Ausgabe 
7.4.1924
 
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Rr. 83 zweites Blatt Gietzenrk Anzeiger (Seneral-Anzelger für Vberheflen) Montag, Z. April 1924

Das neue Asien.

Don Alexander von Gleichen-Rußwurm.*) Wir finb mit unseren europäischen Geschäften toti> den drückenden Lasten der Innenpolitik so überhäuft und in Anspruch genommen, das; wir zu wenig merken, wie sehr die Bedeutung Euro­pas in der Welt zusammengeschrumpst ist. Ws zum Weltkrieg hätte trotz aller nationaler Gegen­sätze der Europäer als solcher die Stellung der äleberlegenheit, und sein Prestige in Asien war anerkannt von Hapan bis zur kleinasicvtischen Küste, von Sachalin bis Eeylon. Rtemand zwei­felte es an. Wer hätte sich denken können, daß dieses Prestige im Lauf eines Jahrzehntes zu- sannnenbricht und die demütigen Schüler oder Basallen, die Böller, denen inan mit mässigen Hadvikerzeugnissen europäische Ziv li ation brin en wollte, heute reu einst so ehrwürdigen Eröiell behandeln, wie es rm Leben oft mit alten rui­nierten und unfähig gewordenen Verwandten ge­schieht? Für Asien, das unter der Vvrnrund- schäft des Westens schon unruhig aufbegehrie, war der Krieg von 191418 eine Erlösung. Mit kühler Ruhe hörte man von den Blutopfern der Kriegsührearden, und jene Phantasten, die das Eingreifen des heiligen Krieges, die Waffenhilfe ton Afghanistan und ähnliches erwarteten, er­lebten Enttäuschung auf Enttäuschung. Der Orient konnte nur mit geduldiger Freude vernehmen, wie sich jene zerfleischten, deren Bestreben es ge­wesen, Asien wirtschaftlich auszunutzen.

Für die jungen Industrien in Japan und Indien wurde der Weltkrieg zum goldenen Zeit­atter, denn unsere Feinde häuften in diesen Län­dern Bestellung auf Bestellung: dadurch eiti= fesselte der Frieden aber eine heftige, wirtschaft­liche Krise, die sich in Arbeitseinstellungen, und ähnlichem äußert. Die Landbevölkerung, die sich an Fabrikarbeit gewöhnt hat, weigert sich, zur Dauernarbeit zurückzukehren, und es zeigt sich wiÄter einmal, daß Asiens Glück unverträglich rst mit jenem Europas, wie es die Weltgeschichte seit Jahrtausenden schon öfters bewies.

ImAsyl des Friedens", das der Bater Rabindvanath Tagores nörtaich von Kalkutta ge­gründet hat, sucht die indische Jugend den Weg zur Statur zurückzufinden aber eine reiche Dibilir-thek deutscher, englischer und französischer Werke bereitet die künftigen Schüler der Hindu­universität auf ihre Bestimmung vor, die euro­päischen Fesieln za zersprengen. Roch hält Lago re es für notwendig, daß der englische Polizist die Ordnung im Lande bewacht, doch die Jugend, die zur indischen Statur seelisch und geistig zurück­kehrt, soll fernen, das fremde Aufsichtspersonal zu ersetzen, damit das Land seinen Bewohnern zurückgegeben werde.

Einen Gegensatz zu Dagore in der Art, aber nicht im Geist des Stargehens, bildet ein Star» treter des rein politischen indischen Rationalis­mus, wett entfernt von der feinen Philosophie und den religiösen Gesängen des Dichters. Es ist Shamsher Hang, der Maharadscha von Repal, der Heimat der durch den Krieg bekannten Gurkas. 3um Dank für deren milttärische Hilfe, die wohl dem indischen Gebirgsvolk manchen Einblick in Europas Schwäche geflattei hat, erhielt der Ma­haradscha für fein schwer zugängliches Gebiet die ülnabhängigkett von England zugesichert, und in seiner hochgelegenen Hauptstadt Katmandu, die als natürliche Beste dem Himalaya südlich vorgelagert ist, wird Großbritannien nunmehr durch einen Gesandten vertreten. Das andere Geschenk, einige Luftschiffe, die Katmandu mit der übrigen Welt in Verkehr halten sollten, hat der Maharadscha abgefehnt und ebenso die ge­plante Telegraphenlinie. Er ist Asiate und vüll vvllbewutzt in seiner Einsamkeit thronen. Was Europa zu sagen hat, kommt früh genug, wenn es ent reitender State von seinen Grenzen aus vermittelt. Wohl erleichtern Straßen uni)1 Draht­seile für Warentransport den Handel im schwie­rigsten Gelände von Repal, denn der Fürst weigert sich nicht, die Erzeugnisse des Westens aufzu­nehmen, er kämpft nur beharrlich gegen dessen Ideen. Shamsher Hang wendet seine ganze Macht auf, dem Inder das Gefühl des Indier- iums zu geben, die Mundart der Gurkas zu einer literarisch ausgeprägten Sprache zu machen, wie man in allen Ländern Asiens bedeutsam den SBert der einheimischen Sprachen betont, und die geistige Selbständigkeit seines Reiches za gründen.

Die politische Wichtigkeit Repals besteht darin, daß ed die Straße von Tibet nach Indien beherrscht, und in Tibet sind reiche Goldlager, die zu den Hauptreserven der Erde gehören. Im Stltectum hat Indien den persischen Slchämeniden tibetanisches Gold als Tribut gegeben und damit

) Stach dem Brief eines jüngst aus Indien heimgekehrten, in England lebenden Freundes.

Persiens überhöhenden Reichtum geschaffen heute ist Repal Hüter dieser Schätze, die auf primi­tive Weife kaum ausgebeutet werden, und fängt an, die Macht zu begreifen, die ihm dieser Wacht-- posten verleiht.

Ich habe dieses eine Beispiel herausgegriffen , aber überall, in der Rlongolei, wo derlebendige Buddha" herrscht, in Sibirien, in China, in Per­sien erhebt das neue Asten, die erwachende alte Welt ihr Haupt und wendet sich vom trügerischen Glanz tar europäischen Zivilifativn ab, um zur eigenen, ehrwürdigen lieber Lieferung zurückzu­kehren. Die Politik Shamsher Hangs drückt kei­nen anderen Grundgedanken aus als Tagores Philosophie und Gandhis natiOnalistische Pro­paganda, als die türkische Staatstlugheit, die endlich den Stat des Grafen von der Goch be­folgte und die ottomanische Hauptstadt nach Klein­asien verlegte, und als die Antwort eines türli- schen Studenten, der von den europäischen Hoch­schulen zurückkehrte, auf die Frage ie.ned Statt rs, was er von der dortigen Entwicklung halten Hüten wir uns davor, die materialistisch.' SMt= anschauung aus dem Westen einzuführe.i. Sre beruht auf einer unbegrenzten, skruprlloen ma­teriellen Konkurrenz. Katastrophen und Krisen gehen daraus hervor. Für die Hugend gilt es, diesem europäischen Rtaterialismus den asiati­schen Idealismus entgegenzustellen und so viel­leicht den Frieden der SBelt zu erreichen."

Das neue Asien zeigt der SBelt ein ver­ändertes, energisches Gesicht, und es wird gut fein, wenn unsere Handelswelt rechtzettig lernt, es zu begreifen.

Allgemeine Süddeutsche Hochschulasststenten-Tagung.

Der schon feit Hahven andauernde unver­ständliche Widerstand seitens der südd'ut chen Hochschulländer gegen eine angemessene An le ch- img an die vorbildliche gesetzliche Siegelung der anderen großen Hochschulländer hat tue zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschliossenen süo- deutschcn Landesverbände gezwungen, eine allge­meine süddeutsche Assistentenivnferenz nach Stutt­gart einzuberufen, die von Sfertvetern sämt­licher süddeutscher Hochschulen (Baden, Bayern, Hessen, Thüringen, Württemberg) und S3er= tretern der Siffsistenzärzle der Kliniten und Kran­kenanstalten Süddeutschlands überraschend stark besucht war.

Die EröfsiiLingsansprache des Verhandlungs- feifers betonte mit Rachdruck, daß die Hochschul­assistenten in allen süddeutschen Ländern gegen­über ihren norddeutschen Kollegen gründ ählich zurückgefetzt sind. Es wird allgemein als unwürdig empfunden, daß die Dienst- und Be- sildungsverhältnifse der süddeutschen Hochschul- assistenten im Gegensatz zu den übrigen Staats­beamten und entgegen den verfassungsrechtlichen Bestimmungen noch nicht im SBeg? des formellen Gesetzes geregelt sind. Die Hochschulassistenten werden sich niemals mit einer nur verordnungs­mäßigen Regelung, die mit der verantwortlichen Stellung und der Würde eines akademischen Be­rufes unvereinbar ist, absinden taffen. Geradezu trostlose Einblicke gewährte die materielle Lage der Assistenten in den südwestdeutschen Hochschul­ländern. Es geht nicht an, daß auch nur ein Hcchschulafsislent geringer besoldet ist als bei­spielsweise ein Anwärter auf den Stalksschuldfenst (Hisislehrer). Parlament unb Presse haben stets die BevechtiguNg der bescheidenen Forderungen der Hochschulassistenten in vollem Umfang-.' ge­billigt, umsomehr als diese Forderungen Mrndest- ferberangen sind, die auf das gesamte SZolls- interesse Rücksicht nehmen und eine kulturelle Rotwendigkeit darstellen. Die Assistentenschaft muß daher erwarten, daß nun endlich die rück­ständige süddeutsche Regelung ehestens einer durchgreifenden Reform unterworfen wird und daß dabei nicht etwa nur Zugeständnisse in Rich­tung auf das erstrebte Ziel gemacht werden.

Die Frankfurter Messe.

Frankfurt a. M., 6. April. (WTB.) Der erste Frankfurter Messetag entsprach voll den Erivartungen, die man in einsichtigen Wirtfchaftskreisen von vornherein auf den Verlauf der Messe gefetzt hatte. Das Straßenbild war infolge oes wunderbaren Frühlingswetters sehr belebt. Slber auch die reinen Käuferschichten waren in großem Maße erschienen. Infolge der be­stehenden großen Kreditschwierigkeiten wurden zwar viele Geschäfte, aber meist mir von geringer Bedeutung, abgeschlossen, weil die Käufer den ersten Tag mehr zur Orientierung benutzten, um richtig kalkulieren zu können. Rur in ausgesproche­nen Bedarfswaren, so z. D. in Konfektionen und Schuhwaren, sind heute bereits stattliche Slbschlüsie erzielt worden. Besonders lebhaftes Interesse wandte sich der Ausstellung von Radioapparaten

zu, die in einer besonderen Halle untergebracht sind, und deren Stände von früh an dicht umlagert waren, zumal der Frankfurter Sender fast den ganzen Tag über musikalische und andere Dar­bietungen bot. Unter den zahlreich erschienenen in- und ausländischen Hournalisten wurden be­sonders zahlreiche S^ertretet schweizerischer, italie­nischer und Wiener Blätter bemertt.

60 Jahre Bäuerischer Gesangverein

Mit eindrucksvollen künstlerischen Darbietun­gen am Samsmg abend und gestern nachmittag in der Steuen Aula der Unitorjuät und mit einem pietätvollen Akt für seine im SBeltfrtege gefal­lenen und daheim verstorbenen Mitglieder gestern vormittag auf dem Alten Friedhof beging der Da uersche Gesangverein die Feier seines 60jährigen Bestehens. Das zielsichere, ernste (Streben und die große Fülle von organisato­rischer uno tünitlerischer Gestal ungskraft der Der- einsl i.ung in Verbindung mit lern ausgezeichne­ten Eh> g iii ter Sänger ermögliche es dem Ver­ein, seine geeßangefeg.e Frier zu einem glänzen­den Erfolg auszubauen.

Der Festakt am Samstag abend, zu dem nur geladene Gäste und die Angehörigen der Mitglieder Zutritt hatten, wickelte sich in der bis auf den leh.en Platz besetzten Steuen Aula in glän­zender Weise ab. Rach der von der KapelfeWeller gespielten Ouvertüre zur OperRosamunde" hieß dec 1. Vorsitzende des Vereins, Georg Todt, die Besucher willkommen, wobei er den Vertretern der staatlichen und städtischen Behörden und der auswärtigen und hiesigen Gesangvereine beson­deren Gruß entbot. Ein Vorfpruch wirkungsvoll gesprochen von Frl. Gisela H o r st, feier.e das deutsche Lied und das verdienstvolle Wirken des Vereins für den tausch n Männergesang und bil­dete die Uebeileitung zu dem Rückblick aus die Vereinsgeschichte, den der 2. Vor­sitzende Delloff in sehr fesselnder Darstellung gab. Stan 8 sang sbegeij.ersten . fe.euer ür^er im März 1864 gegründet und nach seinem ersten Diri­genten Bauer genannt, steht der Verein heute mit 122 aktiven und 209 Passiven Mitgliedern auf dem bisher höchsten Stand seiner Mitgliederzahl, dabei hoch im Ansehen in unserer Stadt und dar­über hinaus und ausgezeichnet mit zahlreichen Ehrenpreisen, die er auf Gesangwettstreiten sich errungen hat. Der Redner rühmte dabei die S5er= dienste der früheren Chormeister des SZereins, ins­besondere aber die des jetzigen künstlerischen Lei­ters Otto Görlach. dem er als äußeres Zeichen der dankbaren Anerkennung des Vereins einen großen Lorbeerkranz überreiche. Bei dieser Ge­legenheit wurde auch des 50jährigen Sän­ge r-Hubiläums des 1. Vorsitzenden Georg Todt imi> feiner in vieljähriger Dorstandsarbeit um den Verein erworbenen Verdienste gedacht. Die Dankbarkeit und Anerkennung des SZereins für den Sängerveteranen und Vorsitzenden Georg Todt fand neben den herzlichen Glückwünschen noch ht folgenden Ehrungen ihren Ausdruck: man über­reichste ihm die goldene Sängermedaille ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit und er­richtete eine Stiftung, die den StarrtenGeovg- Todt-Stiftting" tragen soll, bereu Erträgnisse dazu bestimmt sind, in Rot geratenen Sängern Hilfe zu bringen. In bewegten Worten sprach der Ge­feierte fehlen Dank für die hohe Ehrung aus und eimahnte die Sängerschar, allezeit in Eifer und Liebe dem deutsc^n Lied zu dienen und dem Bauerfchen Gesangverein die Treue zu halten. Hierauf begann das Festkonzert, über das unser Musikreferent morgen berichten wird.

Gestern morgen 8 ÜIhr leitete ein Morgen- gelang auf dem Marktplatz die Feiern des Sonntags ein. ilm 9 Mr versammelten sich dann die Mitglieder des SZereins auf dem Alten Fried­hof zu ebrer Feier des Gedächtnisses ber dahin geschiedenen Mitglieder. Eine große Zahl von sonstigen Tellnehmern schl)ß sich an, so daß die Kapelle dicht gefüllt war. Der Der- ein sang unter der Leitung des Dirigenten ©Br« l a ch zuerst den ChoralWie sie so sanft ruhen" nach, der Sfertonung durch Friedrich Burkhard De- nefen. Pfarrer De ch t o l s he i m e r hielt hierauf die Gedächtnisrede und führte ungefähr folgendes aus: Die Ideale, die dem Stauerschen Gesangver­ein vorschweben, sind einmal die Pflege des Ge­sangs und sodann die Pflege vaterländischer Ge­sinnung. Kein Statt der SMt kann den deutschen Sfereinen dieser Art etwas Aehnliches zur Sette stellen. Die STtarmergefangioerdne haben im Kul­turleben unseres Volkes eine bedeutsame Stelle, sie tragen das, was unsere großen Tondichter ge­schaffen haben, in die Sltoßen und wirken hierdurch auf die Dlldung des GemüteS und des Charakters ein Stan ber Mitte des vorigen Hahrhunderts an haben sie auch vaterländische Gesinnung ge­pflegt. Ist die Einigung der Deutschen auch durch

Geschehnisse und Taten politischer Art erfolgt, so haben die Sllämiergesangvereine doch den Ein­heitsgedanken in unser Volksleben hineingetragen. In dieser Art hat der Dauersche Gesangverein nun 60 Hahre gewirkt, ideales Streben hat die Mit­glieder allzeit in treuer Freundschaft aaemander- geschlosfen. Darum ist es dem Verein ein Herzens­bedürfnis. auch an diesem Tage seiner Dahinge- chiedenen zu gedenken. Seit dem 50jährigen Stif­tungsfest sind 1Z Mitglieder entschlafen, acht in der Heimat, neun im Kampfe für das Vaterland an der Front. Ihr Andenken wird den Lebenden heilig sein. Hierauf trug der Verein das Lied Friedrich SilchersStumm schläft der Sänger" vor. Die Teilnehmer begaben sich zum Schlüsse an das Grab des ersten Dirigenten Philipp Dauer (1817 bis 1886), wo der Ehrenvorsitzende, Georg Kodt, einen Kranz niederlegte. Rach- mittags um 4 ülhr begann in der Reuen Aula ein für die breite Oeffeittlichkett zugängliches Festkonzert, das wieder vor ausverkauftem Hause gegeben wurde und dem Sferein ebenso tote das Konzert vom Samstagabend den lebhaften Deifall des Publikums brachte.

Wirtschaft.

Die Reichsbahn

Über ihre Gütertarifpolitik.

Die ReichSbahnverwattung hat, wie Deittsche Wirtschafts-Zeitung" erfährt, dem Deut­sch«! Industrie- und Handelstag auf dessen An­träge und Eingaben zur Reugestaltung des deut­sch«! Eisenbahn--Gütertarifs folgenden Bescheid gegeben:

Die zwischenzeitlich durchgeführten Ermäßig- ungen um 8 und 10 Proz., sowie die Einführung zahlreicher Ausnahmetarife für die Slussuhr oder Einfuhr über die Seehäfen (Ausfuhrstückgut, Hanf, Eisen und Stahl, Eisen- und Stahlwaren, sowie Eisenbahnfahrzeuge. Linoleum, Felle und Häute, Gevbst'offaiuszüge usw.) beweisen, daß die Reichs» bahn, soweit es ihr bet der eigenen Lage nur irgendwie möglich war, -bestrebt gewesen ist, den wirtschaftlichen, Verhältnissen der deutschen In­dustrie, des Handels, der Landwirtschaft usw. Rechnung zu tragen. Auch für die Folge wirb die Reichsbahn benrüljt sein, auf diesem Wege fortzufahren und einerseits durch Rachprü­fung der Gütereinteilung, sowte an­dererseits durch Einführung weiterer Aus nähmetarife mit den Seehäfen und über die trockene Grenze zur Belebung der deut­schen Wirtschaft beizutragen. Es sind der Steichs- bohn hierbei allerdings auch gewiße Grenzen ge­zogen, indem die hauptsächlichsten Betriebsstofte. wie Eisen, Kohle. Ode usw. noch weit über den Friedenspreisen liegen und sie jetzt als selbstän­diges ülnternehmer ihre Ausgaben durch die eigenen Einnahmen beeten soll.

Die ständige Tariftommisiion wird sich in nächster Zett nochmals mit einer Durchprüfung der Gütereinteilung befaßen, außerdem befinden sich noch zahlreiche Slusnahmetarife für den Stat» kehr ndt den Seehäfen und über die trockene Grenze in Behandlung.

Hinsichtlich der Frage des 1 Oprozentig. Gewichts zuschlag es sür die Beförderung im gedeckten Wagen, die in den letzten beiden Hahren widterhvtt in der ständigen Tarifkon> miß ton und in dem ständigen Ausschuß des Reichseisenbahnrats behandelt worden ist, hat der ständige Ausschuß des Sdeichseisenbahnrats tn seiner Sitzung im Dezember 1923 mit großer Mehr­heit den Wünschen auf Aufhebung dieses Zu­schlages widersprochen. Sine Deseitigungdes Zuschlages kann daher zunächst nicht in Be­tracht gezogen werden. Ebenso wird eine tarif­liche Begünstigung des Sammelgutverkehrs vor- läufig nicht beabsichtigt."

*

* Der Eisen berg bau im März. Iw Siegerländer Bergbau ist gegenüber dem Vormonat keine Qfenberung der Lage eingetreten. Die Verkaufspreise wurden zur Lieferung ab 1, April um 1 SIU', die Tonne herabgesetzt, um einen Anreiz zum stärkeren Bezug zu geben. In­folge des starken Mißverhältnisses zwischen Selbst­kosten- und SZerkaufspreis lagen jedoch, die meisten Dettiebe wetterhin still. Im Sifenbergbau des Lahn- und Dillgebietes hat sich die Loge gegenüber dem SZvrmonat nur geringfügig ge­bessert Das zu langsame Wtederingangkonunen der Industrie des Ruhrgebietes, der Süettbewerb hochprozentiger Auslandserze, vor altem aber die zu hohen Frachtsätze stellen der Wiederbelebung des Eisenerzbaues noch immer Hindernifle in den Weg. Soweit die Grubenbetriebe nicht gänzlich sttll liegen, wird nur mit einem kleinen Bruchteil der früheren Belegschaften gearbeitet Der Erz- Versand hielt sich noch immer in sehr bescheidenen

NKWröisWW-klM.

Sin Roman aus dem 21. Hahrhirn dert von Hans Dominik.

66. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Blicken Sie auf den Horizont über den Kämmen im Südosten! . . . Sehen Sie die zactt- Sn, gelben Wolken? . . . Da braut sich ein nwetter zusammen. Es darf uns nicht am Boden und manövrierunfähig überraschen."

Der Kommandant schaute prüfend nach der angegebenen Richtung _,r ,

Oho! . . Sie fjaben recht, Herr Ifenbrandt . . ."Da braut sich allerlei zusammen ... Der fahle Himmel... die gelben Wolfen . . . das betautet nichts Gutes . .

Gr eilte zum Barometer.

Richtig! Das Glas ist plötzlich um zwei Zentimeter gefallen . . . fallt sichtbar weiter . . . Wenn wir hier nicht im Hochland von Pamir, sondern auf tat gelben See wären, wurde ich wetten, daß uns ein starker Taifun bevorsieht... Unerklärlich . . . Hier habe ich dergleichen noch nie erlebt ... nie gehört, daß es hier geschehen wäre . . . nie geglaubt, daß es hier geschehen könnte."

Fertig!" kam die Meldung von unten.

Bravo! Höchste Zeit!" sagte Löwen.Los!

Langsam richtete sich das schrägliegenta Schiff aus. Die Propeller gingen an, und in glatter Fahrt verließ es den Landungsplatz.

Volldampf nach Slortanl" lautete der Befehl.

Es war hohe Zeit gewesen, daß der Kreuzer ffc Gemalt über sein Element zurückgewann. Schon

jagten einzelne unregelmäßige Sturmstöße durch die Luft und wirbelten den Wüstensand in schwe­len gelben Wolken auf. Immer schneller folgten sich die Stöße, und dann brach der Orkan los.

Ein Wirbelwind von unerhörter Stärke, gegen den selbst dieser starke Kreuzer nicht direkt aa- kämpfen konnte. Während das Schiff in weitem Stagen über das iranische Hochland gerißen wurde, setzte Herr von Loiven feine ganze Steuerkunst daran, sich SUeter um Meter vom Zentrum dieses Taifuns loszuringen, das ganz offenbar dort hinten über ben Südostkämmen jenseits der Grenze lag Er nahm es zunächst als unvermeidlich mit in Kauf, daß sein gutes Schiff dabei vertrieben und selbst m weitem Kreise herumgetoirbelt wurde.

All fein Bestreben war darauf gerichtet, aus dieser gefährlichen Sturmzone hinaus an den äußeren Rand des Taifuns zu gelangen. Es war nicht leicht. Wie duvÄvchert schien die Luft zu sein. Wiederholt stürzte der starke Kreuzer plötz­lich wie ein Stein in die Tiefe, legte mehrere tausend Meter in senkrechtem Fall zurück, bevor er wieder Halt in der aufgeregten Atmosphäre fand und die verlorene Höhe wfederzugewinnen vermochte. Er wäre längst auf den Felsen zer­schellt, wenn die meisterhafte Steuerkunst des Herrn von Löwen ihn nicht immer wieder der gefährlichen Rähe des festen Bodens entrißen und dabei Schritt für Schritt aus dem schlimmsten Wirbel hinausgebracht hätte.

Bis endlich die Grenze der Sturmzone er­reicht und überschritten war. bis der Kreuzer mtt voller Maschinenkraft in einer ruhigen und trag­baren Atmosphäre den geraden Kurs nach Rorden verfolgen konnte.

Durch die großen Heckscheiben der Kabine im Winde wie flutende Wasserwogen, ließen die

blickten die beiden Männer zurück nach dem Süden und Südoston. Da stand es wie ein riesenhafter und unheimlicher Trichter von schwefelgelber Farbe über den Bergen. Wie eine giganttsche Säug­pumpe hatte tat wirbelnde Orkan den Staub und Sand vieler Quadrattneifen empovgerisfen und

die Glut des Feuerregens paralysieren? . . . Würden die Experimente und Berechnungen, die er im Laboratorium angeftellt hatte, sich beim Versuch im großen bewähren? . . .

< Fortsetzung folgt.)

führte ihn in immer größere Höhen. Alles, was in diesen Strudel gelangte, ihm nicht vechtzeittg mit eigener starker Kraft zu entfliegen vermochte, wurde gepackt, in das Zentrum gerißen, zerrieben und zerschmettert.

Lange blickte Herr von Löwen durch sein scharfes Glas. Gr glaubte Fetzen, Trümmerstücke von zerrissenen Flugmafchiasn inmitten des Hölfenwirbds zu sehen.

Was wir nicht vermochten, tut die Statur. Alter Berechnung nach sind die Gelben mitten im Taifun. Da kommt kein .Flügel letanMg zur Erde"

Ifenbrcmdt nickte.

Ich tanke auch. And damtt wird hoffentlich für lange Zeit hier Ruhe herrschen . ViS Peking neues Material schickt . . . ober ms .

Ä *

In Wiecnh hatten Witthuf en unb Maria nach ihrer Befreiung aus ber Ruinenstätte Karakorums einen sicheren Zufluchtsort gefuntan. Auf der niederen Sferanba, die das Haus umgab, faßen Isenbrandt unb Marias Ski ter.

Aus dem kühlen Schatten des Halbbaches sah man weit hinaus in bie fruchtbare Laabschaft. Die Wiesen prangten wie fchweltenta Teppiche von Samt. Di« ©etreibefeltar kräuseltsn sich schon

Halme emporschießen unb wuchsen ber Sonne entgegen. Die Bäume standen hier noch imDlüten- schnee, trugen dort schon schweren Fruchtansatz.

Ein gesegnetes Hahr!" sagte Witthusm Wer tote ich Turkestan noch tx>r einem halben Mensch-Malter gekannt hat, wird es immer wie­der mit Staunen sehen, wie Menschengeist unb Menschenhand die Sandwüsten in ein fruchtbares, dichtbesiedeltes Land verwandelt haben. Sollte das Paradies hier wirllich der Erisapfd zwsichen Europa und dem Gelben Skeiche werden?"

Isenbrandt zuckte die SIchfeln. Er hatte die Worte Witthusens nur halb vernommen. Sem Auge hing noch an der Tür, hinter der Marias Gestalt foeben verschwunden war. Die Ereignisse der letzten Wochen hatten die Herzen der beiden rascher und fester miteinander verbunden, als jedes werbende SBort es sonst wohl vermocht hätte.

Während bie in ihrer Lehmhütte Ein* geschloffenen in Karakorum bamals unter Stangen unb Zagen das Ende der schrecklichen Stundsn erwarteten, hatte Isenbrandt hoch oben in den Lüften fast in tat gleichen. Stimmung fein Werk vollbracht. Es war ihm zrumute gewesen wie einem Slrjt, ber einem Patienten gleichzeitig schwe­res Gift unb Gegengift verabreichen muß.

Konnte nicht ein unglücklicher Zufall bie Ge­fangenen bes retten tan Mittels noch im letzten Moment berauben? . . . Würbe besten Wirkung