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Jben alten Giftpfeil des Klassenkampfes wieder auS dem Arsenal der Vorkriegsjahre hervorgeholt. Eie macht selbst damit den Zusammenschluß des nationalen Bürgertums zur zw ngenben Notwendigkeit, Wer wollte die Sozialdemokratie toi ober in die rein negierende, zersetzende Opposition zurück- stohen, die als ein Kardinalfehler des alten Regimes bereits oben g-etemizeichnet wurde? Aber eine Anwendung des parlamentarischen Systems, das uns nun einmal die Revolution beschert hat, gegebenenfalls auch gegen die Sozialdemokratie, sobald die Mehrheitsverhältnisse das erforderlich machen, das Recht allerdings wird das Bürgertum sich nicht nehmen lassen. 3m übrigen erscheint das Argument der Linken von der auseinander fallenden Volksgemeinschaft reichlich deplaziert angesichts der Tatsache, daß doch die Sozialdemokratie es war, die durch ihren Austritt aus der sog. Grohen Koalition den Moskauer Genossen zuliebe die Volksgemeinschaft sprengte, llnö gehören etwa die deutschnationalen Massen, die mehr Abgeordnete in den alten Reichstag schickten als die Sozialdemokratie, nicht zur Volksgemeinschaft? Aber diesekaufende tüchtigster deutscher Staatsbürger dec dUEb.it am Staate entfremdet zu haben, war e.ne der konsequentest verfolgten Ziele den Aera Wirth und der in ihr maßgebenden Sozialdemokratie, die aus dem, was sie früher einmal am eigenen Leibe erfahren hatte, nichts ge-. lernt hat. Dem deutschen Volk eine zweite Aera Wirth mit ihrer politischen Würdelosigkeit nach außen und ihrer Khrfsenverh.tzung im Innern zu ersparen, darum geht es.
Das Ziel wird nicht erreicht, wenn wiederum, wie am 4. Mai, Hunderttausende von Stimmen aus dem bürgerlichen Lager Zwergparteien zufallen, die unter wohlklingendem Firmenschild einen eigenen Laden aufgemacht haben und vielversprechende Programme verhöckern, zu deren Erfüllung sic niemals in der Lage sein werden» weil sie im Parlament von vornherein zur politischen Ohnmacht verurteilt sind.
Das Ziel wird auch nicht erreicht, wenn die Partei der Richtwähler wiederum so erschreckend groß bleibt, wie bei den letzten Wahlen in Anhalt, Mecklenburg und Hamburg. Die wenigsten gehören dieser Partei aus stupider Gleichgültigkeit gegen alle Dinge, die nach Politik schmecken, an. Aber gerade in den älteren Jahrgängen find ihrer viele, die aus einem törichten Pessimismus heraus am Sonntag zu Hause bleiben wollen. Hunderttausende, die zum neuen Staat noch keine Stellung genommen haben, die es ablehnen, daß dieser Staat ihr Staat ist, und infolgedessen zum Zeichen des Protestes grundsätzlich die Wahlen boykottieren, andere Hunderttausende. die mit der Ze.-fahrenheit der politischen Verhältnisse unzufrieden find, die infolgedessen kleinmütig geworden sind und sich sagen, daß mit diesem System doch nichts zu erreichen ist, daß es deshalb das beste ist, die Dinge einfach laufen zu lassen und abzuwarten, wohin sig treiben.
Viele sind verärgert über den augenblicklichen 'Kurs der Partei, der sie sich innerlich zuzählen, über führende Persönlichkeiten, über die Haltung ihrer Partei zu einzelnen Fragen, an denen sie selbst besonders interessiert sind. Andere, und nicht die schlechtesten, nehmen die Verantwortung, die daS Wahlrecht ihnen auferlegt, zu ernst. Sis denken zu selbständig, um sich durch Wahlreden oder Programme blenden oder gar überzeugen gu lassen: sie können sich nicht klar für eine Wartei entscheiden und — bleiben zu Hause, um allem Dilemma zu entgehen.
< Diemand sage, daß es nicht auf fede ein- - elne Stimme ankommt. Gewiß, früher hat lich daS deutlicher ausgeprägt: solange wir noch die kleinen Wahlkreise mit der unmittelbaren Wahl des Kandidaten hatten, kam es vor, dah eine Stimme Mehrheit entschied, kam es sogar vor, daß zwischen den Bewerbern g e l o st werden muhte, weil sie genau d i e gleiche Stimmen» zahl erreicht hatten. So unmittelbar wirkt fiel) oas bei dem jetzt zu Recht bestehenden Wahlrecht nicht auS. Immerhin hat es den Vorzug, daß keine Stimme unter den Tisch fallt: was in den Wahlkreisen übrigbleibt, summt sich auf der R e i ch s - liste zusammen und verhilft der Partei unter Umständen noch zu einem weiteren Mandat. Je 50 000 Stimmen aber bedeuten ein Mandat, das wieder für die Bildung der Mehrheit von ausschlaggebender Bedeutung sein kann. Jeder also, der am Sonntag zu Hause bleiben will, muh sich darüber klar sein, dah davon vielleicht das Schicksal deS ganzen Wahlkampfes abhängt, und daß seine persönliche Passivität de- neu zugute kommt, denen er den Sieg ganz gewiß nicht gönnt.
Witten in der AdventSzeit, nur wenige Wo- <hen trennen uns noch vom Weihnachtsfest, werden wir zum zweitenmal an die Wahlurne gerufen. Sorgen wir alle dafür, dah auch die politische Adventshoffnung ein Weihnachten erlebe: seien wir dessen eingedenk, dah nur eine klare Entscheidung unserem Volke ein' Wegweiser -u lichteren Höhen sein kann!
Wählt keine Jwergparteien.
Berlin. 5. Dez. (WTD.) Die Reichs» regle . ung warnte bereits in ihrem Wahlaufruf vom 21. Oktober vor einer Parteizersplitterung. Richt in einer Zersplitterung liegt das Heil, sondern in dem Streben zum Ganzen und zur Einheit. Gleichwohl haben auch für die Dezemberwahlen wieder viele kleine und Seinste Sondergruppen eigene Wahlvorschläge etngereicht. Um ein Mandat zv erhalten, müssen auf einen Wahlvvrschiag mindestens 60 000 Stimmen entfallen. Durch Zusammenrechnen der Rest- stttnmen bi den Wahlkreisverbänden kann ein Mandat nur zugetellt werden, wenn wenigstens einer de r verbundenen Wahl- vo r sch läge mindestens 30 000 Stimmen erhalten hat. Auf einen Reichswahlvorschlag kann höchstens die gleiche Zahl von Mandaten zugeteilt werden, die auf die ihm an= aeschlossenen K r eiSwahlvvrschläge entfallen smd. Diese Vorschriften des Reichswabl- geseyeS sollen bewuht die Bildung von Zwecg- Parteien erschweren. Bei den letzten Wahlen sind so 842 000 Stimmen, die für 3toergrarteten abgegeben wurden, ohne Einfluß auf die Zusammensetzung deS Reichstages geblieben. Die Wähler haben also nichts erreicht, als dah ihre Stimmen bei dem Wahlergebnis vollständig auSsielen.
Haussuchung in der deutsch- nationaler L lndesgeschäftsftelle
Darmstadt, 5. Dez. (Eigener Bericht.) In bet hiesigen Landesgeschäfts stelle de r Deutschnationalen Dolkspartei fand eine Haussuchung nach der in Berlin beschlag- Mkhmien Broschüre »Für wen" statt. Wie von
deutschnationaler Seite mitgebetlt wird, toimten die Kriminalbeamten keinen richterlichen Befehl für die Vornahme der Haussuchung vorzeigen, sondern sie wiesen nur einen Umdruck des Ministeriums des Innern vor. Die Haussuchung ist ergebnislos verlaufen. Das gleiche Resultat hatte auch eine Haussuchung bei dem Vorsitzenden der Deutschnattonalen Volkspartei in Offenbach. Der Landesverband hat
Für Herabsetzung der kommunalen Abgaben.
Berlin, 5. Dez. (Wolff.) Amtlich Die preußttchen Minister des Innern und der zen h.'ben einen gemeinsamen Erlaß an die Ober» p ä.i.enten, RegierungsPrä idenlen, Qa ibräte u id Gemeindeverwaltungen gerichtet, toorm es u. a. heißt: Im Zustmimenhang mit der zweiten V r- ordnung des Reichspräsidenten vrm 10. Rovember 1924 muh auch durch die ©emeinöen und Gerne in de verbände weitestgehendes Verständnis für die Rotwendigkeit tunlich st er Herabsetzung aller öffentlichen Abgaben betätigt werden. Allen Gemeinden und ^eme'uide- verbänden ist eine genaue Rachprüfung darüber zur Pflicht zu machen, ob es nicht m: g = lich ist, die Gewerbesteuer und die anderen Steuern (bzw. Umlagen!) nach rägk ch noch für das laufende Rechnungsjahr herabzusetzen. Die Rachprüfung muh au y ernstlich aus die Frage ettig hm, ob nicht auch die Gebühren und Tarife gemeindlicher Unternehmungen aller Art ermäßigt werde i können, zumal seit Beendigung der I iflation hi - reichend Zeit und Gelegenheit für eine etwa erforderliche Umstellung bie.ee Unternehmungen vorhanden war.
Abstoppen des Personalabbaues
Berlin, 5. Dez. (WTB.) Am 4. und 5. Dezember haben erneut im Reichsfinanzministerium Verhandlungen stattgefunden, in denen die seit längerer Zeit schwebenden Erwägungen deS Reichsfinanzministeriums über die Aufhebung der Abbauartikel der Pe iso- nalabbauverordnung zu einem gewissen Abschluß gelangt sind. Rach dem Ergebnis der Besprechungen beabsichtigt die Reichsregierung, dem neuen Reichstag unverzüglich ein Gesetz vorzulegen, das die Anwendung der Artikel 3 und 15 der Perso.nrlabbauvervrdnung nur noch in solchen Verwaltungen vorsieht, die durch ein besonderes neues Gesetz zu Abb au Verwaltungen erklärt werden. Damit wird Artikel 3 der Personalabbauverordnung, der die Grundlage für den Abbau der Beamten bildet, grundsätzlich außer Wirksamkeit gesetzt, so daß nach Inkrafttreten des Gesetzes ein allgemeiner Abbau von Beamten nicht mehr möglich ist. Zugunsten der Angestellten bedeutet die beabsichtigte Regelung den Wegfall der allgemeinen gesetzlichen Entlassungs^erpflich ung und somit die Wiedereinführung der durch das Betriebs rä te ge s eh gewährten Schutzbestimmungen.
Die Zusammensetzung des Staatsgerichtshofes.
München, 5. Dez. (Korresp. Hoffmann.) Halbamtlich: Ans die Dorstellungen der bayerischen Staatsregierung über die D e - setzung des süddeutschen Senats in der Hauptverhandlung vor dem StaatSge- richtShof gegen Mitglieder der Organisation C o n f u l hat die Reichsregierung die Zusicherung gegeben, es werde für die Zukunft Vorsorge getroffen, dah die Verteilung der Mitglieder des Staatsgerichtshvfs auf die beiden Senate und die Regelung ihrer Dertte- tung nicht von Fall zu Fall, sondern durch eine allgemeine Anordnung erfolgt, die den Abmachungen des 'Berliner Protokolls entspricht. Damit wird eine .Zusammensetzung der Richterbank wie im Prozeß Eonsul künfttg vermieden.
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und die Opposition.
Eine Rede im Senat. — Die fasziftische Krisis.
Rom, 6. D^. (TU.) Vor der Abstimmung über die Okrtvarjendfrage in der gestrigen S nats- sitzumg erwarte Mussolini gegenüber re. Kritik der Opposition, daß der Fasz Ismus durchaus diszipliniert wäre. Es werde bebauvtet er wolle um jeden Preis in der Regierung bieiben Auf Geheiß des Königs sei er jÄ>xh bereit, sofort zurückzutreten, aber nicht auf V r- langen der Opposition. Wenn der Favismus zu« sammenbreche, dann würde der Kommunismus das Erbe antreten. Er würde kein Ver- tvauensvetum ann hrnen, das an irgendwel he Voraussetzungen g knüpft sei. Daran hin zog General G i a r d i n o, der ein bedingtes Vertrauensvotum eingebracht batte, seinen An r g zurück und enthielt sich der Stimme. Die Senats- Debatten diel er Woche haben gezeigt, daß der Faszismus an Boden verloren h-tt und die Opposition zunimmt, daß aber die Mitte eine M in i ft e r fr i f e oermeidet um Mussolini Zeit zu I ff en, die gegebenen Zu siche tun gen von der Rvrmcllisierung durchzuführen.
Die Oppofitionsblätter txriffensiiche.i eine Denkschrift des früheren Leiters der faszistischen Organisation in der Provinz F.rvara, ans der hervorgeht, daß die Gewalttaten, die dort verübt^ worden sind, von den f aszistische n Behörden angeordnet wurden Der frühere Generaldir-ktvr der Polizei und Höchst- fomrnanb'.ercnber der Rationalmili^ General d e Dalbo, wird dadurch erneut schwer belastet, d t katholische Geistliche Mttizoni soll auf Te ehl ein-.« Angehörigen der Rattonalmiliz zu Tode geprügelt worden sen. Es wird auch der Besuch gemacht, auf Grund d.<er Denkschrift den leh.gen I u st i z m i n i st e r zu kompromitttei-en.
Eine schwedische Samariterin.
. ?*r4n. 5 Dez. (Wolff.) Rach Mebergabe oer Regiebahnen an die deutsche Reichsbahn kehrt (Trau Baronin v Linder, nachdem sie zwanzig Monate im R u h r g e b i et für Jx t armm “eraui s-genS.-ich rang roar, in di-' schwedsich« Heimat zurück. Dor «La» ■ V ‘ « t5or9e Waisenhäusern en weiterhin unterhielt sie im defehten Gebiet Rah st üben für KrleaS-
binterbltcbene. Sie nahm sich ferner der Mit- telstandshilfe erfolgreich an und brachte im besonderen den politischen Gefangenen Hilfe und ülnterstühung. Bei schweren Strafmah- naymen trat Baronin v. Linder persönlich bei den französischen Stellen für die deutschen Verurteilten ein. Endlich machte sie stets mutig den A »I sländern, die das Ruhrgebiet besuchten, Mitteilung über die wahren Verhältnisse und die Rot, die durch die widerrechtliche Besetzung hervorgerufen wurde. Der Dank der Bevölkerung des Ruhrgebiets und der Dani des deutschen Volkes gilt der tapferen und gütigen Schwedin.
Der Haarmann-Prozetz.
Hannover, 5. Dez. (Tül) Auch am zweiten VerHandlu ngstag im Haaimiani cprozeh war der Zuschauerraum wieder dickp gefüllt. Ober- Präsident Roske und Polizeipräsident von Beckerath wohnten der Sitzung bei. Auf eine Anfrage des Oberstaatsanwaltes Dr. Wil d e an Haarmann, ob er auch in politischen Dingen als Spitzel von Polizeibeamten verwendet worden ist, erwiderte Haarmann abwehrend, daß er gar nicht wisse, was Politik ist, und daß er sich nie um solche Dinge bekümmert habe. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Dr. Böckelmann erklärt, wenn die kommunistische „Niedersächsische Arbeiterzeitung" trotz Ausschlusses der Oeffentlichkeit alle Verhandlungen tote Vergebe und die ganze Spitzeltätigkrit Haarmanns aufdecken wolle, so müsse das Gericht zukünftig bei einem Ausschluß der Oeffentlichkeit auch die Presse mit ausschliehen. Haarmann erflärte auf eine weitere Frage des Vorsitzenden, daß er die Leichenteile in d i e Leine geschafft habe und die Kleidungsstücke zuerst verbrannt, später an Grans gegeben habe, der sie verkaufte. Zum Teil habe Haarmann sie auch selbst verkauft.
Runmehr wird die Vernehmung des Grans fortgesetzt. Haarmann greift in die Feststellungen von G- ans ein mit dem Bemerken: „Ich möchte Grans nicht hineinreißen. Aber er muh bei der Wahrheit bleiben. Er hat von meinem Gelbe gelebt, er hat mich belogen und bestehlen. Wenn Grans leugnet, werde ich noch andere Sachen erzählen."
Im weiteren Verlauf des Verhörs erftärte Haarmann, Grans wisse noch mehr und noch einer wisse etwas.
Vorsitzender: Sie stehen heute vor dem irdischen Richter, später vor dem himmlischen.
Haarm-ann: Das weiß ich.
Vorsitzender: Erleichtern Sie Ihr Gewissen, damit Sie ruhig sterben können.
Haarmann: Man hat mir alles genommen. Ich wollte mit Grans ein Geschäft haben. Er hat aber mein Geld benutzt, um es durchzu bringen.
GranS bestreitet nach wie vor, von Haarmann felbst gelebt zu haben, gibt aber zu, von ihm) indirekt sehr viele 'Vorteile gehabt zu haben.
Eine Frage des Vorsitzenden, ob Grans gewußt habe, daß Haarmami junge Männer tötete, verneint Grans. Das Fleisch, das et bei Haar» mann gesehen habe, stammte von einem Pferde- schlächter. Grans erklärt, Schlächter-Kart nicht zu kennen. Auf Wunsch des Oberstaatsanwaltes wird sestgestcllt, dah sich die Spitzeldienste Haar- mamis auf vier bis fünf Fälle beziehen und dah er nie im Auftrag des Polizeipräsidiums, sondern privattm auf Anregung der Kommissare handelte. Von der Polizei hat er nie eine Belohnung erhalten, sondern nur von den Geschädigten. Runmehr werden die Einzel- fälle der Opfer Haarmanns behandelt.. Zunächst kommt Fritz Rothe, Hannover, an die Reihe, der seit dem 25. September 1918 vermisst wurde. Bei der Erörterung der Ein^.siheiten der Mordtat wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen.
Rach ihrer Wiederherstellung kommt der Fall des zweiten Opfers Haarmanns zur Verhandlung. Es handelt sich um den 17jährigen Franke, Berlin. Haarmaivi erklärt sofort, es rege ihn zu sehr auf, bafj so viele Foauen da feien; sie sollten rausgehen. Franke wird seit dem 12. Februar 1923 vermißt. Auf Einzelheiten wlll sich Haarmann nicht mehr besinnen können. Während Haarmami weiterhin behauptet, daß der Schrank, In dem die Leiche gelegen hat, offen» gestanden habe, als Grans kam, bestreitet letzterer dieses. Haarmann habe immer selbst den Schlüssel zum Schranke gehabt. Vorsitzender: Haben Sie auch noch die Laichen in den Schrank gelegt, nachdem er nicht mehr verschließbar war? Haarmann: Ja, da ging ja die Geschichte erst los. Wenn ein Opfer da toar, das tot war, ging Grans Immer ans Fenster.
Grans bestreitet erneut, Leichen in der Wohnung Haarmanns gesehen zu haben. • Im weiteren Verkaufe der Vernehmung gibt Haarmann zu, daß er Grans erzählt habe, wie er fein erstes Opfer umbrachte. Er sei mil Grans sehr intim gewesen.
Dann wird Haarmann aufgeregt und ruft: „Ich bitte, sofort auch Witkowski zu verhaften. Er und Grans haben Hennies ermordet. Daswarichnich t.“
Grans bestreitet das und erklärt, Frau Engel sei Zeuge, daß er den Mantel des Hen», nies von Haarmann gekauft habe. — Haarmann schildert darauf den Fall Hennies und erzählt: „Eines Morgens, als ich nach Hause kam, Hobe ich die Leiche des Hennies in meiner Wohnung in der Roten Reihe gesunde n." Grans erzählt, Witkowski habe die Wohnung in der Roten Reihe nicht betreten. Haarmann er* Härt nochmals aufs bestimmteste, dah er Hen-- nies nicht um gebracht habe und führt aus, daß die an Hennies begangene Tat ein Mord sei, während ernichtgemordethabe. Weinend erklärt er weiter: „Daß solche Lausbuben mich zum Opfer gemacht haben, ist gemein.“
Daraus "tritt eine Pause von einer halben Stunde ein. Um 1,15 Uhr werden die Verhandlungen toieber auf genommen, und es wird die Vernehmung über d« Fall Franke fort- gej.t)t. Auf eme Anfrage des Staatsanwalls erzählt Haarmann, w.e Grans nachts bsi ihm ans Fenster an Hopfte, alS er noch oft der Leiche Hr i-ckes b-schäft gt war. Grans bleibt auf wiederholte Vorhaltungm bei der Behauptung daß er pte Lei che nicht gesehen h be, auch nicht nn Schranke. Runmehr kommt der F ll bei 16'/,- j^rigen Schulze-Eolshorn, der feit dem 20 Mürz 1923 vermißt wurde, jur De h .ndlung. Hoarmann erkennt Schulz nab dem B.lde nicht wieder. Es wird Schulzes An^ug hereingebracht,
woraus 3)aarmarm ernart, es sei thm, als ov ec diesen Anzug gekauft fxibe.
Haarmann gibt die Möglichkeit zu, Schulze getötet zu haben. Der nächste Fall betrifft den 15Vsjährigen Roland Huch aus Hannover, den Sohn eines Kaufmanns, verm.ßt feit dem März 1923. Auch befien Anzug wird herbeigebracht. Haarmann will den Anzug nicht wiedererkennen, gibt aber zu, daß der Alizug von einem seiner Opfer her rühren müsse. Dann sucht der Gerichtshof zu Hären, ob Grans den Haarmann zur Bettelei und zum Wäsched:ebft<rhl an gestiftet hat und ob Grans d ie Leichen der Opfer Haarmanns gesehen habe. Die Aussagen beider Angeklagter widersprechen sich. In der gleichen Weise wickelt sich die Vernehmung in den Fällen Schul.; und Huch ab. dem Arbeiter Hans Sonnenfeld bestreitet Haarmann entschieden. Den Rloro an dem 133/i= jährigen Schüler Ernst Ehrenberg und dem Itjäbngen Groniewski hält er für wahrscheinlich. Mit Bestimmtheit erinnert er sich an den Fall des DureaugeHilfen Heinrich wtrutz. Die Ermordung des IZ1/?jährigen Rich. Graf, der feit dem 1. September 1923 vermißt wird, und des Wilhelm ©ebener aus Hannover, 16i 2 Jahre alt, vermißt seit dem 19. Oktober 1923, gibt Haarmann zu, während er den Mord an dem 15jährigen Heimann Wolf aus Hannover, der seit dem 25. September 1923 vermißt wird, bestreitet. Der Junge sei ihm viel zu häßlich gewesen. Haarmann erklärt: ,Die Annahme, ich hätte dreißig umgebracht, will ich dafür gern auf meine Kappe nehmen, aber man soll mich nicht dafür verantwortlich machen, was ich nicht getan habe." Um 3 ülhr wird die Verhandlung auf Sonnabendvormittag 9 ülhr vertagt
Eine neue Verhaftung im Haarmann-Prozeh.
Hannover, 6. Dez. (TU.) Der 21jLhrigi Hugo Witkowski wurde auf Veranlassung der Staatsarstoallschaft verhaftet und in das Au- tersuchungsgesängnis Hannover eingeliefert. Haarmann hat Witkowski besHnldigt, zusammen mit Grans den Arbeiter Adolf H e n a i s im Dezember 1923 ermordet zu hoben.
Aus aller Welt.
Generalseldmarschall von Mackensen feiert heute seinen 75. Geburtstag.
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Die Zahl der Todesopfer bei der Sturmflut von Sarkau an Der ostpreutzi- schen Küste betragt 13. Die Hoffnung, das wenigstens eines der vier vermißten Fischerboote sich habe retten können, ist leider nicht in Erfüllung gegangen. Die Leichen der Ertrunkenen find noch nicht geborgen worden.
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Von der Berliner Krimanalpolizei ist eine Diebesbande festgenommen worden, die aus fünf Frauen im Alter von 30 bis 54 Jahren bestand und die gemeinschaftlich große Diebstähle auf den Berliner Wochenmärkten begingen. Die Männer der Frauen, die sämtlich im Berufsleben stehen und auch ihre Kinder, die zum Teil bereits erwachsen sind, wußten von dem Treiben der Diebinnen nichts. Bei der Durchsuchung der Wohnungen der Verhafteten wurde noch viel Diebesgut vorgefunden.
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Die Kriminalpolizei hat in einem Kieler Vorort eine Falfchmünzerwerkstätte ausgehoben und die Beteiligten verhaftet. Die Fälscher fertigten hauptsächlich Eine-Mark- und Fünfzig-Pfennig-Stücke an. Die Letzteren sollen bereits feit Frühjahr dieses Jahres im Verkehr fein.
Aus Stadt u'nö Land.
Gießen, den 6. Dezember 1924.
Vor dem Enlscheidungstag.
Gndlichl Der erste große Teil der Wahl» schlacht ist geschlagen. Einige Schll.ßg?fech:e finden heute abend noch statt: hoffentlich aber nur Gefechte im politischen Ringen der Geister und nicht etwa Treffen zum Triumphe physischer Kraftentfaltung I
Er bot. im ganzen gesehen, feinen erhebenden Anblick, dieser Wahlkampf. Die nüchterne, kühl abwägende politische Sachlichkeit ist in ihm immer mehr zu kurz gekommen. Dafür trat die Leidenschaft immer stärker in den Vordergrund, eine Leidenschaft die aber gang und gar nichts Großes an sich hatte. In dem Rftigen um die Gunst Sr. Maeslät des Wählens ist ja im allgemeinen all:rlei in Kauf zu nehmen, was man sonst höflichst, aber doch ent chieden dankend oon sch wesien würde Aber n»j diesmal alles an Brand- und Gasbomben in die Kampffront geworfen wurde,'um zu erhitzen und zu benebeln, das überstteg weit das Qllab dessen, was man auch bei weitherzigster Abgren ung des Kampffeldes im voraus als unDerm.ib.id) zirzugestehei' bereit ttxir. Zwar gab es auch etliche sv.undlichc Setten in -bleiern Ringen, die die Itrenge Sachlichkeit und politi che Ritterlichl i: vor eichast aus dem Düster dieser Tage heraushvben. Aber diese freundlichen Seiten waren nur Oa?en in der gar-, fügen Wüste des j tzigen Wahlkampfes Maa mutz es wirllich sehr bedauern, daß die poltti che Au-s- einandersehung bsi uns in so ab,chüs ige Bah e,i geraten Lunte, an deren Ende nur Bürger- u d Vollszerklüstung. wenn nicht gar Haß ih^e Sam melbeHaller h.»ben. Heißchorne haben diesmal mehrfach, statt der Versöhinrng und Ausgleichung der Gegensätze und dem Vorwärtsschretten zum Ziele der Vollsgemeinschisl zu dienen, et e Saat ausgeftreut. deren Entwicklung mit Sorge erfüllen muß. Könnte man die jetzt derart bestellten gei- sttgen Aecker doch zur ülnfcuchtbarkeit verdammen, sie umpflugen und dann mit einer frieren Saat bestreuen, aus der das erstehen würde, was wir rt?iig brauchen: nationale Einigkeit unb Ge,chl ss .nheit nach außen hi.;, Ausg e.chung der Gegensätze Im Innein durch ehrliche und auch opferbereite Duld amteit gegenüber den a i- ber^meinenben Voll^ge'.iossen, kur; gesagt der W lle, ein einzig Volk von Brüdern zu sen! W«i wir heute vor uns sehen, läßt freilich be Aussicht, das ebrngenannte Ziel wenig«tens an= naperno in absehbarer Zett zu erreichen, nrch ve.chlich trübe erscheinen. Adr hier erw chst vor allem den Führern eine Aufgabe! Sie kön° nen, wenn sie ernstlich und ausdauernd wollen, rcke Errelchimg dieses Zieles erleichtern uirh be-
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schlvi^^ tige und schrillem stcheä,r O>l
M g 6er tn K allen B tun- denn KJ ihn ein v lundgebun rung' ®° llian-hem bei dM Snlschei^u den ja gesagt, m oder atm lcinma tt hin- unt dadurch, vahlvors togswah Dahlsp' unb eir Patteilr zubleibe sparen. Jetzt ko> sv tie l(5re; zu gevi Dazu i der 1 zur 1 reift die E zu be obgabe ßtimmi zugesük parteie: in unse vvtte, vaterlä bei di' boetti । Jahrei mibmi Mhl< Urne, sonder
Se QZamen ich vv brauch Fleitzi, und i Faulei etbaro ein d Dund bühÄi ton i der : Pater
hohe eine zuersi ihr : dvtt Ehre


