flr. 262 Erstes Blatt
IM. Jahrgang
Donnerstag, 6. November 1924
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GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Der Sieg des Präsidenten Coolidge.
Die Republikaner haben bei den Präsi» dentschaftSwahlen in den Vereinigten Staaten «irren groben Sieg errungen, so groh, dab er ihnen selbst zweifellos überraschend gekommen ift. Denn noch wenige Wochen zurück, da waren sie sehr besorgt um den starken Zulauf, den der Vertreter der dritten Partei, Lafvl- leite, erhielt und rechneten, wenn auch nicht mit der Möglichkeit einer Riederlage, so doch mit der Wahrscheinlichkeit eines unentschiedenen Wahlausganges, der nach der Verfassung die Entscheidung über die Wahl des Präsidenten auf den Senat übertragen würde. Dab dabei die Aussichten der Republikaner am ungünfligtften lagen, darüber waren sie sich klar, deswegen haben sie mit unbegrenzten Geldmitteln den ganzen Wahlapparat eingesetzt, um Lafolkette mürbe zu bekommen. Das ist ihnen gelungen, von den drei Kandidaten hat Lafolkette äuherlich den geringsten Erfolg gehabt. Immerhin, in Wählern ausgedrückt, ist der Prozentsatz schon ganz anders, und gerade weil er phne jede Wahlmaschine arbeitete, ist fein m oralischer Erfolg um so höher anzuschlagcn.
CS ist schließlich dasselbe, wie wenn ein Amateur gegen einen routinierten Professionisten a i- tritt und sich dabei ehrenvoll hält. Vielleicht toure der Ausgang ganz anders gewesen, wenn auch Lasollctte hinter sich eine Maschine gehabt Hätte, die für ihn arbeitete. Statt desser waren seine Mittel begrenzt, er war eigentlich darauf angewiesen, dab die Wähler selbst ihn vorwärts trugen. Deswegen war er gegen die beiden allen Parteien gehandicapt. Was hat man ihm alles nachgesagt, er sollte ein Kommunist sein, sein Sieg beteulc den Triumph Moskaus, und mit diesen Phrasen, die aus die Dour- geoisie-Onstinkte des gut verdieneirden Amerikaners klug berechnet waren, ist es in der Tat wohl auch gelungen, ihm die Zuläufer wegzuholen. Die Gewerkschaften haben sich im letzten Äugend!ick wenigstens teilweise von ihm l os gesagt, auch die Deutschen scheinen ihm nicht alle treu geblieben zu fein, innnerhin, fein Versuch hat einen starken moralischen (Si-fcKg gehabt.
Das Lafollette überhaupt so weit kommen konnte, war nur möglich bei den ganz verrotteten Parteizuständen, die in den Vereinigten Staaten herrschen. Das böse Wort Raumanns: dab die Korruption die Schwester der Demokratie ist, zeigt sich nirgends so deutlich, wie drüben. Auch Politik heiht Geld verdrenen, wie man das Geld verdient, darin hat man keine Hemmungen, solange nichts davon an die Oeffent- lichkeit dringt Der grob? Oelskandal, in den Wilsons Schwiegersohn tief verwickelt war, hat Stichproben von Methoden dieser ins Riesenhaste gehenden Bestechungen gegeben, aber die Zahl derer, die an der Existenz einer Partei interessiert sind, bleibt doch zu grob, und deswegen ist es gelungen, diese Büchse der Pandora rechtzeitig wieder zu schlieben. an deren Wohlgerüchen sonst beide Parteien hätten ersticken können. Immerhin, die Demokraten hatten daran so schwer Schaden genommen, dab ihre Aussichten von vornherein gleich Rull waren. An ihrem Kandidaten bat das .ächt gelegen, er war von den drei Bewerbern vielleicht durch seine natürliche Gabe der Geeignetste, aber, dab er Finaiizberater des Hauses Morgan war. machte ihn für die breiten Massen unpopulär, während Lafollette immer das eine für sich hatte, dab er, trotz einer mehr als zwanzigjährigen De- täligung innerhalb der amerrkanlschenPoluik eine saubere Weste befaß. Was nur sehr wenige von sich sagen tonnen.
Coolidge hat also jetzt di: zweite Prä- s ident schastsperiod: vor sich. Das ist ein unbeschriebenes Gesetz, dab ein Vizepräsident, der nur durch den Zufall eines Todes die Präsi- dententoürde erringt, noch einmal Gelegenheit e:- hält, fene wahren Fähigkeiten zu zeigen. Sonst wäre wohl niemand darauf gdommji, ihn auf- zust eilen, fein einziger Vorzug ist, daß er schweigsam und zurückhaltend ist. und das bedeutet für d.e ösfentllche Propaganda reichlich wenig. Deshalb hatte man ihm auch ein besonders zugträftiges Pferd beigegeben in dec Person des Vizepräsidentschaftstandldaten Dawes, der seinen Ramen — mehr in Wahrheit nicht — für daS Sachverständigengutachten hergegeben hat, der aber gerate dadurch in Amerika so ungeheuer populär geworden ist. weil die Amerikaner in echt yankeemäbigec De- sche denheil sich jetzt nachrühmen können, dah sie. ebenso wie sie den Krieg gewannen, jetzt auch die wirtschaftliche Entscheidung Europas erzwungen haben.
Mit dem Ramen Dawes aber ist auch aleich- zeitig die Grundeinstellung der künftigen amerikanischen Politik gegeben. 3n den Beziehungen zi, Europa wird sich wenig oder nichts ändern: Ablehnu ng aller Bindungen, st ä r k st e Zurückhaltung in ter rei .en Po Irtik, dagegen finanzielle Beteiligung in den de.rkoar tooiiertcii Grenzen, wohl verstanden. soweit es sich dabei um ein sicheres Geschäft und gute Verzinsung handelt. Ser Wechsel im englische n Kabinett wird vermutlich ein engeres Zusammenarbeiten der beiden „aigelsach ischen Brudervölker" bringen. 2Ibcr die Richtlinie der Veeeinigter Staaten bleibt die alte, höchstens, dah England näher an sie heranrückt. So wenig es für uns bedeutet, ist dies vielleicht noch für uns die beste Lösung. Lafrllette wäre gewiß eine grobe Hoffnung gewesen, oder fein Sieg war von vornherein ausgeschlossen, während bei dem demokratischen
Kandidaten Davis die Spuren seines Freundes Wilson uns schrecken muhten Be. Coolidge wissen wir wenigstens, woran wir sind.
Vas endgültige Wahlergebnis.
Reuhork. 6. Rod. (Äabelbienft der TU.) Rach dem jetzt vorliegenden endgültigen Wahlergebnis hat E o o l i d g e 389 Stimmen erhalten, für Davis wurden 129, und für Lafolle 11 e 13 Stimmen abgegeben. Es besteht die Möglichkeit, daß die Republikaner nur eine knappe Mehrheit im Repräsen- tantenhaus erhalten, die aber so schwach sein wird, daß die demokratische und progressive Minderheit die größte Bedeutung haben wird. 3m Senat werden d i e Demokraten mindestens ebenso stark sein wie die Repu- bllkaner, ebenso die Progressiven. Vielleicht werden sie sogar eine knappe Mehrheit haben. Den Republikanern ist es äußerst unangenehm, daß die Progressiven als 3. Partei bestehen bleiben sollen.
Die Pariser Presse zu dem Ausgang der amerikanischen Wahlen.
Paris, 6. Rov. ($11.) 3n den Betrachtungen zu dem Ausfall der amerikanischen Wahlen gibt die Pariser Morgenpresse durchweg der allgemeinen Ueberzeugung Ausdruck, daß die Politik der privaten Mitarbeit Amerikas an der Lösung der europäischen Probleme in Zukunft wirksam fortgesetzt werden wird. Die Urteile der Blätter lauten überaus trocken und sachlich. Die Möglichkeit eines politischen Kurswechsels der amerikanischen Regierung (Reueinstellung zum Völkerbund, Probleme der interalliierten Schulden) wird von vornherein verneint. Das „Journal" schreibt:
Frankreich hat als loyale und dankbare Freundin des amerikanischen Volkes nichts von deren Regierung zu befürchten. Amerika ist wie sein Präsident: Es verspricht wenig, hält aber umsomehr. Recht zuversichtlich beurteilt auch „Petit Parisien "die Loge, er schreibt u. a.: Obwohl wir uns in die inneren Angelegenheiten Amerikas nicht einzumischen haben und weder für die Republikaner noch für die Demokraten Partei zu ergreifen brauchen, so kann ruhig festgestellt werden, daß die Wiederwahl des Präsidenten Coo- lidge in Frankreich mit großer Genugtuung zur Kenntnis genommen wurde. Es ist gewiß, daß Coolidge, wenn er auch gegen den Eintritt Amerikas in den Völkerbund ist, nichts destoweniger
für den Wiederaufbau Europas dasselbe groß? Interesse wie bisher bekunden wird. Wir können nicht vergasen daß während feiner Verwaltung keine große interalliie.äe Konferenz zustande kam, auf die bi: Vereinigten Staaten nicht einen Beobachter entsandt hätten und dah ihre Mitarbeit niemals vergeblich gewesen ist. Die Verfassung des Dawesplanes und seine Inkraftsetzung auf der Londoner Konferenz sind dafür ein typisches Beispiel. Wir find überzeugt, daß es morgen so sein wird, rvi.- es gestern war. Wohl wissen wir, daß Präsident Coolidge einer Streichung der interalliierten Schulde n nicht gewogen ist, dah er aber keineswegs eine Regelung ausschließt. welche den finanziellen Echtoierigleiten Europas Rechnung trägt. Die amerikanischen Wähler haben damit, dah sie dein Präsident Eoolldge fein 1920 verliehenes Mandat erneuerten, nicht nur ihre Dankbarkeit gegenüber e nein vorsichtigen, schweigsamen und sparsamen Staatsmann bezeugen tool.en, sondern auch ihren Wunsch auszedrückt, daß sie das Werk der indirekten Mitwirkung am wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas und der Lösung der europäischen Probleme fortzusehen wünschen.
Die Militär Kontrolle.
Zurückweisung französischer Lügenmeldungen.
Paris, 6. Rov. (T. U.) „EchodePari s" veröffentlicht erneut einen sensationell ausgemachten Bericht seines Berliner Korrespondenten über die Militärkontrolle. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, sind die darin enthaltenen Angaben in allen Einzelheiten unzutreffend. Der französi.che Korrespondent hatte u. a. berichtet, in den Fadrrken hätten bei fast allen unangemeldeten Kvntrollb.suchen Verstöhe gegen den Friedensvertrag fe st gestellt werden können. 3n den Küstenfestungen Swine- münde und Cuxhafen sei von den Kontrvll- of fixier en festgestellt worden, dah Befestigungsanlagen. die auf Grund des Fri.d.nsvertrages geschleift worden waren, wiederhergestellt sind.
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Man kann sich dabei von den Ab ich'en und der Tätigkeit der interalliierten K mmi sion ein richtiges Bild machen, wenn man bc.'eilt, dah bei der der G it?tali spektion voränget enden letzten Kontrolle cinz l e Truppenteile biszu 1 1 Ma- lenvondenKontrolloffizierenheim- gesucht werden sind, manchmal gu3 angebl ch neuen Anlässen, vielfach aber auch nur. um bereits erörterte Fragen immer wieder zur Sprache zu bringen. Es sch irrt, als ob sich diese Vorgänge auch bei der Gene alkontrvlle w e e - holen sollen, so daß es also gor nicht abzusehen ist wann diese endlich ihr Ende erreichen soll. Di: französischen Falschmeldungen sch.inen bi: Verewigung der ^Generalin s p e k t i o n" vorbereiten zu wollen.
EinIwischensall in Ingolstadt
München, 6. Rov. (TA.) Halbamtlich wird gemeldet: Bei einer Kontrolle der verbandsstaatlichen Distriktskommission München in der Waffenmeisterei Ingolstadt am5.Ro« vember kam es bei der Abfahrt der Kontrollkommission zu einem bedauerlichen Zwischenfall. Eine erregte Volksmenge drängte an der Donaubrücke unter Drohrufen an den Kraftwagen heran, ohne dah sie von der Polizei hätte behindert werden können. Rach den vorliegenden Berichten wurden zweider Ententeoffiziere verletzt. Die bayerische Etaatsregierung hat dicstrengsteAnterfuchung eingeleitet. Der verantwortliche Polizeibeamte wurde vorläufig vom Dienst enthoben.
Der Fall Nathusius.
Paris, 6. Rov. (TA.) General von Ra- thusius ist gestern abend kurz nach 1 Ahr in Lille eingetroffen. „2’Oeuvre“ meldet, daß der General den Metzer Rechtsanwalt R i - colai sich zum Verteidiger bestellt hat. Die Blätter stellen fest, daß die Verballung des deutschen Generals namentlich in D i o n v i 11 e und Forbach eine getoste Erregung hervorgerufen hat- Die deutsche Botschaft in Paris hat bei der französischen Regierung um Erlaubnis ersucht, einen Vertreter der Botschaft zu dem General a. S>. Rathustus nach Lille zu schicken, um mit dem Verhafteten mündlich Besprechungen zu pflegen. Man nimmt in französischen Kreisen an* daß die Revisionsverhandlung gegen Rathufius schon in nächster Zeit stattfinden toird. Wie der „Derk.
Lokalanz." erfährt, sind die Erhebungen der zuständigen deutschen Stellen über den Tatbestand im Falle Rathu ius so gut wie abgeschlossen. Es ist zu erwarten, daß die deutsche Regierung alsbald die Freilassung und Erlaubnis zur Rückkehr nach Deutschland für den General verlangen wird.
Deutschland und der britische Regierungswechsel.
Während in Frankreich bereits eine Beunruhigung über das zutünftige englisch- französische Verhältnis nach der Uebernahme der Regierung durch Baldwin sich breit macht, erscheint eine solche nach Ansicht maßgebender Berliner politischer Personlichke ten für Deutschland nicht notwendig. Man ist vielmehr der Anschauung, dah ein günstiger Ausgang der Handelsvertragsverhandlungen der bereits eingetretenen Annäherung zwischen Deutschland und England nur forderlich sein könnte. Einen wesentliche Faktor der beiderseitigen Beziehungen bildet natürlich Frankreich, da in den nächsten Wochen die Entscheidung über dieRäumung der Kölner Zone fallen muß.
Eine solche wird aber nur möglich, wenn es vorher gelingt, das Sicherheitsproblem, auf das Frankreich einen fo großen Wert legt, einer endgültigen Regelung zuzuführen. Da aber jede englische Regierung ihre Politik stets in Uebrreinsiimmung mit dm Ansichten der Opposition zu bringen versuchte, darf man wohl annehmen, daß die kürzlich gemachte Zusage Macdonalds, England werde am 10. Januar die Kölner Zone räumen, die Zustimmung der Konservativen gefunden hat, und daß Herr Baldwin in dieser Richtung Weiterarbeiten toird.
Baldwins Kabinettsbildung.
Chambcrliu wahrscheinlich Außenminister.
L o n b o n, 5. Rov (WB.) Der neue Premierminister Baldwt n empfing im Laufe des Vormittags und Rachmittags im konservativen Hauptquartier die Staatsmänner, die er gestern abend brieflich oder telephonisch zur Teilnahme an feinem Ministerium eingeladen hatte. Es befanden sich darunter Lord E u r z o n, Lord V o u n g e r, Sir Robert Home. Winston Churchill und Chamberlain Konservative Kreile betonen, daß Baldwin cntfchLoffen ift. diejenigen auszuwählen. die nach seiner Ansicht am besten für die verschiedenen Posten geeignet find, und zwar unter Be.üflichtigung nicht nur der inneren, sondern der Rei chspolitik.
Dem „Star“ zufolge werden bis morgen abend vermutlich die Ramen der eigentlichen Kabinettsmitglieder, etwa 20 befamrt sein. Churchills Teilnahme gill jetzt als sehr wahrschein» l i ch. Als feststehend wird ferner angenommen, dah Austen Chamberlain das Auswärtige Amt erhält. Revi'l Chamberlain wird wahrscheinlich Gesunkcheitsnrinister. Rach Dlättermeldungen wird Lord Curzon wahr
scheinlich das Amt deS Lordpräsidenten im Geheimen Rat angeboten werden. 'Voraussicht! ick, wird am nächsten Freitag ein Äronrot im Buckingham-Palast abgehalten werden, bei w:I cher Gelegenheit die neuen Minister das Amtssiegel und ihr Portefeuille vom König erhalten und den Amtseid ablegen werden.
Konsolidierung der englischen Liberalen.
London, 5. Rov. (WTB.) Rach Blätter- mclbungen hat eine Anzahl liberaler Führer, darunter Lloyd George, Runcänan. Maclea i u.tb Mond, im Hause Asquiths ein: ein stündige Konferenz abgehalten, um Pläne für eure Ren - bilbung der Partei und für einen liberalen Propagandafeldzug zu beraten.
Der deutsch-französische Handelsvertrag.
Wiederaufnahme der Pariser Wirlschaftsverhandlnirgen.
Paris, 6. Roo. (TU) Auf deutscher Seite werden die deutsch-französischen Wirt- schaftsver Handlungen wie bisher von Staatssekretär Trendelenburg geführt. Ihm zur Seite stehen die beiden Generalsekretäre von S i m s o n und von Dalwigk. Die deutschen Vertreter haben in der gestrigen Eröffnungssitzung eine Aufstellung der Waren überreicht, für sie die Anwendung des französischen Mindesttarifes als Gegenleistung für die Meistbegünstigungsklausel fordern. Diese Aufstellung ist in den Beiliner Beratungen mit den einzelnen deutschen Wirtschafts-Sachverständigen vereinbart worden. Dr Trendelenburg etflärtc, daß die Aussicht besieht, zu einem für beide Teile befriedigenden Ergebnis zu kommen.
lieber die Bedingungen, unter denen die Diskussion über den Abschluß von Verhandlungen fortgesetzt wird, glaubt der „TempS" folgendes berichten zu können: Deutschland wird Frankreich grundsätzlich in allgemeiner Welle dieM e i ft- begünftigung betolügen. Da Frankei ch nach dem Zollgeseh von 1919 diese Meistbegünstigung keinem Lande gewähren kann, wird es seinerseits Deutschland gegenüber für eine gewisse Anzahl von Produkten den Minimaltarif zu- gestehen, was tatsächlich der Meistbegünstigung gleichkomme. ES ist jedoch wahrscheinlich, daß dieses Entgegenkommen einige Abänderungen deS französischen Rormaltartfs aus wirtschaf l chm Rvtwendigkeiten erforderlich macht. Die französische Delegation wird andererseits den deutschen Unterhändlern eine Liste der Produkte vorlegen, für die sie eine Konsolidierung der Cingangszolle fordern wird. Diese Vorsichtsmaßnahme habe zum Ziel, sich vor einer späteren Erhöhung der Zollläye zu bewahren. Außerdem werde sie die Aufhebung des Exportverbotes und der Kontingentierung für die hauptsächlichsten französischen Exportartikel verlangen. Der „TempS" weist schließlich noch auf die Schwierigkeiten hin, die angesichts der französischen Stellung in der Frage der Einfuhr der elsaß-lothringischen Produkte nach Deutschland hervorgerufen werden könnten.
Die Genfer Opiumkonserenz.
Genf, 6. Rov. (TN.) Gestern vormittag bettet die Opiumkonferenz über Maßnahmen gegen die Verbreitung des Opiumrauchens. Der Vertreter Japans erflärtc, daß der Opium- mißbrauch ständig abnehme, da die Rauchverbote für Jugendliche und die Einschränkung von Lizenzen mit drakonischer Strenge durchgeführt würden. Die Erfolge berechtigten zu der Hoffnung, dah das Opiumrauchen in nicht allzu ferner Zeit von selbst aufhören' würde. Entsprechende Maßnahmen auch der anderen Staaten wären durchaus wünschenswert.
Polnisch-russischer Grenzzwischenfoll.
Warschau 6. Rov. (TU.) An der polnisch-russischen Grenze bei Ost r og wurden in der letzten Rächt die zwischen den Gre.izstachel- drähten liegenden Handelsgebäude in Brand gesteckt und zerstört. Rach den hie igen Meldungen soll eS sich bei fen Täter i nicht um eine der Räuberbanden des Ostens handeln, sondern um reguläre sowjet-russis che Soldaten. Somit würde cs sich um einen recht ernsten Grenzzwischenfall handeln. Te' einem kurzen Feuergefecht, das sich zwischen den Tätern und den polnischer Grenzvoli- zisten enttoidclte, wurden zwei Polen und einer der Täter getötet
Mussolini gegen
die oppositionelle Presie.
Rom. 5. Rov. (WTB) Es wurden heute folgende Blätter beschlagnahmt „Gorriere della Sera" und „Qlvanti" in Mailand, „QEattino“ in Reapel und „Caborc“ in Genua Um nicht beschlagnahmt zu wndcn, er- schien die Turiner ,Stampa' mit unbedruckten Spalte n. Der „Offervatore Romano" erklärte, kein Urteil ab leben zu können über die gestrigen Vorgänge in Rom während des feierlichen Umzuges Er könne aber nicht verschweigen, daß man den Kapitalirrtum begangen habe, bewaffnete junge Leute an diesen politischen Demonstrationen teilnehmen zu lassen.


