelang, die Diebe zu ermitteln. Heute wurden nun die mit der Betreuung der Halle beauftragten W ä ch - t e r selbst als D i e b e überführt und entlarvt. Mehrere der gestohlenen Räder konnten diesen famosen Wächtern wieder abgenommen werden. Ferner wurden dem Polizeipräsidium am Donnerstag nicht weniger als fünf Diebe von Fahrrädern eingeliefert. Schließlich nahm man auf dem Hauptbahnhof zwei Kerle fest, die in Gießen mit reichem Erfolg Fahrräder gestohlen hatten und diese jetzt nach Frankfurt bringen wollten. Alle Diebe waren mit Einbruchs- und Schneidewerkzeugen reich ausgerüstet.
Büchertisch.
— A. W. v. Schlegel- Vorlesungen über drarnatis che Kunst und Litera- t ur. Kritische Ausgabe von Giovanni Ditt)rro Arnoretti 1. II. (im Verlag von Kurt Schweder in Bonn. 16 Mk.). Schlegel, der scharfe kritische Kopf der älteren Romantik, der unübertroffene Lleberseher der Shakespeareschen Dramen, kam in der Begleitung der Frau von Statzl im Herbst 1807 nach Wien, in einem Augenblick, wo die österreichische Hauptstadt der Mittelvunkt aller antiftanzösischen Kreise, im Zenith ihres gesellschaftlichen Glanzes, einen hervorragenden Pflanz- boden für die literarischen Zdeen für Schlegel bot. Für feine dramaturgischen Vorlesungen fand sich bald ein auserlesenes Publikum, das sich nicht allein für fein Wirken aus rein literarischem Interesse einsetzte, sondern das in diesen kritischen Vorlesungen einen nationalen Verbündeten im geistigen Kampf gegen Napoleon sah. Aber Schlegel lieh sich durch diese nationale Einstellung keineswegs beirren: „Der Kritiker behält stets die Oberhand über den Politiker, er bleibt klar, ist Deutscher und Weltbürger." Lind dies gibt den Wiener Vorlesungen ihren überzeitlichen Wert, mach! sie noch heute zu einer so fesselnden und anregenden Lektüre, zumal wenn eine so ausgezeichnete und umfassende Einführung wie die Amorettis uns so mühelos zu ihrem Verständnis verhilft. SÄegel geht aus von einer Betrachtung der dramatischen Literatur. Dem Theater, seiner Bedeutung, historischen und geistigen Entwicklung werden die nächsten Vorlesungen gewidmet. Ausführlich bespricht er die dramatische Kunst der Griechen: Aeschylus, Euripides und Sophokles, die antike Komödie und das rönllsche Theater, die Dramatik der Renaissance und dann die ftanzösische Bühne, die er an Hand des Aristotelischen Grundsatzes von den drei Einheiten einer scharfen Kritik unterzieht. Eine eingeherrde, liebevolle Betrachtung des englischen und spanischen Theaters, vornehmlich Shakespeares, führt aber zu einer gedrängten Llebersicht über die literarische Entwicklung in Deutschland bis zu Schiller. Alles in dem feingeschliffen-en, fesselnden Stil, den wir aus seinen Liebersetzungen fen» wen. Dje Ausgabe, in der die Vorlesungen heute wieder mit großem kritischen Apparat dem deutschen Dolle vorgelegt werden, ist gleich mustergültig in der Wiedergabe des Testes, der praktischen Anordnung der Anmerkungen wie der geschmackvollen Ausstattung.
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